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herr-der-ringe-film.de

Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Harry Potter und die bürgerliche Ideologie. Eine kritische Auseinandersetzung mit Aufbau, Inhalt und Hintergrund der Romane.

Amata

Gefährte

Re: Ideologiekritik [Re: Pyr]

Pyr schrieb:
Ich müsste konkrete Stellen wahrscheinlich erst raussuchen (Gnade! ), aber ich meine mich zu erinnern, dass die meisten "Höhö!"-Äußerungen auf sein Konto gehen.
"Wir können ja schließlich nicht mit einem Paar Trollinen aufkreuzen!", käme mir spontan in den Sinn, und seine darauf folgende Zustimmung, als Hermine nachfragt, ob er mit dem erstbesten gutaussehenden Mädchen zum Ball gehen würde, egal, wie mies ihr Charakter sei. Auch seine "Knutschbeziehung" [Ich möchte mich jetzt gerne waschen, um all diese wiederlichen Pseudobeschreibungen loszuwerden!] zu Lavender Brown, in welcher sie "eigentlich nicht viel reden", fällt für mich darunter: Bloße körperliche Aktivität, auch wenn dabei allem Anschein nach die Hände stets sittsam über der Kleidung bleiben.

Es wäre vielleicht auch noch interessant, das Motiv der Körperlichkeit bzw. Körperfeindschaft in der Reihe (speziell die Horcrux-Tod-Weiterleben-Thematik) im Zusammenhang mit der Nicht-Darstellung von Sexualität zu untersuchen.


Die Szene, die noch am deutlichsten irgendwie im Unterton hat, dass es so etwas wie Sex gibt, ist vermutlich die, in der Harry gerade Felix Felicis getrunken hat und unter dem Tarnumhang gemeinsam mit Ron und Hermine aus dem Schlafsaal zurück in den Gemeinschaftsraum kommt. Lavender sieht nur Ron und Hermine, anscheinend alleine, aus dem Schlafsaal zurückkehren und trennt sich von Ron.

Im Übrigen empfinde ich, wie ich schon andereswo schrieb, das Fehlen von Sex in den Romanen nicht als ein bewusst ausklammerndes. Die Beziehungen, in denen sich die Charaktere befinden, sind relativ kurz. Und dann werden 19 Jahre übersprungen - Jahre, in denen das alles ganz anders aussehen dürfte.

"It's all in Hogwarts: A History."
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Pyr

Gefährte

Re: And it's youthless [Re: Amata]

Amata schrieb:
Die Szene, die noch am deutlichsten irgendwie im Unterton hat, dass es so etwas wie Sex gibt, ist vermutlich die, in der Harry gerade Felix Felicis getrunken hat und unter dem Tarnumhang gemeinsam mit Ron und Hermine aus dem Schlafsaal zurück in den Gemeinschaftsraum kommt. Lavender sieht nur Ron und Hermine, anscheinend alleine, aus dem Schlafsaal zurückkehren und trennt sich von Ron.



Gerade nach der internen Logik der Bücher sehe ich diese Deutung als nicht sehr zwingend an, da man sich auch ansonsten stets zu den keuschesten Zwecken dort versammelt hat. In Übereinstimmung mit meiner Beschreibung der "Liebesbeziehungen" als präpubertär dürfte es für Lavender wie für den Leser ausreichen, sich zu denken, dass es so aussieht, dass Ron einfach nur Zeit mit Hermine verbracht hat, ohne dass irgendwelche Schulumhänge dabei in Unordnung geraten sind. Immerhin hat ähnliches in Band 5 ja auch schon ausgereicht, um Cho in Eifersuchtsparanoia zu stürzen: Wenn ein Junge Zeit mit einem Mädchen (Hermine) verbringt/verbringen will, dann muss das ja heißen, dass er sie mag, und das "geht ja gar nicht", wenn er doch "mit einer anderen geht". Zwar sind beide Male diese Treffen in Wirklichkeit völlig "unschuldig" motiviert, dennoch läuft die Eifersuchtsreaktion selbstverständlich, d.h. vom Text als Selbstverständlichkeit beschriebene ab.

In Bezug auf:
Im Übrigen empfinde ich, wie ich schon andereswo schrieb, das Fehlen von Sex in den Romanen nicht als ein bewusst ausklammerndes. Die Beziehungen, in denen sich die Charaktere befinden, sind relativ kurz. Und dann werden 19 Jahre übersprungen - Jahre, in denen das alles ganz anders aussehen dürfte.



1. Was genau hattest du wo dazu geschrieben?

2. Es hat etwas Skurriles und leicht Aggressionen-erregendes, wenn man sich bemüht, die spezifische Auslassung auf der Motiv-Ebene zu belegen, und einem darauf geantwortet wird "Ich finde nicht, dass...". Könntest du deine Empfindungen irgendwie mit dem von mir Dargelegten vermitteln, bzw. konkrete Belege aufzeigen, anhand derer dir meine Deutung als unzutreffend erscheint? So hat es (zumindest für mich) ein bisschen etwas davon, tatsächlich unter großen Mühen einen echten Schrumpfhörnigen Schnarchkackler zu finden, einzufangen und auf die Bühne zu bringen, nur um aus dem Publikum ein "Ich glaube es immer noch nicht; die Bühne ist leer!" zu hören. (Um mal eine Analogie aus dem besprochenen Themenfeld selbst zu bringen. )

3. Trotz der gerade von mir an dich addressierten Aufforderung bringe zunächst ich etwas hervor, nämlich meinen Verweis auf die bezeichnende Infantilisierung und [Äquivalentwort in Sachen "erwachsen"] von Sexualität in einer Romanreihe, die weder in der Kindheit, noch im Erwachsenenalter spielt und beschrieben wird, sondern gerade in der Jugend. Insofern ist die konkrete Gestalt der Schilderung dieses Themas (= Sexualität Jugendlicher) inadäquat und bezeichnend.

4. Sowohl die "kurzen Beziehungen" als auch die ausgesparten (aber trotzdem in dieser Aussparung gerade erwähnten) 19 Jahre sind ja eben spezifische, unzufällige Entscheidungen der Autorin bzw. Momente des Textes. Gerade darum geht es mir ja: Welche literarische Notwendigkeiten gibt es, dass der Text gerade in dieser Hinsicht so verfährt und aussieht. Ich finde bislang* keine, sehr wohl aber solche der Ideologie. Und diese spiegelt sich auch in dem wieder, was sonst und stattdessen im Text zu finden ist.

*Und da ich die Reihe zuerst mit einem gewiussen Gefallen, wenn auch nicht überschäumender Begeisterung gelesen habe, wiederholt gelesen habe, bei jeder Wiederholung gewisse Abnutzungserscheinungen meines Gefallens bemerkte, diese durch Überlegung wie auch Austausch mit anderen Lesern zu ergründen versucht und anschließend weitere Lektüren aus Motiven eben dieser Analyse betrieben habe, steckt hinter diesem Ergebnis, welches natürlich ein jederzeit durch neue Einsichten veränderbares ist, eben auch ein gewisser "Handwerksaufwand", um es mal so auszudrücken. Ja, das war ein langer Satz. Er soll in seiner Länge aber eben auch das verdeutlichen, was ich unter 2. angesprochen habe: Hinter meinen Formulierungen steckt auch ein gewisses Maß an Lektüre und Überlegung, auf die ein "Ich empfinde das anders..." nicht angemessen antwortet. Aber vielleicht tun das deine erwähnten Ausführungen an anderer Stelle ja tatsächlich, und Punkt 2. ist gegenstandslos. Deswegen ja auch die Frage danach an erster Stelle.





P.S.:
In Bezug auf:
Jahre, in denen das alles ganz anders aussehen dürfte.



Und eben dass und warum das im Text keinen Platz findet/finden durfte, interessiert mich. und, wie unter 3. angesprochen: Es müsste eigentlich schon vorher, im Beschriebenen "anders aussehen".

Gommorah is a nursery rhyme
you won't find in the book.
It's written on your city's face,
just stop and take a look.

(Sixto Rodriguez)


In ihrem Schweigen gegen die Erlebnisberichte der Individuen wird die Totalität das letzte Wort behalten.

Geändert durch Pyr (30.07.2020 17:46)

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Pyr

Gefährte

Re: And it's youthless [Re: Pyr]

Pyr schrieb:
Ich müsste konkrete Stellen wahrscheinlich erst raussuchen (Gnade! ), aber ich meine mich zu erinnern, dass die meisten "Höhö!"-Äußerungen auf sein Konto gehen.



Uranus gehört natürlich auch dazu.

Gommorah is a nursery rhyme
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(Sixto Rodriguez)


In ihrem Schweigen gegen die Erlebnisberichte der Individuen wird die Totalität das letzte Wort behalten.
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sphnix

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Re: And it's youthless [Re: Pyr]

Ergänzend:
Amata schrieb:

Im Übrigen empfinde ich, wie ich schon andereswo schrieb, das Fehlen von Sex in den Romanen nicht als ein bewusst ausklammerndes. Die Beziehungen, in denen sich die Charaktere befinden, sind relativ kurz. Und dann werden 19 Jahre übersprungen - Jahre, in denen das alles ganz anders aussehen dürfte.



Das finde ich insofern tatsächlich erstaunlich, weil die Autorin ja bemerkenswert viele Zeilen in "Beziiiehung" sowie das Themenfeld "Boah, Juuungs!"/"Boah, Määädchen!!!" investiert und sehr stark mit der Suggestion arbeitet, wir alle wüssten ja, wie das so an sich und überhaupt mit der "Pubertät" etc. ist.
Hätte sie sich auf die Magie-Story konzentriert und (hier erst mal: meinetwegen, mit Seufzen) "Beziehungen" nur am Rand erwähnt ("X war seit dann und dann mit Y zusammen, und das machte das Leben für Harry nicht einfacher. Was Voldemort betraf, so hatte er es ebenfalls schwer: Im Tagespropheten hatte ..."), so würde ich nicht von Ausklammern sprechen. De facto hat man es aber mit jugendlichen "Verliebtheiten", zum Teil nahe an der Innenperspektive zu tun, die pseudorealistisch sein soll, es aber nicht ist, weil man "knutscht" und Mädchen "hübsch" sind und "Verliebtheit" sehr wenig mit seelisch-geistiger Gemeinschaft zu tun hat, immer "mehr" oder "anders" als Freundschaft ist - und Sex gleichwohl auf unheimlich krude Weise nicht präsent ist.
(Etwas ganz anderes wäre es, wenn Rowling als Ideologien der vorehelichen Enthaltsamkeit geschrieben hätte, dass die jungen Zauberer alle gerne wollen, aber im Namen des größeren Guten immer brav beim Küssne bleiben. Das wäre keine Ideologie, die ich teile, aber das wäre als Beschreibungsverfahren wiederum nachvollziehbar.Aber der Text verficht keine aktive Ideologie der Keuschheit, er erschafft vielmehr eine befremdliche Suggestion von der Abwesenheit des wirklich Sexuellen im Kontext einer vorhandenen 08&15-Sexualität, die permament abgerufen wird. Darum ist das Sexuelle eine überbetonte Leerstelle, nicht einfach nur etwas, das halt icht so wichtig ist und darum nicht geschildert wird)


I've grown tired of holding this pose
I feel more like a stranger each time I come home

Bright Eyes
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athameg

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Re: And it's youthless [Re: sphnix]

Dies ist eigentlich nicht "mein" Thread hier, und eigentlich fehlt mir dafür auch die Zeit, aber diese Ausdruck "das Sexuelle als überbetonte Leerstelle" ist irgendwie genial. Und außerdem stimmt es. In diesem Büchern geht es ja nun tatsächlich um andere Dinge als Sexualität, also hätte man das Thema genaugenommen sehr am Rande lassen können. Aber genau das tut Rowling ja eben sehr deutlich nicht. Und was sie zu diesem Thema schreibt gehört meiner Meinung nach zu den schwächsten Texten in der ganzen Reihe.

Ich sehe es übrigens im Zusammenhang mit der Rowling'schen Heiligsprechung der Normalfamilie. Die Frau ist ein "Familienfreak", wie ich sie in den jetzt beendeten Harry-Potter-Buchbesprechungen genannt habe. Und da geht sie nun wirklich davon aus dass es Sexualität nur im Rahmen der Normalfamilie gibt, und zwar so selbstverständlich, dass diese Frage niemals auch nur thematisiert wird. Schönes Beispiel: die Geschichte von Harrys Eltern. Seine Mutter Lily Evans geht während ihrer Schulzeit jahrelang mit Severus Snape, dann verkracht sie sich mit ihm weil er sie öffentlich übel beleidigt. Danach geht sie dann mit Harrys Vater James Potter, den sie bisher sichtlich nicht ausstehen konnte, der aber jetzt irgendwie "geläutert" und also akzeptabel ist. Die beiden heiraten und kriegen mit neunzehn ein Kind, Harry eben. In dieser Reihenfolge, versteht sich.Und sie lieben sich jetzt alle als Familie ganz doll. - Mag ja sein, dass Harry sich die Geschichte seiner Eltern gerne so vorstellt. Aber eigentlich ist doch total offensichtlich was da passiert ist: Lily Potter hat sich mit Severus Snape verkracht und um ihn zu ärgern geht sie jetzt ausgerechnet mit seinem ärgsten Feind, eben James Potter. Sie wird schwanger, und deshalb heiraten sie und James, das ist als Reaktion für die Zeit in der die Geschichte spielt notfalls noch vorstellbar. Aber der Zeitablauf bleibt in den Büchern so schön nebulös dass man gut davon ausgehen kann dass Lily erst nach der Hochzeit mit James schwanger geworden ist. Und noch ein Beispiel für den seltsamen Umgang mit dem Thema: es gibt da noch eine Ehe, bei der die Blitzschwangerschaft zeitgleich mit der Eheschließung leicht seltsam wirkt: Remus Lupin und Nymphadora Tonks. Das sieht doch auch eher so aus als ob Tonks versucht hätte schwanger zu werden damit Remus sie heiratet (eine Reaktion, die ihm ähnlich sehen würde). - Es ist übrigens sehr interessant wie die Reaktionen der sehr begeisterten Potter-Fans aussehen wenn man dergleichen ketzerische Gedanken vorträgt.

Früher suchten die Hexen ihre Alraunen unterm Galgen, heute suchen sie sie im Internet. "Die Welt ist im Wandel", in der Tat.
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mohrchen

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Re: And it's youthless [Re: athameg]

In Bezug auf:
Mag ja sein, dass Harry sich die Geschichte seiner Eltern gerne so vorstellt. Aber eigentlich ist doch total offensichtlich was da passiert ist: Lily Potter hat sich mit Severus Snape verkracht und um ihn zu ärgern geht sie jetzt ausgerechnet mit seinem ärgsten Feind, eben James Potter. Sie wird schwanger, und deshalb heiraten sie und James

Dazu fällt mir noch ein Beispiel ein, das so ähnlich klingt: die Weasleys. Ich weiß nicht mehr, ob es in Band 5 oder 6 war, aber irgendwo klagt Molly Weasley darüber, dass plötzlich alle Leute heiraten, offenbar, weil Voldemort zurück sei. Und Arthur erwidert, dass es bei den beiden genauso war, was Molly mit einem Satz der Marke "wir waren ja auch füreinander bestimmt" kontert. Deine Überlegung weckt in mir die Assoziation, dass vielleicht Molly auch schon schwanger damals war, und die beiden deshalb holterdipolter heirateten.

PS: So hatte ich das tatsächlich noch nie betrachtet, aber du hast vollkommen Recht: Severus hat Lily aufs Übelste beleidigt, daraufhin wendet sie sich von ihm ab und ausgerechnet demjenigen zu, der ihn die ganze Zeit über Jahre gemobbt hat. Das scheint übrigens ohnehin der eher normale Umgangston in Hogwarts zu sein. Ich muss zugeben, je länger ich über das Potterverse nachdenke, desto erleichterter bin ich, tatsächlich NICHT darin zu leben.

Gruß, Thilo.

Never take your liberty for granted, and be careful whom you vote for because it may be the last election you'll ever have.
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athameg

Gefährte

Re: And it's youthless [Re: mohrchen]

Doch, der Gedanke dass es auch bei Arthur und Molly eine "Muss-Heirat" war, wie man das früher nannte, der hat schon viel für sich. Und es sagt einiges über die Üblichkeiten in Rowlings magischer Welt aus; uneheliche Kinder sind da wohl jenseits des Vorstellbaren. Aber, bitte: James und Lily heiraten 1979 und Molly und Arthur mit Sicherheit noch einige Jahre früher, vermutlich etwa 1970. Und damals war es in unserer realen Welt, zumindest im ländlichen Bereich, ja auch nicht anders. Ich habe 1975 meine erste Lehrerstelle an einer Dorfschule angetreten, und mein damaliger Chef hat mir gesagt: "Erzählen Sie niemandem dass Sie unehelich sind, Sie sollen doch eine Respektsperson sein." - Kein Kommentar. -

Und, auch das stimmt: das Leben im Potterverse ist ziemlich brutal. Brutaler als die Realität finde ich es allerdings keineswegs.

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mohrchen

Gefährte

Re: And it's youthless [Re: athameg]

athameg schrieb:
Und, auch das stimmt: das Leben im Potterverse ist ziemlich brutal. Brutaler als die Realität finde ich es allerdings keineswegs.

Guck dir mal genau an, was dir im Quidditch tatsächlich alles passieren könnte: Eisenkugeln, also Klatscher, mit voller Wucht gegen den Körper zu bekommen, kann ziemlich tödlich sein, schon der Einschlag von so nem Ding. Das kann dir locker die Schulter zertrümmern, ohne dass du es kommen siehst oder hörst; oder den Brustkorb oder Schädel. Es ist bizarr genug, so einem Ding den verniedlichenden Namen Klatscher zu geben! Und nein, ich habe in keinem Potterbuch etwas von magisch verstärkter Schutzkleidung gelesen; genau genommen habe ich überhaupt nie etwas von Schutzkleidung gelesen. Zusätzlich spielen die bei jedem Wetter, was im Gewitter eine glänzende Idee ist! Oder bei Schnee für Erfrierungen sorgen kann. Und das ist nur der Schulsport.

Im zweiten Buch kommen die Lehrer auf die grandiose Idee, die Schüler in magischen Duellen zu unterrichten. Dass dabei jemand ernstlich zu Schaden kommen kann, daran scheint auch keiner zu denken, bis Draco Harry eine ... war das eine Kobra? ... vor die Füße zaubert.

In unserer Schule waren Streiche nichts, was für ernsten Schaden sorgen konnte. Aber die "Streiche" in Hogwarts... Fred und George haben einen Mitschüler in ein Verschwindekabinett gesteckt, ohne sich darum zu kümmern, wo derjenige rauskommen wird. Oder ob überhaupt.

Ron geht im letzten Buch ziemlich gut darauf ein, indem er Harry und Hermine mal klar macht, wie gefährlich so Strafarbeiten sind, wie nachts in den Wald zu gehen. Im ersten Buch sind Harry und Draco, also magische Erstklässler, dabei für eine Zeit alleine gelassen worden!

Gruß, Thilo.

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athameg

Gefährte

Re: And it's youthless [Re: mohrchen]

Deine Argumente machen Sinn, jedes einzelne, und ich sage gleich noch etwas dazu. Aber ich glaube, es kommt da auch auf die persönliche Erfahrung jedes Einzelnen an wie man das sieht. Und die geht bei mir in mancher Hinsicht halt schon eher in Richtung "das Leben ist brutal, ist nun mal so". Ich bin eben nicht nur die Dorfschullehrerin, mein Leben hatte auch noch ein paar andere Seiten. Wobei ja auch Schulen ein sehr brutaler Ort sein können, wenn ich das auch weder als Schülerin noch als Lehrerin so erlebt habe. Aber ich habe auch nie in Großstadtschulen gearbeitet die als "sozialer Brennpunkt" galten und wo die Lehrer nur mit eingeschaltetem Handy in die Klassen gehen um schnell einen Notruf absetzen zu können wenn's eng wird. Aber immerhin, mit einer erkennbar sehr ernst gemeinten Selbstmorddrohung einer gemobbten Schülerin hatte ich auch mal zu tun.

Und, stimmt: Quidditch ist ein extrem brutaler Sport, und dieses Spielen ohne jegliche Schutzkleidung (die "Quidditchumhänge" sind augenscheinlich keine) und bei jeglichem Wetter einschließlich schwerer Gewitter, das ist eigentlich unmöglich. Und tätliche Angriffe auf den Gegner und das üble Beleidigen dieser Gegner ("Weasley is our king") sind offenbar derart üblich dass kein Lehrer irgendeinen Grund sieht dagegen einzuschreiten. - Ich befürchte übrigens dass eine vergleichbar brutale Sportart in unserer realen Welt der absolute Publikumsmagnet wäre; zu öffentlichen Hinrichtungen sind ja auch alle Leute hingerannt.

Der "Duellierclub" ist übrigens wirklich eine Schnapsidee, denn wie das ablaufen wird ist ja vorhersehbar. Na gut,eigentlich war das die Idee von Gilderoy Lockhart, und der ist als Lehrer ja sowieso indiskutabel. Allerdings sagt er selbst dass Dumbledore diese Veranstaltung genehmigt hat, und das stimmt ja zweifellos auch. Und dass Dumbledore eine solche riskante Veranstaltung, noch dazu durchgeführt durch einen unfähigen Lehrer, genehmigt, das ist wirklich ein ernsthafter "Kunstfehler". - Übrigens: ich glaube auch es war eine Kobra die da ins Spiel kam, aber auf die Art kommt es ja auch gar nicht an; Hauptsache giftig und gefährlich.

Und noch so ein "Kunstfehler": irgendjemand (McGonagall vermutlich) schickt in Band 1 vier Erstklässler zur Strafarbeit in den Verbotenen Wald. Nachts. Na gut, sie werden von Hagrid begleitet, aber dass der nicht gerade der Vorsichtigste ist und die Gefahren dieses Waldes gern unterschätzt dürfte eigentlich bekannt sein. Und genau das tut er dann ja auch: sie suchen ein verletztes Einhorn, also teilt er die Schüler in zwei Gruppen auf. Sinnvoll im Prinzip, wenn man in unübersichtlichem Gelände etwas sucht. Aber leider bedeutet es auch dass da zwangsläufig zwei Elfjährige allein durch den nächtlichen Wald stolpern, von dem alle (auch Hagrid) wissen dass da irgendein mysteriöses und gefährliches Wesen unterwegs sein muss. So geht' beim besten Willen nicht. Auch nicht in der magischen Welt.

Also: du hast Recht, im Prinzip. Und ich habe meine Erfahrungen. Restlos einig werden wir uns also in dieser Sache vermutlich nicht.

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