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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Schreibdiskussionen - Teil 3

ratatoeskr

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: Lenamellona]

Lenamellona schrieb:
Naja, wenn es gut gemacht ist, kann man schon auch andere Völker/Spezies differenzierter darstellen, denke ich.



Ne, klar, es muss nicht die "DER ork ist böse, faul, grausam und stinkt"-Schiene sein. Aber letztlich bleibe ich bei Banalitäten (essen gerne scharf), oder ich entwickle so etwas wie überindividuelle Eigenschaften, Volksmentalitäten oder so. DAS finde ich auch nicht schlimm, sowas kann ja historisch wachsen. Meistens sind die Zuschreibungena ber schon an biologische Eigenschaften gekoppelt.

(Ein Beispiel für gut gemachte historisch erworbene Andersartigkeit finde ich z.B. die Elfen in Sapkowskis Geralt-Saga, auch wenn da etw über die "Magie im Blut" auch wieder n Rassismus reinkommt.)
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ratatoeskr

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: sphnix]

sphinx schrieb:


Inwiefern sollte es nicht möglich sein, Fremdheit als Kultur darzustellen?
Dem kann, sofern es gebrochen ist, ja durchaus auch ein Äußeres (als Symbolisches) entsprechen; die Frage ist doch eher, wie stark man Quatsch wie "unser Volk ist seit eh und je so und so" einbaut, oder wie stark man über Bräuche, Diskurse etc. arbeitet.



Antwort z.T. in der Antwort an Lenamonella, das geht natürlich schon. Das Denken in DIfferenzstrukturen dient aber immer auch der Herstellung eigener (natürlich positiver) Identität, von dem sich das Andere unterscheiden muss. Also, dummes Beispiel: Wenn ich mich als Stein überlegen fühlen möchte, definiere ich den Schlamm als weich, womit ich selber hart bin. Der diamant wäre unnachgiebig, was ich gottlob auch nicht bin, ich bin die perfekte Mitte.
Ein Käfer wiederum würde uunsere Gemeinsamkeit als unbelebte Objekte als unser "anderssein" ansehen, von dem er sich positiv abhebt - Differenzstruktur träfgt für mich immer den Keim des Rassismus in sich. Das auch ich selbst nur in solchen Strukturen denke(n kann), sei aber hinzugefügt .
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Pyr

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: sphnix]

sphinx schrieb:
Mehr oder weniger, wobei das natürlich auch subtiler geht. Ich halte z.B. das ganze Potteruniversum für entsetzlich rassistisch, gerade weil hier die Debatte - auf low-budget-Level - im Text selbst eröffnet wird.
Hingegen kann sehr stereotypen Klassifikationen in Märchen oder Mythologie vergleichsweise unproblematisch sein, wo es eben klar ist, dass man es hier mit mythischen, symbolischen Figuren, nicht mit Varianten quasi-moderner Individuen zu tun hat.



Wichtige Ergänzung: Kein heute geschriebener Text kann sich diese historische "Unschuld" (die möglicherweise auch schon so unschuldig nicht war) zugutehalten.

Gommorah is a nursery rhyme
you won't find in the book.
It's written on your city's face,
just stop and take a look.

(Sixto Rodriguez)


In ihrem Schweigen gegen die Erlebnisberichte der Individuen wird die Totalität das letzte Wort behalten.

Geändert durch Pyr (11.06.2015 14:17)

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Corydoras

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: Pyr]

Ich hab mal eine Frage an diejenigen, die schon mal einen Text überarbeitet haben: wie geht ihr da vor?

Also gibt es ein gewisses Schema, Checklisten nach denen man arbeitet? Überarbeitet ihr rein am Computer oder druckt ihr dafür aus? Lest ihr euch den Text laut vor?

Sprich.... Redet mal aus dem Nähkästchen.

___________________________________


Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too?

Heirs of Durin
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Herzlichen Glückwunsch Lenamellona

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: Corydoras]

Ich finde diese Checkliste von Eschbach sehr nützlich.



"I won't leave you. Not this time."

Visit me.
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Corydoras

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: Lenamellona]

Danke, dass du die erwähnst!

Über die bin ich nämlich auch gestolpert. Ist die also für die Praxis echt anwendbar? Das is beruhigend. Ich hätte nämlich sonst kaum einen Anhaltspunkt....

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Heirs of Durin
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Eilaia

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: Corydoras]

Die ÜV von Eschbach hilft aber nur, wenn man, wie er sagt, vor dem Text sitzt und nicht weiß, was damit nicht stimmt. Es ist keine Methode des Überarbeitens generell, sondern nur eine für die Vorbereitung bei schwierigen Stellen. Ich finde sie auch nicht schlecht, wende sie aber nicht an. Für mich ist sie zu dogmatisch, außerdem habe ich nie das Problem, dass ich nicht weiß, was nicht stimmt. Mit etwas Abstand komme ich dann immer auf die richtige Idee.
Aber so generell - Texte sind unterschiedlich, Autoren sind unterschiedlich, also muss jeder seine eigene Vorgehensweise finden. Ich gehe so vor, dass ich einmal lese und unrunde (stilistisch oder inhaltlich) Abschnitte rot markiere und in meinen Augen fehlende inhaltliche Dinge in eckigen Klammern als Hinweis einfüge. Dann befasse ich mich erstmal nur mit diesen Teilen und lese danach noch einmal, um kleinteiliger vorzugehen - sprich, ich markiere dann unrunde Sätze, nicht mehr ganze Teile. Wenn das auch erledigt ist, lese ich mehrfach alles noch einmal, je nach Länge des Teils (ich schreibe in inhaltlicher Unterteilung, also immer etwa 40-80 Seiten am Stück, um dann zu korrigieren) vier- bis zehnmal. Wenn ich damit durch bin, gebe ich es an meine Testleser raus und gehe zum nächsten Teil über. Nach dem Feedback der Testleser überarbeite ich dann noch einmal.

In Bezug auf die finale Überarbeitung eines ganzen Werkes sind wir beim letzten Mal so vorgegangen, dass jeder von uns beiden einmal komplett alles gelesen hat und dabei alles in einer Liste notiert hat, geordnet nach verschiedenen Korrekturbereichen wie Stil, Inhalt oder Logik. Allerdings hatten wir da schon bei jedem Kapitel zwei Überarbeitungsdurchgänge eingebaut, also war es am Ende nicht mehr so viel.

EDIT: Ich überarbeite übrigens nur am Computer. Es ist Schwachsinn von Eschbach, zu behaupten, dass das nicht möglich ist, außerdem spart es Papier und Toner. Man muss sich nur ein bisschen daran gewöhnen. Was das "laut vorlesen" angeht - manchmal. Aber nicht grundsätzlich.

Geändert durch Lena (12.06.2015 13:25)

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Corydoras

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: Eilaia]

Ja gut, dieses "immer wieder mal ein bisschen herumkorrigieren" mache ich auch. Sei es wegen der Kontinuität, oder weil mir Monate später mal was auffällt.

Ich habe ja immer das gesamte Manuskript am E-reader, damit ich einfach immer was nachschlagen kann, sollte ich was nachschlagen wollen. Und das passiert halt ab und zu, weil ich auf irgendetwas zurückgreifen möchte, was ich früher im Text schon mal erwähnt habe, und das soll natürlich aufeinander abgestimmt sein. Wenn ich dann im älteren Text etwas entdecke, was mir nicht gefällt, dann bessere ich das auch gleich aus.
Genauso meine drei Testleser, wenn denen was auffällt, dann wirds auch gleich geändert.

Aber ich denke für die ganz ganz große "Generalüberholung" am Schluss werde ich trotzdem ausdrucken. Einfach weil ich merke, dass mir am Computerbildschirm und am E-reader schon völlig verschiedene Sachen auffallen, da hilft der "dritte Blickwinkel" sicher auch nochmal weiter.

Aber das mach ich natürlich erst ganz am Schluss, wenn ich an beiden Bildschirmen schon so weit korrigiert habe wies mir möglich ist.

Was die Eschbach Liste betrifft - die muss eh jeder an die eigenen Gewohnheiten und den eigenen Stil anpassen. Ich würde zB von mir sagen, dass ich nicht unbedingt zu langen Schachtelsätzen neige, weswegen ich mir den Punkt gar nicht anschauen würde. Genauso wie lange Dialoge... Ich finde diesen Punkt ja eigenartig, alles über drei Sätze soll ein langer Dialog sein? Dann sind praktisch ALLE Dialoge, die ich je geschrieben habe laut ihm zu lang... und die Meinung kann ich halt nicht teilen. Also auch den Punkt würde ich ignorieren.

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Heirs of Durin

Geändert durch Corydoras (12.06.2015 20:32)

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Schatzzz

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: Corydoras]

Corydoras schrieb:
Ich hab mal eine Frage an diejenigen, die schon mal einen Text überarbeitet haben: wie geht ihr da vor?


Ich mach' das alles am Bildschirm - ausgedruckte Seiten haben für mich nie einen besseren Blick auf den Text oder so gebracht, außerdem mag ich nicht soviel Papier verschwenden. Dann lese ich einfach alles nochmal (nicht laut) und entscheide quasi für jeden Satz/Absatz, ob ich den so belassen will. Alles hoch professionell also!



i go through all this before you wake up
so i can feel happier to be safe up here with you...
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Mesalina

Gefährte

Re: Schreibdiskussionen - Teil 3 [Re: Schatzzz]

Dem schließe ich mich an

Und weil ich neugierig bin:
1) Was macht ihr, wenn ihr Ideen kriegt und gerade nicht am Rechner seid? Nächstes Stück Papier? Handy? Merken und später aufschreiben?

Ich schleppe immer ein Notizbuch und 1-2 Stifte mit mir rum.

2) Habt ihr Betaleser? Wenn ja, wie sind die in den Prozess eingebunden? Von der ersten vagen Idee an? Kriegen sie Texte erst, wenn ihr selber damit zufrieden seit? Oder fragt ihr schon an, wenn ihr festhängt?

Ich habe eine "Standard-Betaleserin", aber gerade für mein aktuelles Projekt, habe ich jemand anderen gefragt, weil meine Standard-Beta betreffs der Thematik kaum Hintergrundwissen hat.
Habe vorhin eine Stunde mit meiner Beta am Telefon verbracht, um ihr die Idee vorzustellen, Anregungen zu notieren und alles in eine logische Reihenfolge zu bringen.

Why is there never a big red button?

Try not to start a war before I get home, you know what it does for the traffic.

Hermits united.
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