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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Faust II. Eine verteufelte Sache.

Hisimir

Gefährte

Re: V/Grablegung [Re: sphnix]

Das können wir gerne so machen. Ich hab es auch nur überflogen gehabt, daher meine schnelle Einschätzung

Ehre das Gimp!
아미
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Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen;
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
Und lispeln englisch, wenn sie lügen.
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sphnix

Gefährte

Re: V/Grablegung [Re: Hisimir]

ok


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sphnix

Gefährte

Endliche: [Re: sphnix]

7. Szene: Bergschluchten, Wald, Fels

Schwingen wir uns auf Engelsschwingen heran, um eine gute Sache zu vollenden (und frei zu sein, eine andere zu beginnen)!

Anachoreten sind, so der Kommentar, frühchristliche Eremiten. Eine Gruppe solcher Eremiten, verteilt in einer in den Beschreibungen ausgesprochen dynamischen Landschaft (heranschwankende Wälder usw.), der die Vertikale, die Bewegung nach Oben, schon eingeschrieben ist. „Chor und Echo“ bezeichnet wohl eine (barocke) Form der Darbietung der Zeilen, bei der der letzte Daktylus einer Zeile wiederholt wird (K., S. 796). Die einzelnen Eremiten, die „Patres“, verkörpern - gekennzeichnet durch ihre Beinamen - verschiedene christliche Typen: Der Pater Extaticus beschwört die Ekstasen des Märtyrers, der Pater Profundis (der „aus der Tiefe rufende“, sagte der Kommentar - also wohl der noch im Irdischen verankerte) beschwört die Natur als irgend-göttlich geformte Sphäre, und schließt dabei auch metrisch an den Gesang der Engel des Prologs an, der den Text eröffnet. Den Namen von Pater Seraphicus deutet der Kommentar als der den Engeln nahe - und er ist es auch, der die junge Geisterschar der Seligen Knaben ankündigt. Bei den Knaben handelt es sich um gleich nach der Geburt gestobene Wesen, die keine irdischen Erfahrungen gemacht haben. Indem der Pater Seraphicus die Aufwärts-Entwicklung der Knaben beschreibt, ist auch Fausts Entwicklung vorweggenommen; gleichwohl er keinen von Welterfahrung unbeleckte Unschuld geblieben ist.

Engel bringen Fausts „Unsterbliches“ heran, das nicht strikt christlich konzipiert ist, sondern ein auf Weiterentwicklung angelegtes:
„Gerettet ist das edle Glied/ Der Geisterwelt vom Bösen“ (F., S. 459): Das erinnert an die geretteten Teufelsteile. Die folgende Passage ist durch einfach Anführungsstriche hervorgehoben, deren Bedeutung strittig ist: „‘Wer immer strebend sich bemüht/ Den können wir erlösen.“ (F., S. 459) Relativieren die Anführungsstriche, oder heben sie hervor? Was den Satz selbst angeht, so weist der Kommentar darauf hin, dass es zwei Lesarten gibt: Einmal: „Wer sich immer, fortwährend, strebend bemüht, den können wir erlösen“, und einmal „Wer auch immer da kommt, der sich strebend bemüht - wir können ihn erlösen.“ Der Kommentar favorisiert die letzteres Lesart.
Die jüngeren Engel rekapitulieren noch einmal, wie man den armen Teufel übervorteilt hat (sie werden hoffentlich nicht schadenfroh sein!). Die vollendeteren Engel befassen sich mit ernsteren Dingen, nämlich der Frage nach der Zwienatur, die dem Unsterblichen noch anhaftet, dem peinlichen (also schmerzhaften) „Erdenrest“. Diesen können sie nicht ablösen, das kann nur die ewige Liebe. Da Goethe sonst eher nicht zum Leib-Seele-Dualismus tendiert, neigt der Kommentar dazu, den „Erdenrest“ weniger als „Materie“ denn als Schuldverstrickung aufzufassen.
Fausts Unsterbliches geht nun in die Hände der Knaben über; ein weiterer Schritt seines Aufstiegs (den der Kommentar übrigens auch mit Goethes Theorien zur Wolkenbildung in den jeweiligen Sphären verknüpft). Der „Puppenstand“ verweist auf die Metamorphose des Schmetterlings.
Auftritt nun der Doctor Marianus; ein Ehrentitel großer Mittelalterlicher Marienverehrer. Seinem Namen gemäß, kündigt er Maria und die Frauenschar an. Die Zeilen „Uns erwählte Königin/ Göttern ebenbürtig“ (F., S. 461) zeigen, dass das ganze katholisch-christliche Material, das Goethe hier gebraucht, als Zeichen und Metapher zu lesen ist, nicht als eigentlich gemeintes - daher können christliche Bilder sich heidnischen anschließen und verbinden.

Der Chor der Büßerinnen, der zusammen mit Maria auf der Szene erscheint und sich in drei individualisierte Sprecherinnen ausdifferenziert, spiegelt die Anachoreten-Szene von vorhin.
Bei den drei Büßerinnen handelt es sich um Figuren der Bibel oder Heiligengeschichte, die jeweils irgend-sündig waren und sich dennoch Heil und Erlösung errungen haben. Die Frauen rufen jeweils Topoi ihrer eigenen Erlösungsgeschichte an und lassen ihre Anrufungen in eine Fürbitte für Gretchen münden, die als Una Poenitentum (eine der Büßenden) gleichsam die geläuterte, ins Positive gewendete Umformung ihres in der Szene „Zwinger“ in Faust I gesprochenen verzweifelten Gebetes spricht (oder singt).
Die Büßerin Gretchen ist es, die Fausts Verwandlung - die Loslösung vom „Erdenrest“ - beschreibt und die - durch ihre Gegenwart, durch ihr Belehren gleichsam für seine Erlösung, seinen Aufstieg, seine Verwandlung ins Gute zuständig ist. „Komm“ hebe dich zu höhern Sphären,/ Wenn er dich ahnet, folgt er nach.“ sind die einzigen Textzeilen, die die Mater Gloriosa hat.
Der Chorus Mysticus beschließt:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Ich bin früher ja immer sehr über das nun auch zu Tode zitierte Ewigweibliche gestolpert; Die Deutung des Kommentar scheint mir allerdings einen gewissen Sinn dieser Zeilen durchaus zuliefern: „Nicht um eine an die Geschlechter gebundene [...] Zuordnung geht es [...], sondern (Goethes Grundgedanken ‚von Polarität und Steigerung‘ folgend [...]) eher wohl um die Zusammenführung komplementärer Grundverhaltensweisen zu einer Totalität des Menschen.“ (K, S. 817) Die vorangegangenen Zeilen schließlich können sowohl als Weltauffassung als auch als These über Literatur oder Kunst aufgefasst werden:
Einerseits das Leben insgesamt als ein Gleichnis für ein in ihm Verborgenes oder ihm Übergeordnetes, andererseits auch schlicht der Text - mitsamt seinem Figurenfundus, seinen Handlungskonstruktionen usw. - als Gleichnis eines dahinter stehenden Textsinnes.


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Hisimir

Gefährte

Re: Endliche: [Re: sphnix]

Diese Ausführungen haben mir gut geholfen, den letzten Abschnitt mit etwas mehr Verständnis zu lesen.
Vielen Dank, dass du meine plebejische Seele ein wenig mit der zweiten faustiscchen Weisheit erquickt hast. Es war sehr lehrreich und unterhaltsam. Danke
Nun wartet die Hölle auf uns

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sphnix

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Re: Endliche: [Re: Hisimir]



plebejisch?


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SeanBean59

Gefährte

Re: Endliche: [Re: sphnix]

sphnix schrieb:


plebejisch?



Frei nach Wikipedia:
In Bezug auf:
Die Plebejer waren in der römischen Republik das einfache Volk, das nicht dem alten Adel, den Patriziern, angehörte. Es bestand vor allem aus Bauern und Handwerkern.



Lg

Der beste Snack für einen Herr-der-Ringe-Marathon sind ZwiebelRinge
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Hisimir

Gefährte

Re: Endliche: [Re: SeanBean59]

Kurz auch Pleb genannt

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sphnix

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Re: Endliche: [Re: Hisimir]

Ja, aber wieso bist du einer?


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Hisimir

Gefährte

Re: Endliche: [Re: sphnix]

Keine Ahnung. Weil ich kein Bildungsbürgertum bin

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