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herr-der-ringe-film.de

Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Faust II. Eine verteufelte Sache.

Hisimir

Gefährte

Re: : [Re: sphnix]

Ich weder noch, schaffe es aber bis spätestens morgen, denke ich.

Ehre das Gimp!
아미
Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,
Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen;
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
Und lispeln englisch, wenn sie lügen.
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Hisimir

Gefährte

Re: : [Re: Hisimir]

Der vierte Akt beginnt und damit entfernen wir uns vom klassischen, Drei-Akt-Drama.

Faust wird von einer Wolke wieder in sein gegenwärtiges Europa ausgespuckt und sieht noch ein Nachbild der fantastischen Erlebnisse in Form einer wunderschönen Frau, die er hier mit Juno (Hera bei den Griechen), also die oberste Göttin, Leda, die Mutter der Dioskuren, die von Zeus in Schwanengestalt bestiegen wurde und natürlich Helena vergleicht.
Mephisto kommt herangeschritten und erkennt den steinigen Berg als Hölle wieder. Seine Begründung, warum die Hölle nicht, wie es eine gängige Vorstellung war und ist, unter der Erde ist, sondern in luftiger Bergeshöh, ist sehr unterhaltsam.
Mir scheint, hier kommt bei Faust dann Goethes Pantheismus durch. Man möge mich erleuchten und korrigieren!

Mensch und Teufel diskutieren über das nächste Vorhaben und ihre Ziele. Ansonsten kann ich zu dem Abschnitt nicht all zu viel sagen, vielleicht magst du da ja etwas Weisheit spenden?

Im Reich herrscht Krieg, der Kaiser ist mehr Genießer als Herrscher. Faust meint, ein Herrscher müsse das Herrschen genießen, um es gut zu tun.
Es schaut nicht gut aus, für den lieben Kaiser, der Klerus hat wohl eine Art Rebellion angezettelt. Mephisto empfiehlt Faust, dem guten Mann zu helfen und somit nach dem Sieg die Mittel für die eigene Herrschaft zu haben. Um die aussichtslose Schlacht zu gewinnen, holt Mephisto Hilfe. Deren Sprache ist entsprechend grob.

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아미
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athameg

Gefährte

Re: : [Re: Hisimir]

Nur ein ganz kurzer Hinweis: das Drei-Akt-Drama ist durchaus nicht klassisch. Klassisch ist das Fünf-Akt-Drama, von Shakespeare über die französische Klassik bis hin zu Schiller.

Früher suchten die Hexen ihre Alraunen unterm Galgen, heute suchen sie sie im Internet. "Die Welt ist im Wandel", in der Tat.

Geändert durch athameg (17.11.2019 13:33)

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Hisimir

Gefährte

Re: : [Re: athameg]

Ich dachte mehr an die Antike Klassik, aber auch da hast du recht. Pardon. Mein Fehler, hab da was durcheinander gebracht.
Danke

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아미
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athameg

Gefährte

Re: : [Re: Hisimir]

Kein Problem. Gern geschehen!

Früher suchten die Hexen ihre Alraunen unterm Galgen, heute suchen sie sie im Internet. "Die Welt ist im Wandel", in der Tat.
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sphnix

Gefährte

Akt 4 [Re: athameg]

4. AKT

Der 4. Akt ist, so mein Kommentar, der kürzeste von Faust II; außerdem der, der zuletzt entstanden ist.


1. Szene: Hochgebirge

Die 1. Szene ist thematisch dreigeteilt in die Themenblöcke Frauen und Gewölk, Vulkanismus-Neptunismus und schließlich Politik.

Helena-nostalgisch in sechshebigen reimlosen Jamben sprechen, findet Faust sich einsam im Hochgebirge wieder und monologisiert über Wolkentypen, in denen er - auch das nostalgisch - griechische Mythenfrauen sieht. Im die Frauenreihe abschließenden zarten „Nebelstreif“ von Vers 10055 erkennt der Kommentar Gretchen - „Seelenschönheit“; erlebt quasi in der „Morgenröte“, also der Jugend. Allerdings in einer vom Teufel geschenkten Jugend, wie wir aus Teil 1 wissen.

Mit Mephistos wieder ent-antikisiertem Eintreffen auf (unantiken) „Siebenmeilenstiefeln“ löst nordisches Märchenmotiv, löst überhaupt der Norden die alten Griechen ab; und damit kehrt auch der Reim zurück.
Nachdem Mephisto Faust seiner Ortswahl wegen gerügt hat, folgt ein kleiner Zwei-Seiten-Disput über die Frage, wie die Hochgebirge entstanden seien. Sanft, meint Faust. Explosiv, mein Mephisto: Die Gebirge seien einst Höllen, Areale gewesen, dann vulkanisch, mit Erdkrustenbersten und Umkehrung von Oben und Unten, auf die Erde gelangt. Das bedeutet nicht, dass nun die Hölle auf der Erdoberfläche angesiedelt ist, sondern nur, dass das, worauf man heute im Hochgebirge geht, früher einmal Höllenboden war. Zum einen ist die Szene natürlich darauf angelegt, den Vulkanismus wieder einmal als Teufelsperspektive auf die Welt zu brandmarken, zum anderen hat das Ganze auch einen politischen Sinn: Das Modell des Vulkanismus ist zugleich Metapher der Revolution. Verhandelt wird also auch, wie der Gang der Geschichte ist oder wie er sein soll - evolutionär oder revolutionär. Etwa in die Zeit der wie gesagt sehr späten Niederschrift fällt die Juli-Revolution in Frankreich 1830/31, der Goethe nicht wahnsinnig positiv gegenüber stand: „Tumult, Gewalt und Unsinn!“(F, S. 394) - das ist weder bei Gebirgsbildung noch bei politischen Prozessen positiv bewertet, auch wenn der Kommentar vermerkt, dass Goethe an der Original-Revolution von 1789 nachträglich auch einige „wohltätige Folgen“ zuschrieb.
Vers 10131 spielt auf das Neue Testament an, in dem der Teufel Jesus die Welt anbietet, sofern er ihn nur anbetet.
Faust plant Großes. Mephisto schlägt Stadtaufenthalt und Landsitz a’la Rokoko vor, aber Faust hat es nicht mit der hedonistischen Dekadenz (Sardenapal ist ein legendärer Assyrerkönig, „weibisch verweichlicht in maßlosem Luxus“, K S. 662), er will stattdessengroße Taten und plant, dem Meer Land abzugewinnen. Man kann das als Fortsetzung seiner neptunistischen Position sehen - der Kommentar tut das, ich bin noch skeptisch. Aber man wird sehen.

In die Planung der Landgewinnung trommelt Kriegsmusik: Aus dem Bericht Mephistos geht hervor, dass der Kaiser, anders als Faust, dem Hedonismus zugetan und derart seine Herrschaft gefährdet hat (denn nach Faust und wohl auch nach Goethe vertragen sich der Ansüruch, der an einen regenten gestellt ist, und Hedonismus nicht gut). In seinem Reich entstand ein Jeder-gegen-Jeden-Zustand (kennen wir das nicht vom Anfang her schon?), den einige mit Berufung eines Gegen-Kaisers beenden wollten: „Herr ist der uns Ruhe schafft“ (F, S. 399). Die beiden Kaiser ziehen nun gegeneinander in die Schlacht.
Wie genau Faust und Mephisto übers Mittelgebirge steigen, um dem Kaiser zuzusehen, weiß ich mir nicht exakt vorzustellen; aber jedenfalls haben sie Ausblick auf die Schlacht, in die sie zugunsten des alten Kaisers eingreifen wollen. Mephisto macht Faust mit seiner „Truppe“ bekannt, den „Drei Gewaltigen“ Raufebold, Habebald und Haltefest, die quasi drei Generationen von Krieger-Schlägern verkörpern.

Noch Fragen?

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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sphnix

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Re: Akt 4 [Re: sphnix]

& Bis wann schaffen wirs weiter? Wagen wir es, auf nächstes WE zu hoffen?

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Hisimir

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Re: Akt 4 [Re: sphnix]

Das sollte möglich sein.

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Hisimir

Gefährte

Re: Akt 4 [Re: Hisimir]

DIe Heerführer des Kaisers haben für die Armee einen guten Standpunkt gefunden, der ihnen den Vorteil gegen die zahlenmäßig überlegenen Feinde verschafft, da diese wirkungsvoll nur von einer Seite kommen können. Diese Lage kann sich aber auch schnell ins Gegenteil verkehren und dann säßen sie in der Falle.

Faust kommt mit den Bergkriegern an und bringt die Unterstützung der Natur, die von der Kirche als Zauberei verunglimpft wird.
Der Kaiser scheint Blut geleckt zu haben, es ist für ihn mit Hedonismus, er will Krieg. In seinem eitlen Stolz möchte er aber, sehr zu Faust's Missfallen, keinen Helm tragen.
Die Herolde werden vom Feind nur ausgelacht.
Den Oberbefehl, den ja traditionell das Staatsoberhaupt hat, gibt der Kaiser lieber an den fähigeren und kampferprobten Obergeneral ab.

Die drei Krieger Faust's teilen sich auf die beiden flanken und die phalanx in der Mitte auf. Mephisto bringt noch ein paar alte Geister mit und so wird der Gegenkaiser vermöbelt.
Der Kaiser fragt sich, wieso die Natur auf seiner Seite steht und der gewitzte Mephisto spielt auf Gottes Gnaden an, von denen der Kaiser ja überhaupt nur existiert.

Sie beobachten einen Kampf zwischen Adler und Greif. Hier haben wir es sicherlich mit Heraldik bzw Vexillologie zu tun. Schließlich sind Adler und Greif zwei der häufigsten Wappentiere und stehen wohl für die beiden Kaiser. Der Kommentar vermag da sicherlich mehr zu erzählen.

Plötzlich wendet sich das Schlachtenglück, die linke Flanke bricht zusammen, der General will das Insignium seiner Befehlsgewalt abgeben, da er nicht parallel zu Faust und Mephisto befehlen kann und will.
Mephisto kriegt den Stab allerdings nicht, was ihm auch ganz recht ist, erinnert er ihn doch an ein Kreuz.
Der Teufel will sich um die drohende Niederlage kümmern und will sich Hilfe bei den Undinen, den Wassergeistern holen.
Scheinbare Wasserfluten ertränken das gegnerische Heer, Mephisto erklärt aber, dass es nur eine Illusion sei und für ihn deshalb besonders unterhaltsam anzuschauen.
Mit den beiden Raben haben wir aber wieder heidnisch, germanische Bezüge zu Huginn und Muninn, den Raben Odins.
Mephisto bedient sich noch anderer Legenden und bringt so den sieg für den Kaiser.

Ähm joa. War sehr interessant zu lesen, ich hoffe der Kommentar bringt einiges an Informationen zur Bedeutung von Symbolen und den ganzen mythischen Geschöpfen.

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