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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Faust II. Eine verteufelte Sache.

Hisimir

Gefährte

Re: Akt 5/3 [hoffe, es doppelt sich jetzt nicht zu sehr ;)] [Re: sphnix]

Um Mitternacht treten die Grauen Weiber auf.

Mangel, Schuld, Sorge und Not.
Bei reichen Menschen haben sie, mit Ausnahme der Sorge, keine Angriffsmöglichkeiten. Aber auch die Reichen plagen Sorgen.
Die Sorge schleicht sich bei Faust ein und er erzählt ihr von seinem Leben.
Der immer in der Gegenwart lebende, sich nicht um die Zukunft sorgende Faust streitet mit der Sorge, die ihn am Ende mit Blindheit schlägt.
"Die Menschen sind im ganzen Leben blind,
Nun, Faust, werde du's am Ende!"
Doch auch daraus macht er sich nichts. Sein kluges Geist reicht, um genügend andere anzutreiben, seine Gedanken zu realisieren und zu vollenden.

Hmmmm.
Ein interessanter Abschnitt, den ich in seiner Ganzheit vermutlich nicht so recht verstehe.
Ich hoffe mal, der Kommentar und weisere Forumsmenschen werden mich erleuchten.

Ehre das Gimp!
아미
Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,
Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen;
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
Und lispeln englisch, wenn sie lügen.
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Caddy

Gefährte

Re: Akt 5/3 [hoffe, es doppelt sich jetzt nicht zu sehr ;)] [Re: Hisimir]

Ihr hättet Euch die Mühen der Lektüre sparen können, man kann sich den Faust II bis morgen 19 Uhr auch einfach angucken.

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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sphnix

Gefährte

Re: Akt 5/3 [hoffe, es doppelt sich jetzt nicht zu sehr ;)] [Re: Caddy]

Das kann man auf Youtube eh


...
(Hmm!)


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Caddy

Gefährte

Re: Akt 5/3 [hoffe, es doppelt sich jetzt nicht zu sehr ;)] [Re: sphnix]

Ja, aber so weit ich weiß, nicht in dieser Inszenierung.

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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Hisimir

Gefährte

Re: Akt 5/3 [hoffe, es doppelt sich jetzt nicht zu sehr ;)] [Re: Caddy]

Reicht die an Gründgens Mephisto ran?

Ehre das Gimp!
아미
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sphnix

Gefährte

Re: Akt 5/3 [hoffe, es doppelt sich jetzt nicht zu sehr ;)] [Re: Hisimir]

Der ist doch aber von K. M.!

Caddy schrieb:
Ja, aber so weit ich weiß, nicht in dieser Inszenierung.



Ich weiß. Ich wollte dich nur ärgern.


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sphnix

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Re: Akt 5/3 [hoffe, es doppelt sich jetzt nicht zu sehr ;)] [Re: sphnix]

... und die Leute wollten mich ärgern, mit ihren Zeiten


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sphnix

Gefährte

Akt 5, Szene 4 // Caddy, hattest du die Aufführung eigentlich angeschaut/reingeschaut? [Re: sphnix]

4. Szene: Tiefe Nacht

Vier graue Weiber schweben auf Faust zu: Mangel, Schuld, Not und Sorge. Die ersten drei können ihm nichts anhaben, da er reich ist - er muss keinen Mangel und keine Not leiden. “Schuld“ ist doppeldeutig - kann materielle oder moralische Schuld meinen. Da der Reichtum Faust vor Schuld schützt, entscheidet der Kommentar sich für die Lesart, es handle sich um materielle Schuld. Allerdings könnte man, meine ich, auch moralische Schuld - verstanden als Zuschreibung von außen - darunter verstehen: Faust hat ja reale Schuld auf sich geladen; aber es gibt keinen Ankläger.

Wie auch immer: Die Sorge kann - durchs Schlüsselloch - zu ihm eindringen.

Was hat es mit dieser Sorge auf sich?
In Faust I bereits ist von der Sorge die Rede; etwas, nachdem Faust am Erdgeist gescheitert und Wagner wieder losgeworden ist:

„Die Sorge nistet gleich im tiefen Herzen,
Dort wirket sie geheime Schmerzen,
Unruhig wiegt sie sich und störet Luft und Ruh;
Sie deckt sich stets mit neuen Masken zu,
Sie mag als Haus und Hof, als Weib und Kind erscheinen,
Als Feuer, Wasser, Dolch und Gift;
Du bebst vor allem, was nicht trifft,
Und was du nie verlierst, das mußt du stets beweinen.“
[F, S. 42]


Diese Passage steht kurz vor dem Selbstmordversuch, den Faust dann doch abbricht, weil die Osterglocken ihn sentimental machen. Hier, im 1. Teil, meint Sorge das vorausschauende Bangen vor einem Verlust oder einer Gefahr, der/die noch nicht eingetreten ist. Etwas später - nach dem Osterspaziergang, bei der zweiten Begegnung mit Mephisto, wird Faust die Gegenstände der Sorge verfluchen:

„Verflucht was uns in Träumen heuchelt,
Des Ruhms, der Namensdauer Trug!
Verflucht was als Besitz uns schmeichelt,
Als Weib und Kind, als Knecht und Pflug!
Verflucht sei Mammon, wenn mit Schätzen
Er uns zu kühnen Taten regt,
Wenn er zu müßigem Ergetzen
Die Polster uns zurechte legt!
Fluch sei dem Balsamsaft der Trauben!
Fluch jener höchsten Liebeshuld
Fluch sei der Hoffnung! Fluch dem Glauben,
Und Fluch vor allen der Geduld!“

[F, S. 73]

Am Schluss des Fluchs stehen die christlichen Kardinaltugenden, was der Kommentar als Distanzierung Fausts vom Christentum deutet. Sicher mag das mit-gemeint sein; aber ich sehe hier etwas anderes im Vordergrund: Faust bereut hier den unterlassenen Selbstmord; und sein Fluch gilt allem, was trügerisch an die Erde bindet. Anders als Hamlet fürchtet er ja nicht das „Drüben“; er kann nur vom „Hier“ nicht lassen.
Weib und Kind hat er auch am Ende nicht; Haus und Hof, Knecht und Pflug im übertragenen Sinne sehr wohl - allerdings gewissermaßen als Abstrakta: Als Projekt der Landgewinnung, die ihn bis zum Schluss umtreibt.

Ich sehe im Faust des 5. Aktes den Typus des Gegenwartsflüchtlings, der immer nur voran, ins Zukünftige, ins Noch-Nicht-Gehabte, Ins Sich-Anzueignende hinein leben kann (darin der Neuzeit, den Kapitalismus strukturverwandt bzw. dessen Struktur gleichsam ausführend); und der nun an die Grenzen stößt. Die eine Grenze ist die Begrenztheit der Welt - „Der Erdenkreis ist mir genug bekannt“ [F, S. 441], die andere das Alter. Einmal hat Faust sich mit Magie verjüngt; ein zweites Mal scheint das nicht infrage zu kommen. Der Tod, die absolute Grenze, nah von fern.

Faust hört die Stimmen der vier grauen Weiber und interpretiert sie als geisterhaft. Die Magie, der er doch auch alles verdankt, was er hat, erscheint ihm nun als das eigentlich lebensvergällende. Auch zu Beginn von Faust I war Faust ein alter Mann, der von seinem Leben sagte, dass kein Hund es länger führen wolle; und darum hat er nach Magie gegriffen: Die Szene konterkariert insofern die erste; aber ganz glaubhaft ist sie nicht. Zwar wird Faust tatsächlich nicht zu magischen Mitteln greifen, um sich der Sorge zu erwehren („Sprich kein Zauberwort“ [F, S. 441]), aber an seinem innig mit Mephistos Hilfe verbandelnden Projekt der Naturbeherrschung hält er fest bis zum Schluss.

Im Dialog mit der Sorgen bestätigt Faust noch einmal seine Unbekümmertheit um das Jenseits (die mich immer etwas erstaunt hat, die aber auch Grundlage seines Paktes mit dem Teufel ist - „Das Drüben kann mich wenig kümmern“ [F, S. 75] heißt es ja schon im ersten Teil.); und vor allem artikuliert er noch einmal seine Entschlossenheit, zu „streben“ und weiterzuschreiten. Die Erde hat genug zu bieten; man kann auf ihr, zwar unbefriedigt, aber dafür auch unbeschränkt, ewig weiterwurschteln. Die Sorge widerspricht:

„Wen ich einmal mir besitze
Dem ist alle Welt nichts nütze,
Ewiges Düstre steigt herunter,
Sonne geht nicht auf noch unter,
Bei vollkommnen äußern Sinnen
Wohnen Finsternisse drinnen.
Und er weiß von allen Schätzen
Sich nicht in Besitz zu setzen.
Glück und Unglück wird zur Grille,
Er verhungert in der Fülle,
Sei es Wonne, sei es Plage,
Schiebt er’s zu dem andern Tage,
Ist der Zukunft nur gewärtig,
Und so wird er niemals fertig.“
[F, S. 442]

Das ist aber im Grunde nicht das Gegenteil zu dem, was Faust vorschwebt - es ist dasselbe, nur gesehen in seiner Negativität. Faust erkennt die Sorge nicht an (kann man sagen: erkennt diese Perspektive nicht an?). Die Folge ist Blindheit - physische Blindheit, und, damit korrespondierend, Blindheit für die eigene Lage. Den Schlussmonolog Fausts in dieser Szene hat man laut Kommentar gelegentlich als Reflex auf die Theorien Saint-Simons gelesen, nach denen „eine Führungselite [...] auf der zuletzt erreichten Stufe der Gesellschaft jedem einzelnen seine Aufgaben zuteilen sollte“ [K, S. 743], und zwar in Übereinstimmung mit der Vernunft.
Mir erscheint diese sehr konkrete Verortung von Fausts Modell nicht besonders zwingend; es scheint mir eher ein allgemein-paradigmatischer, autoritär geprägter Fortschrittsoptimismus dahinter zu stehen.

Noch Fragen? Und wann wollen wir Faust sterben lassen?


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Hisimir

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Re: Akt 5, Szene 4 // Caddy, hattest du die Aufführung eigentlich angeschaut/reingeschaut? [Re: sphnix]

Ob moralische oder materielle Schuld macht bei Reichen in den meisten Fällen keinen Unterschied. So oder so kann ihm die Schuld nichts anhaben. Selbst wenn er angeklagt werden würde, so könnte er sich doch freikaufen bzw würde gar nicht erst angeklagt werden, wenn er nur eine großzügige Spende tätigt.

Jetzt verspoiler mich doch nicht zum nächsten Teil

Nächste Woche?

Ehre das Gimp!
아미
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Re: Akt 5, Szene 4 // Caddy, hattest du die Aufführung eigentlich angeschaut/reingeschaut? [Re: Hisimir]

ok


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