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Mittelerde & andere phantastische Welten » Kreativschmiede » Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir IX

Es war spät in der Nacht, als Faramir zu Bett ging. Der König war nach einer Beratung mit den Heerführern wieder in den Roten Bergfried zurückgekehrt. Elessar wollte Stannis demnächst auf den bevorstehenden Krieg gegen den wahren Feind ansprechen, zuvor sollte Faramir allerdings versuchen, im Gespräch mit Eddard Stark mehr über die "Anderen" zu erfahren.

Faramir lag noch lange wach und dachte über die Rede des Königs nach. Auch er sehnte sich nach Éowyn und den Kindern, doch er wollte auch seinem Freund Eddard Stark und seinen Leuten im Kampf gegen den wahren Feind beistehen. Und abgesehen davon können wir nicht einfach nach Mittelerde zurückkehren, denn dazu brauchen wir die Hilfe der Valar.

Mit diesen Gedanken schlief er ein. Mehrere Stunden schlummerte er traumlos, doch dann überkam ihn ein Alptraum. Er sah die Stadt Königsmund, die von Schnee und Eis bedeckt war. Kein lebender Mensch war in den Straßen unterwegs, stattdessen marschierten dort lange Reihen von Untoten, die zum Teil nur aus Knochen und Muskelfetzen zu bestehen schienen. Angeführt wurden sie von blassen Gestalten mit unheimlich leuchtenden blauen Augen. Andere!, dachte Faramir als er diese Wesen sah. Sie führten die Untoten durch das Eisentor aus der Stadt hinaus und hinab zum Meer.

Faramir wurde gewahr, dass das Meer gefroren war, denn die Untoten versanken nicht, sondern trotteten auf der Oberfläche weiter. Hunderte, nein, tausende von ihnen schienen unterwegs zu sein. Sie kamen aus verschiedenen Richtungen und bewegten sich hinaus auf das vereiste Meer. Dort waren noch viel mehr dieser Gestalten zu sehen, etliche schienen von Osten, von jenseits des Meeres zu kommen. Auf einmal blieben sie stehen. Faramirs Blick fiel auf einen großen Anderen, der alleine durch die Reihen der Untoten schritt. Mehrere kleine Hörner ragten aus seinem Kopf, so dass Faramir daraus schloss, dass dies der Anführer war, von dem Elessar berichtet hatte. An einem Platz mitten im gefrorenen Meer, blieb der Anführer schließlich stehen. Er schloss seine Augen und streckte seine Hände aus. Er schien etwas zu beschwören – oder jemanden? Faramir hatte eine düstere Ahnung, wer da beschworen wurde.

Plötzlich öffnete sich im gefrorenen Meer ein Loch. Faramir schaute hinein und sah völlige Dunkelheit. Der Anführer der Anderen schritt in das schwarze Loch und verschwand. Weitere Andere und die Untoten folgten ihm.

Wo sind sie hin?, fragte sich Faramir noch, als er eine ganz andere, vertraute Landschaft erblickte. Er sah Ithilien, sein Fürstentum. Es war Winter und Schnee lag auf den sanften Hängen des Emyn Arnen. In der Ferne konnte Faramir sein Haus sehen. In den Fenstern schien ein Licht. Alles machte einen friedlichen Eindruck, bis auf einmal Untote durch den Schnee stapften. Sie marschierten genau auf Faramirs Haus zu. Éowyn! Die Kinder!, ging es Faramir durch den Kopf.

Mit einem lauten Schreckensschrei fuhr Faramir aus dem Schlaf. Er war schweißgebadet. Doch ehe er noch einen klaren Gedanken fassen konnte, hörte er weitere Schreie. Es waren Beregond, Bergil, Mablung und Damrod, die da schrien. Noch im Nachthemd sprang Faramir auf, griff zu seinem Schwert und stürmte aus dem Zelt, während im Lager noch mehr Schreie zu hören waren. Es war kurz vor Sonnenaufgang, der Himmel im Osten wurde allmählich hell.

Zwei Wachen blickten Faramir besorgt an. "Seid ihr verletzt, Herr?", fragte einer der Soldaten. "Nein, alles in Ordnung, ich hatte nur einen bösen Traum", antwortete Faramir, der sah, dass etliche Männer aus ihren Zelten stürzten.

"Beregond!", rief er. "Was ist passiert?"

"Ich… ich hatte einen Alptraum", antwortete der Hauptmann. "Ich sah die weißen Dämonen und die Heere der Erschlagenen, von denen der König berichtet hat – sie waren in Emyn Arnen."

"WAS!" Faramir fuhr der Schreck in die Glieder. "Der gleiche Traum wie ich? Habt ihr auch davon geträumt?" Bergil, Mablung und Damrod nickten. "Zieht euch an und befragt die Männer, ob sie das Gleiche geträumt haben! Bei Sonnenaufgang müssen sich die Heerführer bei mir im Zelt einfinden!" Faramir ging in sein Zelt zurück.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Die Heerführer kamen pünktlich und erstatteten Faramir Bericht. Die Mehrzahl der Männer, die in den Stunden vor Sonnenaufgang keinen Wachdienst hatten und daher geschlafen hatten, waren von Alpträumen geplagt worden, in denen die Anderen und ihre Erschlagenen in Gondor aufgetaucht waren. Allerdings hatten nicht alle Träume das gleiche Ende. So berichtete Elphir, dass in seinem Traum die Untoten vor Dol Amroth aufgetaucht seien. Dacil, der Kommandant von Minas Tirith, hatte in seinem Traum gesehen, wie die Erschlagenen über den Pelennor zur Weißen Stadt marschierten. Letztlich hatte jeder Träumende seine Heimat bedroht gesehen.

"Zweifellos haben die Valar uns diese Träume geschickt", meinte Dacil. "Was glaubt Ihr, was sie zu bedeuten haben, Truchsess?"

"Der Feind, der Westeros bedroht, bedroht auch Mittelerde", sagte Faramir. "Wir müssen ihn hier stellen und vernichten, damit diese Alpträume niemals wahr werden. Indem wir hier unseren Verbündeten beistehen und ihnen helfen, ihre Welt zu retten, verteidigen wir auch unsere Heimat und die Menschen, die wir lieben!"

"Das müssen wir in der Tat!", pflichtete Elphir ihm bei. "Doch manches ist noch unklar. Wann und wo können wir uns dem Feind stellen? Wer ist dieser Anführer? Und wie können die Feinde nach Mittelerde gelangen?"

"Das sind wichtige Fragen, über die wir mit unseren Verbündeten sprechen müssen", antwortete Faramir. "Aber zunächst muss ich dem König Bericht erstatten."

Der Eingang des Zeltes öffnete sich und Mablung schaute herein. "Verzeiht die Störung", entschuldigte er sich, "aber unsere Schreie wurden auch in der Stadt gehört. Ein Offizier der Stadtwache ist mit einigen Männer hier und wollte nachfragen, ob alles in Ordnung ist. Außerdem ist einer unserer Männer aus dem Roten Bergfried gekommen. König Elessar ruft Euch zu sich, Herr. Es ist dringend."

"Das ist es fürwahr!", meinte Faramir. "Ich begebe mich sofort zum König. Elphir, sprich du mit dem Offizier und berichte ihm von den Träumen. Die Menschen von Westeros müssen von dem kommenden Krieg erfahren!"


"Ich bin von diesen Träumen verschont worden", stellte König Elessar fest. Faramir war zu ihm in den Roten Bergfried gekommen und hatte bei einem gemeinsamen Frühstück von den Träumen berichtet. Auch mehrere Männer der königlichen Leibwache im Jungfrauengewölbe waren von solchen Albträumen geplagt worden. Der König selbst hatte keinen solchen Traum gehabt, war aber auch vom Geschrei seiner Männer aus dem Schlaf gerissen worden.

„Ihr wart nicht der Einzige, dem diese Träumen erspart geblieben ist, Herr", erklärte Faramir. "Auch die Männer, die gerade Wachdienst hatten und noch einige andere blieben verschont."

"Das stimmt", räumte Elessar ein. "Aber vielleicht werden sie auch noch solche Träume haben. Ich habe diesen Feind hingegen schon in einem Traum gesehen."

"Einmal ist mehr als genug", meinte Faramir schaudernd. "Unsere Verbündeten können uns hoffentlich sagen, wer dieser Anführer ist. Aber da war noch etwas… oder jemand. Bevor sich das dunkle Tor zwischen den Welten öffnete, hatte ich das Gefühl, dass der Anführer jemanden um Hilfe bat, obwohl sich seine Lippen nicht bewegten… Ich glaube, er beschwor…" Ihm versagte die Stimme, denn er wagte den Namen nicht auszusprechen.

"Morgoth!", sagte Elessar düster. "Der Schwarze Feind der Welt. Der Große Andere, wie Melisandre ihn nennt."

"Ja." Faramir sprach leise. "Aber wie ist das möglich? Haben die Valar Ihn nicht nach dem Krieg des Zorns in die Zeitlose Leere verbannt, auf dass Er nie wieder in die Welt zurückkehren kann?"

"Er ist aus der Welt verbannt, ja", stimmte Elessar ihm zu. "Doch seine Macht ist damit nicht gebrochen. Die Macht von Hass und Furcht, die er in unsere Herzen gesät hat, ist eine Saat, die nicht stirbt und ihre dunkle Frucht bis zum Ende aller Tage tragen wird. Auch wenn er selbst nicht mehr in der Welt ist, so bleiben doch sein Wille und seine Diener. Sauron war nur einer von ihnen und er war sicher nicht der letzte, der von ihm gelenkt wurde. Und wenn die Valar ein Tor zwischen den Welten öffnen konnten, vermag Morgoth dies vielleicht auch, sobald seine Diener in dieser Welt den Sieg errungen haben."

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Tyrion VI

Nach verwirrenden Träumen wusste Tyrion nicht, ob er noch schlief, als er mit heftigen Schmerzen und hohem Fieber in einem Bett in einem Zelt erwachte. Er hörte, wie sich vor dem Zelt Männer in einer fremden Sprache unterhielten. Verdammt, wo bin ich? Was ist passiert… Die Schlacht! Mandon Moor wollte mich töten! Podrick… Er schlief wieder ein.

Als er wieder erwachte, stand Podrick Payn neben dem Bett. Tyrion wollte ihn ansprechen, doch er brachte nur ein schwaches Stöhnen aus seiner trockenen Kehle. Podrick rannte aus dem Zelt, während Tyrion seine rechte Hand hob. Er fasste in sein schmerzendes Gesicht und stellte fest, dass er dick verbunden war.

Pod kam in Begleitung eines älteren Mannes wieder. "Mylord, Ihr müsst still liegen", sagte der Mann mit einem ausländischen Akzent, den Tyrion nicht zuordnen konnte. "Ihr seid schwer verletzt. Seid Ihr durstig?" Tyrion versuchte zu nicken. Der Mann schob ihm einen Trichter in den Mund und schüttete vorsichtig eine Flüssigkeit hinein. Tyrion schluckte und merkte zu spät, dass es Mohnblumensaft war. Sogleich versank er wieder in einen unruhigen Schlaf mit wirren Träumen.

Beim nächsten Erwachen nahm Tyrion Wärme und einen angenehmen Duft war. Er schlug die Augen auf und sah, dass der ältere Mann neben dem Bett stand und eine Schüssel mit dampfendem Wasser neben Tyrions Kopf hielt. Der Duft, der aus der Schüssel kam, war wie eine Erinnerung an taufrische Frühlingsmorgen mit ungetrübter Sonne. Tyrion stieß ein wohliges Seufzen aus, während der Mann sagte: "Atmet tief ein, Mylord, das Königskraut wird Euch gut tun."

Tyrion atmete mehrmals den angenehmen Duft ein, dann schlummerte er wieder. Diesmal wurde er nicht von Alpträumen geplagt und als er erwachte, hatten seine Schmerzen nachgelassen. Draußen war es dunkel, das Zelt wurde vom Licht einer Kerze auf einem Tisch erhellt. Podrick saß auf einem Stuhl am Tisch. Er war eingenickt.

"Pod!", rief Tyrion und stellte erleichtert fest, dass er schmerzfrei sprechen konnte. Der Junge hob erschrocken den Kopf. "Mylord… ich… ich hole den Heiler!" Er sprang auf.

"Nein, setz dich wieder!", gebot Tyrion. "Beantworte meine Fragen: Wer ist dieser Heiler? Und wo sind wir hier überhaupt?"

"Mylord, der Heiler heißt Mendil", antwortete Podrick. "Er steht in Diensten des Königs Elessar von Gondor, der auch schon nach Euch gesehen hat, als Ihr schlieft. Wir sind hier in seinem Heerlager vor dem Eisentor."

"Elessar?", rief Tyrion. "Der Söldnerkönig, der mit Stannis verbündet ist? Das heißt, wir haben die Schlacht verloren?" Podrick nickte. Warum lebe ich dann überhaupt noch?

"Pod, was ist passiert, nachdem ich in der Schlacht das Bewusstsein verloren habe?", fragte Tyrion.

"Wir wurden von einem Hauptmann Erchirion gefangen genommen, Mylord. Er befahl, Eure Wunde zu verbinden. Nach der Schlacht wurden wir von seinen Männern erst durch das Schlammtor in die Stadt und dann durch das Eisentor wieder hinausgeführt, wo sie ihr Heerlager errichteten."

"Weißt du mehr über den Ausgang der Schlacht?", fragte Tyrion. "Was ist mit Stannis und Joffrey?"

Podrick zögerte mit der Antwort. "Mylord, Stannis hat Joffrey getötet. Das jedenfalls haben mir die Männer erzählt. Es tut mir leid."

"Mir nicht", brummte Tyrion, der den Tod seines bösartigen Neffen keineswegs betrauerte. "Hast du auch gehört, was mit Cersei passiert ist?"

"Es heißt, sie sei in den Schwarzen Zellen."

Tyrion hätte fast gelacht, doch dann spürte er einen Schmerz im Gesicht. "Oh süße Gerechtigkeit", gluckste er. "Aber das heißt, dass sie auch noch lebt. Ach, natürlich. Stannis braucht noch Geiseln. Darum steckt wohl auch mein Kopf noch auf keinem Spieß." Er wandte sich an seinen Knappen: "Pod, lass den Heiler holen. Er soll aber keinen Mohnblumensaft, sondern Traumwein mitbringen, wenn sie welchen haben. Und ich muss dir noch etwas sagen: Danke, dass du mir das Leben gerettet hast!"


Tatsächlich bekam Tyrion den gewünschten Traumwein und schlief schmerzfrei ein. Doch in den frühen Morgenstunden wurde er unsanft geweckt, als auf einmal die Soldaten im Lager schreiend aus dem Schlaf hochstreckten. Stöhnend schlug Tyrion die Augen auf und sah, dass Podrick, der auf einer Pritsche neben Tyrions Bett lag, ebenfalls hochschreckte.

"Verdammt, was für ein Geschrei!", stöhnte Tyrion. "Wird das Lager angegriffen?"

"Soll ich nachschauen, Mylord?", fragte Podrick ängstlich. Draußen waren viele aufgeregte Stimmen, aber kein Kampflärm zu hören.

"Nein, warte!", murmelte Tyrion. Die Soldaten redeten weiter lebhaft miteinander in ihrer fremden Sprache, die weder Tyrion noch Pod verstanden. Doch nach und nach wurden die Stimmen leiser und im Lager schien die Aufregung abzunehmen.

"War wohl ein falscher Alarm", seufzte Tyrion. "Leg dich wieder hin, Pod!" Der Knappe gehorchte, doch er fand ebenso wenig Schlaf wie Tyrion, während es draußen heller wurde.

Schließlich kam Mendil ins Zelt. "Guten Morgen!", sagte er, als er sah, dass Tyrion und Podrick wach waren. "Wie geht es Euch, Lord Tyrion?"

"Guten Morgen, Heiler!", erwiderte Tyrion. "Mir geht es besser als gestern. Noch besser würde es mir freilich gehen, wenn ich nicht vorzeitig geweckt worden wäre. Darf ich fragen, was dieser Lärm zu bedeuten hatte?"

"Wir… die Männer… haben schlecht geträumt", antwortete der Heiler stockend. "Das ist alles."

"Schlecht geträumt?", wiederholte Tyrion verwundert. "Das kommt vor, aber doch nicht gleichzeitig bei so vielen Männern. Haben sie etwa geträumt, dass sie die Schlacht doch noch verloren haben?"

"In den Träumen ging es um die Anderen", beschied ihn Mendil knapp. "Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Und nun lasst mich bitte arbeiten und Eure Wunde untersuchen!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Melisandre I

Gespannt blickte Melisandre in die Flammen des Kamins. Ihre neuen Gemächer in Maegors Feste waren noch nicht vollständig eingerichtet, doch das störte sie wenig, so lange sie beleuchtet waren. Selbst tagsüber ließ sie das Feuer im Kamin brennen, auch wenn die Räume vom Sonnenlicht durchflutet wurden.

Die Rote Priesterin sprach leise ein Gebet, während sie weiter ins Kaminfeuer starrte. Stehe mir bei, Herr, und zeige mir, was du deinen Kriegern aus Gondor gezeigt hast. Früh am Morgen war sie aus dem Schlaf hochgeschreckt, als sie die Schreie von Elessars Männern aus dem Jungfrauengewölbe gehört hatte. Sie schreien, denn die Nacht ist dunkel und voller Schrecken! Das war ihr erster Gedanke nach dem Aufwachen.

Im Laufe des Morgens hatten sich im Roten Bergfried Gerüchte verbreitet, dass die Männer aus Gondor von fürchterlichen Albträumen geplagt worden wären, in denen sie gesehen hatten, wie ihre Heimat von den Anderen heimgesucht worden war. Melisandre wollte sich freilich nicht nur aufs Hörensagen verlassen, sondern selbst sehen, was die Männer geträumt hatten. Zuerst sah sie nur die flackernden Flammen, doch allmählich konnte sie Bilder erkennen. Eine schneebedeckte Landschaft, durch die unheimliche blasse Gestalten schritten. Die kalten Kinder des Großen Anderen!

Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als es an der Tür klopfte. Einer von Stannis' Offizieren öffnete und schaute herein. "Verzeiht die Störung, Mylady, aber es ist dringend. Der König verlangt nach Euch. König Elessar und Fürst Faramir sind bei ihm in der Kammer des Kleinen Rats."

"Ich komme sofort!", sagte Melisandre und wandte ihren Blick vom Kamin ab. Sie folgte dem Offizier. Unterwegs dachte sie nach und fragte sich, ob sich König Elessar endlich wahrhaftig als Verbündeter erweisen würde, nachdem sie bisher ein zwiespältiges Verhältnis zu ihm und seinen Männern hatte. Sie hatte ihre Ankunft in Westeros in den Flammen gesehen und war sich sicher gewesen, dass sie Krieger des Lichts waren, denn ihr war auch gezeigt worden, dass jene Männer schon einmal erfolgreich gegen eine dunkle Macht gekämpft hatten.

Bei ihrem ersten Treffen mit Elessar hatte sie in den Flammen auch jenen mächtigen Leibeigenen des Großen Anderen gesehen, den er besiegt hatte. Für Melisandre war diese Vision gleichzeitig einschüchternd und verwirrend gewesen, denn dieser mächtige Feind wurde ihr als lidloses rotes Auge gezeigt, das von Flammen umgeben war. Hatte sie gesehen, wie er vernichtet worden war, oder war dieser Feind zu Lebzeiten rot wie die Priester des Herren gewesen und sich des Feuers bedient? Melisandre war von dieser Vision so verstört gewesen, dass sie sich nicht gegen Elessars Forderung an Stannis gewandt hatte, die Heiligtümer der falschen Götter von Westeros zu verschonen. Ihre Irritationen waren noch gesteigert worden, als Elessar während einer späteren Besprechung einen offenen Streit mit ihr begonnen hatte, als es darum ging, dem Herrn des Lichts königliches Blut zu opfern. Der König von Gondor hatte behauptet, dass in seiner Welt nur die Diener des Großen Anderen Menschenopfer dargebracht hätten.

Andererseits hatten Elessar und seine Vasallen Melisandres Warnungen vor dem Großen Anderen früher ernst genommen als Stannis und dessen Männer. Und Elessar hatte ihr Ansinnen, mit der Kriegsflotte nach Königsmund zu fahren gegen den Rat von Stannis' Kapitänen unterstützt, so dass Melisandre mit ihren Warnungen vor dem Seefeuer entscheidend zum Sieg gegen die Flotte des falschen Königs beitragen konnte.

Als sie in die Kammer des Kleinen Rats eintrat, sah sie, dass neben den Königen und Fürst Faramir noch Lord Eddard Stark und Ser Davos Seewert als Ratsmitglieder anwesend waren. Zwei gute Männer, Stannis treu ergeben, doch leider auch verbohrte Ungläubige. Nachdem Melisandre sich vergewissert hatte, dass im Kamin der Kammer ein Feuer brannte, nahm sie wie die Männer auf ein Zeichen von Stannis Platz.

"Wir wurden heute Morgen durch viel Geschrei aus dem Jungfrauengewölbe aus dem Schlaf gerissen", begann Stannis mürrisch. "Ich habe allerlei Gerüchte über die Albträume gehört, Euer Gnaden, die Eure Männer heimgesucht haben. Nun würde ich gerne wissen, was davon wahr ist."

"Ich selbst wurde von solchen Albträumen verschont, Euer Gnaden", entgegnete Elessar. "Doch es scheint sehr viele meiner Männer betroffen zu haben. Fürst Faramir kann davon berichten!"

Melisandre hörte aufmerksam zu, während Faramir von seinem Traum erzählte, in dem die Anderen in seiner Welt auftauchten. "Wir vermuten, dass der Feind, den Lady Melisandre den Großen Anderen nennt, ein Tor zwischen den Welten öffnen könnte", schloss der Fürst seinen Bericht.

"Das ist gewiss", pflichtete Melisandre ihm bei und wandte ihren Blick zum Feuer. "Der Feind will Seine Knechte aus einem bestimmten Grund in Eure Welt senden. Ich sehe im Feuer einen goldhaarigen Mann, der einen hell leuchtenden Stern auf seiner Stirn trägt. Er steht auf einem fliegenden Schiff."

"Earendil!", rief Elessar. "Mein Vorfahr, der eine wichtige Rolle beim Sturz des Schwarzen Feindes vor mehr als sechstausend Jahren spielte!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Melisandre sah ihm in die Augen. "Der Große Andere will Rache für seinen Sturz und für die Niederlage, die Ihr Seinem Leibeigenen zugefügt hat, Euer Gnaden. Wenn es Seinen Kreaturen gelingt, unsere Welt zu vernichten, wird Er sie in Eure Welt schicken. Im kommenden Krieg der Lebenden gegen die Toten verteidigen wir das Leben in zwei Welten." Sie wandte sich an Stannis. "Euer Gnaden, der Herr des Lichts hat Euch auserwählt, um als der wiedergeborene Azor Ahai den Feind zu besiegen. Jetzt, da Ihr die Herrschaft über Westeros errungen habt, müsst Ihr die Menschen in die Große Schlacht führen."

"Noch stehen nicht alle sieben Königslande unter meiner Herrschaft", wandte Stannis ein. "Und ich verstehe eines nicht: Wenn der Herr des Lichts mich auserwählt hat, warum zeigt er König Elessar und seinen Leute die Feinde? Warum nicht mir?"

"Weil ich sie Euch zeigen kann", antwortete Melisandre. "Seht ins Feuer, Euer Gnaden. Auch Ihr, Lord Stark und Ihr, Ser Davos!"

Stannis wandte darauf seinen Blick aufs Feuer. Lord Stark und Ser Davos hingegen zögerten und schauten voll Zweifel zu Melisandre. Oh, ihr Ungläubigen! Sie holte tief Luft. "Das Feuer wird uns zeigen, gegen wen wir kämpfen müssen! Seht!" Endlich richteten auch der Lord von Winterfell und der Meister der Schiffe ihre Blicke in die Flammen. Binnen weniger Augenblicke sah Melisandre wiederum die kalten Kinder des Feindes. Stannis, Eddard und Davos hielten auf einmal den Atem an.

"Was ist das?", rief der Zwiebelritter erschrocken.

"Es sind Andere und Wiedergänger", antwortete Lord Stark mit zitternder Stimme.

"Was unterscheidet sie?", fragte Ser Davos.

Melisandre lächelte grimmig. "Die Wiedergänger werden durch Totenbeschwörung zum Leben erweckt, doch sie sind nur Sklaven aus totem Fleisch. Jene, die Lord Stark die Anderen nennt, sind mehr als das."

"Dämonen, die aus Schnee, Eis und Kälte erschaffen wurden", sagte Stannis tonlos. "Der alte Feind. Der einzige Feind, auf den es ankommt." Er wandte sich vom Feuer ab.

"Wir müssen mehr über diese Feinde erfahren", sagte Elessar. "Die Schriften in den hiesigen Archiven sagen nicht viel mehr als jene in Drachenstein – es steht nirgends, wer die Anderen anführte. In meinem Traume aber erblickte ich einen Anführer, der auf dem Eisernen Thron saß. Meine Männer haben ihn in ihren Träumen auch gesehen."

"Es war der Nachtkönig." Lord Starks Stimme zitterte immer noch.

"Meint Ihr den König der Nacht?", fragte Elessar. "Der dreizehnte Lord Kommandant der Nachtwache, der angeblich eine totenbleiche Zauberin heiratete und den Anderen huldigte?"

"Nein… äh… ich bin mir nicht sicher", antwortete Lord Stark. "Der Nachtkönig, den ich meinte, war einer Legende zufolge der Anführer der Anderen in der Langen Nacht. Der sogenannte König der Nacht war wahrscheinlich nicht Derselbe, denn er lebte den Legenden zufolge viel später. Möglicherweise hat er dem echten Nachtkönig nachgeeifert."

"Der Name alleine hilft uns nicht viel weiter", warf Faramir ein. "Wir müssten wissen, was dieser Nachtkönig und seinesgleichen vermögen und vor allem müssten wir wissen, wie wir sie bekämpfen können."

"Ja, und wir müssten auch wissen, wo die Anderen angreifen und wann sie angreifen", ergänzte Ser Davos.

"Die Toten werden sich im Norden erheben", raunte Melisandre, "in den Ländern des ewigen Winters. Und wenn der Winter begonnen hat, wird der Tod gegen die Mauer vorrücken."

"Dann bleibt also noch Zeit, um uns vorzubereiten", schlussfolgerte Stannis. "Die Maester in der Zitadelle müssen in sämtlichen Schriften über die Lange Nacht nachforschen, was wir über die Anderen wissen müssen!"

"Das ganze Land muss sich vorbereiten", meinte Lord Stark. "Nicht nur die Maester und die Soldaten, sondern das ganze Volk. Dieser Winter wird mit dem Krieg gegen die Anderen besonders hart und die Menschen müssen wissen, was sie erwartet. Am härtesten wird es wohl meine Leute treffen." Er seufzte. "Als Wächter des Nordens sollte ich längst wieder zu Hause sein und mich um die Vorbereitungen auf den Winter kümmern."

"Eines nach dem anderen, Lord Stark!", sagte Stannis streng. "Noch brauche ich Euch für eine Weile hier. Und bevor wir in die Große Schlacht ziehen, müssen zunächst alle sieben Königslande unter meiner rechtmäßigen Herrschaft vereint werden!"

"Und alle sieben Königslande müssen dem einen Gott des einen rechtmäßigen Königs folgen!", rief Melisandre. "Alle Menschen müssen dem Herrn des Lichts huldigen und den falschen Göttern, den Leibeigenen des Großen Anderen, abschwören!"

Lord Stark und Ser Davos verzogen darauf ihre Gesichter, doch es war Stannis, der widersprach: "Nein, Lady Melisandre! Es gilt weiterhin, was ich mit König Elessar vereinbart habe: Wer weiterhin die alten oder die neuen Götter verehrt kann dies unbehelligt tun! Haltet Ihr an dieser Bedingung weiterhin fest, Euer Gnaden?"

"Ja, das tue ich in der Tat, Euer Gnaden!", bestätigte Elessar. "Außerdem würde ich mich nachher gerne unter vier Augen mit Lady Melisandre unterhalten."

Melisandre hatte die Worte der Könige mit Verdruss vernommen, doch sie war überrascht, als sie Elessars Wunsch hörte. "Sehr gerne, Euer Gnaden!"

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar IX

Nach der Besprechung mit Stannis hatte sich Elessar wieder in seine Gemächer im Jungfrauengewölbe begeben. Er hatte dann Faramir ins Lager voraus geschickt, und ihm befohlen, dass Heer erneut zu versammeln und sein Kommen anzukündigen. Noch einmal wollte Elessar eine Rede vor seinen Männern halten.

Doch zunächst hatte er Lady Melisandre zu empfangen. Als die Rote Frau eintrat, bat Elessar sie, Platz zu nehmen. Sie setzte sich und fragte:

"Warum wolltet Ihr mich sprechen, Euer Gnaden?"

"Ich wollte schon lange mit Euch sprechen, Lady Melisandre. Über das, was wir tun müssen und über das Gute und das Böse in unserer und Eurer Welt. Seid Ihr gut oder böse, Mylady?"

Sie blickte ihn überrascht an. "Selbstverständlich bin ich gut. Ich kämpfe für Licht und Leben und gegen Tod und Finsternis – so wie Ihr, Euer Gnaden. Zweifelt Ihr etwa daran?"

"Ich zweifle nicht daran, dass Ihr gut sein wollt", erwiderte Elessar, "aber Ihr seid mir zuweilen zu selbstsicher und Ihr zweifelt mir zu wenig an Euch selbst und an dem was Ihr in Euren Feuern zu sehen glaubt."

"Warum sollte ich daran zweifeln?", versetzte sie. "Durch die Feuer zeigt mir der Herr des Lichts Dinge die waren und Dinge, die noch passieren können – aus unserer Welt und auch aus Eurer."

"Ja, gewiss", räumte Elessar ein, "doch ich frage mich, ob Ihr immer die richtigen Schlussfolgerungen zieht. In meiner Welt gab es einst eine sehr weise Frau, die nicht im Feuer, sondern im Wasser Dinge, die waren, Dinge, die sind und Dinge, die noch sein mögen gesehen und auch anderen Leuten gezeigt hat. Doch sie warnte vor allzu leichtfertigen Schlussfolgerungen und voreiligen Taten."

"Visionen im Wasser?", fragte Melisandre zweifelnd. "Mir erscheinen solche Warnungen nicht als ein Zeichen von Weisheit, sondern eher von Unsicherheit. War diese Frau wirklich so weise, wir Ihr meint?"

"Ganz gewiss!", antwortete Elessar. "Nicht selten ist der Zweifelnde weiser als derjenige, der sich seiner Sache allzu sicher ist und dadurch in sein Verderben läuft. Ich kannte einst einen Mann, dem leider genau das passiert ist. Er war ein tapferer Krieger, doch er tat aus besten Absichten heraus genau das Falsche und dies wurde ihm zum Verhängnis." Er brach ab und dachte traurig an Boromirs Tod.

"Und mir unterstellt Ihr das Gleiche?", fragte Melisandre pikiert.

"Ja, fürwahr!", sagte Elessar. "Eure Forderung, dass die Menschen den alten und neuen Göttern abschwören, wird Zwietracht säen und gefährdet Stannis' Herrschaft. Um gegen den Feind zu bestehen, brauchen wir aber Eintracht! Was Ihr fordert, nützt dem Feind!"

"Aber die Menschen müssen dem wahren Gott folgen!", beharrte Melisandre.

"Ihr könnt sie nicht dazu zwingen!", widersprach Elessar. "Wenn Ihr das tut, erfüllt Ihr den Willen des Feindes. Ebenso, wenn Ihr Menschenopfer darbringt. Das dürft Ihr nicht tun, denn in unserer Welt haben nur die Anhänger dessen, den Ihr den Großen Anderen nennt, solche Taten vollbracht!"

"Dann unterscheiden sich unsere Welten wohl in dieser Hinsicht. Wisst Ihr, wie Azor Ahai das Schwert Lichtbringer vollendete, mit dem er vor tausenden vor Jahren den Feind besiegte? Hundert Tage und Nächte hat er an der Klinge gearbeitet, doch zu Lichtbringer wurde das Schwert erst, als er die glühende Klinge in das Herz seiner geliebten Gemahlin Nissa Nissa stieß, so dass ihre Kraft und ihr Blut in den Stahl übergingen. Dies Opfer war nötig, denn ansonsten hätte der Große Andere schon damals gewonnen und die Lange Nacht hätte nie geendet."

"Vielleicht, war es so", seufzte Elessar, "und ich weiß nach allem, was ich in meiner Welt erlebt habe, dass es keinen Triumph ohne Verlust, keinen Sieg ohne Leid und keine Freiheit ohne Opfer gibt. Aber wenn ich die Legende von Azor Ahai und Nissa Nissa richtig verstanden habe, so hat er seine Gemahlin nicht hinterrücks ermordet, sondern sie hat sich freiwillig geopfert. Ich ersuche Euch, dass auch Ihr niemals jemanden gegen seinen Willen opfert, Lady Melisandre!"

Die rote Frau blickte Elessar finster an; offenkundig behagte ihr seine Forderung nicht. "Wie Ihr wünscht, Euer Gnaden!", sagte sie schließlich mit Unmut in der Stimme. "Darf ich mich zurückziehen?"

"Ihr dürft!" Elessar nickte erleichtert. Melisandre verließ sein Gemach. Wird sie sich wirklich an ihr Wort gebunden fühlen?


Die Sonne stand bereits hoch im Westen, als Elessar im Lager seines Heers eintraf. In Reih und Glied standen die Männer vor ihm, während er von Faramir zum Podest geleitet wurde. Als Elessar das Podest bestiegen hatte, schaute er auf sein Heer.

"Kameraden", begann er, "ihr seid von schrecklichen Träumen geplagt worden. Träume, die von den Valar gesandt wurden und euch etwas gezeigt haben, was niemals wahr werden darf. Die Kreaturen, die ihr gesehen habt, die Anderen und die Wiedergänger, dürfen nie den Krieg in dieser Welt gewinnen. Denn wenn sie hier gewinnen, wird der Schwarze Feind ihrem Anführer, dem Nachtkönig, einen Weg in unsere Welt öffnen. Es ist an uns, das zu verhindern!

Wir müssen Seite an Seite mit König Stannis Baratheon und den Menschen von Westeros gegen den Feind kämpfen. Wir verteidigen hier nicht allein Westeros, nein wir verteidigen auch Arnor und Gondor, ja, wir verteidigen Mittelerde! Ihr verteidigt damit auch die Menschen, die ihr liebt!

Uns steht die Große Schlacht bevor. Vom Ausgang dieser Schlacht hängt das Überleben der Menschheit in zwei Welten ab. Die ganze Wut und Macht des Feindes wird sich zuerst gegen die sieben Königslande von Westeros richten, dann gegen Mittelerde. Wenn der Nachtkönig siegt, werden zwei Welten in einen Abgrund von Tod und Finsternis stürzen. Doch wir werden das verhindern! Wir werden kämpfen und wir werden siegen! Ich bin entschlossen, mit unseren Verbündeten in den Schlacht zu ziehen. Werdet ihr mir folgen?"

"JA!", rief das ganze Heer wie ein Mann.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Tyrion VII

Missmutig betrachtete Tyrion sich im Spiegel, den Podrick ihm gebracht hatte. Der Heiler hatte widerstrebend den Verband abgenommen, da Tyrion sein eigenes Gesicht sehen wollte. Die Wunde, die Ser Mandon ihm bereitet hatte und die nun zu vernarben begann, zog sich von der Stirn oberhalb des linken Auges über die Nasenwurzel bis über die rechte Wange. "Hübsch!", bemerkte er sarkastisch. Wahrscheinlich sollte ich den Göttern dankbar sein, dass ich nicht geblendet wurde und meine Nase noch dran ist.

Seufzend legte er den Spiegel weg. Er fragte sich, was draußen im Lager und in der Stadt vorging. Der Heiler war sehr zugeknöpft gewesen, und auch Podrick hatte in Gesprächen mit Soldaten nicht viel mehr in Erfahrung bringen können. Angeblich war die Mehrzahl der Soldaten Gondors etwa zeitgleich von Albträumen geplagt worden, in denen die Anderen ihre Heimat in der anderen Welt überfallen hatten. Tyrion fragte sich, ob das eine List war, um den Westerosi etwas vorzuspielen oder ob er einer Bande von Wahnsinnigen in die Hände gefallen war. Beide Möglichkeiten erschienen ihm nicht gerade beruhigend. Warum nur die Anderen? Warum nicht auch Grumkins und Snarks?

Tyrion erinnerte sich sowohl an seinen Besuch an der Mauer als auch an den lächerlichen Auftritt von Ser Allisar Thorn im Roten Bergfried. Der Waffenmeister der Schwarzen Festung hatte irgendeinen hanebüchenen Unfug von wieder zum Leben erwachten Toten gefaselt, die angeblich versucht hätten, den Lord Kommandanten der Nachtwache zu ermorden. Tyrion hatte Ser Allisar darauf verspottet und mit ein paar neuen Rekruten abgespeist. Vielleicht hätte ich ihn zu König Elessar weiterschicken sollen. Bei den Soldaten Gondors hätte Thorn gewiss mehr Gehör für seine grotesken Schauermärchen gefunden.

Am Nachmittag hatte Tyrion laute Jubelschreie gehört. Podrick erfuhr etwas später von den Wachen, dass König Elessar im Lager gewesen war und eine Rede gehalten hatte. Was er ihnen wohl gesagt hat? Dass sie nach Hause gehen? Darauf wage ich nicht zu hoffen. Vielleicht, dass sie die Anderen, die Snarks und Grumkins ebenso besiegen werden wie den Halbmann?

Es ging bereits auf den Abend zu, als mehrere bewaffnete Männer mit dem königlichen Wappen Gondors in das Zelt traten. Tyrion sprang erschrocken auf, worauf ihm schwindelig wurde. Er fürchtete für einen Moment, dass man ihn fortbringen und an Stannis ausliefern würde, aber zu seiner Überraschung sagte einer der Soldaten zu Podrick: "Mitkommen, Junge!" Der Knappe senkte sein Haupt und folgte wortlos den Männern, die das Zelt wieder verließen. Nur einer von ihnen, ein großer Mann mit dunklem Haar und grauen Augen blieb bei Tyrion. Er hatte eine entfernte Ähnlichkeit mit Benjen Stark, doch er trug das Wappen von Gondor.

"Was habt Ihr mit meinem Knappen vor?", fragte Tyrion besorgt. "Pod ist ein guter Junge!"

"Macht Euch keine Sorgen um den Knaben, Tyrion Lannister!" Der große Mann lachte. "Er bleibt nur während unseres Gesprächs draußen. Ich möchte ungestört mit Euch reden und meine Leibwächter wollen sicher gehen, dass Podrick Payn nicht auf die Idee kommt, seinen Verwandten Ser Ilyn zu rächen, der durch meinen Pfeil fiel."

"Dann seid Ihr Fürst Faramir!", schlussfolgerte Tyrion. "Ich habe gehört, dass Ihr Eddard Stark gerettet habt, weil er wie Euer Bruder aussieht."

"Oh, das hat sich also bis zu Euch herumgesprochen. Das habt Ihr sicher von Varys vernommen."

"Ihr kennt Varys?", rief Tyrion erstaunt.

"Nur flüchtig", antwortete Faramir. "Aber das wird sich vielleicht ändern, wenn er wieder als Meister der Flüsterer in den Kleinen Rat von König Stannis aufgenommen wird."

Tyrion schluckte, als er vernahm, dass Varys in Stannis' Dienste treten würde. Eigentlich sollte mich das nicht überraschen – die Spinne will auch nur überleben.

Faramir entging Tyrions Überraschung offensichtlich nicht. Er legte nach. "Es dürfte Euch interessieren, dass der Anführer Eurer Söldner, Bronn, die Schlacht ebenfalls überlebt hat. Er hat angeboten, Stannis zu dienen, nachdem er von der Niederlage Eures Vaters erfahren hatte."

"Bronn? Vater? Welche Niederlage?" Tyrion hatte das Gefühl, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Ihm war schwindlig.

"Vielleicht solltet Ihr Euch hinlegen", schlug Faramir vor. "Ihr seht blass aus und ich möchte nicht, dass Ihr in Ohnmacht fallt."

Tyrion wollte vor einem Feind nicht schwach erscheinen, doch angesichts des Schwindelgefühls befolgte er Faramirs Rat zumindest teilweise und setzte sich auf das Bett. "Was ist mit meinem Vater passiert? Ist er etwa gefallen?", stöhnte er.

"Nein, soweit ich weiß, nicht", antwortete Faramir ernst. "Es gab eine Schlacht am Goldweg, als Euer Vater mit seinen Truppen auf das Heer von Lord Renly stieß. Renly wurde in der Schlacht tödlich verletzt, doch sein Heer siegte und schloss sich König Stannis an. Euer Vater und Euer Onkel Kevan flohen mit den Resten ihrer Truppen in die Westlande."

Meine Familie ist geschlagen und ich bin verloren. Tyrion war verzweifelt. "Dann braucht Ihr mich also nicht als Geisel? Warum habt Ihr mir nicht schon längst den Kopf abgeschlagen? Will Stannis mich nicht tot sehen?"

"Das kann schon sein", bemerkte Faramir mit einem aufmunternden Lächeln. "Doch König Stannis hat uns einiges zu verdanken und daher unserem Wunsch entsprochen, Euch am Leben zu lassen. Auch Lord Stark wünscht, dass Ihr lebt. Und König Elessar und ich – nun ja, wir haben eine gewisse Sympathie für kleine Leute."

Tyrions Augen weiteten sich vor Entsetzen. "Ihr wollt mich als Lustsklaven? Dann lasse ich mich lieber von Stannis köpfen – das geht wenigstens schnell vorbei!"

Faramir verzog das Gesicht und wirkte verwirrt. "Wie? Was? Wovon redet Ihr? Mir scheint, Ihr habt mich missverstanden. Bei uns ist Sklaverei verboten." Er schüttelte den Kopf.

"Was wollt Ihr dann von mir?", fragte Tyrion ängstlich.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Antworten auf einige Fragen, die wir haben", erklärte Faramir. "Zunächst würde ich gerne erfahren, warum einer Eurer Männer Euch umbringen wollte. Von Podrick haben wir erfahren, dass er Mandon Moor hieß und zu Joffreys Leibgarde gehörte. Was hatte dieser Mann gegen Euch?"

"Nichts Persönliches, das ist gewiss", schnaubte Tyrion. "Er befolgte einen Befehl, der entweder von Joffrey oder Cersei kam."

"Wäre das nicht Sippenmord?", fragte Faramir. "Ich dachte, das würden die Gesetze der Götter und Menschen in Eurer Welt verbieten."

In Eurer Welt. Tyrion sah Faramir misstrauisch an. Will er tatsächlich behaupten, sie seien aus einer anderen Welt? Na gut, spielen wir das Spielchen eben mit.

"Sicher verbieten das die Gesetze", bestätigte Tyrion. "Aber nicht jeder hält sich daran. Gibt es in Eurer Welt etwa keinen Sippenmord?"

"Doch, ja, das kommt auch in unserer Welt vor", räumte Faramir hastig ein. Tyrion schien einen wunden Punkt getroffen zu haben. "Aber warum verdächtigt Ihr Eure Verwandten?", fragte der Fürst.

"Cersei hat mich schon immer gehasst", knurrte Tyrion. "Sie gab mir die Schuld am Tod unserer Mutter, die bei meiner Geburt starb. Dass ich hier in Vertretung für meinen Vater als Hand des Königs herrschte und ihren Intrigen in die Quere kam, war für sie unerträglich. Und mein lieber, entzückender Neffe Joffrey war ein Monster. Er war wütend auf mich, dass ich ihn daran hinderte, die arme kleine Sansa Stark noch weiter zu quälen. Fürwahr, ich kann Stannis nicht dafür hassen, dass er Joffrey getötet hat."

"Könnt Ihr dann auch bestätigen, dass dieses Monster Joffrey dem Inzest von Cersei mit Eurem Bruder Jaime entstammt?", fragte Faramir.

Tyrion hatte sich aus Wut auf Cersei und Joffrey in Rage geredet, doch als Faramir Jaime erwähnte, wurde er vorsichtig, denn er wollte auf keinen Fall seinen Bruder belasten. Außerdem sorgte er sich um Myrcella und Tommen. "Dazu kann ich nichts sagen", erwiderte er knapp.

"Wie Ihr meint." Faramir zuckte mit den Schultern. "Darüber hat Lord Stark wohl genug herausgefunden. Allerdings könnt Ihr wohl mehr zu zwei anderen Fällen sagen: Dem Mord an Jon Arryn und den Anschlag auf den jungen Brandon Stark."

"Ich wurde dieser Verbrechen bereits auf Hohenehr beschuldigt, angeklagt und durch Gottesurteil nach einem Zweikampf freigesprochen!", rief Tyrion empört. "Oder zählt ein Urteil der Sieben nicht für Euren Herrn des Lichts?"

"Gemach, gemach!", beschwichtigte Faramir. "Diese Streitereien zwischen Anhängern verschiedener Götter verstehe ich bis heute nicht. Auch ein Urteil aufgrund eines Zweikampfes erscheint uns befremdlich. In besagten Fällen sollt Ihr allerdings nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge befragt werden. Wir haben von Varys bereits erfahren, dass Ihr selbst gewisse Nachforschungen unternommen habt und in diesen Zusammenhang Großmaester Pycelle vorübergehend einsperren ließet."

"Pycelle!", stöhnte Tyrion und verdrehte die Augen. "Hat Stannis auch ihn in seinen Kleinen Rat wiederaufgenommen?"

"Nein, er ist wieder in den Schwarzen Zellen eingekerkert. Lord Stark hält Pycelle für ein Geschöpf Eurer Schwester. Aber warum habt Ihr ihn eingekerkert?"

"Oh, über Pycelles Machenschaften könnte ich Euch einiges erzählen!" Tyrion grinste böse. "Aber dafür erwarte ich auch eine Gegenleistung. Reicht die Zuneigung, die Euer König und Ihr für kleine Leute wie mich empfinden, so weit, dass Ihr mein Leben garantieren könnt? Es wäre doch ziemlich ungerecht, wenn ich Euch mit meinen Aussagen helfe, aber dann doch hingerichtet werde."

Faramir lachte. "Ihr seid gewitzt und schlau, Tyrion! Doch das ist eine Angelegenheit, die die Könige entscheiden müssen. Aber ich werde sehen, was ich für Euch tun kann. Könnt Ihr auch einiges über den Mordanschlag auf den kleinen Brandon Stark erzählen?"

Tyrion grinste nicht mehr. "Mir wäre es lieber, ich könnte vorher mit Eurem König sprechen. Wäre das möglich?"

"Ja, gewiss", sagte Faramir. "Ihr werdet bald noch mehr Besuch erhalten. König Elessar wäre sogar selbst gekommen, nachdem er heute im Lager eine Rede an das Heer gehalten hat, aber er ist wieder in die Stadt gegangen, um Königin Selyse und Prinzessin Sharin zu begrüßen, die heute aus Drachenstein eingetroffen sind."

"Königin Selyse!" Tyrion verdrehte die Augen. "Die wird mich hoffentlich nicht besuchen. Wobei ich grundsätzlich nichts gegen Damenbesuch hätte, sofern es sich um eine bestimmte Sorte von Damen handelt, wenn Ihr versteht, was ich meine."

"Oh, gewiss. Aber diese Sorte von Frauen wird bei uns nicht geschätzt und auch nicht zu Euch vorgelassen. Eine hat es gestern sogar versucht, allerdings hat sie ihr Interesse an Euch verloren, als sie vernahm, dass Eure Familie geschlagen ist."

Tyrion zuckte hoch. "Doch nicht etwa Shae?", rief er.

"Ja, das war wohl ihr Name", bestätigte Faramir, "Hauptmann Erchirion beschrieb sie als schlankes, junges Ding mit schwarzen Haaren. Sie behauptete, irgendeiner Lady Tanda zu dienen."

"Lady Tanda Schurwerth", stöhnte Tyrion und setzte sich wieder hin. "Ja, das war Shae, meine…äh…" Hure? Gespielin? Bettwärmerin? "…Bedienstete."

"Jetzt wohl Eure ehemalige Bedienstete", bemerkte Faramir trocken. "Sie bot ihre… äh…körperlichen Dienste Hauptmann Erchirion an, der sie ob dieser Beleidigung des Lagers verwies. Du meine Güte, bedeutet dieses Weib Euch so viel?" Offensichtlich sah Faramir die Verzweiflung in Tyrions Gesicht.

Ja, verdammt! Mehr, als ich selbst wahrhaben will!
Tyrion seufzte. "Nein, ich bin nur in meiner Eitelkeit gekränkt. Das ist alles!"

"Das ist gewiss nicht alles", widersprach Faramir. "Aber gut, ich sehe, dass Ihr all das erst einmal verkraften müsst, daher lasse ich Euch jetzt erstmal in Ruhe, Mylord." Er schritt aus dem Zelt.

Nachdem der Fürst gegangen war, schwanden Tyrions letzte Kräfte. Er legte sich hin, schloss die Augen und versuchte, alles zu vergessen.

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