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Spiel & Spaß » Das Mathom-Haus » Textverfassungsthread, MH-Sektion. Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? Man weiß es nicht!

sphnix

Gefährte

Re: Unter uns gesagt, es ist nicht des Frühlings blaues Band :ugly: [Re: Keliope]

Aber warum willst du nicht spoilern?

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
(Crevel)
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sphnix

Gefährte

Blau. Blau? [Re: sphnix]

These (bzw. Gedanke, der mir letztens durch den Kopf ging):

Die Idee, dass das "Spiel" des Literaten mit Fiktionen dem Kinderspiel entspricht, ist irrig: Und zwar, insofern die Richtung beider "Spiele" die genau umgekehrte ist. Kinderspiel läuft - auf wie gebrochene Weise auch immer - letztlich auf Anpassung hinaus; es vermittelt zwischen dem Kind und den Zumutungen der realen Ordnungen, in die es geworfen ist, indem das Spiel einerseits scheinbar freie Erholungsräume gewährt, andererseits vorausgreifendes Ausagieren der von der realen Ordnung vorgegebenen Kategorien, Muster, Binnen-Ordnungen ist. (Der Blick des Erwachsenen, der das spielende Kind als Verkörperung von Idyll auffasst, ist projektive Lüge.) Vielleicht kann man sogar sagen, dass das Spiel - das Vermögen und Bedürfnis, zu spielen - einigermaßen endet, wo die reale Ordnung als real anerkannt werden muss. Wenn die Mauer des Realen sich ums Bewusstsein weitgehend geschlossen hat, bleiben als Optionen: direkte Auflehnung, Resignation, eskapistische Blasen. Von solcher Grund-SItuation des erwachsenen Menschen ausgehend, hat die Fiktion der Literatur (im günstigen Fall) die Tendenz, die Akzeptanz der Realität zu unterminieren, indem sie die Illusion von der Alternativlosigkeit, Widerspruchslosigkeit und Gültigkeit des Realen zersetzt.
Kinderspiel ist scheinunschuldig und verengt sich in der Regel zum Affirmativen hin; Literatur ist idealiter frei von jedem Unschuldsverdacht, bewusst, und erweitert hin zum Zweifel an der Realität, indem sie ihr Nicht-Notwendiges, Nicht-Legitimes, Nicht-Überzeugendes (sie verfremdend) ausstellt.
Die Gefahr, nichts weiter als Surrogat des Kinderspiels zu sein - d.h.: Nichts weiter als Erholung vom Bedrückenden des Zwangs und zugleich Wiederholung seiner Logik zu sein - begleitet jede Literatur. Literatur zu verfassen ist auch die Anstrengung, dieser Gefahr zu widerstehen.


-------------------
Überzeugt der Gedankengang?

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
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Caddy

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Re: Blau. Blau? [Re: sphnix]

Du schreibst die ganze Zeit vom Realen, meinst aber offensichtlich das Symbolische. :kopfschüttel:


Mit Literatur meinst Du gute Literatur? Muss ich erst drüber nachdenken.

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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sphnix

Gefährte

Re: Blau. Blau? [Re: Caddy]

Ja, gute; also Literatur im engeren Sinne.

(Meine Gedanken darüber sind auch nicht abgeschlossen; gerade deswegen habe ich es so aussagensatzmäßig aufnotiert.
Denke er in aller Ruhe. )


Caddy schrieb:
Du schreibst die ganze Zeit vom Realen, meinst aber offensichtlich das Symbolische. :kopfschüttel:




Agape Lacanas!

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Pyr

Gefährte

Re: Blau. Blau? [Re: sphnix]

sphnix schrieb:
Agape Lacanas!



Oh Gott, nein!

Der Inhaber dieser Signatur ist ehrenamtlicher Junior-Held und Chef der Polizeidirektion von Rocky Beach. Die Behörde befürwortet jegliche Unterstützung von dritter, vierter und fünfter Seite.
Gezeichnet
Batman


In ihrem Schweigen gegen die Erlebnisberichte der Individuen wird die Totalität das letzte Wort behalten.
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sphnix

Gefährte

Blau und Rosa (oder nicht? Nein, es ist nicht von Picasso die Rede) [Re: Pyr]

Gedanken zum Thema „untergegangene Künstlerinnen“, die ich zwar in Gesprächen schon verschiedentlich geäußert, aber, meine ich, noch nicht geschlossen verschriftlicht habe (Anlass ist, dass ich mit diesbezüglichem Engagement im Bereiche der Musik konfrontiert wurde; aber das ist eher nebensächlich, ich argumentiere ohnehin primär von der Literatur ausgehend, weil mir die näher ist):

1. Es gibt keine rückwirkende Kanonisierung; und dass sie zu ihrer Zeit nicht stattgefunden hat, wirkt sich auf den Rang eines Werkes aus.


Wenn ich „Rang“ sage, meine ich nicht Qualität, sehr wohl aber Wichtigkeit.
Werke, die im Sarg der Schublade mumifiziert die Jahrhunderte überstehen und dann ausgegraben werden, haben sehr wahrscheinlich einen eher historischen Wert als einen künstlerisch noch irgend-aktivierbaren (Ich rede hier nicht von 10, 20, 30 Jahren); und es bedürfte sehr spezifischer (in gewisser Weise auch: zufälliger) Qualitäten, um sie noch anschlussfähig an die künstlerische Produktion der Gegenwart zu machen. Werke, die der Kanon mitgetragen hat, müssen im Gegensatz dazu nicht anschlussfähig gemacht werden, sie sind bereits angeschlossen.
Dieses Problem betrifft natürlich nicht nur die Produktion von Frauen oder anderen ausgeschlossenen Gruppen, es zeigt aber, dass Ausgeschlossensein nichts ist, das im Nachhinein „geheilt“ werden könnte.

2. Ausgeschlossensein wirkt sich auf Qualität aus.

Und das tut es nicht nur unmittelbar dadurch, dass die künstlerischen Produktionsmittel (Zeit, Kenntnisse, Resonanz) beschränkt werden.
Ausgeschlossensein setzt den Ausgeschlossenen zu dem, wovon der ausgeschlossen ist, in eine spezifische Beziehung, die die Möglichkeit zur souveränen Kritik (welche ich für die Ausgangsbedingung ernstzunehmender Produktion halte) eher beschränkt als fördert.
Die künstlerische Produktion von Frauen (im Zeitraum zwischen ca. 18. Jh und 20. Jh) scheint mir insbesondere an drei mögliche (kombinierbare) Positionierungen gekoppelt, die alle ihre Probleme haben.

a) Die Frau wird von einer Art Avantgarde (im weitesten Sinne), als der sie sich zugehörig setzt, getragen. Das kann aber dazu führen, dass sie stärker auf die Maßstäbe der konkreten Bewegung verpflichtet/angewiesen ist als die besten ihrer männlichen Kollegen, bzw., dass sie die Bewegung stärker repräsentiert als „umsetzt“, aber nichtsdestotrotz scheint mir das mit die günstigste Ausgangsbedingung. (Beispielfälle wären die expressionistische Malerei oder die Literatur der Neuen Sachlichkeit).

b) Die Frau versteht ihre Arbeit als spezifisch weiblich, sucht den „eigenen“ Ausdruck usw., schlimmstenfalls den „eigenen weiblichen“ Ausdruck; d.h. sie begreift den Platz des Ausgeschlossenen als bereits umgesetzte Alternative zum Gängigen. Mir fällt kein paradigmatisches Beispiel dafür ein, ich bin aber sicher, diesen Gedanken sowohl in den Selbstbeschreibungen wie den Fremdzuschreibungen herumspuken gesehen zu haben. Seine Ausgangsbedingung ist ein Irrtum.

c) Die Frau sucht Anschluss an die „echte“ und „eigentliche“ Kunst, um durch Zugehörigkeit ihre Souveränität zu konstituieren. Diese Zugehörigkeit ist etwas, das sich der männliche Künstler, so er nicht mit anderen Ausschlusskriterien behaftet ist (massive Unterschichtsunbildung, Hautfarbe* usw. ), nicht erarbeiten muss. Der männliche Künstler, dessen Souveränität untergründig durch die Zugehörigkeit gespeist wird, konstituiert seine eigentliche, individuelle Souveränität, indem er sich, über die „Regeln“ verfügend, auch gegen sie als souverän, d.h., nicht auf sie verpflichtbar, erweist.
Die Frau, welche die männliche Souveränität der Zugehörigkeit als etwas sieht, das sie sich erst einmal erarbeiten muss, bekommt einen Zug zum Affirmativen und/oder Steril-Klassizistischen, Epigonalen**. Indem sie - ebenso wie die auf „weiblichen Ausdruck“ setzende Frau - die herrschende Struktur akzeptiert, setzt sie den eigenen Ausschluss in der scheinbaren Überwindung desselben fort. Indem sie sich positiv-allesfresserhaft zu einer Tradition verhält, die ihren männlichen Kollegen zu überwindende Last und gleichzeitig verfügbares Material ist, wird ihre Produktion nachzüglerhaft und ein Randphänomen.
In der Positionierung wäre hier Ulla Hahn als Beispiel zu nennen; in der Praxis Günderrode, eventuell auch Huch, von der ich aber zu wenig kenne, um das gültig zu beurteilen.





*Nebenbeobachtung, auch an anderer Stelle, meine ich, schon gemacht und auf jeden Fall noch zu prüfen und auszuarbeiten: Mir scheinen sich hier Judentum und Homosexualität radikal anders auszuwirken als etwa Dunkelhäutigkeit und Weiblichkeit.
** Das Epigonale zeigt sich nicht darin, dass sie Gegebenes aufgreift, sondern darin, dass sie es imitiert.


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Geändert durch sphnix (11.03.2019 14:37)

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sphnix

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Des Monologes x-ter Teil: Aus meinem Leben und Kleben [Re: sphnix]

1. Ich bräuchte das Kopf-Äquivalent eines sehr großen Tisches, auf dem man Stapel nebeneinander ausbreiten kann. Es ist schwer, Konzeptionen zu überprüfen, wenn man keine wirkliche Gleichzeitigkeit hat, keinen Überblick.

2. Es ist krass, wie stark die Tatsache, dass man auf einen Gegenstand auch als Produzent blickt, diesen Gegenstand von vornherein einfärbt, so dass die Qualität sowohl der Einzelteile wie auch des Ganzen komplett kippen kann.

3. Um zu schreiben, müsste man auf die Erfahrungen und Kenntnisse vieler anderen zumindest teilweise Zugriff haben. Einer allein schafft es kaum zu komplexer Fülle (Lyrik gestattet es noch am ehesten, längere Prosa nur selten). Die Fähigkeit, zu Schreiben, ist mehr als die Fähigkeit, zur Introspektion, Komposition und zur Versprachlichung; sie ist auch auf die Fähigkeit angewiesen, sich Dinge anzueignen - und zwar so, dass sie weder dürftig sind, noch überschwemmend.

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sphnix

Gefährte

Re: Des Monologes x-ter Teil: Aus meinem Leben und Kleben [Re: sphnix]

Nebengedanken zur Angst, nie wieder etwas schreiben zu können, wenn man ein paar Tage hintereinander oder sogar mehrere Wochen nichts tut (allenfalls korrigiert): Sie verbindet sich mit der Angst, vielleicht deshalb nie mehr schreiben zu können, weil einem die eigene Vergangenheit (als Material) durch die zu starke Dehnung der allesverdünnenden Zeit unübersichtlich wird.

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sphnix

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seufzzzzzz [Re: sphnix]

Werde ich wenigstens noch eine verdammte Seite korrigieren, ehe ich zum Auto gehe?
Du darfst nur eins auswählen
Aber sicher!
Nie und nimmer!
Weiß nicht...
Du sollst doch die Seiten nicht verdammen, davon werden sie faltig und orthographisch fehlerhaft!


Stimmenannahme von (31.05.2019 12:24) bis (Kein Ende angegeben)
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sphnix

Gefährte

Re: seufzzzzzz [Re: sphnix]

Optimists, ihr

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