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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Faust II. Eine verteufelte Sache.

sphnix

Gefährte

Re: Bitte gewähret! - Akt 5 [Re: Hisimir]

neee, Keli!

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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athameg

Gefährte

Re: Bitte gewähret! - Akt 5 [Re: Hisimir]

Nur ganz kurz zu Naboths Weinberg: genau kenne ich die Geschichte auch nicht, aber so ungefähr weiß ich worum es geht. Das ist eine Geschichte aus der Bibel, aus dem Alten Testament, und das liegt mir nun wirklich sehr, sehr fern. Dieser Naboth hatte einen Weinberg der genau neben dem Besitz des Königs lag, und deshalb wollte der König ihm den Weinberg abkaufen, aber Naboth hat nicht verkauft. Das hat den König fürchterlich geärgert (und passt doch ganz gut zu der Faust-Geschichte), und daraufhin hat seine Frau irgendwas gedreht dass Naboth als Gotteslästerer oder irgendwas in der Art angeklagt und hingerichtet wurde.

Früher suchten die Hexen ihre Alraunen unterm Galgen, heute suchen sie sie im Internet. "Die Welt ist im Wandel", in der Tat.
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Keligone

Nebelläuferin

Re: Bitte gewähret! - Akt 5 [Re: athameg]

Ich komme mal wieder nicht hinterher... Leider habe ich gerade generell Probleme mich aufs Lesen zu konzentrieren.

Laut Lesezeichen hab ich den 4.Akt noch nicht mal angefangen. Wartet lieber nicht auf mich.

I'm so sorry to interrupt your scrolling
but I just wanted to let you know that in all of my 900 years of travelling through space and time
I have never met anyone who wasn't important.
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sphnix

Gefährte

Re: Bitte gewähret! - Akt 5 [Re: Keligone]

Überspring den 4. Akt! Komm gleich in den 5.

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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sphnix

Gefährte

Akt 5/2 [Re: sphnix]

2. Szene: Palast

Der Kommentar betont den einander ausschließenden Kontrast von Hütte und Palast; auch mit dem Verweis auf das zeitgenössische „Krieg den Palästen, Friede den Hütten“.
Ferner vermerkt der Kommentar, dass Goethe sich den alten Faust exakt hundertjährig vorgestellt hat (wobei ich mich hier gefragt habe, was eine exakte Altersangabe bei einem einmalig magisch Verjüngten bedeutet).

Wie auch immer: Die Palast-Szene schließt mutmaßlich unmittelbar an die vorhergegangene an. „Laßt uns läuten“, war Philemons Vorsatz in der letzten Szene; nun unterbricht das Glöckchen den Ausschau-Bericht des Türmers, der den einfahrenden Kahn ankündigt. Faust reagiert auf das Glöckchen ausgesprochen sensibel; es ist ihm nicht so sehr nur störendes Geräusch, als vielmehr das Zeichen für etwas, das sich seinem totalen Herrschaftsanspruch bislang noch entzogen hat (übrigens, wie ich glaube, weniger in dem Sinne, dass die Kirche hier noch einen Machtbereich hätte, sondern eher in dem Sinne, dass die alten Leute einem Anachronismus die Treue halten. Jedenfalls sind Kapellen meines Wissens in der Regel nicht mit Pfarren bestückt, sondern einfach Gebetsräume; also eher lose in die Institution Kirche eingebunden).

Mit dem angekündigten einfahrenden Kahm kehren Mephisto und die drei Gewaltigen Gesellen von ihrer Piratenfahrt zurück:
„Krieg, Handel und Piraterie,
Dreieinig sind, nicht zu trennen.“ (F, S. 432)

Angesichts der Rolle der Piraterie in der frühen Neuzeit vermutlich keine ganze falsche Bemerkung -
Die Fülle der von den Piraten angeschleppten Beute und die inszenierte Fülle von Fausts Besitz überhaupt arbeiten in dieser Szene (indem sie in Fausts Wahrnehmung gegen das „Glöckchen“ nichts ausrichten) das Unangemessenes seines Grolls heraus:
„Die wenig Bäume, nicht mein eigen,
verderben mir den Welt-Besitz.“ (F. S. 434)

Es geht also nicht um den konkreten Besitz von etwas - es geht ums Prinzip. Des „allgewaltigen Willens Kür“ (F, S. 434) spielt durch Vermeiden des exakten Begriffs laut Kommentar „Willkür“ um so stärker an. („Kür“ heißt „Wahl, Entschluss“) (K., S. 724)

Mephisto erhält den Auftrag, die Alten zu „kolonisieren“, was laut Kommentar hier, in der damaligen Bedeutung, einfach „umsiedeln“ heißt: Gewaltsam, aber mit Entschädigung. Oder klingt im „schafft sie mir zur Seite!“ (F, S. 435) schon der noch brutalere Verlauf des Vorganges an?

Naboths Weinberg“, auf den Mephisto anspielt, ehe er sich mit seinen Helfershelfern auf den Weg macht, ist in der Tat alttestamentarisch: Im Buch der Könige „wird erzählt, wie der fromme Naboth sich weigerte, seiner ‚vätter erbe‘, einen Weinberg, den der König von Samaria zum Eigentum begehrte [...] zu verkaufen oder zu tauschen [...] und wie dieser König Ahab am Ende zum ‚weinberg Naboths‘ geht, ‚daß er ihn einnehme‘.“ (K, S. 727) In der Bibelgeschichte geschieht es durch eine Intrige der Königin, dass Naboth gesteinigt wird. - Die Anspielung ist also ein Vorgriff auf das, was auch hier geschehen wird.

In Mephistos ironischer ausgedrückter Aversion gegen das Glöckchen klingt meiner Ansicht nach auch etwas an, das Faust bald sehr nahe rücken wird, das aber in seinem Leben, wie er es jetzt führt, eigentlich keinen Platz hat. Indem Mephisto das Glöckchen als Lebensbegleiter von der Geburt bis zum Tod beschreibt (was für eine angenehm kurze und un-lehrreiche Fassung der schillerschen Glocke! :breigrinsend:), führt er die Endlichkeit des Lebens als Thema ein - etwas, das in Fausts permanentem Nach-Vorne-Leben per Definitionem nur störender Fremdkörper sein kann.


---
Noch Fragen?

Die nächste Passage habe ich schon getippt, das ist ja ziemlich kurz ("Tiefe Nacht"). Da kann ich mich also nach euch richten.

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Hisimir

Gefährte

Re: Akt 5/2 [Re: sphnix]

Ich schau mal, dass ich morgen was zur tiefen Nacht schreib. Danach bin ich nämlich bis Sonntag weg.

Ehre das Gimp!
아미
Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,
Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen;
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
Und lispeln englisch, wenn sie lügen.
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sphnix

Gefährte

Re: Akt 5/2 [Re: Hisimir]



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sphnix

Gefährte

Re: Akt 5/2 [Re: sphnix]

Wie tief ist die tiefe Nacht?

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Hisimir

Gefährte

Re: Akt 5/2 [Re: sphnix]

In tiefer Nacht zu "Tiefe Nacht"

Der scharfäugige turmwächter Lynkeus beobachtet, wie die Hütte der beiden alten in Flammen aufgeht und auch die Kapelle von den Flammen dahingerafft wird. Da zieht sich wohl jemand den Dorn aus dem Auge.

Luginsland ist ein wirklich schönes Wort.

Mephisto berichtet, wie er mit den drei Gesellen Philemon und Baucis vertreiben wollte, beim Kampf mit dem Reisenden jedoch die Hütte in Brand gesetzt und die drei Bewohner getötet worden waren.
Faust missfällt das, zwar wollte er das Land haben, aber deshalb morden ist ihm zu viel.

Ehre das Gimp!
아미
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sphnix

Gefährte

Akt 5/3 [hoffe, es doppelt sich jetzt nicht zu sehr ;)] [Re: Hisimir]

3. Szene: Tiefe Nacht

Die Ortswechsel in dieser Szene haben wieder einmal etwas Filmisches.
Am Anfang steht das Lied von Lynceus, dem Türmer (sein Name bedeutet „der Luchsäuguge“) - singt über sein Leben, seine Tätigkeit als Beschauender; seine Perspektive auf die Welt ist ästhetisch und bejahend; was er beschreibt ist Areal, die dominanten Kategorien sind räumliche (Nähe und Ferne; und auch Oben und Unten). Das Lied besteht aus 4 Kreuzreimen (jambisch-daktylisch), hat also, wenn auch nicht durch Absätze markiert, Strophen.
Der Kreuzreim bleibt auch im Folgenden; aber der Rhythmus und das Thema ändern sich - aus dem Räumlich-Statischen wird ein an chronologischen Abläufen orientierter Bericht in Trochäen (rhythmisch ist diese Passage sehr ähnlich dem den Männer-Strophen von Schillers „Würde der Frauen“, nebenbei. Halt ein echtes Action-Versmaß ).
Lynceus berichtet, wie die Hütte der Alten samt Kapelle niederbrennt; seine Bemerkung, dass die Alten doch sonst immer sehr vorsichtig mit dem Feuer waren, lässt hier schon das ohnehin wahrscheinliche Vermuten: Der Brand hat mit dem Prozess der „Kolonisierung“ zu tun.
Faust, der das Geschehen vor allem via Türmerbericht mitbekommt, drückt sein Bedauern aus, das nicht sehr tief greift:
„Ein Luginsland ist bald errichtet,
Um ins Unendliche zu schaun.“ (F., S. 438)

Dass er sich dann auch noch ausmalt, das alte Paar werde bald in seiner neuen Wohnung das Gefühl „großmütiger Schonung“ hegen, macht deutlich, dass er sich keines Unrechts von seiner Seite aus bewusst ist.
Dann erfährt er von Mephisto, dass die Sache etwas gewalttätiger abgelaufen ist als geplant, und dass die Alten wie auch ihr Gast tot sind. Faust gefällt das nicht; er spricht sich von jeder Schuld daran frei. Ganz wohl soll ihm trotzdem nicht mehr werden: Aus dem Rauch der verbrennenden Hütte schwebt etwas heran, schattenhaft, angefacht von einem Schauderwindchen ...

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