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Spiel & Spaß » Das Mathom-Haus » caddys gesammelte werte, band #3

Caddy

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: sphnix]

Französische Schriftstellerin, die in den 50-70ern gar nicht so wenig geschrieben hat (13 Romane zu Lebzeiten veröffentlicht), aufgrund ihres nicht vorhandenen kommerziellen Erfolgs aber kaum ins Deutsche übersetzt wurde – bisher erst zwei … Romane …, gelesen habe ich davon »Ida oder das Delirium«. Darin geht es um eine Mitsechzigerin, Ida, die zu Beginn des Textes bereits Selbstmord begangen hat. Zu Wort kommen die Frau, für die Ida gearbeitet hat, und deren Freunde. Vorgeblich wollen diese ergründen, wie es zu dem Selbstmord kommen konnte, doch zeigt sich dabei nur die Ausweglosigkeit dieser Ergründung, da die zu Wort Kommenden nicht bereit sind, ihre Werte zu hinterfragen: Ihre Werte, ihre Sprache müssen vor dem Selbstmord bewahrt werden. Entsprechend wird der Selbstmord in die Sphäre dessen, worüber man nicht Sprechen kann, verfrachtet, die letztliche Sprachlosigkeit als Schutz der entmenschlichten und entmenschlichenden Ideologie der Sprecher errichtet.

Bessette über ihre eigene Sprache: »Der blinde, taube und stumme Dichter kann nur in einer Sprache außerhalb der Regeln schreien.«

Das Buch hat mit 120 Leerraum-reichen Seiten einen sehr geringen Umfang und ist ausleihbar beim Caddy Ihres Vertrauens.

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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sphnix

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: Caddy]

hm! ich werde das erwägen.


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sphnix

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: sphnix]

Foucaultleser!
Danke übrigens nochmal für Müh und Leid.


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Caddy

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: sphnix]

In Bezug auf:
Ein Holocaust-Konformismus entwickelte sich, ein Holocaust-Sentimentalismus, ein Holocaust-Kanon, ein Holocaust-Tabusystem und die dazugehörige zeremonielle Sprachwelt; Holocaust-Produkte für den Holocaust-Konsumenten wurden entwickelt. […] Inzwischen leben wir inmitten von dinosaurierhaftem Spielberg-Kitsch und dem absurden Stimmengewirr aus der unfruchtbaren Diskussion um das Berliner Holocaust-Mahnmal; und man wird sehen, es kommt die Zeit, da die Berliner, und natürlich die dorthin verschlagenen Fremden (mir erscheinen vor allem die Gruppen beflissener japanischer Touristen vor meinen Augen), in peripatetische Betrachtungen versunken und umbraust vom Berliner Verkehrslärm in dem mit Kinderspielplatz ausgestatteten Holocaust-Park spazierengehen, während ihnen Spielbergs 48 239 Interviewpartner ihre eigene, individuelle Leidensgeschichte in die Ohren flüstern - oder brüllen?


~ Imre Kertész, »Wem gehört Auschwitz?«

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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Caddy

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: Caddy]

Sowie, anfangs über Schindlers Liste:
In Bezug auf:
Die wichtigste Botschaft seines Schwarzweißfilmes sehe ich in der am Ende des Films in Farbe erscheinenden siegreichen Menschenmenge; ich halte aber jede Darstellung für Kitsch, die nicht die weitreichenden ethischen Konsequenzen von Auschwitz impliziert und der zufolge der mit Großbuchstaben geschriebene MENSCH - und mit ihm das Ideal des Humanen - heil und unbeschädigt aus Auschwitz hervorgeht. Wenn es so wäre, würden wir heute nicht mehr über den Holocaust reden oder höchstens so wie von einer fernen historischen Erinnerung, wie, sagen wir, von der Schlacht bei El-Alamein. Für Kitsch halte ich auch jede Darstellung, die unfähig - oder nicht willens - ist zu verstehen, welcher organische Zusammenhang zwischen unserer in der Zivilisation wie im Privaten deformierten Lebensweise und der Möglichkeit des Holocaust besteht; die also den Holocaust ein für allemal als etwas der menschlichen Natur Fremdes festmacht, ihn aus dem Erfahrungsbereich des Menschen hinauszudrängen versucht. Doch für Kitsch halte ich auch, wenn Auschwitz zu einer Angelegenheit bloß zwischen Deutschen und Juden, zu etwas wie einer fatalen Unverträglichkeit zweier Kollektive degradiert wird; wenn man von der politischen und psychologischen Anatomie der modernen Totalitarismen absieht; wenn man Auschwitz nicht als Welterfahrung auffaßt, sondern auf die unmittelbar Betroffenen beschränkt.



Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

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Mibora

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: Caddy]

Caddy schrieb:
In Bezug auf:
Ein Holocaust-Konformismus entwickelte sich, ein Holocaust-Sentimentalismus, ein Holocaust-Kanon, ein Holocaust-Tabusystem und die dazugehörige zeremonielle Sprachwelt; Holocaust-Produkte für den Holocaust-Konsumenten wurden entwickelt. […] Inzwischen leben wir inmitten von dinosaurierhaftem Spielberg-Kitsch und dem absurden Stimmengewirr aus der unfruchtbaren Diskussion um das Berliner Holocaust-Mahnmal; und man wird sehen, es kommt die Zeit, da die Berliner, und natürlich die dorthin verschlagenen Fremden (mir erscheinen vor allem die Gruppen beflissener japanischer Touristen vor meinen Augen), in peripatetische Betrachtungen versunken und umbraust vom Berliner Verkehrslärm in dem mit Kinderspielplatz ausgestatteten Holocaust-Park spazierengehen, während ihnen Spielbergs 48 239 Interviewpartner ihre eigene, individuelle Leidensgeschichte in die Ohren flüstern - oder brüllen?


~ Imre Kertész, »Wem gehört Auschwitz?«




Caddy, ganz losgelöst vom Text: warst du schon einmal beim Mahnmal in Berlin?
Und wenn ja, wie hast du es da empfunden?
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Caddy

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: Mibora]

Nein, ich kenne das Mahnmal nur von Fotos.

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Mibora

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: Caddy]

Ich frug auch nur, weil ich damals die Diskussionen, Auseinandersetzungen und Merkwürdigkeiten um den Bau verfolgt hatte ( ab 1994 )und dann 2008, über meine eigenen Empfindungen vor Ort, verwundert war.
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Caddy

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: Mibora]

Was hat Dich denn verwundert?

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Mibora

Gefährte

Re: Caddys Merkhalde [Re: Caddy]

Caddy schrieb:
Was hat Dich denn verwundert?



Ich kann mich erinnern, dass ich die damalige öffentliche Debatte um die Entwürfe, als völlig neu empfunden hatte. Da wurde gestritten und diskutiert und immer wieder tauchten neue Empfindlichkeiten, viel Wut, Zorn und Trauer zu tage. Das hatte ich bis dahin in dieser Form noch nicht erlebt. Ich fand es damals spannend und richtig.
Auch kann ich mich erinnern, dass ich mich damals wahnsinnig über die geforderten Bäume von Helmut Kohl geärgert hatte.
Und an jene Bäume kann ich mich überhaupt nicht erinnern bzw. habe ich die kein bisschen wahrgenommen.
Die langen Gänge und die Unsicherheit beim durchwandern, dieses Unwirklichkeitsgefühl , diese Ohnmacht und diese Stille, daran kann ich mich aber sehr gut erinnern.
Ich fühlte mich zu diesen Empfindungen nicht hingedrängt ( was ich ein bisschen befürchtet hatte).
Mich hat die Begegnung still werden lassen.
Es waren an diesem Tag aber auch keine Touristenhorden unterwegs, dann mag es anders sein.
Im Dezember werde ich wieder in Berlin sein, vielleicht gehe ich dann nochmal hin.
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