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Mittelerde & andere phantastische Welten » Kreativschmiede » Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Robb IV

"Hältst du das wirklich für eine gute Idee?", fragte Theon skeptisch. "Du willst, dass dein ganzes Heer einem Tier folgt? Mitten in der Nacht?"

"Ja", antwortete Robb. "Wir folgen Grauwind. Alle!"

Mehrere Tage waren seit dem Aufbruch des berittenen Heeres in die Westlande vergangen. Vor der Abreise hatte Robb noch seinem Onkel Edmure befohlen, Schnellwasser gegen einen möglichen Angriff von Lord Tywin zu verteidigen und ihm eingeschärft, die Bewachung des Königsmörders zu verdoppeln. Auch Robbs Mutter durfte Jaime Lannister kein zweites Mal aufsuchen.

Bei ihrem Ritt in die Richtung der Berge der Westlande waren die Nordmänner auf keinerlei Widerstand gestoßen. Doch Robb wusste, dass der Pass über das Gebirge von einer stark bemannten Festung bewacht wurde – dem Goldzahn, Sitz des Hauses Leffert, Gefolgsleute der Lannisters.

Robb hatte sich schon auf einen Angriff auf den Goldzahn eingestellt, doch es kam anders. Grauwind war in die Berge gelaufen und heulte und hechelte nach seiner Rückkehr Robb aufgeregt an. Robb war darauf auf seinem Pferd dem Schattenwolf gefolgt, der ihm einen bis dahin unbekannten, engen Pfad in die Berge gezeigt hatte.

Auf diesem Weg ritt das Heer des Nordens, denn Robb wollte den Goldzahn umgehen, um das neu aufgestellte Heer der Lannisters zu überraschen. Es war ein enger Pfad, der sich durch einen Hohlweg und über einen Bergkamm schlängelte.

"Das bringt doch nichts", murrte Theon. "Wir werden uns mitten im Gebirge verirren."

"Sei still, Graufreud!", gebot Robb gereizt. "Ich vertraue Grauwind und wenn du es nicht tust, behalte es für dich!" Robb war Theons Schwarzmalerei leid. Auf den Brief aus Drachenstein, in dem König Stannis und Robbs Vater Theons Rückkehr nach Peik ausdrücklich verboten hatten, hatte Theon ziemlich wütend reagiert und er war seither ständig schlecht gelaunt.

Es war mitten in der Nacht, als sie merkten, dass der Pfad bergab führte. Als der östliche Himmel hinter ihnen allmählich hell wurde, sahen sie vor sich die Straße nach Casterlystein, die sie vor dem Goldzahn verlassen hatten.

"Siehst du", sagte Robb zu Theon. "Wir haben es geschafft und sind vom Feind unbemerkt in die Westlande gelangt." Theon erwiderte nichts.

Robb schickte Späher unter dem Befehl von Ser Brynden Tully voraus und das Heer folgte ihnen vorsichtig. Doch weder an diesem noch am nächsten Tag stießen sie auf Truppen der Lannisters. Am Nachmittag des dritten Tages kamen die Späher aufgeregt zurück und meldeten, dass sie das feindliche Heer in der Nähe eines Dorfes entdeckt hätten. "Der Größe des Lagers nach würde ich ihre Stärke auf etwa zehntausend Mann schätzen", sagte der Schwarzfisch zu Robb. "Doch sie scheinen sich allzu sicher zu fühlen, denn sie haben keine Wachen aufgestellt. Du weißt ja, was ich von ihrem Kommandanten halte.“

Ein dummer, alter Mann. Robb erinnerte sich der verächtlichen Worte seines Großonkels über Ser Steffert Lannister. "Wir greifen sie heute Nacht an!", beschloss er.


Angespannt saß Robb auf seinem Pferd und schaute auf das feindliche Heerlager vor ihm. Noch war alles ruhig. Er hatte einige Männer unter dem Befehl des Schwarzfischs vorausgeschickt, die sich ins Lager schleichen und die Leinen der Pferde durchschneiden sollten. Großjon Umber ritt einige Schritte voraus, dann drehte er sich um und nickte Robb zu. "Lauf, Grauwind!", sagte Robb darauf zu seinem Schattenwolf.

Grauwind rannte in die Richtung des Lagers. Bald war sein wütendes Knurren und Bellen zu vernehmen, gleichzeitig hörte man das panische Wiehern der Pferde, die von dem Schattenwolf gejagt wurden.

"Zum Angriff!", rief Robb. "Für König Stannis! Für Winterfell!"

"STANNIS! WINTERFELL! SCHNELLWASSER!", riefen die Männer und griffen das Lager an, in dem das Chaos ausgebrochen war. Die von Grauwind in Panik versetzten Pferde trampelten etliche Ritter in ihren Zelten zu Tode. Von den Rittern, die ihren panischen Rössern entkamen, wurden mehrere in kurzer Zeit von den angreifenden Nordmännern getötet.

Fast unangefochten ritt Robb in das Lager hinein. Ein tollkühner Krieger der Lannisters versuchte, ihn zu Fuß anzugreifen, doch Robb stieß im seine Lanze ins Gesicht. Die Schlacht war eher ein Gemetzel denn ein Kampf, denn viele der überraschten Lannister-Männer wurden niedergemacht, ehe sie auch nur zu den Waffen greifen konnten.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Da die Nordmänner gezielt die Ritter töteten, waren die Fußsoldaten aus dem gemeinen Volk ohne Führung. Einige wehrten sich, doch die meisten warfen ihre Waffen weg und rannten fort, doch auch von den Fliehenden wurden viele erschlagen.

"Lasst sie nicht entkommen! Tötet sie alle!", hörte Robb den rachsüchtigen Rickard Karstark brüllen. "Wo seid ihr, Lannisters?"

"Ja, tötet sie!", schrie Theon, der seine Lanze in den Rücken eines fliehenden Mannes bohrte.

Robb schaute sich um. Um ihn herum lagen zahllose tote Lannister-Männer. Unter ihnen waren Ritter ebenso wie Männer und Jünglinge aus dem gemeinen Volk. Nur aus wenigen Stellen im Lager war noch Kampfeslärm zu vernehmen.

"Robb!" Der Schwarzfisch kam heran geschritten.

"Großonkel, hast du die feindlichen Heerführer gesehen?", fragte Robb.

"Dawen Lannister ist entkommen", antwortete Ser Brynden. "Ich habe gesehen, wie er nach Südosten fortgeritten ist. Seinen Vater habe ich nicht…"

"FÜR MEINE SÖHNE!", Lord Karstarks Stimme war im abflauenden Kampfeslärm nicht zu überhören. "Stirb, Lannister!"

Robb lenkte sein Pferd an mehreren zerstörten Zelten vorbei in die Richtung von Rickard Karstarks Stimme. Der Schwarzfisch folgte ihm. Schließlich sah Robb, wie der Lord von Karholt seine Lanze aus der Brust eines alten Mannes zog, der einen Wappenrock mit dem Abzeichen des goldenen Löwen der Lannisters trug.

"Großonkel, ist das…?"

Der Schwarzfisch nickte. "Das ist… das war Ser Steffert Lannister."

"Dieser Feigling ist seinem Pferd hinterher gerannt", geiferte Lord Karstark. "Ich habe ihm den Weg abgeschnitten und ihn erledigt! Für meine Söhne!"

Robb seufzte. Er hätte den Vetter von Tywin Lannister lieber als lebendige Geisel gehabt und schließlich war es nicht Ser Steffert gewesen, sondern der Königsmörder, der Lord Karstarks Söhne erschlagen hatte. Andererseits konnte er dem Lord von Karholt kaum übel nehmen, dass er nach Rache dürstete. Wie hätte ich reagiert, wenn Vater nicht wie durch ein Wunder gerettet worden wäre? Hätte ich nicht auch den Wunsch verspürt, alle Lannisters umzubringen?

Mittlerweile war die Schlacht zu Ende. Die etwa fünfzig gefangenen Lannister-Männer wurden nach ihren Namen gefragt. Unter ihnen waren mit Roland Rallenhall und Antario Jast zwei Lords, doch als wertvollsten Gefangenen erachtete Robb Martyn Lannister, einen Knaben von vierzehn Jahren und Sohn von Kevan Lannister. Martyns Zwillingsbruder Willem Lannister war bereits in der Schlacht vom Wisperwald gefangen genommen worden und saß im Kerker von Schnellwasser.

Robb begab sich mit seinen Lords und Hauptleuten in das Dorf Ochsenfurt, um mit ihnen das weitere Vorgehen zu beraten. Die meisten von ihnen waren entweder unverletzt geblieben oder hatten nur leichte Schrammen davon getragen. Nur Stevron Frey war sehr schwer verwundet worden.

Der Ort war verlassen, da die Bewohner vor der Schlacht geflohen waren. Robb und seine Leute gingen in eines der leeren Häuser und setzten sich an einen Tisch, auf dem Robb eine Karte der Westlande aufschlug.

"Was machen wir als nächstes?", fragte Großjon Umber. "Greifen wir Casterlystein an? Das wäre mal eine richtige Herausforderung. Dieses Scharmützel hier war ja ein Kinderspiel."

"Davon würde ich abraten!" Brynden Tully schüttelte den Kopf. "Der Stein ist gut befestigt und kann nicht so überraschend angegriffen werden wie das Lager hier. Für einen Angriff auf Casterlystein bräuchten wir viel mehr Männer und Belagerungsmaschinen, die wir nicht haben."

"Und Schiffe, die wir auch nicht haben!", warf Theon Graufreud mürrisch ein. "Ihr wisst schon, warum!"

"Ich habe ohnehin nicht vor, Casterlystein anzugreifen", sagte Robb ruhig. "Für einen aussichtlosen Angriff auf eine starke Festung hätten wir genauso gut nach Harrenhal ziehen können. Nein, wir gehen nicht nach Südwesten, sondern nach Norden! Hierhin!" Er zeigte auf der Karte auf Aschmark.

"Das ist der Sitzes des Hauses Marbrand", stellte der Schwarzfisch fest. "Was sollen wir dort?"

"Von dort aus werden wir die Westlande heimsuchen", erklärte Robb. "Von Aschmark ist es nicht weit bis zu weiteren Festungen und den Dörfern an der Küste. Und wir gelangen in die Nähe der Goldminen der Lannisters. Wir dürfen gespannt sein, wie es Tywin Lannister gefällt, wenn wir die Quellen seines Reichtums erobern."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Der alte Löwe

Es war wieder ein Tag, der schlechte Nachrichten nach Harrenhal gebracht hatte. Lord Tywin mochte sie schon gar nicht mehr hören: Robb Stark hatte erneut für eine Überraschung gesorgt. Nach seinem Sieg in der Schlacht von Ochsenfurt hatte er nicht wie erwartet Casterlystein oder Lannisport angegriffen, sondern Aschmark. Er hatte den schwach bemannten Stammsitz der Marbrands ohne große Mühe erobert. Ser Addam Marbrand war blass geworden, als er gehört hatte, dass sein Vater nur knapp der Gefangennahme entkommen war. Bei ihrem Vorgehen in den Westlanden hatten die Angreifer kaum Verluste erlitten, wenn man davon absah, dass Stevron Frey, der Erbe der Zwillinge, seinen schweren Verletzungen erlegen war.

"Ein Knabe von siebzehn Jahren macht uns alle lächerlich!", dachte Tywin. "Ich verstehe immer noch nicht, wie er am Goldzahn vorbei kommen konnte."

Der Lord von Casterlystein und Wächter des Westens schritt nachdenklich über den Hof von Harrenhal und achtete nicht der Soldaten, die ihn respektvoll grüßten. Er wusste, dass viele unter ihnen zurück in ihre Heimat wollten, die nun vom jungen Wolf heimgesucht wurde. Auch Tywins Bruder Kevan verhehlte nicht, dass man seiner Ansicht nach Robb Stark dringend Einhalt gebieten musste. Und so sahen es etliche Lords und Ritter in Tywins Heer.

"Allzu lange kann ich mich ihrem Drängen nicht mehr widersetzen. Ich muss nach Westen ziehen – und mache den Weg nach Königsmund frei für Stannis und Renly."

Tywin unterbrach sein Nachsinnen, als er sah, dass das Tor geöffnet wurde und Ser Amory Lorch mit seinen Männern und mehreren Gefangenen in die Festung kam. Ser Gregor Clegane ging zu Ser Amory und sprach mit ihm. Der Berg zeigte dabei auf die Gefangenen, die ängstlich und eingeschüchtert wirkten. Tywin sah, dass es hauptsächlich junge Burschen waren.

Er trat zu den beiden Rittern. Ser Amory verneigte sich sogleich unterwürfig. "Lord Lannister, ich melde mich zurück. Ich habe mehrere Gefangene gemacht. Sie…"

"Das sehe ich, Lorch!", unterbrach Tywin grußlos. "Aber erzählt mir nicht, diese Knaben gehörten zur Bruderschaft ohne Banner. Sind das Dorfbewohner?"

"Nein, Mylord. Sie waren Rekruten der Nachtwache, hauptsächlich aus Königsmund…"

"Rekruten der Nachtwache?", rief Tywin verärgert. "Anstatt die Bruderschaft zu jagen, verschwendet Ihr die Zeit mit solchen Burschen? Warum nehmt Ihr sie gefangen anstatt sie zur Mauer ziehen zu lassen? Und wo ist die zuständige Wanderkrähe?"

"Tot, Mylord. Bitte lasst es mich erklären: Unter den Rekruten war ein Bastard aus Flohloch, auf dessen Kopf eine Belohnung ausgesetzt war. Wir haben von Kameraden aus der Stadtwache erfahren, dass der Rekrutierer sich geweigert hat, ihn an sie auszuliefern. Also haben wir die Rekruten aufgespürt, die Wanderkrähe und mehrere der Kerle getötet, auch den Bastard. Das hier ist der Rest."

"Welcher Idiot setzt eine Belohnung auf den Kopf eines Bastards aus Flohloch aus?", fragte Tywin befremdet.

"Es war ein Befehl der Königin", antwortete Ser Amory strahlend. "Und da ich den Bastard selbst getötet habe, steht die Belohnung mir zu." Der Ritter blickte seinen Lehnsherren erwartungsvoll an.

"Dann bittet Cersei um die Belohnung, wenn Ihr das nächste Mal nach Königsmund kommt, Lorch!", schnaubte Tywin, der sich darüber ärgerte, dass seine törichte Tochter sinnlos Geld dafür verschwendete, irgendeinen Burschen aus dem gemeinen Volk töten zu lassen – wahrscheinlich wegen einer Nichtigkeit.

"Was machen wir mit dem Rest?", fragte der Berg. "Vielleicht wissen sie ja doch etwas über die Bruderschaft? Meine Männer könnten es aus ihnen rauskitzeln, bis sie quieken – oder für immer schweigen." Ser Gregor grinste die Burschen bedrohlich an. Offenkundig freute er sich darauf, sie zu Tode zu foltern.

"Nichts dergleichen, Clegane!", fuhr Tywin den Berg an. "Haben wir so viele Männer, dass wir es uns leisten können, nützliche Burschen sinnlos zu töten?" Er wandte sich an einen der Jungen, einen dicken, untersetzten Knaben: "Wie heißt du, Bursche?"

"Ich… ich, weiß nicht, M‘lord", stammelte der Junge. "Ich werde Heiße Pastete genannt." Ser Amory und Ser Gregor brachen ob dieses Namens in schallendes Gelächter aus, doch Tywin verzog keine Miene.

"Beherrschst du irgendein Handwerk, Junge?", fragte er.

"Ja, M’lord", antwortete Heiße Pastete. "Ich bin Bäcker. Und ich kann auch kochen."

"Gut, du arbeitest ab sofort in der Küche!", beschloss Tywin und wandte sich an den nächsten Burschen. "Was ist mit dir? Was sind dein Name und dein Beruf?"

Der Angesprochene, ein kräftig gebauter, muskulöser Junge von etwa sechzehn Jahren mit schwarzem Haar, erwiderte: "Ich bin Schmied, M’lord. Mein Name ist…äh… Lommy."

"Ihr Burschen habt wohl Probleme mit euren Namen", spottete Tywin. "Aber gut, Schmiede können wir immer gebrauchen. Du meldest dich bei Meister Lucan!" Dieser Junge erinnert mich an jemanden. An wen nur?

Er schaute noch einen der Gefangenen an. "Was kannst du?", fragte er den drahtigen, gut aussehenden Mann. Nach dem Namen frage ich diesmal nicht.

"Ein Mann kann kämpfen und töten, wenn ein Lord es befiehlt", antwortete der Gefangene mit einem fremdländischen Akzent. "Ein Mann kann sowohl mit dem Schwert als auch mit dem Speer kämpfen."

"Ein Lord?", fuhr Ser Amory den Kerl an. "Das ist nicht irgendein Lord, Ausländer! Dies hier ist Tywin Lannister, Lord von Casterlystein, Wächter des Westens und Hand des rechtmäßigen Königs Joffrey Baratheon!"

"Schon gut, Lorch!", beschwichtigte Tywin. "Der Mann soll bei einigen Übungen mitmachen. Wenn er tatsächlich mit Waffen umgehen kann, nehmt ihn in Eure Truppe auf!"

"Den da?", fragte Ser Amory bestürzt. "Das ist ein Verbrecher aus den Schwarzen Zellen!"

"Dann passt er gut zu Euch, Lorch", erwiderte Tywin trocken. "Ich werde Harrenhal bald mit dem Heer verlassen. Ihr seid dann für die Festung verantwortlich und werdet um jeden Mann froh sein, den Ihr habt. Gebt auch dem Rest der Gefangenen Aufgaben nach ihren Fähigkeiten!"

Mit diesen Worten ließ Tywin Ser Amory stehen, wandte sich ab und ging zurück in seine Gemächer.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Am Nachmittag saß Tywin allein am Tisch in seinem Gemach im Königsbrandturm und trank Wein. Eine Landkarte war vor ihm entrollt.

Der Lord von Casterlystein dachte über die Neuigkeiten nach, die eben eingetroffen waren. Gerüchten zufolge gab Ärger im Norden. Der Bastard von Bolton hatte Lady Hornwald entführt. Mittlerweile soll er sie zur Heirat gezwungen und eingesperrt haben. Lord Manderly hatte Truppen nach Hornwald geschickt, um die Ländereien vor dem Bastard zu schützen.

Tywin fragte sich, ob der Bastard auf eigene Faust oder auf Befehl seines Vaters handelte. Das ist schwer zu erraten und wir werden sehen, ob es unter den Nordländern größere Uneinigkeiten gibt, die wir für unsere Zwecke ausnutzen können. Vielleicht kann man da etwas nachhelfen.

Er blickte auf die Karte und stellte fest, dass er von Feinden umzingelt war: Robb Stark zog durch Tywins Heimat, Beric Dondarrion überfiel immer wieder Tywins Männer in den Flusslanden, Roose Bolton lagerte mit seinen Truppen an der Rubinfurt, Lord Stannis, der gefährlichste Feind, lauerte mit einer geheimnisvollen Flotte fremder Söldner auf Drachenstein und Lord Renly marschierte weiter Richtung Königsmund, nachdem er sein Heer geteilt hatte: Alester Florent war mit zehntausend Männern weiter auf dem Rosenweg unterwegs während Lord Renly sich mit dem Großteil seines Heeres nach Nordosten gewandt hatte. Zweifellos, um uns den Weg nach Königsmund abzuschneiden und die Stadt von zwei Seiten anzugreifen. Immerhin war Renly immer noch sehr langsam unterwegs. Er schien weiterhin abzuwarten, wie sich die Lannisters und Stannis‘ Vasallen gegenseitig bekämpften.

Es sind zu viele Feinde, als dass wir sie alle mit Waffengewalt besiegen könnten, dachte Tywin, können wir sie entzweien und einige auf unsere Seite ziehen? Welche unter ihnen könnten wankelmütig sein? Tywin schaute auf die Landkarte. Sein Blick blieb an den Zwillingen haften. Der Späte Lord Frey. Immer hängt er sein Fähnchen in den Wind. Und vor allem anderen ist er darauf bedacht, seine zahlreiche Brut vorteilhaft zu verheiraten. Robb Stark hat geschworen, eine von Lord Freys Töchtern zu ehelichen…

Tywins Blick wanderte auf der Landkarte nach Westen, wo Robb Stark gerade auf dem Weg zur Burg Hochklipp war, dem Sitz des Hauses Westerling. Die verfallene und schwach bemannte Burg würde dem Heer der Starks nicht lange standhalten können, zumal Lord Gawen Westerling schon in der Schlacht vom Wisperwald in die Gefangenschaft der Nordmänner geraten war. Lord Gawens ältere Tochter Jeyne ist ein hübsches Mädchen und so alt wie Robb Stark. Tywin hatte nun eine Idee, wie er einen Keil zwischen die Starks und Freys treiben konnte. Er wusste auch, wie er Lord Gawens Gemahlin für seinen Plan gewinnen konnte: Lady Sybelle würde alles dafür geben, ihre Kinder gut zu verheiraten. Wohl auch die Ehre ihrer älteren Tochter.

Sogleich machte er sich daran, einen Brief an Lady Sybelle zu schreiben. Haben sich die Freys erstmal von den Starks und von Stannis losgesagt, kann ich gewiss auch die Boltons gewinnen, da Lord Roose eine Enkelin von Lord Walder geheiratet hat. Die Boltons könnten die neuen Wächter des Nordens und die Freys die neuen Lords der Flusslande werden, wenn die Starks und Tullys erstmal vernichtet sind. Tywin war nicht gewillt, den Starks und Tullys die Demütigungen und Niederlagen zu verzeihen, die sie den Lannisters bereitet hatten. Er war fest entschlossen, diese beiden Häuser zu vernichten - wie einstmals die Tarbecks und die Regns von Castamaer. Wenn die Front von Stannis‘ nördlichen Vasallen zerbricht, werden dann seine ausländischen Söldner noch zu ihm halten?

Nachdem Tywin den Brief fertig geschrieben hatte, schaute er wieder auf die Landkarte. Stannis und seine Vasallen war nicht seine einzige Sorge, denn das größte feindliche Heer hatte Renly Baratheon, dessen Macht sich zu einem beträchtlichen Teil auf das Haus Tyrell stützte. Lord Maes Tyrell war zwar ähnlich opportunistisch wie Walder Frey, aber dummerweise war seine Tochter bereits mit Renly verheiratet. Auch wenn in Wirklichkeit Loras Tyrell Renlys Weib ist. Oder umgekehrt. Wie sollte es unter diesen Umständen möglich sein, einen Keil zwischen Renly und die Tyrells zu treiben?

Das wird nicht gehen, dachte Tywin. Wir brauchen Verbündete, die Renly und die Tyrells angreifen. Neue Verbündete, die noch nicht in den Krieg eingegriffen haben. Sein Blick fiel auf Dorne, den südlichsten Teil von Westeros. Das dornische Fürstenhaus Martell war zwar schon seit langer Zeit mit den Tyrells verfeindet, doch dass die Martells auf Seiten der Lannisters in den Krieg eingriffen, hielt Tywin für ausgeschlossen. Im Gegenteil, die Dornischen dürsten immer noch nach Rache für die Ermordung von Elia Martell und ihrer Kinder durch Ser Gregor und Ser Amory. Erstaunlich, dass sie sich noch nicht auf die Seite unserer Feinde geschlagen haben.

Nein, die Martells kamen als Verbündete kaum in Frage. Tywins Blick auf der Landkarte wanderte von Dorne über die Weite und seine Heimat nach Nordwesten bis zu den Eiseninseln. Balon Graufreud, der ehrlose und hinterhältige Seeräuber. Tywin nahm einen tiefen Schluck Wein aus seinem Kelch. Es wäre gewagt, sich an ihn zu wenden. Doch sollte er darauf eingehen und die Küsten der Weite heimsuchen, mag den Tyrells die Lust auf einen Feldzug nach Königsmund vergehen.

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Erton

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

So, jetzt muss ich hier wohl doch einmal einen Beitrag verfassen und meinen Kommentar abgeben.

Ich habe Der Herr der Ringe selbstverständlich mehr als einmal gelesen, sowie auch die anderen Mittelerdewerke von Tolkien, von Das Lied von Eis und Feuer jedoch nur den ersten deutschen Band, wenn ich mich recht erinnere, wobei ich aber ein großer Anhänger der Serie bin.

Ich werde einfach schreiben, was mir beim Lesen durch den Kopf gegangen ist.
Im Großen und Ganzen gefällt es mir gut, es ist mir nur etwas zu westeroslastig. Es wäre doch schön, wenn Aragorn Legolas und Gimli mitgenommen hätte und so etwas mehr der Vielfalt Mittelerdes eingebracht hätte. Aber da die Geschichte (bislang?) in Westeros spielt ist ein vollkommenes Gleichgewicht wohl ohnehin kaum möglich.
Die Portale zum Übertritt in die andere Welt gefallen mir nicht besonders gut. An der Stelle hätte ich es passender gefunden, wenn sie einfach beispielsweise nach Süden gesegelt wären und nach einigen Wochen einen neuen Kontinent entdeckt hätten, Mittelerde und Westeros sich also tatsächlich in der selben Welt befänden.
Dass fast alle Männer in Gondor einen prophetischen Traum hatten, erscheint mir etwas übertrieben. Das hätte ich Aragorn und vielleicht noch Faramir und einigen wenigen Anderen vorbehalten.
Die verschiedenen Sprachen in Mittelerde und Westeros sind auf jeden Fall notwendig. Alles andere wäre unlogisch.
Dass Ned und Boromir sich in Stimme und Erscheinung so ähnlich sind, dass man ihn für diesen hält gefällt mir ausgesprochen gut. Eine sehr schöne Anspielung auf die jeweiligen Verfilmungen der Vorlagen, die jedoch auch ohne Kenntnis dieser nicht unschlüssig ist.
Als Ilyn Payn am Arm getroffen wurde habe ich mich zunächst etwas gewundert, dass Faramir als doch recht guter Bogenschütze sein Ziel verfehlt, dachte mir dann aber, dass es nur plausibel ist, dass er den Henker nicht töten will, da dieser schließlich lediglich einen Befehl ausführt, bis er in den Kopf getroffen wurde und ich erneut erstaunt war. Aber möglicherweise, kam der zweite Pfeil auch von einem der Männer Faramirs, der dessen Werk vollenden wollte.
Die Eigenschaften der Charaktere Mittelerdes kommen mir etwas vernachlässigt vor. Aragorn wird doch, wenn ich mich recht erinne, als von beeindruckender Erscheinung beschrieben. Da hätte beispielsweise Melisandre durchaus kurz zweifeln können, ob er nicht der erhoffte Azor Ahai ist. Aber vielleicht hällt sich Aragorn auch noch wie in Bree und beim ersten Einzug in Minas Tirith bedeckt. Als Ned Faramir auf seinem Schiff besucht, hätte es mich jedenfalls gefreut, wenn die Wache, ein Waldläufer, eine Vogelstimme nachgepfiffen hätte, woraufhin Faramir sofort gewusst hätte, wer kommt.
Dass Jaqen H'ghar nun von Gedry gerettet wird ist ebenfalls sehr erfreulich. Wäre er gestorben nur weil Arya nicht zur Stelle war, wäre doch sehr viel verloren gegangen.

Mehr fällt mir im Moment nicht ein, aber vielleicht schreibe ich ja später noch einen weiteren Kommentar.

Ich hoffe auf jeden Fall auf baldige und zahlreiche weitere Kapitel!
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Erton]

Vielen Dank für deinen Kommentar!
Meine Geschichte ist ganz bewusst westeroslastig angelegt, worauf ich bereits im Vorwort hingewiesen habe:
In Bezug auf:
Die Geschichte spielt fast ausschließlich in Westeros.

Ein Gleichgewicht war von Anfang an nicht beabsichtigt. Ich habe auch zur Vermeidung weiterer Komplikationen ganz bewusst nur Männer aus Gondor (und eine Kompanie Waldläufer des Nordens) und keine Elben, Zwerge oder Hobbits nach Westeros geschickt. Die Geschichte heißt ja auch "Gondor hilft Westeros" und nicht "Mittelerde hilft Westeros".

Dass Mittelerde und Westeros sich auf demselben Planeten befinden erscheint mir aus verschiedenen Gründen unplausibel:
- In Arda gibt es normale Jahreszeiten, in der "Bekannten Welt" können Jahreszeiten mehrere Jahre dauern
- In Arda sind vom Beginn des Ersten Zeitalters der Sonne bis zum Vierten Zeitalter nur etwas mehr als 7.000 Jahre vergangen, während in Westeros sich die Ersten Menschen im Zeitalter der Dämmerung schon 12.000 Jahre vor Aegons Eroberung angesiedelt haben

Es hatten zwar viele Männer in Gondor prophetische Träume, aber keineswegs "fast alle".

König Elessar ist eine beeindruckende Erscheinung und er hat im Kapitel Elessar III auch Melisandre und Stannis sehr beeindruckt – so sehr, dass Melisandre Stannis dazu drängt, sich mit Elessar zu verbünden und dass Stannis zustimmt, Renly ein Angebot zu machen. Doch andererseits ist Melisandre dennoch völlig sicher, dass Stannis Azor Ahai ist, denn ansonsten müsste sie sich ja eingestehen, dass sie sich geirrt hätte.

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Treir1989

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

damit Faramir gewusst hätte, wer kommen würde.
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Erton

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Treir1989]

Ich glaube als ich den Titel gelesen habe hatte ich einfach schon viel zu viele Erwartungen.

Zeit ist relativ. Dass auf dem einen Kontinent die Jahre schneller verrgehen als auf dem anderen durchaus nicht unlogisch.

Mit der Religion hat Martin es dir wahrlich nicht leicht gemacht. Ich glaube er weiß selbst nicht so richtig, was Wirklichkeit ist und was nicht. Damit das alles unter einen Hut zu bringen hast du dir ganz schön was vorgenommen.

Faramirs Unterricht bei Maester Cressen ist eine interessante Parallele zu seinem Studium bei Gandalf. Da hätte mir ein Vergleich Faramirs auch gut gefallen. Und da stellt sich mir die Frage, ob die Gondorer den Maester nicht auch für einen Zauberer halten würden.
Auf jeden Fall denke ich, dass sie bei der Erwähnung der Kinder des Waldes denken müssten, dass es sich bei diesen um Hobbits handelt.
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Erton]

Erton schrieb:
Zeit ist relativ. Dass auf dem einen Kontinent die Jahre schneller verrgehen als auf dem anderen durchaus nicht unlogisch.

Dass die Zeit in verschiedenen Welten unterschiedlich vergeht (wie z.B. in den "Chroniken von Narnia") mag plausibel sein, aber doch nicht auf ein und demselben Planeten!

Erton schrieb:
Mit der Religion hat Martin es dir wahrlich nicht leicht gemacht. Ich glaube er weiß selbst nicht so richtig, was Wirklichkeit ist und was nicht. Damit das alles unter einen Hut zu bringen hast du dir ganz schön was vorgenommen.

Wie bereits erwähnt hat GRRM bewusst offen gelassen, ob es überhaupt eine "wahre" Religion gibt. Über das Aufeinandertreffen seiner verschiedenen Religionen mit der "natürlichen Theologie" aus Tolkiens Welt zu schreiben, ist in der Tat schwierig, aber auch reizvoll.

Erton schrieb:
Faramirs Unterricht bei Maester Cressen ist eine interessante Parallele zu seinem Studium bei Gandalf. Da hätte mir ein Vergleich Faramirs auch gut gefallen. Und da stellt sich mir die Frage, ob die Gondorer den Maester nicht auch für einen Zauberer halten würden.

Darauf wäre ich nie gekommen. Warum sollte Faramir Cressen für einen Zauberer halten? Nur weil er ein gelehrter alter Mann ist? Solche Menschen gab es auch in Gondor (z.B. ein gewisser Kräutermeister in den Häusern der Heilung).

Damit zum nächsten Kapitel, dass ich wegen seiner Länge in drei Teilen veröffentliche.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar IV

"Habt Ihr die neuesten Nachrichten aus den Flusslanden schon vernommen, Euer Gnaden?", fragte Stannis.

Elessar nickte. "Mir wurde eben berichtet, dass Tywin Lannister mit seinem Heer nach Westen aufgebrochen ist."

Tatsächlich hatte er es nicht nur gehört, sondern auch gesehen. Nach langem Zögern und Überlegen hatte er es endlich gewagt, den Palantír zum ersten Mal außerhalb von Mittelerde zu verwenden. Mit Hilfe einer Landkarte hatte er den sehenden Stein auf Harrenhal gerichtet und den Abmarsch des Heeres gesehen. Da waren lange Reihen von Reitern und Fußsoldaten, die die düstere, verfallene Festung verließen und in westlicher Richtung unterwegs waren. Auffällig waren besonders vier Standartenträger, die riesige purpurrote Banner mit dem Wappen des goldenen Löwen trugen.

Hinter ihnen ritten zwei prächtig gekleidete alte Männer. Der bärtige Herr im Hermelinmantel ist gewiss Lord Tywin. Es folgten weitere vornehm gekleidete Lords mit unterschiedlichen Wappen. Der letzte von ihnen war ein riesiger Kerl, auf dessen gelbes Banner drei schwarze Hunde zu sehen war. Das ist dann wohl Gregor Clegane, der der Berg genannt wird. Elessar beobachtete noch eine Weile, wie das Heer weiter nach Westen marschierte. Danach hatte er den Stein auf Königsmund gerichtet und sich die Tore und die Mauer der Hauptstadt angeschaut. Besonders interessiert hatte ihn dabei, dass die Verteidiger der Stadt an einer Eisenkette an der Flussmündung arbeiteten. Noch interessanter waren freilich die unterirdischen Gänge in den Gewölben des Roten Bergfrieds, die teilweise unter die Stadt und sogar aus der Stadt hinaus führten.

Seither waren einige Tage vergangen und Elessar hatte sich nun erneut nach Drachenstein für eine Besprechung mit König Stannis begeben. Diesmal trafen sie sich in einem größeren Kreis mit mehreren Lords und hohen Offizieren in der Großen Halle. Auch Lady Melisandre war anwesend. Sie saßen an einem breiten Tisch, auf dem eine Karte von Königsmund entrollt war.

"Ja, so heißt es", bestätigte Ser Davos Seewert die Meldung vom Aufbruch des Lannister-Heeres. "Der Lord von Casterlystein eilt in seine Heimat, die von den Nordmännern angegriffen wird. Das ist die Gelegenheit für uns, sofort nach Königsmund zu ziehen!"

"Und dass wir diese Gelegenheit bekommen, verdanken wir Eurem Sohn, Lord Stark!", sagte Faramir mit einen Lächeln. Lord Eddard nickte, aber erwiderte das Lächeln nicht. Er machte einen besorgten Eindruck.

"Sind Eure Männer bereit, die Gelegenheit zu ergreifen, Euer Gnaden?", fragte Stannis ungeduldig.

"Wir sind bereit, Euer Gnaden", antwortete Elessar, "doch ich warne vor einem überstürzten Aufbruch nach Königsmund. Wenn wir angreifen, sollten wir wissen, auf was wir uns einlassen. Ist uns bekannt, wie stark die Verteidiger der Stadt sind? Und werden wir die einzigen Angreifer sein? Was macht Lord Renly mit seinem großen Heer? Wir hörten zuletzt, dass er seine Truppen aufgeteilt hat."

"Tyrion Lannister hat die Stadtwache deutlich vergrößert", erläuterte Lord Eddard, "außerdem verfügt er über mehrere Hundert Söldner und einige Ritter aus den Kronlanden. Wir müssen damit rechnen, dass die Stadt deutlich über sechstausend Verteidiger hat. Lord Renly ist mit dem Großteil seines Heeres nach Nordosten unterwegs, wobei er immer noch sehr langsam vorankommt. Lord Alester Florent marschiert weiter auf dem Rosenweg in Richtung Königsmund."

"Offensichtlich will Lord Renly die Stadt von zwei Seiten angreifen", schlussfolgerte Elphir, "sollten wir nicht abwarten, bis seine Streitkräfte dort eintreffen? Mit seiner Hilfe könnten wir Königsmund weitaus einfacher erobern als ohne ihn."

"Auf gar keinen Fall, Lord Elphir!", widersprach Stannis. "Ich muss den Eisernen Thron errungen haben, ehe Renly die Stadt erreicht. Auch wenn wir ihn nicht bekriegen, so ist Renly immer noch ein Usurpator und nicht unser Verbündeter!"

"Immerhin erweist er sich in einer Hinsicht hilfreich", meinte Ser Davos, "Lord Renly unterbindet jegliche Lieferung von Nahrungsmitteln aus der Weite nach Königsmund. Der Hunger schwächt die Verteidiger der Stadt."

"Ganz gewiss", pflichtete Elessar bei, "doch das spricht meines Erachtens auch dafür, noch etwas mit unserem Angriff zu warten, denn je länger die Verteidiger von Königsmund hungern, desto schwächer werden sie." Und wir müssen uns nach der Eroberung unbedingt mit Renly verständigen, sonst hungern wir bald!

Stannis schnaubte. "Wie lange sollen wir Eurer Meinung nach warten?", fragte er. "Ich bin diese Untätigkeit leid."

"Nicht allzu lange", beschwichtigte Elessar. "Wir sollten nur sicher gehen, dass Tywin tatsächlich weit weg in den Westlanden ist und die Stadt nicht vor uns erreichen kann. Ich rate auch nicht zur Untätigkeit. Renly und seine Leute blockieren die Landwege nach Königsmund. Warum blockieren wir nicht die Seewege? Wir haben genug Schiffe dafür. Mir ist aufgefallen, dass immer noch Schiffe von und nach Königsmund unterwegs sind."

"Von den Leuten auf den Schiffen erfahren wir, was in der Stadt passiert und worüber die Leute reden", wandte Lord Eddard ein.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
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