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Mittelerde & andere phantastische Welten » Kreativschmiede » Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Stannis entschied nach kurzem Nachsinnen. "Wir werden nicht jeglichen Verkehr blockieren, aber jedes Schiff, das von oder nach Königsmund fährt, wird überprüft. Lieferungen von Waffen oder Nahrungsmitteln in die Stadt werden unterbunden. Aber kommen wir nun zum eigentlichen Zweck des Treffens, dem Ausarbeiten eines Schlachtplanes. Lord Stark, erläutert bitte unseren Verbündeten, wie wir vorzugehen gedenken."

Lord Eddard stand auf und zeigte auf die Karte: "Wir planen, die Stadt von zwei Seiten anzugreifen: Zum einen im Norden am Eisentor, durch die Streitkräfte Gondors unter Führung von König Elessar, zum anderen im Südosten, wo unsere Streitmacht in die Mündung des Schwarzwasser eindringt, Joffreys Schiffe vernichtet, am Hafen landet und unter Führung von König Stannis durch das Flusstor und das Königstor in die Stadt gelangt."

"So hatten wir uns das in etwa auch vorgestellt", sagte Faramir, "allerdings dürfte der Feind damit rechnen, dass wir genau an diesen Toren angreifen, da unser Angriff vom Meer aus erfolgt. Unserem Angriff fehlt die Überraschung."

"Und wie sollen wir den Feind überraschen?", fragte Ser Davos.

"Indem wir an noch mehr Toren angreifen", antwortete Elessar. "Ich werde mich um den Angriff auf das Eisentor kümmern, doch Fürst Faramir wird mit einer großen Heerschar weiter nördlich an Land gehen, um von dort kommend anzugreifen."

"Das ist gewagt", meinte Stannis, "und Ihr müsst darauf achten, dass Ihr Eure Streitkräfte nicht zersplittert. Aber Ihr habt Recht, wir sollten es dem Feind nicht zu leicht machen und ihn nicht nur dort angreifen, wo er damit rechnet. Gleichwohl soll der Hauptangriff im Süden erfolgen. Besteht Ihr darauf, dass Eure gesamte Streitmacht für den Angriff im Norden eingesetzt wird, Euer Gnaden?"

"Nein, das nicht", antwortete Elessar, "wenn Ihr es wünscht, wird Kommandant Elphir mit seinen acht Schiffen aus Dol Amroth Euren Angriff auf die feindliche Flotte unterstützen." Damit wäre dann auch jemand dabei, der vor der Eisenkette an der Mündung weiß. Elessar hatte Faramir und Elphir bereits von seinem Blick in den Palantír berichtet, Ihnen aber auch geboten, dies vor den Westerosi geheim zu halten.

"Diese Schiffe verfügen über Geschütze, nicht wahr?", fragte Lady Melisandre. "Geschütze für feurige Geschosse?"

"Ja, gewiss", bestätigte Elphir. "Wir können mit unseren Ballisten auch große Brandpfeile abschießen. Warum fragt Ihr?"

"Ich habe etwas in den Flammen gesehen", raunte Melisandre, "unsere Feinde wollen uns mit Feuer bekämpfen. Doch wir werden siegen, wenn wir Feuer mit Feuer erwidern."

"Gut, dann werden sich Eure Schiffe an meinem Angriff beteiligen, Lord Elphir", entschied Stannis. "Viele meiner Schiffe haben auch Geschütze. Wenn es so kommt, wie Lady Melisandre sagt, werden wir Feuer mit Feuer erwidern und in die Stadt gelangen. Sobald wir in Königsmund sind, greifen wir mit allen verfügbaren Kräften den Roten Bergfried an. Wenn der Usurpator Joffrey und der Rest der Lannister-Brut in unserer Hand sind, wird uns niemand mehr Widerstand leisten."

"Was soll nach der Eroberung der Stadt mit den gefangenen Lannisters geschehen?", fragte Faramir.

"Sie sollten unsere Geiseln sein, auf dass Lord Tywin eher geneigt sein wird, sich zu ergeben!", antwortete Lord Eddard.

"Nein, wir haben bereits den Königsmörder und drei von Lord Tywins Neffen", bemerkte Stannis verächtlich. "Der Usurpator Joffrey, seine verkommene Mutter, seine Geschwister und der Gnom werden sterben und ich werde dem Volk ihre aufgespießten Köpfe zeigen!"

"Aber ich brauche Tyrion Lannister lebend, um den Anschlag auf meinen Sohn Bran aufzuklären!", protestierte Eddard. "Myrcella und Tommen sind unschuldige Kinder; gerade mal zehn und neun Jahre alt! Und wenn man es genau bedenkt, ist auch Joffrey mit vierzehn Jahren fast noch ein Kind."

"Ein Kind!", rief Stannis. "Habt Ihr schon vergessen, dass dieses Kind Euch töten wollte, Lord Stark? Denkt nur an all die Gerüchte, denen zufolge Joffrey Eure Tochter Sansa grausam misshandelt! Nein, Cerseis Kinder sind allesamt dem Inzest entsprungene Abscheulichkeiten."

Das könnte man auch von den Targaryen-Königen sagen, dachte Elessar, doch er unterbrach Stannis nicht, der fortfuhr:

"Abgesehen davon können alle Kinder von Cersei von meinen Feinden dazu benutzt werden, meinen rechtmäßigen Anspruch auf den Eisernen Thron zu bestreiten – so lange sie leben."

"Aber Euer Gnaden, wir können doch beweisen…", begann Eddard.

"…dass sie nicht Roberts Kinder sind?", beendete Stannis seinen Satz. "Sicher, wenn wir Roberts Bastarde vorzeigen könnten. Aber Edric Sturm ist in Sturmkap und der Schmiedejunge Gendry irgendwo auf dem Königsweg."

"Varys hat erwähnt, es gäbe acht Bastarde", warf Eddard ein.

Stannis schüttelte den Kopf. "Selbst wenn wir ein Dutzend dunkelhaariger Bastarde von Robert finden und vorzeigen, wird es neben Lord Tywin auch noch andere geben, die mich und Euch Lügner nennen und behaupten, Cerseis Kinder seien von Robert. Also gut, Lord Stark, ihr könnt den Gnom haben, solange Ihr ihn lebend braucht, aber Cersei und ihre Brut werden nicht geschont!"

"Euer Gnaden!", rief Elessar. "Es mag sein, dass Joffrey und Cersei den Tod verdient haben. Aber entspricht es Eurer Vorstellung von Gerechtigkeit, zwei unschuldige Kinder allein ihrer Abstammung wegen zu töten?"

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Stannis blickte Elessar finster an. "Wenn wir sie nicht töten, verlängert das den Krieg und dann sterben noch viel mehr Unschuldige. Es ist besser, dass zwei Kinder sterben als Hunderte oder gar Tausende. Viel Blutvergießen hätte vermieden werden können, wenn Lord Stark König Robert rechtzeitig verständigt und ihm die Wahrheit über Cerseis Kinder gesagt hätte, so dass mein Bruder seine verräterischen Gemahlin und ihre Bastarde beseitigt hätte. Ich werde mich jedenfalls nicht der Torheit des Erbarmens schuldig machen!"

"Wir sollten Joffrey und seine Geschwister lebendig verbrennen", schlug Melisandre vor. "Der Herr des Lichts wird erfreut sein und Euch belohnen, Euer Gnaden, wenn Ihr ihm königliches Blut opfert."

Elessar stockte der Atem, als er die Worte der Roten Frau vernahm. Er sah, wie Faramir vor Entsetzen blass wurde. Doch es war Lord Stark, der aufsprang und schrie: "Ihr wollt KINDER lebendig verbrennen, Priesterin? Seid Ihr des Wahnsinns, dass ihr sie so grausam ermorden wollt wie einst der Irre König meinen Vater? Euer Gnaden, das dürft Ihr nicht zulassen!"

"RUHE!", donnerte Stannis. "Was der König zulässt oder nicht, entscheidet der König und nicht seine Hand! Mäßigt Euch, Lord Stark, ich weise Lady Melisandres Vorschlag zurück! Priesterin, Euer Gerede von königlichem Blut bei Cerseis Kindern ist Unsinn! Habt Ihr vergessen, dass sie allesamt Bastarde des Königsmörders sind?"

Lord Stark setzte sich wieder. Aber trotz der deutlichen Rüge des Königs gab Melisandre nicht klein bei. "Euer Gnaden, Ihr müsst dem Herrn des Lichts trotzdem Opfer bringen. Roberts Bastarde haben doch königliches Blut! Wenn Ihr sie opfert…"

Nun sprang Elessar auf und wurde laut: "Lady Melisandre, dient Ihr dem Herrn des Lichts oder dem Großen Anderen? In unserer Welt gab es einst Menschen, die dem Dunkel und dem Schwarzen Feind huldigten. Götzendienerische Könige unter der Herrschaft der Dunklen Macht verbrannten Menschen lebendig, in Stolz und Verzweiflung ermordeten sie sogar sich selbst und ihre eigene Sippe! Wenn Ihr den König dazu bringt, die Kinder seines Bruders zu verbrennen, vollzieht Ihr den Willen dessen, den Ihr den Großen Anderen nennt."

Melisandre war angesichts des ungeheuerlichen Vorwurfs, den Elessar ihr machte, bestürzt und verwirrt. Ehe sie etwas erwidern konnte, wandte sich Elessar an Stannis und fragte: "Euer Gnaden, was würdet Ihr machen, wenn jemand Eure Tochter Sharin töten wollte?"

Stannis‘ Augen weiteten sich. "Wer es auch nur versucht, meiner Tochter etwas anzutun, wird sterben!", rief er grimmig. "Warum bringt Ihr Sharin ins Spiel, Euer Gnaden? Ihr wollt sie doch nicht etwa auf eine Stufe mit Roberts Bastarden stellen?"

"Gewiss nicht, Euer Gnaden", antwortete Elessar. "Aber Roberts Bastarde sind ebenfalls von Eurem Blute, daher müsst Ihr sie beschützen. Einem König, der nicht einmal für seine eigene Sippe sorgt, wird man weder vertrauen noch gehorchen."

"Also gut!", schnaubte Stannis. "Ich schwöre beim Herrn des Lichts, dass ich meines Bruders Kinder genauso beschützen werde wie meine eigene Tochter! Das sollte Euch genügen, Euer Gnaden. Was aber Cerseis Bastarde betrifft, so sind sie nicht von meinem Blute. Sie sollen nicht verbrannt werden, aber sie müssen sterben! Das ist mein letztes Wort!"

Elessar setzte sich wieder. Er war betroffen, dass Stannis so entschlossen war, neben Joffrey auch Myrcella und Tommen zu töten, doch erhob er keine weiteren Einwände, denn er spürte, dass Stannis sich jetzt nicht umstimmen ließe. Er hatte sich schon soweit mit der blutigen Geschichte der Sieben Königslande befasst, um zu wissen, dass die Ermordung adeliger Kinder in Westeros nichts Außergewöhnliches war. Er beschloss daher, ein anderes Thema anzusprechen:

"Euer Gnaden, was habt Ihr vor, wenn nach einer erfolgreichen Eroberung Königsmunds Lord Renly mit seinem großen Heer vor der Stadt erscheint und Anspruch auf den Eisernen Thron erhebt?"

"Es gilt, was ich Euch bereits zugesagt habe", antwortete Stannis. "Ihr werdet nicht gegen sein Heer kämpfen müssen. Ich werde mit Renly sprechen und dafür sorgen, dass sein Hochverrat ein Ende nimmt."

Elessar zog die Stirn in Falten. "Ihr wollt, dass er sein Knie vor Euch beugt. Aber was macht Ihr, wenn er sich weigert?"

"Das lasst meine Sorge sein, Euer Gnaden!", erwiderte Stannis. "Dieser große Hochverrat wird bald beendet sein – wie auch diese andere Verräterei im Norden!"

"Welche andere Verräterei?", fragte Elessar.

"Ach, Ihr wisst noch nicht davon", sagte Stannis, "Lord Stark, berichtet von diesem elenden Bastard, der Euch Sorgen bereitet!"

Eddard seufzte. "Ramsay Schnee, der Bastard von Bolton, hat Lady Donella Hornwald entführt und sie gezwungen, ihn zu heiraten. Lady Hornwalds Gemahl und ihr Sohn sind beide im Krieg gefallen und der Bastard will wohl durch die erzwungene Heirat ihre Ländereien an sich bringen. Mein Waffenmeister Ser Rodrik Cassel ist mit seinen Männern von Winterfell aufgebrochen, um sich um die Angelegenheit zu kümmern."

"Möge er den Verbrecher zur Strecke bringen und die Lady befreien!", rief Elphir. "Aber warum sollte uns dies Sorgen bereiten?"

"Der Vater von Ramsay Schnee ist Roose Bolton, der Lord von Grauenstein", erklärte Eddard. "Lord Bolton ist ein undurchschaubarer, kühl berechnender Mann, dem ich nicht so recht vertraue. Ich weiß nicht, ob sein Sohn auf eigene Faust oder in Absprache mit seinem Vater vorgegangen ist. Derzeit ist Lord Bolton mit zehntausend Männern in den Flusslanden. Ich weiß nicht, wie er reagieren wird, wenn sein Sohn von uns bestraft wird."

"Lord Bolton muss seine Treue beweisen!", entschied Stannis. "Ich werde ihm befehlen, dass er Harrenhal angreift. Diese Festung sollte zu erobern sein, da Lord Tywins Heer nach Westen abgezogen ist. Außerdem müssen seine eigenen Männer dabei helfen, seinen Bastard zur Strecke zu bringen. Je nachdem, wie er auf diese Befehle reagiert, werden wir ja sehen, ob er treu oder ein Verräter ist."

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Theon I

In dieser Nacht war es endlich so weit. Theon würde zeigen, dass auch er ein großer Feldherr und Eroberer war.

Nach dem Sieg in der Schlacht von Ochsenfurt hatte Theon Robb bedrängt, ihm eine solche Gelegenheit zu geben. "Ich hätte mit meines Vaters Flotte Lannisport und Casterlystein angegriffen, wenn der König und dein Vater es mir erlaubt hätten!" So hatte er sich beklagt und schließlich hatte Robb ihm den Befehl über zweitausend Männer übertragen. Theon sollte zusammen mit Kleinjon Umber und dem Schwarzen Walder die Burg Hochklipp, den Sitz des Hauses Westerling erobern.

Es war Nachmittag, als sie in die Nähe der Burg kamen. Theon schickte einige Späher voraus, die nach ihrer Rückkehr berichteten, dass sie auf den verfallenen Mauern nur wenige Wachen gesehen hatten. Nachdem die Sonne über dem Meer der Abenddämmerung untergegangen war, marschierte die Heerschar in die Nähe von Hochklipp. Theon, der mit Schwert und Schild bewaffnet war, gab den Befehl zum Angriff, sobald er die verfallene Festung erblickte. "Vorwärts!" rief er. "Für König Stannis!"

Schreiend stürmten die Soldaten zur Burg. Kleinjon Umber und der Schwarze Walder ließen ihre Männer die Mauer mit hohen Leitern stürmen, während Theon den Angriff auf das Tor befehligte. Mehrere Männer schwangen einen Rammbock, während ihre Kameraden ihnen mit ihren Schilden Deckung vor den heranfliegenden Pfeilen gaben. "Zerstört das Tor!", rief Theon den Männern zu.

Zunächst widerstand das Tor dem Rammbock, doch nach dem vierten Schlag begann es zu splittern. Nach einigen weiteren Schlägen zerbarst das Tor. Triumphierend hob Theon sein Schwert. "Zum Angriff! Hinein! AAAAAH!"

Sein Triumphgeheul verwandelte sich in einen Schmerzensschrei, als ein Pfeil seinen rechten Oberarm traf. Er ließ sein Schwert fallen. Die Nordmänner hielten inne, doch Theon schrie: "In die Festung! Greift an!"

Die Soldaten stürmten darauf durch das zerstörte Tor in den Burghof. Theon biss die Zähne zusammen und brach den Pfeil ab. Er war zu seinem Glück nicht tief in den Arm eingedrungen, doch Theon zog ihn nicht heraus, denn er wusste, dass er dadurch sehr stark bluten könnte. Er hob sein Schwert auf und folgte seinen Männern in den Hof, der von einigen Fackeln an den Mauern beleuchtet wurde. Die Angreifer sahen vor sich nur eine kleine Schar von Verteidigern, die zum Bergfried in der Mitte des Hofes zurückwichen. Die Mauer war bereits gestürmt worden.

"Widerstand ist zwecklos!", schrie Theon. "Ergebt euch, oder wir machen euch alle nieder!"

"Gnade, wir ergeben uns!", rief ein breitschultriger, graubärtiger Offizier unter den Westerling-Männern. Er ließ seine Waffen fallen und die anderen Verteidiger taten es ihm nach.

Theon schritt zu dem Graubart. Die meisten Verteidiger der Burg hatten Waffenröcke und Schilde mit dem Zeichen der sechs Muscheln der Westerlings, doch dieser ältere Mann trug ein anderes Wappen, das Theon nicht kannte. Was soll das sein? Drei Pfefferstreuer?

"Im Namen von König Stannis Baratheon nehme ich Burg Hochklipp in Besitz", rief Theon. "Und wer seid Ihr, Ser?"

"Ser Rolph Spezer, Kastellan von Hochklipp", antwortete der ältere Mann. "Wir vertrauen uns Eurer Gnade an, Lord Robb. Aber wollt Ihr Euch… äh nicht erst um Eure Verwundung kümmern?"

Er hält mich für Robb! Das gefällt mir! Theon dachte gar nicht daran, das Missverständnis aufzuklären.

"Ja, gleich!", erwiderte Theon "Sind die Angehörigen des Hauses Westerling in der Burg, Ser Rolph?"

"Lady Sybelle Westerling, und ihre Kinder sind hier im Bergfried", antwortete Ser Rolph. "Ich bitte um Gnade, denn sie sind meine Schwester, meine Neffen und Nichten."

"Es wird ihnen kein Leid geschehen", versprach Theon. "Ich werde ihnen meine Aufwartung machen, sobald meine Verletzung verbunden ist."

Theon gab den Befehl, die entwaffneten Westerling-Männer einzusperren. Er ließ den Pfeil von einem Feldscher der Umbers herausziehen und die Wunde waschen und verbinden. "Ser Rolph hält Euch für Robb Stark", wisperte Kleinjon ihm unterdessen zu. "Wollt Ihr das nicht richtigstellen?"

"Gewiss, aber nicht sofort!" Theon grinste, auch wenn Kleinjon ihn finster und missbilligend anschaute.

Nachdem der Feldscher den Verband angelegt hatte, ließ Theon sich von Ser Rolph in den Bergfried zu Lady Sybelle Westerling führen. Die Lady, eine stattliche ältere Frau begrüßte Theon als "Lord Robb Stark" und stellte ihm ihre Kinder vor: Die Mädchen hießen Jeyne und Eleyna, die Knaben Raynald und Rollam. Theons Blick ruhte vor allem auf der hübschen Jeyne, die er auf etwa siebzehn Jahre schätzte. Lady Sybelle erkundigte sich nach ihrem Gemahl und Theon berichtete ihr, dass Lord Gawen Westerling wohlauf sei und als Gefangener der Mallisters in Seegart befand. Schließlich verabschiedete sich Theon mit einigen höflichen Worten, wobei er immer noch verschwieg, dass er nicht Robb Stark war.

Am nächsten Tag stellte er zu seinem Missvergnügen fest, dass sich seine Verletzung entzündet hatte. Er erwähnte dies gegenüber Lady Sybelle, die ihm darauf zu seiner Überraschung anbot, dass er im Zimmer ihrer Tochter Jeyne wohnen könnte, diese würde unterdessen bei ihrer Schwester bleiben. Theon nahm das Angebot dankend an. Später schickte er einen Boten zu Robb, damit dieser von der erfolgreichen Eroberung erfuhr.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Abends ging Theon in Jeynes Zimmer. Sogleich legte er sich ins Bett. Nach all den Mühen der vergangenen Tage freute sich Theon auf eine erholsame Nacht, als er einen brennenden Schmerz an seinem verletzten Arm spürte. Verdammt, ich habe den Verband nicht wechseln lassen! Jetzt muss ich wieder hinaus zum Feldscher.

Er setzte sich auf, als es an der Tür klopfte. Jeyne Westerling trat mit einer Schüssel voll warmen Wasser in der Hand und einem Bündel unter dem Arm ein. "Guten Abend, Mylord!", grüßte sie schüchtern.

"Guten Abend, Lady Jeyne!", erwiderte Theon ihren Gruß. "Womit kann ich Euch dienen? Falls Ihr doch lieber in Eurem eigenen Bett schlafen wollt, hätte ich nichts dagegen. Hier ist genug Platz für zwei!" Er grinste frech, aber Lady Jeyne errötete und senkte ihren Blick.

"Ich sollte mich eigentlich um Eure Wunde kümmern", sagte sie leise. "Darum habe ich Verbandszeug und eine Salbe dabei."

"Das ist gut!", rief Theon erfreut. "Verzeiht mir meinen dummen Scherz! Ich wollte Euch nicht in Verlegenheit bringen. Kommt bitte, denn ich brauche unbedingt einen neuen Verband."

Lady Jeyne legte Schüssel und Bündel ab und trat ans Bett, auf dem Theon immer noch saß. "Würdet Ihr bitte Euren Arm freimachen?", fragte sie.

"Aber gerne", antwortete er. Er zog das Hemd aus, so dass sie seinen nackten Oberkörper zu sehen bekam. Lady Jeyne machte zunächst große Augen und schaute ihn mit einer Mischung aus Neugier und Scheu an, doch dann setzte sie sich zu Theon. Sie entfernte seinen alten Verband, wusch seine Wunde und holte aus ihrem Bündel eine Dose mit einer weißen Salbe, die sie vorsichtig auf seine Wunde auftrug.

Die Salbe kühlte seine Verletzung. "Ja, das tut gut, sehr gut!", brummte Theon zufrieden. Lady Jeyne lächelte schüchtern, während sie einen neuen Verband anlegte. Als sie damit fertig war, wollte sie aufstehen, doch Theon hielt sie an ihrem Handgelenk fest.

"Nicht so schnell, Mylady", sagte er. "Euch gefällt doch, was Ihr seht? Ihr dürft auch meinen gesunden Arm anfassen, wenn Ihr wollt!" Lady Jeyne errötete erneut. "Ja, Ihr seid ein gut aussehender Mann, Mylord", brachte sie heraus und berührte scheu Theons linken Oberarm.

"Ihr könnt noch mehr von mir sehen und berühren, wenn Ihr wollt", sagte Theon keck, "aber dafür will ich auch Euch berühren und sehen!" Er fasste ihre Schultern, um sie an sich zu ziehen und zu küssen. Doch sie riss sich plötzlich los und sprang auf.

"Mylord!" rief sie. "Ihr vergesst Euch! Ich bin eine Jungfrau aus einem stolzen, altehrwürdigen Geschlecht und keine gemeine Magd, mit der Ihr einfach so Euren Spaß haben könnt!"

Theon verdrehte enttäuscht die Augen. "Ihr Westerlings seid vielleicht ein altes Geschlecht, aber mittlerweile auch ein ziemlich unbedeutendes. Wir Graufreuds hingegen…"

"Graufreud!?!", rief Lady Jeyne entsetzt. "Ihr seid gar nicht Robb Stark, sondern einer dieser abscheulichen Seeräuber? Lügner! Betrüger!"

"Was? Ich, nein, äh…" Theon geriet ins Stottern. Oh, verflucht! Theon, du Dummkopf!

"Hinaus aus meinem Bett! Hinaus aus meinem Zimmer!", schrie sie ihn empört an.

Nun war es Theon, der rot anlief. "Ich bitte um Vergebung, Mylady!", sagte er kleinlaut, "ja, ich bin Theon Graufreud, Erbe der Eiseninseln. Dass ich mich als Robb Stark ausgegeben habe, war… äh… eine Kriegslist. Die Gefolgsleute der Lannisters sollten glauben, Robb Stark könnte gleichzeitig an mehreren Orten sein." Was für eine dämliche Ausrede. Das glaubt sie mir nie!

"Euer dummer Krieg interessiert mich nicht!", rief Lady Jeyne. "Verschwindet endlich!"

"Aber Eure Hohe Mutter hat mir doch zugesagt…"

"Meine Hohe Mutter hat mir befohlen, mein Zimmer Robb Stark zu überlassen!", unterbrach sie ihn. "Aber er ist nicht hier! Und Euch will ich nie wieder sehen! Hinaus mit Euch, oder ich hole meine Mutter!"

Theon murmelte weitere Entschuldigungen, nahm seine Sachen und verließ frustriert Lady Jeynes Zimmer, um bei seinen Männern zu übernachten.

Am nächsten Morgen schlich er unschlüssig um den Bergfried herum und überlegte, ob und wie er sich bei Lady Sybelle entschuldigen sollte. Die kleine Jeyne hat mich sicher schon bei ihrer Mutter verpetzt. Aber nein, sie sind meine Gefangenen! Bei denen entschuldige ich mich nicht!

Er ballte seine rechte Hand zur Faust und macht eine schwungvolle Armbewegung, doch gleich darauf verzog er schmerzverzerrt sein Gesicht. "Verdammte Wunde!", fluchte er.

"Einen verletzten Arm sollte man schonen, Mylord", sagte hinter ihm eine Frauenstimme mit einem fremdländischen Akzent.

Theon wandte sich um und erblickte eine junge Frau in einfacher Kleidung. Sie war eine atemberaubende Schönheit mit schwarze Haaren und braunen Augen.

"Wer seid Ihr, Mylady?", fragte Theon. "Ihr seid gewiss nicht von hier?"

"Ihr habt Recht, ich bin nicht aus Westeros", antwortete sie, "Die Freie Stadt Volantis ist meine Heimat. Ich habe mich hierher begeben, denn wo ihr kriegslüsternen Helden Eure Schlachten schlagt und Menschen sinnlos getötet und verstümmelt werden, gibt es viel zu tun für wandernde Heiler wie mich."

Theon missfiel, wie die junge Frau über den Krieg sprach, doch andererseits beeindruckte ihn ihr Selbstbewusstsein. "Wir kämpfen für eine gerechte Sache!", stellte er fest. "Und wenn Ihr eine Heilerin seid: Würdet Ihr Euch auch um die Verletzung eines kriegslüsternen Helden – oder wie ich hier auch schon genannt wurde – eines abscheulichen Seeräubers kümmern? Habt Ihr eine Heilsalbe?"

"Selbstverständlich habe ich Salben", antwortete die Heilerin, "und ich werde mir Eure Verletzung anschauen. Doch warum sollte man Euch Seeräuber nennen, Mylord?"

"Ich bin Theon Graufreud, Erbe der Eiseninseln, wenn Euch das etwas sagt. Wie ist Euer Name?"

"Talisa Maegyr, Mylord."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Die Tochter des Kraken

Es war Mittag, als Asha von Groß Wiek heimkehrte, doch wie an so vielen Tagen bedeckten Wolken den Himmel über den Eiseninseln und kein Sonnenstrahl fiel auf die düstere und trostlose Festung Peik. Als sie das Tor erreichte, sagten ihr die Wachen, sie solle sich unverzüglich zum Seeturm begeben. Ihr Vater erwarte sie zu einer Besprechung mit seinen Brüdern Victarion und Aeron.

Asha nickte und schritt zum Bergfried. Sie ahnte, was ihr Vater mit ihr und ihren Onkeln besprechen wollte. Es würde gewiss darum gehen, wie die Eiseninseln in den Krieg eingreifen sollten, der nach dem Tod König Roberts ausgebrochen war. Vielerlei Berichte von den Kämpfen in den Grünen Landen waren auf den Eiseninseln vernommen worden. Dabei war Asha auch zu Ohren gekommen, dass ihr Bruder Theon an der Seite von Robb Stark für Stannis Baratheon kämpfte. "Ausgerechnet für Stannis", dachte Asha, als sie den Seeturm erreichte und die Wendeltreppe hinaufstieg. Sie erinnerte sich daran, welchen entscheidenden Anteil König Roberts Bruder bei der Niederschlagung der Graufreud-Rebellion vor zehn Jahren gespielt hatte.

Schließlich betrat Asha das Solar ihres Vaters. Balon Graufreud saß am Besprechungstisch, ebenso Victarion, Lord Kapitän der Eisernen Flotte und der Priester Aeron, der auch Feuchthaar genannt wurde. "Vater", sagte Asha, worauf der Lord der Eiseninseln kurz aufblickte.

"Setze dich zu uns, Tochter!", gebot Lord Balon, worauf sie Platz nahm. "Hast du die neuesten Berichte von den Kämpfen in den Westlanden gehört?"

"Gewiss, Vater", antwortete Asha. "Der junge Wolf hat den Lannisters eine schwere Niederlage zugefügt. Es heißt, er würde demnächst Casterlystein angreifen und er könnte es wohl auch einnehmen."

Lord Balon schüttelte den Kopf. "Casterlystein ist noch nie eingenommen worden."

"Bis jetzt, ja", räumte Asha ein, "aber was passiert, wenn die Festung vom Land und von der See aus angegriffen wird? Wenn wir an der Seite der Starks in den Krieg eingreifen…"

"Nein!", rief ihr Vater. "Du erwartest doch nicht, dass wir für Stannis Baratheon und Ned Stark kämpfen? Für jene Männer, die vor zehn Jahren unsere Rebellion niederschlugen und deine Brüder Rodrik und Maron töteten?"

"Wofür sonst sammeln wir unsere Langschiffe?", fragte Asha. "Wie wollt Ihr Euch zum König von Salz und Fels ausrufen, wenn Ihr nicht den Eisernen Preis bezahlt, wie es der Alte Weg gebietet?"

Lord Balon blickte seine Tochter finster an. "Ich werde mir ein Königreich mit Feuer und Schwert holen, aber wohl eher nicht im Westen. Casterlystein ist zu mächtig und Lord Tywin zu hinterlistig. Lies das hier, Mädchen!" Er reichte ihr einen Brief.

Asha nahm ihn und las:

An Balon aus dem Hause Graufreud, Lord der Eiseninseln

Höchst ehrenwerter Lord Balon,

im Namen des rechtmäßigen Königs Joffrey ersuche ich Euch um Euren Beistand im Kampf gegen die Verräter Stannis und Renly und zum Angriff auf die Weite. Die meisten Streitkräfte der Tyrells und ihrer Gefolgsleute sind mit Lord Renly in den Krieg gezogen. Die Küste der Weite von Alteich bis Sonnheim ist nur noch schwach bemannt. Was immer Ihr in der Weite erbeutet und erobert, soll rechtmäßig Euch gehören. Außerdem erhaltet Ihr nach einem erfolgreichen Angriff als Dank für Eure Verdienste eine Million Golddrachen. Durch einen Angriff auf Renly Baratheon würdet Ihr mir die Gelegenheit geben, Stannis Baratheon und Eddard Stark zu vernichten – jene Männer, die für den Tod Eurer beiden älteren Söhne verantwortlich sind.

Gezeichnet mit Wappen und Siegel von Tywin aus dem Hause Lannister,
Hand des Königs, Lord von Casterlystein und Wächter des Westens


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Nun war es Asha, die den Kopf schüttelte. "Hinterlistig ist Lord Tywin zweifellos. Aber dies ist ein vergiftetes Angebot. Wenn wir jetzt die Küste der Weite überfallen, legen wir uns mit Renly an – dem mächtigsten unter den Lords, die sich König nennen. Und wenn wir für Lord Tywins Gold in den Krieg ziehen, sind wir nichts weiter als seine Söldner."

"Das weiß ich längst!", bellte Lord Balon, "Ich habe auch nicht vor, so zu handeln, wie es Lord Tywin von mir erwartet. Dieser Brief sollte dir nur zeigen, wie hinterhältig er ist. Nein, meine Pläne gehen in eine andere Richtung. Victarion, erkläre dem Mädchen, was wir vorhaben."

"Nicht nur die Küsten der Weite sind ungeschützt", sagte Victarion. "Der junge Wolf hat fast alle Krieger des Nordens in den Krieg geführt."

"Den Norden angreifen?", rief Asha überrascht. "Was geschieht dann mit Theon? Werden die Starks ihn nicht töten? Vater, er ist Euer einzig verbliebener Sohn."

"Mein Sohn!", schnaubte Lord Balon. "Ist er das noch? Ich weiß nicht, ob ich ihn wiedererkennen würde. Haben die zehn Jahre in Winterfell ihn nicht längst zum Wolf gemacht?"

"Er ist von Eurem Blute!", erwiderte Asha. "Wenn wir die Starks angreifen und sie ihn deswegen töten, wäre es, als ob wir ihn selbst ermordet hätten. Was würden unsere Leute davon halten, wenn Ihr Euren letzten Sohn dem Tode preisgebt? Würde der Ertrunkene Gott uns dafür nicht hassen?"

"Das ist gewiss!", räumte Aeron Feuchthaar ein. "Niemand ist so verflucht wie der Sippenmörder."

"Ja, in der Tat", stimmte Victarion zu. "Ich erinnere mich da an ein Versprechen, dass ich vor zwei Jahren geben musste…"

"Darüber brauchen wir nicht zu reden!", unterbrach ihn Lord Balon. Dennoch ahnte Asha, worum es ging: Lord Balon hatte Victarion das Versprechen abgerungen, dass er niemals seinen Bruder Euron töten würde, obwohl dieser Victarions Salzweib vergewaltigt hatte.

"Falls Theon stirbt, dann durch die Hand der Nordmänner", fuhr Lord Balon fort. "So wie vor ihm seine Brüder. Was tot ist, kann niemals sterben!"

"Doch erhebt es sich von Neuem, stärker und härter!", ergänzte Feuchthaar. "So bist du trotz der Gefahr für deinen Sohn entschlossen, den Norden anzugreifen, Balon?"

"Ich werde den Eisernen Preis bezahlen!", knurrte Lord Balon, doch Asha meinte eine leichte Unsicherheit in der Stimme ihres Vaters zu hören.

"Wenn wir wegen Theon nicht den Norden angreifen, dann eben doch die Weite!", sagte Victarion grimmig. "Wir könnten mit den Schildinseln anfangen. Sind diese erobert, könnte ich die Eiserne Flotte den Mander hinauf bis nach Rosengarten führen, während die Tyrells noch für den jungen Hirsch gegen die Lannisters Krieg führen!"

"Torheit!", rief Asha. "Es wäre eine Torheit, genau das zu tun, was Tywin Lannister von uns wünscht. Der alte Löwe mag listig und schlau sein, doch sein Brief zeigt auch, wie verzweifelt er ist. Warum bittet er ausgerechnet jene um Hilfe, die vor zehn Jahren sein Land überfielen? Weil er diesen Krieg gerade verliert! Zwei mächtige Hirsche und der junge Wolf haben den Löwen in die Enge getrieben und für ihn gibt es kein Entkommen. Wir wären töricht, wenn wir auf Seiten des Verlierers in den Krieg ziehen."

"Wenn wir in den Krieg ziehen, dann auf niemandes Seite!", sagte Feuchthaar. "Wir kämpfen für uns selbst, nicht für irgendwelche Lords aus den Grünen Landen. So verlangt es der Alte Weg!"

"Wir sollten nicht alleine kämpfen, Onkel!", widersprach Asha. "Die Eiseninseln können nicht gleichzeitig gegen alle Könige und Lords der Grünen Lande bestehen. Wenn diese Rebellion mehr Erfolg haben soll als jene vor zehn Jahren, brauchen wir Verbündete."

"Und wer sollen diese Verbündeten sein?", fragte Lord Balon. "Ich bleibe dabei, dass ich mich auf keinen Fall mit Stannis Baratheon verbünden werde. Du wiederum willst kein Bündnis mit den Lannisters."

"So ist es!", sagte Asha. "Aber auch ich will kein Bündnis mit Stannis. Nein, ich rate, dass wir uns mit Renly Baratheon verbünden. Der junge Hirsch war vor zehn Jahren noch ein Knabe und daher nicht an der Niederschlagung unserer Rebellion beteiligt, daher gibt es keinen Grund, einen Groll gegen ihn zu hegen. Jetzt ist er dank seines Bündnisses mit den Tyrells der mächtigste König in den Grünen Landen. Er wird den Krieg gewinnen!"

"Kannst du neuerdings in die Zukunft sehen, Mädchen?", fragte Lord Balon mürrisch. "Renly mag das größte Heer haben, aber das bedeutet noch lange nicht, dass er den Krieg gewinnt."

"Wir könnten natürlich noch abwarten, wer den Krieg gewinnt." Asha zuckte mit den Schultern. "Oder wir greifen die Lannisters an und bieten Renly ein Bündnis."

Lord Balon schaute seine Tochter finster und nachdenklich an, doch er widersprach ihr nicht.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Erchirion I

Das sind keine Handelsschiffe!

Argwöhnisch beobachtete Erchirion die fünf Schiffe, die von Königsmund kommend in nordöstlicher Richtung fuhren. Seit mehreren Tagen waren die acht Schiffe aus Dol Amroth nördlich von Drachenstein im Einsatz, um die von Stannis angeordneten Überprüfungen durchzuführen. Doch abgesehen von Stannis' und Elessars Flotten waren nur wenige Handelsschiffe unterwegs, die sich widerstandslos anhalten und überprüfen ließen. Die Händler berichteten, dass es in Königsmund nur noch wenig zu essen gebe, das gemeine Volk hungerte und die Lannisters verfluchte.

An diesem Tag war Erchirion nicht an Elphirs Seite auf der Mithrellas, sondern an Bord der Schwanenkraft, um in seiner Eigenschaft als stellvertretender Kommandant das Schiff und seine Besatzung zu inspizieren. Während dieser Inspektion wurden die Schiffe gemeldet, die aus Königsmund kamen.

Mittlerweile konnte Erchirion sie deutlich erkennen. "Das sind Kriegsgaleeren!" meinte Ardil, der Kapitän der Schwanenkraft. "Ja, fürwahr", stimmte Erchirion zu. "Und es sind keine uns bekannten aus Stannis' Flotte. Diese Schiffe gehören zur Streitmacht des falschen Königs Joffrey."

Natürlich waren die feindlichen Galeeren auch auf den anderen Schiffen aus Dol Amroth bemerkt worden. Ein Hornsignal ertönte von der Mithrellas und befahl Kampfbereitschaft. Sofort brach auf der Schwanenkraft und den anderen Schiffen hektische Betriebsamkeit aus: Befehle wurden gerufen, Männer griffen zu ihren Waffen und die Geschütze wurden geladen.

Erchirion schaute auf die näher kommenden Galeeren. Vier von ihnen hatten gelbe Segel mit dem Wappen des schwarzen Hirsches das Hauses Baratheon, eine ein rotes Segel mit dem goldenen Löwen des Hauses Lannister. "Was haben sie vor?", fragte der Kapitän. "Wollen die uns mit nur fünf Galeeren angreifen?"

"Wir werden es gleich erfahren", meinte Erchirion. "Vielleicht ist das auch nur das vorderste Geschwader von Joffreys Flotte und es kommt noch mehr."

Der Verband aus Dol Amroth erwartete den Angriff der feindlichen Galeeren. Doch diese hielten nicht weiter auf die Schiffe aus Gondor zu, sondern wendeten nach Norden und näherten sich der Küste. Das ist kein Angriff. Eher eine Flucht.

Elphir schien zu der gleichen Schlussfolgerung gekommen zu sein, denn die Mithrellas setzte sich in Bewegung und fuhr in Richtung der feindlichen Schiffe. Erneut ertönte das Horn vom Flaggschiff von Dol Amroth und gab den Befehl, ihm zu folgen. Das Geschwader nahm daraufhin Fahrt auf.

Rasch näherten sie sich den fünf Galeeren, denn die Schiffe aus Gondor waren schneller. Erchirion erinnerte sich, dass er die größte Galeere mit dem Baratheon-Wappen schon einmal gesehen hatte: "So sieht man sich wieder! Das große Schiff dort hat uns nach der Befreiung von Eddard Stark in die Schwarzwasserbucht verfolgt."

"Kommandant Elphir scheint sich auch zu erinnern!", meinte Ardil. Von der Mithrellas flog ein feuriges Geschoss in Richtung der großen Galeere. Es landete mit deutlichen Abstand im Wasser. Erchirion fragte sich, ob diese Warnung verstanden wurde. Doch die feindlichen Schiffe fuhren zunächst mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Ein weiteres Geschoss wurde von der Mithrellas abgefeuert. Es landete wieder im Meer, allerdings diesmal deutlich näher an der großen Galeere.

Sie wurde langsamer und wendete. Werden sie sich jetzt ergeben? Erchirion hoffte noch, dass sich ein Kampf vermeiden ließ. Doch seine Hoffnung zerschlug sich, als von der Galeere ein Fass mit brennendem Pech in Richtung der Mithrellas abgeschossen wurde. Es landete allerdings weit vor dem Flaggschiff im Wasser. Eine weitere Galeere mit dem Baratheon-Wappen und das Lannister-Schiff verlangsamten ebenfalls ihre Fahrt.

Von der Mithrellas ertönte das Signal zum Angriff. "Auf in den Kampf!" rief Erchirion. Das Geschwader aus Dol Amroth formierte sich und fuhr mit höherer Geschwindigkeit in Richtung der feindlichen Schiffe. Auch von der Schwanenkraft und den anderen Schiffen aus Gondor wurden Geschosse abgefeuert. Eines davon traf mehrere Ruder der großen Galeere, die darauf zerbrachen. Einige Seeleute aus Dol Amroth jubelten.

Erchirion jubelte freilich nicht, denn ihm fiel auf, dass zwei der feindlichen Galeeren sich nicht dem Kampf stellten, sondern schnell weiter fuhren. "Die zwei wollen fliehen!", rief er dem Kapitän zu. "Wir verfolgen sie!"

Die Schwanenkraft scherte aus der Angriffsformation aus und wendete in die Richtung der fliehenden Galeeren. Das blieb jedoch auf der großen Galeere nicht unbemerkt. Plötzlich flog ein Geschoss über die Schwanenkraft und streifte das Segel, ehe es im Meer versank. Es hatte niemanden verletzt und nur geringen Schaden angerichtet, doch Erchirion hatte sich erschrocken geduckt. Er zuckte noch einmal zusammen, als er einen großen Knall aus der Richtung der großen Galeere hörte. Als die Seeleute um ihn herum jubelten, blickte er vorsichtig über die Reling und sah, dass das Deck des feindlichen Schiffs brannte. Wahrscheinlich ein Schuss von der Mithrellas. Danke, Elphir!

So konnte die Schwanenkraft die Verfolgung der beiden fliehenden Schiffe fortsetzen. Dies erwies sich freilich als schwierig, da die beiden Galeeren sehr schnell unterwegs waren. Die Ruderer aus Dol Amroth mussten sich mächtig ins Zeug legen, um den Abstand zu verringern. Doch schließlich war die langsamere der beiden Galeeren fast in Schussweite.

"Gebt einen Warnschuss ab!", befahl Erchirion.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Ein großer Stein wurde in die Richtung der Galeere abgeschossen und versank im Meer. Die Galeere floh weiter, doch die Schwanenkraft kam immer näher. Erchirion ließ noch einen Warnschuss abgeben, aber das Schiff floh weiter.

"Nicht einmal kämpfen wollen sie!", schimpfte Erchirion. "Feuert mit Brandgeschossen!" Mittlerweile war die feindliche Galeere in Schussweite. Erchirions Befehl wurde ausgeführt und das brennende Geschoss traf das Deck der Galeere, die in Brand geriet. Laute Schmerzens- und Todesschreie waren zu vernehmen. Doch Erchirion ließ unbarmherzig noch einmal schießen. Das Schiff wurde erneut getroffen und brannte nun lichterloh. Einige Männer sprangen von Bord und schwammen in Richtung der Schwanenkraft, die ihre Geschwindigkeit drosselte.

Plötzlich hörte Erchirion hinter sich ein Hornsignal. Er sah, dass ihnen ein weiteres Schiff aus Dol Amroth gefolgt war. "Die Pracht von Belfalas kommt gerade recht!", rief Ardil. "Die Kameraden könnten diese Überlebenden aus dem Meer fischen, während wir die letzte flüchtige Galeere verfolgen."

"Ja, das… nein, wir holen die Kerle aus dem Meer!", erwiderte Erchirion, als er sah, wie die überlebenden Feinde flehentlich die Arme zu ihm empor reckten. Er verspürte einen Anflug von Mitleid. "Die Pracht von Belfalas soll die Verfolgung übernehmen."

"Das kann schwierig werden", wandte Ardil ein. "Die Pracht von Belfalas ist noch hinter uns und das fliehende Schiff verschwindet schon bald am Horizont. Es ist verdammt schnell."

"Trotzdem!", wies Erchirion den Einwand des Kapitäns ab. "Gebt der Pracht von Belfalas das Signal zur Verfolgung und lasst Strickleitern zu diesen armen Kerlen hinunter. Aber haltet auch eure Waffen bereit, damit sie nicht auf dumme Ideen kommen." Das brennende Schiff begann unterdessen zu sinken.

Die Schwanenkraft wurde noch langsamer. Erchirions Befehl entsprechend wurden Strickleitern hinuntergelassen und einige der Schiffbrüchigen kletterten hoch. Als sie das Deck erreichten, sanken sie erschöpft zusammen. Die meisten von ihnen hatten ihre Waffen im Meer gelassen und leisteten keinen Widerstand gegen die Männer, die sie packten.

"Fesselt sie und bringt sie unter Deck!" befahl Erchirion. "Wartet, bringt den Kerl da zu mir. Ja, den mit dem roten Ochsen auf der Brust". Er zeigte auf einen braunhaarigen Mann mittleren Alters, den er für einen adeligen Offizier hielt.

Zwei Soldaten zogen den Mann hoch, auf den Erchirion gezeigt hatte und führten ihn zum Hauptmann. "Wer seid Ihr, Ser?", fragte Erchirion in der Gemeinen Zunge.

"Was kümmert Euch das, Söldner?", antwortete der Angesprochene trotzig.

"Söldner?", wiederholte Erchirion verärgert. Er packte den Mann mit seiner linken Hand an der Kehle.

"Ihr werdet jetzt meine Fragen beantworten, Ser, oder wir werfen Euch zurück ins Meer, um Euch an die Fische zu verfüttern! Und kommt nicht noch einmal auf die Idee, Erchirion, Imrahils Sohn, stellvertretender Kommandant der Streitkräfte von Dol Amroth und Hauptmann der Schwanenritter, einen Söldner zu nennen! Raus mit der Sprache, wie ist Euer Name und warum habt Ihr Königsmund verlassen?"

"Gnade…Ser…Mylord!", erwiderte der Mann. "Ich bin Ser Jason Prester, Erster Offizier der Wagewind… des Schiffes, das Ihr versenkt habt. Wir hatten Befehl, Euch auszweich… äh… anzugreifen, und haben uns für die Flucht entschieden…"

"Flucht? Warum seid Ihr nicht nach Königsmund umgekehrt?"

"Wir äh, wir mussten… durften nicht…", stotterte Ser Jason. "Es gab da Befehle… ich…"

Erchirion hatte den Eindruck, dass der Mann ihn hinhalten wollte. So ergriff er auch mit der rechten Hand Ser Jasons Kehle. "Wenn Ihr mir nichts Nützliches verraten wollt, kann ich Euch ja erwürgen, bevor wir Eure Überreste ins Wasser schmeißen!" Er schloss seinen Griff um den Hals des Ritters.

"Gnade!", keuchte Ser Jason. "Ich sage alles!"

Erchirion lockerte seinen Griff. "Ich höre!"

"Auf der Seeschwalbe, dem fliehenden Schiff, ist Prinzessin Myrcella, die Schwester des Königs. Wir sollten sie nach Braavos bringen. Im Falle eines Angriffs durch Stannis' Leute sollten die anderen drei Schiffe die Angreifer in ein Gefecht verwickeln und die Seeschwalbe und die Wagewind die Flucht ergreifen." Die Worte sprudelten geradezu aus dem Ritter heraus.

"Prinzessin Myrcella!" Erchirion ließ Ser Jason los, der darauf erleichtert keuchte und nach Luft schnappte.

Der Fürstensohn blickte zum Meer. Mittlerweile war die Pracht von Belfalas an der Schwanenkraft vorbei gefahren und hatte die Verfolgung der Seeschwalbe aufgenommen, die freilich schon sehr weit weg war. Erchirion erinnerte sich daran, was Stannis bei der Besprechung vor einigen Tagen über die beiden jüngeren Geschwister von Joffrey gesagt hatte.

"Bringt den Kerl weg!", befahl er seinen Männern. Nachdem Ser Jason weggeführt worden war, wandte sich Erchirion an Ardil: "Ruft die Pracht von Belfalas zurück! Sie soll die aussichtslose Verfolgung abbrechen! Wir kehren zurück in die Schlacht!"

"Was?", rief der Kapitän überrascht. "Bei allem Respekt, aber die Verfolgung ist nicht aussichtlos. Und in der Schlacht kämpften sechs unserer Schiffe gegen drei von denen! Sie werden auch ohne uns gewinnen."

"Gebt das Signal zur Rückkehr! JETZT!", gebot Erchirion in einem scharfen Ton, der keinen Widerspruch duldete.

Grummelnd ließ Ardil das Hornsignal geben. "Auf Eure Verantwortung!", ließ er Erchirion wissen. "Natürlich!", erwiderte Erchirion. "Ich werde meinem Bruder alles berichten und die volle Verantwortung übernehmen." Wahrscheinlich nicht nur vor meinem Bruder, sondern auch vor dem Truchsess und dem König, fügte er in Gedanken hinzu.

Die Pracht von Belfalas machte kehrt, ebenso die Schwanenkraft. Sie fuhren nach Süden in die Richtung einer Rauchsäule, die am Horizont zum Himmel stieg. Erchirion fragte sich, ob Elphir doch Hilfe im Kampf gegen die übrigen feindlichen Schiffe benötigte. Doch als die Schwanenkraft ihrem Ziel näherkam, sah er, dass das Gefecht vorbei war.

"Ihr hattet Recht", sagte Erchirion zum Kapitän. "Elphir hat auch ohne uns gewonnen."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir V

Angespannt betrat Faramir die Kammer der bemalten Tafel. Elessar hatte den Truchsess in die Festung geschickt, um König Stannis von der erfolgreichen Seeschlacht zu berichten. Doch Faramir war nervös, da er neben dem Erfolg auch etwas berichten musste, das Stannis gewiss nicht gefallen würde.

In der Kammer warteten Stannis, Eddard und Ser Davos. Lady Melisandre war nicht anwesend und Faramir wurde bewusst, dass er die Rote Frau seit dem heftigen Streit bei der Besprechung der beiden Könige nicht mehr gesehen hatte. Geht sie uns aus dem Weg oder ist sie fort?

"Willkommen, Fürst Faramir!", sagte der König. "Nehmt Platz! Wir hörten, dass Kommandant Elphir mit seinem Geschwader siegreich war. Warum ist er nicht selbst gekommen, um von seinem Erfolg zu berichten?"

Faramir setzte sich und antwortete: "Kommandant Elphir ruht sich aus. Ihr werdet verstehen, dass er wie seine Männer nach dem Kampf erschöpft ist, zumal er bereits König Elessar und mir Bericht erstatten musste."

"Ich verstehe." Stannis nickte. "Also, berichtet, was auf See geschehen ist."

"Wie Ihr wünscht. Heute Morgen hat das Geschwader von Dol Amroth westlich von hier fünf Galeeren aus der feindlichen Flotte gesichtet, die aus der Richtung von Königsmund kamen. Sie versuchten, unseren Schiffen auszuweichen, worauf Kommandant Elphir die Verfolgung aufnahm. Als er die feindlichen Galeeren fast eingeholt hatte, gab er zwei Warnschüsse ab. Drei der Galeeren wendeten darauf und griffen unsere Schiffe an."

"Wisst Ihr, um welche Galeeren es sich handelte?", fragte Davos.

"Ja", antwortete Faramir, "wir haben es von den Gefangenen erfahren. Die drei Schiffe, die gegen uns kämpften waren die König Roberts Hammer, die Löwenstern und die Lady Lyanna."

"König Roberts Hammer?", rief Eddard. "Das Flaggschiff der königlichen Flotte! Was ist mit dieser Galeere geschehen?"

"Sie wurde versenkt", antwortete Faramir. "Ebenso die Löwenstern. Die Lady Lyanna wurde nur leicht beschädigt und ist jetzt in unserer Hand. Die Besatzung hat sich ergeben, nachdem die beiden anderen Schiffe lichterloh brannten."

"Eure Leute haben die König Roberts Hammer versenkt?", rief Davos erstaunt. "Das war ein gewaltiges Schiff. Aber warum hat Tyrion Lannister es mit so wenigen anderen Galeeren in die Schlacht geschickt?"

"Und was ist mit den beiden übrigen Galeeren?", fragte Stannis. "Sie haben sich nicht dem Kampf gestellt?"

"Nein, sie haben die Flucht ergriffen", berichtete Faramir. "Bei diesen Galeeren handelte es sich um die Wagewind und die Seeschwalbe. Zwei Schiffe aus unserem Geschwader, die Schwanenkraft und die Pracht von Belfalas, nahmen die Verfolgung auf. Die Wagewind wurde von der Schwanenkraft eingeholt und versenkt, aber…" Er zögerte kurz. "Die Seeschwalbe konnte in nordöstlicher Richtung entkommen.“

"Die Seeschwalbe ist ein sehr schnelles Schiff", meinte Davos. "Bei drei versenkten und einer erbeuteten Galeere braucht Ihr Euch wegen der einen entkommenen nicht grämen, Fürst Faramir."

"In der Tat", stimmte Eddard zu. "Oder gab es etwas Wichtiges auf dem einen Schiff, das entkommen ist?"

"Ja, dort war jemand", räumte Faramir verhalten ein. "Tyrion Lannister hat die fünf Galeeren nicht in die Schlacht geschickt, sondern zu einem anderen Zweck entsandt: Auf der Seeschwalbe befindet sich Prinzessin Myrcella. Sie sollte nach Braavos gebracht werden. Die anderen Schiffe fuhren als Geleitschutz mit."

"WAS!", rief Stannis. "Ausgerechnet das Schiff mit dem Mädchen ist entkommen? Wie konnte Kommandant Elphir das zulassen?"

"Er wusste nichts davon", erklärte Faramir. "Dass sich Myrcella auf dem fliehenden Schiff befunden hatte, erfuhr Elphir erst, nachdem es bereits zu spät war." Tatsächlich hatte Erchirion Elphir alles berichtet, als die Seeschwalbe bereits aufs offene Meer hinaus gefahren war.

"Dann hat uns der Gnom erfolgreich hinters Licht geführt", schnaubte Stannis. "Aber mit dem Verlust des Flaggschiffs seiner Flotte hat er immerhin einen hohen Preis bezahlt. Nun, es ist nicht mehr zu ändern. Um das Mädchen werden wir uns kümmern, wenn ich den Eisernen Thron errungen habe. Jetzt aber müssen wir unseren Angriff vorbereiten."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir entspannte sich innerlich ein wenig, da Stannis nicht weiter über das entkommene Schiff sprach. Er sah auch in Eddards Gesicht einen Anflug von Erleichterung.

"Tyrion Lannister bereitet sich auch auf unseren Angriff vor", sagte Faramir schließlich. "Wir haben von Gefangenen erfahren, dass er an der Mündung des Schwarzwasser eine eiserne Sperrkette errichten lässt. Er scheint zu ahnen, wo unser Hauptangriff erfolgen soll." Faramir sagte nicht, dass er schon länger von der Sperrkette wusste.

"Der Gnom ist schlau", brummte Stannis. "Aber gut, wir werden dies bei unseren Plänen bedenken und überlegen, was wir gegen diese Kette machen. Euer Kommandant Elphir wird sich dort gewiss ein weiteres Mal auszeichnen können."

"Welche Schäden und Verluste hat das Geschwader von Dol Amroth bei dem Gefecht erlitten?", fragte Eddard.

"Drei Schiffe sind leicht beschädigt", antwortete Faramir. "Etwa zwei Dutzend unserer Männer wurden verletzt."

"Aber Ihr habt keine Gefallenen zu beklagen?", staunte Davos. "Wie lange wird es brauchen, um die Schäden an den Schiffen zu reparieren?"

"Schätzungsweise vier bis fünf Tage", mutmaßte Faramir.

"Dann werden wir in einer Woche nach Königsmund aufbrechen", beschloss Stannis. "Die Zeit drängt, wir müssen angreifen, so lange die Gelegenheit dafür günstig ist."

"Ist die Gelegenheit jetzt wirklich günstig?", fragte Faramir. "Wo befindet sich Tywin Lannisters Heer jetzt? Und was macht Lord Renly?"

Eddards Gesicht wurde ernst. "Lord Renly hat sein Heer geteilt. Ein kleinerer Teil marschiert weiterhin unter dem Befehl von Lord Alester Florent auf dem Rosenweg in Richtung Königsmund, der größere Teil unter seinem Befehl ist nach Nordosten unterwegs. Wahrscheinlich will er Königsmund von zwei Seiten angreifen."

"Wozu er nicht kommen wird, wenn sein Heer weiterhin wie eine Schnecke voran kriecht!", warf Stannis ein. "Lord Tywin ist immer noch in den Flusslanden, da Edmure Tully sein Heer in Kämpfe verwickelt. Ich frage mich, was Euer Schwager damit beabsichtigt, Lord Stark, und ob das zum Plan Eures Sohnes gehört."

"Ich weiß es leider nicht, Euer Gnaden", seufzte Eddard. "Wir könnten freilich Edmure befehlen, sich nach Schnellwasser zurückzuziehen."

Stannis schüttelte den Kopf. "Ich fürchte, dass es dafür zu spät ist. Nein, Lord Stark, ruft Euren Sohn von seinem Feldzug im Westen zurück. Wenn Lord Tywin vor Edmure zurückweicht und zur Hauptstadt marschiert, muss Robb dem Heer der Lannisters in den Rücken fallen!"

"Aber Robb ist weit weg in den Westlanden", wandte Eddard ein. "Er bräuchte mindestens drei Wochen, um nach Königsmund zu gelangen."

"Er muss trotzdem kommen!", beharrte Stannis. "Wir werden ihn und sein Schlachtenglück brauchen. Außerdem soll er den Königsmörder mitbringen, damit der endlich seine gerechte Strafe erhält. Auch Lord Beric Dondarrion soll mit seinen Männern mitkommen."

"Lord Beric lebt noch?" Eddard wirkte verblüfft. "Es hieß doch mehrfach, er sei tot!"

"Das sind alles Gerüchte", meinte Stannis, "denn niemand scheint genau zu wissen, wie er getötet wurde. Einmal heißt es, Amory Lorch hätte ihn gehängt, dann soll ihn der Berg erstochen haben und dann wiederum behauptet ein Söldner, ihn erschossen zu haben. Und jedes Mal gibt es wieder neue Berichte von seinen Taten und seiner Truppe, die sich jetzt 'Bruderschaft ohne Banner' nennt."

"Davon habe ich auch gehört", sagte Eddard. "Aber dass Lord Beric noch lebt… Ich dachte, dieser Rote Priester Thoros von Myr wäre jetzt der Anführer."

"Er spielt wohl auch eine wichtige Rolle", bestätigte Stannis. "Deswegen wollte Melisandre unbedingt zu ihm und ich erlaubte ihr die Reise, denn diese Bruderschaft darf nicht länger auf eigene Rechnung gegen die Lannisters kämpfen, sondern in meinen Diensten. Aber genug davon! Fürst Faramir, teilt König Elessar mit, dass wir in einer Woche aufbrechen! Richtet Kommandant Elphir meinen Dank und meine Glückwünsche zu seinem Erfolg aus. Ihr könnt gehen."

"Vielen Dank, Euer Gnaden!" Faramir stand auf.

Erleichtert verließ er die Kammer der bemalten Tafel. Zum Glück hatte Stannis wegen des Entkommens von Myrcella nicht weiter nachgefragt und so war es Faramir erspart geblieben, den König (und Eddard Stark, den Faramir mittlerweile als Freund betrachtete) über Erchirions Entscheidung zu belügen – eine Entscheidung, die nicht nur Elphir, sondern auch Elessar und Faramir gutgeheißen hatten.

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