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Mittelerde & andere phantastische Welten » Die Gaukler-Stube » Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3

Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: MorwenDagor]

Blis antwortete nichts, sondern lenkte ihr Pferd nur stumm hinter Melian her. Ihr Gesicht war grimmig, ob wegen der zerstörten Bäume oder etwas anderem, war nicht zu erkennen.

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Geändert durch Aidean (15.01.2014 19:10)

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Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: Aidean]

Blis lag auf ihrem Bett, zuhause in Thal. Reglos starrte sie an die Decke, schon seit Stunden. Aidean hatte schon ein paar mal an die Tür geklopft, doch Blis hatte nicht geantwortet. Das letzte, was sie jetzt wollte, war mit ihrer Mutter zu sprechen.
In den letzten Tagen versuchte Blis krampfhaft, über irgendetwas nachzudenken, was nichts mit Jareq zu tun hatte, doch es schien nichts zu geben, was sie nicht an ihn erinnerte. Wenn sie jemanden lächeln sah, musste sie an sein geheimnisvolles Grinsen denken, wenn sie den Markt überquerte wurde sie an ihre erste Begegnung erinnert, sobald sie etwas aus Metall sah schossen ihr unzählige Kampftaktiken durch den Kopf, die er sie gelehrt hatte und wenn sie draußen einen Vogel zwitschern hörte, dachte sie sofort an seine Krähe.
Also hatte Blis sich in ihr Zimmer eingeschlossen, wollte niemanden sehen und nichts hören. Doch das verschlimmerte es nur. Nun bereitete es ihr noch mehr Schwierigkeiten, ihre Gedanken von Jareq fernzuhalten. Vielleicht wäre es besser gewesen, rauszugehen und irgendetwas zu tun, um sich abzulenken. Doch dann hätte Blis wahrscheinlich mit ihrer Mutter reden müssen, denn Aidean war die schlechte Verfassung ihrer Tochter in den letzten Wochen natürlich nicht entgangen.
Blis seufzte resigniert, als ihre Gedanken wenige Sekunden später zurück zu Jareq flogen. Irgendwann würde sie sich so wie so diesen Gedanken stellen müssen. Sie konnte nicht für immer verdrängen, was er war, denn früher oder später würde sie sich entscheiden, ihn wiedersehen zu wollen, dass hatte sie schon in dem Augenblick gewusst, als er an jenem Tag den kleinen Hof verlassen hatte. Und wenn dieser Zeitpunkt gekommen war, musste sie wenigstens mit sich selbst im Reinen sein, wenn sie es schon nicht mit Jareq war.
Blis atmete tief durch. Also, womit sollte sie anfangen? Damit, dass er ein Auftragsmörder war und einen Stadtrat von Thal getötet hatte, natürlich.
Blis runzelte die Stirn. Was änderte es überhaupt, dass er ein Meuchelmörder war?
Alles, sagte eine Stimme in ihrem Kopf. Nichts, sagte eine andere.
Blis seufzte und drehte sich zur Seite. Auf dem Ast einer Eiche, die vor ihrem Fenster stand, saß eine Krähe. Blis war sich nicht einmal sicher, ob es Jareqs Vogel war, trotzdem drehte sie sich so schnell wie möglich zur anderen Seite.
Nichts, ertönte es erneut in ihrem Kopf. Nichts, nichts, nichts, nichts, nichts.
Mit jedem Wort wurde die Stimme lauter und nahm langsam den Ton des Krächzens einer Krähe an.
Blis schüttelte den Kopf und versuchte, diesen Gedanken loszuwerden. Doch das ließ ihn nur noch lauter und schriller werden. Schließlich warf sie sich auf den Rücken und riss die Augen auf.
Was änderte es? Als sie Jareq das erste mal auf dem kleinen Hof getroffen hatte, hatte sie gedacht, er wolle sie töten, doch er hatte es nicht getan. In den folgenden zwei Jahren hätte er unzählige Male die Gelegenheit gehabt, sie umzubringen. Bei ihren Schwertübungen hätte er statt ihrem Haar einfach ihre Kehle treffen müssen, beim Klettern hätte er sie nicht auffangen müssen, als sie vom Dach fiel. Wenn er sie hätte töten wollen, hätte er es schon längst getan.
Blis runzelte grübelnd die Stirn. Ihr Leben schien ihm aus irgendeinem Grund wertvoll zu sein.
Jedenfalls musste es ihm mehr bedeuten als das der Menschen, die zu töten er bezahlt wurde.
Blis fiel auf, dass sie ihn nicht nach seinem Auftraggeber gefragt hatte. Vielleicht wäre es klug gewesen, dass zu tun, vielleicht aber auch nicht.
Blis rollte sich wieder auf die Seite. Mit ihm zu gehen würde gefährlich sein, für sie beide. Und doch... ungeachtet dessen, was er war, er blieb ihr Freund... und er würde wahrscheinlich ihre erste und einzige Chance sein, Thal jemals zu verlassen.
Blis starrte die Wand an.
Wenn sie hier weg wollte, hatte sie gar keine andere Wahl, als mit ihm gehen, wurde ihr klar. Es gab keinen anderen Weg. Und sie wollte weg. Nie hatte sie sich irgendetwas mehr gewünscht, als die Welt jenseits des Erebor und des Langen Sees kennenzulernen und nie war dieses Ziel für sie in so greifbare Nähe gerückt.
Blis schloss die Augen, als sie ihre Entscheidung traf.

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Geändert durch Aidean (16.01.2014 16:38)

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Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: Aidean]

Ein paar warme Kleidungsstücke, eine Decke, ein Feuerstein, ihr Schwert und ihr Dolch, dazu der Bogen ihrer Mutter und eine Hand voll Pfeile. Blis' Sachen waren schnell gepackt, was hauptsächlich wohl daran lag, dass sie gar nicht genau wusste, was man auf eine lange Reise mitnehmen sollte und einfach alles einpackte, was irgendwie nützlich aussah.
Die Tür ihres Zimmers knarzte leise, als sie sie langsam öffnete und sich in den Flur schlich. Die Tür zum Schlafzimmer ihrer Mutter war offen, zweifellos damit sie es sehen konnte, wenn ihre Tochter vorbeikam.
Langsam schlich Blis sich an. In den letzten Tagen war ihre Mutter so misstrauisch gewesen, dass Blis beinahe befürchtete, sie war ihrem kleinen Geheimnis auf die Schliche gekommen.
Doch als Blis vorsichtig durch den Türspalt spähte, sah sie, dass Aidean auf ihrem Bett lag und schlief. Erleichtert schlich Blis sich an ihrem Zimmer vorbei und die Treppe hinunter. In der Küche steckte sie noch schnell ein paar Lebensmittel ein, die sie für lange haltbar hielt, bevor sie so lautlos wie möglich die Haustür öffnete und nach draußen verschwand.
Als die Tür zurück ins Schloss fiel, öffnete Aidean die Augen. Ihr Blick war traurig.
Es ist soweit, dachte sie schmerzlich.

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Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: Aidean]

Als Blis den kleinen Hof erreichte, war es noch vollkommen dunkel. Es war eine mondlose Nacht und hätte Jareq sie nicht gezwungen, jeden Stein auf den Straßen Thals auswendig zu lernen, wäre sie auf dem Weg sicher nicht ohne ein paar blaue Flecke davongekommen.
Blis ließ ihr Gepäck auf die Stufen der Veranda fallen und setzte sich daneben. Jareq hatte gesagt, er würde kommen, wenn sie mit ihm reden wollte, also vertraute sie darauf, dass er sie bald bemerken würde, wie auch immer er das anstellte.
Blis musste fast schmunzeln, wenn sie daran dachte, dass sie ihm ganz selbstverständlich Dinge zutraute, von denen sie es noch vor zwei Jahren für völlig unmöglich gehalten hatte, dass überhaupt ein Mensch fähig war, sie zu vollbringen.
Blis lehnte sich an die Holzsäulen um die Veranda und schloss für einen Moment die Augen. Später stellte sie fest, dass sie wohl eingeschlafen war, denn als sie die Augen wieder aufschlug, nahm der Himmel im Osten bereits ein blasses Rosa an. Verwundert setzte sie sich auf, denn sie glaubte, durch ein leises Rascheln geweckt worden zu sein.
Tatsächlich flatterte ein paar Sekunden später die Krähe auf den Hof und landete kurz vor ihr.
Blis sprang auf.
„Hey... äh... Krähe!“, sagte sie etwas unsicher. Wie redete man eigentlich mit Vögeln?
„Sei so gut und flieg zu deinem Meister und sag ihm, dass ich hier bin und auf ihn warte!“
Blis kam sich unglaublich dämlich dabei vor, einer Krähe einen so präzisen Auftrag zu erteilen, doch irgendwie hatte sie das Gefühl, dass der Vogel sie tatsächlich verstand, auch wenn er nicht sofort wegflog. Er starrte sie an. Sein Blick zeigte etwas, dass Blis nicht sofort erkennen konnte. Sie runzelte die Stirn. Konnte ein Vogel Traurigkeit empfinden?
Bevor sie darüber nachdenken konnte, breitete die Krähe die Flügel aus und flatterte krächzend davon.
Blis setzte sich wieder auf die Treppe neben ihre Tasche und wartete. Um sich herum hörte sie, wie Thal langsam zum Leben erwachte. Türen knarzten, Menschen unterhielten sich, wenn sie an der Gasse zu Blis' Hof vorbeikamen und Kinder lachten, während sie auf den Straßen spielten. Das einzige, was sie nicht hörte, waren die leichten, leisen Schritte, mit denen Jareq sein Kommen ankündigten würde.
Fast zwei Stunden starrte Blis unentwegt in die schmale Gasse, die auf den Hof führte. Draußen auf den Straßen war es seit ein paar Minuten immer lauter geworden. Menschen redeten schnell und aufgeregt miteinander und einige riefen sogar laut.
Blis runzelte verwundert die Stirn. Es war ziemlich laut dafür, dass nicht einmal Markttag war.
Mit der Zeit schwoll der Lärm sogar noch an. Die Menschen redeten immer lauter und schienen der Straße, in die die kleine Gasse zum Hof führte, immer näher zu kommen.
Schließlich konnte Blis sich nicht mehr zurückhalten und lief über den Hof, durch die Gasse und auf die Straße.
Die Menschenmenge drängte sie beinahe zurück in die Gasse. Mühsam quetschte sich Blis auf die Straße. Die Menschen hatten ihr den Rücken zugekehrt und versuchten offenbar, irgendetwas in der Mitte der Straße zu sehen. Blis tippte einen Mann neben sich an.
„Was ist denn hier los?“, fragte sie ihn laut, um die schwatzende Menschenmasse zu übertönen.
Der Mann beugte sich zu ihr herunter.
„Ich kann auch nicht viel sehen, aber die Leute sagen, dass heute früh irgendein Mann festgenommen wurde und jetzt zum Richtplatz geführt wird.“
Blis wollte noch etwas fragen, doch der Mann stand schon wieder gerade und stellte sich auf Zehenspitzen, um etwas erkennen zu können. Blis schien er schon vergessen zu haben.
Mühsam dränge sich die Zwergin durch die aufgeregte Menge, um selbst etwas sehen zu können. In ihrem Inneren machte sich eine beängstigende Unruhe breit. Eigentlich wusste sie ganz genau, wer der Mann war, den man verhaftet hatte, doch sie wollte es nicht glauben. Er war zu gut, er würde sich nicht einfach gefangen nehmen lassen. Während Blis sich an zwei Dutzend Menschen vorbeikämpfte, schoss ihr die Erinnerung an ihre erste Begegnung durch den Kopf. Damals hatte er sich auch fangen lassen. Aber das war ihre Schuld gewesen und er hatte gesagt, dass ihn vorher noch nie jemand erwischt hatte. Er konnte es nicht sein, Blis wollte nicht, dass er es war.
Trotz des Unglaubens, den sie sich einzureden versuchte, konnte sie nicht verhindern, dass sich Panik in ihr ausbreitete, während sie sich immer hektischer durch die Menschenmenge schob.
„Mörder!“, hörte sie neben sich eine Frau schreien.
„Seinen Kopf! Wir wollen seinen Kopf!“, brüllte ein Mann etwas weiter weg.
„Schlagt ihn tot!“, das war die Stimme eines Kindes.
Es schien Blis, als wären Stunden vergangen, bis sie endlich die vorderste Reihe erreichte. Kaum einen Moment später bahnten sich drei Wachleute einen Weg durch die Menge. Ihnen folgten dicht auf zwei weitere Wachen, die einen dunkelhaarigen Mann zwischen sich führten.
Als er Blis in die Augen sah, spürte sie ihr Herz zu Eis gefrieren.

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Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: Aidean]

Ein dumpfer Nebel schien sich um sie zu legen, das wütende Schreien des Mobs hinter ihr rückte in weite Ferne.
Reglos stand sie da, als Jareq an ihr vorbei geführt wurde.
„Es tut mir leid“, flüsterte er, als er ihr am nächsten war und unter anderen Umständen hätte Blis sich gewundert, warum sie ihn trotz der tosenden Menge hatte verstehen können.
Bevor Blis reagieren konnte, war Jareq schon lange an ihr vorbeigeführt worden.
„Nein...“, flüsterte sie, ohne wirklich zu begreifen, warum.
Sie wollte zu ihm rennen, ihm helfen, so wie sie es bei ihrer ersten Begegnung getan hatte, doch der Nebel in ihrem Kopf schien verhindern zu wollen, dass sie auch nur einen klaren Gedanken fassen konnte. Die Menschenmenge hatte sich hinter den Wachen geschlossen und folgte ihnen zum Richtplatz. Blis rannte ihnen nach, zumindest glaubte sie das zu tun. In Wirklichkeit war sie kaum in der Lage, einen Fuß vor den anderen zu setzten und holte die Menge erst ein, als diese sich schaulustig auf dem großen Platz versammelt hatte. Dumpf nahm sie die hasserfüllten Schreie wahr, während sie versuchte, sich an den Menschen vorbei zu kämpfen.
„Lasst mich durch“, lallte sie, „Bitte lasst mich durch.“
Sie konnte kaum ihre eigene Stimme hören und murmelte es immer wieder, weil sie sich nicht sicher war, ob sie es schon gesagt hatte und die Menschen vor ihr keine Anstalten machten, sie durchzulassen.
„Lasst mich durch. Ich muss ihm doch helfen...“
Niemand beachtete sie, während sie versuchte, sich mit schwachen, langsamen Bewegungen durch die Menge zu schieben.
„Was passiert denn da vorn?“, brüllte der Mann, an dem sie sich gerade vorbeidrängte.
„Ich glaub, sie verlesen die Anklage, oder wie auch immer dieses Zeug heißt, dass sie halt vorlesen bevor sie ihn köpfen.“, rief eine genervte Frau etwas weiter vorn. Blis nahm ihre Stimme nur als ein fernes Flüstern wahr, doch die Nachricht verbreitete sich schnell und wurde hunderte mal wiederholt. Blis hörte die Worte, doch es kam ihr vor als wären Stunden vergangen, bevor sie ihren Sinn verstand.
„Nein...“
Das ist alles ein Traum. Es muss ein Traum sein. Ich kann einfach aufwachen und dann ist es nie geschehen...
Es war mehr ein Flehen, als eine Überzeugung.
Im Gedränge stieß jemand Blis unachtsam den Ellbogen an die Schläfe. Sie stolperte gegen einen Mann, der sich wütend beschwerte. Dumpf spürte Blis einen pochenden Schmerz in ihrem Kopf und der Nebel um sie herum verdichtete sich.
„Jetzt steht er am Hackblock!“, rief eine Stimme durch die Menge.
Blis, drang ein leiser Ruf an das Ohr der taumelnden Zwergin.
„Gleich geht es los!“, schallte der aufgeregte Ruf hin und her.
Blis!
Blis brauchte eine Weile, bis sie begriff, dass jemand nach ihr rief.
Blis!
Sie konnte die Stimme nicht zuordnen. Das einzige, woran sie denken konnte, war, dass sie nicht Jareq gehörte.
„Jetzt hebt der Henker das Schwert!“, kreischte eine Frau über die Menge.
BLIS!
Plötzlich spürte Blis einen starken Druck an ihren Schultern und im nächsten Moment riss sie jemand zu Boden.
Der Nebel vor ihren Augen verdichtete sich zu undurchdringlich schwarzem Rauch und als das laute Raunen durch die Menge ging, verlor sie das Bewusstsein.

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Geändert durch Aidean (17.01.2014 06:38)

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Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: Aidean]

Blis lag auf ihrem Bett und starrte mit leerem Blick an die Zimmerdecke. Das dumpfe Gefühl in ihrem Kopf war immer noch nicht ganz gewichen, obwohl sie schon vor zwei Tagen wieder aufgewacht war, Zuhause, in ihrem Bett. Offenbar hatte ihre Mutter sie auf dem Richtplatz zu Boden gerissen, damit sie nichts sehen konnte, und sie anschließend nach Hause gebracht. Zuerst konnte Blis sich nicht erinnern, was passiert war oder wie sie hier her gekommen war. Als ihre Erinnerung langsam zurückkehrte, hatte sie erst gedachte, es sei tatsächlich ein Traum gewesen, doch als sie den Bluterguss an ihrer linken Schläfe bemerkte, wusste sie, dass sie sich irrte. Blis begann zu weinen und sie hörte nicht auf. Sie wollte nicht aufhören. Es half ihr, den Schmerz erträglich zu machen.
Nun waren ihre Augen gerötet und ihre Lippen trocken. Sie wollte weiter weinen, doch es waren keine Tränen mehr übrig, die sie noch nicht vergossen hatte. Eine dumpfe Leere schien sich in ihrem Inneren auszubreiten und jedes andere Gefühl vernichten.
Blis hörte, wie sich die Tür leise öffnete und drehte den Kopf. Aus irgendeinem Grund gab sie sich immer noch dem absurden Gedanken hin, dass Jareq hereinkommen könnte.
Doch es war Aidean, die den Raum betrat.
„Wie geht es dir?“, flüsterte sie besorgt.
Blis antwortete nicht, sondern drehte nur den Kopf zurück nach oben.
Seufzend warf Aidean einen Blick auf das unangerührte Tablett neben Blis' Bett. Langsam ging sie durch den Raum und setzte sich zaghaft auf die Bettkante.
„Blis, bitte...“, begann sie.
Blis drehte ihr den Rücken zu.
Aidean seufzte traurig. „Blis, es tut mir so leid. Ich weiß, wie du dich fühlst.“
„Du weißt gar nichts“, zischte Blis verbittert.
Aidean senkte den Blick und presste die Lippen aufeinander. „Ich weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren.“
Langsam drehte sich Blis zu ihr um.
„Mein Vater?“, wisperte sie tonlos.
Aidean nickte schwach. Blis' Blick schien für einen Augenblick weicher zu werden, verdüsterte sich im nächsten Moment aber sofort wieder.
„Woher willst du wissen, dass er mir das gleiche bedeutet hat?“
Aidean seufzte leise und strich Blis sanft über das Haar.
„Er war hier. Vor ein paar Wochen. Er hat mir alles erzählt. Dass du ihm das Leben gerettet hast und dass er dich ausgebildet hat.“
Blis Augen weiteten sich. „Du lügst!“
Doch der Blick ihrer Mutter verriet ihr, dass sie die Wahrheit sagte. Blis schaute verlegen zu Boden und biss sich auf die Unterlippe.
„Nur falls du Angst hast: Ich bin nicht wütend.“, beruhigte Aidean sie.
Blis wollte beruhigt aussehen, doch es gelang ihr nicht ganz.
„Warum? Warum hat er es dir gesagt?“, platze sie schließlich heraus.
Aidean schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht.“
Vielleicht wusste er, was kommen würde.
Blis behielt diesen Gedanken für sich.
„Gestern kam hier eine Krähe an und ließ sich nicht mehr vertreiben“, erwähnte Aidean.
Blis nickte. „Das war seine.“
„Nun... wie es aussieht, will sie jetzt dir gehören.“
Als hätte sie darauf gewartet flog in diesem Moment Jareqs Krähe durch das offene Fenster und ließ sich auf Blis' Schoß nieder.
Aidean schien nicht gerade begeistert zu sein, scheuchte den Vogel Blis zuliebe aber nicht weg.
„Wie heißt sie?“, fragte sie stattdessen.
Blis überlegte einen Moment.
„Jareq“, entschied sie schließlich.
Aidean lächelte. Es war wohl aufheiternd gemeint, doch Blis war nicht nach Lächeln zumute. Wortlos strich sie über das weiche Gefieder der Krähe.
Nach eine Weile stand Aidean langsam auf und nahm das Tablett neben dem Bett mit.
„Ich bringe dir etwas frisches zu essen“, sagte sie zu Blis und verließ das Zimmer.
Die Krähe betrachtete Blis mit ihren schwarzen Knopfaugen. Noch immer erkannte Blis die eigenartige Traurigkeit in ihrem Blick.
„Jareq“, flüsterte sie gedankenverloren.
Plötzlich sprang sie auf und lief zu ihrem Kleiderschrank. Ihre Mutter hatte offenbar auch ihre Tasche, mit der sie Thal hatte verlassen wollen, gefunden und mitgebracht, denn sie stand vor dem Schrank. Blis öffnete den Beutel und zog ihren Dolch heraus.
Die Krähe beäugte sie misstrauisch, als sie sich auf das Bett setzte und die Schneide des Messers in ihre Hand legte.
„Seine Götter sind nicht meine“, sagte sie leise. Sie sah die Krähe mit entschlossenem Blick an.
„Aber das hier ist auch nicht für sie. Das ist für ihn“, fügte sie grimmig hinzu, als sie sich fest die Klinge über die Handfläche zog.

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Geändert durch Aidean (17.01.2014 06:45)

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Tarina

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: Aidean]

Als Tàri am Morgen nach Ardagast`s Rettung vom Geschreie des Zauberers aufwachte, war sie, genau wie Damaris sofort auf den Beinen. So schnell sie konnte packte sie ihre Sachen zusammen und zwang sich, sobald sie fertig war, noch ein kaltes Stück Fleisch vom Vortag zu essen.
Dann rief sie Fìrnen zu sich und schwang sich in den Sattel.
Dabei behielt sie die, Richtung Rohan marschierende, Truppe von Uruk-Hai die ganze Zeit im Auge.
Während sie nun wartete, dass auch die anderen Gefährten aufbruchsbereit waren, musste sie immer wieder ein Gähnen unterdrücken, denn die letzten zwei Nächte hatte sie sogut wie garnicht geschlafen, und wenn, dann war ihr Schlaf durch Albträume geplagt in denen sie immer wieder einen blutigen, grausamen Krieg erlebte, bei dem sie entweder auf verschiedenste Arten umgebracht wurde, oder nur tatenlos dabei zusehen musste wie alle um sie herum starben..
Aus diesem Grund brannte es in ihr die Uruks auf zu halten und daran zu hindern die Gefährten zu erreichen..

"Never cruel nor cowardly. Never give up, never give in."

"Nothing is ever forgotten, not completely."
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Aerlinn2

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: Aidean]

Aerlinn wurde wieder einmal aus dem Schlaf gerissen, doch diesmal war es kein unsanftest rütteln, nein, es war ein dumpfes trommel, das den Boden erbeben ließ. Sie fuhr hoch und bevor Ardagast über haupt etwas gesagt hatte packte sie ihre Sachen zusammen und half noch schnell den anderen, dann ritten sie los.
Nun, ein paar Stunden später, ritten sie den Uruks hinterher, mittlerweile konnten sie sie sogar sehen, weit entfernt, in sicherer Entfernung, denn sobald der Wind sich drehen würde, würden sie sie riechen.
Langsam verdunkelte sich der Himmel, es dämmerte. Lange würden sie nicht mehr reiten können und würden gezwungen sein ein Nachtlager aufzuschlagen. Also ritt sie langsam nach vorne zu Damaris, die gerade bei Ardagast war.

"Schlagen wir heute ein Nachtlager auf? Wenn ja sollten wir uns langsam nach einem umsehen."




»Und dann hob sich der graue Schleier über der Welt...und alles verwandelte sich in silbernes Glas..... und ein fernes, weiches Licht spiegelte sich auf dunklen Wassern....«
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MorwenDagor

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: Aerlinn2]

Melian und Blis ritten in leichtem Galopp über die weite Ebene Rohans.
...........
Gestern Abend waren sie in Sichtweite Isengards gekommen, wo Melian ihre Befürchtungen bestätigt gefunden hatte: Der schwarze Turm, in dem Saruman residierte, hatte sich früher in einem weitgestreckten Park befunden, bestanden mit uralten Bäumen und erfüllt von Vogelgezwitscher.
Nun war die Umgebung des Orthanc nicht mehr wiederzuerkennen: Allenthalben Gruben und tiefe Klüfte, aus denen Dampf und Rauch drangen, Räderwerke, Hämmer und Ketten verursachten einen Lärm, meilenweit zu hören. Man mußte sich nicht nähern, um zu erkennen, dass hier Orks in Scharen schmiedeten, schmolzen und hämmerten.
Nirgends aber war eine Spur von Gandalf zu sehen...oder den Gefährten des Ringbundes. Noch eine von Ardagast und Melians Gefährten.
Lautlos hatte sich Melian zurückgezogen und sie hatten Orthanc weiträumig umritten. Dabei stießen sie auf die Spur eines riesigen Heeres, dass augenscheinlich von Isengard aus Richtung Rohan aufgebrochen war. Melian starrte auf die Spuren: "Uruks, große Kampforks! Es müssen Tausende sein! Doch woher kommen sie? Ich fürchte Saruman hat uns verraten und seine Macht ist größer, als Ardagast annahm. Wir sollten der Spur folgen und sehen, was sie vorhaben. Aber nicht mehr heute!"
Im Schutz einer Baumgruppe hatten sie Rast gemacht. Ohne Feuer, zu nahe waren die Orks.
In der Nacht hatte sich Blìs unruhig umhergeworfen und Unverständliches gemurmelt. Alpträume schienen sie zu plagen. Das erklärte auch ihre seit Tagen meise Laune...seit der Geschichte, die sie nicht zu Ende erzählt hatte.
Nicht, dass Melian das nicht verstehen könnte, auch sie wollte nicht über gewisse Ereignisse sprechen. Und sie hoffte, sie sprach nie Verständliches in ihren Träumen, wenn Blìs Wache hielt.
.............
Nun war der folgende Tag schon viele Stunden alt und sie folgten der breiten Schneise zertrampelten Grases, den die Uruks hinterlassen hatten.
Melian hielt Ausschau, doch sie konnte keine Spur ihrer Gefährten erkennen, diese schienen noch nicht auf dieser Seite des Gebirges angekommen zu sein.
Melian war sich unschlüssig, ob sie nicht lieber doch warten sollten, ob ihre Gefährten auftauchten.
"Komm , Blìs, wir rasten!" Nach dem kalten Mittagsmahl spähte Melian noch einmal nach allen Seiten aus. NIrgends war eine lebende Seele zu sehen, noch eine Spur, die nicht zu den Uruks gehörte Wohin sollten sie sich wenden? Oder sollten sie Jareq losschicken, um Ausschau zu halten?
Unschlüssig wollte sie sich gerade zu Blìs umdrehen, als sie am Horizont eine Rauchwolke bemerkte...aus der Richtung, in die die Uruks gezogen waren. Irgendetwas war dort geschehen, und es war nichts Gutes. Melian schwang sich auf Tôr und winkte Blìs, ihr zu folgen, dann preschte sie in Richtung der entfernten Rauchschwaden...

*********"Melian? Melian ist tot. Sie starb nach der Schlacht um den Erebor, vor langer Zeit...Ich bin Morwen, Morwen i Dagor... und man kennt meinen Namen auf den Schlachtfeldern Ardas....."***********
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Eruanne

Ranger of Ithilien

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - Buch 2: Kapitel 3 [Re: MorwenDagor]

Freya trieb Nachtschatten vorwärts. Drei Tage waren sie nun schon unterwegs. Drei Tage durch die Ebenen Rohans. Immer der Spur folgend die das gestohlene Pferd und dessen Diebe hinterließen. Freya war froh darüber, dass sie vor ein paar Jahren die Idee hatte Sternenschweifs Hufe zu präparieren, so dass man immer den Spuren des Zuchthengstes folgen konnte, wenn dieser mal wieder etwas Abwechslung suchte. Hatte ihr Vater anfangs geglaubt, dass der Hengst wie so oft seine Freiheit brauchte, wusste es Freya da bereits besser. Sie wusste genau was mit dem Pferd passiert war.

Sternenschweif war ein Nachkomme der Mearas. Einst wurde ihrem Großvater als Dank erlaubt eine seiner Stuten von einem dieser berühmten Pferde decken zu lassen. Daraus entstand eine lange Linie an Pferden die in ganz Rohan bekannt waren. Unter anderem auch ihr Rappe Nachtschatten.

Sternenschweif war jedoch das bekannteste und wertvollste Pferd auf ihrem Zuchthof. Und nun hatte man es gestohlen. Nicht man, dachte Freya wütend, sondern Herod dieser widerliche Kerl. Sie erinnerte sich mit Schaudern an ihr letztes Gespräch. Er wollte sie heiraten und fand dass eine Frau mit vierundzwanzig Jahren nicht mehr alleine sein sollte, sondern einen starken Mann an ihrer Seite bräuchte. Vor allem wenn der Vater keine Söhne hatte und sie als die älteste Tochter einmal den Hof übernehmen würde. Er würde sie beschützen und dafür sorgen dass man sie bei Verhandlungen nicht über den Tisch ziehen würde. Freya hatte nur gelacht und ihm gesagt, dass er sie überhaupt nicht kennen würde. Sie brauchte keinen Mann der sie beschützte. Bereits mit elf Jahren, als aufkam dass ihre Mutter keine weiteren Kinder bekommen konnte und deshalb der erhoffte Sohn ausbleiben würde, hatte Freya dank ihres Onkels begonnen mit Schwert und Bogen zu trainieren. Reiten konnte sie zu dem Zeitpunkt bereits wie der Teufel, was ihrer Mutter immer halbe Herzinfarkte bescherte. Und über den Tisch hauen lies sie sich nicht mal von Eomer, dem Dritten Marshall der Riddermark, dem sie bereits höchstpersönlich ein Pferd verkauft hatte. Sie hatte Herod vom Hof geschickt, bereits zum dritten Mal, und er hatte geschworen dass sie das bereuen würde. Und nun hatte er ihnen den wertvollen Hengst gestohlen.

Freya hatte sich nach einer erfolglosen Suche in ihre Reiterrüstung bestehend aus Hemd, Hosen, Tunika, leichtem Kettenhemd, Lederharnisch, Stiefel und Umhang gekleidet, Nachtschatten gesattelt, ihre Waffen, Helm und Schild am Sattel befestigt und war nach einem kurzen aber heftigen Streit mit ihrem Vater auf die Suche nach dem Pferd gegangen. Dies war nun drei Tage her und die Spuren wurden frischer. Das hieß sie kam den Dieben näher.

Als Freya sich nach rechts wand erspähte sie Rauch, der hinter einem Hügel aufstieg. Sie wusste dass sich dort ein kleines Dorf befand und so schnell sie konnte galoppierte sie auf den Hügel zu. Oben angekommen, sah sie dass das Dorf brannte. Von den Feinden war nichts mehr zu sehen, trotzdem setzte sie ihren Helm auf, zog das Schwert und ritt auf das Dorf zu. Kurz davor wurde sie langsamer und hörte auf Geräusche, doch das Dorf war bis auf das Knacken des Feuers welches sich durch das Holz fraß still. Langsam ritt sie weiter und sah die ersten Leichen. Frauen, Männer und Kinder. Getötet mit großer Brutalität auf ihrer Flucht aus dem Dorf. Freya musste die Übelkeit und die aufkommende Erinnerung an einen anderen Toten unterdrücken. Nicht jetzt, redete sie auf sich ein. Nicht jetzt Freya. Konzentriere dich. Da gibt es vielleicht Menschen die deine Hilfe brauchen. Konzentriere dich. Weiter ritt sie in das Dorf hinein und sah jedoch nur Leichen. Einige grausam verstümmelt. Diese Orkbestien. Freya war übel und am liebsten hätte sie sich an Ort und Stelle übergeben. Langsam lies sie sich von Nachtschattens Rücken gleiten, das Schwert umklammert. Freya gab ihrem Pferd den Befehl zu warten. Sie selbst ging in die erste nur leicht brennende Hütte und sah nach den Menschen dort. Doch auch diese waren tot. So schnell sie konnte verließ sie das Gebäude. Die junge Rohirrim stieß den Atem aus und merkte erst jetzt, dass sie diesen angehalten hatte. Freya kontrollierte nun eine Hütte nach der andern. Doch nichts als der Tod empfing sie. Immer wieder das grausame Bild von getöteten Menschen. Sie merkte nicht einmal dass sie mittlerweile weinte, als sie die letzte Hütte betrat. Sie wollte nur einen kurzen Blick hinein werfen. Denn die Hütte brannte schon stark. Tod. Nichts als Tod sah sie auch hier. Freya ging rückwärts Richtung Tür, als sie ein Knacken von oben vernahm. Ein Stück Balken hatte sich gelöst und traf sie noch ehe sie reagieren konnte. Während alles um sie herum verschwamm, hörte sie Nachtschattens ängstliches Wiehern und ihr letzter Gedanke war Jetzt komme ich zu dir Liebster, dann wurde sie ohnmächtig.

Freundschaft
ist wie eine Spur,
die im Sand verwischt,
wenn man sie nicht beständig erneuert.


Gründungsmitglied des Clubs der "langhaarige, bärtige Männer-Bevorzugerinnen"
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