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Spiel & Spaß » Das Mathom-Haus » caddys gesammelte werte, band #3

sphnix

Gefährte

Re: Sphnixbücher 2017 (soweit aktenkundig :ugly:) [Re: Caddy]

Caddy schrieb:


Ansonsten würden mich ein paar Zeilen freuen zu:
Melville, „Bartleby“
Aristoteles, „Poetik“
Blumenberg, „Schiffbruch mit Zuschauer“
Müller, „Reisende auf einem Bein“



Ein paar Zeilen gleich! Die bescheidenen Jünglinge früherer Weltalter haben sich über einzelne WORTE der Weisheit gefreut.
... und über die Zeilen nachgrübelnd, merke ich, dass ich vielleicht wieder mehr Lesenotizen machen sollte.


- Aristoteles:
Bekanntermaßen tu ich mich etwas schwer mit Antikitäten (Deutung, Bewertung, Einordnung). Insofern kann ich auch schwer was schreiben, es sei denn, du hättest eine ganz konkrete Frage.

- Blumenberg:
Da ich den Text universitätsbedingt & zusammen mit anderen Blumenbergtexten gelesen habe, bin ich nicht sicher, ob das, was mir dazu einfällt, sich auf diesen konkreten Text bezieht. Unterm Strich bin ich von Blumenberg nur sehr mäßig angetan.
Mein seinerzeit (nämlich im Juli) ins Buch geschriebener Fazit-Kommentar lautet: "Teegeplauder mit Tigersimulation & Treibholz"; das ist kryptisch, aber jedenfalls nicht übermäßig positiv.

Seine Schreibe hat, meine ich mich zu erinnern, eine gewisse Schlagseite nach Kulturalismus und Idealismus (ohne dass ich damit sagen möchte, dass das Blumenbergs Position komplett beschreibt). Das, was betrachtet wird (die Schiffbruchmetapher im Lauf der abendländischen Geschichte) ist nicht uninteressant (teilweise auch nicht unlesenswert); aber ich finde die Perspektive darauf (Blumenbergs Erkenntnisinteresse, gewissermaßen) irgendwie schief, irgendwie kontext-ausblendend; mit einer gewissen unguten Tendenz hin zum Wischiwaschi-Existenziellen.
Wenn ich das, was er andernorts formuliert, richtig verstehe, dann scheut er nicht davor zurück, Geschichte aus "Vorgeschichte", Kultur aus "Vorkultur" zu erklären, was ich für ein prinzipielles Problem halte:

In späteren Studien (Arbeit am Mythos, 1979; Höhlenausgänge) profiliert Blumenberg zunehmend den anthropologischen Hintergrund seines Denkens. Dabei ist die an Arnold Gehlen angelehnte Annahme leitend, dass der Mensch als endliches und hinfälliges Mängelwesen bestimmter Hilfsmittel bedarf, um sich angesichts des „Absolutismus der Wirklichkeit“ behaupten zu können. Unter diesem Aspekt interpretiert Blumenberg nun Metaphern und Mythen – auf Grund ihrer die Wirklichkeit distanzierenden, in ihr orientierenden und den Menschen so entlastenden Leistungen – als ein funktionales Äquivalent zu Institutionen im Sinne Gehlens

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Blumenberg

Ich glaube, anhand meiner Beschäftigung mit Blumenberg ist mir nochmal klargeworden, wie gängig die Idee ist, der "Urmensch" (als einzelner) habe sich bei seiner Menschwerdung "der Natur" gegenüber gesehen und sei damit nicht gut zurechtgekommen (ungefähr so, wie die Tiere in Madagascar 1 oder die New Yorker in Madagascar 2 ). Und diese Idee halte ich für projektiven Komplett-Unsinn.
Womit ich nicht den ganzen Blumenberg vom Tisch wischen will; ich habe nur bei ihm nicht viel gefunden, was ich nicht bei Wittgenstein oder Adorno klarer und weniger problematisch formuliert finde. Und das ist immer so ein bissl mein Gradmesser für philosophische Texte.
Allerdings erwäge ich nach wie vor, Blumenbergs Mythentheorie anzuschauen, weil ich im Zuge meiner glanzvollen akademischen Werke vermutlich Mythentheoretisches gut brauchen könnte. Hm.

- Müller:
Sprachlich müllertypisch. Ich habe bei solcher stilistischen Selbst-gleichheit ja gelegentlich den Verdacht, dass die Sprache dann selbstzweckhaft/mechanisch wird, finde das aber konkret bei ihr dann eigentlich immer doch nicht (mit Fleißer geht es mir nicht anders. Ist das gar ein Charakteristikum des guten alten sogenannten weiblichen Schreibens? - neeeeee).
Insgesamt hat der Text mich angesprochen (Irene fühlte sich von außen alt und von innen unmündig [S. 173]; jenun ); ich fand es interessant von der Personen- und Wahrnehmungsbeschreibungen her; Präsenz und Nichtpräsenz in Situationen usw.; und ich werde es auch bei Gelegenheit nochmal lesen - da mir bei Erstlektüren (je nach Buch) häufig primär einzelne Sätze/Szenen auffallen, die ich irgendwie als treffend empfinde, ist das (zur Bewertung/dem Verständnis der Gesamtkonzeption auch notwendig (womit ich nicht sagen will, dass ich diese bei Erstlektüren ignoriere); trotzdem hier einer der mir jetzt beim Nochmal-Durchblättern aufgefallenen Passagen:
Irene war verärgert, daß die Frau so langsam und gleichmäßig atmen konnte. Daß sie das Bild, das Irene sich von ihr gemacht hatte, nicht beschäftigte. Daß sie dieses Bild nicht korrigieren wollte.

[S. 168; in der Fischer-Taschenbuch-Ausgabe]


Den Bartleby-Kommentar verschiebe ich, weil ich den Text (wg. Uni/Deleuze) eh sehr demnächst nochmal lesen werde; der Kommentar wird alsdann frisch aus der Gedankenfabrik folgen. Eventuell auch zusammen mit meinem Pierre-Kommentar, falls ich einen solchen lohnend finden sollte.













Wenn du jetzt sagst, dass das zuviele Zeilen sind, hau ich dich.

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
(Crevel)

Geändert durch sphnix (09.01.2018 11:04)

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Caddy

Gefährte

Re: Sphnixbücher 2017 (soweit aktenkundig :ugly:) [Re: sphnix]

tl;dr

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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sphnix

Gefährte

Re: Sphnixbücher 2017 (soweit aktenkundig :ugly:) [Re: Caddy]

Ahnungslos starrte Sphnix auf unentzifferbare Buchstaben und fühlte sich überfordert!

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
(Crevel)
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Caddy

Gefährte

Re: Sphnixbücher 2017 (soweit aktenkundig :ugly:) [Re: sphnix]

too long; didn’t read

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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sphnix

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Re: Sphnixbücher 2017 (soweit aktenkundig :ugly:) [Re: Caddy]

Selbst schuld.
(an der Länge und am Nichtlesen gleichermaßen)

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
(Crevel)
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sphnix

Gefährte

Die Frage nach den Fragen, welche du, oh hohes C., stelltest, ist hiermit beantwortet: [Re: sphnix]

sphnix schrieb:
Rank-, Stein- und La la Land - Rezensionen täten mich noch interessieren, glaube ich. (in letzteres wollte U. mich schleppen, hats dann aber aus Zeitgründen unterlassen, und ich glaube, ich bin meinem guten Geschick dankbar dafür, aber vielleicht tu ich dem guten Geschick ja unrecht)



Dies.

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
(Crevel)
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Caddy

Gefährte

Re: Sphnixbücher 2017 (soweit aktenkundig :ugly:) [Re: sphnix]

sphnix schrieb:
Caddy schrieb:


Ansonsten würden mich ein paar Zeilen freuen zu:
Melville, „Bartleby“
Aristoteles, „Poetik“
Blumenberg, „Schiffbruch mit Zuschauer“
Müller, „Reisende auf einem Bein“



Ein paar Zeilen gleich! Die bescheidenen Jünglinge früherer Weltalter haben sich über einzelne WORTE der Weisheit gefreut.
... und über die Zeilen nachgrübelnd, merke ich, dass ich vielleicht wieder mehr Lesenotizen machen sollte.


- Aristoteles:
Bekanntermaßen tu ich mich etwas schwer mit Antikitäten (Deutung, Bewertung, Einordnung). Insofern kann ich auch schwer was schreiben, es sei denn, du hättest eine ganz konkrete Frage.

- Blumenberg:
Da ich den Text universitätsbedingt & zusammen mit anderen Blumenbergtexten gelesen habe, bin ich nicht sicher, ob das, was mir dazu einfällt, sich auf diesen konkreten Text bezieht. Unterm Strich bin ich von Blumenberg nur sehr mäßig angetan.
Mein seinerzeit (nämlich im Juli) ins Buch geschriebener Fazit-Kommentar lautet: "Teegeplauder mit Tigersimulation & Treibholz"; das ist kryptisch, aber jedenfalls nicht übermäßig positiv.

Seine Schreibe hat, meine ich mich zu erinnern, eine gewisse Schlagseite nach Kulturalismus und Idealismus (ohne dass ich damit sagen möchte, dass das Blumenbergs Position komplett beschreibt). Das, was betrachtet wird (die Schiffbruchmetapher im Lauf der abendländischen Geschichte) ist nicht uninteressant (teilweise auch nicht unlesenswert); aber ich finde die Perspektive darauf (Blumenbergs Erkenntnisinteresse, gewissermaßen) irgendwie schief, irgendwie kontext-ausblendend; mit einer gewissen unguten Tendenz hin zum Wischiwaschi-Existenziellen.
Wenn ich das, was er andernorts formuliert, richtig verstehe, dann scheut er nicht davor zurück, Geschichte aus "Vorgeschichte", Kultur aus "Vorkultur" zu erklären, was ich für ein prinzipielles Problem halte:

In späteren Studien (Arbeit am Mythos, 1979; Höhlenausgänge) profiliert Blumenberg zunehmend den anthropologischen Hintergrund seines Denkens. Dabei ist die an Arnold Gehlen angelehnte Annahme leitend, dass der Mensch als endliches und hinfälliges Mängelwesen bestimmter Hilfsmittel bedarf, um sich angesichts des „Absolutismus der Wirklichkeit“ behaupten zu können. Unter diesem Aspekt interpretiert Blumenberg nun Metaphern und Mythen – auf Grund ihrer die Wirklichkeit distanzierenden, in ihr orientierenden und den Menschen so entlastenden Leistungen – als ein funktionales Äquivalent zu Institutionen im Sinne Gehlens

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Blumenberg

Ich glaube, anhand meiner Beschäftigung mit Blumenberg ist mir nochmal klargeworden, wie gängig die Idee ist, der "Urmensch" (als einzelner) habe sich bei seiner Menschwerdung "der Natur" gegenüber gesehen und sei damit nicht gut zurechtgekommen (ungefähr so, wie die Tiere in Madagascar 1 oder die New Yorker in Madagascar 2 ). Und diese Idee halte ich für projektiven Komplett-Unsinn.
Womit ich nicht den ganzen Blumenberg vom Tisch wischen will; ich habe nur bei ihm nicht viel gefunden, was ich nicht bei Wittgenstein oder Adorno klarer und weniger problematisch formuliert finde. Und das ist immer so ein bissl mein Gradmesser für philosophische Texte.
Allerdings erwäge ich nach wie vor, Blumenbergs Mythentheorie anzuschauen, weil ich im Zuge meiner glanzvollen akademischen Werke vermutlich Mythentheoretisches gut brauchen könnte. Hm.

- Müller:
Sprachlich müllertypisch. Ich habe bei solcher stilistischen Selbst-gleichheit ja gelegentlich den Verdacht, dass die Sprache dann selbstzweckhaft/mechanisch wird, finde das aber konkret bei ihr dann eigentlich immer doch nicht (mit Fleißer geht es mir nicht anders. Ist das gar ein Charakteristikum des guten alten sogenannten weiblichen Schreibens? - neeeeee).
Insgesamt hat der Text mich angesprochen (Irene fühlte sich von außen alt und von innen unmündig [S. 173]; jenun ); ich fand es interessant von der Personen- und Wahrnehmungsbeschreibungen her; Präsenz und Nichtpräsenz in Situationen usw.; und ich werde es auch bei Gelegenheit nochmal lesen - da mir bei Erstlektüren (je nach Buch) häufig primär einzelne Sätze/Szenen auffallen, die ich irgendwie als treffend empfinde, ist das (zur Bewertung/dem Verständnis der Gesamtkonzeption auch notwendig (womit ich nicht sagen will, dass ich diese bei Erstlektüren ignoriere); trotzdem hier einer der mir jetzt beim Nochmal-Durchblättern aufgefallenen Passagen:
Irene war verärgert, daß die Frau so langsam und gleichmäßig atmen konnte. Daß sie das Bild, das Irene sich von ihr gemacht hatte, nicht beschäftigte. Daß sie dieses Bild nicht korrigieren wollte.

[S. 168; in der Fischer-Taschenbuch-Ausgabe]


Den Bartleby-Kommentar verschiebe ich, weil ich den Text (wg. Uni/Deleuze) eh sehr demnächst nochmal lesen werde; der Kommentar wird alsdann frisch aus der Gedankenfabrik folgen. Eventuell auch zusammen mit meinem Pierre-Kommentar, falls ich einen solchen lohnend finden sollte.













Wenn du jetzt sagst, dass das zuviele Zeilen sind, hau ich dich.


Jo! (Damit es auch eine schriftlich fixierte inhaltliche Reaktion von mir auf den Beitrag gibt.)

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
~ William S. Burroughs, »Octopus«

E Caddy come corpo morto cade.
~ Dante Alighieri, Commedia
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sphnix

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Depp :p [Re: Caddy]



Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
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Geändert durch sphnix (14.01.2018 18:29)

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Caddy

Gefährte

Re: Über Rank und Stein [Re: sphnix]

Zu Rank: Den kann man sich meines Erachtens sparen. Der Text ist eine reine Quellensammlung von Texten, in denen Doppelgänger auftauchen. Das wenige, was Rank dann daraus erarbeitet, kann man auch gleich kompakter bei Freud nachlesen.

Zu Stein: Hier ist gewissermaßen die Frage falsch gestellt, da ich den Band in erster Linie des Illustrators ATAK wegen gelesen/angeguckt habe und der Text eher zufällig von Gertrude Stein stammt. Der Text kam mir insgesamt ziemlich blass vor. Das ist bei Stein nun auch öfter mal Programm, in diesem Fall wusste ich aber nichts damit anzufangen – ich habe keine Ahnung, was der Text will. Eventuell funktioniert Steins Stil nur bei längeren Texten, eventuell verhindert auch die recht holprige Übersetzung einen Zugang zum Text.

Look at the octopus. Look into his great inhuman eyes.
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sphnix

Gefährte

Re: Über Rank und Stein [Re: Caddy]

va bene

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
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