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Spiel & Spaß » Das Mathom-Haus » Familiengedichte. Wie denkt sich der Dichter das mit Mami und Papi und Rest?

sphnix

Gefährte

Familiengedichte. Wie denkt sich der Dichter das mit Mami und Papi und Rest?

Machen wir den Anfang mit Gottfried Benn, denn warum nicht? Man kann Familienverrisse nicht gut mit Mutters Erich beginnen.
Benn also:


Mutter

Ich trage dich wie eine Wunde
auf meiner Stirn, die sich nicht schließt.
Sie schmerzt nicht immer. Und es fließt
das Herz sich nicht draus tot.
Nur manchmal plötzlich bin ich blind und spüre
Blut im Munde.


Man liest nie mit dem Herzen gut.

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sphnix

Gefährte

Re: Familiengedichte. Wie denkt sich der Dichter das mit Mami und Papi und Rest? [Re: sphnix]

Das nächste Familiengedicht ist auch ein Muttergedicht, mit dem ich deutlich mehr Probleme habe:


Meine Mutter


War sie der grosse Engel
Der neben mir ging?

Oder liegt meine Mutter begraben
Unter dem Himmel von Rauch -
Nie blüht es blau über ihrem Tode.

Wenn meine Augen doch hell schienen
Und ihr Licht brächten!

Wäre mein Lächeln nicht versunken im Antlitz
Ich würde es über ihr Grab hängen.

Aber ich weiss einen Stern,
Auf dem immer Tag ist
Den will ich über ihre Erde tragen.

Ich werde jetzt immer ganz allein sein
Wie der grosse Engel,
Der neben mir ging.


https://deutschelyrik.de/index.php/meine-mutter.html


Überhaupt habe ich mit Lasker-Schüler fast immer Probleme, weil ich sie ein latent kitschig und klebrig und pathetisch und unironisch finde. (Wenn hier jmd herumspukt, der diesen Eindruck korrigieren möchte und mir die tieferen Schichten ihrer Schreibe erhellt, wäre das natürlich erfreulich ).

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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sphnix

Gefährte

Aber es geht natürlich noch viel schlimmer: [Re: sphnix]

Mama

Mama
Du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen
Mama
Einst wird das Schicksal wieder uns vereinen
Ich werd es nie vergessen
Was ich an dir hab' besessen
Daß es auf Erden nur eine gibt
Die mich so heiß hat geliebt
Mama
Und bringt das Leben mir auch Kummer und Schmerz
Dann denk ich nur an dich
Es betet ja für mich oh Mama dein Herz

Tage der Jugend vergehen
Schnell wird der Jüngling ein Mann
Träume der Jugend verwehen
Dann fängt das Leben erst an
Mama ich will keine Träne sehen
Wenn ich von dir dann muß gehen

Mama
Du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen
Mama
Einst wird das Schicksal wieder uns vereinen
Ich werd es nie vergessen
Was ich an dir hab' besessen
Das es auf Erden nur eine gibt
Die mich so heiß hat geliebt
Mama
Und bringt das Leben mir auch Kummer und Schmerz
Dann denk ich nur an dich
Es betet ja für mich oh Mama dein Herz

Mama
Mama


(Das Gedicht wird, meiner Quelle nach, dem Volksdichter und Hofpoeten Heintje zugeschrieben:
https://www.songtexte.com/songtext/heintje/mama-5bde4740.html)

Analysen dieses Gedichtes wären äußerst begrüßenswert.
Als Vergleichtext böte sich etwa "Hänschen klein" an


Entweder in der heute gängigen Fassung (https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4nschen_klein):


Hänschen klein ging allein
in die weite Welt hinein.
Stock und Hut stehn ihm gut,
ist gar wohlgemut.
Aber Mutter weinet sehr,
hat ja nun kein Hänschen mehr.
Da besinnt sich das Kind,
läuft nach Haus geschwind.


oder besser noch in der Fassung von Franz Wiedemann (selbe Quelle), deren Ähnlichkeit mit der Poesie Heintjes bei näherer Betrachtung frappierend ist:


Hänschen klein, geht allein
In die weite Welt hinein,
Stock und Hut steht ihm gut,
Ist auch wohlgemuth.
Aber Mutter weinet sehr,
Hat ja nun kein Hänschen mehr.
Wünsch dir Glück, sagt ihr Blick,
Komm nur bald zurück!

Viele Jahr, trüb und klar,
Hänschen in der Fremde war.
Da besinnt sich das Kind,
Ziehet heim geschwind.
Doch, nun ist’s kein Hänschen mehr,
Nein, ein großer Hans ist er;
Schwarz gebrannt Stirn und Hand.
Wird er wol erkannt?

Eins, Zwei, Drei gehn vorbei,
Wissen nicht, wer das wol sei.
Schwester spricht: Welch’ Gesicht!
Kennt den Bruder nicht.
Kommt daher die Mutter sein,
Schaut ihm kaum ins Aug hinein,
Ruft sie schon: Hans! Mein Sohn!
Grüß dich Gott, mein Sohn!



Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Keliope

Nebelläuferin

Re: Aber es geht natürlich noch viel schlimmer: [Re: sphnix]

Ich hatte den Refrain offenbar immer falsch im Kopf:

Mama, du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen.
Mama, es gibt auf dieser Welt nicht nur den einen.


Klingt auch ziemlich fies.

The rain goes on, on and on again
I'll blame it on the weather man
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Mibora

Gefährte

Re: Aber es geht natürlich noch viel schlimmer: [Re: Keliope]

Haha, ich auch.
vielleicht hat sich das mit " Nur nicht aus Liebe weinen, es gibt auf Erden nicht nur den Einen" vermischt?
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sphnix

Gefährte

Immer nur Mütter! [Re: Mibora]

.. dabei gibt es doch viel mehr Familienmitglieder, die die Teufelskreise am laufen halten:



Aus meiner Kinderzeit

Vaterglückchen, Mutterschößchen,
Kinderstübchen, trautes Heim,
Knusperhexlein, Tantchen Rös'chen,
Kuchen schmeckt wie Fliegenleim.

Wenn ich in die Stube speie,
Lacht mein Bruder wie ein Schwein.
Wenn er lacht, haut meine Schwester.
Wenn sie haut, weint Mütterlein.

Wenn die weint, muß Vater fluchen.
Wenn er flucht, trinkt Tante Wein.
Trinkt sie Wein, schenkt sie mir Kuchen:
Wenn ich Kuchen kriege, muß ich spein.


https://www.textlog.de/22957.html


So sieht Ringelnatzens lyrisches Ich das, und bang müssen wir uns fragen, ob wir dem nicht zustimmen.

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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sphnix

Gefährte

Problemeltern, lang: [Re: sphnix]

Bachmann:
Curriculum Vitae


Lang ist die Nacht,
lang für den Mann,
der nicht sterben kann, lang
unter Straßenlaternen schwankt
sein nacktes Aug und sein Aug
schnapsatemblind, und Geruch
von nassem Fleisch unter seinen Nägeln
betäubt ihn nicht immer, o Gott,
lang ist die Nacht.

Mein Haar wird nicht weiß,
den ich kroch aus dem Schoß von Maschinen,
Rosenrot strich mir Teer auf die Stirn
und die Strähnen, man hatt’ ihr
die schneeweiße Schwester erwürgt. Aber ich,
der Häuptling, schritt durch die Stadt
von zehnmalhunderttausend Seelen, und mein Fuß
trat auf die Seelenasseln unterm Lederhimmel,
aus dem
zehnmalhunderttausend Friedenspfeifen
hingen, kalt. Engelsruhe
wünscht’ ich mir oft
und Jagdgründe, voll
vom ohnmächtigen Geschrei
meiner Freunde.

Mit gespreizten Beinen und Flügeln,
binsenweis stieg die Jugend
über mich, über Jauche, über Jasmin ging’s
in die riesigen Nächte mit dem Quadrat-
wurzelgeheimnis, es haucht die Sage
des Tods stündlich mein Fenster an,

Wolfsmilch gebt mir und schüttet
in meinen Rachen das Lachen
der Alten vor mir, wenn ich in Schlaf
fall über den Folianten,
in den beschämenden Traum,
daß ich nicht taug für Gedanken,
mit Troddeln spiel,
aus denen Schlangen fransen.

Auch unsere Mütter haben
von der Zukunft ihrer Männer geträumt,
sie haben sie mächtig gesehen,
revolutionär und einsam,
doch nach der Andacht im Garten
über das flammende Unkraut gebeugt,
Hand in Hand mit dem geschwätzigen
Kind ihrer Liebe. Mein trauriger Vater,
warum habt ihr damals geschwiegen
und nicht weitergedacht?

Verloren in den Feuerfontänen,
in einer Nacht neben einem Geschütz,
das nicht feuert, verdammt lang
ist die Nacht, unter dem Auswurf
des gelbsüchtigen Monds, seinem galligen
Licht, fegt in der Machttraumspur
über mich (das halt ich nicht ab)
der Schlitten mit der verbrämten
Geschichte hinweg.
Nicht das ich schlief: wach war ich,
zwischen Eisskeletten sucht’ ich den Weg,
kam heim, wand mir Efeu
um Arm und Bein und weißte
mit Sonnenresten die Ruinen.
Ich hielt die hohen Feiertage,
und erst wenn es gelobt war,
brach ich das Brot.

In einer großspurigen Zeit
muß man rasch von einem Licht
ins andre gehen, von einem Land
ins andre, unterm Regenbogen,
die Zirkelspitze im Herzen,
zum Radius genommen die Nacht.
Weit offen. Von den Bergen
sieht man Seen, in den Seen
Berge, und im Wolkengestühl
schaukeln die Glocken
der einen Welt. Wessen Welt
zu wissen, ist mir verboten.

An einem Freitag geschah’s
– ich fastete um mein Leben,
die Luft troff vom Saft der Zitronen
und die Gräte stak mir im Gaumen –
da löst’ ich aus dem entfalteten Fisch
einen Ring, der, ausgeworfen
bei meiner Geburt, in den Strom
der Nacht fiel und versank.
Ich warf ihn zurück in die Nacht.

O hätt ich nicht Todesfurcht!
Hätt ich das Wort,
(verfehlt ich’s nicht),
hätt ich nicht Disteln im Herz,
(schlüg ich die Sonne nicht aus),
hätt ich nicht Gier im Mund,
(tränk ich das wilde Wasser nicht),
schlüg ich die Wimper nicht auf,
(hätt ich die Schnur nicht gesehn).

Ziehn sie den Himmel fort?
Trüg mich die Erde nicht,
läg ich schon lange still,
läg ich schon lang,
wo die Nacht mich will,
eh sie die Nüstern bläht
und ihren Huf hebt
zu neuen Schlägen,
immer zum Schlag.
Immer die Nacht.
Und kein Tag.


https://www.lyrikline.org/de/gedichte/curriculum-vitae-267

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Keks

Gefährte

Re: Problemeltern, lang: [Re: sphnix]



Pero este no es el mundo que yo quiero.

Ich finde tackern super. Ich finde, man sollte viel mehr tackern.
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sphnix

Gefährte

Re: Problemeltern, lang: [Re: Keks]

Reflexkex!

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Keks

Gefährte

Re: Problemeltern, lang: [Re: sphnix]

Die Bachmann ist dem Kekse zumutbar.

Pero este no es el mundo que yo quiero.

Ich finde tackern super. Ich finde, man sollte viel mehr tackern.
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