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herr-der-ringe-film.de

sphnix

Gefährte

Re: Zwischen-Amazoniade [Re: Caddy]

Nümpfchen wie Strümpfchen! Wahrscheinlich eine frühe Übersetzung von Arno Schmidt.



Die https://www.amazon.de/Lolita-Nabokov-Ges...iews-filter-bar
ist auch gut, übrigens:

Die Handlung ist einfach – [...] Der Roman ist vergleichsweise lang, die Hauptfiguren wechseln ab der Hälfte nicht mehr und die Handlung bleibt in meinen Augen sehr eindimensional. Während der ganze erste Teil überschattet von Ausführungen über Lolitas Körper ist, [...] geht es im zweiten Teil dann angeblich mehr um die tieferen Inhalte dieses Romans – diese sind dann erkennbar lustlos geschrieben und noch langweiliger als der erste Teil, weil nahezu nichts passiert und die Handlung so verstrickt ist in verschiedenen Handlungssträngen, neuen Personen [....]*. Andere Literaten, die sich, wie Nabokov, Erotiker nennen, haben wenigstens noch einen tieferen Sinn, einen politischen Hintergrund, einen historischen oder einen gesellschafts-kritischen als Panorama für ihre Romane genommen. Diese Mühe macht sich Nabokov nicht. Er erwähnt nur einmal am Rande, dass ein weiterer Weltkrieg die Ländereien „überschatten“ würde, und damit sei genug gesagt.
Auch sprachlich ist der Roman nicht das, was ich als Grundlage für Weltliteratur sehen würde. Nabokov verwendet viele Fachausdrücke, mit denen er sicher seine Allgemeinbildung beweist, das Lesen eines Romans jedoch unnötig erschwert und einen Lesefluss nicht wirklich zulässt. Das ist bedauerlich in Hinsicht darauf, dass man diesen Roman ja nicht mit Hürden über die Wissenschaft sondern im Anblick des Menschen und des menschlichen Zusammenlebens lesen sollte – wenn der Autor das nicht beabsichtigt hat, ist dieser Roman dreimal unnötig.








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*mir gefiel hier besonders die stringente Beschreibung

Man liest nie mit dem Herzen gut.
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sphnix

Gefährte

Ps: [Re: sphnix]

Ich hab ja letztens ne ziemlich schlechte, kurze CD-Einführung gehört (Schuldiger leider grade nicht zu ermitteln, weil CD noch im Rucksack vergraben; aber anhand von "kurz, schlecht" vermutlich gut identifizierbar ). Kennst du die?

(oder kennt sie sonst einer der zahlreichen interessierten Lesenden?)

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Caddy

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Re: Ps: [Re: sphnix]

Nee, die kenne ich nicht. Inwiefern ist sie denn schlecht?

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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sphnix

Gefährte

Re: Ps: [Re: Caddy]

Ich kann mittlerweile zumindest ergänzen, dass es sich anscheinend um Kram aus der Reihe "Suchers Leidenschaften" handelt und dementsprechend von Herrn C. Bernd Sucher ist, zusammen mit Matthes gesprochen. Auf die Art der Schlechtigkeit gehe ich voraussichtlich heut Abend nochmal ein, weil ich dafür evtl. gerne Kurzes zitieren/treffend paraphrasieren würde, falls ichs beim Durchdingsen* finde.



*Ich meine den Vorgang, bei dem man den Track einer CD vermittels der Betätigung der Pfeiltaste wechselt oder rasch durch---dingst. Gibt es dafür einen offiziellen Namen?

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sphnix

Gefährte

Schlechtigkeiten nach Punkten: allons: [Re: sphnix]

1. Ich finde die Themenanordnung konfus, und die Auswahl auch nicht sehr zwingend (u.a. meint der Sprecher, er müsse auf Lyrik und Drama Nabokovs zu sprechen kommen, findet aber seinen Dramenkram schlecht (und sehr viel mehr kommt dazu nicht); und die Lyrik zum teil gut, weswegen dann Lyrik vorgelesen wird, aber es kommt (in der Übersetzung) nichts Überzeugendes dabei rum, und Sucher sagt auch nicht, was er hier jetzt gut findet. Angesichts der Kürze der CD frag ich mich also etwas, wieso nun überhaupt Drama/Lyrik unbedingt erwähnt werden müssen.

2. Sucher kokettiert mit Haltungen und Eigenschaften (oder angeblichen solchen) Nabokovs, die ich (sofern ich jetzt mal davon ausgehe, dass er sie überhaupt hatte), aus dessen spezifischer Biografie erklären kann, die ich aber nicht an sich für gerechtfertigt oder besonders toll halte (Marx-/Freud-Aversion; elitärer Snobismus usw.); sprich: Ich habe den Eindruck, dass hier "Der große Autor" zum Vorwand wird, sich an Ressentiments und Attitüden hemmungslos aufzugeilen, die man sonst ein bisschen problematisch finden müsste. Gerade, weil das mit so einem anerkennenden "Hui, er ist ja so unabhängig und autark in seinem Urteil!" einhergeht. "Unabhängige Menschen" interessieren mich nicht, weil sie Phantasmen idealistischer Persönlichkeitsphantasmen sind.

3. Sucher geht verfügend mit biografischem Material um (aus dem er auch nicht viel macht) - schönstes Beispiel:
"Es ist reine Wahrheit, wenn er [...] sagte: 'Ich hatte wahrscheinlich die glücklichste Kindheit die man sich vorstellen kann.'
Ähnlich leer wird das Eheglück als Quasi-Tatsache behauptet usw.

4.
Sucher sagt zu vielem einfach nur "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht". Da kommt unterm Strich nicht viel bei rum, egal, ob man die Positionierung nun teilt oder nicht.




Unterm Strich bleibt vom "Menschen" nur eine auf unplastische Weise unsympathische* Strichmännchenfigur, und vom Werk halt Textauszüge, gegen die man an sich nicht viel sagen kann, nur dass sie innerhalb ihres Textes halt besser aufgehoben sind. Und was die "Theorie" angeht, so verkommt sie zu unreflektierten, uneingebetteten Statments.


Soweit zumindest mein erster Eindruck von alledem.
Kann dir die CD auch mal ausleihen, ist ja kurz. Dann kannst du mir auf informiertere Weise rechtgeben.


---------------
* Das Gegenteil von "unsympathisch" wäre hier nciht "sympathisch" sondern "nachvollziehbar".

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Caddy

Gefährte

Re: Schlechtigkeiten nach Punkten: allons: [Re: sphnix]

Klingt super.

Bei Punkt 2 geht Nabokovs Aversion aber auch über biographisch Erklärbares hinaus in eine fragwürdige Richtung: VN findet Freud und Marx auch deshalb lächerlich, weil sie behaupten, Muster und Strukturen zu beschreiben, die es laut VNs Auffassung gar nicht geben kann – vielmehr erschöpft sich laut ihm alles immer in konkreten Situationen und in Individuen, jede Behauptung von Übergreifendem tut er als übergestülpt ab. Das sind die besonders schmerzhaften Passagen in seinen Essays.

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
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sphnix

Gefährte

Re: Schlechtigkeiten nach Punkten: allons: [Re: Caddy]

Ich meinte das jetzt auch nicht apologetisch.
Ich wollte eher darauf hinaus, dass auch die Zahnschmerzpassagen von Menschen, die ansonsten durchaus sehr vertretbare Bücher geschrieben haben, in der Regel irgend-erklärbar sind - und zwar verständnisvertiefend erklärbar.
Die Wendung "die ich ...erklären kann", die ich verwendet habe, ist an dieser Stelle mißverständlich (zumal das nächste "ich" tatsächlich mich meint) - ich hätte "die man erklären kann" schreiben sollen. Vom Naheliegendsten abgesehen, fällt mir das bei Nabokov ja eher schwer, zumal ich mich da vom Theoretischen auch immer wieder ein bisschen drücke, wie auch vor den "Betrachtungen eines Unpolitischen" bei einem anderen bisweiligen ideologischen Problembären.
Thomas Mann wäre aber in der tat hier ein ganz gutes Beispiel, weil man da nicht selten Gedankengänge über das Dasein hat, die über dieses vielleicht nicht immer sehr viel Kluges sagen (Daseinsschuld usw), aber nicht wenig über die Probleme von Mann selbst, und die wiederum können dann paradigmatisch für die Zeit und den Kontext seines Schreibens sein.

(Ich hoffe ich hab jetzt nichts doppelt geschrieben; ich hatte gestern schon was geschrieben, was ich dann aus technischen Tücken heraus gelöscht hab, drum scheint es mir immer so. )

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