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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Faust II. Eine verteufelte Sache.

ratatoeskr

Gefährte

Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: sphnix]

sphnix schrieb:
Ich setz mich voraussichtlich morgen dran. Bzw., angefangen hab ich schon



Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen, doch Ordnung lehrt Euch Zeit gewinnen.

(Faust 1, V.1908 f.)
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sphnix

Gefährte

Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: ratatoeskr]

Aber ich hab doch bereits Logik studiert!

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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ratatoeskr

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Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: sphnix]

Ei, ein Sophiste!
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sphnix

Gefährte

Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: ratatoeskr]

Aber kein Lügner!

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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ratatoeskr

Gefährte

Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: sphnix]

das hab ich auch gar nich behauptet, ich wollte doch nur nerven
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sphnix

Gefährte

Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: ratatoeskr]

Tststs. In deiner Zuschreibung ist der "Lügner" aber enthalten. Ich weiß nicht, ob ich dir glauben soll ...

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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ratatoeskr

Gefährte

Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: sphnix]

Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube!

(dieser Goethe - einfch zu allem das passende Zitat, der Typ. Die Axt im Haus ersetzt den Eckermann!)
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sphnix

Gefährte

Heute muss der Gockel werden! [Re: ratatoeskr]



Ich werde jetzt noch ein bisschen terminlich gebundenen Pflichtkram tippen müssen (Zeug, das sich mir auch gestern/vorgestern spontan ins Geplane drängte), aber danach werde ich, gebe es GOethe!, meine Ausführungen forenfähig fertigstellen.

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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sphnix

Gefährte

Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: sphnix]

1. Akt, 3. Szene: Weitläufiger Saal, mit Nebengemächern

Die Mühen des Karneval also. Nun, auch wenn ich etwas gebraucht habe, und alle „kalifornischen Rotweine“ (siehe Horn) hin oder her: Bein zweimaligen Wiederlesen fand ich die Passagen doch gar nicht mehr so schlecht. Und nebenbei kam ich zum Schluss, dass das ein Text zum Vorlesen ist. Ein Theatertext eh nicht, aber auch nicht besonders ein Text zum still-vor-sich-hin-Lektürieren. Also, wer immer von euch einen Zuhörer hat, gehe hin und trage diesem vor!

Zur Sache:
Die Nummernrevue des Karneval bietet allerlei Symbolisches, durch das die Moderatorfigur des Herolds lenkt. Insofern die gesamte Passage quasi Spiel-im-Spiel ist, stellt sich die Frage, inwieweit die Selbstaussagen des mythologisch-allegorischen Personals als „echt“ (also als das, was der Text über die mythischen Größen zu sagen hat) aufgefasst werden kann, und inwieweit es sich nicht bloß um eine durch den Hof des Kaisers vorgenommene Deutung diese mythallegorischen Figuren handelt. Jedenfalls schreckt der Hof, obwohl ökonomisch ein bisschen am Arsch, nicht davor zurück, so richtig aus dem Vollen zu feiern.

Es treten auf:
Die Gärtnerinnen.
Laut meinem schlauen Buch meint das Wort damals eher sowas wie Gartenerzeugnisverkäuferinnen. Naturnachahmende und phantastische Gewächse treten quasi gegeneinander an, Anders als Hisimir finde ich die Passage
Denn das Naturell der Frauen
Ist so nah mit Kunst verwandt.
(F., 219)
gerade im Kontext, in dem sie auftritt, gar nicht besonders antifeministisch. Ich kann sie in gewissem Sinne sogar als potenziell emanzipatorisch deuten, nämlich als Reflexion auf die Gemachtheit des scheinbar „natürlichen“ Weiblichen; wie ja die gesamte Passage Kunstblumen und Frauen analog setzt.

Nach den Gärtnerinnen mit ihren Kunstblumen kommen die Gärtner und bringen Obst:
In die Äpfel muß man beißen. (F., S.221)
Mir scheint das alles sehr in Richtung karnevalesken Schweinkrams zu gehen, zumal, wenn man bedenkt, wie Äpfelchen in Faust I verwendet wird.
Der Auftritt von Mutter und Tochter, nicht besonders erklärungsbedürftig, bestärkt alle diesbezüglichen Lesarten. Fischer und Vogelsteller dito.
Dann: Auftritt der Holzhauer, Commedia dell’arte-Clowns (Pulcinellen) und Parasiten (ebenfalls aus der Commedia dell’arte entnommene Figuren, nämlich Schmarotzer am Tisch der Reichen, sagt mein schlaues Buch) geben Auskunft über sich; und der Trinker will - trinken. Was sonst?

Dann sollen die Dichter kommen, aber die kommen nicht zu Wort, sondern blockieren einander, so dass nur der Satiriker etwas sagen kann. Die Nacht. und Grabdichter lassen sich entschuldigen, weil sie so eben im interessantesten Gespräch mit einem frisch entstandenen Vampiren begriffen seien (F. 225)
Durch diesen glücklichem Umstand ist es Goethen vergönnt, sich nicht mit derlei befassen zu müssen, es liegt ihm ja eh nicht - er kann gleich in seiner geliebten Antike rumpuhlen.

Aus dieser Antike kommen die öden Grazien (nehmen, geben, danken), fassen sich kurz und lassen auch gleich die interessanteren Parzen an die Reihe. Die Parzen haben, sagt mein schlaues Buch, die Rollen getauscht. Eigentlich spinnt Klotho, Lachesis teilt zu, Atropos schneidet den Faden ab. Hier, im Karneval, ist Atropos zum Spinnen geladen, Klotho bekommt die Schere, schneidet aber nicht; Lachesis bleibt bei ihrer Tätigkeit.
Was mir an dieser Passage auffiel, ist, dass die Automatisierung von Produktion und die damit einhergehende Distanz von Produktionsprozess und Lebenswelt dazu führen, dass Produktionsmethoden weniger gut als früher als Metaphern usw. gebraucht werden können. Aber das ist ein andres weites Feld.

Nach den entschärften Parzen kommen die ebenfalls entschärften Furien, die sich als „Stadt- und Landesplagen“ bekennen. Ich ziehe Wiki zu Rate:
In Bezug auf:

• Alekto (Ἀληκτώ), „die (bei ihrer Jagd) Unaufhörliche“
• Megaira (Μέγαιρα, deutsch auch „Megäre“), „der neidische Zorn“.
• Tisiphone (Τισιφόνη, auch Τεισιφόνη Teisiphone), „die Vergeltung“ oder „die den Mord Rächende“. Sie wird auf griechischen Amphoren häufig mit Hundekopf und Fledermausschwingen dargestellt.


https://de.wikipedia.org/wiki/Erinnyen

Zwar sind die Karnevalsfurien nur scheinbar „Schmeichelkätzchen“, aber ihr Wirkungsbereich wird auf das Höfisch-Erotische reduziert, innerhalb dessen sie Verheerung stiften.


Dieses war der erste Teil; zum Elefanten komm ich gleich.

Hisimir schrieb:
Wer Plutus' Wagenlenker jetzt genau sein soll, weiß ich nicht, steht da was in deinem schlauen Buch @sphnix?

Interpretationen überlasse ich den Gebildeten unter uns



Bildung ist, ein Buch zu haben:
Denn die Schriften zu besitzen
heißt zugleich, sie zu benützen,
schenkt des Wissens reiche Gaben!

Auch zu deuten ist gegeben
denen, die das Wort verstehen!
Können es sogleich verdrehen
und den Sinn zu Unsinn weben ...




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sphnix

Gefährte

Re: Faust II. Eine verteufelte Sache. [Re: sphnix]

Jetzt rückt also eine richtige Allegorie an:

Ein Elefant, in dessen Nacken eine lenkende zierliche Frau sitzt, eine andre steht, und zu dessen Seiten „Furcht“ und „Hoffnung“ angekettet gehen:
„Der Elefant ist wohl als Sinnbild der gewaltigen Volkskraft des Reiches zu verstehen“, gelenkt von der „Staats-Klugheit“, und obendrauf Viktoria: „Der ganze Aufzug also das mehrgliedrige Denkbild eines wohlbestellten Staats- und Gesellschaftswesens“. Soweit mein Kommentar (K, S. 441) Der Kommentar sagt außerdem, dass Goethe mit der Möglichkeit eines echten Elefanten auf der Bühne geliebäugelt hat.

Dieses allerliebste Bild des Gelingens wird bemäkelt von einem Doppelkopf, der ein bisschen wie Mephisto klingt. Zoilos, sagt mein Kommtear, war ein hämischer Homer-Kritiker, Thersites ein gehässiges und das hässlichste trojanische Heeresmitglied. Ab dem Auftritt dieser Gestalt, so der Kommentar weiter, endet der geplante Teil des Festes; eigentlich sollte es nun mit Tanz weitergehen. Es kommt nun aber langsam, zunächst mit der Verwandlung des Doppelkopfes in Schlange und Fledermaus, ein bisschen echte Magie ins Spiel.
Auch der Wagen, der nun kommt, von Flügelrossen gezogen und irgendwie körperlos, ist magisch. Knabe Lenker ist irgendwie identisch mit dem später erst geboren werdenden Euphorion, bei allegorischen Wesen geht das. Knabe Euphorion ist die Allegorie der Poesie, auf dem Wagenthorn sitzt der als Reichtum/Plutus verkleidete Faust, der, wie Goethe (K. S. 444) selbst zu Eckermann gesagt hat, vor dem Kaiser als Reichtumsbringer auftritt. Knabe Lenker verteilt ein bisschen Schein-Reichtum. Wenn Plutus den Knaben Lenker „Geist von meinem Geiste“ nennt und ihn als „lieben Sohn“ an dem er „Gefallen“ hat, bezeichnet, so ist das ein bisschen blasphemisch, weil es Bibelpassagen parodiert (-> Taufe von Jesus usw.). Die ausgeteilten Flämmchen sind ebenfalls Bibel-Travestie, greifen nämlich das Pfingstwunder auf: Auch die Poesie gießt Geist aus und spricht vielleicht auch in allen Sprachen. Avaritia, der ebenfalls auf dem Wagen sitzende Geiz (gespielt von Mephisto), formt, nachdem er sich bei den Frauen unbeliebt gemacht hat, einen „Goldphallus“ (laut K, S. 449 - nach der Identifikation von Gold und Genitalien in den weggelassenen Walpurgisszenen des 1. Teils nicht ganz unplausibel). Ein bisschen Geschrei, dann kommt der als Pan verkleidete Kaiser mit Gnomen-, Nymphen- und Satyrn- und Riesenanhang.

In der letzten Passage wird das Thema Geld/Gold immer bedeutsamer: Das Gold, das sich, so Mephisto/Avaritia in alles wandeln (F, S. 240) lässt, wird von den Gnomen ans Licht gebracht. Die Gnome nennen sich der guten Menschen Freund; obwohl sie wissen, dass man mit dem Gold „stehlen und kuppeln“, mit dem Eisen „Mord“ begehen kann und wird (F, S. 243) erklären sie sich für unschuldig daran. Pans/des Kaisers Bart gerät in Brand, der Herold fürchtet schon Schlimmes aber Magie richtet, was sie angerichtet hat.

Wer wissen will, wie es um den Kaiser jetzt endgültig bestellt ist, muss die nächste Szene lesen. Schaffen wir das bis Mittwoch?
Und sind noch Fragen offen?

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