Zum Inhalt springen

Passwort vergessen?

Jetzt registrieren

herr-der-ringe-film.de

Mittelerde & andere phantastische Welten » Kreativschmiede » Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar V

Die Sonne stand bereits im Westen, als Königsmund in Sicht kam. Die Stürme der letzten Tage waren vorüber, doch die Winde waren immer noch stark und die Schwarzwasser-Bucht war rau und aufgewühlt. Die Ancalime rauschte in die Richtung der Stadt, das große schwarze Segel mit dem königlichen Wappen Gondors knatterte bei jedem Drehen des Windes. Elessar stand mit Hauptmann Túrin und Kapitän Rendil auf der Brücke seines Flaggschiffes.

"Die Schiffe sollen ausschwärmen und Linien bilden!", rief Elessar dem Kapitän zu. Rendil nickte und ließ den Befehl über Schlachthörner weitergeben. Die Schiffe aus Gondor, die zuvor in mehreren Reihen dem Flaggschiff gefolgt waren schwärmten an beiden Seiten aus, um Angriffslinien zu bilden.

Während der Großteil der Flotte Gondors auf das Eisentor im Norden der Stadt zuhielt, blickte Elessar nach Südosten, wo Stannis' Flotte und das Geschwader aus Dol Amroth in die Richtung der Flussmündung fuhren. Das Segel von Stannis' Flaggschiff Zorn glänzte golden und das feurige Herz, das den gekrönten Hirsch der Baratheons umgab, leuchtete in der Nachmittagssonne.

Der Tag der Schlacht ist gekommen. Später, als wir es zunächst geplant hatten.

Die Fahrt nach Königsmund hatte sich durch einen heftigen Sturm aus dem offenen Meer verzögert, der die beiden Flotten in der Gurgel auf der Höhe von Driftmark erreicht hatte. Zum Glück konnten sich die Schiffe hinter der schützenden Halbinsel von Massies Haken in Sicherheit bringen, doch zum Weiterfahren war das Wetter zu schlecht.

Während die Flotte auf eine Wetterbesserung wartete, waren die Könige in Scharfspitze, dem Sitz des Hauses Bar Emmon untergebracht. Elessar hatte die Zeit des Wartens genutzt, um in den Palantír zu schauen. Dabei hatte er die Schlacht am Goldweg zwischen den Heeren von Tywin und Renly erblickt und die Niederlage der Lannisters sowie den Aufbruch des siegreichen Heeres in die Richtung von Königsmund gesehen. Doch da der Sehende Stein nur Bilder, aber keine Töne übermittelte, blieb vieles unklar. Elessar konnte nicht hören, was gesprochen wurde und er wusste nicht, wer Renly war. An der Spitze des Heeres, das nun nach Südosten unterwegs war, hatte er einen jungen Mann mit dem Wappen des Hauses Tyrell und einen grimmigen Mann mittleren Alters mit einem roten Bogenschützen auf grünem Grund als Wappen gesehen. Er hatte später anhand des Wappens herausgefunden, dass der Bogenschütze einen Jäger darstellte und es sich bei dem grimmigen Mann um Lord Randyll Tarly von Hornberg handeln musste. Aber wo ist Lord Renly Baratheon?

Elessar hatte auch in den Palantír geschaut, um die Verteidigungsanlagen und Geheimgänge von Königsmund erneut auszuspähen. Einige Sorgen bereitete es ihm, dass die Stadt mittlerweile wohl über mehr als siebentausend Verteidiger verfügte. Andererseits hatte er auch die Brände im Wald südöstlich der Stadt und die dortigen Kämpfe zwischen Lords Florents Truppen und ihren Feinden gesehen. Wenn wir Hilfe von Renlys Truppen bekommen, ist unser Sieg gewiss. Überdies verfügte die feindliche Flotte über wesentlich weniger Schiffe als Stannis und Elessar zusammen. Wir sind ihnen dreifach überlegen. Doch Elessar hatte auch gesehen, dass die Sperrkette an der Flussmündung fertig war.

Im Palantír hatte Elessar auch viele der Verteidiger und die Bewohner von Königsmund gesehen – ganz gewöhnliche Menschen, von denen viele auch unter der schlechten Versorgungslage der Stadt litten. Als Elessar dies sah, waren ihm Zweifel gekommen, ob es rechtens war, diese Stadt anzugreifen. Hier ging es nicht darum, Orks oder andere Bestien zu vernichten oder sich gegen Angriffe von dunklen Mächten fehlgeleiteter wilder Menschen zu verteidigen, nein, hier waren die Soldaten Gondors selbst die Angreifer in einem Machtkampf, in dem die Fronten von Gut und Böse nicht so eindeutig waren wie im Ringkrieg.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Sicher, Elessar erfüllte ein Beistandsversprechen, das er Stannis gegeben hatte. Doch dieses Versprechen war kein Bündnis der Freundschaft wie mit König Éomer von Rohan, den Elessar wie einen Bruder liebte und dem er uneingeschränkt vertraute. Den führungsstarken, aber auch sturen und humorlosen Stannis konnte Elessar respektieren, aber nicht wie einen Freund lieben. Überdies spürte Elessar, dass Stannis ihm etwas verheimlichte. Vor allem aber hatte er kein Verständnis für Stannis' Vorhaben, die unschuldigen Kinder Myrcella und Tommen zu töten. Außerdem befremdete Elessar der lieblose Umgang von Stannis mit seiner Gemahlin und das Verstecken seiner Tochter. Andererseits fand er auch Selyse keineswegs vertrauenswürdig. Elessar misstraute der Königin und der Roten Priesterin, die unmittelbar vor dem Aufbruch der Flotte aus den Flusslanden zurückgekehrt war. Der heißblütige Eifer der beiden Frauen für den Herrn des Lichts und ihre feindselige Ablehnung anderer Glaubensrichtungen war für die Männer aus Mittelerde völlig unbegreiflich. Daher hatte Elessar kein schlechtes Gewissen, dass er seinerseits Geheimnisse vor Stannis hatte und ihm nichts über den Palantír verriet. Und trotz seines Misstrauens gegen Melisandre hatte er dafür gestimmt, dass sie auf ihren Wunsch mit in den Schlacht fuhr. Wir werden sehen, ob sie sich tatsächlich als hilfreich erweist.

Elessars Zweifel an dem Feldzug waren verflogen, als er am zweiten Abend in Scharfspitze mit Faramir und Eddard Stark gesprochen hatte und der Lord von Winterfell über das Schicksal seiner älteren Tochter Sansa geklagt hatte, die sich in Joffreys Gefangenschaft befand und Gerüchten zufolge fürchterlich misshandelt worden war. Als sie in dem Gespräch auch auf Tywin Lannister zu sprechen gekommen waren, hatte Elessar beiläufig erfahren, dass dessen Lieblingslied "Die Regen von Castamaer" war. "Castamir!", hatten die Männer aus Gondor erstaunt gerufen, denn sie hatten sofort an den einzigen Thronräuber in der Geschichte Gondors denken müssen.

Diese Namensähnlichkeit kann doch kein Zufall sein. Genauso wenig kann es Zufall sein, dass Lord Stark meinem toten Freund Boromir gleicht. Nein, beides hat eine Bedeutung. Elessar verwarf seine Zweifel und Bedenken und erinnerte sich daran, dass Manwe ihn in seinem Traum darauf hingewiesen hatte, dass die sieben Länder unter einer rechtmäßigen Herrschaft vereint sein müssten, um gegen den wahren Feind zu bestehen. Als mein Vorfahr Eldacar nach Gondor zurückkehrte und den Thronräuber Castamir stürzte, vergoss er auch das Blut vieler Menschen Gondors. Und doch tat er das Richtige! So werden auch wir das Richtige tun, wenn wir in dieser Welt dem rechtmäßigen König helfen, den Thronräuber Joffrey zu stürzen.

Nachdem der Sturm nachgelassen hatte, brach die Flotte wieder auf. Zwei Tage später rief Stannis Elessar und die Kapitäne beider Flotten zu einem Kriegsrat an Bord der Zorn. Elessar hatte dabei seine Erkenntnisse als "Mutmaßungen" und "Annahmen" dargelegt, um das Geheimnis des Palantírs nicht zu enthüllen und dabei auch von der "Möglichkeit" gesprochen, dass Tywin und Renly bereits gegeneinander gekämpft hatten. Wegen der Sperrkette an der Flussmündung wurden schließlich zwei Angriffspläne für die Fälle einer offenen und einer versperrten Flussmündung ausgearbeitet.

Unverändert blieb in beiden Plänen das Vorhaben, dass – mit Ausnahme des Geschwaders aus Dol Amroth - die Streitkräfte Gondors die Stadt von Norden angreifen sollten. Elessar blickte nach rechts in die Richtung des Ufers nordwestlich der Stadt. Noch war dort keine Bewegung zu entdecken. Zwei Kompanien aus Minas Tirith unter dem Befehl des erfahrenen Kommandanten Dacil waren nördlich der Stadt an Land gegangen, um auf Elessars Zeichen den Angriff auf das Eisentor zu beginnen. Und hinter ihnen waren weiter im Landesinneren nochmal vier Kompanien von Waldläufern sowie die Weiße Schar von Emyn Arnen unter Faramirs Befehl. Elessars primäres Angriffsziel war, zunächst möglichst viele feindliche Kräfte zu binden, um Stannis den Hauptangriff im Süden zu erleichtern. Erst später wollte er in die Stadt eindringen.

"Die Flotte soll die Segel einholen!", befahl Elessar. "Die Ruderer auf ihre Plätze!" Der Befehl wurde an die anderen Schiffe weitergegeben und durchgeführt. Der König wollte vermeiden, die Segel dem Beschuss durch die feindlichen Ballisten auf der Mauer auszusetzen. Er wusste, wo diese Geschütze standen und war sich sicher, dass sie auch eingesetzt würden. Am besten kommen wir ihnen zuvor.

"Ballisten beladen! Klarmachen zum Feuern!" rief er. "Zielt auf die Mauerkrone über dem Tor!" Auf einmal hörte er, wie in der Stadt Glocken läuteten, während die Schiffe immer näher an die Mauer und das Eisentor heran fuhren.

"Hört sich fast wie eine Begrüßung an", meinte Rendil trocken.

Elessar beobachtete die Mauer. Seine scharfen Augen sahen, dass sich dort viel Bewegung war. "Gebt den Befehl zum Feuern, Kapitän!", gebot er.

"FEUERT!", rief Rendil.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Sansa II

Auf dem Hof des Roten Bergfrieds herrschte aufgeregtes Treiben, seit die Berichte von feindlichen Schiffen eingetroffen waren. Ritter bestiegen ihre Pferde, Befehle wurden gerufen, Soldaten formierten sich und marschierten hinaus, Frauen eilten aufgeregt in die Septe. Sansa versuchte, ihre Aufregung zu verbergen, während sie nahe am Eingang zum Turm der Hand wartete.

Der Gnom kam mit seinem Knappen aus dem Turm heraus und sah sie. "Lady Sansa", sprach er sie freundlich an, "bestimmt hat meine Schwester Euch geboten, Euch zu den anderen hochgeborenen Damen in Maegors Feste zu gesellen?"

"Das hat sie, Mylord, aber Joffrey hat nach mir geschickt, damit ich bei seinem Aufbruch zugegen bin. Außerdem wollte ich die Septe aufsuchen, um zu beten."

"Ich werde Euch nicht fragen, für wen." Tyrion verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln. "Der heutige Tag kann alles verändern. Für Euch und auch für das Haus Lannister. In Maegors Feste sollte Ihr sicher sein, solange…"

"Sansa!" Der knabenhafte Ruf einer verhassten Stimme hallte über den Hof; Joffrey war mit der Königsgarde aus Maegors Feste geschritten und hatte sie erblickt. "Sansa, hierher!" Er rief sie herbei wie einen Hund.

"Seine Gnaden erwarten Euch", sagte Tyrion. "Wir sprechen uns nach der Schlacht, wenn die Götter es erlauben."

Sansa drängte sich an den Speerträgern vorbei, als Joffrey sie herbei winkte. "Es wird bald eine Schlacht geben!", stellte der junge König fest.

"Mögen die Götter uns allen gnädig sein." Uns allen, außer dir, du Scheusal!

"Mein Onkel und Euer Vater brauchen Gnade, aber ich werde ihnen keine gewähren." Er zog sein Schwert und hielt es hoch. "Mein neues Schwert, Herzfresser. Segnet es mit Eurem Kuss! Na los, küsst es schon!"

Für Sansa hörte er sich wie ein kleiner Junge an. Sie berührte das Metall mit den Lippen und dachte, dass sie lieber jede Menge Schwerter küssen würde als nur einmal Joffrey. Die Geste schien ihn zu befriedigen und er schob das Schwert schwungvoll zurück in die Scheide. "Ihr werdet es wieder küssen, wenn ich zurückkomme, damit Ihr das Blut meines Onkels und Eures Vaters schmecken könnt."

Sansa erinnerte sich daran, dass Joffrey früher einmal ein Schwert namens Löwenfang besessen hatte. Arya hatte es ihm weggenommen und in den Fluss geworfen. Hoffentlich machen Vater und Stannis mit diesem das Gleiche – und werfen Joffrey hinterher.

"Werdet Ihr Eure Ritter in den Kampf führen?", fragte sie hoffnungsvoll. "In der Vorhut Eures Heeres?"

Joffreys Miene verfinsterte sich. "Ein König bespricht Schlachtpläne nicht mit dummen Mädchen!"

"Verzeihung, Euer Gnaden, ich bin so dumm." Sansa senkte die Augen. "Natürlich werdet Ihr in der Vorhut sein. Es heißt, mein Bruder Robb geht immer dorthin, wo die Schlacht am schlimmsten wütet. Wobei er ja natürlich schon älter ist als Euer Gnaden. Ein erwachsener Mann."

Joffrey blickte noch finsterer drein. "Ich werde mich schon noch mit Eurem Bruder befassen und mit Herzfresser seinen Bauch aufschlitzen! Und Ihr solltet für meinen Sieg beten, wenn Ihr leben wollt! Denn ich werde nicht zulassen, dass Euer verräterischer Vater Euch lebendig bekommt!" Er wandte sich von ihr ab und schritt mit dem Gnom und seinen Leibwächtern davon, während in der Stadt die Glocken erklangen und das Nahen der Feinde ankündigten.

Sansa verfluchte Joffrey in ihrem Herzen und ging in die Septe, in der laut gesungen wurde. Einige Diener schlossen sich ihr an. Noch nie hatte Sansa die Septe so überfüllt und so hell erleuchtet gesehen. Das Sonnenlicht strahlte durch die Fenster und auf allen Altären brannten viele Kerzen. Sansa suchte die Sieben einen nach dem anderen auf und zündete an jedem Altar eine Kerze an, dann suchte sie sich einen Platz auf den Bänken.

Die Menschen sangen die Hymne der Mutter und Sansa stimmte mit ein. Sie sang um Gnade für die Lebenden und die Toten, für ihren Vater, der gewiss in der Nähe war, für ihre Mutter, für ihre Brüder, für Arya und ihren Bastardbruder Jon Schnee auf der Mauer. Sie sang für ihren Großvater Lord Hoster und ihren Onkel Edmure Tully, für ihre verschwundene Freundin Jeyne Pool, für den alten betrunkenen König Robert, für König Stannis, für Septa Mordane und Ser Dontos und Jory Cassel, für die Fremden, die ihren Vater gerettet hatten, für die all die tapferen Ritter und Soldaten, die heute sterben würden, und schließlich sang sie am Ende sogar für Tyrion den Gnom und den Bluthund. Er ist kein wahrer Ritter, trotzdem hat er mich gerettet. Beschütze ihn, Mutter, wenn du kannst, und bezähme den Zorn, den er in sich trägt.

Doch als der Septon aufstand und die Götter anrief, ihren wahren und edlen König und Verteidiger des Glaubens gegen Stannis' roten Götzen zu beschützen, erhob sich Sansa. Sie drängte sich durch die überfüllten Gänge zum Ausgang, während der Septon den Schmied anrief, damit er Joffreys Schwertarm Kraft verleihe, den Krieger, damit er ihm Mut gebe, den Vater, um ihn bei seinem Tun zu beschützen. Soll sein Schwert brechen und sein Schild zerbersten, dachte Sansa kalt und ging hinaus, soll ihn der Mut verlassen und ihm jeder Soldat davonlaufen. Mögen mein Vater und der wahre König Stannis den Sieg erringen!

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Vor der Septe blieb Sansa stehen und lauschte. Aus der Ferne hörte sie die Schlacht. Der Gesang übertönte den Lärm beinahe, doch er war nicht zu überhören, wenn man die Ohren spitzte, das Dröhnen der Skorpione, die ihre mit Eisenspitzen versehenen Pfeile abschossen, das Krachen einschlagender Geschosse und dazwischen die Schreie sterbender Männer.

Es kommt vom Norden. Sie greifen das Eisentor an. Ist mein Vater unter den Angreifern? Sansa zog sich die Kapuze ihres Mantels über den Kopf und eilte zu Maegors Feste, der Burg innerhalb der Burg. Am Fuß der Zugbrücke traf sie Lady Tanda Schurwerth und ihre beiden Töchter. Falyse war gestern mit einem kleinen Trupp Soldaten aus Burg Schurwerth eingetroffen. Sie versuchte gerade ihre Schwester zu überreden, auf die Brücke zu kommen, doch Lollys klammerte sich an ihre Zofe und schluchzte: "Ich will nicht, ich will nicht!"

"Die Schlacht hat begonnen", jammerte Lady Tanda.

"Ich will nicht, ich will nicht!"

Sansa konnte nicht einfach vorbeigehen, daher grüßte sie höflich. "Kann ich irgendwie helfen?"

Lady Tanda errötete vor Scham. "Nein, Mylady, aber wir danken ergebenst. Ihr müsst meiner Tochter vergeben, es geht ihr nicht gut."

"Ich will nicht." Lollys klammerte sich immer noch an ihre Zofe, eine hübsche junge Frau mit schwarzen Haaren, die ihre Herrin finster anblickte. "Bitte, ich will nicht."

Sansa sprach freundlich zu ihr: "Dort drinnen sind wir dreifach geschützt, und es gibt zu essen und zu trinken und gesungen wird auch."

Lollys starrte sie mit offenem Mund an. Sie schien ständig den Tränen nahe zu sein. "Ich will nicht."

"Du musst aber!", entgegnete ihre Schwester Falyse scharf, "und damit Schluss. Shae, hilf mir!" Beide packten jeweils einen Ellenbogen und schleppten Lollys über die Brücke. Sansa folgte ihnen mit ihrer Mutter. "Sie ist krank", erklärte Lady Tanda. Wenn man eine Schwangerschaft als Krankheit bezeichnen kann, dachte Sansa. Überall wurde darüber geredet, seit Lollys bei dem Aufstand am Tage von Prinzessin Myrcellas Abreise von zahlreichen Männern vergewaltigt worden war. Ein Schicksal, das Sansa nur dank des rechtzeitigen Eingreifens von Sandor Clegane erspart geblieben war.

Die Wachen ließen die Neuankömmlinge in den Ballsaal der Königin eintreten. Dieser prächtige Raum maß zwar nur ein Bruchteil der Großen Halle, dennoch konnten hier hundert Personen Platz finden. Fast jede adelige Dame der Stadt saß hier auf einer der Bänke an den langen Tischen, dazu einige Greise und Knaben. Zwischen ihnen saß Ser Dontos Hollard in seinem Narrengewand. Sansa mied seinen Blick. Seit sie Ser Dontos an Joffreys vierzehntem Namenstag mit ihrer Fürsprache das Leben gerettet hatte, war er mehrmals heimlich in den Götterhain gekommen und hatte ihr versprochen, dass er sie aus der Stadt bringen würde, sobald ein bestimmter Freund wiederkäme. Doch Sansa wollte sich von Ser Dontos nicht länger vertrösten lassen. Sie hoffte nicht mehr auf den Hofnarren und seinen unbekannten Freund. Sie hoffte auf ihren Vater und auf König Stannis.

Die anwesenden Damen waren Ehefrauen, Töchter, Mütter und Schwestern der Männer, die zum Kampf gegen Stannis ausgezogen waren. Die Atmosphäre war bedrückt von dem Wissen, dass viele dieser Männer nicht zurückkehren würden. Mit etwas Erleichterung sah Sansa, dass Cersei noch nicht anwesend war. Sie bestieg das Podest und setzte sich rechts neben den noch leeren Sitz der Königin, wie es ihr als der Verlobten des Königs zustand. Sie blickte kurz in die Reihen der adeligen Damen, dann senkte sie ihre Augen. Sie alle hoffen auf einen Sieg von Joffrey und ich alleine wünsche, dass Stannis und Vater die Stadt erobern.

Sansa betete still für Stannis' Sieg, auch wenn Joffrey ihr für den Fall seiner Niederlage mit dem Tode gedroht hatte. Natürlich wollte sie überleben, doch der Tod erschien ihr nicht schrecklicher als das Leben, das sie in den letzten Monaten führen musste und das sie sehr verändert hatte. Sie war nun eine Jungfrau von bald vierzehn Jahren, deren Mondblut bereits floss und nicht mehr das dumme, naive Kind, das unbedingt Königin an Joffreys Seite werden wollte. Der schöne Prinz, in den sie vor Ewigkeiten verliebt gewesen war, hatte sich als abscheuliches Monster erwiesen. Er hatte ihr Septa Mordanes abgeschlagenen und aufgespießten Kopf gezeigt und Sansa später mehrfach durch die Männer der Königsgarde schlagen lassen – einmal wegen eines Briefes, in dem ihr Vater und Stannis angeblich Lügen über Joffrey verbreitet hätten. Dann hatte er sie aus Wut über den Sieg von Robb bei der Schlacht von Ochsenfurt öffentlich gedemütigt. Zu ihrem Glück war Tyrion Lannister erschienen und hatte dem Schauspiel ein Ende bereitet und der Bluthund hatte seinen Mantel um sie gelegt.

Konnte sie dem Gnom trauen? Immerhin war er stets freundlich zu ihr gewesen – doch er war ein Lannister, genau wie Joffrey und die Königin, die auch so freundlich gewesen war, bis sie nach Vaters verhinderter Hinrichtung in der Großen Septe ihr wahres Gesicht gezeigt hatte. Nein, sie vertraute keinem Lannister. Sie war die Tochter der feindlichen Hand und hatte in dieser Stadt keine Freunde. Außer einem, der mich mehrfach gerettet hat. Nochmals betete sie still für Sandor Clegane.

Die Eingangstür öffnete sich erneut und der Haushofmeister trat ein. "Erhebt Euch für Ihre Gnaden, Cersei aus dem Hause Lannister, Königin, Regentin und Beschützerin des Reichs!", verkündete er. Sansa stand auf und stöhnte innerlich.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Eddard VI

Die Schwarze Betha segelte weit im Süden, daher konnte Ned nur aus der Ferne sehen, dass die Flotte Gondors ihren Angriff am Eisentor begonnen hatte und die Mauer von Königsmund beschoss. Er stand in voller Rüstung auf der Brücke, hörte das Läuten der Glocken und warf einen bangen Blick auf den Roten Bergfried auf Aegons Hohem Hügel, auf dem die Banner des falschen Königs wehten: der gekrönte Hirsch der Baratheons in seinem goldenen Feld und der Löwe der Lannisters auf scharlachrotem Grund. Ned fragte sich, wo genau Sansa war.

Ich hole dich da heraus, mein Kind! Am liebsten wäre er verkleidet in die Stadt geschlichen, um seine Tochter zu retten – so wie es Fürst Faramir mit seinen Männern getan hatte, als er Ned gerettet hatte. Doch er wusste, dass dies nicht möglich war. Ned dachte mit Dankbarkeit an Faramir, der in den Wäldern nördlich der Stadt auf das Zeichen seines Königs zum Angriff auf das Drachentor wartete.

In den letzten Monaten hatte sich zwischen Ned und Faramir eine tiefe Freundschaft entwickelt. Der Lord von Winterfell merkte, dass der Fürst von Ithilien ihm in vielem ähnlich war: Auch Faramir war ein rechtschaffener, ehrenwerter, pflichtbewusster und verantwortungsvoller Herr. Schließlich hatte Ned seine anfängliche Scheu überwunden, über seinen toten Doppelgänger zu sprechen und Faramir nach Boromir gefragt. Der Fürst von Ithilien hatte Ned darauf von Boromirs Taten erzählt und Ned hatte erstaunt festgestellt, dass Faramirs älterer Bruder charakterlich seinem eigenen Bruder Brandon ähnlich gewesen war: ein ausgezeichneter Krieger, tapfer und verwegen, doch manchmal auch heißblütig und unbesonnen.

Ned war von Drachenstein auf Faramirs Schiff mitgefahren und hätte gerne an der Seite des Fürsten von Ithilien gekämpft, doch Stannis hatte bei der letzten Besprechung mürrisch angemerkt, dass die Hand des Königs nicht mit Ausländern, sondern einheimischen Soldaten in die Hauptstadt zurückkehren sollte. Ned hatte sich darauf entschieden, auf der Schwarzen Betha mitzufahren. Er blickte nach vorne, in die Richtung der Mündung des Schwarzwasser.

"Die Einfahrt zum Fluss scheint offen zu sein. Oder seht Ihr etwas von einer Sperrkette?", fragte Ned den Kapitän.

"Nein, Mylord Hand", antwortete Ser Davos Seewert. "Wir sind wohl noch zu weit entfernt. Aber diese beiden kleinen Türme auf beiden Seiten der Mündung sind neu, denn ich habe sie nie zuvor gesehen. Und ich kenne seit meiner Zeit als Schmuggler das Ufer von Königsmund besser als die Rückseite meiner Hand."

Von der Zorn, dem Flaggschiff des Königs, kam ein Hornsignal. Stannis gab das Zeichen zum Ankern. Die Flotte sollte auf den Feind warten, wie es Ser Davos bei der letzten Besprechung vorgeschlagen hatte. Zwar war die Mehrzahl der Kapitäne der Ansicht gewesen, dass man angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit mit aller Macht den Fluss angreifen sollte, doch Ser Davos hatte eingewandt, dass man diese Überzahl auf dem offenen Meer besser ausnutzen könnte als auf dem Fluss und vor der Sperrkette gewarnt, mit der den Schiffen der Rückzug abgeschnitten werden könnte. Manch adeliger Kapitän hatte darauf hochmütig auf den Zwiebelritter herabgeblickt, doch überraschenderweise hatte Lady Melisandre Ser Davos' Vorschlag unterstützt und nachdrücklich davor gewarnt, überstürzt in den Fluss zu fahren. Nachdem sich auch Ned dem angeschlossen hatte, hatte Stannis schließlich entschieden, dass man Ser Davos' Vorschlag folgen würde.

Es war eine der seltenen Gelegenheiten gewesen, bei der Ned und Lady Melisandre einer Meinung gewesen waren. In Drachenstein hatte Ned als Anhänger der Alten Götter oft eine gewisse Feindseligkeit der Roten Frau und der von ihr beeinflussten Königin Selyse gespürt. Ned hatte sich gefragt, warum er es als Hand des Königs schon wieder mit einer feindlich gesonnenen Königin zu tun hatte. Doch anders als bei der tückischen und verschlagenen Cersei rührte die Feindseligkeit von Selyse nicht aus hinterhältigen Intrigen im Spiel um Throne – sie wollte ja genau wie Ned, dass Stannis den Eisernen Thron errang - sondern aus religiösem Fanatismus.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

So hatte Selyse einmal ihrem Gemahl vorgeschlagen, dass man nach der Eroberung von Königsmund aus der Großen Septe von Baelor einen Tempel für den Herrn des Lichts machen könnte. Ned hatte diesem Wahnsinn entschieden widersprochen und Stannis an sein Versprechen an König Elessar erinnert, wonach die Anhänger der alten und neuen Götter und ihre Heiligtümer unbehelligt bleiben müssten. Die Königin war darauf sehr wütend geworden und hatte Ned gedroht, dass nach König Elessars Rückkehr in dessen Welt die Götterhaine der von Ned verehrten alten Götter brennen würden. Stannis hatte den Streit mit einem energischen Machtwort beendet und seiner Gemahlin Schweigen geboten.

Lady Melisandre sprach nicht so unverhohlen wie die Königin, denn sie schien seit der ersten Begegnung mit König Elessar das ihm von König Stannis gegebene Versprechen zu respektieren – zumindest fürs Erste. Doch auch sie machte immer wieder deutlich, wie sehr sie hoffte, dass durch Stannis' Herrschaft der Glaube an den Herrn des Lichts die Verehrung der von ihr verachteten anderen Götter in Westeros verdrängen würde.

Ned fragte sich, ob er es unter diesen Umständen überhaupt verantworten konnte, das Amt der Hand des Königs wieder aufzugeben, oder ob er nicht in Königsmund bleiben müsste, um diesen religiösen Wahn Einhalt zu gebieten. Zumindest wollte er alles Möglich dafür tun, dass Stannis von den richtigen Leuten beraten würde – wie etwa von Ser Davos Seewert, einem Anhänger der Sieben, der ebenfalls ein Gegner von Melisandre war. Ned schätzte Ser Davos wegen seiner offenen und ehrlichen Art und seiner unerschütterlichen Treue zu Stannis. Zusammen hatten sie Stannis davon überzeugt, dass es keinen guten Eindruck machen würde, wenn die Rote Frau auf seinem Flaggschiff mitfuhr. Der Zwiebelritter war nicht gerade gebildet, aber er besaß mehr gesunden Menschenverstand als so mancher Lord. Könnte Ser Davos Lesen und Schreiben, wäre er als Hand des Königs bestens geeignet.

Ned blickte nach Süden, wo schwarze Rauchwolken aus dem Königswald aufstiegen. Es war bekannt, dass Lord Alester Florent sein Heer in den Wald geführt hatte, um Königsmund von dort aus anzugreifen. König Elessar hatte bei der letzten Besprechung gemutmaßt, dass Lord Alester bereits gegen die Lannisters kämpfen würde und vorgeschlagen, dass man mit ihm Kontakt aufnehmen sollte. Nun war Lord Alester zwar ein Onkel von Stannis' Gemahlin, aber er stand im Dienste von Lord Renly, daher war Stannis zunächst wenig angetan von Elessars Vorschlag, doch Ned und Ser Davos hatten König Elessar unterstützt und darauf hingewiesen, dass man sich mit Lord Alester verständigen sollte, um mögliche Missverständnisse und blutige Zusammenstöße zu vermeiden. Stannis hatte schließlich widerstrebend seine Zustimmung erteilt und so war ein Schiff nach Süden entsandt worden.

Haben unsere Boten Lord Alester schon erreicht? fragte sich Ned. Er schaute nochmal zur Flussmündung, wo er den Angriff von Joffreys Flotte erwartete.

"Wo bleiben die feindlichen Schiffe?", fragte er Ser Davos.

"Wahrscheinlich sind sie immer noch auf dem Fluss", vermutete der Zwiebelritter. "Die wissen, dass sie dort bessere Aussichten haben, einen Kampf zu gewinnen als hier draußen."

"Auf dem Fluss würden wir sie genauso besiegen!", warf Matthos Seewert, Davos' dritter Sohn und Erster Offizier der Schwarzen Betha ein. "Ich wünschte, König Stannis würde den Befehl zum Angriff geben!"

"Nein, es ist besser, wenn wir warten!", widersprach Ser Davos.

"Der König sieht das genauso!", bestätige Ned und zeigte zur Zorn, von der kein Angriffssignal kam. "Wir warten!"

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Tyrion IV

"Haha, er traut sich nicht anzugreifen!", spottete Joffrey. "Onkel Stannis ist ein elender Feigling!"

Der junge König stand mit seiner Garde, Tyrion, Hauptmann Vylarr von den Rotröcken und Lord Jaslyn Amwasser, dem Lord Kommandanten der Stadtwache, auf der nordöstlichen Mauer und schaute hinaus aufs Meer, wo Stannis' Flotte außerhalb der Reichweite der Geschütze stehen geblieben war. Tyrion lugte mühsam zwischen zwei Zinnen hindurch und war im Gegensatz zu seinem Neffen keineswegs belustigt.

Stannis' Flotte hatte sich in sechs Linien von zwanzig Schiffen aufgereiht. Die meisten Schiffe hatten Segel, die mit dem neuen Wappen von Lord Stannis bemalt waren. Es zeigte den schwarzen Hirsch der Baratheons, der von einem flammenden roten Herz umgeben war. In der ersten Schlachtreihe waren allerdings auch acht Schiffe, die ein fremdes Wappen auf ihren blauen Segeln trugen: Ein weißes Schiff in Form eines Schwans. Zwei der ausländischen Schiffe ankerten direkt neben der Zorn, Stannis' Flaggschiff.

Stannis lässt fremde Söldner an seiner Seite kämpfen? Ist er wirklich so abhängig von ihnen?

Mehr noch als die Anwesenheit der fremden Schiffe aber beunruhigte Tyrion, dass Stannis scheinbar überhaupt keine Anstalten machte, in den Fluss zu fahren.

"Er greift immer noch nicht an", stellte Joffrey fest.

"Doch, das tut er, Euer Gnaden!", widersprach Tyrion. "Die Söldnerschiffe greifen das Eisentor an." Er zeigte nach links, wo die Schiffe des sogenannten Königs von Gondor brennende Geschoße auf und hinter die Mauer feuerten.

"Aber das ist vermutlich nur ein Ablenkungsmanöver", meinte Lord Jaslyn. "Die Feinde werden uns dort beschießen, aber wohl kaum versuchen, das stark befestigte Tor zu stürmen. Wenn die Söldner dort an Land gehen, werden sie das teuer bezahlen – und zwar nicht nur, weil wir sie dann beschießen werden. Ich bin mir sicher, dass der Hauptangriff am Schwarzwasser erfolgen wird."

Ich hoffe, Ihr habt Recht, Lord Jaslyn, dachte Tyrion. Der überwiegende Teil seiner Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt waren auf die Abwehr eines Angriffs auf dem Fluss und auf die Tore im Süden der Stadt ausgerichtet gewesen.

"Wir sollten dem Angriff zuvorkommen und Stannis samt seiner Flotte vernichten!", forderte Joffrey. "Wo bleibt der Angriff der königlichen Flotte?"

"Euer Gnaden, die königliche Flotte ist viel kleiner als die Flotte des Usurpators", erklärte Tyrion. "Auf offener See kann er seine zahlenmäßige Überlegenheit ausspielen. Auf dem Fluss haben wir bessere Aussichten, seine Flotte zu vernichten."

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Ehe Joffrey etwas darauf erwidern konnte, kam Lancel Lannister herbei geeilt. "Euer Gnaden, Mylords", schnaufte er außer Atem, "die Söldnerflotte beschießt uns am Eisentor… überall Brände… auch hinter der Mauer."

"Dann sorgt dafür, dass wir mit unseren Geschützen zurückschießen und die feindlichen Schiffe in Brand setzen!", schimpfte Joffrey.

"Euer Gnaden, der Feind hat gleich am Anfang unsere Skorpione über dem Tor zerstört!", klagte Lancel. "Die wussten genau, wohin sie zu zielen hatten! Wir können im Moment nur mit Pfeilen schießen."

"WAS?", rief Tyrion erschrocken. "Das heißt, wir haben keine Geschütze am Eisentor?"

"Das ist noch nicht alles", sagte Lancel verzweifelt. "Es wurde feindliche Fußsoldaten gesichtet. Viele von ihnen sind auf der Straße vor dem Eisentor – außerhalb der Reichweite unserer Pfeile – und warten ab."

"Verflucht!", rief Hauptmann Vylarr. "Die warten wahrscheinlich, bis ihre Flotte das Eisentor sturmreif geschossen hat. Lord Tyrion, was ist, wenn nicht der Angriff auf das Eisentor das Ablenkungsmanöver ist, sondern das da?" Er zeigte auf Stannis' Schiffe vor der Schwarzwassermündung. "Was machen wir, wenn nicht nur die Söldner, sondern auch Lord Stannis im Norden landet und der Hauptangriff dort und nicht im Süden erfolgt?"

"Aber im Süden wird es einen Angriff geben!", wandte Lord Jaslyn ein. "Wenn nicht durch Lord Stannis, dann durch Lord Alester."

"Alester Florent ist immer noch jenseits des Flusses", sagte Vylarr, "aber jetzt müssen wir sehen, wie wir Stannis' Söldner abwehren – und verhindern, dass noch mehr seiner Männer im Norden an Land gehen."

"Bringt Verstärkung zu den Toren im Norden, Hauptmann!", befahl Tyrion. "Und damit meine ich Eure verlässlichen Männer und nicht nur die frisch angeworbenen Söldner. Sofort!" Vylarr nickte und eilte mit Lancel davon.

"Die Flotte muss angreifen!", drängte Joffrey.

"Das sehe ich mittlerweile genauso", seufzte Lord Jaslyn. "Wenn wir Lord Stannis unbehelligt lassen, kann er mit noch mehr Leuten die nördlichen Tore angreifen."

"Wahrscheinlich weiß er, dass wir genau das denken", knirschte Tyrion. "Er will unsere Schiffe hinauslocken. Aber wir haben keine andere Wahl." Unsere Flotte ist so oder so verloren. "Immerhin haben wir noch eine Überraschung für ihn. Gebt das Zeichen zum Angriff!"

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elphir V

Gleichermaßen gespannt und ungeduldig schaute Elphir auf die Flussmündung, während er mit Kapitän Narion auf der Brücke der Mithrellas auf Stannis' Entscheidung wartete. Natürlich war es ein guter Plan, im Meer auf die feindliche Flotte zu warten, um die eigene Überzahl auszuspielen. Aber wenn der Feind sich nicht darauf einließ? Elphirs Blick wanderte nach Steuerbord und nach Norden, wo die königliche Flotte von Gondor das Eisentor von Königsmund beschoss. Er sah Brände auf der Mauer und auch hinter der Mauer. Wie wird der Feind darauf reagieren? Und was machen wir, wenn keine erkennbare Reaktion kommt?

Elphir blickte nach Backbord zur Zorn, die direkt neben der Mithrellas ankerte. König Stannis stand auf der Brücke seines Flaggschiffs, den Blick auf die Flussmündung gerichtet.

"Habt Geduld, Mylord!", sagte eine Frauenstimme hinter Elphir. Lady Melisandre war auf die Brücke gekommen. Elphir stöhnte innerlich auf. Er hatte die Rote Frau auf ihren Wunsch (und König Elessars Befehl) mitgenommen, nachdem Eddard Stark und Davos Seewert davon abgeraten hatten, dass sie mit dem König mitfuhr und die anderen Lords und Kapitäne aus Stannis' Gefolge geäußert hatten, dass eine Frau in der Schlacht nichts zu suchen hatte, zumal sie als einzige auf dem Schiff keine Rüstung trug und daher in größerer Gefahr war, durch Pfeile oder andere Geschosse getötet zu werden. Aber wäre das so schlimm? Elphir kannte Melisandre aufgrund ihrer Gespräche in Drachenstein recht gut, doch er mochte sie immer noch nicht, obwohl sie freundlich zu ihm sprach und ihn immer wieder als "einen Krieger des Lichts" bezeichnete. "Habt Geduld", sagte sie wieder. "Schon in Kürze werdet Ihr den Feind mit dem Feuer des Herren besiegen."

"Wenn Ihr das sagt, wird es wohl so kommen", versetzte er trocken. "Entschuldigt mich für einen Moment!“ Er ging zur Steuerbordseite, wo er Erchirion auf der Brücke der Schwanenkraft gesehen hatte.

"He, kleiner Bruder!", rief er auf Westron zum anderen Schiff herüber. "Meinst du nicht auch, dass wir angreifen sollten?"

"Nein gewiss nicht!", antwortete Erchirion. "Mir gefällt das nicht, dass die Flussmündung offen ist. Das ist bestimmt eine Falle, das spüre ich! Ich sage dir, sobald ein Teil der Flotte durchgefahren ist, ziehen die die Sperrkette hoch!"

Elphir war verwundert über die ablehnende Antwort seines Bruders. "Dann sollten wir eben zuerst die beiden Türme an der Mündung angreifen und die Sperrkette in unsere Hand bringen!"

"Zuerst sollten wir auf den Feind warten!", erwiderte Erchirion. "Wer hier zuerst angreift, verliert!"

Ehe Elphir seinen Bruder fragen konnte, woher er das wüsste, ertönte ein Warnruf vom Ausguck der Zorn. "Feindliche Schiff in Sicht!" Elphir schaute zur Flussmündung. Tatsächlich war dort eine Linie von mehreren Galeeren zu sehen, die sich noch auf dem Fluss befand.

"Na endlich!", rief Elphir und eilte zur Brücke zurück. "Kapitän, alle Mann sollen sich kampfbereit machen! Es geht los. Mögen Ulmo und Tulkas uns beistehen!" Elphir vertraute lieber den Valar als dem Gott der Roten Frau.

Lady Melisandre, die eben noch ruhig auf der Brücke gestanden hatte, eilte gen Backbord und rief aufgeregt einige Worte in Richtung des Königs. Elphir verstand nicht genau, was sie rief, doch er hörte Stannis' Antwort: "Ja, gut, das Geschwader von Dol Amroth soll voran fahren!"

Das war ein Befehl nach Elphirs Geschmack! "Wir greifen an! Anker lichten! Volle…"

"Nein!", unterbrach ihn Melisandre. "Fahrt langsam, nicht mit voller Kraft! Und beladet Eure Geschütze mit brennenden Geschossen!"

"Das machen wir sowieso!", erwiderte Elphir pikiert. "Und warum sollen wir nicht mit voller Kraft fahren?"

"Das werdet Ihr gleich sehen!", antwortete Melisandre. "Fahrt langsam und feuert auf die Schiffe, die ich Euch zeigen werde! Ihr müsst mir vertrauen, Lord Elphir! Genau dafür hat Euer König bestimmt, dass ich bei Euch mitfahre!"

"Also gut!", schnaubte Elphir und nickte dem Kapitän zu. "Halbe Kraft voraus!", rief Narion. Auf seinen Befehl erklang ein Hornsignal. Die acht Schiffe aus Dol Amroth lösten sich aus der vordersten Linie und fuhren langsam in südwestlicher Richtung auf die Mündung des Schwarzwasser zu. Die Mithrellas setzte sich an die Spitze, begleitet von der Schwanenkraft und der Pracht von Belfalas. Die erste Linie der feindlichen Schiffe fuhr aus der Flussmündung auf das Meer hinaus. Elphir sah ein dutzend feindlicher Galeeren und zwischen ihnen einige kleinere Barken und Lastkähne. Warum nehmen die solche Nussschalen mit in die Schlacht?

"Schießt auf diese kleineren Schiffe!", drängte Melisandre.

"Warum das denn?", fragte Narion. "Das ist doch nur Treibholz."

"Keineswegs!", widersprach Melisandre heftig. "Nun schießt doch! Wir dürfen ihnen nicht zu nahe kommen."

"Schon gut!", beschwichtigte Elphir. "Wir schießen, sobald die Boote in Schussweite sind!"

Hinter ihm ertönte ein Hornsignal. Elphir drehte sich um und sah, dass sich Stannis' Flotte in Bewegung setzte. Gut, wir wollen ja nicht mit acht Schiffen gegen zwölf kämpfen.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Das Geschwader von Dol Amroth fuhr langsam in die Richtung der feindlichen Schiffe, die auch nicht schnell unterwegs waren. Plötzlich hörte er das Dröhnen einer Balliste. Eine der feindlichen Galeeren hatte einen meterlangen eisernen Pfeil auf die Mithrellas abgeschossen. Das Geschoß streifte ein Ruder und versank im Meer.

"Wir schießen zurück!", rief Elphir. "Nein, nicht auf die Galeere! Zielt auf diese Barke!" Die Männer an der Balliste blickten verwundert auf ihren Kommandanten, doch sie befolgten seinen Befehl. "FEUER!", schrie Elphir.

Die Balliste dröhnte und das brennende Geschoss flog in hohem Bogen auf die Barke, auf die Elphir gezeigt hatte. Als es einschlug, gab es einen ohrenbetäubenden Knall und riesige grüne Flammen schlugen empor. Elphir wurde von der Druckwelle fast umgerissen und war für einen Augenblick geblendet. Er hörte noch zwei weitere Explosionen.

"Was war… was ist das?", fragte er benommen und mit zitternder Stimme. Er griff an seinen Kopf und rückte seinen Helm zurecht. Narion, der neben ihm in Deckung gegangen war, stand langsam wieder auf.

"Seefeuer!", antwortete Melisandre. "Wird diese grüne Flüssigkeit einmal entzündet, können die Flammen nicht mehr gelöscht werden. Alles verbrennt, was auch nur in ihre Nähe kommt. All diese kleinen Boote sind mit Seefeuer beladen. Der Herr hat mich gewarnt, dass unsere Feinde diese Waffe einsetzen würde. Doch jetzt wird es ihnen selbst zum Verhängnis! Seht nur!"

Tatsächlich hatten die drei Explosionen fünf Galeeren der Lannister-Flotte in Brand gesetzt. Über das Meer erklangen die entsetzlichen Schreie verbrennender Menschen. Elphir wurde gewahr, dass das Geschwader von Dol Amroth immer noch in die Richtung der brennenden Schiffe fuhr.

"Ausweichen!", rief er. "Ruder Backbord! Wir müssen Abstand zu diesen Schiffen halten!" Ein Horn ertönte und gab auch den anderen Schiffen das Zeichen zum Ausweichen.

Die Mithrellas wendete nach Backbord, während die Schwanenkraft nach Steuerbord auswich. Elphir blickte auf die feindlichen Schiffe, die noch intakt waren und sah, dass diese ebenfalls versuchten, Abstand zu den gefährlichen Booten gewinnen. "Balliste nachladen!", befahl er. "Wir müssen sie beschießen, so lange noch Zeit ist. Zielt auf diesen Lastenkahn!"

Auf sein Zeichen wurde ein zweites Geschoss abgefeuert. Elphir wandte den Blick ab, bevor es den Kahn traf, der darauf explodierte und zwei weitere feindliche Schiffe in Brand setzte.

Als Elphir wieder hinsah, hörte er wie Melisandre rief: "Mylord, seht, was Eure Männer auf dem anderen Schiff machen!" Sie zeigte zur Pracht von Belfalas, wo mehrere Bogenschützen Brandpfeile aufgelegt hatten. Sie zielten auf ein kleines Boot, aus dem eine grüne Flüssigkeit austrat.

"Ist das nicht zu nah?", fragte Narion besorgt. "Wir sollten der Pracht von Belfalas das Zeichen geben…" Doch es war zu spät. Die Pfeile flogen ins Meer, doch keiner traf das Boot. Einer jedoch flog in das schwimmende Seefeuer, das sich darauf in einer Stichflamme entzündete. Die Flammen rasten wie an der Schnur gezogen durch das Wasser bis zu dem Boot, das darauf explodierte und eine weitere feindliche Galeere in Brand setzte. Einige brennende Trümmer des Bootes landeten knapp neben der Pracht von Belfalas im Meer. Das Schiff drehte darauf ab und entfernte sich von der feindlichen Flotte.

Elphir atmete durch. "Zum Glück sind wir auf dem Meer", stellte Narion erleichtert fest. "Hier ist genug Platz zum Ausweichen. Nicht auszudenken, wenn wir auf dem Fluss auf die Kähne mit diesem grünen Gift getroffen wären."

Mittlerweile war der größte Teil der Schiffe aus der ersten Linie der feindlichen Flotte am Brennen oder sogar schon am Sinken. Hundertfach waren die Schreie verbrennender und ertrinkender Menschen zu hören. "Seht, unsere Feinde werden vernichtet!", rief Melisandre begeistert. "Der Herr des Lichts schenkt seinen Kriegern den Sieg!"

Elphir schüttelte den Kopf. "Nicht so voreilig, Mylady. Der Sieg ist noch lange nicht unser, auch wenn das hier zweifellos ein guter Anfang war – was wir Euch zu verdanken haben."

"Dankt nicht mir, sondern dem Herrn des Lichts!", erwiderte Melisandre. "Und haltet Euch von dem Seefeuer fern!"

"Ja, gewiss!" Elphir nickte. "Ich will nicht noch mehr von diesem grünen Dreck entzünden. Kapitän, wir fahren um das Feuer herum weiter nach Osten, um von dort die zweite Linie des Feindes anzugreifen – wenn das nicht schon andere für uns erledigen." Mittlerweile war Stannis' Flotte eingetroffen und griff von drei Seiten an. Elphir wollte versuchen, das Geschwader von Dol Amroth zusammenzuhalten, doch als er sich umschaute, zählte er nur vier Schiffe mit dem Wappen des weißen Schwanenschiffs.

"Wo sind die anderen?", fragte er sich leise. "Wo ist Erchirion mit der Schwanenkraft?"

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


- Heermeister von Gondor
- Vorleser des Roten Buches
- Zitatewerfer der krassen Herde
- Facebook-Verweigerer
  • Extras: Nachricht drucken
  • Auf den Merkzettel
  • Moderator benachrichtigen
  • Sende diesem Benutzer eine private Nachricht
Zusatzinformationen
Thread drucken