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Mittelerde & andere phantastische Welten » Kreativschmiede » Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Vorwort

Etwa zehn Jahre nach Kampf um Mittelerde schreibe ich nun meine zweite Fanfiction – allerdings eine ganz andere, als ich damals erwartet hätte. Der Titel verrät bereits, dass es sich um ein Tolkien/Martin-Crossover handelt. Die Geschichte ist für Fans, die zumindest die "Herr der Ringe"-Verfilmung von Peter Jackson und die HBO-Serie "Game of Thrones" kennen. Wer freilich alle Details verstehen möchte, sollte auch die entsprechenden Bücher - "Das Lied von Eis und Feuer" von Martin und "Der Herr der Ringe" von Tolkien - gelesen haben. Da auch die Götter aus Tolkiens Welt eine Rolle spielen, ist zusätzlich die Kenntnis des Silmarillion hilfreich.

Wer eine Fanfiction wie "Kampf um Mittelerde" erwartet, sei vorgewarnt: "Gondor hilft Westeros" ist aus mehreren Gründen ganz anders. Während ich die in Tolkiens Werken erzählten Geschichten nicht verändern, sondern ergänzen will, beabsichtige ich bei Martin genau das Gegenteil: Durch das Eingreifen der Besucher aus Gondor wird das Game of Thrones entscheidend verändert. Allerdings bin ich darauf bedacht, alle bekannten Figuren "In Character" dazustellen.

Die Geschichte spielt fast ausschließlich in Westeros. Ich habe mich dabei mehr an der Buchreihe als an der TV-Serie orientiert, aber mir auch einige Freiheiten (z.B. hinsichtlich des Alters der Charaktere, der vorkommenden Personen und der Reihenfolge der Ereignisse) genommen. Wie in "Das Lied von Eis und Feuer" sind die einzelnen Kapitel nach dem jeweiligen "Point of View"-Charakter benannt. POV-Charaktere sind sowohl Gondorianer als auch Westerosi.

"Gondor hilft Westeros" ist jetzt noch lange nicht fertig geschrieben. Es wird eine mehrteilige, lange und komplexe Geschichte. Damit sie nicht zu lang wird, werde ich einige Lücken lassen: Es werden nicht die Plots sämtlicher POV-Charaktere von Anfang bis Ende durcherzählt; gelegentlich behelfe ich mich mit kurzen Rückblenden. Außerdem bleiben anfangs auch wichtige Charaktere aus Martins Geschichte außen vor, solange die Veränderungen der Geschichte ihre Plots nur geringfügig beeinflussen.

Die Nomenklatur dieser Fanfiction orientiert sich einerseits an der Carroux-Übersetzung von "Der Herr der Ringe" und andererseits an der neuen Übersetzung von "Das Lied von Eis und Feuer", also mit eingedeutschten Namen wie Königsmund, Graufreud, Schnellwasser etc., wie sie auch in der deutschen Synchronisation der TV-Serie verwendet werden. Allerdings habe ich eine Ausnahme gemacht: Mit der Schreibweise "Lennister" kann ich mich partout nicht anfreunden.

Den Prolog und die folgenden drei Kapitel poste ich innerhalb der nächsten Tage (mit zwei Posts je Kapitel), danach soll es grundsätzlich ein Kapitel pro Woche geben. Allerdings werde ich auch immer Pausen einlegen.

Feedback, Kommentare und konstruktive Kritik sind ausdrücklich erwünscht. Ich bitte darum, diese nicht per PM zu schicken, sondern hier im Thread zu posten!

Bevor ich loslege, bedanke ich mich ganz herzlich bei meinen Betalesern für ihre unschätzbar wertvolle Hilfe!

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Disclaimer: Diese Fanfiction basiert auf Werken von J.R.R. Tolkien und George R.R. Martin. Ich besitze kein Urheberrecht an der Geschichte und verdiene auch kein Geld damit.

Prolog – Der König in der Meerenge

Tief in Gedanken versunken blickte Stannis Baratheon auf das Meer hinaus. Es war ein schöner Morgen, doch der Mann auf den Mauern der Festung Drachenstein achtete weder auf den frischen Morgenwind noch auf das strahlende Licht der aufgehenden Sonne, das sich in der Schwarzwasserbucht spiegelte. Mit seiner hohen, gefurchten Stirn, seinem kantigen Kinn und seinem finsteren Blick wirkte er viel älter als die sechsunddreißig Jahre, die er zählte. Früh am Morgen war er hinaus auf die Mauern gegangen, um in aller Ruhe mit sich Rat zu halten. Seine Gedanken kreisten um die Ereignisse, die sich in den Sieben Königslanden abspielten, seit sein älterer Bruder Robert nicht mehr unter den Lebenden weilte.

Unmittelbar nach König Roberts Tod hatte dessen Witwe Cersei Roberts Hand Eddard Stark wegen angeblichen Hochverrats in den Kerker werfen lassen – ein völlig lächerlicher Vorwurf! Stannis kannte den wahren Grund. Lord Stark hatte herausgefunden, was Stannis (ebenso wie die vorherige Hand, der heimtückisch ermordete Jon Arryn) schon lange geahnt hatte: Keines der drei Kinder von Cersei war von Robert; sie waren Bastarde, hervorgegangen aus blutschänderischer Unzucht der schamlosen Hure Cersei mit ihrem Bruder Jaime Lannister, dem Königsmörder – auch der Knabe Joffrey, der älteste der drei, der dazu noch auf dem Eisernen Thron saß, war eine solche Abscheulichkeit. Dieser Bastard hatte kein Recht auf den Thron! Er, Stannis Baratheon, war der rechtmäßige König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Beschützer des Reichs! Er und sonst niemand!

Umso mehr schmerzte ihn, dass nicht einmal sein jüngerer Bruders Renly ihn unterstützte. Vielmehr hieß es, dass er durch eine Heirat mit Margaery Tyrell die Unterstützung von Rosengarten und der Lords der Weite gewinnen und sich selbst zum König ausrufen wollte. Seit wann durfte sich der jüngere Bruder vor dem älteren zum König ausrufen? Das war Hochverrat! Würden Renlys eigene Gefolgsleute, die Lords der Sturmlande, bei einem derartigen Verrat mitwirken? Stannis hatte einen besonders treuen Lehnsmann, Ser Davos Seewert, in die Sturmlande geschickt, um die Unterstützung der dortigen Lords zu gewinnen. Doch diese Mission hatte wenig Aussicht auf Erfolg – das meinte zumindest der alte Maester Cressen, der Robert, Stannis und Renly seit ihren Kindheitstagen kannte. Einst hatte Stannis Cressen sehr geschätzt, doch nun fragte er sich, ob er den mittlerweile sehr alten und gebrechlichen Maester nicht in den wohl verdienten Ruhestand schicken sollte. Die Zitadelle hatte ja bereits mit Maester Pylos einen jungen Nachfolger nach Drachenstein geschickt.

Falls Maester Cressens Einschätzung der Sturmlords aber zutreffend war und diese weiter zu Renly hielten, würde dieser über eine gewaltige Streitmacht verfügen. Groß genug, um den falschen König Joffrey und die Macht der Lannisters herauszufordern. Doch wer würde ihm, Stannis, dem rechtmäßigen König folgen? Über welche Macht verfügte er? Stannis‘ Gemahlin Selyse riet ihm, statt auf Lords und ihre Krieger auf Zauberei und eine fremde Religion zu vertrauen. Selyse wurde beeinflusst von Melisandre, der Schattenbinderin aus Asshai und Priesterin des Herrn des Lichts. Diese Fremde behauptete, dass der Sieg Stannis sicher sei, wenn er sich vom Glauben der Sieben abwandte und sich zu ihrem Roten Gott bekannte. Doch Stannis teilte die Begeisterung seiner Gemahlin für die Fremde und ihren Glauben nicht. Kriege wurden mit kampfstarken Heeren gewonnen, nicht mit Gebeten und Wahrsagerei!

Stannis dachte weiter an das Spiel der Throne und einen weiteren Mitspieler: Robb Stark, den Sohn von Eddard Stark, der nach der Festnahme seines Vaters mit dessen Vasallen in den Krieg gegen die Lannisters gezogen war. Dieser Jüngling zählte noch nicht einmal siebzehn Jahre, aber er hatte sich bereits als geschickter Feldherr erwiesen, die Lannisters in zwei Schlachten geschlagen und dabei auch Jaime Lannister, den Königsmörder, gefangengenommen. Stannis vermutete, dass Robb Stark nun versuchen würde, sich mit den Lannisters zu verständigen und den Königsmörder gegen seinen Vater auszutauschen.

Eine seltsame Erscheinung riss Stannis aus seinen Gedanken. Im Südwesten, hinter der Insel Driftmark, wurde es auf einmal hell, fast als ob dort eine zweite Sonne aufginge. Das Licht, dessen Quelle durch die Insel verdeckt war, strahlte einige Zeit, dann erlosch es ebenso plötzlich, wie es aufgeschienen war.

"Was war das?", fragte sich Stannis. "Hat es auf Driftmark gebrannt? Aber ein Brand von solcher Helligkeit müsste gewaltig sein, länger dauern und würde auch nicht augenblicklich erlöschen!" Stannis blickte noch einige Zeit in die Richtung der Insel, doch das Licht erschien nicht wieder. Unterdessen wurde er gewahr, dass er nicht der Einzige war, der das Licht bemerkt hatte. Er hörte, wie einige Wachen aufgeregt miteinander sprachen. Sicher, das Licht hatte so hell und so lange gestrahlt, dass es viele Leute auf Drachenstein gesehen haben mussten – die Wächter auf den Zinnen ebenso wie die Leute in der Steintrommel, gewiss auch die beiden Maester im Meerdrachenturm.

Stannis wandte seinen Blick vom Meer ab und schritt zügig zur Steintrommel, dem Bergfried, der den Mittelpunkt von Drachenstein bildete. Er begab sich in die Kammer der bemalten Tafel und befahl einem Diener, die beiden Maester zu ihm zu rufen. Während er vor der Tafel sitzend wartete, sann er darüber nach, was die Ursache dieses Lichts war, doch er konnte sich keinen Reim darauf machen.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Schließlich trafen Cressen und Pylos ein. Das Auftreten der beiden Maester konnte kaum unterschiedlicher sein – der eine alt, hinfällig und mit langen schlohweißen Haaren, der andere jung, eifrig und mit kurzem braunem Haar. "Euer Gnaden…" begann Maester Cressen. Ohne auch nur einen Gedanken an ein "Guten Morgen" oder sonst einen Gruß zu verschwenden, schnitt Stannis dem alten Mann das Wort ab und fragte: "Ihr habt es doch auch gesehen? Was war das?"

"Gesehen haben wir es", antwortete Cressen, "doch wir wissen noch nicht, was es war."

"Ja, dergleichen haben wir noch nie erblickt", ergänzte Pylos.

"Berichtet mir etwas, was ich noch nicht weiß!", murrte Stannis ungeduldig. "Ihr Gelehrten solltet doch wenigstens eine Vermutung haben!"

"Ja, Euer Gnaden!", antwortete Cressen. "Ich glaube, ich habe vor vielen Jahren in einer Schriftrolle gelesen, dass es jenseits der Sommerinseln Vulkane im Meer geben soll…"

"Mein Gemahl!", rief eine energische Frauenstimme. "Hört uns an!" Selyse Baratheon war ungefragt eingetreten, gefolgt von der Priesterin Melisandre. Stannis‘ schwarz gekleidete Gemahlin war groß, dunkelhaarig und schlank, doch mit ihren zu großen Ohren, ihrem strengen Mund und ihrer ausgeprägten Nase nicht gerade eine hübsche Frau. Dagegen war die stets in Rot gekleidete Schattenbinderin aus Asshai eine berückende Schönheit. Auch sie war groß und schlank, aber anders als Selyse wirkte sie elegant und anmutig. Blass und makellos war ihre Haut, rot ihr langes, wallendes Haar und auch ihre Augen glänzten rot.

"Was wollt Ihr, Selyse?", seufzte Stannis, der sich durch das Eindringen der beiden Frauen gestört fühlte.

"Lady Melisandre kann Euch erklären, was dieses erstaunliche Licht zu bedeuten hat!", versicherte Selyse.

Stannis zögerte kurz. "Also gut! Sprecht!", sagte er dann und nickte Melisandre zu.

"Euer Gnaden!", begann die Rote Frau. "Dieses Licht war ein Zeichen von R‘hllor, dem einzig wahren Gott. Aber es war mehr als das. In diesem Licht hat sich das Tor zu einer anderen Welt geöffnet. Zehntausend Krieger des Lichts haben es durchschritten um unsere Welt gegen die Dunkelheit zu verteidigen und um Euch in Eurem Kampf beizustehen!"

"Abergläubischer Unsinn!", warf Cressen verächtlich ein. "Woher wollt Ihr das wissen, Ausländerin? Seid ihr vorhin über Driftmark geschwebt, um Euch das anzuschauen und seid anschließend hierher zurückgeflogen? Ihr habt keine Beweise für Eure abenteuerlichen Behauptungen!"

"Ich habe es in den Flammen gesehen, alter Mann!", erwiderte Melisandre ruhig. "Und auch Ihr werdet bald die Wahrheit meiner Worte erkennen!"

"Mein Gemahl! Kümmert Euch nicht um diesen ungläubigen Greis!", rief Selyse und zeigte verächtlich auf Cressen. "Schwört den falschen Göttern ab und bekennt Euch zum Herrn des Lichts, auf dass seine Krieger Euch beistehen!"

"Ruhe!", fuhr Stannis seine Gemahlin an. "Ich habe einige hübsche Worte von Lady Melisandre gehört, doch ich hätte in der Tat gerne Beweise, die über einen Blick in die Flammen hinausgehen!"

"Verzeihung, Euer Gnaden", meldete sich der junge Maester Pylos schüchtern zu Wort, "aber sollten wir nicht besser den Lord von Driftmark oder den Lord der Scharfspitze befragen, was sie und ihre Leute gesehen haben? Auf Driftmark hatten sie eine bessere Sicht auf dieses Ereignis. Auch die Männer auf dem Wachturm der Scharfspitze haben sicher mehr gesehen als wir."

"Das ist endlich ein brauchbarer Vorschlag", brummte Stannis. "Also gut, sorgt dafür, dass Lord Velaryon von Driftmark herkommt und mir über diese Erscheinung Bericht erstattet. Von ihm erfahren wir eher etwas Nützliches als von dem Knaben von Scharfspitze." Lord Duram Bar Emmon von Scharfspitze war nämlich ein Jüngling von fünfzehn Jahren.

Bevor aber ein Bote nach Driftmark geschickt werden konnte, meldeten die Wachen, dass sich bereits die Stolz von Driftmark, das Schiff von Lord Monford Velaryon, das auf seinem meergrünen Segel das Wappen des Seepferdchens trug, Drachenstein näherte. Es dauerte nicht lange, ehe das Schiff anlegte und Monford Velaryon, Lord der Gezeiten und Meister von Driftmark darum bat, seinen König sprechen zu dürfen.

Lord Velaryon kniete nieder, als er den Eingang zur Kammer durchschritten hatte. Er war ein gut aussehender Mann mit dem langen blonden Haar der Abkömmlinge von Valyria. "Erhebt Euch!" befahl Stannis. "Ich wusste, dass Ihr kommen würdet, Lord Velaryon. Was habt Ihr mir zu berichten?"

"Euer Gnaden", antwortete der Lord der Gezeiten, "ich begab mich zu Euch, um von einem wahrhaft wunderlichen Ereignis zu berichten. Ich hätte es nicht geglaubt, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte."

"Ja, kommt zur Sache!", knurrte Stannis ungeduldig, "ich habe selbst gesehen, dass da etwas geleuchtet hat. Was habt Ihr gesehen?"

"Euer Gnaden, ich sah, wie im Südosten auf dem Meer ein Licht erstrahlte, als ob dort plötzlich eine zweite Sonne erschiene. Doch diese Sonne ging weder auf noch unter, sondern schien mit der Meeresoberfläche verwoben zu sein. Plötzlich entsprang dem Licht ein großes Schiff mit einem schwarzen Segel. Auf dem Segel war ein mir unbekanntes Wappen zu sehen: Eine silberne Krone und sieben Sterne über einem weißen Baum. Diesem Schiff folgten weitere, manche mit dem gleichen Wappen, andere mit schwarzen oder weißen Segeln ohne Wappen und wieder andere mit blauen Segeln, auf denen ein Schiff in Form eines Schwans als Wappen zu sehen war."

"Schiffe mit Schiffen als Wappen?", fragte Stannis. "Welche Art Schiffe waren es denn und wie viele? Und wo sind sie jetzt?"

"Zweifellos Kriegsschiffe", antwortete Lord Velaryon, "die größeren waren unseren Dromonen ähnlich. Einige waren mit Skorpionen ausgestattet. Insgesamt waren es wohl etwa fünfzig Schiffe. Sie fuhren zunächst in westlicher Richtung. Als hinter ihnen das Licht erlosch, wandte sich die Flotte nach Südwesten zur Schwarzwasserbucht. Sie fahren in die Richtung von Königsmund."

"Es ist wahr!", rief Melisandre. "Euer Gnaden, auf diesen Schiffen sind die zehntausend Krieger des Lichts aus einer anderen Welt, die Euch im Kampf beistehen werden!"

"Vielleicht habt Ihr Recht", räumte Stannis ein und sein Blick streifte Maester Cressen, der bestürzt und verwirrt wirkte, "doch selbst eine Verstärkung von zehntausend Männern dürfte nicht ausreichend sein, um die Sieben Königslande unter meine Herrschaft zu bringen. Außerdem frage ich mich, warum Eure Krieger des Lichts geradewegs nach Königsmund fahren."

"Habt Geduld, mein König!", antwortete die Priesterin. "Sie werden bald zu Euch kommen, und dafür sorgen, dass Eure Streitmacht noch um ein Vielfaches vergrößert wird."

"Also gut, Priesterin!", sagte Stannis. "Wenn meine Streitmacht tatsächlich auf so wundersame Weise vervielfacht wird, dann bekenne ich mich zu Eurem Gott!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar I

Das Licht der Valar umfing die Flotte Gondors. Als das Licht zuerst in der Bucht von Belfalas vor der Küste Gondors erschienen war, hatte König Elessar kurz gezögert, den Befehl zur Fahrt in das Licht zu erteilen. Doch da Elphir, Imrahils Sohn, Erbe und Kommandant von Dol Amroth, in jener schicksalhaften Nacht im Traum erfahren hatte, dass das Licht von den Valar komme und dort keine Gefahr für die Männer aus Gondor bestehe, gab der König doch den Befehl und die Flotte fuhr hinein.

Elessars Gedanken wanderten zurück zur Nacht der tausend verzauberten Träume im zehnten Jahr des Vierten Zeitalters, in der nicht nur Elphir, sondern auch Elessar, Faramir und viele andere Männer in Gondor und Arnor davon geträumt hatten, dass sie in eine andere Welt reisen müssten, die Hilfe benötigte. Doch kein Traum glich dem anderen und manch einer wollte nicht erzählen, was er in seinem Traum gesehen hatte. Andere sprachen ganz offen darüber, so auch der Erbe von Dol Amroth. Elphir hatte davon geträumt, wann und wie man in die andere Welt gelangen konnte: sie müssten genau ein Jahr nach der Nacht der verzauberten Träume auf Schiffen durch ein Licht in die Bucht von Belfalas fahren, wo die Valar das Tor zu der anderen Welt öffnen würden. Im Rest des Traumes hatte Elphir gesehen, wie die Schiffe durch das Meer in der anderen Welt zum Hafen einer großen Stadt fuhren. Faramir, der Truchsess des Königs und Fürst von Ithilien, hatte geträumt, wie er mit einer Schar von verkleideten Soldaten durch die Straßen und Gassen dieser großen Stadt schritt, um herauszufinden, warum er in eben jene Stadt geschickt worden war. Dem König wiederum war im Traume Manwe, der König der Valar erschienen und hatte ihm im Namen des Einen den Auftrag erteilt, seine Streitkräfte in diese andere Welt zu führen.

Von Manwe hatte Elessar erfahren, was unter den Elben und Menschen von Arda unbekannt und selbst in alten elbischen Schriften wie der Ainulindale nicht zu lesen war: In den unendlichen Weiten von Ea gab es außer Arda noch andere Welten, die von den Valar und anderen Ainur gemäß der Vision von Eru geformt worden waren und ebenfalls von Kindern Ilúvatars bewohnt wurden.

"In dieser Welt werdet ihr Menschen treffen, die euch sehr ähnlich sind. Doch sie sprechen andere Sprachen und sie kennen die Ainur unter anderen Namen und in anderer Anzahl als in Mittelerde und verehren sie auf unterschiedliche Weise."

Als Elessar wissen wollte, warum die Soldaten Gondors in jene Welt gehen sollten, erfuhr er, dass dort den Menschen die Vernichtung drohte - durch grausame Wesen, die viel gefährlicher seien als Orks, doch die Bewohner jener Welt ahnten nichts von der Gefahr, sondern verstrickten sich in Verderben bringende Machtkämpfe.

"Achtzehn Jahre vor eurer Ankunft kam der Wahnsinn über die sieben Länder des Westens und sie versanken in Chaos und Krieg. Auf den Krieg folgte ein trügerischer Friede, der jetzt vorbei ist. Die sieben Länder müssen unter einer rechtmäßigen Herrschaft vereint werden, um gegen den wahren Feind zu bestehen. In diesem Kampf brauchen die Menschen jener Welt die Hilfe von euch, denn ihr seid erfahren im Kampf gegen die Mächte des Bösen."

"Aber welche Mächte des Bösen wirken dort? Ist Sauron nicht besiegt?"

"Sauron hat nichts damit zu tun, denn er hat nur in Arda gewirkt. Er war nur einer von vielen Dienern von Morgoth, der seine böse Saat in vielen Welten gesät hat, nicht nur in Arda. Auch in jener Welt trägt sie Früchte: Verlogenheit, Bosheit, Arglist und Grausamkeit gibt es auch dort unter den Menschen. Wenn ihr nicht eingreift, wird fürchterliches Unrecht geschehen und es werden abscheuliche Verbrechen begangen."


Elessar hatte danach mehrere Visionen von der anderen Welt: Zunächst sah er einen Mann von hinten, der auf einer Treppe vor einer tobenden Menschenmenge kniete. Auf einmal wurde sein Kopf mit einem großen Schwert abgeschlagen.

In der nächsten Vision sah er eine scheinbar fröhliche Feier in einem großen Saal. Doch plötzlich wurden die Gäste mit Armbrüsten beschossen. Viele starben qualvoll. Wer den Beschuss überlebte, wurde von bewaffneten Männern, die in den Saal stürmten, grausam niedergemetzelt. Elessars Blick fiel auf einen jungen Mann mit rötlich-braunem Haar, der von mehreren Bolzen getroffen war und von einem Kerl in dunkler Rüstung mit einem Schwert durchbohrt wurde. Dann sah er eine rothaarige Frau. Ein Mann packte sie von hinten und schlitzte ihr mit einem Dolch die Kehle auf.

Es folgte eine Vision, in der er schwarz gekleidete Männer im schneebedeckten Hof einer Festung sah. Einer von ihnen war ein schwarzhaariger Jüngling, der dem jungen Mann aus der vorherigen Vision so ähnlich sah, dass er gewiss mit ihm verwandt war. Plötzlich zog ein Mann einen Dolch und rammte ihn dem Jüngling in den Hals. Die anderen Männer zogen ebenfalls Dolche und stachen auf den Jüngling ein, der vergeblich versuchte, sein Schwert zu ziehen. Wieder und wieder stachen die Mörder zu, bis der junge Mann tödlich getroffen in den Schnee fiel.

Danach sah Elessar, wie ein junges Mädchen, ein Kind von etwa dreizehn oder vierzehn Jahren, von zwei Soldaten auf einem Holzstapel an einen Pfahl gefesselt wurde. Der Stapel stand in einer schneebedeckten Winterlandschaft. Das Mädchen wehrte sich vergeblich und die Soldaten traten weg, nachdem sie das Mädchen gefesselt hatten. Das Gesicht des Kindes hätte man durchaus als hübsch bezeichnen können, wenn nicht die linke Hälfte durch eine Krankheit oder Verletzung entstellt gewesen wäre. Elessar hörte nichts, doch er sah, dass das Mädchen voller Angst schrie. Dann brannte der Holzstapel auf einmal und Flammen umschlossen das Kind. Damit endete die Vision und Elessar hatte wieder Manwes Stimme gehört:

"Du hast gesehen, wie ehrenwerte Leute heimtückisch ermordet wurden. Ihr könnt das verhindern. Doch alle menschlichen Schandtaten sind nichts im Vergleich zu dem, was jener Welt angetan wird, wenn die Menschen von ihrem wahren Feind überwältigt werden."

Nach diesen Worten hatte der König der Valar dem König von Arnor und Gondor eine noch schrecklichere Vision gezeigt, wie die andere Welt nach einem Sieg der Mächte des Bösen aussehen würde. Was Elessar sah, war so entsetzlich, dass er schweißgebadet aus dem Schlaf hochschreckte.

Dadurch weckte er auch seine Gemahlin. Zu Elessars Verblüffung wusste Arwen, dass er einen Auftrag von den Valar erhalten hatte. Die Königin erzählte ihrem Gemahl, dass ihr Varda im Traume erschienen sei und sie so vom Auftrag Manwes an Elessar erfahren hatte. Auch viele andere Frauen erfuhren in jener Nacht von dem Auftrag für ihre Männer – so etwa Éowyn, die Herrin von Ithilien und Melwen, Elphirs Gemahlin. Daher gaben sie ihre Einwilligung für das Abenteuer, in das ihre Männer zogen.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Ein Jahr war in Mittelerde seit der Nacht der tausend verzauberten Träume vergangen und diese Zeit hatte Elessar genutzt, um seine Streitmacht vorzubereiten, um sie am von Elphir vorhergesagten Tag in die andere Welt zu führen. Jetzt war es so weit. Das Licht wich nach hinten zurück und die Ancalime, das Schiff des Königs von Gondor, befand sich wieder auf dem Meer – einem anderen Meer als vor der Küste Gondors, das erkannte Elessar sofort.

Der König erhob sich, um sich umzusehen. Stolz und aufrecht stand er in seiner Rüstung, sein Schwert Andúril an seiner Seite und die Helmkrone auf seinem Haupt. Er hatte diese neue Krone eigens für seine Feldzüge anfertigen lassen, da die geflügelte Krone der alten Könige stets in Minas Tirith bleiben sollte.

Vor ihnen, in westlicher Richtung, war am Horizont eine ferne Küste zu sehen. Zur rechten Seite, im Norden, befand sich eine langgezogene Insel. Im Osten war eine andere Küste zu erkennen, mit einem großen Turm an ihrem nördlichen Ende. Auf dem Turm brannte ein Leuchtfeuer. Zwischen diesem Turm und der Insel konnte man auf das offene Meer sehen. Die Flotte Gondors befand sich augenscheinlich in einer Bucht.

Wie vereinbart setzte sich die Mithrellas, das von Elphir kommandierte Flaggschiff von Dol Amroth, an die Spitze der Flotte, da Elphir in seinem Traum gesehen hatte, wohin die Flotte fahren sollte. Der Erbe von Dol Amroth ließ einen südwestlichen Kurs einschlagen. Die ganze Flotte wendete darauf nach Südwesten und folgte Elphirs Schiff.

Es war früh am Morgen in dieser anderen Welt, als die Flotte Gondors in der Bucht erschienen war. Günstige Winde trugen die Flotte weit nach Südwesten, wobei die Schiffe sich von der Küste im Westen fernhielten. Das erschien Elessar ratsam, denn er wollte angesichts von Manwes Warnungen nicht zu früh ein Aufeinandertreffen mit den Menschen dieser Welt heraufbeschwören. "Allzu lange können wir ohnehin nicht verborgen bleiben", dachte er, "gewiss wurden wir schon von Leuten auf jener Insel und dem Turm im Osten gesehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir anderen Schiffen begegnen."

Doch in den folgenden Stunden sahen sie keine anderen Schiffe, während vor ihnen die Sonne nach Süden aufstieg. Obwohl die Flotte mit Soldaten und Vorräten schwer beladen war, kamen sie rasch voran. Der Mittag verging und die Sonne zog allmählich gen Westen. Bald darauf begegneten sie zum ersten Mal einem anderen Schiff. Es war ein kleines Fischerboot, das in südöstlicher Richtung Reißaus nahm. Elessar ließ die Flotte weiter in die von Elphir eingeschlagene Richtung segeln, auch wenn er sich fragte, wie die Mächtigen in dieser Welt auf die Ankunft der Flotte Gondors antworten würden. "Werden sie uns für feindliche Eroberer halten? Und werden wir dann versehentlich gegen jene kämpfen, deren Verbündete wir sein sollen? Wie werden wir in die von Manwe erwähnten Machtkämpfe dieser Welt verstrickt? Und wie sollen wir wissen, wer Freund und wer Feind ist?"

Außer dem Fischerboot sahen sie noch ein Handelsschiff zu ihrer Rechten, das in nordöstliche Richtung fuhr. Der Nachmittag war schon weit fortgeschritten, als fern im Süden eine weitere Küste zu sehen war. Die Mithrellas wurde langsamer und von ihrem Deck erging an die ganze Flotte das Zeichen zum Ankern.

Elessar ließ darauf Faramir und Elphir zu sich rufen, die kurz darauf an Bord der Ancalime kamen, um sich mit ihrem König zu beraten. Die drei nahmen an Deck Platz.

Zunächst wandte sich der König an den Erben von Dol Amroth: "Warum halten wir hier an, Elphir, Imrahils Sohn? Weißt du, wo wir sind?"

"Mein König, wir sind nun genau östlich jener großen Stadt, die Faramir und ich erreichen sollen. In meinem Traume sind wir von hier nur mit zwei Schiffen weitersegeln."

"Ihr wollt also zu dieser Stadt – was macht ihr dort?", fragte Elessar.

"Mein Traum endete am Hafen", antwortete Elphir etwas verlegen. "Ich war damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit der Leute zu erregen, bevor ich aufwachte."

"Ich werde in der Stadt ohne Elphir unterwegs sein", sagte Faramir, "so war es jedenfalls in meinem Traum. Ich bin mit meinen Männern durch die Straßen geschritten, die zu einem hohen, gewaltigen Gebäude mit sieben Türmen führten. Ich spürte, dass dort eine sehr wichtige Aufgabe auf mich wartete und ich auch erfahren würde, warum mich die Valar in jene Stadt gesandt hatten. Doch ehe ich bis dort ankam, wachte ich auf."

Der König seufzte. "Die Valar machen es uns nicht gerade leicht. Ich wünschte, sie hätten uns in den Träumen mehr über diese Welt verraten. Aber wie dem auch sei, es scheint in der Tat nicht ratsam, mit der ganzen Flotte zu dieser Stadt zu fahren, da dies als Angriff missverstanden werden könnte. Ihr beide begebt euch nur mit euren zwei Schiffen zu der Stadt."

"Gut, ich werde vorausfahren!", sagte Elphir.

"Und ich werde dir mit etwas Abstand folgen", sagte Faramir, "So können wir es vielleicht vermeiden, Aufsehen zu erregen. Doch wir sollten gleich aufbrechen und die Nacht durchfahren. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit drängt."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elphir I

"Wach auf, Bruder!", Erchirions Stimme und sein Klopfen an der Tür der Kajüte weckten Elphir. "Ja, schon gut!" murmelte er, stand langsam auf und ging sich waschen. Er hatte in der Nacht tief und fest geschlafen und war in guter Stimmung.

Ohnehin war er ein Mann von sonnigem Gemüt und auch mit fünfundvierzig hatte er sich eine kindliche Freude an dem Abenteuer bewahrt, in das er nun geraten war – ein Abenteuer, das andere für eine Verrücktheit hielten. Elphir wusste, dass auch sein Vater nicht viel davon hielt, dass sich sein König, sein Neffe und seine beiden älteren Söhne und mit ihnen viele Männer aus seinem Fürstentum auf diese Fahrt in eine andere Welt einließen. Doch aus Loyalität gegenüber dem König hatte Fürst Imrahil nur zurückhaltend Kritik geäußert und es selbstverständlich auf sich genommen, in Abwesenheit von König und Truchsess über Gondor zu wachen.

Zum allgemeinen Erstaunen hatte Elphirs Gemahlin Melwen weitaus weniger Einwände gegen das Vorhaben erhoben als ihre Schwiegereltern – wie so viele Ehefrauen von Kriegern hatte auch sie im Traum erfahren, dass ihr Gemahl in dieses Abenteuer ziehen musste und daher ihre Einwilligung erteilt. Elphirs erstgeborener Sohn Alphros wollte seinen Vater auf seiner Mission begleiten. Damit war Melwen freilich überhaupt nicht einverstanden und auch Elphir machte Alphros klar, dass er mit fünfzehn Jahren noch zu jung für Krieg und Kampf war und nicht mitkommen durfte. Widerwillig hatte der Jüngling gehorcht. Auch Elphir jüngster (und wenig kriegerischer) Bruder Amrothos war zu Hause geblieben, da er keinen verzauberten Traum gehabt hatte.

Nachdem Elphir sich gewaschen und angekleidet hatte, begab er sich an Deck, um mit seinem Bruder zu frühstücken. Mittlerweile war das Schiff so weit in die Bucht vorgedrungen, dass sowohl im Norden als auch im Süden Küsten zu sehen waren – ebenso im Westen, wo in der Ferne eine Stadt mit einer großen Festung ins Blickfeld kam. Wir haben unser Ziel bald erreicht!

"Ist das die Stadt, die du gesehen hast?", fragte Erchirion während sie aßen.

"Ja, fürwahr!", antwortete Elphir. "Bald erreichen wir die Mündung eines Flusses. Dort müssen wir hineinfahren, um zum Hafen zu gelangen."

"Und wenn wir dort sind?", fragte Erchirion weiter. "Was machen wir dann? Was machen wir, wenn die hiesigen Soldaten uns angreifen? Darüber hat dir dein Traum nichts gezeigt!" Erchirion war weitaus angespannter als sein Bruder. Auch er hatte einen verzauberten Traum geträumt, doch er hatte mit Elphir nie darüber gesprochen, was in dem Traum vorkam, sondern nur angedeutet, dass es schrecklich war.

"Nur die Ruhe!", sagte Elphir unbesorgt und beendete sein Mahl. "Wir lenken die Aufmerksamkeit auf uns, so dass Faramir mit seinen Männern in die Stadt gelangen kann. Und was die Soldaten der Stadt betrifft, werde ich das Reden übernehmen. Ich will einen Kampf unter allen Umständen vermeiden. Also darf es keine vorschnellen und hastigen Handlungen geben. Verstanden, Hauptmann?"

"Ja, Kommandant!", antwortete Erchirion, der aber keineswegs beruhigt wirkte – und damit war er nicht der Einzige. Etliche Männer auf der Mithrellas waren sichtlich nervös.

Ihre Anspannung wuchs, als sie sich der Stadt näherten und sie genauer betrachten konnten. Eine hohe und lange Mauer umgab sie ganz, auch zur Meerseite hin. Am östlichsten Rand der Stadt stand auf einer Anhöhe die aus roten Steinen erbaute Festung. Sehr groß, ja gewaltig, war sie – viel größer als die Vesten von Dol Amroth oder Minas Tirith. Sieben mächtige Türme ragten in den Himmel, zwischen denen noch weitere Gebäude zu sehen waren. Elphir fragte sich, ob dies das Bauwerk war, das Faramir aufsuchen musste.

Auch wenn Elphir wie alle Männer auf der Mithrellas von der gewaltigen Festung beeindruckt war, so achtete er auch auf das Meer und dabei entging ihm nicht, dass in der Nähe der Stadt mehr Schiffe unterwegs waren als auf dem offenen Meer. Einige Fischerboote fuhren aufs Meer hinaus und ein großes Handelsschiff war nach Nordosten unterwegs. Auf Elphirs Befehl steuerte die Mithrellas in die Richtung, aus der die Schiffe kamen: südöstlich an der Festung vorbei in die Mündung des Flusses.

Während sie an der Festung vorbeiglitten, blickten Wachen auf den Zinnen auf sie herunter. "Das gefällt mir nicht!", murrte Erchirion. "Die sehen uns! Bald bekommen wir Ärger!"

"Ich glaube nicht, dass wir Ärger bekommen", erwiderte Elphir, "Natürlich sehen die uns. Aber wir sind nur eines von mehreren Schiffen, die hier entlangfahren."

"Nur dass die anderen Schiffe keine Balliste und keine zweihundert Krieger an Bord haben!", wandte Erchirion ein. "Wir fallen verdammt noch mal auf! Es wäre ein Wunder, wenn wir bei denen da oben keine Aufmerksamkeit erregen!"

"Na und wenn schon!", Elphir blieb immer noch gelassen. "Besser die werden auf uns aufmerksam als auf Faramir!" Er blickte kurz nach Osten, wo ihnen Faramirs Schiff Finduilas in einiger Entfernung folgte. Es hatte die Mündung des Flusses noch nicht erreicht.

Die Mithrellas fuhr weiter den Fluss hinauf, während vor ihr der Hafen in Sicht kam. Dieser befand sich vor der Mauer, in die Stadt konnte man von dort nur durch ein bewachtes Tor gelangen. Hinter der Mauer erhob sich ein Hügel, auf dem sich ein weiteres auffälliges Gebäude erhob: Ein sehr großer, runder Bau mit einem kuppelförmigen Dach und sieben schmalen, hohen Türmen. Welchen Zweck er hatte, vermochte Elphir nicht zu erraten.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Das Schiff fuhr langsamer, während die Seeleute nach einem Landeplatz Ausschau hielten. Sie erblickten einen freien Steg in der Nähe des Tores, aber Elphir gab das Zeichen zum Weiterfahren. Schließlich steuerten sie den nächsten Steg an, an dem auch noch kein anderes Schiff ankerte. Elphir schaute sich das Treiben im Hafen an: Da waren Menschen mit heller oder dunkler Haut, wie man sie auch in Gondor oder Harad kannte. Auch ihre Gewänder wären in Mittelerde nicht als ungewöhnlich aufgefallen. Doch umgekehrt schauten die Leute mit großen Augen auf das Schiff von Dol Amroth.

"Ich sagte, doch, dass wir auffallen!", versetzte Erchirion rechthaberisch. "Ja, immer mit der Ruhe!", erwiderte Elphir. "Immerhin schauen sie eher neugierig und nicht unbedingt feindselig. Da kommt sogar einer – los, werft ihm die Leinen zu!"

Tatsächlich kam ein Mann in einfacher Kleidung auf den Steg und als ihm die Seeleute von Dol Amroth die Leinen zuwarfen, fing er sie auf und machte sie an einem Poller fest. So anders ist diese Welt gar nicht! dachte Elphir, stellte sich an die Reling und lächelte freundlich, worauf der Mann sich ihm zuwandte und einige Worte sprach – in einer Sprache, die keiner der Männer aus Dol Amroth verstand. Natürlich, andere Welt, andere Sprachen!

Er will wohl wissen, wo wir herkommen, mutmaßte Elphir und sagte: "Gondor. Dol Amroth." Der Mann blickte ihn verständnislos an und stellte noch eine Frage. "Tut mir leid. Ich verstehe Euch nicht." Elphir zuckte mit den Schultern. Der Mann machte darauf ebenfalls eine entschuldigende Geste, zeigte zum Hafen und ging.

"Und was machen wir jetzt?", fragte Erchirion, der hinter seinem Bruder stand. "Abwarten!" antwortete Elphir. "Unser neuer Freund kommt bestimmt gleich wieder."

Tatsächlich kam der Mann nach einigen Minuten in Begleitung eines weiteren Mannes, dessen Kleidung etwas vornehmer war. Nachdem der erste Mann auf Elphir gezeigt hatte, wandte sich der zweite Mann dem Erben von Dol Amroth zu und fragte sprach einige Worte in einer anderen Sprache als der erste Mann, die Elphir aber auch nicht verstand. Als er den Kopf schüttelte, atmete der Mann tief durch und versuchte es in einer dritten Sprache – vergeblich. "Tut mir leid, ich spreche nur Westron, Sindarin und Quenya!" Elphir streckte entschuldigend die Arme aus. "Und einige Brocken aus der Sprache der Rohirrim."

Der zweite Mann sagte darauf langsam: "Braavosi? Ghiscari? Lyseni? Pentosi?" Doch Elphir konnte nur entschuldigend mit den Schultern zucken. Er versuchte es nun mit den Elbensprachen. "Suilad! Mae govannen!", sagte er, doch das verstand der Mann nicht. Elphir fuhr unbeirrt fort: "Elen síla lúmenn..." Doch dann wurde er von seinem Bruder unterbrochen.

"Gleich bekommen wir Ärger! Schau!", warnte Erchirion, so dass Elphir zum Hafen blickte, wo viel Bewegung und Unruhe war. Durch das Tor kam aus der Stadt eine Gruppe von etwa hundert bewaffneten Männern heranmarschiert. Sie trugen Speere, Helme, schwarze Rüstungen und vergoldete Umhänge.

Die Krieger erreichten den Steg und stellten sich zu den beiden Männern, wobei sie ihre Speere auf das Schiff richteten. Feindselig waren ihre Blicke und auch der Tonfall des Kriegers, der einige unverständliche Worte in Elphirs Richtung brüllte.

Angesichts der bedrohlichen Haltung der einheimischen Krieger hatten auch die Soldaten von Dol Amroth zu den Waffen gegriffen, doch Elphir beschwichtigte seine Männer: "Ruhig, Kameraden! Senkt eure Waffen!"

Er hielt beide Hände mit den Handflächen nach außen als Zeichen des Friedens hoch und wandte sich an den Offizier der einheimischen Krieger: "Friede, mein Freund! Wir sind aus dem Königreich Gondor und kommen in friedlicher Absicht. Gibt es unter euch jemanden, der Westron versteht?"

Natürlich verstand der Offizier Elphir nicht und blickte etwas verwirrt drein, während der Mann in der vornehmen Kleidung auf ihn einredete. Aus den Augenwinkeln sah Elphir, wie Faramirs Schiff zum anderen freien Steg fuhr.

Elphir beobachtete wieder die Einheimischen, die heftig diskutierten. Anhand ihrer Gesten vermutete er, dass es darum ging, ob man noch jemanden holen sollte. Er schaute in die Reihen ihrer Soldaten, unter denen einige immer noch finster drein blickten, andere aber eher unsicher wirkten. Das sind keine harten Krieger – jedenfalls nicht so hart wie unsere Jungs.

Unterdessen legte am anderen Steg Faramirs Schiff an, ohne dass ihm auch nur annähernd so viel Aufmerksamkeit zuteilwurde wie Elphir. Nicht nur die Soldaten, sondern auch die anderen Menschen, die ihm Hafen zu tun hatten, blickten neugierig auf das Schiff aus Dol Amroth und achteten kaum auf den anderen Neuankömmling.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir I

Noch bevor die Finduilas die Mündung des Flusses erreicht hatte, befahl Faramir, einfache Gewänder anzuziehen. Über die Gewänder kamen Umhänge in verschiedenen Farben, unter denen man auch die eine oder andere Waffe verbergen konnte. Faramir hatte in seinem Traum gesehen, dass er und seine Männer so durch die Stadt geschritten waren.

Als sie in die Nähe des Hafens kamen, erblickte Faramir ebenfalls das Gebäude mit dem Kuppeldach. Seine Augen weiteten sich, denn dieses beeindruckende Bauwerk kannte er aus seinem Traum – genau dorthin musste er gelangen! Er hängte den Köcher mit den Pfeilen über seine Schulter und nahm seinen Bogen zur Hand.

Das Schiff steuerte den freien Steg in der Nähe des Tores an. Kaum jemand schenkte ihnen Beachtung, denn die meisten Blicke im Hafen waren auf die Mithrellas gerichtet. Kein Wunder, denn die Finduilas war nicht nur wegen ihres schlichten weißen Segels weitaus weniger auffällig. Sie war deutlich kleiner, nicht mit Geschützen ausgestattet und nicht auf Anhieb als Kriegsschiff erkennbar.

Wie bei der Mithrellas half ein Hafenarbeiter, die Finduilas zu vertäuen, doch er sprach nicht zu den Leuten auf den Schiff, sondern schaute immer wieder neugierig zur Mithrellas hinüber. Nachdem die Leinen festgemacht waren, gingen einige von Faramirs Männern über eine Planke an Land. Der Hafenarbeiter wandte sich von ihnen ab und auch sonst kümmerte sich keiner der Einheimischen um sie. Darauf ging auch Faramir an Land – in Begleitung von Beregond, dem Hauptmann seiner Leibwache, der Weißen Schar von Emyn Arnen, und dessen Sohn Bergil. Weitere Männer folgten – insgesamt etwa hundert Krieger der Weißen Schar. Einige waren wie Faramir mit Pfeil und Bogen bewaffnet, die meisten aber hatten lediglich ihre unter den Umhängen verborgenen Schwerter dabei. Die Seeleute blieben an Bord.

"Wir gehen in die Stadt!", instruierte Faramir seine Männer. "Aber bildet keine Reihen, sondern kleine Gruppen und haltet Abstand! Wir sollten nicht auf Anhieb als Krieger erkannt werden."

Faramir ging mit Beregond, Bergil und fünf weiteren Männern durch den Hafen zum Tor. Zum Erstaunen seiner Begleiter stand dort nur ein einziger mit Speer und Schwert bewaffneter Wachsoldat in einem vergoldeten Umhang. Er redete sie in einer fremden Sprache an und zeigte auf Faramirs Bogen und Pfeile. Der Truchsess sagte nichts, aber er wusste aus seinem Traum, was er zu tun hatte. Er holte drei Goldmünzen hervor und reichte sie dem Mann, der große Augen machte. Er blickte fasziniert auf die Münzen aus Gondor und kümmerte sich nicht darum, dass Faramir und seine Begleiter durch das Tor schritten. Sie gelangten zu einem Platz mit einigen Marktständen.

"Wohin gehen wir genau?", fragte Beregond, während sich Bergil verstohlen umschaute und sah, dass ihnen die anderen Gruppen der Weißen Schar folgten. "Wir müssen zu diesem Gebäude!" sagte Faramir und zeigte nach links zum Hügel, wo der Kuppelbau mit den sieben Türmen stand. "Dazu müssen wir zunächst die Hauptstraße hinauf."

Faramir und seine Männer gingen weiter und schienen nicht aufzufallen, denn auf der Straße waren viele Menschen unterwegs. Diese Stadt war nicht nur größer, sondern auch weitaus belebter als Minas Tirith, die Hauptstadt von Gondor. Doch sie war auch viel schmutziger und immer wieder lagen unangenehme Gerüche in der Luft. Kurz hinter dem Tor bog eine große Straße nach rechts ab, in die Richtung der aus roten Steinen erbauten Festung. Die Männer aus Gondor aber gingen geradeaus weiter.

Das große Gebäude mit den sieben Türmen blieb zu ihrer Linken und die schnurgerade Straße führte in eine andere Richtung. "Sind wir auf dem richtigen Weg?" fragte Bergil zweifelnd. "Ja, das sind wir!" antwortete Faramir. "Ich weiß, wohin wir gehen müssen!"

Während sie weiter gingen, hörten sie auf einmal den Klang von Glocken. Faramir und seinen Männer blieben stehen und blickten zu dem Kuppelbau hinüber. Die Glocken befanden sich offenbar in dessen Türmen. Auch die Einheimischen hielten kurz inne, doch dann setzten sie sich in Bewegung – sie eilten alle die Straße hinauf. Faramir gab das Zeichen, der Menschenmenge zu folgen.

Schließlich kamen sie zu einer Kreuzung. Die Querstraße führte rechts zu der roten Festung. Die Menge aber bog nach links ab und strömte zu einem Platz, in den weitere Straßen mündeten. Noch mehr Menschen kamen aus diesen Straßen herbei und gingen alle in die Richtung einer schmalen Straße am Ende des Platzes, die zum Hügel und dem großen Gebäude führte.

Mittlerweile herrschte auf der Straße ein heftiges Gedränge. Faramir und seinen sieben Begleitern gelang es, zusammen zu bleiben, doch sie konnten nicht sehen, wie weit die anderen Soldaten Gondors hinter ihnen waren.

Sie erreichten einen großen Platz, in dessen Mitte eine hohe Statue stand. Dahinter führte eine breite Treppe mit vielen Stufen zum Eingang des Kuppelbaus. Auf dem Platz war bereits eine große Menschenmenge versammelt, die zu einigen Leuten auf den Stufen der Treppe aufschaute.

Faramir wusste aus seinem Traum, dass er zu diesen Leuten musste. Er drängte durch die Menschenmenge und kümmerte sich nicht um die wütenden Ausrufe der von ihm und seinen Begleitern beiseitegeschobenen Menschen. Er musste diese Leute auf der Treppe genauer in Augenschein nehmen! Sein Blick fiel vor allem auf einen großen Mann, der die Arme hinter seinem Rücken verschränkt hielt und der zwischen zwei Wachen stand. Als sie an der hohen Statue vorbeikamen, blieb Faramir stehen. Er erstarrte, als er den Mann zu erkennen glaubte. Am liebsten hätte er den Namen des Mannes laut aufgeschrien, doch er konnte diesen Impuls unterdrücken und flüsterte nur:

"Boromir!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Der Mann, der dort stand, war sein Bruder! Aber wie war das möglich? Boromir war doch schon vor dreizehn Jahren an der Nordgrenze Gondors getötet worden! Faramir selbst hatte das Totenboot gesehen, in das Boromir nach seinem Tod gelegt worden war. Doch hier stand er und war wieder lebendig! Allerdings schien er geschwächt zu sein und unter Schmerzen zu leiden. Sein rechtes Bein war dick verbunden. Die beiden Wachen stützten ihn.

Faramir blickte zu seinen Begleitern, die ebenfalls große Augen machten, als sie Boromir erkannten. Der junge Bergil, der zu Boromirs Lebzeiten noch ein Kind gewesen war, murmelte: "Aber ist das nicht… Herr, ist er das?" Faramir nickte knapp und gab ihm das Zeichen zum Schweigen.

Er schaute sich die anderen Leute auf der Treppe an: Vor den Zuschauern stand eine Reihe von etwa fünfzig Soldaten, die von einem Offizier in schwarz-goldener Rüstung kommandiert wurden. Hinter Boromir stand ein dicker alter Mann in einem weißen Gewand, der eine eigentümliche Krone aus glitzernden Kristallen trug. "Ist das ein König?", fragte sich Faramir. Vor dem Tor zu dem Kuppelbau standen viele Damen und Herren in schönen Gewändern – zweifellos waren das die Adeligen und Vornehmen in dieser Stadt. Unter ihnen fiel besonders ein großer Jüngling (oder doch noch ein Knabe?) in einem roten Gewand auf, der eine goldene Krone trug. An seiner Seite standen eine blonde Frau in einem schwarzen Gewand, außerdem ein Mann mit einer Glatze, ein kleiner Mann mit Spitzbart und ein junges Mädchen mit roten Haaren.

Boromir begann zu reden, doch so leise, dass man ihn nicht verstand. Die Menge wurde unruhig und der Befehlshaber der Wachen trat zu ihm und redete ihn scharf an. "Das gefällt mir gar nicht", dachte Faramir und zog einen Pfeil aus seinem Köcher. Er sah, dass Boromir gefesselt war.

Boromir erhob seine Stimme und sprach lauter. Faramir verstand kein Wort, doch er erkannte die vertraute Stimme seines Bruders. Das ist Boromir! Was er sagte, schien der Menschenmenge zu missfallen, denn es erhoben sich wütende Schreie. Plötzlich flogen Steine aus der Menge. Einer traf Boromirs Stirn, einer den Bewacher zu seiner Linken, ein weiterer den Befehlshaber der Wachen.

"Wir müssen ihn da heraus holen!", sagte Faramir leise. "Aber es wird schwer, es gleichzeitig mit den Wachen und der Menschenmenge aufzunehmen!"

Er sah, wie der dicke Mann zu dem gekrönten Knaben ging und sich vor ihn hinkniete. Wie es schien, war nicht der Dicke, sondern dieser Junge der König. Er trat vor und die Menge wurde ruhig, als er seine Stimme erhob. Auch wenn Faramir kein Wort verstand, das der jugendliche König sprach, so sah er in dessen Gesicht doch Hochmut, Bosheit und Falschheit. Das ist kein guter Junge. Der Knabe lächelte kurz dem rothaarigen Mädchen zu und sprach dann einige Worte, die die Menge erneut toben ließen. Was er sagte, schien auch für einige Leute aus seinem Hofstaat unerwartet zu kommen – die blonde Frau und der Glatzkopf redeten auf den Jungen ein und der dicke Mann griff nach seinem Gewand. Das Mädchen, das eben noch gelächelt hatte, sank zu Boden und brach in Tränen aus.

Ein schwarz gekleideter Mann mit einem großen Schwert auf dem Rücken trat aus dem Hofstaat hervor und schritt auf Boromir zu. Faramir sah entsetzt, wie sein Bruder vom Befehlshaber der Wache zu Boden gestoßen wurde. Der Mann in Schwarz zog das Schwert aus der Scheide.

"Beregond, Bergil!", rief Faramir und legte den Pfeil auf. "Haltet mir ja die Leute vom Leibe, wenn ich schieße!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Eddard I

"Ser Ilyn, bringt mir seinen Kopf!"

Ned erstarrte, als er Joffreys Worte hörte. War ihm nicht versprochen worden, dass er am Leben bleiben durfte, wenn er gestand? Varys hatte es ihm zugesagt – und jetzt hörte Ned, wie Varys gegen die Entscheidung Joffreys protestierte, auch Cersei redete zu ihrem Sohn. Sansa schluchzte und schrie.

Plötzlich spürte Ned einen Stoß im Rücken und sank in die Knie. Als er es wagte, zur Seite zu blicken, sah er Ilyn Payn neben sich stehen und ein großes Schwert ziehen – nicht irgendein Schwert, sondern ausgerechnet Eis, das Erbstück des Hauses Stark. So ende ich, hingerichtet von meinem eigenen Schwert, dachte Ned verzweifelt und senkte den Kopf, oh ihr Götter von Wald, Fluss und Stein, helft meiner Cat, helft meinen Kindern, helft Jon! Steht mir bei! Warum müssen meine Töchter das nur mit ansehen? Immer noch hörte er das Schluchzen von Sansa. Und er wusste, dass Arya in der Menschenmenge war.

Jeden Moment erwartete er den tödlichen Streich, doch dieser kam nicht. Stattdessen hörte Ned, wie Ilyn Payn vor Schmerz laut knurrte. Ned blickte wieder zur Seite und sah, dass ein Pfeil im Oberarm des Henkers steckte. Eis fiel ihm aus den Händen. Ser Ilyn blickte wütend in die tobende, schreiende Menschenmenge, aus der auf einmal eine klare Stimme rief: "Gondor! Boromir!" Ein weiterer Pfeil kam angeflogen und traf Ser Ilyns Stirn, so dass der Henker tödlich verletzt auf die Stufen stürzte. Die klare Stimme schrie etwas in einer fremden Sprache.

Aus den Reihen der hohen Lords und Ladies kamen entsetzte Schreie, nur Sansa jubelte schrill. In der Menschenmenge brach Panik aus, als aus verschiedenen Richtungen Pfeile auf die Goldröcke abgeschossen wurden und mehrfach der Ruf "Gondor! Boromir!" erklang. Die meisten Pfeile verfehlten ihre Ziel oder prallten an den Rüstungen der Goldröcke ab, doch ein Mann wurde im Gesicht getroffen und ging zu Boden. Die Reihe der Goldröcke, die die Menge von den Lords und Ladies getrennt hatte, geriet ins Wanken, als die Menschen panisch ihn alle Richtungen strömten.

Ned kniete immer noch gefesselt auf den Stufen und richtete sich auf. Habt Dank, Ihr Götter! Seine Bewacher waren geflohen. Er hörte, wie Joffrey lauthals fluchte. Der junge König wurde von Cersei durch das Tor in die Großen Septe gedrängt. Die hohen Lords und Ladies flohen alle in das Innere der Septe, ebenso die Männer der Königsgarde und einige Goldröcke, allen voran Janos Slynt. Sansa, die vom Bluthund mitgezogen wurde, schrie nach ihrem Vater. Als Ned dies sah, wollte er aufstehen, doch es gelang ihm nicht, da ein stechender Schmerz sein verletztes Bein durchfuhr.

Die Reihe der Soldaten vor Ned wurde durchbrochen, als drei Goldröcke von mehreren in Umhängen gekleideten Männern mit Schwertern niedergestreckt wurden. Der größte dieser Männer, der einen Bogen um seine Schultern trug und sein Schwert zog, rannte auf Ned zu. Für einen Augenblick glaubte Ned, sein Bruder Benjen sei gekommen, da der Fremde ebenfalls schwarze Haare mit einigen grauen Strähnen hatte, doch dann sah er, dass dies jemand anderer war. Der Mann kniete neben Ned, zog ein Messer und begann zu reden. Ned verstand kein Wort und schüttelte den Kopf. Er hörte wieder das Wort "Boromir" heraus, als der Mann die Fesseln an Neds Händen durchtrennte.

Der Mann stand auf und reichte Ned seine rechte Hand, um ihn beim Aufstehen zu helfen, während um sie herum das Chaos tobte. Die fremden Krieger hatten ihre Schwerter gezogen und kämpften gegen die verbliebenen Goldröcke. Ned ließ sich von seinem Retter auf die Beine ziehen, aber schrie gleich darauf: "Vorsicht! Hinter Euch!", Einer der Goldröcke wollte Neds Retter von hinten mit seinem Schwert angreifen, doch er blieb stehen und schrie vor Schmerz auf, als sein Oberschenkel von einer schmalen Klinge durchbohrt wurde – Arya hatte mit ihrem Schwert Nadel zugestochen!

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