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Mittelerde & andere phantastische Welten » Die Gaukler-Stube » Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I

DerDunkelgraue

Gefährte

Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I

Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I



Hauptcharaktere:
Henry James ''Lucky'' Thompson - Moni
Paul G. R. ''Grizz'' Johnson - Graui
Othello ''Oddy-O''' O'Sullivan - Martina
Thorne Abraham ''Abe'' Haywood - Anja
Josiah ''Long Leg Joe'' Hobbs - Franka
Lynnea G. Reid - Lisa
Diego Alvarez - Melian

Nebencharaktere (Spieler):
Colonel Kevin O’Rourke - Graui
Lieutenant Jack Anderson - Graui Billy O'Reilly - Franka

Nebencharaktere (frei):
Miss Luna - Bordellbesitzerin
Peacock-Clan - Berüchtigter Familien-Clan in Santa Rosa John, Paul, George, Ringo, Pete, Frank, Nick - Mitglieder der Bande

Molly O’Connely - Barkeeperin Dante und Alice Dantelli - Saloon-Besitzer und seine Frau
Dr. Gideon Pimple - Apotheker
Eleonore, Francine, Sally, Lolita - Prostituierte
Arthur Shepard - Reverend
Lou Logan - Sheriff Derek
Sullivan - Waffenverkäufer Gregory und Lavina Bishops - General Store Verkäufer und Tochter
Howard Milton - Rancher
Dr. Nigel East Wilde - Reisender Verkäufer/Halunke

Links:
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Hobbit-RPG2 Diskussionen
Herr-der Ringe-RPG
Herr der Ringe-RPG Appendix
Hobbit-RPG1
Galaxy-RPG


Beitrag auf Wunsch des Verfassers aktualisiert
Gruß Kari


Geändert durch Kari (09.05.2019 18:15)

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LuckyHenry

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

Amerika im Sommer des Jahres 1866: weites, unerforschtes Land, wilde Tiere, wenige Menschen.
Es ist noch nicht so lange her, da kapitulierte General Robert E. Lee mit seiner Südstaatenarmee vor General Grant. Der Krieg ist vorüber. Die Sklaverei wurde umgehend als illegal deklariert. Abraham Lincoln wurde ermordet und mit dem Demokraten Johnson auf dem Stuhl des Präsidenten ist niemand so richtig glücklich. Der Wiederaufbau beginnt. Der Norden leidet unter der mangelnden Versorgung seiner Einwohner, denn die Farmwirtschaft ist der Industrie gewichen und große Städte erwachsen überall. Der Süden leidet unter Armut, weil ihre billigen Arbeitskräfte großteils zwar auf den Plantagen bleiben, plötzlich aber Lohn verlangen. Das Land ist entzweit und es wird dauern, bis es sich erholt hat.
Das alles interessiert die kleine Stadt Santa Rosa mitten in der kargen Wüstenlandschaft New Mexicos allerdings überhaupt nicht. Hier ist der Westen noch wild, das Land ist frei und die Prärie übersäht von Büffeln, wilden Mustangs und jenen Eingeborenen, die die Siedler Indianer nennen.
Die Bestrebungen der Regierung, diese in Reservarte zu drängen und den europäischen Einwanderern so ein gefahrloses Aufbauen einer weißen Gesellschaft in diesem großartigen Land zu ermöglichen, schlugen bislang fehl, sodass es immer wieder zu Übergriffen und Kampfhandlungen kommt, aber auch zu Freundschaft, Handel und Miteinander. Zuletzt kamen Fremde in die Stadt mit Kunde von der Schlacht am Sand Creek oben in Colorado, keine Schlacht eigentlich, mehr ein Massaker an Frauen und Kindern, aber derartige Nachrichten sind nichts Besonderes und es wird vermutet, dass eine gewaltfreie Einigung mit diesen Wilden ein romantischer Traum bleiben wird.
Santa Rosa hat wenig zu bieten: es ist eine Westernstadt wie tausend andere, erbaut aus Holz und Lehm, mit einer staubigen Hauptstraße und ein paar Gassen. Es gibt ein Rathaus, ein Gefängnis mit einem übellaunigen Sheriff, der jeden Trunkenbold, dem er begegnet mit den Worten: „Dies ist eine anständige Stadt!“ einsperrt. Ausserdem natürlich den Saloon, in dem die Farmer der Umgebung zusammenkommen, um über die Geschäfte zu reden oder ihre Probleme in billigem Whiskey zu ersäufen. Man geht einmal im Monat ins Badehaus, wenn man es sich leisten kann, und immer dann, wenn die Hose drückt, in Miss Luna’s Bordell. Frauen haben keinen Zutritt zu diesen Etablissements. Abgesehen natürlich von den hübschen Barmädchen, die einen Mann am Abend alles vergessen lassen, wenn er nur genügend Dollars einstecken hat.

Nun erzählt man sich, dass ein Kerl namens Lucky Henry in der Stadt sei. Man hat schon hin und wieder diesen Namen gehört. Einmal soll er die Postkutsche aus Albuquerque überfallen haben, einmal Gelder an das örtliche Waisenhaus gespendet, einmal soll ihm nach einer Schießerei eine Kugel mitten im Schädel stecken geblieben sein, und einmal habe er sogar mit bloßen Händen gegen einen 3 Meter großen Grizzlybären gekämpft haben. Ja, man kannte Lucky Henry, nur kannte ihn niemand persönlich.
Was aber alle wussten, war: Wenn er in der Stadt war, dann brauchte er Leute für einen Job, und der war erstens sicher nicht einfach, und zweitens ganz sicher gut bezahlt!

Also, heimkehrende Soldaten, befreite Sklaven oder Sklavinnen, ihr leichten Saloonmädchen, ihr Besitzerinnen von Hurenhäusern, ihr Cowboys auf der Suche nach Abenteuern und ihr Outlaws auf der Flucht vor dem Gesetz: Meldet euch bei ihm!





Lucky Henry Thompson saß vor dem Saloon auf dem wackeligen Holzstuhl, den der Saloonbesitzer ihm zur Verfügung gestellt hatte, und paffte seine Zigarre. Die Sonne brannte auf seinen Schädel herab, denn sein Hut lag vor ihm auf dem kleinen Pult, ebenso wie eine fleckige Liste mit einigen wenigen Namen darauf. Henry seufzte. Mehr. Er benötigte mehr Leute! Wenn er dieses Ding wirklich durchziehen wollte, dann brauchte er mindestens 10, wenn nicht 15 Mann, die gewillt waren, einiges zu riskieren. Henry wischte sich mit dem schwarzen Bandana über die schwitzige Stirn. Und wo war dieser Nichtsnutz von seinem Partner eigentlich abgeblieben? Er konnte jetzt gut ein Bier gebrauchen, oder auch einen Whisky, aber dafür würde hier jemand für ihn übernehmen müssen.
Er sah auf, als ein Mann von vielleicht 60 Jahren vor dem Pult auftauchte. „Ich… Ich brauche Arbeit, Mr. Thompson. Man sagt, Sie zahlen gut.“
Henry sah den Mann an. Zittrige Hände, eine rote Nase, Kleidung, die schon bessere Tage gesehen hatte…. War er wirklich schon so verzweifelt?
„Was kannst du denn, alter Mann?“
Schweißperlen standen auf der Oberlippe des Mannes. Ein Knopf fehlte an seinem Hemd.
„Ich… ich war einmal Schmied. Habe die ganze konföderierte Kavallerie mit ordentlichen Eisen versorgt.“
„Na, genutzt hat das ihnen nicht viel, oder?“
Die Augen des Mannes huschten von links nach rechts und zurück und als er schließlich ausatmete, da wurde es Henry beinahe übel.
„Ich habe keinen Platz für Trunkenbolde, Vadder. Meine Männer müssen sich aufeinander verlassen können! Hau ab!“
Enttäuscht über einen weiteren ungeeigneten Kandidaten stand Henry auf und murmelte ein leises: „Not so lucky today, Henry.“

___.___.___.___.___.___.___.___.___.___.___.
I HAVE A PLAN!!!

Lucky Henry

Geändert durch LuckyHenry (08.03.2019 16:31)

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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: LuckyHenry]

''Noch einen'', sagte ein groß-gewachsener Mann mit einer tiefen Stimme und ließ sich das nächste Glas vom Wirt vollmachen. Er hatte schulterlange, ungepflegte braunblonde Haare und einen mittellangen, ungepflegten Rauschebart. Dazu trug er einfache Arbeitskleidung: Einen braunen, dreckigen Regenmantel, eine braune Hose, die schon bessere Tage gesehen hatte und braune Stiefel. Ausserdem trug er ein beiges Arbeitshemd. Paul G. R. Johnson war sein Name, doch meist nannte man ihn nur Grizz. Gerüchten zufolge, weil er mal einen Grizzly mit bloßen Händen erlegte. Grizz hatte den lieben langen Tag nichts anderes getan als sich einen Drink nach dem anderen im Saloon zu gönnen. Was zum Teufel sollten sie bei dieser Hitze auch anderes machen? Henry hielt womöglich immer noch Ausschau nach neuen Helfern, ein sinnloses Unterfangen, wie Grizz dachte, und hatte so nicht mal jemanden zum Plaudern. Wo auch immer Lucky steckte, er war nicht hier. Grizz goss sich den Alkohol hinunter. Wumms. Es machte einen lauten Knall und das Glas zerbrach, als er es wieder auf den Tisch schmetterte.

''Ach herrje, das tut mir aber leid'', sagte er zynisch und guckte den Wirt unschuldig an. ''Ich glaube, ich brauche ein neues'', setzte er hinzu. ''Ich glaube wirklich, du hattest genug'', sagte dieser und wischte die Scherben, die überall herumlagen, vorsichtig weg. Daraufhin packte er Hüne ihn am Kragen und ballte die Faust bedrohlich. ''Das hast du gar…hicks…nicht…zu entscheiden, Freundchen!'', meckerte der Mann und sah in das verängstigte Gesicht des Wirts. Daraufhin fing er plötzlich lauthals an zu lachen und ließ den Wirt los. ''Du glaubst doch wohl nicht, dass ich den einzigen nützlichen Kerl in dieser Stadt voller Nichtsnutze verhaue?'', scherzte er und zeigte trotzdem auf die leeren Gläser. ''Noch eins!'' Daraufhin tippte ihn jemand von hinten an. ''Was soll denn das bitte heißen? Hier gibts nicht nur Nichtsnutze in der Stadt! Nimm das sofort zurück oder ich hau dir eine rein!'', maulte der Fremde ihn an. Grizz drehte sich daraufhin blitzschnell zu ihm um und stand binnen weniger Sekunden vor ihm. Er war mindestens einen Kopf größer als der Fremde und machte sichtlich Eindruck auf diesen. Doch bevor sich dieser entschuldigen konnte, hatte der Fremde schon Grizz' Faust im Gesicht und fiel postwendend auf den Tisch dahinter, an dem gerade gepokert wurde, und zerbrach diesen. Eine Schlägerei war nun vorprogrammiert.

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Oddy

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

Rrums – ein lauter Donner hallte durch das Tal. Verstörte Geier flogen auf und einige Rinder rasten mit schreckgeweiteten Augen durch die Prärie. Die kleine Blockhütte, die neben einem fast vertrockneten Rinnsal stand, schien von dem Geräusch unbeeindruckt zu sein, doch aus dem noch etwas kleineren Stall daneben drang lautes Wiehern. Etwa 100 Yards auf der anderen Seite des Baches drang eine Staubwolke aus einer breiten Spalte, die in einen kleinen Felshügel führte.

Langsam sanken die Geier wieder auf die Felsen und Saguaros zurück. Hustend taumelte ein alter Mann aus dem Spalt. Wieder an der frischen Luft sank er auf die Knie und atmete tief und keuchend. Er nahm den Hut ab, griff in seine Hosentasche und zog ein kleines geblümtes Taschentuch heraus. Damit wischte er sich den Staub aus dem Gesicht und schnäuzte einmal deftig hinein. Schließlich stopfte er das Tuch wieder zurück und klopfte seinen Hut aus. Vormals braun wirkte dieser nun eher rötlich beige. Der Alte setzte ihn wieder auf sein stark ergrautes und in den oberen Bereich auch stark reduziertes Haupthaar. Schließlich stand er ächzend auf, setzte sich auf den nächsten Felsen und zog eine Miniatur aus der Brusttasche.

„Nun, Maggie, das war schon eine ganz gute Explosion! Aber ich muss doch nochmal mit Dr. Pimple unserem Apotheker darüber sprechen.“ Der Alte sah das schon etwas abgegriffene Bild einer jungen Frau mit roten Locken liebevoll an. „Ja, mo cheann beag, ich bin vorsichtig. Mach dir keine Sorgen!“ Ganz sanft strich er über das kleine Gesicht bevor er das Bild wieder vorsichtig einsteckte. Mit einer kleinen Grimasse richtete er sich auf, machte eine Kniebeuge und lief dann deutlich beweglicher auf die Blockhütte zu. Wenn er lief, hätte ohne Probleme ein Prairiehase zwischen seinen Knien hindurchhüpfen können.

In der Hütte schnappte er sich einen kleinen Beutel, eine Möhre und sein Gewehr und marschierte in den Stall. Dort stand eine kleine dunkelgraue Stute mit wunderschön schwarzer Mähne. „Nun, mein Mädchen! Wie geht es uns heute Morgen?“ Seine knochigen mit vielen Falten und Altersflecken übersäten Hände, strichen der Stute sanft über die weiche Nase und fuhren dann durch die lange Mähne. „Wollen wir uns mal in die Stadt machen, Smokey? Es gibt Dinge zu besorgen.“ Nicht lange danach ritten sie in forschem Trapp durch die staubige Prärie. Auch wenn das Anwesen nicht weit von Santa Rosa entfernt am Anfang der ersten Bergkette lag, hielt der Alte doch die Augen auf. Ab und an kam es doch vor, dass ihm auf seinem halbstündigen Ritt irgendwelche weiße, rote oder schwarze Strauchdiebe vor die Flinte liefen.

Doch heute blieb alles ruhig – zumindest bis er in die staubige Hauptstraße Santa Rosas einbog. Aus dem Saloon drangen Geräusche, die entweder auf laute Umbauaktionen oder auf eine handfeste Schlägerei schließen ließen. Der Alte grinste. Er wusste, dass der Saloon derzeit nicht umgebaut wurde. Wer wohl dort mal wieder sein Mütchen kühlen musste? Der junge Walt, einer der Tunichtgute der Stadt oder doch eher Durchreisende? Und vor dem Saloon saß ein Kerl an einem Pult. Was der wohl da zu suchen hatte? Der Alte zuckte mit den Schultern und lenkte Smokey am Saloon vorbei. Hinter der nächsten Quergasse befand sich sein Ziel, die Apotheke des alten Dr. Pimple.

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Das soll eine Explosion gewesen sein?

Geändert durch Oddy (08.03.2019 21:49)

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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: Oddy]

''Verdammt, du hast unser Pokerspiel ruiniert, du Penner!'', maulte einer der vier Spieler, die bis vor ein paar Sekunden noch friedlich pokerten. Daraufhin packte er den am Boden liegenden Mann, zog ihn hoch, schlug ihm ebenfalls eine in's Gesicht und warf ihn daraufhin in Grizz' Arme. ''Fall beim nächsten Mal gefälligst woanders hin, ich war am Gewinnen!'', fügte der Pokerspieler hinzu. ''Und ausgerechnet er meint, er wäre KEIN Nichtsnutz'', fügte Grizz sarkastisch hinzu und wischte mit dem Mann den Tresen ab, ehe dieser am Ende dessen bewusstlos auf den Boden krachte. ''Von wegen gewinnen! Ich war am Gewinnen!'', maulte ein anderer Pokerspieler und daraufhin brauch auch zwischen den vier Pokerspielern eine Schlägerei aus, in der es darum ging, wer nun am Gewinnen war.

Nun war auch im ganzen Saloon eine richtige Schlägerei ausgebrochen. Der Wirt suchte derweil hinter seinem Tresen Zuflucht. ''Nicht schon wieder…'', jammerte er verzweifelt. Grizz beugte sich über den Tresen und sah den ängstlichen Wirt an. ''Ich warte immer noch auf meinen nächsten Drink!'', grunze er, wurde dann jedoch von hinten gepackt und weggezogen. Ein älterer Saloongast hatte den Hünen gepackt und angegrinst. ''Ach komm schon, du alter Knacker...was willst du denn…'', begann Grizz, doch bevor er zu Ende sprechen konnte, hatte er schon eine Faust in der Magengrube und anschließend die nächste auf’s Kinn bekommen. Der Bär krümmte sich vor Schmerzen und wollte den alten Mann schon packen und ebenfalls verhauen, doch daraufhin schlug ihm jemand von hinten einen dreibeinigen Holzstuhl auf den Rücken. Wutentbrannt drehte sich der Hüne um und packte den Übeltäter am Kragen. ''Kann ich hier mal eine Schlägerei zu Ende bringen, bevor die nächste angeht????'', knurrte er diesen an und begrub dann seine Faust im Gesicht des Mannes. Diesen ließ er dann bewusstlos auf den Boden fallen. ''So, und nun zu dir, alter Mann'', sagte er und drehte sich wieder zu diesem um, doch der alte Mann war nirgends mehr zu sehen. Nanu. Einen Moment später erkannte Grizz, dass ebenjener ältere Mann bereits bewusstlos vor ihm am Boden lag. Er beugte sich zu diesem runter. ''Wir sind noch nicht fertig, alter Knacker!''

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Josiah

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

Ein kurzer, scharfer Pfiff schnitt durch die Luft wie ein Pistolenschuss und sofort setzte sich die kleine Herde in Bewegung. Dicht gedrängt und aufgeregt muhend trotteten die Rinder eins nach dem anderen in ihr Gehege.
Josiah ritt hinter der Herde entlang, hielt die Tiere zusammen und drängte sie langsam, aber bestimmt vorwärts. Die heiße Mittagssonne von New Mexico knallte erbarmungslos auf den ausgetrockneten, staubigen Boden. Josiah wischte sich mit seinem roten Bandana den Schweiß von der Stirn. Sein abgetragenes Hemd klebte feucht an seinem muskulösen Oberkörper und er atmete schwer von der Anstrengung. Harte Arbeit war er weiß Gott gewöhnt, doch diese Hitze war genug, um selbst den stärksten Mann in die Knie zu zwingen.
Doch immerhin hatten sie es fast geschafft. Nur noch ein knappes Dutzend Rinder befanden sich außerhalb der Umzäunung. Das war gut genug, um dem Lehrling ein bisschen Spielraum zu geben.
„Halte die hintere Reihe zusammen, Billy!“, rief Josiah und zog sich etwas zurück, um den Jungen machen zu lassen.
Billy O'Reilly war ein Ire wie er im Buche stand. Rote Locken, eine Hand voll Sommersprossen und so bleiche Haut, dass sie einen blenden konnte, wenn der junge Mann in der Sonne stand. Natürlich tat er gut daran, genau das nicht zu tun. Billy verbrannte schneller als er „Sonnenbrand“ sagen konnte. Eins der wenigen Probleme, mit dem Josiah sich nicht herumzuschlagen brauchte.
Billy war ein lernwilliger Schüler, aber er brauchte noch Übung. Viel Übung.
„Die hintere Reihe sichern, Billy. Wenn dir da einer ausbüxt, kann die ganze Herde zerfallen!“
Billy gab sich größte Mühe, die Rinder zusammenzuhalten, doch er hatte noch Probleme damit, sein Pferd schnell genug zu wenden, um die Herde beständig lenken zu können. Etwas ungeschickt zerrte er an den Zügeln und das Pferd tänzelte widerwillig in die angezeigte Richtung. Irgendwie brachte das Billy kurz auf dem Gleichgewicht. Er taumelte, konnte sich noch im Sattel halten, verlor aber seinen Hut. Josiah seufzte.
Ohne den Schatten spendenden Hut blendete die Sonne Billy sofort und er musste seine Augen mit einer Hand abschirmen. Das gab seinem Pferd genug Freiraum, um zu entscheiden, dass es jetzt keine Lust mehr aufs Rinder hüten hatte, was einem der Rinder wiederum den Freiraum gab, zu entscheiden, das es jetzt keine Lust mehr auf den Stall hatte.
„Verdammt Billy!“, rief Josiah noch, während er schon die übrigen Rinder rasch in das Gehege getrieben und vom Sattel aus das Tor verschlossen hatte.
Mit einer Hand über den Augen sah Billy hilflos dem entflohenen Rind hinterher, das schon ein paar hundert Yards entfernt war. „Sie wird mit umbringen...“, wimmerte er.
Josiah schnaubte. Er riss die Zügel herum und gab seinem Pferd die Sporen. In wenigen Sekunden trieb er das Tier in einen wilden Galopp dem Rind hinterher. Die linke Hand hielt die Zügel, mit der rechen löste er das Lasso vom Sattel. Er hatte das Rind fast eingeholt, als er das Lasso zu schwingen begann. Einmal kreisen, zweimal kreisen, dreimal kreisen. Das Lasso schnellte vorwärts wie ein Peitschenhieb, wand sich zielsicher um den Hals des Rindes und zog sich zu. Das Tier unternahm noch einen Fluchtversuch, doch Josiah legte all seine Kraft in das Lasso. Alle Muskeln in seinen kräftigen Armen spannten sich an. Mit einem Ruck ging das Rind zu Boden.
Billy war von seinem Pferd abgestiegen und hatte sich am Tor zum Gehege bereitgestellt, um das entflohene Rind reinzulassen. Er gab sich Mühe, das musste man ihm lassen.
„Gott segne dich, Josiah! Ich danke dir!“, sagte der Junge, seinen zertrampelten Hut an die Brust gepresst.
Josiah grinste. „Schon gut, Junge. Aber denk dran, ich werd nicht immer da sein, um deinen Arsch aus der Scheiße zu ziehen.“
Billy sah peinlich berührt zu Boden. Es war immer wieder belustigend, wie nervös des den jungen Iren immer noch machte, wenn man vor ihm fluchte. Eine streng katholische Mutter konnte einem eben auch der Wilde Westen nicht so einfach aus dem Kopf treiben.
Auch Josiah trug brav sein kleines Holzkreuz um den Hals, doch seine Mutter hatte bis auf ihr Totenbett geflucht wie ein Rohrspatz. Wenn man sie beschworen hatte, dafür würde sie in die Hölle kommen, hatte sie nur gelacht und geantwortet, da sei sie doch längst.
Trotz der kleinen Unterschiede war ihr gemeinsamer Glaube nicht zuletzt einer der Umstände, der dazu beigetragen hatte, dass Billy inzwischen seinen Widerwillen überwunden hatte, nicht nur mit, sondern unter einem Schwarzen zu arbeiten. Doch den Löwenanteil hatte Josiahs Wissen und Können als Cowboy und Lehrmeister geleistet, um sich von Billy Dankbarkeit und Respekt zu verdienen.
„Setz deinen Hut wieder auf, Billy. Du siehst schon wieder aus wie ein Radieschen“, sagte Josiah und lenkte sein Pferd am Zaun des Rindergeheges entlang gemütlich in Richtung Santa Rosa.
„Die Chefin wird zufrieden sein“, versicherte er Billy, als dieser ihn eingeholt hatte und sie gemeinsam auf die kleine Stadt zuritten. „Alle Rinder sind da, alle kräftig und gesund. Dafür wird sie einen guten Preis bekommen.“
Josiah lächelte zufrieden und entblößte zwei Reihen großer, weißer Zähne. „Wenn wir Glück haben, gibt sie uns einen aus.“
Aus dem Augenwinkel sah er, wie Billy sich reflexartig bekreuzigte.
Mit einem Grinsen auf dem Gesicht schürzte Josiah die Lippen und begann eine seichte Melodie zu pfeifen.
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LuckyHenry

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: Josiah]

Ein anderes Geräusch als das Knarzen von Wagenrädern, das Klappern von Hufeisen auf der staubigen Straße und das verwirrte Geplapper des alten Reverend, der mit Hilfe von Flugblättern, die er jedem in die Hand drückte, der es wollte, sowie auch jedem, der es nicht wollte, das Ende der Welt verkündete, ließ Lucky Henry mit einem Lächeln aufsehen. Langsam zog er die goldene Taschenuhr, die er dem Bürgermeister von Jacksonville gestohlen hatte, an ihrer Kette aus seiner Westentasche und spähte darauf. Beinahe Mittag. Das Lächeln wurde etwas breiter und mit einem Kopfnicken schnappte Henry sich seine Liste und schlenderte zum Salooneingang hinüber. Kurz bevor er ihn erreicht hatte, hielt er inne und ließ den alten Mann, der durch die Schwingtüre getaumelt kam, passieren. Das Geschepper und Gebrüll wurde lauter. Hinzu gesellte sich das Klirren von zerspringenden Gläsern oder Flaschen sowie das Krachen von Inventar.
Henry trat ein und fand sich in einer ordentlichen Schlägerei wieder. Zunächst suchten seine Augen den Schankraum ab, bis sie fanden, was sie suchten. Dann schlenderte er gemächlich zu seinem Ziel hinüber, während er ihm im Weg stehende Cowboys, Städter und auch Trunkenbolde zu dieser oder jener Seite schubste. Lucky Henry bekam keinen einzigen Schalg ab, und es zerbrach auch kein Stuhl auf seinem Rücken, bis er sich gespielt theatralisch neben seinen hünenhaften Freund auf den Boden sinken ließ.
„Wir sind nicht einmal einen vollen Tag in der Stadt und du nimmst den Saloon auseinander?“ fragte er lachend. Grizz schlug einem jungen Mann seinen Ellenbogen gegen die Nase, sodass sofort ein Strom von Blut daraus hervor quoll und der Jüngling mit einem Schmerzenslaut das Weite suchte.
„Gibt’s einen Anlass?“

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I HAVE A PLAN!!!

Lucky Henry
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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: LuckyHenry]

Grizz streckte unschuldig die Arme in die Höhe. ''Ich gebe ja zu, dass ich zu einer...hicks...vernünftigen Schlägerei nicht nein sage, aber dieses Mal bin ich zur Abwechslung wirklich unschuldig, Lucky'', rechtfertigte sich Grizz wie ein ertappter, zugegebenermaßen ziemlich betrunkener, Junge. Das sah man ihm auch an, denn seine Nase und Backen waren rot wie Feuer und das lag ganz sicher nicht daran, dass er den einen oder anderen Schlag verpasst bekommen hatte. Er wollte schon erklären, was passiert war, doch dann schmetterte wieder irgendjemand, der offenbar noch nicht mitbekommen hatte, dass die Schlägerei vorbei war, einen Holzstuhl gegen Grizz' Rücken. Der Hüne verzog das Gesicht und drehte sich zu dem Übeltäter, ein dünner und kleiner Mann, herum. ''Kann man hier nicht mal einen Satz zu Ende sprechen? Siehst du nicht, dass wir uns unterhalten??'', maulte er so laut, dass der Boden bebte und zeigte mit seinem Finger Richtung Ausgang. Ängstlich und mit eingezogenen Schultern verkroch sich der Mann und suchte das Weite. ''Also, wo war ich...achja, der hat angefangen!'', sagte Grizz und zeigte auf einen bewusstlosen Mann am Ende des Tresen. Dieser hatte sich seither nicht mehr gerühert. ''Darüber lässt sich bestimmt streiten...'', fügte der Wirt hinzu, der nun endlich aus der Deckung kam. Grizz drehte sich postwendend zu ihm um und ballte seine Faust. ''Vielleicht willst du dich ja mit meiner Faust streiten!'', maulte er den Wirt an, der sich so gleich wieder unter den Tresen verzog, und drehte sich dann wieder zu Lucky um. Doch bevor er weitersprach, drehte er sich erneut zum Wirt um. ''Und ich warte immer noch auf meinen nächsten Drink!'' Dann drehte er sich doch wieder zu seinem grinsenden Partner um. ''Wie du siehst, bin ich völlig unschuldig Lucky! Nicht wahr?'', sagte er und sprach dann erneut und drohend den Wirt an. Dieser hob einfach nur den Daumen über den Tresen und sagte nicht sehr überzeugend: ''Ja.''

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Oddy

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

Der alte Cowboy fragte sich immer wieder, wo der Apotheker Dr. Gideon Pimple seine ganzen Kräutchen, Pülverchen und Tröpfchen hernahm, aber eins war sicher, er war ein schlauer und gebildeter Mann. Er hatte sogar Bücher in seinem Wohnraum, ein Luxus, den sich hier nicht viele leisten konnten. Der Alte rutschte erstaunlich gewandt von seiner Stute und band sie fest.
„Gideon, alter Halunke“, begrüßte er den Apotheker beim Eintreten herzlich. „Na, heute schon ein Leben gerettet oder eher eins vergiftet?“
Der Apotheker, der den alten Mann lang genug kannte, meinte trocken: „Beides auf einmal oder was meinst du, wie Medikamente wirken, Oddy-O'?“ Dann musterte er den alten O’Sullivan von oben bis unten: „Warst du wieder in deiner Mine? Der Staub quillt noch aus deinen Ohren und Hosentaschen!“
Irritiert kratzte sich der Alte in den Ohren, betrachtete anschließend seine Fingernägel und versuchte sie notdürftig zu säubern. Schließlich schüttelte er genervt den Kopf: „Das ist jetzt völlig unwichtig, ich will doch nicht zu Miss Luna! Sag mal, du hast mir neulich die Zutaten für diesen neuen Sprengstoff mitgegeben!“
Pimple horchte auf und musterte Oddy-O' noch einmal gründlich. „Du hast ihn wirklich hergestellt? Oddy, du bist wirklich mutig. Ich hatte dir gesagt, dass ich dafür keine Garantie übernehmen kann. Das Patentverfahren hierfür ist noch nicht durch und dieser merkwürdige Geselle Nobel aus Old Europe scheint mir ein rechter Spinner zu sein.“
Der Alte schüttelte den Kopf: „Nein, nein, das ist ein ganz cleveres Bürschchen, das es noch weit bringen wird, glaub mir, das funktioniert ziemlich gut. Aber ich muss noch ein bisschen am Mischungsverhältnis drehen. Und dann wird es eine wunderschöne Explosion geben!“ Seine Augen blitzten vor Freude. „Ach, du hättest diesen Knall hören sollen, es war wundervoll!“
Pimple nickte kritisch: „Ja, aber irgendwann wird diese ganz Pyrotechnik dich das bisschen Leben kosten, was noch dein dürres Knochengerüst zusammenhält.“
„Ach, Unsinn, ich weiß, was ich tue! Ich habe es immerhin mal gelernt drüben in der alten Heimat! Ich war der oberste Sprengmeister in unserem Bergwerk, glaub mir, und da hatten wir noch nicht so feine Dinge, wie es heute gibt.“ Versonnen blickte er in die Ferne, griff abwesend in seine Brusttasche und zog sein Bild heraus: „Ach, Maggie, das waren noch Zeiten, wenn du auf mich in deinem geblümten Kleid gewartet hast, wenn ich völlig verdreckt aus der Mine kam.“
Pimple, der Oddy-O's Marotte kannte, mit seiner verstorbenen Frau alles und jedes zu diskutieren, lächelte verschmitzt und meinte nur: „Nun, deine Maggie würde auch wollen, dass du vorsichtig bist. Also Freund, was brauchst du?“ Was folgte war ein ausführliches Fachgespräch über Vor- und Nachteile bestimmter Ingredentien, was das Zurateziehen eines von Pimples Fachbüchern nach sich zog und schließlich in einem gut verschnürten Päckchen endete.
„So, Mr. O’Sullivan, jetzt geht es ans Bezahlen!“ Dr. Pimple angelte in weiser Voraussicht in seiner Schublade unter dem Tresen nach einer Lupe, „was hast du denn diesmal freigesprengt?“
Oddy-O' nickte und gramte in seinem Beutel. Ah, ja, hier, das müsste es sein. Vorsichtig legte er ein kleines grünes Stück auf den Tresen und betrachtete es mit zusammengekniffenen Augen.
Der Apotheker nahm es hoch und musterte es kurz: „Also mein Lieber, bei aller Freundschaft, das deckt nicht die Kosten, das ist doch nur eine Glasscherbe!“
„Oh, Verzeihung!“, wieder wühlte er in seinem Beutel und brachte ein weiteres grünes Teil zum Vorschein. Wieder betrachtete er es verkniffen.
„Oddy, mein Freund, du brauchst eine Brille, glaub es mir endlich!“ Der Apotheker grinste, schnappte sich den kleinen grünen Edelstein und betrachtete ihn unter der Lupe.
„Ich, eine Brille? Ich kann noch jeden Geier auf 100 yards Entfernung von einem Saguaro herunterholen und diese Präriehunde sind auf der anderen Seite des Baches nicht sicher vor mir! Und du willst mir was von einer Brille erzählen?“ Der alte Ire war ernsthaft beleidigt.
Pimple schüttelte begütigend den Kopf, „Nein, dafür brauchst du keine Brille. Aber in der Nähe siehst du ja noch nicht mal mehr, was du auf dem Teller hast!“
„Ach Quatsch!“, verächtlich wedelte der Alte mit der Hand, „das brauch ich nicht sehen, reicht, dass ich es schmecke!“
Der Apotheker zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder dem Stein zu: „Wie du meinst, aber beschwer dich nicht, wenn dich mal einer gewaltig übers Ohr haut, weil er dir nicht, wie ich, sagt, dass dieser Edelstein weit mehr wert ist, als deine Einkäufe von eben! Bei dem Wert wäre eine Brille locker noch drin!“
Doch der ehrenwerte Othello O’Sullivan ließ sich davon nicht überzeugen. Er und eine Brille! Wie sollte er da seiner Maggie noch gegenübertreten können? Ja, ein bisschen eitel war er eben doch. Energisch zog er das blaue Halstuch mit den roten Rosen, das seinen Hals zierte, gerade. Für seine Maggie nur das Beste, auch wenn er mal wieder eine Badewanne von innen sehen sollte…

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Das soll eine Explosion gewesen sein?
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Josiah

Gefährte

Re: Into the West - Es war einmal im wilden Westen - Kapitel I [Re: Oddy]

Josiah pfiff immer noch fröhlich vor sich hin, als Billy und er in gemütlichem Tempo in die Stadt ritten. Eine ältere Dame in einem bunten Rock und zu langen Zöpfen geflochtenem Haar kam ihnen mit einem Korb voller Einkäufe entgegen.
„Buenos dias, Josiah!“, rief sie im vorbeigehen mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
„Hola, Maria!“, grüßte Josiah die Mexikanerin freundlich zurück, „Was machen deine Söhne?“
„Ach, Gott hatte Erbarmen. Sogar Jose hat endlich eine Anstellung gefunden!“, rief Maria fröhlich und ging ihrer Wege.
Ein paar Schritte weiter sah Josiah, wie ein kleiner Junge, den er nicht kannte, ihn anstarrte und dann etwas zu seiner Mutter sagte, die neben ihm stand und seine Hand hielt. Die Frau flüsterte ihrem Sohn mit einem merkwürdigen Blick auf Josiah etwas ins Ohr und wandte sich dann schnell ab. Josiah schnaubte, sagte aber nichts.
Auf der Hauptstraße begegneten den beiden Cowboys eine Hand voll Peacock-Abkömmlinge, deren Namen Josiah allesamt vergessen hatte, doch wenn man ausreichend nuschelte, wenn man sie grüßte, bemerkten sie das meistens nicht.
Die Beiden hatten ihr Ziel fast erreicht, als Josiah aus dem Augenwinkel sah, wie Billy sich plötzlich angespannt im Sattel aufrichtete. Er folgte dem Blick des Jungen und entdeckte Thomas Hughes, einen der Farmer vom Stadtrand, auf der anderen Seite der staubigen Straße. Daher wehte also der Wind.
Billy war es immer noch unangenehm, dabei zu sein, wenn Joseph und Hughes sich begegneten, seit er vor einem halben Jahr unfreiwillig miterlebt hatte, wie Hughes Josiah vor der Kirche angespuckt und gesagt hatte, Leute wie ihn sollte man hier nicht erlauben. Josiah hatte ihm mit einem einzigen Schlag seiner großen Faust zwei Zähne ausgeschlagen. Josiah war kein gewaltbereiter Mensch, aber er hatte klare Grenzen dessen, was er akzeptierte und was nicht.
Seitdem hatte Billy Angst, so etwas noch einmal sehen zu müssen. Hughes allerdings schien fürs Erste seine Lektion gelernt zu haben und würdigte Josiah im Vorbeigehen nur mit einem abfälligen Blick.
Schließlich erreichten die beiden Cowboys ihr Ziel. Eines der wenigen zweistöckigen Gebäude von Santa Rosa, auffällig gestrichen in blau mit rosafarbenen Fensterrahmen. Die großen Buchstaben über der Tür waren weiß und leuchtend. Für Josiah waren das nur bedeutungslose Symbole, aber er wusste ja schon, was da stand.
Miss Lunas Paradies
Er und Billy sattelten ab und banden ihre Pferde vor dem Haus an. Dann betraten sie den großen, verrauchten Raum mit den schweren, roten Vorhängen, mit bunten Kissen dekorierten Stühlen aus dunklem Holz und Öllampen mit rotem Glas auf den Tischen.
Um diese Tageszeit war es noch nicht gut besucht und Josiah entdeckte nur einen besetzten Tisch in einer Ecke. Auch im Obergeschoss war es ruhiger als am Abend, wenn auch nicht ganz still.
An der Bar stand Molly und schrubbte lustlos Gläser, winkte aber lächelnd, als sie die beiden Cowboys eintreten sah. Lolita saß am Klavier und klimperte ein paar seichte Noten für den einzigen Gast herunter.
Sofort stimmte Josiah pfeifend in das Lied ein, obwohl er es nicht kannte und sich einfach etwas ausdachte. Lolita warf ihm einen stechenden Blick zu und Josiah grinste sie unschuldig an.
Billy hatte fast sofort nach Betreten des Hauses begonnen, an dem Kreuz um seinen Hals herumzuspielen.
„Lass das!“, zischte Josiah dem Jungen zu, während sie sich an den Tischen vorbei schlängelten, auf die breite, mit einem flauschigen Teppich ausgelegte Treppe in den zweiten Stock zu. „Das wird langsam albern.“
Billy gehorchte widerwillig und steckte seine Hand in die Hosentasche. Josiah schüttelte den Kopf. Er wusste genau, dass Billy dort auch ein Kreuz versteckt hatte.
„Was glaubst du denken die Leute, wenn du dir ausgerechnet hier die Hand in die Hose steckst, Billy?“
Der Junge lief rot an wie eine Tomate und nahm schnell die Hand aus der Tasche. Josiah grinste. Manchmal machte es einfach zu viel Spaß, Billy zu verarschen.
Die Treppe hinauf musste der junge Ire sich sputen, mit seinem Lehrer Schritt zu halten, der aus Gewohnheit immer zwei Stufen auf einmal nahm. Einzelne Stufen waren Josiah einfach nicht hoch genug. Wenn sie auf den Pferden saßen, fiel es nicht so auf, doch Josiah war deutlich größer als Billy. Das war vor allem seinen langen Beinen geschuldet, mit denen er sich auch seinen Beinamen eingefangen hatte.
Long Leg Joe. Josiah musste grinsen, wenn er daran dachte. Ein guter Spitzname.
Aus mehreren Zimmern im Obergeschoss drangen eindeutige Laute, doch Josiah ignorierte es. Er ging zielstrebig auf die Tür am Ende des Ganges zu und klopfte artig, bevor er und Billy eintraten.
Miss Luna saß mit einer Zigarette in der Hand zurückgelehnt in einem gepolsterten Sessel hinter einem Schreibtisch mit Federkiel und jeder Menge Papierkram, mit dem Josiah nichts anfangen konnte, selbst wenn er sich dafür interessiert hätte.
Miss Luna war inzwischen schon einige Jahre älter als ihre leichten Mädchen und ihre Augen umspielten erste kleine Fältchen, doch sie war unbestreitbar noch immer eine Schönheit. Ihr langes, rabenschwarzes Haar fiel in großen Locken in ihr üppiges, aber nicht überladenes Dekolleté, eingefasst in einem überaus elegantes Kleid aus dunkelgrünem Stoff mit weißen Rüschen, dass ihr natürlich ausgezeichnet stand. Ihr dunkler Lippenstift unterstrich wunderbar den olivenen Ton ihrer Haut und das tiefe, hypnotisierende Braun ihrer Augen.
Miss Luna war keine kleine Frau, trotzdem war Josiah mehr als einen Kopf größer als sie. Nichtsdestotrotz hatte sie eine Präsenz, die selbst ihm unweigerlich Respekt einflößte. Diese Frau hatte es geschafft, sich von einer einfachen Straßendirne zur Bordellbesitzerin hochzuarbeiten und mit all dem Geld, dass die Männer ihr und ihren Mädchen hinterherwarfen, hatte sie sich inzwischen als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt etabliert. Und das merkte man ihr an, in jedem Blick ihrer dunklen Augen, mit dem sie ihr Gegenüber auf den ersten Blick völlig zu durchschauen schien und in jedem Wort, das sie mit einer solch ruhigen Sicherheit aussprach, dass es schwer war zu glauben, dass sie sich je in etwas irren oder unsicher sein konnte.
„Na, habt ihr mir gute Neuigkeiten mitgebracht, Jungs?“, fragte sie mit ihrer betörend rauchigen Stimme.
„Die Rinder sind alle im Gehege. Siebzig Stück, alle gesund und stark, Ma'am.“, berichtete Josiah.
Ein zufriedenes Lächeln huschte über Miss Lunas Gesicht. Sie hatte das Angebot für die Rinder aus einem angrenzenden County erhalten, als gerade zwei Tiere von Farmer Brown aus der Nähe von Santa Rosa erste Anzeichen einer Krankheit gezeigt hatten. Eines ihrer Mädchen hatte das zufällig von einem Kunden, der auf der Farm als Hilfskraft arbeitete, gehört. Brown war als mieser Trickser einhellig bekannt und Miss Luna vermutete letztendlich richtig, dass er versuchen würde, die kranken Rinder noch schnell zu verkaufen, bevor man es ihnen richtig anmerkte, und sie dafür auf den Markt brachte, wo er prompt einige Tiere der anderen Farmer ansteckte. Es kamen, alle betroffenen Farmen zusammengenommen, zwar keine hundert Rinder um, doch die wollten ersetzt sein und das Wissen, dass die Krankheit von einer der Farmen aus der Gegend stammen musste, säte genug Misstrauen untereinander, das niemand bei den anderen lokalen Farmern nachkaufen wollte. Da kamen Rinder aus einem anderen County gerade recht.
Und so hatte Miss Luna zugegriffen und Josiah und Billy geschickt, um die Rinder abzuholen. Die Information, dass Brown der Schuldige war, behielt Sie übrigens stillschweigend für sich. Man konnte nie wissen, wann man mal ein gutes Druckmittel gegen jemanden gebrauchen konnte.
„Sehr gut. Billy, du kannst dir deinen Lohn unten bei Molly auszahlen lassen. Und kauf dir einen neuen Hut auf meine Rechnung“, sagte Miss Luna, „Und dann, mein Junge, sei so gut und geh in den Saloon oder die Kirche oder wo auch immer du dich in deiner Freizeit herumtreibst und verbreite schon mal ein bisschen, dass Miss Luna ein paar äußerst begehrenswerte Rinder im Angebot hat. Und stell sicher, dass sie nicht denken, dass du damit meine Mädchen meinst.“ Sie zwinkerte ihm kokett zu.
Billys Gesicht nahm die Farbe seiner Haare an, während er „Ja, Ma'am. Danke Ma'am“ murmelnd den Raum verließ.
Josiah sah ihm kopfschüttelnd nach, bevor er sich wieder Miss Luna zuwandte.
„Wir sollten nicht so gemein zu dem armen Jungen sein.“
Miss Luna lächelte schelmisch. „Würde ich, wenn es nicht so verdammt unterhaltsam wäre...“
Josiah grinste breit und ließ sich auf einen Wink von Miss Luna hin auf einen Stuhl ihr gegenüber sinken.
„Kaffee?“, fragte sie und beugte sich zu einem neben ihr stehenden Tablett mit einer Kanne und zwei Tassen, um einzugießen. Sofort breitete sich der aromatische Geruch in dem Zimmer aus und Josiah zog tief Luft ein. Er mochte ein gutes Glas Whisky so gern wie jeder andere Mann, doch seine wahre Schwäche war guter Kaffee. Miss Luna wusste das. Und Josiah wusste, was es bedeutete, wenn er Kaffee angeboten bekam.
„Also, was darf ich für Sie tun?“, fragte er, die Tasse in der Hand und nach jedem Satz mit tiefen Atemzügen den herrlichen, warmen Duft einsaugend. „Extradienst als Rausschmeißer...? Schulden eintreiben bei irgendeinem Revolverhelden...? Ich hab auch lange keinem Arschloch mehr den Hintern versohlt, weil er schlecht über Sie geredet hat...“
Lächelnd nahm Miss Luna einen Schluck Kaffee. „Lucky Henry ist in der Stadt“, sagte sie schlicht.
Josiah horchte auf. „Das bedeutet, dass er Leute sucht für irgendeine Sache...“
Miss Luna zog die Augenbrauen hoch. „Eine wahrscheinlich sehr lukrative Sache, mein Freund.“
Josiah lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er ahnte, worauf das Ganze hinauslaufen würde.
„Ich möchte, dass du für mich herausfindest, worum es geht. Biete ihm meine Unterstützung seiner Unternehmung an, wenn er sie braucht. Gegen eine entsprechende Gewinnbeteiligung, versteht sich.“
Josiah nickte langsam. „Die Unterstützung, die Sie anbieten, würde dann neben finanziellen Mitteln auch meine Arbeitskraft einschließen, nehme ich an?“
Miss Luna lächelte verschmitzt. „Guter Junge.“
Josiah seufzte. „Aber erst, wenn ich in Ruhe meinen Kaffee ausgetrunken habe.“
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