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Spiel & Spaß » Das Mathom-Haus » Textverfassungsthread, MH-Sektion. Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? Man weiß es nicht!

sphnix

Gefährte

Re: seufzzzzzz [Re: sphnix]

Irgendwie habe ich grade den Eindruck, dass ich Korrekturen nicht wirklich gut ertrage, weil ich mein Gesicht und meine unspezifische, nach vielen falschen Lesarten unabgeschotteten Gesamterscheinung nicht recht durchstehe.
Ergo sollte ich jetzt Theoriekram machen.
Ergo muss ich Theoriekram ausbuddeln.
Gnghnn.

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Pyr

Gefährte

Re: seufzzzzzz [Re: sphnix]

"Gesicht" als literarisches Gesicht, d.h. konkrete Textgestalt?

Gommorah is a nursery rhyme
you won't find in the book.
It's written on your city's face,
just stop and take a look.

(Sixto Rodriguez)


In ihrem Schweigen gegen die Erlebnisberichte der Individuen wird die Totalität das letzte Wort behalten.
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sphnix

Gefährte

Re: seufzzzzzz [Re: Pyr]

Nein, als "Ich schaue in den Spiegel und muss etwas damit anfangen"-Ding, aber das hat ja auch damit zu tun, wie ich von mir selbst denken kann.

Man liest nie mit dem Herzen gut.

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Pyr

Gefährte

Re: seufzzzzzz [Re: sphnix]

Ich sehe da den Literatur-Zusammenhang nicht.

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sphnix

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Re: seufzzzzzz [Re: Pyr]

Selbstbilddinge. Dir vermutlich tatsächlich eher schwer fassbar.

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sphnix

Gefährte

Re: seufzzzzzz [Re: sphnix]

Dinge und Gewohnheiten, die den Vorgang des Korrigierens besonders effektiv und heiter gestalten:

- Unlesbarkeit der eigenen Schrift, die sie am Rand ausgedruckter Seiten rankt, noch dazu mit Ausrufezeichen versehen. Heißt das nun Bidgisaum, Bichgisum oder ...
Ah, so ich dies gerade tippe, ergibt sich Biologismus. Schön. Aber das Problem bleibt bestehen.

- irrationale Tendenz dazu, bei Korrigieren dann doch nur den Text auf dem Bildschirm einfach nochmal durchzugehen und darin herunmzupfuschen, anstatt sich erst einmal stumpf an die handschriftlichen Korrekturen zu halten

- die generelle Unübersehbarkeit von allem, was länger als ein, zwe Seiten ist

*seufzzzzzz*

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sphnix

Gefährte

Monologik, Teil 7: [Re: sphnix]

Mir ist letztens, zeichnend, (wieder?) das interessante Phänomen zu Bewusstsein gekommen, wie anders ich einerseits zu etwas stehe, das ich geschrieben habe (Fiktionales, meine ich; nicht Erörterndes), und andererseits etwas, das ich gezeichnet oder gemalt habe. Kurzgefasst: Bilder sind mir prinzipiell nicht peinlich, Text ist es prinzipiell schon. D. h., mir können konkrete Bilder konkreten Personen gegenüber vielleicht peinlich sein (und wenn, dann eher ihres Motivs wegen); aber unter normalen Umständen sind sie es nicht. Bilder, die ich gemacht habe, hängen bei mir an der Wand, fliegen lose herum, und jeder der mag, kann sie anschauen, ohne dass mich das unter normalen Umständen besonders stört, oder dass mir besonders daran liegt.
Bei fiktionalen Texten ist das anders; sie dem Blick eines anderen ausgesetzt zu wissen, hat etwas potenziell Quälendes und Vernichtendes*, das aber schon im eigenen Blick anfäng. D. h., sobald er abgeschlossen ist, sobald er das Stadium des Provisorischen verlassen hat, kann der Text mir, wenn ich ihn (korrigierend oder dergleichen) lese, als etwas Unerträgliches, mich Beschämendes gegenübertreten. Nicht, weil er speziell etwas über mich verraten würde; wenigstens ist das nicht die Hauptsache, und ich weiß auch gar nicht, inwiefern oder ob Texte das tun, oder inwiefern sie es eher tun als Bilder. Auch nicht, zumindest nicht direkt, weil ich fürchte, dass er schlecht ist. Gerade Zeug, das ich nebenher geschrieben habe - Gelegenheitsgedichtchen, „Kinder“geschichtchen usw. - gebe ich sehr leichtherzig aus der Hand; und ich glaube, ich wäre auch im Stande, einen miserablen Auftragstext ohne viel Schamgefühl in die Welt zu sabbeln, sofern es um nichts Zeitraubendes geht.

Die qualitativen Mängel werden erst zum mir (potenziell bis zur Unanschaubarkeit) Unerträglichen, wo sie sich mit Anspruch verbinden; und vielleicht ist der Anspruch das viel peinlichere, weil im Inneren irrsinnige: Der der Erzeugung von fiktionalem Text zugrundeliegende Gedanke, man könnte etwas aus sich hervorbringen, das besser ist als man selbst; und man könne in dieses bessere Etwas alles hineinretten, was man an Wertvollem besitzt (Erkenntnisse, Erlebnisse, Wahrnehmungen, Sätze, Perspektiven); man könne dieses zerstreute, lose Wertvolle oder Notwendige, das in einem selbst (der man immer schon ein sinkendes Schiff ist) herumfliegt, so bündeln, dass es sich durch die Form potenziert und (und sei es nur für kurze Zeit) Etwas und gerettet ist. Diese Hoffnung ist hybrid, maßlos; dafür gemacht, an ihr zu scheitern; sie ist AsymptoteÜ**. Jeder konkrete Text, solange man an ihm arbeitet, ist ein Sich-Zubewegen auf diese Asymptote, und jeder abgeschlossene Text offenbart die Distanz zu ihr. Es gibt den freundlichen Blick auf den abgeschlossenen Text, der der Bewegungsrichtung folgt, aber es gibt immer auch den Blick auf die Distanz, und die Furcht, dass diese Distanz so eklatant ist, dass der Versuch selbst nichts als lächerlich ist. Zeichnungen, die ich anfertige, liegt die Idee, sie könnten besser als ich sein, überhaupt nicht zugrunde; und darum können sie mir auch nicht in diesem Sinne peinlich sein.

Wenn ich mich selbst als Literaten betrachte (was keine Qualitätsaussage beinhaltet), so liegt das in diesem Umstand begründet, in dieser Daseins-Disposition. Ich verwende (und definiere) den Begriff als Abgrenzung zum veröffentlichenden Schriftsteller einerseits, und zum im inneren seiner Klause von innerlichem Schaffensdrang und -zwang beseelten, anachronistischen Poeten/Dichter/etc.; und zwar, um eine Verfasstheit zu beschreiben, die weder eine gesellschaftlichen Rolle bzw. äußere/anerkannte Funktion meint, noch eine metaphysisch aufgedonnerte „Seelenbeschaffenheit“ und fixe So-bin-Ich-Tatsache ontologischer Prägung, sondern ein Gewordensein, d.h., eine Verfasstheit, die sich im Austausch mit der Welt (im Erleiden und Verarbeiten der eigenen Biographie) herausgebildet hat, und die weder rein psychisch noch rein intellektuell ist, sondern hybrid.
Die Frage ist immer, ob die Verquerheiten, auf denen sie fraglos auch beruht, sie zum reinen, abzulehnenden Symptom machen, oder ob sie eine legitime und sinnvolle Weise darstellen kann, mit den Zumutungen der Welt umzugehen.



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* das zu Empfinden ich übrigens zu, Teil damit umgehen kann, indem ich selbst Texte, die ich aus der Hand gegeben habe, dann erst einmal nicht mehr anschaue; dann geht es potenziell.
Die andere Möglichkeit ist, dass die Person, die den Text bekommt, meiner Perspektive auf Texte so fern ist, dass sie meinen Blick unmöglich haben kann.
** Ich hab das ja nochmal nachgeschaut, um keine falschen Metaphern zu verwenden. Ich dachte bislang immer, die Asymptote sei das sich annähernde, aber jetzt bin ich erleuchtet.

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Pyr

Gefährte

Re: Monologik, Teil 7: [Re: sphnix]

Asymptotemismus.

In Bezug auf:
Der der Erzeugung von fiktionalem Text zugrundeliegende Gedanke, man könnte etwas aus sich hervorbringen, das besser ist als man selbst; und man könne in dieses bessere Etwas alles hineinretten, was man an Wertvollem besitzt (Erkenntnisse, Erlebnisse, Wahrnehmungen, Sätze, Perspektiven); man könne dieses zerstreute, lose Wertvolle oder Notwendige, das in einem selbst (der man immer schon ein sinkendes Schiff ist) herumfliegt, so bündeln, dass es sich durch die Form potenziert und (und sei es nur für kurze Zeit) Etwas und gerettet ist. Diese Hoffnung ist hybrid, maßlos; dafür gemacht, an ihr zu scheitern; sie ist AsymptoteÜ**. Jeder konkrete Text, solange man an ihm arbeitet, ist ein Sich-Zubewegen auf diese Asymptote, und jeder abgeschlossene Text offenbart die Distanz zu ihr. [...] Wenn ich mich selbst als Literaten betrachte (was keine Qualitätsaussage beinhaltet), so liegt das in diesem Umstand begründet, in dieser Daseins-Disposition. Ich verwende (und definiere) den Begriff als Abgrenzung zum veröffentlichenden Schriftsteller einerseits, und zum im inneren seiner Klause von innerlichem Schaffensdrang und -zwang beseelten, anachronistischen Poeten/Dichter/etc.; und zwar, um eine Verfasstheit zu beschreiben, die weder eine gesellschaftlichen Rolle bzw. äußere/anerkannte Funktion meint, noch eine metaphysisch aufgedonnerte „Seelenbeschaffenheit“ und fixe So-bin-Ich-Tatsache ontologischer Prägung, sondern ein Gewordensein, d.h., eine Verfasstheit, die sich im Austausch mit der Welt (im Erleiden und Verarbeiten der eigenen Biographie) herausgebildet hat, und die weder rein psychisch noch rein intellektuell ist, sondern hybrid.
Die Frage ist immer, ob die Verquerheiten, auf denen sie fraglos auch beruht, sie zum reinen, abzulehnenden Symptom machen, oder ob sie eine legitime und sinnvolle Weise darstellen kann, mit den Zumutungen der Welt umzugehen.



Interessant. Ich hatte fast den gleichen Gedanken vor einiger Zeit, als ich nochmal angefangen hatte, die "Ästhetische Theorie" zu lesen, wenn auch nicht von der Warte des Schreibenden her, natürlich.

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sphnix

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Re: Monologik, Teil 7: [Re: Pyr]

Wie aber sehen sie von der unschreibenden Warte aus?
(Ich dachte ja jetzt erst, du würdest Adorno zitieren und schickte mich an, das Zitat zu lesen, aber dann kam es mir doch so bekannt vor, irgendwie. )

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sphnix

Gefährte

Monologik, Teil 99: [Re: sphnix]

Weiteres zu den Überlegungen oben:

Es tritt zu alledem immer die Frage hinzu, inwiefern die Frage nach der ästhetischen Qualität - der Differenz zwischen Erreichtem, Erreichbarem und Angestrebtem - überhaupt eine ist, die man sich in der realen Lage zu stellen überhaupt die Berechtigung hat. Erstens hat die Frage nach der Qualität dessen, was man schreibt, etwas Müßiges, wenn man nicht wahrgenommen wird. Das ist banal; die Sache ist nur, dass ich (und ich vermute: wir alle) permanent von Ammenmärchen berieselt werden, dass Qualität, wenn sie nur wirklich, wirklich immens ist, eine magische Kraft entfaltet & auch die irdischen Instanzen letztendlich dazu zwingt, mauloffen anzuerkennen, was sie da für einen tollen Kerl vor sich haben - das ist die debile Pointe jedes normalen Biopics.
Weil man dieses Narrativ im Kopf herumspuken hat, lebt man, allem besseren Wissen von der Unbedarftheit & absoluten Verwerflichkeit literaturbetrieblicher Kriterien zum Trotz, im Milchmädchenideengespinst: Wenn ich nicht wahrgenommen werde, so liegt das daran, dass ich noch nicht RICHTIG gut war. Vielleicht bin ich besser, als 90% dessen, was gedruckt und gelesen wird, aber das ist keine Kunst, weil diese 90% eh reiner Dreck sind, Konventionsmüll, Sentimentgesabbel, Konfektionskonfekt, Kitsch; und RICHTIG gut, gut genug, bin ich eben nicht; wäre ich es, müsste das ja schon jemandem aufgefallen sein.
Ich glaube, dass ich (verstandesmäßig) jenseits dieser Illusion* bin, ich weiß aber nicht, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind - es läuft auf die paradoxe Form hinaus, dass die von außen gegebene Sinnlosigkeit der einzigen Tätigkeit erwiesen ist, deren quasi „innere“, prinzipielle Sinnhaftigkeit man anzuzweifeln nicht den geringsten Grund hat. Das Unbehagen am vom ästhetischen Ungenügen ausgelösten Unbehagen bleibt; und ebenso bleibt die Überzeugung, dass dieses ästhetische Unbehagen eine Berechtigung und Notwendigkeit hat.



* Ich meine nicht, dass der Gedanke, nicht gut genug zu sein eine Illusion ist; aber die Verbindung dieses Gedankens mit der eigenen Unsichtbarkeit ist eine.

In diesem Sinne:

https://www.youtube.com/watch?v=fll3SzLibHY

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Geändert durch sphnix (17.10.2019 12:23)

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