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Spiel & Spaß » Das Mathom-Haus » Textverfassungsthread, MH-Sektion. Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? Man weiß es nicht!

sphnix

Gefährte

Textverfassungsthread, MH-Sektion. Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? Man weiß es nicht!

Frage an alle Schreibenden:
Wie geht ihr mit der Frage nach der Form und Stillage um; gibt es für euch anachronistische Formen/Perspektiven, und wie geht ihr damit um? Bzw.; wie legitimiert ihr Perspektiven, die ihr wählt, vor euch selbst? Und empfindet ihr den guten alten Icherzähler/die strikt personale Erzählweise tendenziell als zeitangemessener denn eine mehr-wissende Erzählinstanz?

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
(Crevel)
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Morion

Gefährte

Re: Textverfassungsthread, MH-Sektion. Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? Man weiß es nicht! [Re: sphnix]

Was ist Stillage, was bedeutet anachronistisch?

Ich legitimiere Perspektiven. Ich finde Ich-Erzähler (also wirklich "Ich"-Erzähler) zum Lesen unangenehm und verzichte daher beim Schreiben darauf. Strikt personale Erzählweise finde ich sehr OK, allerdings wechsele ich Perspektiven oft und gerne*, sodass der Leser dennoch mehr Information hat als die Handelnden. Über Zeitangemessenheit kann ich leider keine Aussage treffen, da mir die historische Einordnung fehlt.


* Kann ich dieses Vorgehen als "strikt" in Deinem sphingiden Sinne bezeichnen?

Quiek! Quiek! Quiek!
Ist das Satire oder kann das weg?
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Corydoras

Gefährte

Re: Textverfassungsthread, MH-Sektion. Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? Man weiß es nicht! [Re: Morion]

Prinzipiell kann natürlich jeder schreiben was er will. Das ist eine unbefriedigende Antwort, ich weiß. Will man aber veröffentlichen, dann sollte man sich an gewünschte Richtlinien halten. So boomt momentan der Ich-Erzähler (ich bin da aber bei Morion, dass ich als Leser das nicht wirklich leiden kann), während der auktoriale Erzähler von Verlegern heutzutage nicht gern gesehen wird.
Daher, hat Perspektive und Stil rein kommerziell gesehen bezüglich Angebot und Nachfrage sehr wohl etwas mit der Epoche zu tun, in der wir leben.
Wer es anders will, kanns probieren, wird es aber - sollte er diesen Schritt wagen - schwerer haben.

Wie ich persönlich meine Perspektiven legitimiere? Ich benutze die, die mir am leichtesten fällt und die ich am flüssigsten schreiben kann. Das ist in meinem Fall die strikt personale Erzählweise. Ich-Perspektive ginge wohl auch noch gut, mag ich aber nicht (siehe oben). Auktorial ist mir persönlich praktisch unmöglich zu schreiben. Also tu ichs erst gar nicht.

___________________________________


Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too?

Heirs of Durin
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sphnix

Gefährte

Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? [Re: Corydoras]

Corydoras, mir geht es nicht um die erfolgreichste Form, literarisch auf den Strich zu gehen. Ich weiß, dass die Lage diesbezüglich traurig & beschissen ist und mit Literatur nichts zu tun hat. Fragen dieser Art werden im Schreibethread bereits zur Genüge verhandelt. Andere als Publikationsfragen können im Bibliothek-Schreibthread von mir nicht erörtert werden, weil die meisten Leute, die dort schreiben - vielleicht alle - sowohl ideologisch als auch literarisch mit mir und meiner Arbeit sehr wenig zu tun haben. Die meisten der dort Schreibenden scheinen mit dem Literaturmarkt nur insorfern ein Problem zu haben, als dass sie nicht mitspielen dürfen; sie haben mit literarischen Genres, mit der Aufteilung von Literatur nach Interessengruppen usw. kein Problem. Sie reden kaum oder garnicht darüber, warum sie schreiben, was e für sie bedeutet, welche Notwendigkeit es für sie hat. Sie halten das "Vollenden" eines Textes oder überhaupt "irgendwie kreativ tätig zu sein" prinzipiell für eine gute Sache oder tun so und klopfen sich dafür auf die Schulter
http://forum.herr-der-ringe-film.de/showflat.php/Number/5909410#Post5909410.
Schreiben ist hier entweder Fleißarbeit oder Entspannung, oder irgendwie beides:
http://forum.herr-der-ringe-film.de/showflat.php/Number/5846806#Post5846806

Der Gedanke, dass ein Text etwas ist, das nicht per se eine Daseinsberechtigung hat, nur weil es da ist, irgendwelchen Leuten "Spaß" macht oder weil sich damit für eine Minderheit Geld machen lässt, ist im B-Schreibethread sehr, sehr fernliegend.

Deshalb schreibe ich nicht im B-Schreibethread dort, und deswegen finde ich den B-Schreibethread latent abstoßend.

Insofern finde ich es deprimierend und sinnlos, wenn du hier in diesen Thread, der (wie ich zumindest hoffte) klar und deutlich von einer anderen Herangehensweise ausgeht, wieder nur das schreibst, was du im Schreibthread so oder ähnlich auch schreibst.

Es ist nun nicht so, dass ich diese deine Haltung nicht diskutieren würde, dass ich sie einfach abtun möchte. Wir können sie gern diskutieren; ich habe sogar den Eindruck, dass ich das in der Vergangenheit schon versucht habe (oder täusche ich mich da? Sicher bin ich mir nicht).
Nur, ich würde das lieber im B-Thread tun, wenn gewünscht. Ich habe die schwache Hoffnung, dass hier innerhalb der nächsten 12 Monate oder so vielleicht doch ein Austausch mit einer oder mehreren Personen zustandekommt, die meine Problematik in irgendeiner Weise teilen; die an irhe Texte verwandte Ansprüche stellen usw.
Wie gesagt: ich halte keinesfalls die Debatte mit Menschen für sinnlos, die das nicht tun. Nur wird die Debatte mit diesen Leuten eine ganz andere sein: Nicht eine Debatte der Schreibpraxis, der konkreten Gestaltung von Text usw., sondern eine Debatte darüber, was Literatur ist, sein kann und sein soll.

----------

@Morion: Mit Stilllage meine ich einfach die Art der Darstellung (im Weitesten Sinne: Sprache, Form, Zeitordnung etc.).
Mit anachronistisch meine ich: Welche literarischen Formen sind der Welt, wie sie heute ist - ihrer Verwandlung in Literatur usw. - angemessen/irgend mächtig.

Die Frage, was "angenehm" ist, stellt sich mir dabei erst einmal so nicht.

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
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Corydoras

Gefährte

Re: Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? [Re: sphnix]

Entschuldigung, ich habe dann deine Anfrage völlig falsch verstanden.

Ich habe mich schon gefragt, warum du hier noch einen Thread eröffnest und jetzt wird es mir klar.

Ich möchte jetzt deine lange Antwort gar nicht als nichtig abtun und ich hoffe es wirkt jetzt nicht beleidigt (so ist es nämlich nicht gemeint) wenn ich sage: In diesem Fall bin ich raus. Tut mir leid. Ich hoffe aber, du findest noch die Antworten, die du dir erhoffst.

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Heirs of Durin
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Morion

Gefährte

Re: Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? [Re: sphnix]

sphinx schrieb:
Die Frage, was "angenehm" ist, stellt sich mir dabei erst einmal so nicht.


Hm. Ich fürchte, ich kann die Texte aus der Ich-Perspektive, die ich gelesen habe, an einer Hand abzählen, und hätte immer noch genug Finger übrig, um derweil einen Foren-Kommentar zu tippen. Wenn es dir, so ich dich richtig verstanden habe, um Zeitangemessenheit und nichts sonst geht, würde mich interessieren, inwieweit sich die Wahl der Perspektive deiner Einschätzung nach an einen "Zeitgeist" (?) hält.
Möglicherweise war "früher" eine auktoriale Erzählweise populärer, während man "heute" mehr eine auf Personen bezogene Erzählweise pflegt, jedenfalls sagt mein vages Gefühl das. Aber dieses Gefühl ist das eines Menschen, der sowohl quantitativ, als auch qualitativ sehr wenig Ahnung von Literatur hat.

Quiek! Quiek! Quiek!
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Pyr

Gefährte

Re: Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? [Re: Morion]

Soweit ich Sphinxens Fragestellung als mit meinem Verständnis übereinstimmend betrachte: Es geht nicht um Fragen der Popularität, sondern der innerästhetischen Notwendigkeit bestimmter Verfahren(sverzichte).
Sehr grob verkürzt veranschaulicht: Sind Ritterduelle als Sujet in Zeiten(abfolge) von Materialschlacht, totaler Mobilmachung, Atombombe und Kampfdrohnen noch irgend ausdrucksfähig?

Der Inhaber dieser Signatur ist ehrenamtlicher Junior-Held und Chef der Polizeidirektion von Rocky Beach. Die Behörde befürwortet jegliche Unterstützung von dritter, vierter und fünfter Seite.
Gezeichnet
Batman


In ihrem Schweigen gegen die Erlebnisberichte der Individuen wird die Totalität das letzte Wort behalten.
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ratatoeskr

Gefährte

Re: Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? [Re: Pyr]

Manchmal ist ein Ritterduell eben keineswegs nur ein Ritterduell... damit eingeleitet: ich halte die Frage für so nicht beantwortbar.

Perspektiven (etc.) müssen dem angemessen man, was und wie ich erzählen will (auf plot-Ebene). Dieses was und wie wiederum wird bedingt durch das Sujet, und das wiederum durch die Intention des textes. Erst wenn ich diese habe (und einmal angenommen, man könnte sich hier in eienr vorab-Definition darauf einigen, welche Textintentionen gut/richtig/wünschenswert (ja, da wirds ja mit der Uneinigkeit schon losgehen), sind Aussagen über das weitere sinnvoll.

Um mal ein beispiel zu geben: Martin, A Song of Ice and Fire, halte ich für seiner Intention nach richtig perspektiviert (zahlreiche personal erzählte Reflektorfiguren); eine ganz ähnliche Weltsicht hätte Sapkowskis geralt-Saga (straight auktorial), ohne dass ich dort die perspektive als unangemessen empfände. Peter v. Bretts Dämonenscheiße (nein, die Saga heißt anders, das war jetzt eine Wertung) ist ähnlich perspektiviert wie Martin, aber es ist dem Erzählten grauenvoll unangemessen.

...äh...zurück zur Frage... ein vorsichtiges nein.
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sphnix

Gefährte

Re: Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? [Re: Morion]

Morion schrieb:
Wenn es dir, so ich dich richtig verstanden habe, um Zeitangemessenheit und nichts sonst geht, würde mich interessieren, inwieweit sich die Wahl der Perspektive deiner Einschätzung nach an einen "Zeitgeist" (?) hält.



Nein, nicht, inwieweit sie sich an den "Zeitgeist" hält, sondern inwiefern sie vor dem und dem historischen Hintergrund möglich ist. Dass das, was möglich ist, sich immer am konkreten Text erweist und nicht vorab auf einer Skala festzulegen ist, ist eh klar. Deswegen richtete sich meine Frage auch vorwiegende an Leute, die mit dem Problem beim Verfassen konkreter Texte zu tun haben.

Beispiel des Problems:
In einem zeithistorischen Kontext, der deswegen von einer objektiven Welt ausgehen kann, weil er mit dem lieben Gott als selbstverständlicher Größe operiert, ist eine unironisch allwissende Erzählinstanz immerhin eine Möglichkeit. In einem Kontext, in dem der liebe Gott allenfalls eine fragwürdigste Größe ist, ist diese allwissende Erzählinstanz etwas, was vom Autor verantwortet werden muss. Das heißt nicht zwingend, dass sie unmöglich ist, das heißt aber, dass sie legitimiert werden muss durch das was und wie des Erzählens.
Ein Text, der einen ungebrochenen allwissenden Erzähler verwendet, kann möglicherweise ein Weltbild spiegeln, das der Autor gar nicht hat, das er aber, weil er einer bestimmten Konvention folgt, reproduziert. (Die Suggestion, es gäbe so etwas wie objektive Sachverhalte)
Umgekehrt ist die Flucht in eine personal verengte Perspektive nicht unbedingt unbedenklicher oder "besser"; unter anderen deswegen, weil sie dazu führen kann, dass die erzählte Welt dadurch stark verengt wird usw.

Ich meinerseits habe eigentlich starke Tendenzen dahingehend, den allwissenden Erzähler mittels Ironisierung, Relativierung usw. am Leben zu erhalten (was nicht heißen soll, dass ich ihn für die objektiv bessere Möglichkeit des Erzählens halte).

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sphnix

Gefährte

Re: Elitäre, unfreundliche Säbelzahntiger? [Re: ratatoeskr]

ratatoeskr schrieb:

Perspektiven (etc.) müssen dem angemessen man, was und wie ich erzählen will (auf plot-Ebene). Dieses was und wie wiederum wird bedingt durch das Sujet, und das wiederum durch die Intention des textes. Erst wenn ich diese habe (und einmal angenommen, man könnte sich hier in eienr vorab-Definition darauf einigen, welche Textintentionen gut/richtig/wünschenswert (ja, da wirds ja mit der Uneinigkeit schon losgehen), sind Aussagen über das weitere sinnvoll.



Wegen diesem richtete ich die Frage ja auch an Leute, die mindestens einen konkreten Text quasi vor sich liegen haben.

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