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Spiel & Spaß » Das Mathom-Haus » caddys gesammelte werte, band #3

sphnix

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Re: Des Alterns kaltes Fieber kühlen! [Re: ratatoeskr]

Sag mal vor dich hin!


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ratatoeskr

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Re: Des Alterns kaltes Fieber kühlen! [Re: sphnix]

Später :-)
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sphnix

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Re: Des Alterns kaltes Fieber kühlen! [Re: ratatoeskr]

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ratatoeskr

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Barbourjacken gegen kaltes Kühlen! [Re: sphnix]

So, es ward später^^.

Der Eklektizismus als Stilprinzip, der für die Postmoderne typisch ist, wird in Faserland natürlich voll durchexerziert. Ständig werden popkulturelle Artefakte - Barbourjacke, Auto, Schampus, Drogen, Party etc. - aufeinandergehäuft, wiederholt, leicht variiiert und wieder wiederholt. Da die Dinge an sich bedeutungslos sind, können sie nur durch diese Technik (Erzähl- wie Lebenstechnik) bedeutend gemacht werden, überhaupt so etwas wie einen Kontext erreichen.
Parallel existiert dann die gleichfalls geklaute Struktur des Bildungsromans, die mit der Metapher der Nord-Südreise spielt. Die Anspielungen sind natürlich zahlreich, von Goethes Italienreise über v.a. Mann-Zitate, aber auch Hölderlin und sicher noch viele andere, die mir nicht einfallen oder die ich schon beim Lesen nicht erkannte.
Das halte ich für den "Verdienst" Faserlands - dass die scheinbar als Sinn-Ausweg gesetzte Bildung (ein rein formaler Bildungsbegriff, nix mit Humboldt) letztlich völlig im Sande verläuft, selbst nur zu austauschbaren Artefakten degradiert wird. (was für mich den Kernunterschied zur Moderne ausmacht.) Die Bildungsreise führt ins Nichts (und ja nichtmal sicher in den Selbstmord, der zumindest ein Etwas wäre), sie kann nur ins Nichts führen. Es bräuchte ein irgend zielgerichtetes Weltbild, um zu einem Ende zu führen, aber das ist nicht da. Dieses sich selbst auch bewusste zusammenhanglose Panoptikum von kulturellen Fetzen, das ist schon groß gemacht - in dem Buch ist für mich eigentlich alles drin, was Postmoderne ausmacht, einschließlich des ständigen ironischen Brechens.
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sphnix

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Re: Barbourjacken gegen kaltes Kühlen! [Re: ratatoeskr]

Mist, jetzt ist es schon wieder später!


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Pyr

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Re: Barbourjacken gegen kaltes Kühlen! [Re: ratatoeskr]

ratatoeskr schrieb:
So, es ward später^^.

Der Eklektizismus als Stilprinzip, der für die Postmoderne typisch ist, wird in Faserland natürlich voll durchexerziert. Ständig werden popkulturelle Artefakte - Barbourjacke, Auto, Schampus, Drogen, Party etc. - aufeinandergehäuft, wiederholt, leicht variiiert und wieder wiederholt. Da die Dinge an sich bedeutungslos sind, können sie nur durch diese Technik (Erzähl- wie Lebenstechnik) bedeutend gemacht werden, überhaupt so etwas wie einen Kontext erreichen.



Das halte ich für eine groteske Aussage, da wir von konkreten kulturellen Artefakten, von Manifestationen Objektivität gewordener Ideologie wie Markenartikeln und Waren(form) sprechen.
Aber genau das ist auch der Punkt, wo ich die Postmoderne für lügnerisch halte. Die Oberflächenerscheinung ist nicht das Ding an sich, welches aus sich selbst zusammenhangslos ist.

Gommorah is a nursery rhyme
you won't find in the book.
It's written on your city's face,
just stop and take a look.

(Sixto Rodriguez)


In ihrem Schweigen gegen die Erlebnisberichte der Individuen wird die Totalität das letzte Wort behalten.
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sphnix

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Re: Barbourjacken gegen kaltes Kühlen! [Re: ratatoeskr]

ratatoeskr schrieb:
So, es ward später^^.

Der Eklektizismus als Stilprinzip, der für die Postmoderne typisch ist, wird in Faserland natürlich voll durchexerziert. Ständig werden popkulturelle Artefakte - Barbourjacke, Auto, Schampus, Drogen, Party etc. - aufeinandergehäuft, wiederholt, leicht variiiert und wieder wiederholt. Da die Dinge an sich bedeutungslos sind, können sie nur durch diese Technik (Erzähl- wie Lebenstechnik) bedeutend gemacht werden, überhaupt so etwas wie einen Kontext erreichen.




Hm, wäre natürlich die zentrale Frage: Tun sie das? Und da bin ich mir extrem unsicher. Welcher Kontext entsteht dadurch, dass man von Jever zu granadineverseuchtem Alpenbier gelangt? (naja, das ist die polemische Formlierung, aber ich glaube, du verstehst, was ich meine )

Gerade die erzähltechnik hab ich ja beim ersten Lesen doch eher als konventionell erlebt, und als eher unklar, was die Distanzen angeht.
(mit unklar meine ich nicht, dass mir als Leser nicht sofort gesagt wird, was ich wozu wie zu denken habe. Sondern dass ich, von der Wiederholung des Immergleichen abgesehen, kaum Stilprinzipien sehe)


In Bezug auf:
Parallel existiert dann die gleichfalls geklaute Struktur des Bildungsromans, die mit der Metapher der Nord-Südreise spielt. Die Anspielungen sind natürlich zahlreich, von Goethes Italienreise über v.a. Mann-Zitate, aber auch Hölderlin und sicher noch viele andere, die mir nicht einfallen oder die ich schon beim Lesen nicht erkannte.
Das halte ich für den "Verdienst" Faserlands - dass die scheinbar als Sinn-Ausweg gesetzte Bildung (ein rein formaler Bildungsbegriff, nix mit Humboldt) letztlich völlig im Sande verläuft, selbst nur zu austauschbaren Artefakten degradiert wird. (was für mich den Kernunterschied zur Moderne ausmacht.)



Wieder polemisch gefragt: Wo genau liegt die epochale Erkenntnis oder das epochemachende Prinzip bei der Feststellung, dass jmd, der nicht denkt (und der Erzähler denkt nicht) mit Bildunsgversatzstücken nichts anfangen kann?


In Bezug auf:
Die Bildungsreise führt ins Nichts (und ja nichtmal sicher in den Selbstmord, der zumindest ein Etwas wäre), sie kann nur ins Nichts führen. Es bräuchte ein irgend zielgerichtetes Weltbild, um zu einem Ende zu führen, aber das ist nicht da.



Aber gibt es etwas, was über "Hm, irgendwie ist alles doof, irgendwie helfen auch meine blöden Stilkriterien nicht weiter und irgendwie ist alles leer" hinausgeht? (Auf der formalen wie auf der Erkenntnis-Ebene)

In Bezug auf:

Dieses sich selbst auch bewusste zusammenhanglose Panoptikum von kulturellen Fetzen, das ist schon groß gemacht - in dem Buch ist für mich eigentlich alles drin, was Postmoderne ausmacht, einschließlich des ständigen ironischen Brechens.



Ich sehe kein ständiges ironisches Brechen, ich sehe Vagheiten, die eine ironische Lesart ebenso zulassen wie eine sentimentale oder ästhetizistische, fürchte ich. Wer würde auch ironsich gebrochen? Der Erzähler, die Figuren, die er schildert, oder alle - aber wenn alle, dann wie; und was soll eine standpunktlose Ironie aus Leere noch sein? Ironie braucht einen Standpunkt relativer Überlegenheit, d.h., relativ größerer Einsicht. Der Ich-Erzähler hat diese Einsicht nicht, und der Autor schafft zu diesem ich-Erzähler keine kenntliche Distanz oder kenntliche Nicht-Distanz.


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ratatoeskr

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Re: Barbourjacken gegen kaltes Kühlen! [Re: Pyr]

Pyr schrieb:
ratatoeskr schrieb:
So, es ward später^^.

Der Eklektizismus als Stilprinzip, der für die Postmoderne typisch ist, wird in Faserland natürlich voll durchexerziert. Ständig werden popkulturelle Artefakte - Barbourjacke, Auto, Schampus, Drogen, Party etc. - aufeinandergehäuft, wiederholt, leicht variiiert und wieder wiederholt. Da die Dinge an sich bedeutungslos sind, können sie nur durch diese Technik (Erzähl- wie Lebenstechnik) bedeutend gemacht werden, überhaupt so etwas wie einen Kontext erreichen.



Das halte ich für eine groteske Aussage, da wir von konkreten kulturellen Artefakten, von Manifestationen Objektivität gewordener Ideologie wie Markenartikeln und Waren(form) sprechen.
Aber genau das ist auch der Punkt, wo ich die Postmoderne für lügnerisch halte. Die Oberflächenerscheinung ist nicht das Ding an sich, welches aus sich selbst zusammenhangslos ist.



Naja, natürlich stehen Dinge für etwas. Also, Schampus auf Sylt = High Society,Geld,Eleganz usw., mal grob angenähert. Aber diese Dinge sind für den Erzähler bedeutungslos (sagt er). Also die Ideologie a la "ich bin zahnarzt, hab ne praxis mit 8 angestellten, arbeite wie ein tier und möchte den erworbenen wohlstand genießen und zeigen unter meiensgleichen"-> schampus auf sylt" * teilt er nicht, hält sie für sinnlos, ebenso wie alle denkbaren Alternativen. Insofern kann er den Schampus nur als Ding an sich (nein, nicht Kant ) wahrnehmen und muss Bedeutung anders herstellen.
"lügnerisch" ist ein Begriff, mit dem ich in diesem Kontext nichts anfangen kann. Man kann diese Weltsicht teilen oder auch nicht, ich halte sie ebenfalls für falsch, aber nicht, weil ihre Texte "lügen".

*Im Gegensatz z.B. zur "finanziell gesichert, im herzen immer noch links, ich hab da n ganz feinen Alto Fragile von diesem kleinen Bioweingut aus Apulien"-Logik. Auch das wäre für den Erzähler ja totaler Unsinn.

Geändert durch ratatoeskr (15.03.2015 15:01)

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ratatoeskr

Gefährte

Re: Barbourjacken gegen kaltes Kühlen! [Re: sphnix]

sphinx schrieb:
ratatoeskr schrieb:
So, es ward später^^.

Der Eklektizismus als Stilprinzip, der für die Postmoderne typisch ist, wird in Faserland natürlich voll durchexerziert. Ständig werden popkulturelle Artefakte - Barbourjacke, Auto, Schampus, Drogen, Party etc. - aufeinandergehäuft, wiederholt, leicht variiiert und wieder wiederholt. Da die Dinge an sich bedeutungslos sind, können sie nur durch diese Technik (Erzähl- wie Lebenstechnik) bedeutend gemacht werden, überhaupt so etwas wie einen Kontext erreichen.




Hm, wäre natürlich die zentrale Frage: Tun sie das? Und da bin ich mir extrem unsicher. Welcher Kontext entsteht dadurch, dass man von Jever zu granadineverseuchtem Alpenbier gelangt? (naja, das ist die polemische Formlierung, aber ich glaube, du verstehst, was ich meine )



Nein, tun sie nicht. daher "so etwas wie". Es ist ein zum Scheitern verurteilter Versuch.

sphinx schrieb:
Gerade die erzähltechnik hab ich ja beim ersten Lesen doch eher als konventionell erlebt, und als eher unklar, was die Distanzen angeht.
(mit unklar meine ich nicht, dass mir als Leser nicht sofort gesagt wird, was ich wozu wie zu denken habe. Sondern dass ich, von der Wiederholung des Immergleichen abgesehen, kaum Stilprinzipien sehe)



Ich auch nicht, aber das ist imo der Punkt. Natürlich kann man auch nichtlinear erzählen,usw. usf., aber wozu, wenn eh alles sinnlos ist? Linearität passt zum Bildungsroman, und daher wirds gewählt.


sphinx schrieb:
Wieder polemisch gefragt: Wo genau liegt die epochale Erkenntnis oder das epochemachende Prinzip bei der Feststellung, dass jmd, der nicht denkt (und der Erzähler denkt nicht) mit Bildunsgversatzstücken nichts anfangen kann?



Er denkt nicht, weil Denken keinen Sinn macht. Alle Ergebnisse von Denken (was weiß ich, sagen wir mal: der Sinn des Lebens besteht darin, Kunst zu hinterlassen, gottesfürchtig zu sein oder nachkommen zu zeugen und zu erziehen). Die Sinnsuche durch und über Bildung ist also auch nur ein Als-Ob, das nur durch das Erzählen einen Zweck bekommt (und scheitert).

sphinx schrieb:
Aber gibt es etwas, was über "Hm, irgendwie ist alles doof, irgendwie helfen auch meine blöden Stilkriterien nicht weiter und irgendwie ist alles leer" hinausgeht? (Auf der formalen wie auf der Erkenntnis-Ebene)



Nein. Ist quasi von der Weltsicht verboten.

sphinx schrieb:
Ich sehe kein ständiges ironisches Brechen, ich sehe Vagheiten, die eine ironische Lesart ebenso zulassen wie eine sentimentale oder ästhetizistische, fürchte ich.



Ja. Alle Lesarten sind ja auch gleich. Gleich sinnlos.

sphinx schrieb:
Wer würde auch ironsich gebrochen? Der Erzähler, die Figuren, die er schildert, oder alle - aber wenn alle, dann wie; und was soll eine standpunktlose Ironie aus Leere noch sein? Ironie braucht einen Standpunkt relativer Überlegenheit, d.h., relativ größerer Einsicht. Der Ich-Erzähler hat diese Einsicht nicht, und der Autor schafft zu diesem ich-Erzähler keine kenntliche Distanz oder kenntliche Nicht-Distanz.



Es gibt keinen Löf... keine größere Einsicht. Dazu müsste es einen Sinn geben, den der Erzähler (Autor, Leser) besser erkennen kann als andere, aber den gibt es eben nicht. Unter diesen Bedingungen überhaupt zu erzählen (wozu denn? und was denn auch?) ist per se sinnlos. (und somit ironisch).

(Hinzu kommt speziell bei Kracht schon die Frage, inwieweit er da eigentlich eine Postmoderne-Parodie schreibt. Aber allein DASS die Frage, ob Parodie oder nicht, eigentlich unentscheidbar ist, liegt im und am Wesen der Postmoderne. Postironie, sozusagen.)

Geändert durch ratatoeskr (15.03.2015 15:05)

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Pyr

Gefährte

Re: Barbourjacken gegen kaltes Kühlen! [Re: ratatoeskr]

Das liest sich eigentlich ziemlich durchgehend wie eine Anti-Kunsttheorie, bzw., nach einer Begründung, warum man Bücher wie dieses eigentlich gar nicht zu schreiben braucht.
Erinnert mich an das eine fiktive Buch bei Moers, dessen erster Satz lautet: "Es ist völlig egal, ob Sie dieses Buch lesen oder nicht."

Demnach würde Faserland tatsächlich nur taugen, wenn es die Unsinnigkeit des Konzepts 'Postmoderne' parodistisch vorzuführen versucht.

Ich werd's mal lesen, ist ja meines Wissens nicht sehr lang.

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