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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Faust II. Eine verteufelte Sache.

Hisimir

Gefährte

Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: sphnix]

Erichtho ist eine der thessalischen Hexen, die scheinbar keinen guten Ruf genießen:
"Nicht so abscheulich, wie die leidigen Dichter mich im Übermaß verlästern..." (V7008)
Entgegen der gängigen Vorstellung, dass zu magischen Momenten Voll- oder Neumond sein muss, haben wir hier einen ganz gewöhnlichen, hell leuchtenden Mond.
Laut ihr wird jeder Herrscher immer an den bekannten Weltgrößen gemessen.

Der Homunculus scheint von Fausts Reise zu den Müttern beeindruckt und die beiden Geister lassen den alten Doktor allein zurück. Denn wer die Mütter unbeschadet übersteht, kommt auch auf der klassischen Walpurgisnacht klar.

Kaum wacht Faust in Griechenland wieder auf, geht es ihm direkt nur wieder um Helena. Diese Fixiertheit auf immer die gleiche andere Person finde ich ja in jeglicher Geschichte unglaublich nervig.

Ehre das Gimp!
아미
Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,
Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen;
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
Und lispeln englisch, wenn sie lügen.
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ratatoeskr

Gefährte

Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: Hisimir]

Wo - im Sinne von Akt, Szene - sind wir denn gerade? ich habe den Anschluss verpasst
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Hisimir

Gefährte

Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: ratatoeskr]

Klassische Walpurgisnacht
Pharsalische Felder
Bei mir etwa Vers 7000, aber ich hab auch eine Doppelausgabe Teil 1 und 2.

Ehre das Gimp!
아미
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Geändert durch Hisimir (06.07.2019 17:48)

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ratatoeskr

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Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: Hisimir]

Ah, dankeschön
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sphnix

Gefährte

Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: ratatoeskr]

3. Szene: Klassische Walpurgisnacht.

Die Klassische Walpurgisnacht erstreckt sich auf 3 Szenerien:
Erstens die Pharsalischen Felder, auf denen im römischen vorkaiserlichen Bürgerkrieg die Entscheidungsschlacht zwischen Cäsar und Pompejus stattgefunden hat, zweitens den Fluss Peneius und drittens dann die Felsbuchten des Ägeischen Meeres.

Heute also die Pharsalischen Felder.

Eingeleitet wird die Szene von der thessalischen Hexe Erichto. Sie beschreibt die Szenerie, und erwähnt dabei auch den Mond: „unvollkommen, aber leuchtend hell) (F., S. 285) - eine Gemeinsamkeit der Klassischen Walpurgisnacht mit der Nordisch-Christlichen im ersten Teil (die ja generell eine Parallelszene ist), und zugleich eine stimmungsmäßige Abweichung:
„Wie traurig steigt die unvollkommne Scheibe/ Des roten Monds mit später Glut heran,/ und leuchtet schlecht“ [F, S. 167] befand seinerzeit der vorübergehend etwas deprimierte Mephisto. Das Helligkeitsproblem hat es im Antikischen nicht; allerdings hat Erichto ein Problem mit ihrem schlechten Ruf: die „leidigen Dichter“ sind, wie mein Kommentar sagt, wohl Lukan und Dante, die Erichto als Scheusal beschrieben haben.

Erichto sieht Faust, Homunkulus und Mephisto wie einen Meteor herannahmen und macht sich fort, um ihren Leumund nicht weiter zu ruinieren, indem sie Lebendiges durch bloße Präsenz schädigt.

Faust, kaum den Boden berührend, hat wieder nichts als helena im Sinn. Er vergleicht sich mit Antäus, einem antiken Sagenriesen, dem durch die Berührung mit seiner Boden-Mutter unüberwindliche Körperkräfte zugewachsen sind. Auf Vorschlag Mephistos teilen sich die Reisegenossen auf; und der Text bleibt erst einmal bei Mephisto, während Faust auf Helenensuche geht und Homunkulus „Wunderdinge“ anvisiert.

Dass Mephisto mit der Antike fremdelt, ist bekannt. Nun, da es ihm vor Augen tritt, mäkelt er herum - die Oben-Ohne-Sphingen und Greife sind ihm zu nackt und schmalos=unverschämt. Der „neue Sinn“ mit dem man sie nach Mephisto bemeistern und überkleistern solle spielt, so der Kommentar, auf die zeitgenössische Malerei an, etwa die Nazarener, die es eh mehr mit christlichen Motiven, Seifenfarben und anderen Scheußlichkeiten hatten.
http://www.goethezeitportal.de/digitale-...ten-teil-i.html
Vermutlich ist das, sagt mein Kommentar, auch die Stelle, wo Goethe ursprünglich folgende Zeilen einzufügen plante:
„Das Auge fordert seinen Zoll.
Was hat man an den nackten Heiden?
Ich liebe mir was auszukleiden,
Wenn man doch einmal lieben soll.“ (K, S. 536) - eine Logik, die Brecht später in seinem zum langen Rock ratenden Gedicht aufgegriffen hat.

Mephistos um „Greif“ und „Greis“ kreisendes Geplänkel funktioniert vor allem in Fraktur:
https://vau-ef-be.beepworld.de/files/milchsack.jpg
Arimaspen sind nach Herodot II indische Riesenameisen, die im Sand nach Gold wühlen, skythische Arimaspen klauen es den Greifen: „Goethe kombiniert beide Stellen“ (K, S. 537).

Mephisto wendet sich wieder den Sphinxen zu und möchte von selbigen ein Rätsel. Er bekommt es: Wie es einer guten Sphinx ansteht, stellt sie ihm das Rätsel seiner Existenz; ihr Formulierung klingt an vorhergegangene Stellen an - sowohl an des Herrn Aussage, er habe den Teufel erschaffen, damit des Menschen Tätigkeit nicht erschlaffe (Prolog im Himmel), wie auch an Mephistos Selbstbeschreibung, er sei ein „Teil von jener Kraft/ Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ (F., S. 64)

Anders als die charmanten Sphinxe sind die Greife feindselig und xenophob gegen den armen Mephisto. Die Sphinxe schlichten, halten sich aber doch auch für etwas gelungener als den Teufel mit dem „verschrumpelten Pferdefuße“ (F., S. 290

Die Sirenen kommen vorbei; auch zwischen ihnen und den Sphinxen herrscht nicht reine Harmonie. Bemerkenswert ist, dass sie auf Mephisto anscheinend nicht die übliche Verführ-Wirkung ausüben.

Nun kommt Faust, wieder einmal von Helena brabbelnd. Da ihm aber der Doktor nach wie vor im Leibe steckt, kann er die antiken Fabelwesen nicht passieren, ohne sie gelehrt zu kommentieren: „Vor solchen hat einst Ödipus gestanden...“ (F, S. 281)
Er zeigt sich angetan von den Kreaturen; nicht ganz grundlos spottet Mephisto, dass Helena der Grund für diesen sonnigen Blick auf die Welt ist (während es bei der nordischen Walpurgisnacht Faust ist, der Anstoß daran nimmt, dass einer Hexe beim Tanzen ein Mäuschen aus dem Mund hüpfte!). In der Tat weiß Faust auch mit den Sphinxen nichts anderes anzufangen, als ihnen die Lenchenfrage zu stellen. Sie raten ihm, sich an Chiron zu halten. Faust, seinerseits wohl durch Helena und nicht schlechthin immun gegen die Sirenen, tappt brav davon. Ein paar weitere Fabelwesen tauchen auf, und an den Lamien - attraktive Vampirgeschöpfe, mit denen es ein Teufel wohl wagen kann, sagen ihm schließlich zu. Nachdem er sich vergewissert hat, dass die Sphinx auf ihn warten werden, kann Mephisto (hoffen wir es für ihn!) ein bisschen walpurgische Zerstreuung finden.


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Noch Fragen? Toeskr/Keli, was ist mit euch? Und wie lange sollen wir uns Zeit für den Peneios lassen?

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Hisimir

Gefährte

Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: sphnix]

Ach du hast den oberen Peneios gleich mitbehandelt? Das muss ich noch nachholen, diese Woche allerdings noch zwei Klausuren, daher schaff ich es höchstens Samstag, danach bin ich eh für eine Woche im Urlaub und werde keine Zeit haben, mich an den wohligen alten Lauten zu ergetzen.

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sphnix

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Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: Hisimir]

Ne, den Peneios hab ich noch nicht mitbehandelt, der kommt dann, sobald ihr ihn habt.
Ich werd schauen, dass ich ihn zwischen Sonntag und Dienstag ausformuliere; sofern ihr ihn bis dahin durchschwimmt.

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sphnix

Gefährte

Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: Hisimir]

Hisimir schrieb:
Ach du hast den oberen Peneios gleich mitbehandelt? Das muss ich noch nachholen, diese Woche allerdings noch zwei Klausuren, daher schaff ich es höchstens Samstag, danach bin ich eh für eine Woche im Urlaub und werde keine Zeit haben, mich an den wohligen alten Lauten zu ergetzen.

uuuuuuund?

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Hisimir

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Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: sphnix]

Am Oberen Peneios kommt Mephistos Kampf mit den antiken Wesen, den hast du schon schön beschrieben.
Schon wieder regt sich Goethe über die Briten auf, die kann er offensichtlich gar nicht leiden.
Das Wortgeplänkel zwischen Mephisto und den Greifen liest sich herrlich. Da muss ich direkt schmunzeln.
Der Menschenteil der Sphinx gefällt dem Teufel wohl, bloß das Tier in ihr, würd' er gern meiden.

Mit der lernäische Schlange müsste die Hydra gemeint sein, wenn mich meine Mythenkenntnisse nicht im Stich lassen. Die wurde von Herakles als eine seiner Zwölf Aufgaben getötet, dazu musste er ihr allerhand Köpfe abschlagen und die offenen Hälse ausbrennen, damit keine Neuen nachwachsen. Die Abgetrennten haben anscheinend bis zu Faust überlebt.
Wieso heißt es hier nicht Odysseus sondern Ulyss?

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sphnix

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Re: 2. Akt - Weise Worte aus der Retorte [Re: Hisimir]

Ich denke, ich werde meine Ausführungen Freitag reinstellen. Also haben Lektürereportwillige bis dahin noch Zeit.

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