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sphnix

Gefährte

Nagelprobleme, oder: Von Taschen und Bleistiften

Dieser Thread wird ins Leben gerufen, um das Literaturgequatsche hierzuforum ein bisschen aufzumischen und auch den gemeinen kleinen Hund von der Straße, der sich nur zu den pfinstersten Pfreuden des Pfleisches hingezogen fühlt, für die erhabene Kunst der Wortverkettung zu interessieren.

Sexszenen in Texten sind immer eine Nagelprobe, so, sinngemäß, hat Burkhard Spinnen es einmal formuliert. Das edle Ziel dieses Threads ist es, Passagen sogenannter Literatur ausfindig zu machen, bei denen der Nagel sehr schief eingeschlagen bzw. eher der Daumennagel getroffen wurde. Derart kann der Threadkonsument sich an den Albernheiten der Texte erfreuen, ohne lang & leidvoll ganze Bücher lesen zu müssen (-> Service).

Das Leben, das ich akzeptiere, ist das schlimmste Argument gegen mich selbst
(Crevel)
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sphnix

Gefährte

Exemplum 1: Blümchensex [Re: sphnix]

Eigentlich hätte ich den Thread ja gerne mit UIla Hahn begonnen, der Autorin des schlechtesten Buchs, das ich dieses Jahr bislang gelesen habe. So aber beginnen ich mit der Nr. Eins schlechten Schreibens aus dem Jahre 2015, die ich hier schon mal streckenweise zitiert habe, nämlich Laline Paull (aus ihrem Schwachsinnsbuch "Die Bienen"):


1. Von Bienen und Blumen:

Doch als eine Pflanze sich reckte und ihren Duft von sich gab, folgten alle ihre Nachbarn ihrem Beispiel, und so flehten sämtliche Blumen in jedem Betonriss und jeder Schalsteinwand Flora an, sie möge zu ihnen kommen. Sie riefen und bettelten, sie wollten mit ihr sprechen und ihre Füße auf ihren Blüten spüren.
"Nur kurz." Flora landete auf dem rußgeschwärzten Kopf eines Sommerflieders, der erwartungsvoll zitterte. Als Flora sich an ihm festhielt und ihre Zunge tief in ein Blütchen stieß, seufzte es dankbar. Die Blütenblätter waren von einem widerlichen Ölfilm überzogen, und sie wich angeekelt zurück und flog weiter. Der Flieder ließ beschämt die Blätter hängen.

(S. 172/173)


2. Bienenvermehrung:

"Such dir einen anderen aus!", flüsterte Flora ihrer Tochter zu. "Es gibt so viele!"
"Aber er ist der Beste", sagte ihre Tochter. "Und deshalb liebst du ihn." Sie warf ihren Motor an, und unter dem Tosen des heiligen Akkords erhob sich der dunkle Komet des Schwarms in die Luft, das wahre Kind des Stocks.
[...]
Linde flog ganz in ihrer Nähe, und sie sah ihn ein letzte Mal an. Seine große Aufgabe hatte ihn verjüngt - er war an das Ziel seines Lebens gelangt. Sein Blick war ausschließlich auf Floras wunderschöne Tochter gerichtet, und dabei verströmte er einen starken, erregenden Geruch. Den anderen Drohnen entging dies natürlich nicht, und auch sie hüllten sich lüstern in ihre Pheromone. Unter den Bienen herrschte allgemeine Begeisterung, und während sie über die Felder dahinflogen, war ihr Summen weithin zu hören.
[...] Da schaute sich ihre Tochter plötzlich um und richtete den Blick auf Herrn Linde. Ein süßes Aroma breitete sich hinter ihr aus, und mit einem Spurt setze sie sich an die Spitze des Schwarms. Flora hörte Herrn Lindes Brustmotor aufheulen, und er jagte ihrer Tochter nach. Die Prinzessin erhob sich über den Schwarm, wo alle sie sehen konnten, und zog dort mehrere Kreise, um für die Drohnen ihren Duft zu versprühen.
Ihr Panzer funkelte blauschwarz in der Sonne, ihr Pelz schimmerte leuchtend rot, und ihre Flügel schlugen in der Luft bronzene und goldfarbene Funken. Flora nahm all ihre Energie zusammen, um mitzuhalten und ihre Tochter nicht aus den Augen zu verlieren, wobei sie die kräftigen Beine und den anmutigen Brustkorb der jungen Prinzessin bewunderte. Herrn Linde konnte sie nirgendwo sehen - und dann stieß ihre Tochter einen überraschten Schrei aus, als er sich von hinten auf sie stürzte.
Kaum spürte die Prinzessin die intime Berührung, da gewann sie noch einmal an Höhe, und ihre Leiber verschmolzen für alle sichtbar miteinander.
[...]
"Es ist vollbracht!", rief Flora aus. "Es ist vollbracht!"
(S. 339/340)

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kunigund

Gefährte

Re: Exemplum 1: Blümchensex [Re: sphnix]

"Es ist vollbracht." :kotz:

Ein Blumenbienenpseudoporno... das ist ja peinlich und in der Wortwahl widerlich ("seufzendes Blütchen", wie auch immer das im englischen Original heißt). Die letzten Zeilen erinnern mich allerdings an Anglerfische.
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Elf_of_deep_Shadow

Gefährte

Re: Exemplum 1: Blümchensex [Re: kunigund]

Ich möchte den einen Threadtitel ztieren:

WTF did I just read?!

~~~
In a world without walls and fences, who needs Windows or Gates.
~~~
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Pyr

Gefährte

Re: Exemplum 2: Kopulierende Kontinente (:kotz:) [Re: Elf_of_deep_Shadow]

Aus dem entsetzlich frivolen, jedoch keineswegs obszönen "Kirio" von Anne Weber, einem der zähesten, ärgerlichsten und langweiligsten Bücher, die ich bislang gelesen habe, und welches ich denn auch nicht freiwillig las:

    Wird es jetzt noch verwundern, wenn ich sage: Er war schön? Nicht im ebenmäßig-griechischen Sinne, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass er ein hübscher Junge war. Er war schön, wie einer schön ist, der durch sein bloßes Dasein und In-die-Welt-Schauen die Herzen wärmt oder auch - für diejenigen, denen das Herzerwärmen zu rührselig und im Grunde schon das Wort "Botenstoff" zu poetisch ist - den Dopamin- und Oxytocingehalt seines Gegenübers steigert. Durch Kirio erhielt die Menschheit Botschaft vom Mars oder von noch weiter weg, von der Herkules-Zwerggalaxie vielleicht, oder von der Kleinen Magellan'schen Wolke: aus einer unbekannten Welt.
    Unter der Strahlung dieser neuen Wolkengalaxie war Priscas Botenstoffhaushalt gehörig durcheinandergekommen. Ich hoffe, Sie nicht zu schockieren, wenn ich Ihnen verrate, dass sie nicht nur Kirios Durst und Hunger, sondern auch seine Neugier stillte, genauer gesagt, jenen Teil seiner nach allen Richtungen ausschlagenden Neugier, den sie geschickt auf sich zu lenken wusste und der sich bald auf die Frage versteifte, was sich wohl hinter den paar Lagen Stoff zutragen mochte, die sie am Leib hatte. Ein Flächenbrand? Oder war es eisig in diesem Hinterland? Konnte man in diesen Breitengraden überhaupt noch atmen und leben? Seine Neugier war groß, seine Scheu war größer; die Entdeckung Amerikas muss vergleichsweise zügig vonstatten gegangen sein. Indem sie eines Abends einen Reißverschluss aufzog und ein paar Knöpfe und Häkchen löste, beschleunigte Prisca den Vorgang und stellte Kirio unvermittelt vor die Konsequenzen des zwischengeschlechtlichen Klimawandels.
    Natürlich war sie ein ganzes Stück älter als er.
    Um ehrlich zu sein: Sie hätte seine Mutter sein können.
    Um noch ehrlicher zu sein: Sie dachte gar nicht daran.
    [...]
    In der kleinen Hausgemeinschaft geschahen Dinge in diesen Tagen, die ich um keinen Preis hätte versäumen mögen. Seit Kirio einen Fuß auf den neuen Kontinent gesetzt hatte, schien dieser sich immer mehr auszudehnen. Mit bloßen Händen und einem Enthusiasmus, der nicht nur jugendlich, sondern auch ihm ganz persönlich zu eigen war, sowie mit einem Sondierungsinstrument, das nie die geringsten Anzeichen von Überanspruchung zeigte, erforschte Kirio jeden Quadratmillimeter Neuland, und das mit einem Ungestüm und einer Behutsamkeit, die sich eigentlich hätten ausschließen müssen und die sich bei jedem anderen auch ausgeschlossen hätten. Während die beiden Pyromanen unter dem Donner der vorüberrasenden Züge immer neue Feuer aneinander entfachten, hatte ich einen festen Logenplatz reserviert oder ein festes Schlüsselloch, und mein Blut, oder was auch immer da in meiden Adetrn oder worin auch immer floss, geriet von früh bis spät in Wallung während dieser exklusiven Vorführungen.
    Nun könnte ich Ihnen zweifellos diesen äußerst erregenden Amateurfilm in 3D an eine überdimensionale Leinwand werfen und Ihnen in die eine Hand ein Tempotaschentuch und in die andere eine Popcorntüte drücken. Nichts da. Man kann Analphabet sein und durchaus ein Schamgefühl haben oder auch egoistisch genug sein, nicht jedes Vergnügen mit allen anderen teilen zu wollen.
    Sicher ist und zudem durchaus mitteilbar, dcass das neuentdeckte America sich bald derart ausdehnte in Kirios Existenz, dass es alles andere verdrängte und dabei sogar Himmel und Meer außer Sicht gerieten. Lustlustlust, soweit das Auge reichte, Lust im Norden, Lust im Süden, Lust im Osten, Lust im Westen. Prisca schmiss nun ihrerseits den Gemüsegarten; Vorräte hatte sie genug angelegt für einige Liebesjahreszeiten.


Der Inhaber dieser Signatur ist ehrenamtlicher Junior-Held und Chef der Polizeidirektion von Rocky Beach. Die Behörde befürwortet jegliche Unterstützung von dritter, vierter und fünfter Seite.
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Keks

Gefährte

Re: Exemplum 2: Kopulierende Kontinente (:kotz:) [Re: Pyr]

Ich hab bei "Dopamin- und Oxytocingehalt" aufgehört zu lesen

Pero este no es el mundo que yo quiero.

Ich finde tackern super. Ich finde, man sollte viel mehr tackern.
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Pyr

Gefährte

Re: Exemplum 2: Kopulierende Kontinente (:kotz:) [Re: Keks]

Das ist definitiv nicht das Schlimmste an diesem Buch.

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sphnix

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Re: Exemplum 2: Kopulierende Kontinente (:kotz:) [Re: Pyr]



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sphnix

Gefährte

3: Ulla (1) [Re: sphnix]

Trost:
De facto entsteht hier dann doch kein Kind.

"Zum ersten Mal schlief ich mit Hugo unterm Dach der Altstraße, im Bett des Großvaters lagen wir, Fritz würden wir ihn nennen, unseren Erstgeborenen, den wir uns in dieser heiligen Nacht keusch und geschlechtlich herbeiliebten. Ernsthaft, beinah feierlich gaben wir unsere Körper einander preis, nicht allein einander lieben wollten wir, vielmehr Zeugnis ablegen von unserer Liebe, unsere Liebe bezeugen. Zeugen. Erschaffen. Uns offen-baren. In unserem Kind."

(Ulla Hahn, "Wir werden erwartet", S. 69)


Wer sowas allen Ernstes schreibt, muss zu allem fähig sein. Auch zu Büttenreden, Kirchentagsgebeten oder Reklamesprüchen.

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sphnix

Gefährte

Hah! [Re: sphnix]

Ui, Hilla hat jetzt einen Neuen (im letzten Viertel des Buches). Freut eusch schon mal vor auf eine Frischluftfickszene, liebe Kinder!
Diese Sprache ist ein Verhütungsmittel.

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