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Mittelerde & andere phantastische Welten » Kreativschmiede » Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Robb IX

In guter Stimmung ritt Robb durch die hohen Tore in den Roten Bergfried. Er freute sich darauf, endlich seinen Vater und seine Schwestern in die Arme schließen zu können. Nachdem Robb von Lady Margaery und Lord Estermont über Renlys Tod und den Ausgang der Schlacht am Goldweg unterrichtet worden war, hatte er die Truppen des Nordens und der Flusslande weiter in Richtung Hauptstadt geführt. Lady Margaery hatte angekündigt, ebenfalls nach Königsmund zu kommen, sobald ihr Vater im Lager eingetroffen war.

Beim Abschied von der schönen Margaery hatte Robb gehört, dass Edmure zu der jungen Witwe gesagt hatte, dass er sich auf ein baldiges Wiedersehen mit ihr freue. Dabei hatte er gelächelt und Margaery zurückgelächelt und Robb hatte einen Anflug von Eifersucht auf seinen Onkel verspürt. Doch dann hatte er sich an das Heiratsabkommen mit den Freys erinnert und sich selbst einen Narren gescholten.

Während sie noch unterwegs gewesen waren, hatte Robb Nachrichten über die Schlacht um Königsmund, Stannis' Sieg und den Tod des Usurpators Joffrey erhalten. Auch wenn Eilmärsche nicht mehr notwendig waren, führte Robb seine Männer zügig weiter, bis sie an jenem Morgen einem Vorposten des Tyrell-Heeres, das vor den westlichen Stadttoren lagerte, begegnet waren. Darauf war König Stannis verständigt worden. Auf seinen Befehl errichteten Robbs Männer ein Heerlager vor dem Göttertor. Robb selbst wurde zusammen mit den Lords zum König befohlen. So begab er sich zusammen mit Brynden und Edmure Tully, Maegen Mormont, Großjon Umber, Rickard Karstark, Galbart Glauer, Wendel Manderly, Jonos Bracken, Tytos Schwarzhain, Jason Mallister, Marq Peiper, Karyl Vanke, Ryman Frey und Beric Dondarrion in die Stadt.

Im Hof der Roten Bergfrieds stieg Robb vom Pferd und schaute sich um. Auf sechs der sieben Türme der Festung wehte Stannis' gelbes Banner, das ein flammendes Herz und den schwarzen Hirsch der Baratheons zeigte. Doch auf dem siebten Turm wehte ein schwarzes Banner mit einer hohen silbernen Krone, sieben Sternen und einem weißen Baum. Das muss das Banner Elessars sein, dachte Robb, der König jener Männer, die von den Göttern geschickt wurden, um meinen Vater zu retten.

Robb und seine Begleiter wurden zum Thronsaal geführt. Vor dem Saal standen zahlreiche Männer, Frauen und einige Kinder. Ein Mädchen trat aus der Menge und lief auf Robb zu.

"Arya!", rief Robb, als er seine Schwester erkannte. Arya erreichte ihn und umarmte ihn stürmisch. "Hallo, Robb!", lachte sie. "Du hast ja einen Bart wie ein richtiger Mann!" Es war anderthalb Jahre her, seit Robb seine Schwestern das letzte Mal gesehen hatte.

"Und du bist ganz schön gewachsen!", erwiderte Robb. Mittlerweile kamen sein Vater und Sansa heran geschritten. Beide lächelten, doch Robb erschien es, dass sein Vater gealtert war. Sansa war noch mehr als Arya gewachsen und sie war nicht mehr das unschuldige, naive Kind früherer Tage, sondern eine ernste junge Lady. Robb löste sich aus Aryas Umarmung.

"Vater! Sansa!", rief Robb fröhlich. "Oh, Robb!" Sansa umarmte ihn unter Tränen. Robb erwiderte die Umarmung, ehe er Sansa losließ und sich an seinen Vater wandte.

"Ich bin sehr stolz auf dich, Junge!", sagte Lord Eddard. "Du hast so viel geleistet, als…"

"Mylord Hand! Mylord! Myladys!", rief auf einmal ein dicker Mann mit abstehenden Ohren, der eine Rüstung mit einem vergoldeten Umhang trug. "Seine Gnaden wartet auf Euch! Bitte begebt Euch in den Thronsaal!"

"Schon, gut, wir kommen, Ser Axell!", seufzte Robbs Vater und wandte sich zum Eingang. Arya verdrehte die Augen. Robb folgte mit seinen Schwestern seinem Vater und stellte Ser Brynden und Ser Edmure Sansa und Arya vor. "Du kennst wohl diesen Ser Axell?", fragte er Arya.

"Ja, sicher", stöhnte Arya. "Ser Axell Florent, Onkel der Königin, früher Kastellan von Drachenstein und seit gestern neuer Lord Kommandant der Stadtwache. Außerdem ein elender Wichtigtuer!"

"Arya!", zischte Sansa empört. "Ich sage nur die Wahrheit!", erwiderte Arya, doch als sie in die Große Halle traten, schwieg sie.

Dort waren bereits viele Leute versammelt. Ihre Gespräche verstummten, als die Neuankömmlinge eintraten. Lord Eddard führte sie zum Eisernen Thron, der sich auf einer Empore am Ende des Saals befand. Robb sah zum ersten Mal Stannis, der mit einer Krone auf dem Haupt auf dem Sitz aus Klingen thronte. Zu seiner Rechten saßen eine Frau und ein Mädchen in Aryas Alter, die beide ebenfalls Kronen trugen. "Das sind Königin Selyse und Prinzessin Sharin", erklärte Robbs Vater, während sie noch durch die Halle schritten. "Und wer sind die Herren zur Linken des Königs?", fragte Robb.

"Das sind die Mitglieder des Kleines Rates", antwortete sein Vater. "Lord Alester Florent, Meister der Münze, Lord Davos Seewert, Meister der Schiffe, Lord Mathis Esch, Meister des Rechts, Lord Varys, Meister der Flüsterer und Maester Cressen, der neuer Großmaester werden soll."

Beeindruckender als die Mitglieder des Kleinen Rats war für Robb der Mann, der auf einem zweiten, kleinen Thron aus Holz am Fuß der Empore saß und ebenfalls eine Krone trug. Er sah weitaus königlicher aus als Stannis. Auf seiner Brust prangte das Wappen von Gondor. Neben ihm stand ein Mann, der das gleiche Wappen trug und eine entfernte Ähnlichkeit mit Onkel Benjen hatte. Robb wusste sofort, dass dies König Elessar und Fürst Faramir waren. Robb war etwas befremdet, dass Elessar ihn zuerst bestürzt anschaute, ehe er freundlich lächelte.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Lord Eddard blieb stehen und sagte zu Stannis: "Euer Gnaden, mein Sohn Robb und die Lords des Nordens und der Flusslande sind wie befohlen eingetroffen." Robb und die Lords knieten nieder.

"Erhebt Euch!", gebot Stannis. "Seid gegrüßt und willkommen. Unser Dank gebührt Euch für Eure Leistungen im Kampf gegen die verräterischen Lannisters. Am meisten danke ich Euch, Kommandant Robb Stark. Ihr erhaltet den Titel 'Retter der Flusslande'. Gibt es etwas, womit wir Euch für Eure Verdienste belohnen können?"

Robb stand wieder auf. "Euer Gnaden, wir haben wie befohlen Ser Jaime Lannister lebend hergebracht. Ich bitte Euch, ihn für seine Verbrechen, insbesondere seinen Mordversuch an meinem Bruder Brandon zu bestrafen."

"Selbstverständlich", stimmte Stannis zu. "Den Königsmörder erwartet ein Gerichtsverfahren – zusammen mit seiner nicht minder bösartigen Buhle und Schwester. Bis dahin soll er in den Schwarzen Zellen bleiben. Aber die gerechte Bestrafung eines Verbrechers ist doch gewiss nicht Euer einziger Wunsch?"

"Nun…" Robb zögerte, ehe er fortfuhr: "Ich habe Winterfell verlassen, damit mein Vater und meine Schwestern aus den Klauen des falschen Königs Joffrey und die Flusslande vor den Angriffen der Lannisters gerettet würden. Dass all dies erreicht wurde und ich einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, ist mir Belohnung genug."

Stannis zeigte den Anflug eines Lächelns. "Der junge Wolf ist bescheiden und pflichtbewusst. Ihr seid wahrlich Eures Vaters Sohn!"


Zwei Stunden später saß Robb zwischen seinem Vater und seinem Onkel Edmure im Sitzungssaal des Kleinen Rates. Außer König Stannis und den Mitgliedern des Rates waren noch Robb, Ser Edmure sowie der Schwarzfisch zu der Beratung gebeten worden. Robb hatte befürchtet, dass Ser Edmure ihn um den Titel "Retter der Flusslande" beneiden würde, doch sein Onkel ließ nichts dergleichen erkennen. Seit der Begegnung mit Margaery Tyrell war er irgendwie verändert.

Vor der Beratung hatte Robb noch Gelegenheit gehabt, mit seinen Schwestern zu sprechen. Dabei hatte er gemerkt, wie unterschiedlich es den beiden ergangen war: Arya hatte munter über ihre Zeit auf Drachenstein und ihre Freundschaft mit Prinzessin Sharin geplaudert; Sansa hingegen wollte nicht über das sprechen, was Joffrey ihr angetan hatte. Robb bedauerte ein wenig, dass er nicht selbst die Gelegenheit bekommen hatte, diesen abscheulichen Tyrannen zu töten.

Zu Beginn der Ratssitzung machte Stannis dem Schwarzfisch ein überraschendes Angebot: "Ser Brynden Tully, ich möchte Euch in die Königsgarde aufnehmen und zum Lord Kommandanten ernennen."

"Was?", rief Ser Brynden erstaunt. "Das ist eine große Ehre, aber wie kamt Ihr auf mich, Euer Gnaden? Ihr kennt mich doch nicht! Warum ernennt Ihr nicht einen Eurer Ritter aus Drachenstein?"

"Ich weiß genug über Euch", erwiderte Stannis. "Ihr seid tapfer, furchtlos, aufrichtig, ein hervorragender Kämpfer und nennt die Dinge unverblümt beim Namen. Daher seid Ihr für dieses Amt bestens geeignet. Die meisten meiner Wächter aus Drachenstein sind entweder verheiratet oder verlobt, daher können sie nicht in die Königsgarde aufgenommen werden – oder sie eignen sich noch nicht zum Lord Kommandanten. Ihr hingegen seid führungsstark und unverheiratet."

"Ich bin fürwahr ledig", bestätigte der Schwarzfisch. "Und ich beabsichtige auch nicht zu heiraten. Wer gehört noch zur Königsgarde?"

"Bisher noch niemand", antwortete Stannis. "Aber ich werde Ser Loras Tyrell und Ser Parmen Kranich, die zur Garde meines Bruders Renly gehörten, ernennen, wenn Ihr mein Angebot annehmt."

"Gewährt mir bitte einen Tag Bedenkzeit, Euer Gnaden!", bat Ser Brynden.

"Einverstanden", sagte Stannis. "Lord Robb, was habt Ihr zu berichten?"

"Lady Margaery übergab mir diesen Brief von Balon Graufreud an Lord Renly", sagte Robb und gab das Schreiben an den König weiter. "Es traf erst nach Renlys Tod ein."

Während Stannis den Brief las, verfinsterte sich seine Miene. "König der Eiseninseln? Dieser verfluchte Rebell und Usurpator Balon Graufreud! Robert hätte ihm schon vor zehn Jahren den Kopf abschlagen sollen. Ich werde mich mit den Eisenmännern befassen – wenn die Lannisters sie nicht zuerst erledigen. Wo ist sein Erbe, Theon Graufreud? Ich habe ihn nicht unter Euren Männern gesehen, Lord Robb."

"Ich habe Graufreud mit zweitausend Männern noch Norden geschickt", erklärte Robb.

"Warum habt Ihr das getan, Kommandant?", fragte Stannis streng.

Robb ließ sich nicht einschüchtern. "Bei allem Respekt, Euer Gnaden, Lord Balon mag ein Rebell und Usurpator sein, doch Theon vertraue ich wie einem Bruder. Ich erhielt südlich von Schnellwasser sehr beunruhigende Nachrichten aus meiner Heimat. Der Bastard von Bolton hat eine Revolte angezettelt, die sogar Winterfell bedrohen könnte. Ich habe Theon mit seinen Truppen nach Norden geschickt, um dieser Revolte ein Ende zu bereiten."

"Wir haben auch davon gehört, Robb", erklärte Lord Eddard. "Gestern erhielten wir die Nachricht, dass Winterfell tatsächlich in Gefahr ist, da die Staublins und Ryswells sich der Revolte des Bastards angeschlossen haben." Als Robb das hörte, stockte ihm der Atem. Oh, Götter! Bran und Rickon!

"Das ist gewiss das Werk von Tywin Lannister", knurrte Stannis. "Überdies wissen wir noch nicht, ob nicht auch der Vater des Bastards in diese Verschwörung verwickelt ist. Daher haben wir einen Raben nach Harrenhal geschickt und Ser Helman Tallhart befohlen, Roose Bolton bis auf weiteres unter Arrest zu stellen. Also gut, Lord Robb, Ihr hattet einen verständlichen Grund, den jungen Graufreud nach Norden zu schicken. Wo ist er jetzt genau?"

"Er dürfte mittlerweile die Zwillinge erreicht haben, Euer Gnaden", antwortete Robb. Er wandte sich an Lord Eddard: "Vater, ich muss Euch noch sagen, dass Mutter Theon begleitet."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Theon II

"Wollt Ihr Euch nicht auch eine Gemahlin aussuchen, junger Graufreud?", fragte Walder Frey mit einem grimmigen Lächeln. "Immerhin seid Ihr älter als Robb Stark und habt schon die Zwanzig überschritten. Ich könnte Euch gerne meine Töchter einzeln vorstellen, wenn Ihr es wünscht."

"Das wird nicht nötig sein, Lord Frey!", erwiderte Theon hastig. "Ich darf als zukünftiger Lord der Eiseninseln auch nur eine Frau von den Eiseninseln heiraten. So ist es Sitte bei uns Eisenmännern." Er fügte nicht hinzu, dass diese Sitte nur für die Felsweiber, die wahren Gemahlinnen, galt. Die Salzweiber der Eisenmänner kamen hingegen aus aller Welt – doch sie waren Konkubinen, die auf Raubzügen verschleppt worden waren. Sollte ich jemals zu einem Raubzug hierherkommen, werde ich mich vielleicht mit einem seiner kleinen Wiesel vergnügen, aber es gewiss nicht zum Salzweib nehmen.

"Ach ja, schade", bedauerte der Lord der Zwillinge. "Seltsame Sitten haben die Eisenmänner." Er nahm einen Schluck aus seinem Weinkelch und schien über etwas nachzudenken.

Nachdem Theon mit seinen Truppen in den Zwillingen angekommen waren, hatte Lord Walder ihn, Lady Catelyn und Kleinjon Umber zum gemeinsamen Abendessen gebeten.

"Lord Walder!", mischte sich Lady Catelyn ein. "Ich darf Euch daran erinnern, dass wir auf dem Weg nach Norden sind, um die Revolte des Bastards von Bolton niederzuschlagen, die Winterfell bedroht! Auch zwei Eurer Enkel sind dort in Gefahr."

Lord Frey blickte auf. "Ja, natürlich", sagte er unwirsch, "der Große und der Kleine Walder, die ich als Mündel nach Winterfell geschickt habe. Wobei der Kleine größer ist als der Große, hehe. Es missfällt mir sehr, Lady Stark, dass sie in Eurer Festung in Gefahr geraten! Nein, sagt jetzt nichts, ich weiß, dass Ihr noch mehr Männer zum Kampf gegen den Bastard wollt. Von mir aus! Der Schwarze Walder mag Euch weiterhin begleiten und bekommt noch einmal fünfzig Männer mehr."

Mehr sind ihm seine Enkel nicht wert?, dachte Theon und sagte: "Habt Dank, Lord Frey! Jede Verstärkung ist uns willkommen!"

Der Greis winkte ab. "Spart Euch Euren Dank! Aber da fällt mir wieder ein, junger Graufreud, was ich über Eure Leute sagen wollte. Habt Ihr schon vernommen, dass Euer Vater nun ebenfalls in den Krieg eingegriffen hat?"

"WAS?", rief Theon überrascht. "Nein, das wusste ich nicht."

"Die Eiserne Flotte hat Lannisport angegriffen", berichtete Lord Frey. "Die Eisenmänner kämpfen nun auch gegen die Lannisters."

"Ha! Ich wusste es!" Theon verbarg seine Freude nicht. "Seht Ihr, Lady Stark, mein Vater kämpft nun auch für uns! Was sagt Ihr dazu?"

"Ich frage mich, warum Lord Balon das macht", erwiderte Lady Catelyn unbeeindruckt. "Gewiss nicht aus Liebe zu König Stannis. Auf jeden Fall haben der König und Ned richtig entschieden, dich nicht nach Peik zu senden. Lord Balons Eingreifen zeigt, dass das gar nicht nötig gewesen wäre." Theons Lachen gefror, während sich Lady Catelyn an Lord Walder wandte: "Wie habt Ihr davon erfahren, Mylord?"

"Durch einen Brief meines dummen Sohnes Emmon", antwortete Lord Frey. "Ihr wisst schon, der Gemahl von Genna Lannister, der auf Casterlystein lebt und sich auf die Seite der Lannisters gestellt hat, dieser Verräter. Jetzt fleht er auf einmal mich um Hilfe an und fragt nach, ob man nicht seinen Sohn Cleos freilassen und mit Truppen zum Kampf gegen die Eisenmänner nach Westen schicken könnte. Der Junge lebte doch noch, oder?"

"Ser Cleos ist Gefangener in Schnellwasser", erklärte Theon kühl. "Was habt Ihr Ser Emmon geantwortet, Lord Frey?"

Der Lord der Zwillinge gluckste. "Noch nichts, junger Graufreud. Aber ich werde ihm schreiben, dass er Hilfe bekommt, sobald er und Lord Tywin das Knie vor König Stannis gebeugt haben. Wie Ihr wisst, bin ich ein treuer Gefolgsmann des Königs - genauso wie Euer Vater, hehe." Angesichts dieser Bemerkung verdrehte Lady Catelyn die Augen.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Als sie am nächsten Tag die Zwillinge verließen, atmete Theon erleichtert auf. Er blickte nicht zurück, während an der Spitze der geringfügig vergrößerten Truppe gen Nordosten ritt. Auch wenn Theon sich über die Nachrichten vom Angriff der Eisenmänner gefreut hatte, war die Atmosphäre beim Mahl mit Lord Frey sehr unbehaglich gewesen. Der Lord der Zwillinge hatte sich über den Tod seines Erstgeborenen Stevron beklagt, wobei er mehr Ärger als Trauer zu empfinden schien. Außerdem hatte er Lady Catelyn mehrfach an die gegebenen Heiratsversprechen erinnert.

Zum Glück stecke ich nicht in Robbs Haut, dachte Theon. Aber warum hat das alte Wiesel mich auch verheiraten wollen? Hat der Schwarze Walder etwas über Talisa verraten? Misstrauisch blickte Theon kurz zu dem gleichnamigen und schlecht beleumundeten Urenkel des greisen Lords. Als Ser Stevron seinen Verletzungen erlegen war, hatte der Schwarze Walder keinerlei Trauer um seinen Großvater gezeigt. Es hieß, dass er nicht wegen seines dunklen Bartes der Schwarze genannt wurde, sondern weil er ein jähzorniger und unangenehmer Mann war, der sich jede Frau nahm, die er begehrte. Das tat Theon im Prinzip auch (zumindest versuchte er es), doch selbst er fand die Gerüchte über den Schwarzen Walder verstörend. Der Kerl hatte angeblich mehrere Gemahlinnen seiner Brüder und Onkel und sogar seine Basen gebettet. Das hätte Theon eigentlich gleichgültig sein können, doch nun hatte der Schwarze Walder auch einen Blick auf die schöne Talisa geworfen.

Die Heilerin aus Volantis hatte Theons Verletzung in Hochklipp fachkundig versorgt. Nachdem Robbs Befehl zur Rückkehr nach Schnellwasser eingetroffen war, hatte Talisa sich bereit erklärt, Theon zu begleiten und sich um Verwundete aus seiner Truppe zu kümmern. Sie blieb auch bei der Truppe, als Theon wiederum auf Robbs Befehl von Schnellwasser aufbrach, um nach Winterfell zurückzukehren und die Revolte des Bastards von Bolton niederzuschlagen. Die Heilerin hatte erklärt, dass sie neugierig auf den Norden sei, daher würde sie gerne mitkommen.

Seit ihrer ersten Begegnung hatte Theon der schönen Volantenerin den Hof gemacht und sie schien auch ihm nicht gänzlich abgeneigt zu sein (jedenfalls bildete er sich das ein), doch sie weigerte sich standhaft, sich von ihm berühren zu lassen oder gar das Bett mit ihm zu teilen. Auch hatte sie kaum etwas über sich erzählt und nur erwähnt, dass sie die Tochter eines Kaufmanns sei. Anfangs hatte ihm es gefallen, dass sie sich zierte und er hatte es als Anreiz aufgefasst, sich noch mehr um sie zu bemühen, doch allmählich begann es ihn zu verdrießen. Dass nun auch noch der Schwarze Walder Talisas Nähe zu suchen schien, verdross ihn noch mehr.

Am Abend des zweiten Tages nach dem Aufbruch von den Zwillingen sah Theon, dass der Schwarze Walder mit Talisa sprach, während das Lager aufgebaut wurde. Sobald das Lager errichtet war, suchte Theon die Heilerin auf.

„Lady Talisa, auf ein Wort!“, bat er. „Können wir einige Schritte gehen?“ Die Volantenerin nickte und folgte ihm.

„Was wollte der Schwarze Walder von Euch?“, fragte er.

„Er hat gefragt, ob ich noch genügend Verbandszeug hätte und mir angeboten…“

„Lasst Euch nicht auf seine Angebote ein!“, mahnte Theon. „Das ist ein übler Kerl, über den man schlimme Dinge hört…“

„Das weiß ich auch!“, unterbrach ihn Talisa. „Ich habe sein Angebot abgelehnt. Wenn Ihr, wie Ihr sagt, für eine gute Sache kämpft, frage ich mich allerdings, warum Ihr solche Verbündete wie diesen Mann habt.“

„Man kann sich seine Verbündeten nicht immer aussuchen“, erklärte Theon. „Außerdem ist der Schwarze Walder ein guter Kämpfer, aber mit Frauen will er nur sein Vergnügen haben…“

„So wie Ihr?“, versetzte Talisa. „Auch über Euch habe ich einiges vernommen, seit wir uns in Hochklipp kennen lernten. Es heißt, Ihr seid ein guter Kunde von Huren und kein Rock sei vor Euch sicher. Was unterscheidet Euch denn so sehr vom Schwarzen Walder?“

„Ich äh…“, stammelte Theon. „Ich bette keine Gemahlinnen anderer Männer! Ansonsten bin ich ein ganz normaler Mann mit den normalen Bedürfnissen eines Mannes. Das solltet Ihr als Heilerin doch wissen. Aber ich kann Euch gerne noch einiges beibringen.“ Er griff nach ihrer Hand.

Talisa aber zog ihre Hand weg und erwiderte: „Ich weiß genug von diesen Dingen! Doch mein Beruf ist es zu heilen und nicht solche Bedürfnisse zu erfüllen, was auch immer Ihr denken mögt!“

Nun wurde Theon noch verlegener. „Verzeihung, Mylady, ich wollte Euch nicht beleidigen. Ganz ohne Hintergedanken: Ihr habt doch noch genug Verbandszeug und Arzneien?“

„Gewiss, ich hatte zuletzt keine Verwundeten zu versorgen. Aber das wird sich wohl bald ändern. Wann werdet Ihr Eure Truppe wieder in einen Kampf führen?“

„Ich weiß es noch nicht“, antwortete Theon. „Wir müssen noch mehr über die Rebellion des Bastards erfahren. In vier oder fünf Tagen erreichen wir Maidengraben, dann entscheiden wir, wie es weitergeht.“

Theon hatte noch nicht entschieden, ob er direkt auf dem schnellsten Weg nach Winterfell zurückkehren würde, auch wenn Lady Stark darauf drängte. Eigentlich wollte er den Bastard und die anderen Rebellen in einer offenen Schlacht vernichten, um damit endlich die ihm zustehende Anerkennung zu erhalten. Doch darüber sprach er nicht mit der Heilerin aus Volantis.

Gleichwohl hatte ihn das Gespräch mit Talisa nachdenklich gemacht. Zum einen, da er den Eindruck hatte, dass sie mehr war als die Tochter eines Kaufmanns. Zum anderen, da ihm bewusst wurde, dass er überhaupt keine Frau mehr gebettet hatte, seit er Talisa kennen gelernt hatte, auch wenn er dazu sicher die eine oder andere Gelegenheit gehabt hätte. Irgendwie hat mich diese Lady verhext.

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GordonnotRamsay

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]


This is AMAZING!
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: GordonnotRamsay]

Faramir X

Die Sonne strahlte, als Elessar und Faramir mit den Heerführern Gondors den Saal des Kleinen Rats verließen. Sie hatten mit Stannis und dem Kleinen Rat besprochen, wie es nun weitergehen sollte. Elessar hatte vorgeschlagen, dass das Heer Gondors sich in den Norden von Westeros begeben sollte, da der Kampf um den Eisernen Thron gewonnen sei und man in den Krieg gegen den wahren Feind ziehen müsse. Doch Stannis hatte den Vorschlag abgelehnt: Noch sei der Krieg nicht gewonnen und möglicherweise würden die Streitkräfte Gondors noch im Süden gebraucht. So entsprach Elessar Stannis' Bitte, zunächst in Königsmund zu bleiben.

Bei der Beratung wurden auch die neuen Mitglieder der Königsgarde vorgestellt: Neben dem neuen Lord Kommandanten Ser Brynden Tully, Ser Loras Tyrell und Ser Parmen Kranich waren dies Ser Perwyn Frey, Ser Erren Florent, Ser Andru Estermont und Ser Godry Farring. Faramir fand es nach wie vor befremdlich, dass diese Männer wegen des Eintritts in die Garde auf Ehe und Familie verzichten mussten. Auch der hübsche Loras. Das dürfte außer Sansa Stark wohl noch manch andere junge Lady bedauern!

Schließlich wurde auch über die noch lebenden Mitglieder von Joffreys Königsgarde beraten. Ser Arys Eichenherz hatte Joffreys Schwester Myrcella begleitet, war mit ihr nach Braavos entkommen und wurde nun in Abwesenheit zum Verräter erklärt. Ser Jaime Lannister und Ser Boros Blount waren eingekerkert und sollten demnächst angeklagt werden – letzterer wegen seiner Beteiligung an der Ermordung von Lord Starks Männern bei Joffreys Machtübernahme und seiner Gewalttaten gegen Sansa Stark. Schwieriger war der Fall von Sandor Clegane. Der sogenannte Bluthund war zwar auch an der Ermordung der Nordmänner beteiligt gewesen, doch andererseits hatte er Sansa Stark mehrfach das Leben gerettet und war schwer verletzt worden, als er das Mädchen gegen Meryn Trant verteidigt hatte. Da er darüber hinaus einmal Ser Loras Tyrell das Leben gerettet hatte, bat dieser Stannis um Gnade für Sandor Clegane, der sich im Lager der Tyrells von seinen Verletzungen erholte. Der König hatte darauf die Beratung beendet und alle hinaus geschickt, um mit Lord Stark unter vier Augen zu sprechen.

Faramir wartete mit seinen Leibwächtern an der Seite seines Königs, bis Lord Eddard heraus kam. "Habt Ihr etwas Zeit, Fürst Faramir?", fragte er. "Der König hat mir befohlen, mit Ser Loras ins Lager der Tyrells zu gehen, um mit dem Bluthund zu sprechen und dann zu entscheiden, ob gegen ihn Anklage erhoben werden soll. Ich wäre dankbar, wenn Ihr mich begleiten würdet, denn ich hätte gerne Euren Rat in dieser Sache. Außerdem habt Ihr ihn gefunden und versorgt, nachdem er Sansa gegen Meryn Trant verteidigt hat."

Faramir blickte zu Elessar, der zustimmend nickte. "Gut, ich begleite Euch, Lord Stark. Wobei nicht ich seine Wunden versorgt habe, sondern der Soldat Bergil aus meiner Leibgarde. Er sollte ebenfalls mitkommen."

Ser Loras führte darauf Lord Stark und Faramir und dessen Wachen aus dem Roten Bergfried und durch die Stadt nach Südwesten in die Richtung des Königstores. Faramir, nutzte die Gelegenheit, um mit dem jungen Ritter ins Gespräch zu kommen. "Wie alt seid Ihr, Ser Loras?", fragte er.

"Achtzehn, Mylord."

So einem hübschen jungen Burschen aus vornehmen Hause müssten doch viele Mädchen zu Füßen liegen – und er will auf die Liebe verzichten? "Wenn Ihr mir die Frage gestattet, Ser… Seid Ihr nicht etwas voreilig, schon in so jungen Jahren die Hoffnung auf eine Heirat und Kinder aufzugeben?"

"Das Haus Tyrell lebt durch meine Brüder fort", erwiderte Ser Loras. "Ein drittgeborener Sohn muss nicht heiraten oder Kinder zeugen."

"Er muss nicht, aber viele wollen es. Was ist mit der Liebe?"

Ser Loras senkte seinen Blick. "Meine große Liebe ist tot", sagte er traurig. "Ich werde nie wieder lieben. Wenn die Sonne untergegangen ist, kann keine Kerze sie ersetzen."

"Oh, das tut mir Leid, Ser!" Faramir war etwas verlegen und sagte nichts mehr dazu, auch wenn er sich fragte, welche vorzeitig verstorbene junge Lady Ser Loras' große Liebe gewesen war. Überdies war das auch für Faramir ein heikles Thema, denn er hatte selbst zu spüren bekommen, wie sehr sein Vater Denethor zeitlebens unter dem frühen Tod seiner großen Liebe Finduilas gelitten hatte.

"Ser Loras, wie geht es Sandor Clegane?", fragte Faramir nach einer Weile.

"Seine Verletzungen heilen gut, aber…" Ser Loras hielt kurz inne, ehe er fortfuhr: "Die Nachricht vom Tod seines Bruders hat ihn ziemlich wütend gemacht."

"Er sinnt auf Rache für seinen Bruder?"

"Ich denke nicht, Mylord. Mir scheint eher, dass er wütend ist, weil er den Berg nicht selbst umbringen konnte." Als Faramir das vernahm, verschlug es ihm fast die Sprache. "Er will… wollte seinen eigenen Bruder umbringen?", stammelte er, während Eddard hinzutrat.

"Das wollten viele, denn Gregor Clegane war ein Monster!", erklärte der Lord von Winterfell. "Er hat während Roberts Rebellion Rhaegar Targaryens kleinen Sohn vor den Augen seiner Mutter Elia Martell ermordet, bevor er sie vergewaltigte und ebenfalls ermordete. Während des jüngsten Krieges sind er und seine Männer mordend, folternd, vergewaltigend und plündernd durch die Flusslande gezogen."

"Der Berg hätte auch mich beim Turnier der Hand vor einem Jahr heimtückisch getötet, wenn Sandor nicht eingeschritten wäre", ergänzte Ser Loras. "Was immer man Sandor Clegane auch vorwerfen mag, so sollte man doch auch bedenken, dass auch ihm schlimmes widerfahren ist."

"Wie diese Verletzungen in seinem Gesicht?", fragte Faramir.

"Die hat er bereits seit seiner Kindheit", erklärte Ser Loras. "Es heißt, dass ein Brand sein Gesicht entstellt habe. Darüber hinaus hat er schon als Knabe seine Eltern und seine Schwester verloren."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Schließlich durchschritten sie das Königstor, gingen am Turnierplatz vorbei und kamen ins Feldlager der Tyrells. Ser Loras führte Eddard und Faramir zu einem großen, bewachten Zelt. Sie traten ein; auf einen Wink Faramirs ging auch Bergil mit.

In der Mitte des Zeltes stand ein langes Bett, auf dem Sandor Clegane lag. Sein Hals war dick verbunden und seine Augen geschlossen, doch er schlug sie auf, als die Besucher eintraten.

"Wen habt Ihr mitgebracht, Blumenritter? Ach du Scheiße, Lord Stark und zwei Männer aus Gondor – seid Ihr gekommen, um mich wegzubringen? Soll ich dem verdammten roten Gott Eures neuen Königs geopfert werden?"

"Keineswegs, Bluthund!", erwiderte Lord Stark. "Stannis findet zwar, dass eine gute Tat eine schlechte nicht aufhebt, aber dennoch hat es mir überlassen, ob gegen Euch Anklage erhoben wird. Ich habe nicht vergessen, dass Ihr am Gemetzel an meinen Männern im Thronsaal beteiligt wart. Andererseits habt Ihr meiner Tochter Sansa das Leben gerettet. Dafür… danke ich Euch." Eddard fiel es offenbar nicht leicht, Sandor zu danken. "Warum habt Ihr das getan, wo Ihr doch Joffreys geschworener Schild wart?"

Der Bluthund blickte Eddard finster an. "Das wundert Euch, wie? Ihr denkt, ich sei Joffreys Schoßhund und so ein Ungeheuer wie mein in der siebten Hölle schmorender Bruder. Nein, Mylord! Ich hatte genug von diesem kleinen Scheißer Joffrey und davon, wie er den kleinen Vogel… Eure Tochter misshandelt hat. Als Stannis' Brief eintraf, in dem Joffrey als Bastard des Königsmörders bezeichnet und Ihr als Zeuge genannt wurdet, hat der kleine Scheißer der Königsgarde befohlen, Eure Tochter zu verprügeln. Diese beschissenen Wichser Boros Blount und Meryn Trant haben sie blutig geschlagen. Noch schlimmer war es nach dem Sieg Eures Sohnes bei Ochsenfurt, bis der Gnom einschritt und den Misshandlungen ein Ende machte. Ich stand beide Male daneben und tat nichts. Doch als Meryn Arschloch Trant in ihr Gemach kam, um sie auf Joffreys Befehl zu töten… Nein, Lord Stark, ich bin kein Ungeheuer; ich bin ein ganz normaler, brutaler Mörder, der Männer mit Freuden im Kampf tötet – genauso wie Ihr und Eure Begleiter!"

Faramir hob die Augenbraue. "Ist das Eure Art von Dankbarkeit, Eure Retter als Mörder zu bezeichnen, Sandor? Ich, Faramir, Fürst von Ithilien und Hand des Königs Elessar führte jene Truppe an, die Lady Sansa und Euch fand. Der Soldat Bergil hat Eure Verletzung verbunden; ansonsten wäret Ihr verblutet!" Er zeigte auf seinen Begleiter.

Sandor wandte sich an Bergil. "Na gut, danke, Soldat!", murrte er trotzig. "Gern geschehen!", erwiderte Bergil irritiert, da er wohl genauso wie Faramir über den wenig dankbaren Tonfall des Bluthundes verwundert war.

"Ihr scheint nicht sonderlich erfreut darüber, noch am Leben zu sein", merkte Faramir an.

"Warum sollte ich mich darüber freuen?", bellte der Bluthund. "Da Ihr ja angeblich aus einer anderen Welt kommt, frage ich mich, warum Ihr Euch ausgerechnet in unsere Scheißwelt verirrt habt. Hier gibt es nichts, wofür es sich zu leben lohnt. Nicht für mich, da nun auch mein verfluchter Bruder tot ist. Was für ein Witz: Der reitende Berg Gregor Clegane wurde von einem verdammten Weib erschlagen!"

"Ihr wollt Euch doch nicht an Lady Brienne rächen?", fragte Loras beunruhigt. "Ihr habt doch selbst gesagt, dass Euer Bruder ein Ungeheuer war."

"Ja, ein Ungeheuer, das ich selbst töten wollte!", rief Sandor. "Der Hass auf meinen Bruder hat mich angetrieben und am Leben gehalten. Ich habe dafür gelebt, mich eines Tages für das zu rächen, was er meiner Familie und mir angetan hat!"

Da fiel es Faramir wie Schuppen von den Augen. "Eure Gesichtsverletzung – das war kein Unfall! Das war Euer Bruder!"

"Verdammt noch mal, ja!", fluchte Sandor. "Ich war ein Knabe von sieben Jahren, als ich mit einer Holzfigur spielte, die ihm gehörte. Er hat mich gepackt und meinen Kopf in ein glühendes Kohlebecken gedrückt, bis die Hälfte meines Gesichts verbrannt war. Meinen Vater und meine Schwester hat er umgebracht! Und so ein Monster wurde Ritter, um das zu tun, was Ritter eben tun: Morden, plündern, vergewaltigen!"

"Euer Bruder war kein wahrer Ritter!", widersprach Loras. "Wahre Ritter dienen ihren Herren treu, beschützen die Schwachen, verteidigen das Recht, sind tugendhaft…"

"So wie du, Blumenritter?", spottete Sandor. "Schau dir doch die ach so edlen Ritter an: Meryn Trant, Boros Blount, Jaime Lannister, Amory Lorch – allesamt Abschaum!" Er wandte sich an Faramir und Bergil: "Begreift Ihr, dass das hier eine Scheißwelt ist? Oder ist es in Eurer Welt noch schlimmer?"

"Zum Glück nicht", antwortete Faramir, "aber wir haben vor einigen Jahren einen blutigen Krieg geführt und gesiegt. Hätten wir verloren, wäre Mittelerde ein weitaus schlimmerer Ort als Westeros geworden. Unser Kampf war verzweifelt und scheinbar aussichtslos, doch wir kämpften trotzdem weiter, weil wir an etwas glaubten."

"Ach, etwa an die Götter?", fragte Sandor. "Die sieben Wichser können mich mal!" Ser Loras verdrehte die Augen angesichts Sandors blasphemischen Geredes.

"Ich meinte nicht die Götter", erklärte Faramir, "ich meinte etwas anderes, was in unserer Welt genauso ist wie in der Euren. Ihr habt Sansa Stark verteidigt und damit gezeigt, dass Ihr den Glauben an das Gute auch in Eurer Welt nicht völlig verloren habt. Dafür lohnt es sich zu kämpfen!" Sandor öffnete den Mund, doch er sagte nichts, denn ihm schien keine passende zynische oder derbe Antwort einzufallen.

"Lord Stark", fuhr Faramir fort, "dieser Mann hat einst den Feinden Eures Hauses gedient, aber das hat sich geändert, als er Eure Tochter gerettet hat. Ich halte nichts davon, einen Mann nur deswegen zu verurteilen, weil er auf der falschen Seite gekämpft hat. Daher empfehle ich Euch, auf eine Anklage zu verzichten."

Eddard atmete tief durch und schien über Faramirs Worte nachzudenken. "Also gut", sagte er schließlich. "Sandor Clegane, ich werde Euch nicht beim König anklagen. Allerdings verlange ich von Euch, dass Ihr zukünftig dem rechtmäßigen König Stannis dient. Außerdem rate ich Euch, Euch von meinen Leuten fernzuhalten, denn unter ihnen sind auch Freunde und Verwandte von Männern, die Ihr erschlagen habt. Der Norden vergisst nicht!"

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Sansa V

"Du wirst eine Lady heiraten, die du nicht kennst, Robb?", fragte Sansa. Sie saß mit Robb, Arya, Jeyne Pool und Robbs Knappen Olyvar Frey im Audienzsaal der Hand, während ihr Bruder davon erzählte, was er im Krieg erlebt hatte.

"Ich muss!", antwortete Robb. "Mutter hat es Walder Frey versprochen und ich habe einen heiligen Eid geschworen. Und warum auch nicht? Unsere Eltern haben sich auch erst am Tag ihrer Hochzeit kennen gelernt."

"Ja, gewiss", räumte Sansa ein, "aber das war eine Hochzeit in Zeiten der Not und des Krieges, nachdem der Irre König unseren Großvater und Onkel Brandon getötet hatte…"

"Wir leben jetzt in genauso kriegerischen Zeiten", erwiderte Robb, "und unsere Eltern wurden nach dem Krieg im Laufe der Zeit miteinander glücklich. Ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass meine zukünftige Gemahlin und ich genauso glücklich werden."

"Es ist sogar sehr wahrscheinlich, wenn Ihr Euch für Roslin entscheidet", meinte Olyvar lächelnd und empfahl einmal mehr seine Schwester, die seinen Worten zufolge viel hübscher war als seine zahlreichen Halbschwestern. Während er sprach, warf ihm Jeyne einen schwärmerischen Blick zu.

Wahrscheinlich würde Jeyne Olyvar auch dann schmachtend anblicken, wenn er ein Kochrezept vorlesen würde, dachte Sansa, doch gleichzeitig musste sie sich eingestehen, dass sie auch etwas neidisch auf ihre Freundin war, denn Olyvar schien ihre Gefühle zu erwidern. Sansa hatte hingegen eine Enttäuschung erlebt, als sie vernommen hatte, dass Ser Loras Tyrell der Königsgarde beigetreten war und deswegen niemals heiraten würde.

"Na, dann heirate Olyvars Schwester, Robb!", stöhnte Arya. "Können wir über etwas anderes sprechen? Ich würde lieber mehr über die Schlachten hören, die ihr geschlagen habt!"

Sansa verdrehte die Augen, als sie Aryas Worte hörte. Ihre kleine Schwester schien sich in Drachenstein eigentlich zum Besseren verändert zu haben – sie war nicht mehr gemein zu Sansa, fing auch keinen Streit mehr an und wirkte insgesamt reifer und höflicher. Doch für die Liebe und Liebesleid hatte Arya immer noch kein Verständnis; sie wollte nichts davon hören und nicht darüber reden.

War sie mit elf Jahren dafür noch zu jung? Aber Sansa hatte in Aryas Alter doch auch schon davon geträumt, dass sie sich eines Tages in einen edlen und schönen Ritter in schimmernder Rüstung verlieben und ihn heiraten würde. Doch in der Wirklichkeit wurde nicht aus romantischen, sondern aus politischen Gründen geheiratet – so war es bei ihren Eltern, so würde es bei ihrem großen Bruder sein. Und so sehr sich Sansa auch eingeredet hatte, dass sie Joffrey lieben würde, so war das doch auch eine politische Verlobung zwischen dem (vermeintlichen) Sohn des Königs und der Tochter des Lords von Winterfell gewesen. Vielleicht sollte ich besser darauf hoffen, dass Vater einen guten Mann als Gemahl für mich findet als weiter von der großen Liebe zu träumen, die es wohl nur in Märchen und Legenden gibt.

Sansa hörte nicht richtig zu, wie Robb Aryas Wunsch entsprechend von der Schlacht bei Ochsenfurt erzählte, sondern erinnerte sich daran, wie Joffrey sie durch Ser Boros Blount und Ser Meryn Trant hatte brutal schlagen lassen, als er von Robbs Sieg bei jener Schlacht erfahren hatte. Zwei gesalbte Ritter, die eigentlich die Schwachen beschützen und einer jungen Lady mit Höflichkeit und Respekt begegnen sollten, hatten sich als grausame Schurken entpuppt. Sansas Glaube an die Ideale der Ritterlichkeit war sehr erschüttert worden, doch als Fürst Faramir und Ser Loras aufgetaucht waren, erschien es doch möglich, dass es wahre Helden gab, auch wenn der Fürst aus der anderen Welt nicht den Titel Ser trug.

Robb brach seine Erzählung ab und Sansa wurde aus ihren Gedanken herausgerissen, als Lord Eddard eintrat. Er wirkte sehr ernst und nachdenklich.

"Vater!", rief Robb. "Wir erzählten den Mädchen gerade von den Kämpfen gegen die Lannisters und davon, wie wir sie für ihre Verbrechen bestrafen. Ich hoffe, dem Königsmörder und seiner ehrlosen Schwester wird auch bald Gerechtigkeit widerfahren."

"Nur Geduld, Junge", sagte Vater. "Es wird bald ein Verfahren gegen Cersei und Jaime geben, doch noch warten wir auf das Eintreffen wichtiger Zeugen."

"Gut, solange kein Verbrechen ungestraft bleibt!", meinte Robb.

"Manchmal ist es besser, auf Strafe zu verzichten", widersprach Vater. "Etwa im Falle von Sandor Clegane. Auch wenn er am Massaker an unseren Leuten beteiligt war und Cayn getötet hat, werde ich ihn nicht beim König anklagen…"

"WAS!", schrie Arya. "Du willst den Bluthund davon kommen lassen? Er hat nicht nur unsere Leute, sondern auch Mycah ermordet. Er ist ein Monster – genauso wie Cersei, Joffrey und Meryn Trant!"

"SANDOR IST KEIN MONSTER!", widersprach Sansa heftig und laut. "Er hat mich mehrmals gerettet! Ohne ihn wäre ich beim Aufstand in Königsmund genauso geschändet worden wie die arme Lollys Schurwerth. Wäre Sandor nicht bei mir gewesen, hätte Meryn Trant mich ermordet. Er verdient Lob und Dank und keine Bestrafung!"

"Aber… aber…" Arya geriet ins Stocken, denn was Sansa berichtete war offensichtlich neu für sie, "das ist doch nicht möglich! Er hat doch vorher viele schlimme Dinge getan."

"Das hat er fürwahr", räumte Lord Eddard ein, "aber genauso hat er Sansa das Leben gerettet und dabei Meryn Trant getötet. Dafür habe ich ihm gedankt und zugesagt, ihn nicht anzuklagen. Er wird in Stannis' Dienste treten…"

"Das ist großartig!", rief Sansa erfreut. "Vater, darf ich zu ihm und mich selbst bei ihm bedanken?"

"Nein, Sansa!" Ihr Vater schüttelte den Kopf. "Ich habe ihm bereits gedankt, das genügt. Ich habe ihm auch gesagt, dass er sich von uns und unseren Leuten fernhalten soll. Das sollte auch umgekehrt gelten – niemand von uns wird ihn mehr aufsuchen. Richte das auch unseren Männern aus, Robb, und habe ein Auge auf Cayns Verwandte und Freunde, auf dass sie keine Dummheiten machen!"

Robb nickte. "Sehr wohl, Vater!" Sansa war über die Anordnung ihres Vaters nicht glücklich – Arya auch nicht, doch aus anderen Gründen.

"Aber Vater!", protestierte sie. "Was ist mit dem Mord an Mycah?"

"Fängst du schon wieder damit an?", schimpfte Sansa. "Mir scheint, dieser tote Schlachterjunge bedeutet dir mehr als ich!"

"RUHE! ALLE BEIDE!", rief Lord Eddard. "In dieser Angelegenheit ist das letzte Wort gesprochen, also Schluss damit! Ich habe jetzt anderes zu tun!" Mit diesen Worten ging er hinaus.

Robb seufzte. "Es ist wohl am besten so. Kommt, meine Schwestern, ich würde gerne meinen Bericht von unseren Schlachten fortsetzen…"

"Nein, danke, Robb!", lehnte Sansa ab. "Ich möchte mich lieber zurückziehen, wenn ich schon nicht jenem Mann danken darf, der mir wahrhaft ritterlich das Leben gerettet hat. Auch wenn er sich nicht 'Ser' nennen darf, so ist Sandor doch weitaus tapferer und edler als so mancher Ritter."

Arya verdrehte die Augen. "Du willst gar nicht Loras Tyrell zum Mann. Nein, der Bluthund ist dein Ritter in schimmernder Rüstung. Dann heirate doch Sandor Clegane, da du doch in ihn verliebt bist!", äußerte sie voller Verachtung und ging schmollend fort.

"Rede keinen Unsinn, du dummes Kind!", rief Sansa ihr noch hinterher, doch Arya war bereits weg. Zu ihrem Befremden blickten Robb, Jeyne und Olyvar sie bestürzt an. "Ich ziehe mich zurück!", brachte sie noch heraus und verließ den Saal, um in ihr Gemach zu gehen.

Unterwegs dachte sie gegen ihren Willen intensiv über Aryas Worte nach. Das ist völliger Unsinn! Ich bin Sandor nur dankbar, mehr nicht! Ich bin nicht in ihn, sondern immer noch in Ser Loras verliebt. Denn Ser Loras ist tapfer und edel und jung und schön. Sandor ist auch tapfer und edel, aber er sieht schrecklich aus – und außerdem ist er schon dreißig Jahre alt! Und ich bin erst vierzehn! Aber andererseits kann Sandor nichts dafür, dass er so aussieht, das war sein abscheulicher Bruder!

Als Sansa ihr Gemach erreichte, war sie völlig verwirrt und durcheinander.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Tyrion VIII

Verdammt noch mal, das ist ein richtiger König!

Tyrion verspürte eine ehrfürchtige Scheu und hätte fast das Knie gebeugt, als Elessar eintrat, nachdem Faramir ins Zelt gekommen war, Podrick wiederum hinausgeschickt und seinen König angekündigt hatte.

"Euer Gnaden!", brachte Tyrion heraus, als Elessar vor ihm stand.

"Sehr erfreut, Euch kennen zu lernen, Tyrion Lannister!", erwiderte Elessar höflich. Er war groß, sogar größer als Faramir, aber nicht allein deswegen beeindruckend. Elessar hatte eine Aura, die Tyrion noch bei keinem Manne in Westeros bemerkt hatte, nicht einmal bei seinem Vater. Dieser Mann hat mehr von einem König, als es Robert je hatte oder Stannis je haben kann. Nein, das ist nicht irgendein Anführer von Söldnern.

"Ich bin ebenfalls… erfreut", stammelte Tyrion, "und Euch sehr dankbar für Eure… Gastfreundlichkeit, die für einen Gefangenen sehr ungewöhnlich ist." Tyrion wurde nicht nur gut mit Speis und Trank versorgt, er durfte sich im Lager sogar ab und zu die Beine vertreten, wobei er freilich immer von mindestens zwei Soldaten bewacht wurde.

"Gern geschehen", sagte Elessar, "doch bedankt Euch dafür bei den Soldaten aus Dol Amroth, die sich um Euch kümmern."

"Und auch dafür, dass Ihr noch am Leben seid", ergänzte Faramir. "Einige Gefolgsleute von Stannis würden Euch lieber tot sehen."

Als ob ich das nicht schon längst wüsste. "Was haben die Leute nur gegen einen harmlosen kleinen Gnom wie mich?", fragte er in einem unschuldigen Ton.

"Klein seid Ihr fürwahr", pflichtete Elessar ihm bei, "doch gewiss nicht harmlos. Aus unserer Welt wissen wir, dass man kleine Leute auf gar keinen Fall unterschätzen sollte. Ich habe Freunde, die so klein sind wie Ihr und wahrhaft große Taten vollbracht haben. Ihr wiederum habt mit dem Seefeuer den Streitkräften des rechtmäßigen Königs Stannis herbe Verluste bereitet – und das im Dienste eines Monsters und Thronräubers wie Joffrey! Wundert es Euch, dass das von Einigen Hochverrat genannt wird?"

"Hochverrat?" Tyrion verzog das Gesicht. "Euer Gnaden, wenn ich ein Hochverräter bin, was sind dann Lord Florent, Lord Tarly und die Tyrells? Waren nicht auch sie im Dienste eines falschen Königs namens Renly? Wenn man mich deswegen anklagt, hat das nichts mit Gerechtigkeit zu tun, sondern wäre die Willkür des Siegers."

"Da gebe ich Euch Recht", räumte Elessar ein, "doch frage ich mich, ob das auch König Stannis überzeugen wird."

"König Stannis!", schnaubte Tyrion verächtlich. "Ich erinnere mich, dass während Roberts Rebellion ein junger Kommandant die Festung Sturmkap gegen die Truppen des rechtmäßigen Königs Aerys Targaryen fast bis zum Verhungern verteidigte, weil er zu seinem Bruder hielt. Dieser junge Kommandant war Stannis Baratheon. Was habe ich denn anderes gemacht als er? Auch ich habe zu meiner Familie gehalten!"

Elessar blickte kurz zu Faramir. "Du hast Recht, Faramir. Tyrion Lannister ist in der Tat gewitzt und schlau." Er wandte sich wieder an Tyrion. "Also gut! So lange Ihr unter meinem Schutze steht, seid Ihr sicher. Darüber hinaus werde ich mit Stannis sprechen, auf dass er jegliche Anklage wegen Hochverrats gegen Euch fallen lässt. Doch alles hat seinen Preis – Ihr müsst alles sagen, was Ihr über die Ermordung von Jon Arryn und den Anschlag auf den jungen Brandon Stark wisst."

"Komme ich dann frei?", fragte Tyrion.

"Nein!", erwiderte Faramir deutlich. "Jedenfalls nicht, wenn Ihr Euch erhofft, unbewacht hinzugehen wohin Ihr wollt. Das wäre auch nicht unbedingt sicher, denn Eure Familie und gerade Ihr persönlich seid in der Stadt mittlerweile ziemlich unbeliebt. Man nennt Euch ein Monster und einen Affendämon. Ihr dürft Euch unter Bewachung im Lager bewegen. Richtig frei werdet Ihr sein, wenn Euer Vater vor Stannis das Knie beugt und der Krieg beendet ist."

Also nie. "Natürlich!", murrte Tyrion, "Ich werde also als Geisel gehalten. Aber warum? Reicht es nicht, dass Cersei gefangen ist?"

Elessars Miene verfinsterte sich. "Ich hatte bereits das zweifelhafte Vergnügen der Gesellschaft Eurer Schwester. Mir ist noch nie ein derart falsches und verlogenes Weib begegnet! Ich habe sie nur allzu gerne an Stannis ausgeliefert. Nein, es ist besser, wenn man mehrere Geiseln hat. Auch Euer Bruder Jaime befindet sich mittlerweile in den Schwarzen Zellen, denn Robb Stark ist in der Stadt eingetroffen und hat ihn mitgebracht. Ihr habt es hier weitaus besser als Eure Geschwister; also fragt nicht vorlaut nach Freiheit, Tyrion!"

"Wie Ihr wünscht, Euer Gnaden!", sagte Tyrion unterwürfig. Auf keinen Fall wollte er Elessar verärgern und seine bevorzugte Behandlung verspielen.

"Wenn wir schon bei Eurer Familie sind", begann Faramir. "Jaime und Cersei sind gefangen, nicht aber ihre dem Inzest entsprungenen Kinder. Über Myrcella wissen wir, dass sie nach Braavos gebracht wurde. Allerdings weiß mittlerweile auch Stannis von Eurem Abkommen mit dem Fürsten von Dorne und der Verlobung vom Myrcella mit seinem Sohn. Aber wir haben nirgends eine Spur von Tommen. Was habt Ihr mit ihm gemacht?"

"Myrcella und Tommen sind nicht wie Joffrey!", rief Tyrion. "Sie sind gute, brave Kinder! Erwartet Ihr etwa, dass ich Euch helfe, sie Stannis auszuliefern, damit er sie genauso abschlachten kann wie ihren Bruder? Nein, ich habe genau für den eingetretenen Fall meiner Gefangenschaft vorgesorgt: Lord Jaslyn Amwassers Männer haben Tommen außerhalb der Stadt versteckt – und er hat mir auf meinen Befehl hin nicht verraten wo. Selbst wenn ich Euch helfen wollte, könnte ich es nicht."

Zu Tyrions Missfallen sprachen Elessar und Faramir in ihrer eigenen Sprache miteinander. Sie taten es in einem ruhigen Tonfall und auch ihre Mienen verrieten nichts.

"Bedauerlich!", stellte Elessar schließlich fest. "Kinder können nichts für die Verbrechen ihrer Eltern und wir wollen Eure Nichte und Euren Neffen retten."

Tyrion war befremdet und erstaunt. "Sie retten? Aber warum? Ihr seid doch Stannis' Leute und er will sie doch gewiss tot sehen."

"Warum wir zwei unschuldige Kinder retten wollen? Ganz einfach, weil es das Richtige ist!", erwiderte Faramir.

"Wir sind Stannis' Verbündete und nicht seine Vasallen!", ergänzte Elessar. "Und auch unter Stannis' Leuten gibt es Männer wie Eddard Stark, der fast sein Leben verloren hätte, weil er das Leben von Myrcella und Tommen retten wollte."

"Wie das?", fragte Tyrion nun völlig verwirrt.

"Das könnt Ihr ihn selbst fragen, denn er wird Euch bald zur Ermordung von Jon Arryn und den Anschlag auf seinen Sohn befragen", antwortete Faramir. "Ihr werdet ihm doch sagen, was Ihr wisst."

"Ja, gewiss, natürlich!", sagte Tyrion hastig.

"Gut, dann ist hier alles geregelt", stellte Elessar fest. "Komm, Faramir! Guten Abend, Tyrion!" Nach diesen Worten gingen die beiden Männer hinaus.

Was sind das nur für Männer?
Tyrion hatte zuvor schon von seinen Bewachern einiges über König Elessar gehört. Sie sprachen stets voller Bewunderung, Respekt und Liebe – und in ähnlicher Weise auch über Faramir. Dergleichen kannte Tyrion nur aus Märchen, Legenden und Geschichtsbüchern. Wenn auch nur ein Bruchteil davon stimmen würde, wären Elessar und Faramir wie König Jaehaerys der Schlichter und seine Hand, Septon Barth, die Westeros eine ungewöhnlich lange Zeit von Wohlstand und Frieden beschert hatten.

Tyrion wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Podrick wieder eintrat. "Ist alles in Ordnung mit Euch, Mylord?", fragte der Junge.

"Wie? Ja, gewiss, alles in Ordnung, Pod. Mir scheint, wir sind hier sicherer als wir es im Roten Bergfried jemals waren."

Gondor hilft Westeros

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