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herr-der-ringe-film.de

Spiel & Spaß » Das Mathom-Haus » Ich vermisse ...

Keliope

Nebelläuferin

Re: Ich vermisse ... [Re: sphnix]

sphnix schrieb:
Keli schrieb:
sphnix schrieb:
Auf diesen Beitrag bezogene Antwort:
http://forum.herr-der-ringe-film.de/showflat.php/Number/6020279#Post6020279
Ich meinte damit, dass eine Frau einer anderen Frau nicht wirklich die männliche Subjektform spiegeln kann, weil sie selbst über eine solche nicht im selben Maße verfügt wie ein Mann, sondern sich allenfalls Elemente dieser Form/ einen Anspruch auf sie oder dergleichen angeeignet hat.
Platt gesagt: Eine Frau kann einer anderen Frau nicht deren Allgemeingültigkeitsanspruch zurückspiegeln, da sie selbst nicht Allgemeingültigkeit vertritt.
Um es komplett auf die Ebene von Literatur zu heben (da es da vielleicht simpler zu erklären ist als auf der auch ins Psychische usw. gehenden Ebene): 10000 Leserinnen können einen Schreibenden Menschen weiblichen Geschlechts nicht zum Autor machen.


Ich hab da jetzt lange drüber nachgedacht, ähnlich wie Klothilde ihr Essen kaut, aber einleuchten will es mir nicht. Also, ich sage mal so: ich will das so nicht akzeptieren. Dass es in weiten Teilen der Gesellschaft so ist, dass Frauen immer noch nicht für voll genommen werden (das meinst du glaub ich mit "nicht allgemeingültig"?), ist ein Phänomen, dass ich schon in der Kindheit beobachtet habe, aber in einzelnen Fällen ist das wieder ganz anders.
Ich bin da aber auch nicht der Maßstab, da ich mit Eltern aufgewachsen bin, wo die Rollen so quasi vertauscht waren (sie hat das Geld verdient und er war für die Kinder zuständig), davon abgesehen dass das Ganze in diesem Fall ziemlich dysfunktional war.

Ansonsten hab ich einen ziemlichen Knoten im Gehirn, aber das liegt an heutigen nervigen Tagesgeschehnissen.

Ich rede nicht so sehr über Haltungen von einzelnen, sondern über eine Logik, in der wir alle leben (und auf die auch das "noch nicht" überhaupt nicht passt).
Wobei ich auch nicht weiß, ob das, was ich dazu schreibe, so völlig klar ist, weil ich einerseits "objektiv" (d.h. aus der reflexion heraus) schreibe und mich dabei (grob) auf Denkmodelle/Erklärungsansätze wie z.B. die von Roswitha Scholz beziehe (von der ich auch mehr lesen müsste); andererseits schreibe ich, subjektiv, aus meiner Lebenssituation heraus, das heißt aus meinem Wahrnehmen und Wahrgenommenwerden. Das schließt natürlich aneinander an, aber ich würde nie behaupten, dass ich das alles einwandfrei miteinander vermittelt habe.

Dass (empirische) Frauen nicht für voll genommen werden, trifft es jedenfalls nicht oder nur zum Teil. Es gibt die Tatsache, dass unsere sozialen, ökonomischen usw. Strukturen u. a.über die Kategorien "Weiblichkeit" und "Männlichkeit" funktionieren, und dass diese Kategorien tragende Bestandteile von Identität sind. Ich bin weit entfernt davon, in "Identität" etwas Gutes zu sehen (auch wenn das eine heute sehr gängige Perspektive ist); aber sie ist eine konkrete, heutige Realität. Jemand, der in eine weibliche Identität gesperrt ist (eine weibliche Sozialisation durchlaufen hat, als Frau wahrgenommen wird, den Platz "Frau" einnimmt usw.), hat nicht dieselben Möglichkeiten und Unmöglichkeiten wie derjenige, der in eine männliche Identität gesperrt ist. Nun gibt es bestimmte Funktionen/Positionen, die mit dem Konzept der Männlichkeit assoziiert sind, und dazu gehört auch das intelektuelle Sprechen über die Welt mit dem Anspruch, gültge Erklärungen zu finden, selbst Kategorien zu liefern usw.(und dito der Anspruch, ein allgemeingültiges Kunstwerk zu schaffen).
Das heißt nicht, dass Frauen dies unter gegebenen Umständen nicht ansatzweise auch tun können; aber sie werden es "als Frauen" tun, die das "auch können" und die, indem sie das tun, eine männliche Rolle erfüllen (was in einer Welt, die Geschlechtsidentitäten positiv besetzt, auch automatisch ein Weiblichkeitsminus bedeutet). Ihre SItuation ist also eine ganz andere als die eines Mannes, der es tut, und sie werden (strukturell) nie im selben Maße befähigt sein, Gedanken zu authorisieren, weder als Produzenten noch als Rezipienten von Gedanken.

Übrigens kam mir ja letztens (im Zuge eines PM-Wechsels mit dem Keks) der Gedanke, dass das Möglicherweise mit der Grund ist, weswegen die Arbeit mit Brecht für viele seiner Mitarbeiterinnen nicht nur erstrebenswert war, sondern vielleicht diese Frauen auch zu weitaus besseren Leistungen befähigt hat, als sie ohne diese Konstellation zu erbringen im Stande gewesen wären: Weil diese Konstellation ihnen möglicherweise erst den männlichen (also menschlich-allgemeingültigen) Standpunkt und ergo ein Schreiben unter dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Gültigkeit ermöglicht hat. (das ist natürlich jetzt nichts als reine Spekulation und in keiner Hinsicht philologisch überprüft).


Jetzt leuchtet es mir ein. Ich fand es als Kind schon traurig, dass die coolen 3 Fragezeichen alle männlich waren und die Frauen hatten Gaby oder irgendwelche Zicken/Mimosen zum Vorbild.

Meinst du, dass sich obiges in den nächsten Jahren ändern könnte?

The rain goes on, on and on again
I'll blame it on the weather man
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sphnix

Gefährte

Re: Ich vermisse ... [Re: Keliope]

Nein, überhaupt nicht. Ich sehe eher, dass diese Strukturen sich immer mehr verfestigen, gerade weil (oder eher: indem) man heute z.T. in der Illusion der frei wählbaren Identitäten befangen ist. ("Auch ein Mann kann weibliche Anteile haben, und das kann ganz, ganz toll sein" etc.) Man entfernt sich aber weder a) vom Festhalten am Konzept der Identität und seiner angeblichen Wichtigkeit für den Menschen (im Gegenteil), noch b) vom Konzept der vorgefundenen, dem Menschen essentiellen Charaktereigenschaften (im Gegenteil), noch kann man c) die reale Geschlechterdualität im Sinne der Dualität Gratisversorgungstrampel/Gefühlshaushaltsverwalter - Konkurrenzschwanz auflösen, denn die konkrete Gesellschaft ist auf diese Dualität angewiesen.

Was a) angeht, so kann man das u.a. daran sehen, wie stark propagiert wird, dass man sich mit irgendwelchen Gruppen identifizieren möge, wie sehr beispielsweise Werbung auf Identitäten zugeschnitten ist ("finde das Müsli, das DIR entspricht!"), und wie stark Menschen das übernehmen (was natürlich anzuklagen ist, aber wiederum nicht als reine Individualschuld aufgefasst werden kann, da Menschen unter Bedingungen leben, die ihnen Identitäten eben auch aufzwingen, und unter denen die Verweigerung von Identität teils Schwierigkeiten schafft, gar teils nicht verstanden wird). All dieser Mist im Sinne von "Ich bin richtig stolz auf mein Team", "Ich als Mami ...", "Wir Berliner/Bayern/Niederfranken...", "Ich bin Fan von ..." oder auch "Ich gehöre nicht zur Zielgruppe von..." zeigt, dass das identitätenorientierte Denken nicht weniger wird, vielleicht sogar mehr.


Was b) betrifft, so schwingt das in all dem Dreck a'la "Finde heraus, wer du wirklich bist/ was du wirklich willst/ was du wirklich fühlst" mit. Diese ganzen Fragestellungen (die mir extrem dominant im heutigen irgend-psycho-Diskurs erscheinen) gehen immer schon vom Status Quo aus und betrachten das Wollen/Fühlen/Wünschen/Denken des Einzelnen als etwas, das nur im Ausnahmefall von "Fremdfaktoren" bestimmt ist (von denen es dich idealiter befreien kann), das aber ansonsten mit seinem "Wünschen" usw. identisch ist, das schon wissen wird "was ihm gut tut" etc. Diese Perspektive auf menschliche Bedürfnisse kann in letzter Konsequenz nur Varianten des schon Gegebenen hervorbringen, weil sie Bedürfnisse, die sich am Gegebenen gebildet haben, entweder total oder in Teilen mit dem Individuum, das sich zum Gegebenen verhalten muss, amalgamiert.

Und da dem allem c) immer schon zugrundeliegt, sehe ich eine Entwicklung, in der "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" immer starrere Charaktermodulsammelbecken werden, woran es überhaupt nichts ändern wird, dass an bestimmten Oberflächen bestimmte Gruppen diese Charaktermodule für Spielzeug halten.

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Morion

Gefährte

Re: Ich vermisse ... [Re: sphnix]

Was bedeutet Identität eigentlich?
Und was ist daran kritikwürdig?

Ceterum censeo dass Tabu die bessere Alternative gewesen wäre.
Quiek! Quiek! Quiek!
Ist das Satire oder kann das weg?
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sphnix

Gefährte

Re: Ich vermisse ... [Re: Morion]

Ich verwende es in dem Sinne, dass ich unter "Identität" die Identfikation eines Menschen mit seinen (bzw. einem Teil seiner) Eigenschaften und Rollen verstehe.
Diese Identifikation ist zum einen etwas, was einem Menschen permanent zugefügt wird (und was er nicht abstellen kann): Ich werde identifiziert als Deutscher, als Sohn oder Tochter meiner Eltern, als Mann oder Frau (oder meinetwegen auch als Transsexueller, das ändert ja nichts daran) usw. usf. Zum anderen ist sie aber auch etwas, was ich (ausgehend von dem, was mir zugefügt wird) selbst betreibe: Zum Teil unbewusst bzw. unwillentlich (indem sich mein Denken und Fühlen, meine Wünsche, meine Möglichkeiten und Unmöglichkeiten usw. nach dem heranbilden, was an mich herangetragen wird), zum anderen aber häufig auch bewusst und willentlich, indem ich das, zu dem ich gemacht wurde, im Resultat bejahe und daraus mein Selbstverständnis und meinen Selbstwert beziehe. Das Resultat in dieser Weise zu bejahen heißt aber, auch die Bedingungen zu bejahen, d.h. die gesellschaftliche Ordnung.
Jede gesellschaftliche Rolle oder Funktion bedeutet eine Entkonkretisierung der Interaktion zwischen Menschen, also eine Entfremdung. "Identität", wo sie vom Individuum positiv aufgegriffen und bestätigt wird, nimmt diese Entfremdung in den Menschen - in das, was man gemeinhin als "Innenraum" begreift, in sein Selbstverständnis - mit hinein. Insofern ist sie das permanente Trinken des Kakaos, durch den man gezogen wird, ums vereinfacht zu sagen.

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Mibora

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Re: Ich vermisse ... [Re: sphnix]

Neapel
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sphnix

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Re: Ich vermisse ... [Re: Mibora]

Ich war noch nie dort :/
Und das "noch" ist vermutlich eher optimistisch

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sphnix

Gefährte

Re: Ich vermisse ... [Re: sphnix]

... jemanden, der mir Kracht erklärt.
Und idealiter näherbringt oder ferner rückt, je nachdem.

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sphnix

Gefährte

Re: Ich vermisse ... [Re: sphnix]

dir Möglichkeit, am Anfang zu sein

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Yggdra_Sil

Gefährte

Re: Ich vermisse ... [Re: sphnix]

... Rückmeldungen auf Anrufe, E-Mails, WhatsApp Nachrichten, sms.

>> Mein humanistisches Handeln ist oft noch sehr menschlich <<
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sphnix

Gefährte

Re: Ich vermisse ... [Re: Yggdra_Sil]

asymptotische Konstellationen in meiner Existenz

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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