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Mittelerde & andere phantastische Welten » Kreativschmiede » Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Vorwort

Etwa zehn Jahre nach Kampf um Mittelerde schreibe ich nun meine zweite Fanfiction – allerdings eine ganz andere, als ich damals erwartet hätte. Der Titel verrät bereits, dass es sich um ein Tolkien/Martin-Crossover handelt. Die Geschichte ist für Fans, die zumindest die "Herr der Ringe"-Verfilmung von Peter Jackson und die HBO-Serie "Game of Thrones" kennen. Wer freilich alle Details verstehen möchte, sollte auch die entsprechenden Bücher - "Das Lied von Eis und Feuer" von Martin und "Der Herr der Ringe" von Tolkien - gelesen haben. Da auch die Götter aus Tolkiens Welt eine Rolle spielen, ist zusätzlich die Kenntnis des Silmarillion hilfreich.

Wer eine Fanfiction wie "Kampf um Mittelerde" erwartet, sei vorgewarnt: "Gondor hilft Westeros" ist aus mehreren Gründen ganz anders. Während ich die in Tolkiens Werken erzählten Geschichten nicht verändern, sondern ergänzen will, beabsichtige ich bei Martin genau das Gegenteil: Durch das Eingreifen der Besucher aus Gondor wird das Game of Thrones entscheidend verändert. Allerdings bin ich darauf bedacht, alle bekannten Figuren "In Character" dazustellen.

Die Geschichte spielt fast ausschließlich in Westeros. Ich habe mich dabei mehr an der Buchreihe als an der TV-Serie orientiert, aber mir auch einige Freiheiten (z.B. hinsichtlich des Alters der Charaktere, der vorkommenden Personen und der Reihenfolge der Ereignisse) genommen. Wie in "Das Lied von Eis und Feuer" sind die einzelnen Kapitel nach dem jeweiligen "Point of View"-Charakter benannt. POV-Charaktere sind sowohl Gondorianer als auch Westerosi.

"Gondor hilft Westeros" ist jetzt noch lange nicht fertig geschrieben. Es wird eine mehrteilige, lange und komplexe Geschichte. Damit sie nicht zu lang wird, werde ich einige Lücken lassen: Es werden nicht die Plots sämtlicher POV-Charaktere von Anfang bis Ende durcherzählt; gelegentlich behelfe ich mich mit kurzen Rückblenden. Außerdem bleiben anfangs auch wichtige Charaktere aus Martins Geschichte außen vor, solange die Veränderungen der Geschichte ihre Plots nur geringfügig beeinflussen.

Die Nomenklatur dieser Fanfiction orientiert sich einerseits an der Carroux-Übersetzung von "Der Herr der Ringe" und andererseits an der neuen Übersetzung von "Das Lied von Eis und Feuer", also mit eingedeutschten Namen wie Königsmund, Graufreud, Schnellwasser etc., wie sie auch in der deutschen Synchronisation der TV-Serie verwendet werden. Allerdings habe ich eine Ausnahme gemacht: Mit der Schreibweise "Lennister" kann ich mich partout nicht anfreunden.

Den Prolog und die folgenden drei Kapitel poste ich innerhalb der nächsten Tage (mit zwei Posts je Kapitel), danach soll es grundsätzlich ein Kapitel pro Woche geben. Allerdings werde ich auch immer Pausen einlegen.

Feedback, Kommentare und konstruktive Kritik sind ausdrücklich erwünscht. Ich bitte darum, diese nicht per PM zu schicken, sondern hier im Thread zu posten!

Bevor ich loslege, bedanke ich mich ganz herzlich bei meinen Betalesern für ihre unschätzbar wertvolle Hilfe!

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Disclaimer: Diese Fanfiction basiert auf Werken von J.R.R. Tolkien und George R.R. Martin. Ich besitze kein Urheberrecht an der Geschichte und verdiene auch kein Geld damit.

Prolog – Der König in der Meerenge

Tief in Gedanken versunken blickte Stannis Baratheon auf das Meer hinaus. Es war ein schöner Morgen, doch der Mann auf den Mauern der Festung Drachenstein achtete weder auf den frischen Morgenwind noch auf das strahlende Licht der aufgehenden Sonne, das sich in der Schwarzwasserbucht spiegelte. Mit seiner hohen, gefurchten Stirn, seinem kantigen Kinn und seinem finsteren Blick wirkte er viel älter als die sechsunddreißig Jahre, die er zählte. Früh am Morgen war er hinaus auf die Mauern gegangen, um in aller Ruhe mit sich Rat zu halten. Seine Gedanken kreisten um die Ereignisse, die sich in den Sieben Königslanden abspielten, seit sein älterer Bruder Robert nicht mehr unter den Lebenden weilte.

Unmittelbar nach König Roberts Tod hatte dessen Witwe Cersei Roberts Hand Eddard Stark wegen angeblichen Hochverrats in den Kerker werfen lassen – ein völlig lächerlicher Vorwurf! Stannis kannte den wahren Grund. Lord Stark hatte herausgefunden, was Stannis (ebenso wie die vorherige Hand, der heimtückisch ermordete Jon Arryn) schon lange geahnt hatte: Keines der drei Kinder von Cersei war von Robert; sie waren Bastarde, hervorgegangen aus blutschänderischer Unzucht der schamlosen Hure Cersei mit ihrem Bruder Jaime Lannister, dem Königsmörder – auch der Knabe Joffrey, der älteste der drei, der dazu noch auf dem Eisernen Thron saß, war eine solche Abscheulichkeit. Dieser Bastard hatte kein Recht auf den Thron! Er, Stannis Baratheon, war der rechtmäßige König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Beschützer des Reichs! Er und sonst niemand!

Umso mehr schmerzte ihn, dass nicht einmal sein jüngerer Bruders Renly ihn unterstützte. Vielmehr hieß es, dass er durch eine Heirat mit Margaery Tyrell die Unterstützung von Rosengarten und der Lords der Weite gewinnen und sich selbst zum König ausrufen wollte. Seit wann durfte sich der jüngere Bruder vor dem älteren zum König ausrufen? Das war Hochverrat! Würden Renlys eigene Gefolgsleute, die Lords der Sturmlande, bei einem derartigen Verrat mitwirken? Stannis hatte einen besonders treuen Lehnsmann, Ser Davos Seewert, in die Sturmlande geschickt, um die Unterstützung der dortigen Lords zu gewinnen. Doch diese Mission hatte wenig Aussicht auf Erfolg – das meinte zumindest der alte Maester Cressen, der Robert, Stannis und Renly seit ihren Kindheitstagen kannte. Einst hatte Stannis Cressen sehr geschätzt, doch nun fragte er sich, ob er den mittlerweile sehr alten und gebrechlichen Maester nicht in den wohl verdienten Ruhestand schicken sollte. Die Zitadelle hatte ja bereits mit Maester Pylos einen jungen Nachfolger nach Drachenstein geschickt.

Falls Maester Cressens Einschätzung der Sturmlords aber zutreffend war und diese weiter zu Renly hielten, würde dieser über eine gewaltige Streitmacht verfügen. Groß genug, um den falschen König Joffrey und die Macht der Lannisters herauszufordern. Doch wer würde ihm, Stannis, dem rechtmäßigen König folgen? Über welche Macht verfügte er? Stannis‘ Gemahlin Selyse riet ihm, statt auf Lords und ihre Krieger auf Zauberei und eine fremde Religion zu vertrauen. Selyse wurde beeinflusst von Melisandre, der Schattenbinderin aus Asshai und Priesterin des Herrn des Lichts. Diese Fremde behauptete, dass der Sieg Stannis sicher sei, wenn er sich vom Glauben der Sieben abwandte und sich zu ihrem Roten Gott bekannte. Doch Stannis teilte die Begeisterung seiner Gemahlin für die Fremde und ihren Glauben nicht. Kriege wurden mit kampfstarken Heeren gewonnen, nicht mit Gebeten und Wahrsagerei!

Stannis dachte weiter an das Spiel der Throne und einen weiteren Mitspieler: Robb Stark, den Sohn von Eddard Stark, der nach der Festnahme seines Vaters mit dessen Vasallen in den Krieg gegen die Lannisters gezogen war. Dieser Jüngling zählte noch nicht einmal siebzehn Jahre, aber er hatte sich bereits als geschickter Feldherr erwiesen, die Lannisters in zwei Schlachten geschlagen und dabei auch Jaime Lannister, den Königsmörder, gefangengenommen. Stannis vermutete, dass Robb Stark nun versuchen würde, sich mit den Lannisters zu verständigen und den Königsmörder gegen seinen Vater auszutauschen.

Eine seltsame Erscheinung riss Stannis aus seinen Gedanken. Im Südwesten, hinter der Insel Driftmark, wurde es auf einmal hell, fast als ob dort eine zweite Sonne aufginge. Das Licht, dessen Quelle durch die Insel verdeckt war, strahlte einige Zeit, dann erlosch es ebenso plötzlich, wie es aufgeschienen war.

"Was war das?", fragte sich Stannis. "Hat es auf Driftmark gebrannt? Aber ein Brand von solcher Helligkeit müsste gewaltig sein, länger dauern und würde auch nicht augenblicklich erlöschen!" Stannis blickte noch einige Zeit in die Richtung der Insel, doch das Licht erschien nicht wieder. Unterdessen wurde er gewahr, dass er nicht der Einzige war, der das Licht bemerkt hatte. Er hörte, wie einige Wachen aufgeregt miteinander sprachen. Sicher, das Licht hatte so hell und so lange gestrahlt, dass es viele Leute auf Drachenstein gesehen haben mussten – die Wächter auf den Zinnen ebenso wie die Leute in der Steintrommel, gewiss auch die beiden Maester im Meerdrachenturm.

Stannis wandte seinen Blick vom Meer ab und schritt zügig zur Steintrommel, dem Bergfried, der den Mittelpunkt von Drachenstein bildete. Er begab sich in die Kammer der bemalten Tafel und befahl einem Diener, die beiden Maester zu ihm zu rufen. Während er vor der Tafel sitzend wartete, sann er darüber nach, was die Ursache dieses Lichts war, doch er konnte sich keinen Reim darauf machen.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Schließlich trafen Cressen und Pylos ein. Das Auftreten der beiden Maester konnte kaum unterschiedlicher sein – der eine alt, hinfällig und mit langen schlohweißen Haaren, der andere jung, eifrig und mit kurzem braunem Haar. "Euer Gnaden…" begann Maester Cressen. Ohne auch nur einen Gedanken an ein "Guten Morgen" oder sonst einen Gruß zu verschwenden, schnitt Stannis dem alten Mann das Wort ab und fragte: "Ihr habt es doch auch gesehen? Was war das?"

"Gesehen haben wir es", antwortete Cressen, "doch wir wissen noch nicht, was es war."

"Ja, dergleichen haben wir noch nie erblickt", ergänzte Pylos.

"Berichtet mir etwas, was ich noch nicht weiß!", murrte Stannis ungeduldig. "Ihr Gelehrten solltet doch wenigstens eine Vermutung haben!"

"Ja, Euer Gnaden!", antwortete Cressen. "Ich glaube, ich habe vor vielen Jahren in einer Schriftrolle gelesen, dass es jenseits der Sommerinseln Vulkane im Meer geben soll…"

"Mein Gemahl!", rief eine energische Frauenstimme. "Hört uns an!" Selyse Baratheon war ungefragt eingetreten, gefolgt von der Priesterin Melisandre. Stannis‘ schwarz gekleidete Gemahlin war groß, dunkelhaarig und schlank, doch mit ihren zu großen Ohren, ihrem strengen Mund und ihrer ausgeprägten Nase nicht gerade eine hübsche Frau. Dagegen war die stets in Rot gekleidete Schattenbinderin aus Asshai eine berückende Schönheit. Auch sie war groß und schlank, aber anders als Selyse wirkte sie elegant und anmutig. Blass und makellos war ihre Haut, rot ihr langes, wallendes Haar und auch ihre Augen glänzten rot.

"Was wollt Ihr, Selyse?", seufzte Stannis, der sich durch das Eindringen der beiden Frauen gestört fühlte.

"Lady Melisandre kann Euch erklären, was dieses erstaunliche Licht zu bedeuten hat!", versicherte Selyse.

Stannis zögerte kurz. "Also gut! Sprecht!", sagte er dann und nickte Melisandre zu.

"Euer Gnaden!", begann die Rote Frau. "Dieses Licht war ein Zeichen von R‘hllor, dem einzig wahren Gott. Aber es war mehr als das. In diesem Licht hat sich das Tor zu einer anderen Welt geöffnet. Zehntausend Krieger des Lichts haben es durchschritten um unsere Welt gegen die Dunkelheit zu verteidigen und um Euch in Eurem Kampf beizustehen!"

"Abergläubischer Unsinn!", warf Cressen verächtlich ein. "Woher wollt Ihr das wissen, Ausländerin? Seid ihr vorhin über Driftmark geschwebt, um Euch das anzuschauen und seid anschließend hierher zurückgeflogen? Ihr habt keine Beweise für Eure abenteuerlichen Behauptungen!"

"Ich habe es in den Flammen gesehen, alter Mann!", erwiderte Melisandre ruhig. "Und auch Ihr werdet bald die Wahrheit meiner Worte erkennen!"

"Mein Gemahl! Kümmert Euch nicht um diesen ungläubigen Greis!", rief Selyse und zeigte verächtlich auf Cressen. "Schwört den falschen Göttern ab und bekennt Euch zum Herrn des Lichts, auf dass seine Krieger Euch beistehen!"

"Ruhe!", fuhr Stannis seine Gemahlin an. "Ich habe einige hübsche Worte von Lady Melisandre gehört, doch ich hätte in der Tat gerne Beweise, die über einen Blick in die Flammen hinausgehen!"

"Verzeihung, Euer Gnaden", meldete sich der junge Maester Pylos schüchtern zu Wort, "aber sollten wir nicht besser den Lord von Driftmark oder den Lord der Scharfspitze befragen, was sie und ihre Leute gesehen haben? Auf Driftmark hatten sie eine bessere Sicht auf dieses Ereignis. Auch die Männer auf dem Wachturm der Scharfspitze haben sicher mehr gesehen als wir."

"Das ist endlich ein brauchbarer Vorschlag", brummte Stannis. "Also gut, sorgt dafür, dass Lord Velaryon von Driftmark herkommt und mir über diese Erscheinung Bericht erstattet. Von ihm erfahren wir eher etwas Nützliches als von dem Knaben von Scharfspitze." Lord Duram Bar Emmon von Scharfspitze war nämlich ein Jüngling von fünfzehn Jahren.

Bevor aber ein Bote nach Driftmark geschickt werden konnte, meldeten die Wachen, dass sich bereits die Stolz von Driftmark, das Schiff von Lord Monford Velaryon, das auf seinem meergrünen Segel das Wappen des Seepferdchens trug, Drachenstein näherte. Es dauerte nicht lange, ehe das Schiff anlegte und Monford Velaryon, Lord der Gezeiten und Meister von Driftmark darum bat, seinen König sprechen zu dürfen.

Lord Velaryon kniete nieder, als er den Eingang zur Kammer durchschritten hatte. Er war ein gut aussehender Mann mit dem langen blonden Haar der Abkömmlinge von Valyria. "Erhebt Euch!" befahl Stannis. "Ich wusste, dass Ihr kommen würdet, Lord Velaryon. Was habt Ihr mir zu berichten?"

"Euer Gnaden", antwortete der Lord der Gezeiten, "ich begab mich zu Euch, um von einem wahrhaft wunderlichen Ereignis zu berichten. Ich hätte es nicht geglaubt, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte."

"Ja, kommt zur Sache!", knurrte Stannis ungeduldig, "ich habe selbst gesehen, dass da etwas geleuchtet hat. Was habt Ihr gesehen?"

"Euer Gnaden, ich sah, wie im Südosten auf dem Meer ein Licht erstrahlte, als ob dort plötzlich eine zweite Sonne erschiene. Doch diese Sonne ging weder auf noch unter, sondern schien mit der Meeresoberfläche verwoben zu sein. Plötzlich entsprang dem Licht ein großes Schiff mit einem schwarzen Segel. Auf dem Segel war ein mir unbekanntes Wappen zu sehen: Eine silberne Krone und sieben Sterne über einem weißen Baum. Diesem Schiff folgten weitere, manche mit dem gleichen Wappen, andere mit schwarzen oder weißen Segeln ohne Wappen und wieder andere mit blauen Segeln, auf denen ein Schiff in Form eines Schwans als Wappen zu sehen war."

"Schiffe mit Schiffen als Wappen?", fragte Stannis. "Welche Art Schiffe waren es denn und wie viele? Und wo sind sie jetzt?"

"Zweifellos Kriegsschiffe", antwortete Lord Velaryon, "die größeren waren unseren Dromonen ähnlich. Einige waren mit Skorpionen ausgestattet. Insgesamt waren es wohl etwa fünfzig Schiffe. Sie fuhren zunächst in westlicher Richtung. Als hinter ihnen das Licht erlosch, wandte sich die Flotte nach Südwesten zur Schwarzwasserbucht. Sie fahren in die Richtung von Königsmund."

"Es ist wahr!", rief Melisandre. "Euer Gnaden, auf diesen Schiffen sind die zehntausend Krieger des Lichts aus einer anderen Welt, die Euch im Kampf beistehen werden!"

"Vielleicht habt Ihr Recht", räumte Stannis ein und sein Blick streifte Maester Cressen, der bestürzt und verwirrt wirkte, "doch selbst eine Verstärkung von zehntausend Männern dürfte nicht ausreichend sein, um die Sieben Königslande unter meine Herrschaft zu bringen. Außerdem frage ich mich, warum Eure Krieger des Lichts geradewegs nach Königsmund fahren."

"Habt Geduld, mein König!", antwortete die Priesterin. "Sie werden bald zu Euch kommen, und dafür sorgen, dass Eure Streitmacht noch um ein Vielfaches vergrößert wird."

"Also gut, Priesterin!", sagte Stannis. "Wenn meine Streitmacht tatsächlich auf so wundersame Weise vervielfacht wird, dann bekenne ich mich zu Eurem Gott!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar I

Das Licht der Valar umfing die Flotte Gondors. Als das Licht zuerst in der Bucht von Belfalas vor der Küste Gondors erschienen war, hatte König Elessar kurz gezögert, den Befehl zur Fahrt in das Licht zu erteilen. Doch da Elphir, Imrahils Sohn, Erbe und Kommandant von Dol Amroth, in jener schicksalhaften Nacht im Traum erfahren hatte, dass das Licht von den Valar komme und dort keine Gefahr für die Männer aus Gondor bestehe, gab der König doch den Befehl und die Flotte fuhr hinein.

Elessars Gedanken wanderten zurück zur Nacht der tausend verzauberten Träume im zehnten Jahr des Vierten Zeitalters, in der nicht nur Elphir, sondern auch Elessar, Faramir und viele andere Männer in Gondor und Arnor davon geträumt hatten, dass sie in eine andere Welt reisen müssten, die Hilfe benötigte. Doch kein Traum glich dem anderen und manch einer wollte nicht erzählen, was er in seinem Traum gesehen hatte. Andere sprachen ganz offen darüber, so auch der Erbe von Dol Amroth. Elphir hatte davon geträumt, wann und wie man in die andere Welt gelangen konnte: sie müssten genau ein Jahr nach der Nacht der verzauberten Träume auf Schiffen durch ein Licht in die Bucht von Belfalas fahren, wo die Valar das Tor zu der anderen Welt öffnen würden. Im Rest des Traumes hatte Elphir gesehen, wie die Schiffe durch das Meer in der anderen Welt zum Hafen einer großen Stadt fuhren. Faramir, der Truchsess des Königs und Fürst von Ithilien, hatte geträumt, wie er mit einer Schar von verkleideten Soldaten durch die Straßen und Gassen dieser großen Stadt schritt, um herauszufinden, warum er in eben jene Stadt geschickt worden war. Dem König wiederum war im Traume Manwe, der König der Valar erschienen und hatte ihm im Namen des Einen den Auftrag erteilt, seine Streitkräfte in diese andere Welt zu führen.

Von Manwe hatte Elessar erfahren, was unter den Elben und Menschen von Arda unbekannt und selbst in alten elbischen Schriften wie der Ainulindale nicht zu lesen war: In den unendlichen Weiten von Ea gab es außer Arda noch andere Welten, die von den Valar und anderen Ainur gemäß der Vision von Eru geformt worden waren und ebenfalls von Kindern Ilúvatars bewohnt wurden.

"In dieser Welt werdet ihr Menschen treffen, die euch sehr ähnlich sind. Doch sie sprechen andere Sprachen und sie kennen die Ainur unter anderen Namen und in anderer Anzahl als in Mittelerde und verehren sie auf unterschiedliche Weise."

Als Elessar wissen wollte, warum die Soldaten Gondors in jene Welt gehen sollten, erfuhr er, dass dort den Menschen die Vernichtung drohte - durch grausame Wesen, die viel gefährlicher seien als Orks, doch die Bewohner jener Welt ahnten nichts von der Gefahr, sondern verstrickten sich in Verderben bringende Machtkämpfe.

"Achtzehn Jahre vor eurer Ankunft kam der Wahnsinn über die sieben Länder des Westens und sie versanken in Chaos und Krieg. Auf den Krieg folgte ein trügerischer Friede, der jetzt vorbei ist. Die sieben Länder müssen unter einer rechtmäßigen Herrschaft vereint werden, um gegen den wahren Feind zu bestehen. In diesem Kampf brauchen die Menschen jener Welt die Hilfe von euch, denn ihr seid erfahren im Kampf gegen die Mächte des Bösen."

"Aber welche Mächte des Bösen wirken dort? Ist Sauron nicht besiegt?"

"Sauron hat nichts damit zu tun, denn er hat nur in Arda gewirkt. Er war nur einer von vielen Dienern von Morgoth, der seine böse Saat in vielen Welten gesät hat, nicht nur in Arda. Auch in jener Welt trägt sie Früchte: Verlogenheit, Bosheit, Arglist und Grausamkeit gibt es auch dort unter den Menschen. Wenn ihr nicht eingreift, wird fürchterliches Unrecht geschehen und es werden abscheuliche Verbrechen begangen."


Elessar hatte danach mehrere Visionen von der anderen Welt: Zunächst sah er einen Mann von hinten, der auf einer Treppe vor einer tobenden Menschenmenge kniete. Auf einmal wurde sein Kopf mit einem großen Schwert abgeschlagen.

In der nächsten Vision sah er eine scheinbar fröhliche Feier in einem großen Saal. Doch plötzlich wurden die Gäste mit Armbrüsten beschossen. Viele starben qualvoll. Wer den Beschuss überlebte, wurde von bewaffneten Männern, die in den Saal stürmten, grausam niedergemetzelt. Elessars Blick fiel auf einen jungen Mann mit rötlich-braunem Haar, der von mehreren Bolzen getroffen war und von einem Kerl in dunkler Rüstung mit einem Schwert durchbohrt wurde. Dann sah er eine rothaarige Frau. Ein Mann packte sie von hinten und schlitzte ihr mit einem Dolch die Kehle auf.

Es folgte eine Vision, in der er schwarz gekleidete Männer im schneebedeckten Hof einer Festung sah. Einer von ihnen war ein schwarzhaariger Jüngling, der dem jungen Mann aus der vorherigen Vision so ähnlich sah, dass er gewiss mit ihm verwandt war. Plötzlich zog ein Mann einen Dolch und rammte ihn dem Jüngling in den Hals. Die anderen Männer zogen ebenfalls Dolche und stachen auf den Jüngling ein, der vergeblich versuchte, sein Schwert zu ziehen. Wieder und wieder stachen die Mörder zu, bis der junge Mann tödlich getroffen in den Schnee fiel.

Danach sah Elessar, wie ein junges Mädchen, ein Kind von etwa dreizehn oder vierzehn Jahren, von zwei Soldaten auf einem Holzstapel an einen Pfahl gefesselt wurde. Der Stapel stand in einer schneebedeckten Winterlandschaft. Das Mädchen wehrte sich vergeblich und die Soldaten traten weg, nachdem sie das Mädchen gefesselt hatten. Das Gesicht des Kindes hätte man durchaus als hübsch bezeichnen können, wenn nicht die linke Hälfte durch eine Krankheit oder Verletzung entstellt gewesen wäre. Elessar hörte nichts, doch er sah, dass das Mädchen voller Angst schrie. Dann brannte der Holzstapel auf einmal und Flammen umschlossen das Kind. Damit endete die Vision und Elessar hatte wieder Manwes Stimme gehört:

"Du hast gesehen, wie ehrenwerte Leute heimtückisch ermordet wurden. Ihr könnt das verhindern. Doch alle menschlichen Schandtaten sind nichts im Vergleich zu dem, was jener Welt angetan wird, wenn die Menschen von ihrem wahren Feind überwältigt werden."

Nach diesen Worten hatte der König der Valar dem König von Arnor und Gondor eine noch schrecklichere Vision gezeigt, wie die andere Welt nach einem Sieg der Mächte des Bösen aussehen würde. Was Elessar sah, war so entsetzlich, dass er schweißgebadet aus dem Schlaf hochschreckte.

Dadurch weckte er auch seine Gemahlin. Zu Elessars Verblüffung wusste Arwen, dass er einen Auftrag von den Valar erhalten hatte. Die Königin erzählte ihrem Gemahl, dass ihr Varda im Traume erschienen sei und sie so vom Auftrag Manwes an Elessar erfahren hatte. Auch viele andere Frauen erfuhren in jener Nacht von dem Auftrag für ihre Männer – so etwa Éowyn, die Herrin von Ithilien und Melwen, Elphirs Gemahlin. Daher gaben sie ihre Einwilligung für das Abenteuer, in das ihre Männer zogen.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Ein Jahr war in Mittelerde seit der Nacht der tausend verzauberten Träume vergangen und diese Zeit hatte Elessar genutzt, um seine Streitmacht vorzubereiten, um sie am von Elphir vorhergesagten Tag in die andere Welt zu führen. Jetzt war es so weit. Das Licht wich nach hinten zurück und die Ancalime, das Schiff des Königs von Gondor, befand sich wieder auf dem Meer – einem anderen Meer als vor der Küste Gondors, das erkannte Elessar sofort.

Der König erhob sich, um sich umzusehen. Stolz und aufrecht stand er in seiner Rüstung, sein Schwert Andúril an seiner Seite und die Helmkrone auf seinem Haupt. Er hatte diese neue Krone eigens für seine Feldzüge anfertigen lassen, da die geflügelte Krone der alten Könige stets in Minas Tirith bleiben sollte.

Vor ihnen, in westlicher Richtung, war am Horizont eine ferne Küste zu sehen. Zur rechten Seite, im Norden, befand sich eine langgezogene Insel. Im Osten war eine andere Küste zu erkennen, mit einem großen Turm an ihrem nördlichen Ende. Auf dem Turm brannte ein Leuchtfeuer. Zwischen diesem Turm und der Insel konnte man auf das offene Meer sehen. Die Flotte Gondors befand sich augenscheinlich in einer Bucht.

Wie vereinbart setzte sich die Mithrellas, das von Elphir kommandierte Flaggschiff von Dol Amroth, an die Spitze der Flotte, da Elphir in seinem Traum gesehen hatte, wohin die Flotte fahren sollte. Der Erbe von Dol Amroth ließ einen südwestlichen Kurs einschlagen. Die ganze Flotte wendete darauf nach Südwesten und folgte Elphirs Schiff.

Es war früh am Morgen in dieser anderen Welt, als die Flotte Gondors in der Bucht erschienen war. Günstige Winde trugen die Flotte weit nach Südwesten, wobei die Schiffe sich von der Küste im Westen fernhielten. Das erschien Elessar ratsam, denn er wollte angesichts von Manwes Warnungen nicht zu früh ein Aufeinandertreffen mit den Menschen dieser Welt heraufbeschwören. "Allzu lange können wir ohnehin nicht verborgen bleiben", dachte er, "gewiss wurden wir schon von Leuten auf jener Insel und dem Turm im Osten gesehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir anderen Schiffen begegnen."

Doch in den folgenden Stunden sahen sie keine anderen Schiffe, während vor ihnen die Sonne nach Süden aufstieg. Obwohl die Flotte mit Soldaten und Vorräten schwer beladen war, kamen sie rasch voran. Der Mittag verging und die Sonne zog allmählich gen Westen. Bald darauf begegneten sie zum ersten Mal einem anderen Schiff. Es war ein kleines Fischerboot, das in südöstlicher Richtung Reißaus nahm. Elessar ließ die Flotte weiter in die von Elphir eingeschlagene Richtung segeln, auch wenn er sich fragte, wie die Mächtigen in dieser Welt auf die Ankunft der Flotte Gondors antworten würden. "Werden sie uns für feindliche Eroberer halten? Und werden wir dann versehentlich gegen jene kämpfen, deren Verbündete wir sein sollen? Wie werden wir in die von Manwe erwähnten Machtkämpfe dieser Welt verstrickt? Und wie sollen wir wissen, wer Freund und wer Feind ist?"

Außer dem Fischerboot sahen sie noch ein Handelsschiff zu ihrer Rechten, das in nordöstliche Richtung fuhr. Der Nachmittag war schon weit fortgeschritten, als fern im Süden eine weitere Küste zu sehen war. Die Mithrellas wurde langsamer und von ihrem Deck erging an die ganze Flotte das Zeichen zum Ankern.

Elessar ließ darauf Faramir und Elphir zu sich rufen, die kurz darauf an Bord der Ancalime kamen, um sich mit ihrem König zu beraten. Die drei nahmen an Deck Platz.

Zunächst wandte sich der König an den Erben von Dol Amroth: "Warum halten wir hier an, Elphir, Imrahils Sohn? Weißt du, wo wir sind?"

"Mein König, wir sind nun genau östlich jener großen Stadt, die Faramir und ich erreichen sollen. In meinem Traume sind wir von hier nur mit zwei Schiffen weitersegeln."

"Ihr wollt also zu dieser Stadt – was macht ihr dort?", fragte Elessar.

"Mein Traum endete am Hafen", antwortete Elphir etwas verlegen. "Ich war damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit der Leute zu erregen, bevor ich aufwachte."

"Ich werde in der Stadt ohne Elphir unterwegs sein", sagte Faramir, "so war es jedenfalls in meinem Traum. Ich bin mit meinen Männern durch die Straßen geschritten, die zu einem hohen, gewaltigen Gebäude mit sieben Türmen führten. Ich spürte, dass dort eine sehr wichtige Aufgabe auf mich wartete und ich auch erfahren würde, warum mich die Valar in jene Stadt gesandt hatten. Doch ehe ich bis dort ankam, wachte ich auf."

Der König seufzte. "Die Valar machen es uns nicht gerade leicht. Ich wünschte, sie hätten uns in den Träumen mehr über diese Welt verraten. Aber wie dem auch sei, es scheint in der Tat nicht ratsam, mit der ganzen Flotte zu dieser Stadt zu fahren, da dies als Angriff missverstanden werden könnte. Ihr beide begebt euch nur mit euren zwei Schiffen zu der Stadt."

"Gut, ich werde vorausfahren!", sagte Elphir.

"Und ich werde dir mit etwas Abstand folgen", sagte Faramir, "So können wir es vielleicht vermeiden, Aufsehen zu erregen. Doch wir sollten gleich aufbrechen und die Nacht durchfahren. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit drängt."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elphir I

"Wach auf, Bruder!", Erchirions Stimme und sein Klopfen an der Tür der Kajüte weckten Elphir. "Ja, schon gut!" murmelte er, stand langsam auf und ging sich waschen. Er hatte in der Nacht tief und fest geschlafen und war in guter Stimmung.

Ohnehin war er ein Mann von sonnigem Gemüt und auch mit fünfundvierzig hatte er sich eine kindliche Freude an dem Abenteuer bewahrt, in das er nun geraten war – ein Abenteuer, das andere für eine Verrücktheit hielten. Elphir wusste, dass auch sein Vater nicht viel davon hielt, dass sich sein König, sein Neffe und seine beiden älteren Söhne und mit ihnen viele Männer aus seinem Fürstentum auf diese Fahrt in eine andere Welt einließen. Doch aus Loyalität gegenüber dem König hatte Fürst Imrahil nur zurückhaltend Kritik geäußert und es selbstverständlich auf sich genommen, in Abwesenheit von König und Truchsess über Gondor zu wachen.

Zum allgemeinen Erstaunen hatte Elphirs Gemahlin Melwen weitaus weniger Einwände gegen das Vorhaben erhoben als ihre Schwiegereltern – wie so viele Ehefrauen von Kriegern hatte auch sie im Traum erfahren, dass ihr Gemahl in dieses Abenteuer ziehen musste und daher ihre Einwilligung erteilt. Elphirs erstgeborener Sohn Alphros wollte seinen Vater auf seiner Mission begleiten. Damit war Melwen freilich überhaupt nicht einverstanden und auch Elphir machte Alphros klar, dass er mit fünfzehn Jahren noch zu jung für Krieg und Kampf war und nicht mitkommen durfte. Widerwillig hatte der Jüngling gehorcht. Auch Elphir jüngster (und wenig kriegerischer) Bruder Amrothos war zu Hause geblieben, da er keinen verzauberten Traum gehabt hatte.

Nachdem Elphir sich gewaschen und angekleidet hatte, begab er sich an Deck, um mit seinem Bruder zu frühstücken. Mittlerweile war das Schiff so weit in die Bucht vorgedrungen, dass sowohl im Norden als auch im Süden Küsten zu sehen waren – ebenso im Westen, wo in der Ferne eine Stadt mit einer großen Festung ins Blickfeld kam. Wir haben unser Ziel bald erreicht!

"Ist das die Stadt, die du gesehen hast?", fragte Erchirion während sie aßen.

"Ja, fürwahr!", antwortete Elphir. "Bald erreichen wir die Mündung eines Flusses. Dort müssen wir hineinfahren, um zum Hafen zu gelangen."

"Und wenn wir dort sind?", fragte Erchirion weiter. "Was machen wir dann? Was machen wir, wenn die hiesigen Soldaten uns angreifen? Darüber hat dir dein Traum nichts gezeigt!" Erchirion war weitaus angespannter als sein Bruder. Auch er hatte einen verzauberten Traum geträumt, doch er hatte mit Elphir nie darüber gesprochen, was in dem Traum vorkam, sondern nur angedeutet, dass es schrecklich war.

"Nur die Ruhe!", sagte Elphir unbesorgt und beendete sein Mahl. "Wir lenken die Aufmerksamkeit auf uns, so dass Faramir mit seinen Männern in die Stadt gelangen kann. Und was die Soldaten der Stadt betrifft, werde ich das Reden übernehmen. Ich will einen Kampf unter allen Umständen vermeiden. Also darf es keine vorschnellen und hastigen Handlungen geben. Verstanden, Hauptmann?"

"Ja, Kommandant!", antwortete Erchirion, der aber keineswegs beruhigt wirkte – und damit war er nicht der Einzige. Etliche Männer auf der Mithrellas waren sichtlich nervös.

Ihre Anspannung wuchs, als sie sich der Stadt näherten und sie genauer betrachten konnten. Eine hohe und lange Mauer umgab sie ganz, auch zur Meerseite hin. Am östlichsten Rand der Stadt stand auf einer Anhöhe die aus roten Steinen erbaute Festung. Sehr groß, ja gewaltig, war sie – viel größer als die Vesten von Dol Amroth oder Minas Tirith. Sieben mächtige Türme ragten in den Himmel, zwischen denen noch weitere Gebäude zu sehen waren. Elphir fragte sich, ob dies das Bauwerk war, das Faramir aufsuchen musste.

Auch wenn Elphir wie alle Männer auf der Mithrellas von der gewaltigen Festung beeindruckt war, so achtete er auch auf das Meer und dabei entging ihm nicht, dass in der Nähe der Stadt mehr Schiffe unterwegs waren als auf dem offenen Meer. Einige Fischerboote fuhren aufs Meer hinaus und ein großes Handelsschiff war nach Nordosten unterwegs. Auf Elphirs Befehl steuerte die Mithrellas in die Richtung, aus der die Schiffe kamen: südöstlich an der Festung vorbei in die Mündung des Flusses.

Während sie an der Festung vorbeiglitten, blickten Wachen auf den Zinnen auf sie herunter. "Das gefällt mir nicht!", murrte Erchirion. "Die sehen uns! Bald bekommen wir Ärger!"

"Ich glaube nicht, dass wir Ärger bekommen", erwiderte Elphir, "Natürlich sehen die uns. Aber wir sind nur eines von mehreren Schiffen, die hier entlangfahren."

"Nur dass die anderen Schiffe keine Balliste und keine zweihundert Krieger an Bord haben!", wandte Erchirion ein. "Wir fallen verdammt noch mal auf! Es wäre ein Wunder, wenn wir bei denen da oben keine Aufmerksamkeit erregen!"

"Na und wenn schon!", Elphir blieb immer noch gelassen. "Besser die werden auf uns aufmerksam als auf Faramir!" Er blickte kurz nach Osten, wo ihnen Faramirs Schiff Finduilas in einiger Entfernung folgte. Es hatte die Mündung des Flusses noch nicht erreicht.

Die Mithrellas fuhr weiter den Fluss hinauf, während vor ihr der Hafen in Sicht kam. Dieser befand sich vor der Mauer, in die Stadt konnte man von dort nur durch ein bewachtes Tor gelangen. Hinter der Mauer erhob sich ein Hügel, auf dem sich ein weiteres auffälliges Gebäude erhob: Ein sehr großer, runder Bau mit einem kuppelförmigen Dach und sieben schmalen, hohen Türmen. Welchen Zweck er hatte, vermochte Elphir nicht zu erraten.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Das Schiff fuhr langsamer, während die Seeleute nach einem Landeplatz Ausschau hielten. Sie erblickten einen freien Steg in der Nähe des Tores, aber Elphir gab das Zeichen zum Weiterfahren. Schließlich steuerten sie den nächsten Steg an, an dem auch noch kein anderes Schiff ankerte. Elphir schaute sich das Treiben im Hafen an: Da waren Menschen mit heller oder dunkler Haut, wie man sie auch in Gondor oder Harad kannte. Auch ihre Gewänder wären in Mittelerde nicht als ungewöhnlich aufgefallen. Doch umgekehrt schauten die Leute mit großen Augen auf das Schiff von Dol Amroth.

"Ich sagte, doch, dass wir auffallen!", versetzte Erchirion rechthaberisch. "Ja, immer mit der Ruhe!", erwiderte Elphir. "Immerhin schauen sie eher neugierig und nicht unbedingt feindselig. Da kommt sogar einer – los, werft ihm die Leinen zu!"

Tatsächlich kam ein Mann in einfacher Kleidung auf den Steg und als ihm die Seeleute von Dol Amroth die Leinen zuwarfen, fing er sie auf und machte sie an einem Poller fest. So anders ist diese Welt gar nicht! dachte Elphir, stellte sich an die Reling und lächelte freundlich, worauf der Mann sich ihm zuwandte und einige Worte sprach – in einer Sprache, die keiner der Männer aus Dol Amroth verstand. Natürlich, andere Welt, andere Sprachen!

Er will wohl wissen, wo wir herkommen, mutmaßte Elphir und sagte: "Gondor. Dol Amroth." Der Mann blickte ihn verständnislos an und stellte noch eine Frage. "Tut mir leid. Ich verstehe Euch nicht." Elphir zuckte mit den Schultern. Der Mann machte darauf ebenfalls eine entschuldigende Geste, zeigte zum Hafen und ging.

"Und was machen wir jetzt?", fragte Erchirion, der hinter seinem Bruder stand. "Abwarten!" antwortete Elphir. "Unser neuer Freund kommt bestimmt gleich wieder."

Tatsächlich kam der Mann nach einigen Minuten in Begleitung eines weiteren Mannes, dessen Kleidung etwas vornehmer war. Nachdem der erste Mann auf Elphir gezeigt hatte, wandte sich der zweite Mann dem Erben von Dol Amroth zu und fragte sprach einige Worte in einer anderen Sprache als der erste Mann, die Elphir aber auch nicht verstand. Als er den Kopf schüttelte, atmete der Mann tief durch und versuchte es in einer dritten Sprache – vergeblich. "Tut mir leid, ich spreche nur Westron, Sindarin und Quenya!" Elphir streckte entschuldigend die Arme aus. "Und einige Brocken aus der Sprache der Rohirrim."

Der zweite Mann sagte darauf langsam: "Braavosi? Ghiscari? Lyseni? Pentosi?" Doch Elphir konnte nur entschuldigend mit den Schultern zucken. Er versuchte es nun mit den Elbensprachen. "Suilad! Mae govannen!", sagte er, doch das verstand der Mann nicht. Elphir fuhr unbeirrt fort: "Elen síla lúmenn..." Doch dann wurde er von seinem Bruder unterbrochen.

"Gleich bekommen wir Ärger! Schau!", warnte Erchirion, so dass Elphir zum Hafen blickte, wo viel Bewegung und Unruhe war. Durch das Tor kam aus der Stadt eine Gruppe von etwa hundert bewaffneten Männern heranmarschiert. Sie trugen Speere, Helme, schwarze Rüstungen und vergoldete Umhänge.

Die Krieger erreichten den Steg und stellten sich zu den beiden Männern, wobei sie ihre Speere auf das Schiff richteten. Feindselig waren ihre Blicke und auch der Tonfall des Kriegers, der einige unverständliche Worte in Elphirs Richtung brüllte.

Angesichts der bedrohlichen Haltung der einheimischen Krieger hatten auch die Soldaten von Dol Amroth zu den Waffen gegriffen, doch Elphir beschwichtigte seine Männer: "Ruhig, Kameraden! Senkt eure Waffen!"

Er hielt beide Hände mit den Handflächen nach außen als Zeichen des Friedens hoch und wandte sich an den Offizier der einheimischen Krieger: "Friede, mein Freund! Wir sind aus dem Königreich Gondor und kommen in friedlicher Absicht. Gibt es unter euch jemanden, der Westron versteht?"

Natürlich verstand der Offizier Elphir nicht und blickte etwas verwirrt drein, während der Mann in der vornehmen Kleidung auf ihn einredete. Aus den Augenwinkeln sah Elphir, wie Faramirs Schiff zum anderen freien Steg fuhr.

Elphir beobachtete wieder die Einheimischen, die heftig diskutierten. Anhand ihrer Gesten vermutete er, dass es darum ging, ob man noch jemanden holen sollte. Er schaute in die Reihen ihrer Soldaten, unter denen einige immer noch finster drein blickten, andere aber eher unsicher wirkten. Das sind keine harten Krieger – jedenfalls nicht so hart wie unsere Jungs.

Unterdessen legte am anderen Steg Faramirs Schiff an, ohne dass ihm auch nur annähernd so viel Aufmerksamkeit zuteilwurde wie Elphir. Nicht nur die Soldaten, sondern auch die anderen Menschen, die ihm Hafen zu tun hatten, blickten neugierig auf das Schiff aus Dol Amroth und achteten kaum auf den anderen Neuankömmling.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir I

Noch bevor die Finduilas die Mündung des Flusses erreicht hatte, befahl Faramir, einfache Gewänder anzuziehen. Über die Gewänder kamen Umhänge in verschiedenen Farben, unter denen man auch die eine oder andere Waffe verbergen konnte. Faramir hatte in seinem Traum gesehen, dass er und seine Männer so durch die Stadt geschritten waren.

Als sie in die Nähe des Hafens kamen, erblickte Faramir ebenfalls das Gebäude mit dem Kuppeldach. Seine Augen weiteten sich, denn dieses beeindruckende Bauwerk kannte er aus seinem Traum – genau dorthin musste er gelangen! Er hängte den Köcher mit den Pfeilen über seine Schulter und nahm seinen Bogen zur Hand.

Das Schiff steuerte den freien Steg in der Nähe des Tores an. Kaum jemand schenkte ihnen Beachtung, denn die meisten Blicke im Hafen waren auf die Mithrellas gerichtet. Kein Wunder, denn die Finduilas war nicht nur wegen ihres schlichten weißen Segels weitaus weniger auffällig. Sie war deutlich kleiner, nicht mit Geschützen ausgestattet und nicht auf Anhieb als Kriegsschiff erkennbar.

Wie bei der Mithrellas half ein Hafenarbeiter, die Finduilas zu vertäuen, doch er sprach nicht zu den Leuten auf den Schiff, sondern schaute immer wieder neugierig zur Mithrellas hinüber. Nachdem die Leinen festgemacht waren, gingen einige von Faramirs Männern über eine Planke an Land. Der Hafenarbeiter wandte sich von ihnen ab und auch sonst kümmerte sich keiner der Einheimischen um sie. Darauf ging auch Faramir an Land – in Begleitung von Beregond, dem Hauptmann seiner Leibwache, der Weißen Schar von Emyn Arnen, und dessen Sohn Bergil. Weitere Männer folgten – insgesamt etwa hundert Krieger der Weißen Schar. Einige waren wie Faramir mit Pfeil und Bogen bewaffnet, die meisten aber hatten lediglich ihre unter den Umhängen verborgenen Schwerter dabei. Die Seeleute blieben an Bord.

"Wir gehen in die Stadt!", instruierte Faramir seine Männer. "Aber bildet keine Reihen, sondern kleine Gruppen und haltet Abstand! Wir sollten nicht auf Anhieb als Krieger erkannt werden."

Faramir ging mit Beregond, Bergil und fünf weiteren Männern durch den Hafen zum Tor. Zum Erstaunen seiner Begleiter stand dort nur ein einziger mit Speer und Schwert bewaffneter Wachsoldat in einem vergoldeten Umhang. Er redete sie in einer fremden Sprache an und zeigte auf Faramirs Bogen und Pfeile. Der Truchsess sagte nichts, aber er wusste aus seinem Traum, was er zu tun hatte. Er holte drei Goldmünzen hervor und reichte sie dem Mann, der große Augen machte. Er blickte fasziniert auf die Münzen aus Gondor und kümmerte sich nicht darum, dass Faramir und seine Begleiter durch das Tor schritten. Sie gelangten zu einem Platz mit einigen Marktständen.

"Wohin gehen wir genau?", fragte Beregond, während sich Bergil verstohlen umschaute und sah, dass ihnen die anderen Gruppen der Weißen Schar folgten. "Wir müssen zu diesem Gebäude!" sagte Faramir und zeigte nach links zum Hügel, wo der Kuppelbau mit den sieben Türmen stand. "Dazu müssen wir zunächst die Hauptstraße hinauf."

Faramir und seine Männer gingen weiter und schienen nicht aufzufallen, denn auf der Straße waren viele Menschen unterwegs. Diese Stadt war nicht nur größer, sondern auch weitaus belebter als Minas Tirith, die Hauptstadt von Gondor. Doch sie war auch viel schmutziger und immer wieder lagen unangenehme Gerüche in der Luft. Kurz hinter dem Tor bog eine große Straße nach rechts ab, in die Richtung der aus roten Steinen erbauten Festung. Die Männer aus Gondor aber gingen geradeaus weiter.

Das große Gebäude mit den sieben Türmen blieb zu ihrer Linken und die schnurgerade Straße führte in eine andere Richtung. "Sind wir auf dem richtigen Weg?" fragte Bergil zweifelnd. "Ja, das sind wir!" antwortete Faramir. "Ich weiß, wohin wir gehen müssen!"

Während sie weiter gingen, hörten sie auf einmal den Klang von Glocken. Faramir und seinen Männer blieben stehen und blickten zu dem Kuppelbau hinüber. Die Glocken befanden sich offenbar in dessen Türmen. Auch die Einheimischen hielten kurz inne, doch dann setzten sie sich in Bewegung – sie eilten alle die Straße hinauf. Faramir gab das Zeichen, der Menschenmenge zu folgen.

Schließlich kamen sie zu einer Kreuzung. Die Querstraße führte rechts zu der roten Festung. Die Menge aber bog nach links ab und strömte zu einem Platz, in den weitere Straßen mündeten. Noch mehr Menschen kamen aus diesen Straßen herbei und gingen alle in die Richtung einer schmalen Straße am Ende des Platzes, die zum Hügel und dem großen Gebäude führte.

Mittlerweile herrschte auf der Straße ein heftiges Gedränge. Faramir und seinen sieben Begleitern gelang es, zusammen zu bleiben, doch sie konnten nicht sehen, wie weit die anderen Soldaten Gondors hinter ihnen waren.

Sie erreichten einen großen Platz, in dessen Mitte eine hohe Statue stand. Dahinter führte eine breite Treppe mit vielen Stufen zum Eingang des Kuppelbaus. Auf dem Platz war bereits eine große Menschenmenge versammelt, die zu einigen Leuten auf den Stufen der Treppe aufschaute.

Faramir wusste aus seinem Traum, dass er zu diesen Leuten musste. Er drängte durch die Menschenmenge und kümmerte sich nicht um die wütenden Ausrufe der von ihm und seinen Begleitern beiseitegeschobenen Menschen. Er musste diese Leute auf der Treppe genauer in Augenschein nehmen! Sein Blick fiel vor allem auf einen großen Mann, der die Arme hinter seinem Rücken verschränkt hielt und der zwischen zwei Wachen stand. Als sie an der hohen Statue vorbeikamen, blieb Faramir stehen. Er erstarrte, als er den Mann zu erkennen glaubte. Am liebsten hätte er den Namen des Mannes laut aufgeschrien, doch er konnte diesen Impuls unterdrücken und flüsterte nur:

"Boromir!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Der Mann, der dort stand, war sein Bruder! Aber wie war das möglich? Boromir war doch schon vor dreizehn Jahren an der Nordgrenze Gondors getötet worden! Faramir selbst hatte das Totenboot gesehen, in das Boromir nach seinem Tod gelegt worden war. Doch hier stand er und war wieder lebendig! Allerdings schien er geschwächt zu sein und unter Schmerzen zu leiden. Sein rechtes Bein war dick verbunden. Die beiden Wachen stützten ihn.

Faramir blickte zu seinen Begleitern, die ebenfalls große Augen machten, als sie Boromir erkannten. Der junge Bergil, der zu Boromirs Lebzeiten noch ein Kind gewesen war, murmelte: "Aber ist das nicht… Herr, ist er das?" Faramir nickte knapp und gab ihm das Zeichen zum Schweigen.

Er schaute sich die anderen Leute auf der Treppe an: Vor den Zuschauern stand eine Reihe von etwa fünfzig Soldaten, die von einem Offizier in schwarz-goldener Rüstung kommandiert wurden. Hinter Boromir stand ein dicker alter Mann in einem weißen Gewand, der eine eigentümliche Krone aus glitzernden Kristallen trug. "Ist das ein König?", fragte sich Faramir. Vor dem Tor zu dem Kuppelbau standen viele Damen und Herren in schönen Gewändern – zweifellos waren das die Adeligen und Vornehmen in dieser Stadt. Unter ihnen fiel besonders ein großer Jüngling (oder doch noch ein Knabe?) in einem roten Gewand auf, der eine goldene Krone trug. An seiner Seite standen eine blonde Frau in einem schwarzen Gewand, außerdem ein Mann mit einer Glatze, ein kleiner Mann mit Spitzbart und ein junges Mädchen mit roten Haaren.

Boromir begann zu reden, doch so leise, dass man ihn nicht verstand. Die Menge wurde unruhig und der Befehlshaber der Wachen trat zu ihm und redete ihn scharf an. "Das gefällt mir gar nicht", dachte Faramir und zog einen Pfeil aus seinem Köcher. Er sah, dass Boromir gefesselt war.

Boromir erhob seine Stimme und sprach lauter. Faramir verstand kein Wort, doch er erkannte die vertraute Stimme seines Bruders. Das ist Boromir! Was er sagte, schien der Menschenmenge zu missfallen, denn es erhoben sich wütende Schreie. Plötzlich flogen Steine aus der Menge. Einer traf Boromirs Stirn, einer den Bewacher zu seiner Linken, ein weiterer den Befehlshaber der Wachen.

"Wir müssen ihn da heraus holen!", sagte Faramir leise. "Aber es wird schwer, es gleichzeitig mit den Wachen und der Menschenmenge aufzunehmen!"

Er sah, wie der dicke Mann zu dem gekrönten Knaben ging und sich vor ihn hinkniete. Wie es schien, war nicht der Dicke, sondern dieser Junge der König. Er trat vor und die Menge wurde ruhig, als er seine Stimme erhob. Auch wenn Faramir kein Wort verstand, das der jugendliche König sprach, so sah er in dessen Gesicht doch Hochmut, Bosheit und Falschheit. Das ist kein guter Junge. Der Knabe lächelte kurz dem rothaarigen Mädchen zu und sprach dann einige Worte, die die Menge erneut toben ließen. Was er sagte, schien auch für einige Leute aus seinem Hofstaat unerwartet zu kommen – die blonde Frau und der Glatzkopf redeten auf den Jungen ein und der dicke Mann griff nach seinem Gewand. Das Mädchen, das eben noch gelächelt hatte, sank zu Boden und brach in Tränen aus.

Ein schwarz gekleideter Mann mit einem großen Schwert auf dem Rücken trat aus dem Hofstaat hervor und schritt auf Boromir zu. Faramir sah entsetzt, wie sein Bruder vom Befehlshaber der Wache zu Boden gestoßen wurde. Der Mann in Schwarz zog das Schwert aus der Scheide.

"Beregond, Bergil!", rief Faramir und legte den Pfeil auf. "Haltet mir ja die Leute vom Leibe, wenn ich schieße!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Eddard I

"Ser Ilyn, bringt mir seinen Kopf!"

Ned erstarrte, als er Joffreys Worte hörte. War ihm nicht versprochen worden, dass er am Leben bleiben durfte, wenn er gestand? Varys hatte es ihm zugesagt – und jetzt hörte Ned, wie Varys gegen die Entscheidung Joffreys protestierte, auch Cersei redete zu ihrem Sohn. Sansa schluchzte und schrie.

Plötzlich spürte Ned einen Stoß im Rücken und sank in die Knie. Als er es wagte, zur Seite zu blicken, sah er Ilyn Payn neben sich stehen und ein großes Schwert ziehen – nicht irgendein Schwert, sondern ausgerechnet Eis, das Erbstück des Hauses Stark. So ende ich, hingerichtet von meinem eigenen Schwert, dachte Ned verzweifelt und senkte den Kopf, oh ihr Götter von Wald, Fluss und Stein, helft meiner Cat, helft meinen Kindern, helft Jon! Steht mir bei! Warum müssen meine Töchter das nur mit ansehen? Immer noch hörte er das Schluchzen von Sansa. Und er wusste, dass Arya in der Menschenmenge war.

Jeden Moment erwartete er den tödlichen Streich, doch dieser kam nicht. Stattdessen hörte Ned, wie Ilyn Payn vor Schmerz laut knurrte. Ned blickte wieder zur Seite und sah, dass ein Pfeil im Oberarm des Henkers steckte. Eis fiel ihm aus den Händen. Ser Ilyn blickte wütend in die tobende, schreiende Menschenmenge, aus der auf einmal eine klare Stimme rief: "Gondor! Boromir!" Ein weiterer Pfeil kam angeflogen und traf Ser Ilyns Stirn, so dass der Henker tödlich verletzt auf die Stufen stürzte. Die klare Stimme schrie etwas in einer fremden Sprache.

Aus den Reihen der hohen Lords und Ladies kamen entsetzte Schreie, nur Sansa jubelte schrill. In der Menschenmenge brach Panik aus, als aus verschiedenen Richtungen Pfeile auf die Goldröcke abgeschossen wurden und mehrfach der Ruf "Gondor! Boromir!" erklang. Die meisten Pfeile verfehlten ihre Ziel oder prallten an den Rüstungen der Goldröcke ab, doch ein Mann wurde im Gesicht getroffen und ging zu Boden. Die Reihe der Goldröcke, die die Menge von den Lords und Ladies getrennt hatte, geriet ins Wanken, als die Menschen panisch ihn alle Richtungen strömten.

Ned kniete immer noch gefesselt auf den Stufen und richtete sich auf. Habt Dank, Ihr Götter! Seine Bewacher waren geflohen. Er hörte, wie Joffrey lauthals fluchte. Der junge König wurde von Cersei durch das Tor in die Großen Septe gedrängt. Die hohen Lords und Ladies flohen alle in das Innere der Septe, ebenso die Männer der Königsgarde und einige Goldröcke, allen voran Janos Slynt. Sansa, die vom Bluthund mitgezogen wurde, schrie nach ihrem Vater. Als Ned dies sah, wollte er aufstehen, doch es gelang ihm nicht, da ein stechender Schmerz sein verletztes Bein durchfuhr.

Die Reihe der Soldaten vor Ned wurde durchbrochen, als drei Goldröcke von mehreren in Umhängen gekleideten Männern mit Schwertern niedergestreckt wurden. Der größte dieser Männer, der einen Bogen um seine Schultern trug und sein Schwert zog, rannte auf Ned zu. Für einen Augenblick glaubte Ned, sein Bruder Benjen sei gekommen, da der Fremde ebenfalls schwarze Haare mit einigen grauen Strähnen hatte, doch dann sah er, dass dies jemand anderer war. Der Mann kniete neben Ned, zog ein Messer und begann zu reden. Ned verstand kein Wort und schüttelte den Kopf. Er hörte wieder das Wort "Boromir" heraus, als der Mann die Fesseln an Neds Händen durchtrennte.

Der Mann stand auf und reichte Ned seine rechte Hand, um ihn beim Aufstehen zu helfen, während um sie herum das Chaos tobte. Die fremden Krieger hatten ihre Schwerter gezogen und kämpften gegen die verbliebenen Goldröcke. Ned ließ sich von seinem Retter auf die Beine ziehen, aber schrie gleich darauf: "Vorsicht! Hinter Euch!", Einer der Goldröcke wollte Neds Retter von hinten mit seinem Schwert angreifen, doch er blieb stehen und schrie vor Schmerz auf, als sein Oberschenkel von einer schmalen Klinge durchbohrt wurde – Arya hatte mit ihrem Schwert Nadel zugestochen!

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Arya!", rief Ned überrascht. Seine jüngere Tochter zog die Klinge aus dem Bein des unglücklichen Mannes, der von einem der fremden Krieger erschlagen wurde. Arya lief zu ihren Vater und umarmte ihn unter Tränen mit ihrem rechten Arm, während sie in der linken Hand immer noch Nadel hielt. Der Anführer der Fremden blickte überrascht auf das Kind, sprach dann aber drängend zu Ned, wobei er heftig gestikulierte. Auch wenn Ned kein Wort verstand, erkannte er doch anhand der Gesten seines Retters, dass er dazu drängte, diesen Ort schnell zu verlassen.

"Vater, wer sind diese Männer?", fragte Arya. "Und warum helfen sie uns?"

"Ich weiß es nicht, Kind", antwortete Ned, "aber der Mann hat Recht. Wir sollten hier weg."

Die Menschenmenge hatte sich zerstreut und die Goldröcke waren getötet worden oder geflohen. Doch Ned ahnte, dass sie bald in größerer Anzahl wiederkommen würden. Er versuchte, einen Schritt zu gehen, doch der Schmerz in seinem Bein ließ ihn aufschreien. Der Anführer der fremden Krieger sah dies und rief zwei seiner Männer herbei, damit sie Ned stützten.

"Meine Herren, bitte nehmt auch mein Schwert mit!", rief Ned und zeigte auf Eis. Der Anführer verstand zumindest die Geste und nahm die valyrische Klinge, die neben dem toten Ilyn Payn lag. Er gab sie einem seiner Männer.

Mit der Hilfe der beiden Krieger, die ihn stützten, humpelte Ned die Stufen hinab. Arya ging an seiner Seite, nachdem sie ihr Schwert wieder in die Scheide gesteckt hatte.

Als er sich umschaute, sah er, dass auf den Stufen und auf dem Platz die Leichen mehrere Goldröcke lagen. Doch auch einige der Leute aus der Menge waren getötet worden. Der Anführer schien darüber nicht erfreut zu sein, denn er schimpfte mit seinen Männern – zumindest hörte es sich so an. Ned fragte sich, woher diese Männer kamen, warum sie ihn gerettet hatten und wohin sie ihn und Arya bringen wollten.

Sie ließen den Platz vor der Septe hinter sich und gingen Visenyas Hügel hinab, wobei sie wegen Neds Verletzung nur langsam vorankamen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ganze Stadtwache über uns herfällt, dachte Ned. Doch zunächst hatten sie Glück; sie begegneten unterwegs zwar einigen Stadtbewohnern, die aber flohen, als sie die blanken Schwerter in den Händen der fremden Krieger erblickten.

Auf dem Platz in der Mitte der Stadt stießen sie auf einen Holzwagen, der von einem Pferd gezogen wurde. Der Anführer erteilte einen Befehl und sofort rannten mehrere Männer zu dem Wagen. Der Fuhrmann ließ seine Peitsche und die Zügel los, sprang von seinem Gefährt und rannte davon. Die Fremden halfen Ned auf den Wagen. Arya stieg auch hinauf und setzte sich neben ihren Vater. Ned seufzte erleichtert, als er sitzen konnte und sein verletztes Bein nicht mehr belasten musste. Einer der Krieger hatte sich auf den Platz des Fuhrmanns gesetzt und trieb das Pferd an, so dass sich der Wagen in Bewegung setzte. Ein anderer legte das Schwert Eis neben Ned.

Geführt von Eddards Retter liefen die fremden Krieger nun deutlich schneller. Zunächst schlugen sie die Straße zum Roten Bergfried ein. "Wohin wollt Ihr?" fragte Ned. Doch niemand antwortete.

"Sie verstehen uns nicht!", seufzte Arya. "Wir verstehen sie auch nicht. Keiner von ihnen spricht die Gemeine Zunge. Sind diese Leute von jenseits der Meeres?"

"Das sind sie gewiss", antwortete Ned, "aber es ist gut, dass sie uns helfen. Schau, wir ändern die Richtung!" Die Fremden bogen nach rechts in den Schlammweg ab und liefen in Richtung des Hafens, während der Wagen in ihrer Mitte fuhr.

"Arya, warum hast du dich in den Kampf eingemischt?", fragte Ned streng. "Das war sehr gefährlich, was du gemacht hast!"

"Aber Vater, ich musste zu deiner Rettung eingreifen!", rief Arya empört. "Auch wenn so einer alter Mann in einem schwarzen Umhang versucht hat, mich festzuhalten. Ich kannte ihn irgendwoher. Er hat mich dann allerdings losgelassen, als in der Menge Panik ausbrach."

"Das war Yoren von der Nachtwache", seufzte Ned. "Du kanntest ihn, weil er mich vor paar Tagen besucht hat. Ich hatte gehofft, er würde dich in Sicherheit bringen. Jetzt kann ich nur hoffen, dass unsere ausländischen Freunde uns sicher aus dieser Stadt bringen."

Sie hatten fast schon den Fischhändlerplatz vor dem Schlammtor erreicht, als von Visenyas Hügel her das Schmettern von lauten Hörnern zu vernehmen war. Sie schlagen Alarm, dachte Ned, gleich sind sie hier und haben uns.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Über 500 Hits in weniger als zwei Wochen sind ein Indiz dafür, dass die Geschichte tatsächlich gelesen wird. Für mich wäre es allerdings schöner, wenn die Leser auch schreiben würden, was sie von der Geschichte halten. Im Vorwort schrieb ich ja bereits:
In Bezug auf:
Feedback, Kommentare und konstruktive Kritik sind ausdrücklich erwünscht. Ich bitte darum, diese nicht per PM zu schicken, sondern hier im Thread zu posten!

Also liebe Leser, meine Fragen an euch:
Gefällt euch die Geschichte bisher?
Was gefällt euch?
Was gefällt euch weniger?

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Hisimir

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Also mir gefällts sehr gut.
Anfangs habe ich mich gefragt, wie das ganze funktionieren soll, aber du hast die "Weltenreise" geschickt gelöst, wie ich finde.

Ich bin mal gespannt, wie du die Sprachbarriere angehen wirst
Ich musste laut lachen, als Faramir in Ned Boromir erkennt. Da kommt der Einfluss der Serie raus
Du schreibst gut und spannend.
Das wird jetzt so eine herrlich spekulative was-wäre-wenn Geschichte und das sind, wie ich finde, die besten Fanfics.

Ich bin gespannt wie es weitergeht.

Ehre das Gimp!
Kugelsicherer Pfadpfinder ~~ 아미
화이팅
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Hisimir]

Vielen Dank für dein positives Feedback, Hisimir!
Hisimir schrieb:
Ich bin mal gespannt, wie du die Sprachbarriere angehen wirst
Ich musste laut lachen, als Faramir in Ned Boromir erkennt. Da kommt der Einfluss der Serie raus

Mir war es wichtig, dass es am Anfang eine Sprachbarriere gibt, denn es erschien mir in anderen Crossover-Geschichten unplausibel, dass Leute aus völlig verschiedenen Welten die gleiche Sprache sprechen.

Zu der Fanfiction wurde ich durch Órin mit diesem Beitrag inspiriert. So kam ich auf die Idee, dass Faramir der geeignete Retter für Ned Stark wäre.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Sansa I

Auch im Inneren der Großen Septe konnte sich Sansa nicht beruhigen. Sie lachte und weinte gleichzeitig, während sie von widersprüchlichen Gefühlen erschüttert wurde. Sie war so glücklich gewesen, als ihr Prinz sie angelächelt hatte: Er würde wie versprochen gnädig sein und das Leben ihres Vaters verschonen. Doch dann hatte er ihn mit seinem Befehl an Ser Ilyn zum Tode verurteilt. Da hatten Sansas Beine nachgegeben und sie war in die Knie gegangen. Sie hatte geschrien, in ihrem Herzen die Götter um Hilfe angefleht und wollte sich abwenden, als Ilyn Payn das Schwert hob, doch sie konnte nicht wegschauen. So hatte sie gesehen, dass nicht ihr Vater, sondern der Henker getötet wurde und auf einmal diese fremden Männer die Goldröcke angriffen.

Ihr Entsetzen war in wilden Jubel umgeschlagen: Die Götter hatten jemanden geschickt, der ihren Vater rettete! Um sie herum war Panik ausgebrochen und die Leute drängten in die Große Septe, doch sie hatte versucht, zu ihrem Vater zu gelangen. Aber sie kam nicht an gegen den Strom der Menschen und dann hatte sie auch noch der Bluthund gepackt und mit in die Septe gezogen. Die Goldröcke schlossen auf Befehl ihres Kommandanten die Türen. Sansa war gefangen, doch sie lachte bei dem Gedanken, dass ihr Vater am Leben war.

"Was gibt es das zu lachen, Tochter des Verräters?", fuhr Joffrey sie an. Er stand einige Schritte entfernt von ihr neben seiner Mutter.

"Mein Vater lebt", antwortete Sansa, "trotz Eures gebrochenen Wortes. Ihr habt versprochen, gnädig zu sein!"

"Das war ich!", erwiderte Joffrey. "Ich wollte diesem Verräter einen sauberen Tod schenken! Aber jetzt wird er gefoltert und gehängt! Und mit ihm deine Mutter und dein Bruder! Deine ganze verräterische Sippe! Am besten fange ich mit dir an, du Hure aus dem Norden – jetzt und hier!" Als Sansa das hörte, lachte sie nicht mehr und fing wieder an zu weinen.

"Euer Gnaden!", protestierte der Hohe Septon. "Wir sind hier in der Großen Septe von Baelor! An diesem heiligen Ort wird niemand getötet. Ein solcher Frevel…"

"Schweigt, Septon!", schrie Joffrey. "Ich bin der König! Ich kann machen, was ich will!"

"Halt den Mund, Dummkopf!", fuhr Cersei ihren Sohn an. "Du wirst Sansa Stark nicht töten! Wir brauchen sie lebendig! Willst du noch mehr Schaden anrichten? Wir hatten doch klar vereinbart, dass du Eddard Stark zur Nachtwache schickst!"

"Wie redest du mit mir, Mutter?", rief Joffrey empört. "Ich bin der König! Ich habe deinen Rat zur Kenntnis genommen, aber ich entscheide selbst, was ich mache! Warum sollte ich diesen Verräter Eddard Stark oder seine Brut schonen?"

"Weil sein Sohn mit einem großen Heer auf dem Weg hierher ist und ein mildes Urteil gegen seinen Vater ihn dazu bewogen hätte, dich als König anzuerkennen, anstatt seinen Aufstand weiter anzustacheln und ihn an die Seite deiner verräterischen Onkel zu treiben! Gewiss hat einer von ihnen diese fremden Krieger geschickt, die uns überfallen haben." Sie wandte sich an den Kommandanten der Goldröcke, der an der Tür stand. "Lord Slynt, wie konnte das passieren, dass Feinde in die Stadt eindringen? Was sind das überhaupt für Männer?"

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Janos Slynt wurde blass. "Ich, äh, weiß es nicht", stammelte er. "Sehr viel habe ich von diesen Männern nicht gesehen, aber sie waren wohl nicht auf Anhieb als Krieger zu erkennen. Vielleicht waren es Männer von Lord Stannis oder von Lord Renly. Vielleicht auch welche von Robb Stark."

Natürlich hat er nicht viel gesehen, dachte Sansa. Sie weinte nicht mehr. Janos Slynt hatte es ja eilig, in die Septe zu fliehen. Aber wie Nordmänner sahen diese Leute nicht aus.

"Ihr seid also völlig ahnungslos!", schimpfte Cersei. "Dann geht hinaus und findet heraus, was das für Männer sind! Und bringt Eddard Stark zurück – lebend!"

"Aber, aber…", stotterte Janos Slynt, "es könnte gefährlich sein, diese Tür zu öffnen. Diese Fremden könnten hinein schießen und das Leben des Königs gefährden! Hier sind wir, äh… seid Ihr in Sicherheit, so lange die Tür zu ist."

Was für ein Feigling! dachte Sansa. Sie war froh, dass sich die Aufmerksamkeit des Königs und seiner Mutter gerade nicht auf sie, sondern den Kommandanten der Goldröcke richtete. Auch war sie der Königin dankbar, dass sie Joffreys Drohung so deutlich widersprochen hatte. Doch Cerseis Worte über Sansa klangen kalt und berechnend. "Wir brauchen sie lebendig." Als ob Sansa kein Mensch wäre, sondern ein Gegenstand. Dabei war die Königin doch immer so freundlich gewesen.

"Ich fürchte mich nicht vor irgendwelchen daher gelaufenen Fremden!", rief Joffrey. "Ebenso wenig vor Verrätern! Robb Stark, Stannis, Renly – ich werde sie alle besiegen und töten! Mit diesen Fremden, die die Hinrichtung des Verräters verhindert habe, fange ich an. Ser Meryn, öffnet die Tür!"

Meryn Trant schritt zur Ausgang, doch auf ein Zeichen von Cersei stellten sich mehrere Wachen zwischen Joffrey und die Tür, bevor Ser Meryn sie öffnete. Er blickte hinaus, drehte sich um und sagte: "Sie sind fort!"

"Was?", rief Janos Slynt und trat zur Tür, nachdem er gerade noch hinter den Wachen gestanden hatte. Nach und nach gingen die Goldröcke hinaus die Lords und Ladies folgten ihnen langsam. Auch Sansa, die immer noch vom Bluthund festgehalten wurde, durfte mit hinaus. Auf den Stufen der Großen Septe und dem Platz lagen mehrere getötete Menschen – die meisten von ihnen waren Goldröcke, einige wenige wohl Leute aus der Menschenmenge, die sich längst verflüchtigt hatte. Auch die Leiche von Ilyn Payn war noch da, nicht aber das Schwert Eis. Von Sansas Vater und den Fremden, die ihn gerettet hatten, fehlte jede Spur.

Oh ihr Götter, habt Dank, dachte Sansa und lächelte. Er ist entkommen.

Janos Slynt blickte sich vorsichtig um und rief dann seinen Männern zu: "Los, ruft Verstärkung herbei! Wir brauchen mehr Männer, um seine Gnaden sicher zum Roten Bergfried zurück zu geleiten und um die feindlichen Eindringlinge aufzuspüren!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elphir II

Es wurde allmählich ermüdend. Die Einheimischen hatten einen weiteren Mann geholt, der wohl ein Sprachgelehrter war, denn er sprach Elphir in verschiedenen Sprachen an, doch der Erbe von Dol Amroth verstand keine davon. Immerhin schauten die einheimischen Soldaten etwas entspannter auf die fremden Besucher, von denen sie erfolgreich von Faramir und seinen Männern abgelenkt worden waren. Bei der Verständigung mit den Einheimischen waren sie freilich keinen Schritt weiter gekommen. Elphir hatte den Sprachgelehrten in Westron, Sindarin, Quenya und Rohirrisch angesprochen, doch der Mann verstand offenkundig keine dieser Sprachen.

Zwischendurch wurde das fruchtlose Palaver durch das laute Läuten von Glocken unterbrochen. Sowohl die Männer aus Gondor als auch die Einheimischen blickten hoch zu dem großen Kuppelbau und den sieben Türmen. Danach begann zwischen den Soldaten und Gelehrten eine Diskussion. Auch wenn Elphir kein Wort verstand, schloss er aus den Gesten, dass es darum ging, ob man im Hafen bleiben oder in die Stadt gehen sollte. "Was wohl da oben passiert? Haben Faramir und seine Männer etwas damit zu tun?"

Doch schließlich blieben die Einheimischen beim Schiff und der Sprachgelehrte versuchte weiter, sich mit Elphir zu verständigen. Er zeigte nach Osten und fragte: "Essos? Braavos? Lys? Myr? Tyrosh? Pentos? Volantis?" Elphir schüttelte den Kopf. Da er mutmaßte, dass es darum ging, woher sie gekommen waren, zeigte auch er zum Meer und sagte: "Gondor! Dol Amroth! Pelargir! Minas Tirith!" Das wiederum verwirrte den Gelehrten, der weiter fragte: "Meereen? Yunkai? Astapor? Qarth? Sothoryos? Yi Ti?" Doch Elphir schüttelte den Kopf.

Der Gelehrte versuchte es nun mit Worten, die möglicherweise Begrüßungen waren, aber Elphir verstand sie auch nicht. Doch er zuckte zusammen, als der Gelehrte scheinbar vertraute Worte sprach: "Valar morghulis!"

"Ihr kennt die Valar!", rief Elphir überrascht. "Aber was hat Minas Morgul damit zu tun?" Der Gelehrte hielt kurz inne, dann sagte er: "Valar dohaeris!" Elphir schüttelte wieder den Kopf, denn das Wort "dohaeris" sagte ihm nichts. Der Gelehrte versuchte es mit weiteren Worten, die Elphir nicht verstand.

So ging es weiter, bis von der Stadt das Schmettern von Hörnern zu vernehmen war. Die Soldaten wurden darauf unruhig. Ihr Offizier schrie einen Befehl und auf einmal rannten sie alle zum Tor. "Und was machen wir jetzt?", fragte Erchirion. "Es würde mich nicht wundern, wenn Vetter Faramir in Schwierigkeiten steckt." Elphir überlegte kurz, dann sagte er: "Du hast Recht! Wir gehen an Land!" Er wandte sich an den Gelehrten: "Tut mir leid, ich muss unser Gespräch beenden!"

Der Gelehrte schaute verwundert, als die Soldaten von Dol Amroth über eine Planke an Land gingen. Elphir ließ eine Zweierreihe bilden und ging mit Erchirion voran. Sie marschierten zum Tor, wo nur ein Wachsoldat stand. Als er die bis an die Zähne bewaffnete Kompanie aus Dol Amroth auf sich zukommen sah, ergriff er die Flucht.

Elphir marschierte mit seinen Männern durch das Tor und kam zu einem Marktplatz. Die Händler an den Marktständen schauten verwundert auf die Soldaten aus Gondor. Elphir blickte sich um und sah, dass hinter dem Platz mehrere Straßen in die Stadt führten. Ehe er lange überlegen konnte, welche Straße sie einschlagen sollten, hörte er den Ruf einer vertrauten Stimme: "Elphir!" Zwischen den Ständen kamen Faramir und seine Männer hervor. Der Truchsess trat zu seinem Vetter.

"Faramir!", rief Elphir erleichtert. "Als ich den Hörnerklang hörte, dachte ich schon, es sei wegen euch und ihr wäret in Schwierigkeiten. Nachdem die Soldaten, die vor unserem Schiff standen, in die Stadt zurück stürmten, wollten wir euch zur Hilfe kommen. Seid ihr ihnen nicht begegnet?"

"In gewisser Weise schon", lachte Faramir. "Als wir hinter uns die Hörner hörten und vor uns die Schritte der rennenden Soldaten, sind wir zwischen den Ständen in Deckung gegangen, um uns besser verteidigen zu können. Aber es kam nicht zum Kampf, weil die ganze Kompanie in höchster Eile über den Platz die Hauptstraße hinauf rannte und unserer gar nicht achtete."

"Was?" Nun musste auch Elphir lachen. "Was für Dummköpfe! Aber wurde dieser Alarm wegen euch ausgelöst? Habt ihr euch mit den Einheimischen angelegt?"

"Das haben wir in der Tat", antwortete Faramir. "Wir haben eine Hinrichtung verhindert und wurden dabei in einen Kampf verwickelt. Schau, wen wir gerettet haben." Hinter einem Stand kamen ein Mann und ein etwa zehn- oder elfjähriges Mädchen hervor. Der Mann hinkte und wurde von dem Mädchen und einem von Faramirs Soldaten gestützt. Elphirs Augen weiteten sich, als er den Mann zu erkennen glaubte. "Boromir!" riefen er und Erchirion völlig erstaunt.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Doch der Mann, der wie Boromir aussah, schüttelte den Kopf und sagte: "Eddardstark!" Dazu sagte er noch ein paar Worte in einer fremden Sprache. Die Händler an den Ständen tuschelten lebhaft miteinander.

"Warum verstehen wir ihn nicht? Warum spricht er diese fremde Sprache?", fragte Elphir. "Und wer ist dieses Mädchen?"

"Ich weiß es nicht", antwortete Faramir, "wir hatten noch nicht die Zeit…" Er brach ab, als er Hörnersignale hörte – diesmal von den Wachen, die auf der Stadtmauer über dem Tor standen.

"Und auch jetzt haben wir keine Zeit!", sagte Faramir. "Auf die Schiffe! Wir müssen so schnell wie möglich aus dieser Stadt verschwinden und wieder hinaus zur Flotte fahren!"

Sofort sammelten sich die beiden Kompanien aus Gondor und rannten durch das Tor zurück in den Hafen, wobei sie von niemanden aufgehalten wurden, denn auf der Stadtmauer über und in der Nähe des Tores waren viel zu wenige Wachen, um es mit ihnen aufzunehmen.

Als Elphir zur Anlegestelle der Mithrellas schritt, kamen ihm der Sprachgelehrte und der Mann in vornehmer Kleidung entgegen. "Tut mir leid, wir müssen Eure Stadt schon wieder verlassen!", entschuldigte sich Elphir. Die beiden blickten ihn verständnislos an, doch schienen sie den Sinn seiner Worte zu erahnen. Sie wandten sich ab und gingen zum Stadttor.

Der Mann in einfacher Kleidung, der als Erster zu Elphir gesprochen hatte, war immer noch auf dem Kai. Nachdem die Kompanie aus Dol Amroth wieder an Bord war, rief Elphir ihm zu: "Leinen los!" Dabei zeigte er auf den Poller. Der Mann verstand die Geste, denn er machte die Leinen los und warf sie zurück aufs Schiff.

Elphir schaute hinüber zur Finduilas. Dort dauerte es etwas länger, da der Mann, den er für Boromir hielt, mit seinem verletzten Bein nicht so schnell gehen konnte. Schließlich waren auch auf Faramirs Schiff alle Mann an Bord. Die beiden Schiffe aus Gondor legten ab und fuhren aus dem Hafen wieder hinaus auf den Fluss. Auch wenn sie die Strömung ohnehin in Richtung des Meeres trieb, wurde auf beiden Schiffen kräftig gerudert.

Nach einigen Minuten wagte Elphir einen Blick zurück zum Hafen. Auf den Kais war viel Bewegung, doch Elphir konnte nicht erkennen, ob es sich um Soldaten handelte. Von den Mauern waren wieder mehrere Hornsignale zu hören. Der Erbe von Dol Amroth blickte hinauf und fragte sich, ob die Schiffe von den Mauern aus beschossen würden. Aber nichts dergleichen geschah.

Die Schiffe erreichten die Mündung des Flusses und fuhren hinaus auf das offene Meer. Elphir entspannte sich ein wenig. "Sieht so aus, als hätten wir es geschafft!", sagte er zu Erchirion.

"Faramir sieht das wohl nicht so!", erwiderte Erchirion und schaute zum anderen Schiff. "Er lässt immer noch schnell rudern. Ich frage mich, was unser Vetter in der Stadt angestellt hat, um Boro… um diesen Mann zu retten. Aber kann das wirklich Boromir sein?"

"Ich weiß es nicht", antwortete Elphir, "eigentlich ist es nicht möglich, dass Tote wiederkehren – in unserer Welt. Aber in dieser Welt? Allerdings habe ich den Eindruck, dass es sich nicht um Boromir handelt, sondern einen Mann dieser Welt, der ihm erstaunlich ähnlich sieht."

"Das denke ich auch", sagte Erchirion, "aber das scheint kein reiner Zufall zu sein. Es muss doch einen Grund haben, dass die Valar uns – und insbesondere Faramir – hierher geschickt haben, um diesen Mann zu retten."

"Ja, fürwahr!", rief Elphir. "Ich bin sicher, dass wir bald erfahren werden, wer dieser Mann ist und was wir nach seiner Rettung in dieser Welt vollbringen müssen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir diese große Stadt und ihre prächtigen Bauwerke nicht zum letzten Mal gesehen haben."

"Wir werden wiederkommen", prophezeite Erchirion. "Doch dann wird es Nacht sein. Das habe ich in meinem verzauberten Traum gesehen."

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Wenninque

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Eine sehr spannende Geschichte, die mich mehr interessiert als Das Lied von Eis und Feuer selbst. Am besten gefallen mir die magische Träume, die Sprachbarriere und Boromir! Ich bin sehr neugierig und werde bestimmt weiter lesen.
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Wenninque]

Wenninque schrieb:
Eine sehr spannende Geschichte, die mich mehr interessiert als Das Lied von Eis und Feuer selbst. Am besten gefallen mir die magische Träume, die Sprachbarriere und Boromir!

Vielen Dank für dein Feedback! Schön, dass dir die Sache mit Boromir gefallen hat, auch wenn du die TV-Serie nicht gesehen hast.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir II

Nachdem die ganze Kompanie wieder an Bord war, ließ Faramir die beiden Gäste in seine Kajüte führen. Boromir (oder der Mann, der wie Boromir aussah) wurde aufs Bett gelegt. Auf Faramirs Geheiß wurde ein Heiler herbei gerufen, der das verletzte Bein des Mannes wusch und neu verband. Seine Tochter (aufgrund der Ähnlichkeit nahm Faramir an, dass das Mädchen seine Tochter war) zeigte auf ihren offen Mund und ihren Bauch.

"Ich verstehe, du hast Hunger", sagte Faramir und klatschte in die Hände. "Bringt Speisen und Getränke für die Gäste!" Bald darauf wurden Wasser, Brot, Butter, Käse und Früchte in die Kajüte gebracht. Faramir bot dem Mädchen einen Stuhl an, ebenso dem Mann, der mit Hilfe des Heilers vom Bett aufstand. Beide aßen viel und man merkte, dass sie schon einige Zeit kein reichliches Mahl erhalten hatten.

Faramir leistete ihnen zunächst Gesellschaft und fragte sich, wen er da gerettet hatte: Dieser Mann sah Boromir zwar verblüffend ähnlich, doch er war wohl ein Mensch dieser Welt. Außerdem hatte er eine Tochter – oder vielleicht sogar zwei Töchter? Faramir erinnerte sich an das rothaarige Mädchen, das in den Kuppelbau gezerrt worden war. Hat sie nach ihrem Vater geschrien? Seine Hoffnung, dass Boromir von den Toten wiedergekehrt war, hatte sich verflüchtigt.

Schließlich ging Faramir an Deck, um nach dem Rechten zu sehen. Das Schiff befand sich mittlerweile auf dem offenen Meer. Am Horizont waren im Westen noch die Türme der roten Festung zu sehen. Der Truchsess schaute zur Mithrellas, wo Elphir ihm zuwinkte. Er gab das Zeichen zu langsamer Fahrt und zuckte fragend mit den Schultern.

"Also gut!", sagte Faramir und nickte. Er gab den Befehl, langsamer zu rudern, da sie scheinbar nicht verfolgt wurden. Anschließend ging er wieder in die Kajüte und setzte sich zu seinen Gästen.

Der Truchsess zeigte auf sich selbst und sagte: "Faramir!" Dann zeigte er auf den Mann, der wie Boromir aussah. Dieser verstand und sagte: "Eddard! Eddard Stark!" Er legte seine Hand auf den Arm des Mädchens und sagte: "Arya! Arya Stark!" Dann sagte er noch einige Worte, die Faramir nicht verstand, doch er vermutete, dass er damit ausdrücken wollte, dass sie seine Tochter war.

Faramir überlegte, wie er seinen Gästen mehr über sich sagen könnte und stand auf. Er holte eine Karte vom Nordwesten von Mittelerde und legte sie auf den Tisch. Eddard und Arya schauten neugierig und verwundert auf die Karte. Faramir zeigte auf sein Heimatland. "Gondor!" sagte er. "Da kommen wir her. Hier ist Minas Tirith. Und hier: Ithilien. Hier Dol Amroth!"

Eddard schüttelte den Kopf. Er machte mit seiner Hand eine ratlose Bewegung über der Karte und fragte: "Westeros? Essos?" Dann zeigte er nach draußen und sagte: "Westeros!" Faramir schloss daraus, dass dies der Name des Landes war. Und er war sich nun endgültig sicher, dass dieser Mann nicht sein Bruder war, sondern tatsächlich ein Mensch dieser Welt. Aber wie ist es möglich, dass zwei Menschen in zwei verschiedenen Welten sich in Aussehen und Stimme völlig gleichen?

Doch ehe er weiter darüber nachdenken konnte, hörte er von draußen einen Alarmruf. Er eilte zur Tür und ging hinaus. Arya Stark sprang auf und folgte ihm.

An Decke sah Faramir, dass seine Männer nach Westen in die Richtung der Stadt blickten. Dort waren entfernt drei Segel zu entdecken. "Also doch!", rief Faramir. "Wir werden verfolgt!" Auch Arya Stark schien beunruhigt. Sie eilte zurück in die Kajüte.

"Rudern!", befahl Faramir. "So schnell es geht. Gebt auch der Mithrellas das Zeichen!" Faramir sah, dass auf dem anderen Schiff Elphir zu rudern befahl. Sogleich begannen die Seeleute auf beiden Schiffen zu rudern. Unterdessen humpelte Eddard Stark von seiner Tochter gestützt an Deck. Sie kamen zu Faramir, der die Verfolger beobachtete. Zunächst schien der Vorsprung der beiden Schiffe aus Gondor zu wachsen. Nach einiger Zeit bekam Faramir aber den Eindruck, dass die Verfolger wieder näher kämen.

"Sie sind nicht so schwer beladen wie wir", murmelte Faramir und rief laut: "Schneller rudern!" Alle Schiffe aus Gondor waren vor ihrer Abfahrt mit großen Vorräten für eine lange Reise beladen worden.

Die Verfolger kamen immer näher. Es waren Galeeren mit gelben Segeln. Faramir schaute zu seinen Gästen und bemerkte, dass Vater und Tochter sich aufgeregt unterhielten. Sie schienen zu wissen, wer ihre Verfolger waren. "Ihr beide geht besser zurück in die Kajüte!" sagte Faramir und zeigte zur Tür. Eddard Stark verstand Faramirs Geste und humpelte in die Kabine. Arya Stark folgte ihm widerwillig.

"Macht euch bereit zum Gefecht!", befahl Faramir seinen Männern. Er rechnete damit, dass die Verfolger sie angreifen würden. Mittlerweile waren die drei Schiffe so nahe, dass Faramir das Wappen auf den Segeln erkennen konnte: Es war ein schwarzer Hirsch auf gelbem Grund.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

AHUUUUU! Der vertraute Klang von Signalhörnern erschallte plötzlich – doch er kam nicht von den verfolgenden Schiffen im Westen, sondern aus östlicher Richtung. Faramir drehte sich um und sah, dass ihnen die Flotte Gondors entgegenkam, allen voran die Ancalime, König Elessars Flaggschiff. Die Männer auf der Finduilas und der Mithrellas brachen in Jubel aus. Faramir atmete erleichtert auf. Er ließ das Signal erwidern, dann blickte er wieder zu den Verfolgern.

Zunächst kamen die drei Galeeren mit dem Wappen des Hirsches immer noch näher. Doch dann wurden sie langsamer und wendeten. Sie hatten angesichts der fremden Flotte die Verfolgung aufgegeben und ruderten fluchtartig nach Westen, während die Männer Gondors wieder jubelten. Faramir gab den Befehl, langsamer zu fahren.

Angelockt von den Jubelrufen kamen auch Eddard und Arya wieder aus der Kajüte. Faramir ging ihnen entgegen. "Seht, unser König ist zu unserer Hilfe gekommen!" Er zeigte auf die Ancalime. Vater und Tochter blickten auf das Wappen Gondors auf dem schwarzen Segel: Der Weiße Baum, über ihm sieben Sterne und die hohe Krone. Das Wappen schien ihnen zu gefallen, denn sie begannen, angeregt zu diskutieren und schienen dabei erfreut. Faramir ließ dem Flaggschiff signalisieren, dass er an Bord kommen wollte. Nach einigen weiteren Hornstößen hielt die Flotte Gondors an.

"Kommt!", sagte Faramir zu seinen beiden Gästen. "Ich stelle Euch unserem König vor!" Sie bestiegen ein Beiboot, das ins Wasser herabgelassen wurde und fuhren zur Ancalime. Über eine Strickleiter kamen sie auf das Flaggschiff Gondors. Faramir führte Eddard und Arya zum König, der an Deck auf einem Stuhl saß. Als er Faramirs Gäste sah, erhob er sich.

"Boromir!", rief Elessar völlig verblüfft. "Wie ist das möglich? Ich war doch selbst dabei, als du gestorben bist!"

Doch Eddard schüttelte heftig den Kopf, zeigte auf sich und sagte: "Eddard Stark!"

"Aber Boromir! Erkennst du mich denn nicht? Ich bin es, Aragorn!" Elessar nannte seinen alten Namen, unter dem Boromir ihn gekannt hatte.

"Herr, das ist nicht Boromir!", mischte sich Faramir ein. "Das ist Eddard Stark, ein Mensch dieser Welt. Das Mädchen ist seine Tochter Arya Stark. Sie verstehen unsere Sprache nicht."

"Aber diese Ähnlichkeit, Faramir! Seine Stimme, sein Gesicht! Aber was ist mit seinem Bein geschehen?" Er klatschte in die Hände und sogleich wurden Stühle für die Gäste gebracht. Sie setzten sich.

"Faramir, wie kam es dazu, dass Boro… dass Eddard Stark und seine Tochter auf deinem Schiff mitgefahren sind und warum wurdet ihr verfolgt?" Faramir berichtete darauf, wie er mit seinen Männern in die Stadt eingedrungen war und sich wie im Traum vorhergesehen zu dem großen Kuppelbau begeben hatte, wo er Eddard Starks Hinrichtung verhindert hatte und wie sie aus der Stadt geflohen waren.

"Mir wurde die Enthauptung, die du verhindert hast, gezeigt!", entfuhr es dem König, als Faramir seinen Bericht beendet hatte. "In meinem verzauberten Traum habe ich gesehen, wie einem Mann, der mir bekannt vorkam, vor einer Menschenmenge der Kopf abgeschlagen wurde. Manwe sagte mir, dass in dieser Welt ehrenwerte Leute heimtückisch ermordet würden, wenn wir nicht eingreifen! Eines dieser Verbrechen hast du bereits verhindert, Faramir!"

Elessar nickte Faramir zu. "Gut gemacht, Truchsess! Du hast das Richtige getan und einen ehrenwerten Mann gerettet, auch wenn er nicht dein Bruder ist, sondern ihm nur verblüffend ähnlich sieht."

Dass Elessar seinen verzauberten Traum erwähnte, erinnerte Faramir an den seinen. "Herr, in meinem Traum erfuhr ich, dass ich in jener großen Stadt jemanden finden würde, der meine Hilfe benötigt und der uns im Gegenzug helfen könnte. Zweifellos ist Eddard Stark dieser Mann!"

"Ja, fürwahr!", stimmte Elessar zu. "Zunächst sollten wir wissen, wohin wir ihn bringen sollten, nachdem du ihn aus den Klauen dieses bösartigen Kindkönigs gerettet hast."

Er stand auf. "Herr Eddard Stark, wohin sollen wir uns wenden? Nach Norden, Osten, Westen, Süden?" Er wies mit seinen Armen in die jeweiligen Himmelsrichtungen. Eddard Stark schien zu verstehen, denn er zeigte nach Nordosten und sagte einige Worte, wobei er das Wort "Stannis" betonte.

"Stannis? Ist das ein Ort?", fragte Elessar.

Eddard deutete eine Verneigung gegenüber Elessar an, zeigte auf dessen Krone, wandte sich dann nach Nordosten und deutete nochmal eine Verneigung an und sagte dabei wieder: "Stannis!"

"Ich denke, Stannis ist der Name seines Königs!", mutmaßte Faramir. "wir finden ihn im Nordosten!"

"Nun denn, dann fahren wir zu Stannis!", beschloss Elessar. "Faramir, Eddard Stark und seine Tochter bleiben deine Gäste. Bringe sie also zurück auf dein Schiff. Und noch etwas: Versuche, während der Reise, ihre Sprache zu lernen, auch wenn es schwierig ist!"

"Sehr wohl, Herr! Das ist ohnehin meine Absicht."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Cersei I

Der Tag war ganz und gar nicht so verlaufen, wie es sich Cersei vorgestellt hatte. Dabei hatte er doch zunächst wie geplant begonnen: Eddard Stark hatte seinen Verrat zugegeben und Joffrey als rechtmäßigen König anerkannt. Aber danach war alles furchtbar schiefgegangen.

Es fing damit an, dass Joffrey Eddard Stark zum Tode statt zum Dienst in der Nachtwache verurteilt hatte. Cersei hatte dagegen ebenso protestiert wie Varys und der Hohe Septon, doch Joffrey hatte sich nicht darum gekümmert, sondern Ilyn Payn die Hinrichtung befohlen. Doch gerade als der Henker mit Eddards Stark Schwert ausholte, wurde er plötzlich von einem Pfeil getroffen und mit einem weiteren Pfeilschuss getötet.

Wie aus dem Nichts waren fremde Krieger aufgetaucht und während der Hofstaat Zuflucht in der Großen Septe suchte, hatten sie sich mit Eddard Stark davongemacht. Aber wie konnten diese Fremden in die Stadt eindringen und wieder entkommen? Wer waren sie überhaupt und wer hatte sie geschickt?

Nachdem die Fremden auf zwei Schiffen in die Schwarzwasserbucht geflohen waren, hatte Cersei die Verfolgung durch drei Galeeren der königlichen Flotte befohlen. Am Abend waren die drei Schiffe zurückgekehrt – ohne Gefangene, aber mit der beunruhigenden Meldung, dass sich in der Bucht eine fremde Flotte von etwa vierzig bis fünfzig Schiffen der Stadt näherte.

Cersei berief darauf sofort eine Sitzung des Kleinen Rates ein. Die Gesichter der Mitglieder waren ernst, als sich der Rat versammelte. Selbst Lord Petyr Baelish, der meist ein verschmitztes, spöttisches Lächeln auf den Lippen hatte, wirkte beunruhigt. Cersei eröffnete die Sitzung und wandte sich zunächst an den Kommandanten der Stadtwache:

"Lord Slynt, eine feindliche Flotte befindet sich in der Schwarzwasserbucht. Ist die Stadtwache bereit zum Kampf?"

"Unbedingt, Euer Gnaden!", antwortete Janos Slynt selbstbewusst und leichtfertig. "Wir werden jeden Angriff auf Königsmund erfolgreich abwehren!"

"Das ist beruhigend, Lord Slynt", sagte Cersei, die freilich den Eindruck hatte, dass der Kommandant die Bedrohung durch die fremde Flotte nicht ernstnahm. "Wie viele der fremden Eindringlinge konntet Ihr töten oder gefangen nehmen? Habt Ihr die Gefangenen schon befragt?"

Janos Slynt lief rot an, als die Königin ihm diese Fragen stellte und antwortete dann stotternd: "Äh, nein Euer Gnaden… Wir konnten keinen befragen… Sie sind alle entkommen…Leider."

Und diesen unfähigen Schwachkopf haben wir zum Lord von Harrenhal gemacht!, dachte Cersei. Sie wandte sich an den Meister der Flüsterer:

"Lord Varys, was habt Ihr in der Zwischenzeit über diese Fremden herausgefunden? Woher kommen sie und wer hat sie geschickt?"

"Ich fürchte, diese Fragen kann ich noch nicht beantworten, Euer Gnaden", antwortete Varys. "Einige meiner Vögelchen haben die Fremden zwar gesehen und sie auch sprechen gehört, doch leider kein Wort verstanden, da sie eine gänzlich fremde Sprache sprechen."

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Wie? Der große Lord Varys hat nichts herausgefunden?", fragte Kleinfinger spöttisch nach. "Ihr enttäuscht mich, mein Freund!"

"Ihr irrt Euch, Lord Baelish!", widersprach Varys ärgerlich. "Ich habe sehr wohl einiges herausgefunden. Diese Fremden kamen mit zwei Schiffen, wobei die Besatzung des ersten Schiffes am Hafen für einiges Aufsehen sorgte, weil niemand sie verstehen konnte. Ein Kaufmann, der zuerst versucht hatte, mit ihnen zu sprechen, ließ einen Maester rufen, um sich mit ihnen zu verständigen. Aber es nützte alles nichts…"

"Das ist alles schon bekannt, Lord Varys! Doch ich will wissen, wie die Fremden in die Stadt eindringen und wieder entkommen konnten!", unterbrach ihn Cersei.

"Dazu komme ich jetzt, Euer Gnaden", fuhr Varys fort. "Da sich alle Aufmerksamkeit auf das erste Schiff richtete, konnten Männer vom zweiten Schiff in die Stadt eindringen, wobei sie die Wache am Schlammtor erfolgreich bestachen."

"Was?", rief Pycelle empört. "Es gibt bestechliche Stadtwachen? Das ist ja unerhört! Diese Wache muss gefunden und bestraft werden!" Janos Slynt lief noch röter an, während Kleinfinger spöttisch grinste und Cersei die Augen verdrehte.

"Ja, selbstverständlich!", sagte sie ärgerlich, "Aber wir haben gerade andere Sorgen! Macht weiter, Lord Varys, wie entkamen die Fremden aus der Stadt, wo doch eine ganze Kompanie der Stadtwache im Hafen war?"

"Sie war dort, ja", antwortete Varys, "aber meine Vögelchen berichteten mir, dass diese Kompanie auf dem Platz der Fischhändler mehr oder weniger an den Fremden vorbei gestürmt ist, da sie durch das von Lord Slynt befohlene Signal als Verstärkung zur Großen Septe gerufen wurde."

"Wie?", rief Janos Slynt und rang um Fassung. "Ihr… Ihr…Ihr wollt mir die Schuld geben, dass die Fremden entkommen sind?! Alles was ich tat, diente alleine der Sicherheit des Königs!"

Cersei schnaubte verächtlich, doch sie sagte erstmal kein böses Wort gegen Slynt. Sie hatte zwar wenig für den unfähigen und korrupten Kommandanten der Goldröcke übrig, aber sie hatte nicht vergessen, dass er es gewesen war, der ihre Macht durch seinen Verrat an Eddard Stark und die Ermordung der Männer aus Winterfell gerettet hatte.

"Dafür sind wir Euch auch dankbar, Lord Slynt!", sagte Kleinfinger. "Wir können jetzt nicht mehr ändern, dass die fremden Söldner fort sind. Aber wer hat sie hierher geschickt, um Eddard Stark zu befreien? War es Lord Stannis oder Lord Renly? Oder am Ende der junge Robb Stark?"

"Das ist mit Sicherheit das Werk von Stannis!", antwortete Cersei. "Er hat als Meister der Schiffe die meisten Kontakte nach Essos, wo er diese Söldner zweifellos angeheuert hat – er hat auf jeden Fall mehr Kontakte als Renly, von dem Wolfswelpen ganz zu schweigen! Stannis ist der Gefährlichste unter diesen Verrätern und Eddard Stark unterstützt seinen Anspruch – ihr alle habt es gehört!" Die Männer nickten, denn sie waren alle dabei gewesen, als Eddard Stark im Thronsaal Stannis als "wahren Erben" von Robert bezeichnet hatte – wenige Augenblicke, bevor er festgenommen und in den Kerker geworfen worden war.

Cersei sah das Nicken der Männer und dachte gleichzeitig daran, wie nutzlos sie doch alle angesichts der Bedrohung durch die fremde Flotte waren. Stannis‘ Flotte, dachte sie. Und wenn Renly tatsächlich in Rosengarten ist und die Unterstützung der Tyrells gewinnt… Vater muss mit seinem Heer zu uns kommen! Außerdem brauchen wir Seefeuer – viel Seefeuer!

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

An dieser Stelle ein Tipp für Leser, die A Song of Ice and Fire nur im englischen Original gelesen haben und in meiner Geschichte vielleicht über ungewohnte Namen und Bezeichnungen wie Rosengarten (Highgarden) oder Seefeuer (Wildfire) stolpern: Zum Nachschauen empfehle ich das Wiki von Eis und Feuer, wo in den Artikeln auch die Originalnamen genannt und die entsprechenden Artikel aus dem Wiki of Ice and Fire verlinkt sind.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Arya I

Düster ragte die Insel mit der Festung Drachenstein aus dem Meer. Auch im Licht der Morgensonne erschien die Festung finster, bedrohlich und keineswegs einladend. Das soll der Sitz des rechtmäßigen Königs sein?, dachte Arya zweifelnd. Es war der dritte Morgen nach der Flucht aus Königsmund und Faramirs Schiff fuhr genau in die Richtung der Festung.

Arya blickte zurück nach Westen, wo die anderen Schiffe der Flotte Gondors zurückgeblieben waren. Ob sie dies auf Empfehlung ihres Vaters oder aus eigenem Entschluss taten, wusste sie nicht. Sie hatte nur gehört, dass Lord Faramir nach einer Besprechung bei seinem König auf die Insel gezeigt, genickt und in der Gemeinen Zunge zu Lord Eddard gesagt hatte: "Nur mein Schiff!"

In den letzten zwei Tagen hatten Lord Eddard und Arya ihren Rettern einige Wörter in der Gemeinen Zunge beibringen können. Insbesondere Lord Faramir war sehr eifrig dabei, die Sprache von Westeros zu erlernen. Doch umgekehrt hatten Arya und ihr Vater nur wenig über ihre Retter erfahren: Die Namen von Lord Faramir und weiterer Männer auf dem Schiff waren Arya mittlerweile geläufig. Auch dass sie nach ihrer Rettung zu König Elessar gebracht worden waren, wusste sie. Doch wo Elessars Reich Gondor lag, war ihr unklar. Auch wusste sie immer noch nicht, warum diese Leute ihren Vater gerettet hatten. Es würde wohl noch einige Tage des Sprachunterrichts bedürfen, bevor sie dies Lord Faramir fragen könnte.

Das Schiff gelangte zum Hafen von Drachenstein. Arya fiel auf, dass am Kai eine Kompanie Soldaten stand. "Wir werden schon erwartet!", sagte Lord Eddard. Er stützte sich auf einen Stock aus geglättetem, weißem Holz, den er von Faramirs Männern erhalten hatte. Noch hinkte er und es würde wohl noch einige Zeit brauchen, bis die Wunde verheilt sein würde. Daher verzichtete er darauf, sein Schwert zu tragen.

Ein kleiner, dicker Mann mit großen Ohren und einer breiten Nase trat aus den Reihen der Soldaten im Hafen vor. Er trug als Wappen einen roten Fuchskopf, der von blauen Blumen umgeben war. "Wer wünscht, in Drachenstein zu landen?", rief er in Richtung des Schiffes.

"Lord Eddard Stark von Winterfell!", antwortete Aryas Vater. "Und Lord Faramir aus dem Reich Gondor!" Das Schiff legte an und die Planke wurde ausgefahren. Lord Eddard humpelte voran, gefolgt von Arya, Lord Faramir und vier von dessen Männern: Beregond, Bergil, Mablung und Damrod.

"Willkommen in Drachenstein, Mylords!", sagte der dicke Mann. "Ich bin Ser Axell Florent, Kastellan von Drachenstein und Onkel Ihrer Gnaden, Königin Selyse. Seine Gnaden König Stannis erwartet Euch bereits." Er nickte dabei Lord Faramir zu.

"Stannis hat uns erwartet?", fragte Lord Eddard verblüfft. "Hat er Lord Faramir und König Elessar beauftragt, mich aus Königsmund hierher zu bringen?"

"Äh, was, nein!", antwortete Ser Axell verwirrt. "Soviel ich weiß, Mylord, hat Seine Gnaden nicht Euch erwartet, Lord Stark, sondern das Eintreffen einer Streitmacht aus einer anderen Welt, die dieses Wappen einer hohen Krone mit sieben Sternen und einem weißen Baum führt." Er zeigte auf Lord Faramirs Waffenrock. "Und Ihr seid doch aus einer anderen Welt, Lord Faramir?"

Doch Faramir antwortete unsicher: "Nicht verstehen!"

Aus einer anderen Welt! Arya machte große Augen bei diesen Worten. Das erklärte freilich, warum die Männer aus Gondor die Gemeine Zunge nicht beherrschten. Sie blickte zu ihrem Hohen Vater, der das Gleiche zu denken schien.

"Aber woher weiß Stannis... Wir sollten dies besser mit dem König besprechen. Geleitet Ihr uns bitte zu ihm, Ser Axell?", fragte er.

"Ja, gewiss, bitte folgt mir!", antwortete Ser Axell und ging voran.

Der Aufstieg war lang und mühsam. Er führte erst in die Festung hinein und dort über eine hohe Steinbrücke weiter in die Steintrommel. Lord Eddard verbarg seinen Schmerz, doch Arya spürte, wann ihr Vater eine Pause brauchte und sagte dann: "Ser Axell, bitte gebt uns einen Moment zum Ausruhen!" Der Kastellan schien zunächst wenig geneigt, Aryas Bitte zu entsprechen, aber als dann Faramir auch "Ausruhen!" sagte, blieb er doch stehen und wartete.

Schließlich hatten sie es geschafft und kamen in der Steintrommel zum Eingang der Kammer der bemalten Tafel. "Seine Gnaden wird Euch jetzt empfangen", sagte Ser Axell. "Legt Eure Waffen ab, Lord Faramir, und Eure Leibwachen bleiben hier!" Er zeigte auf Lord Faramirs Schwert, der die Geste verstand und sein Schwert und seinen Dolch ablegte, um sie Beregond zu reichen. "Das Kind kann bei den Wachen bleiben", ergänzte der Kastellan.

"Nein, Ser Axell!", widersprach Lord Eddard deutlich. "Nachdem meine Tochter bis hierher mitgekommen ist, soll sie auch den neuen rechtmäßigen König kennenlernen. Ich wurde einmal gewaltsam von Arya getrennt, ein zweites Mal lasse ich das nicht zu!"

"Wie Ihr wünscht!" Der Kastellan sprach gleichzeitig kleinlaut und mürrisch. "Eure Tochter kann ebenfalls eintreten. Aber sie muss das Ding da ablegen!" Er zeigte auf Nadel. "Das Ding da heißt Nadel!" erwiderte Arya trotzig, aber sie legte das Kurzschwert auf einen Wink ihres Vaters ab und reichte es Bergil.

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Die Tür öffnete sich. Lord Eddard, Arya und Lord Faramir traten ein. Aryas Blick fiel zunächst auf die lange Tafel, nach der die Kammer benannt war und die eine riesige Karte von Westeros darstellte. Einige Stühle waren an den Rand der Karte gestellt worden. Ser Axell sprach zu dem Mann, der an der Tafel saß. An seiner Seite saß eine schöne, rothaarige Frau in einem roten Gewand. "Euer Gnaden, ich habe die Gäste zu Euch geleitet: Lord Eddard Stark von Winterfell und seine Tochter Arya sowie Lord Faramir aus… der anderen Welt."

"Danke, Ser Axell! Ihr dürft Euch zurückziehen!", erwiderte Stannis Baratheon. Ist dieser hagere Mann wirklich der Bruder vom dicken König Robert?, fragte sich Arya. Ser Axell ging wieder hinaus, wobei Arya den Eindruck hatte, dass er lieber bei der Besprechung dabei wäre.

"Euer Gnaden!", sagte Lord Eddard und verneigte sich. Arya machte darauf einen Knicks, während Lord Faramir sich nur andeutungsweise verneigte.

"Willkommen, Mylords und junge Lady!", sagte Stannis. "Setzt Euch! Auch Ihr, verehrter Lord Faramir! Seid Ihr der Befehlshaber Eurer Flotte?"

Lord Faramir nahm wie Arya und ihr Vater Platz, doch auf Stannis‘ Frage antwortete er nur: "Nicht verstehen!"

"Natürlich!", stöhnte Stannis. "Menschen aus einer anderen Welt sprechen nicht die Gemeine Zunge von Westeros. Lord Stark, habt Ihr ihm das 'Nicht verstehen' beigebracht?"

"Ja, Euer Gnaden", antwortete Aryas Vater, "meine Tochter und ich haben seit unserer Flucht aus Königsmund unseren Rettern einige Worte beibringen können. Lord Faramir hat nicht den Befehl über die Flotte, sondern König Elessar von Gondor, den wir auch schon getroffen haben."

"Gondor?", wiederholte der König. Er wandte sich an die rote Frau: "Habt Ihr schon von jenem Reich gehört, Lady Melisandre?"

"Nein, Euer Gnaden", antwortete Lady Melisandre. "Der Herr hat mir nur offenbart, dass seine Krieger aus einer anderen Welt kommen. Mit Eurer Erlaubnis!" Sie wandte sich an Lord Faramir und sprach ihn auf Valyrisch an. Doch Faramir schüttelte den Kopf und sagte wieder: "Nicht verstehen!" Die rote Frau redete ihn darauf noch in einer anderen Sprache an, doch Lord Faramir verstand diese auch nicht.

"Eine schöne Verstärkung hat mir Euer Gott geschickt!", sagte Stannis sarkastisch. "Was soll ich mit Kriegern, die unsere Sprache nicht verstehen! Wie sollen sie für uns kämpfen? Und warum haben sie Euch gerettet, Lord Stark?"

"Ich weiß es nicht, Euer Gnaden", antwortete Lord Eddard. "Ich dachte, Ihr hättet sie geschickt. Im ersten Augenblick dankte ich freilich den alten Göttern, da Lord Faramir und seine Männer mich in buchstäblich letzter Sekunde vor dem Tod bewahrt haben."

"Es waren nicht Eure falschen Götter, Lord Stark!", widersprach Lady Melisandre. "Der Herr des Lichts, der einzige wahre Gott war es, der seine Krieger ausgesandt hat, um Euch zu retten."

"Das stimmt doch nicht!", protestierte Arya. "Es waren die alten und die neuen Götter!"

"Sei still, Arya!", gebot ihr Vater.

"Aber Vater!", rief Arya. "Du hast es doch selbst gesagt! Sie haben einen Herzbaum der alten Götter in ihrem Wappen. Und die sieben Sterne stehen für die neuen Götter!"

"Eure Tochter ist ziemlich vorlaut, Lord Stark!", sagte der König streng. "Wie alt bist du, Mädchen?"

"Ich bin elf, Euer Gnaden."

"Genauso wie meine Tochter Sharin. Die ist manchmal auch so vorlaut, was ich nicht schätze! Also sei still, wie es dein Vater gesagt hat! Lord Stark, Ihr sagtet vorhin, Ihr seid in letzter Sekunde gerettet worden. Wollte Cersei Euch hinrichten lassen?"

"Nein, nicht Cersei!", antwortete Lord Eddard. "Wäre es nach der Königin gegangen, hätte ich das Schwarz angelegt und wäre unterwegs zur Nachtwache. Es war einzig und allein Joffrey, der den Befehl zu meiner Hinrichtung gab. Ilyn Payn hätte mich geköpft, wenn Lord Faramir nicht eingegriffen hätte."

"Aber warum habt Ihr Lord Stark gerettet, Lord Faramir?", sagte Stannis mehr zu sich selbst als zu Faramir. "Und welcher Gott hat Euch geschickt?"

Darauf antwortete Faramir: "Erst wir Sprache lernen!"

"Fürwahr, da habt Ihr Recht!", seufzte der König. "Wir haben viel zu tun!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Eddard II

Wie viele von diesen Schiffen passen in den Hafen?

Ned blickte von der Steintrommel hinab zum Meer, während die Flotte Gondors in den Hafen von Drachenstein hinein steuerte, allen voran das Flaggschiff König Elessars. Ein Tag war seit ihrer Ankunft vergangen. Arya und Ned hatten Gemächer in der Festung erhalten, während Faramir mit seinen Leibwächtern am Abend zu seinem Schiff zurückgekehrt war. Stannis hatte die Erlaubnis erteilt, dass Elessars Flotte in Drachenstein landete und Faramir schien das verstanden zu haben.

König Stannis hoffte, dass die Männer aus Gondor durch den Kontakt mit den Einheimischen nach und nach die Gemeine Zunge erlernen würden. Vor allem sollten die Soldaten die Befehle lernen. König Elessar, Lord Faramir und weitere Lords aus Gondor sollten darüber hinaus auch Unterricht von Maester Pylos und Maester Cressen erhalten.

Aber es wird Wochen, vielleicht Monate brauchen, bis sie unsere Sprache beherrschen.

Ned wurde aus seinen Gedanken herausgerissen, als ein Diener meldete, dass der König ihn zu einer Besprechung befohlen habe. Auf seinem Stock gestützt humpelte Ned zur Kammer der bemalten Tafel. An der Seite von Stannis saß Lady Melisandre. Ned war über die Anwesenheit der roten Priesterin nicht erfreut und befürchtete, dass sie wieder lästerlich gegen die alten und die neuen Götter reden würde. Auf ein Zeichen von Stannis setzte sich Ned.

"Lord Stark", begann der König, "Euch ist bekannt, dass Euer Sohn mit einem Heer aus dem Norden in den Krieg gegen die Lannisters gezogen ist und mittlerweile die Flusslande erreicht hat?"

"Ja, davon habe ich gehört", antwortete Ned, "Varys hat mir davon berichtet, als ich im Kerker war. Ich bin ziemlich erschrocken, denn Robb ist doch noch ein Junge!"

"Ein Junge mit ziemlich viel Talent", sagte Stannis nicht ohne Respekt. "Er hat bereits zwei Schlachten gewonnen und den Königsmörder gefangengenommen."

"Mein Robb hat Jaime Lannister gefangengenommen?", rief Ned ungläubig, aber auch mit Stolz auf seinen Erstgeborenen. Sie haben Sansa, aber wir haben den Königsmörder!

"Er ist für Euch in den Krieg gezogen", stellte Stannis fest, "für Euch und Eure Töchter. Doch da Ihr nun frei seid, frage ich Euch, Lord Stark: Wird das Heer des Nordens auch für mich kämpfen?"

"Selbstverständlich! Ihr seid der rechtmäßige König! Mein Sohn kämpft ja schon gegen Eure Feinde."

"Es ist so gekommen, wie ich es voraus gesehen habe", sagte Melisandre zum König. "Eure Streitmacht wurde um ein Vielfaches vergrößert. Dankt dem Herrn des Lichts dafür, wie Ihr es versprochen habt!"

"Ja, schon gut!", stöhnte Stannis. "Ich werde dem Herrn danken und mich öffentlich zu ihm bekennen, sobald König Elessar sich mit mir verbündet. Doch nun lasst mich mit Lord Stark alleine!"

Melisandre erhob sich und verließ die Kammer. Der König fuhr danach fort:

"Lord Stark, Ihr sagtet, Euer Sohn kämpft gegen meine Feinde. Fürwahr, er kämpft gegen die Lannisters. Doch das sind nicht meine einzigen Feinde: Mein eigener Bruder Renly hat mich verraten! Heute Morgen traf die Nachricht ein, dass er in Rosengarten Margaery Tyrell geheiratet und Anspruch auf den Eisernen Thron erhoben hat."

"Renly hat was?" Ned war entsetzt. "Bedeutet das, dass Maes Tyrell seinen unberechtigten Anspruch unterstützt?"

"Wundert Euch das bei Maes Tyrell?", fragte Stannis verbittert zurück. "Dieser fette Kerl hatte doch schon lange davon geträumt, seine Tochter zur Königin zu machen! Allerdings kann er mit Renly als Schwiegersohn nicht auf Enkelkinder hoffen."

"Ich hätte es wissen müssen", seufzte Ned. "Als Robert noch im Sterben lag, hat Renly mir vorgeschlagen, Cersei und ihre Kinder festzunehmen. Ich habe abgelehnt, auch wenn mir nicht klar war, dass er selbst König werden wollte."

"Stattdessen seid Ihr am nächsten Tag festgenommen worden, Lord Stark. Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte Cersei Euch ausmanövrieren?"

"Ich habe dem falschen Mann vertraut. Lord Baelish hatte mir zugesichert, dass die Stadtwache mir gehört und ich wollte mit ihrer Hilfe Cersei und ihre Kinder in Gewahrsam nehmen. Doch die Goldröcke wandten sich im Thronsaal gegen mich und töteten meine Männer. Es ist alles meine Schuld!" Die Erinnerung an den Tod seiner Männer bedrückte ihn sehr.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Ihr habt KLEINFINGER vertraut?", rief Stannis entsetzt. "Von allen verfluchten Intriganten in Königsmund ist er der hinterhältigste und verschlagenste! Habt Ihr ihm etwa auch anvertraut, dass Ihr die Wahrheit über Cerseis Kinder herausgefunden habt?"

"Das habe ich", gab Ned beschämt zu. "allerdings schien es ihn nicht zu überraschen. Er hat dies wohl auch geahnt."

"Zweifellos!", schnaubte Stannis. "Natürlich waren Jon Arryn und ich nicht die einzigen, die dieser Blutschande auf der Spur waren. Aber nachdem Ihr es Kleinfinger gesagt habt, hat er wohl Cersei verraten, dass Ihr zu viel wisst."

Ned wäre vor Scham am liebsten im Erdboden versunken. Er musste nun seine fürchterlichen Fehler gestehen. "Es ist viel schlimmer, Euer Gnaden. Ich habe es Cersei selbst gesagt."

"LORD STARK!" Stannis schrie Ned an und wäre fast aufgesprungen. "Seid Ihr des Wahnsinns? Warum habt Ihr das getan… und wann?"

"Während Robert auf der Jagd war", antwortete Ned kleinlaut. "Ich wollte Cerseis Kinder vor seiner Rache schützen und ihr die Gelegenheit geben, mit ihnen aus Westeros zu fliehen. Ich wollte barmherzig sein! Als ich ihr sagte, dass alle drei Kinder von Jaime sind, hat sie es gar nicht bestritten, sondern versucht, mich auf ihre Seite zu ziehen. 'Wenn man das Spiel um Throne spielt, gewinnt man oder man stirbt. Dazwischen gibt es nichts.' Das waren ihre Worte!"

"Da hat diese verlogene Hure einmal wahre Worte gesprochen!", rief Stannis. "Ihr seid ein Narr, Lord Stark! Cersei und ihr Inzest-Bastard Joffrey haben sich für Eure Barmherzigkeit oder genauer gesagt Eure Dummheit wahrlich als sehr dankbar erwiesen. Warum habt Ihr nach Eurem Gespräch mit Cersei nicht sofort Robert verständigt?"

"Er war auf der Jagd und als ich ihn wieder sah, war es zu spät: Er lag im Sterben. Da habe ich es nicht über mein Herz gebracht…"

"Das sieht Euch ähnlich! Die Torheit des Erbarmens!"

"Das ist leider noch nicht alles, Euer Gnaden", seufzte Ned. "Dass Robert durch den Keiler getötet wurde, war kein unglücklicher Zufall. Roberts Knappe war Lancel Lannister, Cerseis Vetter. Von Varys erfuhr ich, dass Cersei ihm den Weinschlauch gegeben und dabei gesagt hat, dass es Roberts liebster Tropfen sei. Euer Gnaden, ich habe als Hand König Roberts versagt. Mein Erbarmen hat Euren geliebten Bruder getötet. Könnt Ihr mir das vergeb…"

"Ich habe Robert nicht geliebt!", unterbrach ihn Stannis harsch. "Und er mich genauso wenig. Euch hat er wie einen Bruder geliebt, nicht mich, seinen Bruder! Und deswegen hat er Euch nach dem Tod von Jon Arryn zu seiner Hand ernannt, nicht mich! Ein Fehler, der ihn das Leben gekostet hat. Dieses Amt stand mir zu und Eure Fehler hätte ich nicht begangen!"

"Euer Gnaden, ich wollte das Amt nicht. Ich habe es übernommen, weil ich glaubte, dass es meine Pflicht war. Ich wünschte mir, ich hätte es abgelehnt und wäre in Winterfell geblieben. Fürwahr, ich hätte den Norden nicht verlassen sollen!"

Stannis schien sich wieder zu beruhigen. "Was geschehen ist, ist geschehen. Ihr habt Eure Fehler fast mit Eurem Leben bezahlt. Was habt Ihr jetzt vor, da Euch ein neues Leben geschenkt wurde?"

"Das hängt von Euren Befehlen ab, Euer Gnaden. Ich wollte hier bleiben, bis meine Verletzung verheilt ist. Danach würde ich mich in die Flusslande begeben, um den Befehl über meine Truppen zu übernehmen und für Euch kämpfen, zumal meine ältere Tochter Sansa noch in Königsmund gefangen ist. Meine Tochter Arya würde ich freilich gerne so bald wie möglich zurück nach Winterfell schicken."

"Nein!" Stannis schüttelte den Kopf. "Arya bleibt fürs Erste hier. Meiner Tochter Sharin fehlt eine gleichaltrige Freundin adeliger Herkunft. Da kommt mir Eure Arya gerade recht – allerdings darf sie nicht mit ihrem übergroßen Messer in Sharins Nähe. Am besten nehmt Ihr ihr das Ding wieder weg, das ist kein Spielzeug für Mädchen! Und Ihr selbst bleibt auch noch etwas länger hier, denn ich muss Euch noch für Eure Fehler bestrafen."

Ned wurde blass. "Euer Gnaden, ich…"

"Keine Sorge!", sagte Stannis. "Ich will weder Euren Kopf noch will ich Euch das Schwarz anlegen lassen. Nein, mir fällt eine bessere Strafe ein. Ich habe bisher noch keine Hand des Königs. Hiermit ernenne ich, Stannis Baratheon, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Beschützer des Reiches, Euch, Eddard Stark, Lord von Winterfell und Wächter des Nordens zu meiner Hand. Ich biete Euch das Amt nicht an, ich befehle, dass Ihr es annehmt!"

"Aber… Euer Gnaden", stammelte Ned verwirrt und verblüfft, "wie könnt Ihr, nachdem ich in diesem Amt so versagt habe…"

"Ihr werdet hoffentlich aus Euren Fehlern gelernt haben! Abgesehen davon gibt es unter den wenigen mir ergebenen Lords keinen, der sich für dieses Amt eignen würde. Ihr werdet meine Hand sein, bis ich den Eisernen Thron errungen habe. Erst danach dürft Ihr das Amt aufgeben und nach Winterfell zurückkehren! Und Eure Arbeit beginnt sofort, denn wir haben einen Brief an Eure Leute zu schreiben!"

"Wir Ihr befehlt, Euer Gnaden!" Bedrückt verneigte sich Ned vor Stannis. Der König hatte ihn wahrlich zu einer harten Strafe verurteilt!

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Robb I

Robb atmete tief durch, als er vor dem schlanken Herzbaum kniete und still betete. Habt Dank, Ihr Götter, für die wundersame Rettung meines Vaters! Habt Dank, dass Ihr diese Krieger geschickt habt! Helft mir, dass ich jetzt die richtigen Entscheidungen treffe!

Neben ihm knieten einige der Lords (und eine Lady) aus dem Norden: Großjon Umber, Rickard Karstark, Maegen Mormont, Galbart Glauer und weitere. Auch Tytos Schwarzhain weilte unter ihnen, denn er war einer der wenigen Lords aus den Flusslanden, die den alten Göttern huldigten. Das stille Gebet im Götterhain von Schnellwasser gewährte ihnen einige Momente der Ruhe, ansonsten gab es aufgrund der Nachrichten der letzten Tagen viel Aufregung unter den Truppen des Nordens und der Flusslande.

Dass Eddard Stark von König Joffrey zum Tode verurteilt worden war, dann aber im letzten Moment von unbekannten Kriegern gerettet wurde, war nun allgemein bekannt. Doch wer die Retter waren und wer sie geschickt hatte, blieb unklar. Robb hatte sich gefragt, ob einer der Lords dafür verantwortlich war, doch sie waren alle genauso überrascht wie er. Wenn es keiner von uns war – wem sonst liegt das Leben meines Vaters am Herzen? Stannis oder Renly oder jemand anders?

Manche glaubten freilich, dass die fremden Krieger nicht von Menschen ausgesandt worden waren. Die Fremden hatten in Königsmund nicht einen einzigen Krieger verloren und kamen Gerüchten zufolge von einer großen Flotte in der Schwarzwasserbucht, deren Schiffe angeblich ein Wappen mit einem Herzbaum der alten Götter und sieben Sternen der neuen Götter zeigten. Daher hieß es, die Retter von Lord Stark seien von den alten und den neuen Göttern geschickt worden. Robb war kein übermäßig frommer Junge, aber da die Rettung seines Vaters in letzter Sekunde fast einem Wunder gleichkam, war er doch geneigt, hier an ein göttliches Eingreifen zu glauben.

Schließlich stand Robb auf, verließ den Götterhain und schritt zur Großen Halle von Schnellwasser. Angesichts der Nachricht, dass Renly Baratheon Anspruch auf die Krone erhoben hatte, musste eine Ratsversammlung abgehalten werden. Robbs Mutter wäre es lieber gewesen, wenn er ihren schwer kranken Vater besucht hätte, aber das musste warten.

Für die Versammlung waren vier lange Tische aufgestellt. Da Lord Hoster Tully zu schwach war, um an der Versammlung teilzunehmen, saß sein Sohn Edmure auf dem Thronsitz der Tullys, sein Onkel Brynden, der Schwarzfisch, an seiner Seite. Die Lords der Flusslande saßen links und rechts neben ihnen. Ihnen gegenüber saßen die Lords aus dem Norden. Robb und seine Mutter blickten seinem Onkel direkt ins Gesicht.

Die Besprechung zog sich über den ganzen Nachmittag hin. Jeder Lord hatte etwas zu sagen und es kam zu heftigen Wortwechseln. Robb hielt sich zunächst zurück und trank ab und zu etwas von dem Wein, der auf dem Tisch stand.

Da Tywin Lannister mit seinem Heer auf dem Weg nach Harrenhal war, wollten viele Lords ihn verfolgen und stellen, um die Macht der Lannisters ein für alle Mal zu brechen. Der junge Marq Peiper drängte dagegen darauf, nach Westen zu ziehen und Casterlystein anzugreifen. Jason Mallister hingegen mahnte zur Geduld und schlug vor, den eigenen Truppen Ruhe zu gönnen und Lord Tywins Nachschubwege abzuschneiden. Davon wollte Lord Schwarzhain nichts hören, der darauf drängte, zusammen mit dem Heer von Roose Bolton nach Harrenhal zu marschieren. Dem Vorschlag von Schwarzhain widersprach wie stets Bracken. Lord Jonos Bracken schlug vor, nach Süden zu ziehen, um König Renly die Treue zu schwören und sich ihm anzuschließen.

Robb hatte die ganze Zeit schweigend zugehört, doch jetzt sagte er: "Renly ist nicht der König!"

"Ihr könnt doch nicht zu Joffrey halten, Mylord!", sagte Galbart Glauer. "Er wollte Euren Vater hinrichten!"

"Das macht Renly nicht zum König!", erwiderte Robb. "Er ist Roberts jüngster Bruder. So wie Bran nicht vor mir Lord von Winterfell werden könnte, kann Renly nicht vor Stannis den Thron besteigen."

Lady Mormont gab ihm Recht. "Lord Stannis hat den rechtmäßigeren Anspruch."

"Renly ist gekrönt worden", sagte Marq Peiper, "Rosengarten und Sturmkap unterstützen ihn. Wenn Winterfell und Schnellwasser ihre Streitmacht der seinen anschließen, werden wir stark genug sein, um die Lannisters zu vernichten. Was hat Lord Stannis dem entgegenzusetzen, dass wir darauf verzichten?"

"Das Recht!", antwortete Robb stur. Er glaubte, dass sein Vater genauso argumentieren würde.

"Sollen wir uns also für Stannis entscheiden?", fragte sein Onkel Edmure.

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Ich weiß es nicht." Robb war unsicher. "Ich wünschte, mein Hoher Vater wäre hier, denn er wüsste gewiss, wie wir uns entscheiden müssten."

"Mein Hoher Vater würde zur Vorsicht mahnen", sagte der alte Stevron Frey. "Wartet, lasst die beiden Könige ihr Spiel um Throne spielen. Wenn sich die beiden bekämpft haben, können wir vor dem Sieger auf die Knie fallen oder uns ihm entgegenstellen. Wir könnten jetzt einen Waffenstillstand mit Lord Tywin und ein Lösegeld für seinen Sohn aushandeln…" Weiter kam er nicht, da die Lords aus dem Norden seinen Vorschlag niederschrien.

"Warum schließen wir nicht Frieden?", fragte Lady Catelyn, nachdem es wieder ruhiger geworden war. "Wir sind in den Krieg gezogen, um die Heere der Lannisters aus den Flusslanden zu vertreiben und um Ned zu befreien. Das erste haben wir erreicht, dass zweite gelang ohne unser Zutun. Wir könnten Jaime Lannister und seine Vettern gegen meine Töchter austauschen und den Krieg beenden."

Robb schüttelte den Kopf. "Nach dem, was in Königsmund passiert ist, kann die Entscheidung für einen Frieden nur mein Hoher Vater treffen. Aber da er noch nicht wieder bei uns ist, muss der Krieg weitergehen!"

"Unbedingt!", rief Rickard Karstark. "Meine Söhne sind gefallen. Ich werde keinen Frieden zustimmen, bevor ich meine Rache gehabt habe."

"Das ist verständlich!", sagte der Schwarzfisch. "Frieden wäre schön, aber nur zu den richtigen Bedingungen! Was nützt uns ein Frieden, wenn nach kurzer Zeit wieder der Berg und sein Abschaum die Flusslande heimsuchen?"

"Ja, fürwahr!", stimmte Jonos Bracken zu. "Gregor Clegane hat meine Felder verwüstet und meine Untertanen geschlachtet. Soll ich vor jenen auf die Knie fallen, die ihn geschickt haben?"

Überraschenderweise gab Lord Schwarzhain ihm Recht: "Wäre ein Frieden mit König Joffrey nicht Verrat an König Renly? Was passiert mit uns, wenn der Hirsch den Löwen besiegt?"

Während die Lords noch stritten, kam ein Diener in den Saal geeilt und überreichte Edmure Tully eine Schriftrolle. Robb sah, dass sein Onkel beim Lesen des Briefes große Augen machte und plötzlich aufsprang. "Mylords!" rief er. "Soeben ist ein Rabe aus Drachenstein eingetroffen – mit diesem Brief:

An die Lords des Nordens und der Flusslande:

Wie allseits bekannt, bin ich der rechtmäßige Sohn von Steffon Baratheon, Lord von Sturmkap, und seiner Hohen Gemahlin Cassana aus dem Haus Estermont. Ich erkläre hiermit bei der Ehre meines Hauses, dass mein Bruder Robert, unser verstorbener König, keine rechtmäßigen Erben hinterließ und dass der Knabe Joffrey, der Knabe Tommen und das Mädchen Myrcella aus dem verabscheuungswürdigen Inzest zwischen Cersei Lannister und ihrem Bruder Ser Jaime dem Königsmörder hervorgegangen sind. Bezeugen kann dies der aus den Fängen der Lannisters gerettete Eddard Stark, Lord von Winterfell, Wächter des Nordens und Hand des Königs."


Ein Raunen ging durch die Reihen der Lords. Robb lächelte und blickte zu seiner Mutter, die ebenso erleichtert war wie er, während ihr Bruder den Brief weiter vorlas:

"Gemäß dem Recht von Gesetz und Blut erhebe ich daher Anspruch auf den Eisernen Thron der Sieben Königslande von Westeros. Alle aufrechten Männer mögen mir die Treue schwören.

Gezeichnet mit Wappen und Siegel von Stannis aus dem Hause Baratheon, dem Ersten Seines Namens, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Beschützer des Reiches."


Robb goss Wein in seinen Becher und stand auf, nachdem sein Onkel Stannis‘ Brief vorgelesen hatte. "Mylords! Als gehorsamer Sohn meines Hohen Vaters weiß ich jetzt, welchem König ich die Treue schwören muss!" Er hob seinen Becher. "Auf den rechtmäßigen Herren der Sieben Königslande! Auf Stannis!"

Die Lords des Nordens, Robbs Mutter und Lady Mormont füllten ebenfalls ihre Becher und erhoben sich. "Auf Stannis!", riefen sie. Die Lords der Flusslande zögerten zunächst, doch als Edmure Tully seinen Becher hob und "Stannis!" rief, folgten sie alle seinem Beispiel und auch außerhalb der großen Halle waren ihre Rufe zu hören:

"Stannis! Stannis! STANNIS!"

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Beim letzten Kapitel habe ich einige Passagen und Zitate aus dem vorletzten Kapitel (71. Catelyn XI) von A Game of Thrones verwendet - freilich mit einem anderem POV-Charakter und vor allem einem entscheidend anderen Ende.

Meine Fanfiction macht jetzt etwas Pause, während der König Elessar und seine Leute die Gemeine Zunge von Westeros lernen und ich in die folgenden Kapitel einige Anregungen meiner Beta-Leser einarbeite. Mit der Veröffentlichung geht es voraussichtlich in der zweiten Januar-Hälfte weiter.

In der Zwischenzeit seid ihr dran, liebe Leser, die ihr diese Geschichte schon über 2200mal angeklickt habt. Ich wiederhole meine Fragen:
In Bezug auf:
Gefällt euch die Geschichte bisher?
Was gefällt euch?
Was gefällt euch weniger?

Natürlich könnt ihr auch Fragen stellen und eigene Ideen und Anregungen einbringen.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Auch wenn ich ziemlich enttäuscht bin, dass hier niemand mehr meine Fanfiction kommentiert, mache ich erstmal weiter.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir III

Der Kometenschweif zog sich wie eine blutrote Wunde durch den Morgenhimmel über dem zerklüfteten Felsen von Drachenstein.

Faramir blickte verwundert zum Himmel, während er zur Festung hinaufschritt. In Mittelerde hatte er im Laufe seines Lebens zwei- oder dreimal einen Kometen gesehen, doch keinen, der auch nur halb so hell oder in dieser Farbe geleuchtet hatte. "Manches ist doch in dieser Welt anders als in Mittelerde. Hat dieser blutende Stern etwas zu bedeuten? Ich werde Herrn Cressen fragen!"

Seit ihrer Ankunft in Drachenstein war Faramir immer wieder in die Festung gegangen und hatte dabei den alten Gelehrten – "Maester" in der Sprache von Westeros - kennen gelernt. Sehr eifrig lernte Faramir die Sprache, die ihm nicht besonders schwierig vorkam und tatsächlich einige Ähnlichkeiten mit der Gemeinsamen Sprache von Mittelerde hatte, aber noch fühlte er sich nicht sicher genug, um mit König Stannis zu sprechen. Doch er wollte Lord Eddard bald erklären, warum er ihn gerettet hatte. Faramir hatte ihn zwar einige Male kurz getroffen, doch Eddard schien sehr beschäftigt zu sein und viel Zeit beim König zu verbringen.

Faramir hatte Stannis seit dem ersten Treffen nicht mehr gesehen, dafür aber dessen Tochter Sharin kennengelernt, die ebenfalls gelegentlich Maester Cressen aufsuchte. Zunächst war Faramir etwas erschrocken, als er sah, dass ihre linke Gesichtshälfte durch eine Krankheit entstellt war, doch er hatte auch den Eindruck gewonnen, dass sie ein gutes und freundliches Kind war.

In der Festung begab er sich zu dem Turm, der wie ein Drache geformt war, und stieg hinauf bis zu den Räumen von Maester Cressen. Da die Tür offen war, trat er ein und fand den alten Mann auf dem Balkon vor seinem Zimmer. Er blickte hinauf zum Kometen.

"Maester Cressen", sagte Faramir leise. "Verzeiht die Störung!"

Der Maester drehte sich um. "Lord Faramir! Ihr stört nicht, sondern seid willkommen. Versteht Ihr meine Worte?" Er schritt zurück ins Zimmer.

"Ich verstehe Euch", antwortete Faramir langsam. "und ich habe eine Frage. Dieser rote… Stern – hat der eine Bedeutung?"

"Das ist ein Komet, Mylord. Ein Stern mit einem Schweif, der bald wieder verschwunden sein wird. Habt ihr dergleichen in Eurer Heimat nicht gesehen?"

"Doch. Aber keinen so hellen und in blutroter Farbe."

"Ehrlich gesagt, ich auch noch nicht", seufzte Cressen. "Lord Faramir, habt Ihr Maester Pylos bei Euren Leuten gesehen?"

"Ja, er ist auf dem Schiff von König Elessar, um Unterricht in Eurer Sprache zu erteilen."

"Euer König… möchte er immer noch nicht an Land kommen?", fragte Cressen vorsichtig. Faramir schüttelte den Kopf. "Erst wenn er Eure Sprache so beherrscht, dass er mit König Stannis sprechen kann. Aber bis dahin müssen wir noch viel lernen – auch ich. Auch das Lesen müssen wir lernen. Zeigt Ihr mir eines Eurer… Bücher?"

Der Maester wies auf den Tisch in der Mitte des Raumes, auf dem ein dickes Buch lag. "Schaut Euch dieses Buch an, Mylord!" sagte er. Faramir stellte sich an den Tisch und schaute zunächst auf den Umschlag des Buches, auf dem ein Stern abgebildet war. Er schlug es auf.

"Könnt Ihr den Titel des Buches lesen, Mylord?", fragte Cressen.

"Der Sieben…zackige… Stern…" Faramir las langsam. "Was ist das für ein Buch?"

"Ich zeige es Euch!", sagte Cressen und blätterte in dem Buch. Schließlich schien er eine geeignete Stelle gefunden zu haben. "Versucht, diesen Satz hier zu lesen!"

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir schaute auf die Stelle, auf die Cressen zeigte und las Wort für Wort: "So wie sich die Menschen vor ihren… Lords und die Lords vor ihren Königen verneigen, müssen Könige und Königinnen den Kopf vor den… Sieben, die… Einer sind, beugen."

"Versteht Ihr, was für ein Buch das ist?", fragte der Maester.

"Nicht ganz", antwortete Faramir, "auch in unserer Welt verneigen sich die Menschen vor den Lords und die Lords vor Königen, aber wer sind die Sieben, die Einer sind?"

"Die Götter!", sagte Cressen, doch Faramir verstand ihn zunächst nicht. "Die höheren Mächte! Die Erschaffer und Beherrscher der Welt! Ihr müsst doch von ihnen gehört haben!", sagte der Maester darauf. Ach so, er meint die Valar! dachte Faramir. "Ja, gewiss. Die Götter. Sie haben uns in Eure Welt geschickt."

Cressens Augen weiteten sich. "Dann ist es wahr… Aber sagtet Ihr, die Götter hätten Euch geschickt, Mylord? Nicht ein einziger Gott?"

"Ja, es waren die Götter, wie Ihr sie nennt", antwortete Faramir unsicher, während der alte Mann ihn eindringlich ansah. "Warum fragt Ihr?"

"Diese rote Frau, Melisandre, behauptet es gebe nur einen Gott, den Herrn des Lichts – und er habe Euch geschickt. Habt Ihr von diesem Gott schon vernommen?"

"Äh, ich bin mir nicht sicher…" Der Herr des Lichts? Wer soll das sein? Manwe? Oder Eru? Faramir erinnerte sich, was ihm König Elessar über seinen verzauberten Traum und die Worte Manwes erzählt hatte. Die Menschen dieser Welt kennen die Ainur unter anderen Namen und in anderer Anzahl als in Mittelerde und verehren sie auf unterschiedliche Weise.

"Maester Cressen", sagte Faramir schließlich, "ich muss noch mehr lernen, bevor ich Euch von den Göttern erzählen kann, die uns geschickt haben. Daher bitte ich Euch, mehr von Euren Göttern und diesem Buch zu berichten."

"Ja, sehr gerne!", rief Cressen strahlend. Faramir fiel auf, wie sehr sein Anliegen Cressen erfreute. Als er den alten Mann das erste Mal gesehen hatte, hatte er sehr bedrückt gewirkt, jetzt aber schien er neue Lebensfreude gefunden zu haben.

"Ihr mögt Lady Melisandre nicht!", stellte Faramir fest, da er noch nicht wusste, wie man "Ihr hasst sie" in der Gemeinen Zunge sagte.

"Ich verabscheue diese Frau!", sagte Cressen grimmig. "Sie bringt den Wahnsinn unter uns mit ihrem Gerede von ihrem einzig wahren Gott und dass wir uns vom Glauben an die Sieben abwenden müssen! Schon hat sie die Königin für sich eingenommen und auch der König beabsichtigt, ihrem Gott zu huldigen. Könnt Ihr mir helfen, das zu verhindern?"

Faramir schüttelte befremdet den Kopf. Er verstand den Grund des Konfliktes zwischen Cressen und Melisandre nicht. In Mittelerde kam es zwar vor, dass bei bestimmten Völkern einzelne Valar mehr verehrt wurden als bei anderen, aber niemand wäre auf die Idee gekommen, deswegen einen Streit anzufangen.

"Es tut mir leid, aber ich verstehe das alles nicht – noch nicht. Lady Melisandre kommt mir zwar etwas … seltsam vor, aber ich werde mich nicht gegen sie stellen, ehe ich nicht noch mehr über diese Dinge weiß."

Cressen war von Faramirs Worten sichtlich enttäuscht. "Dann beherzigt wenigstens meinen Rat und haltet Euch von dieser Frau fern! Und ratet dies auch Eurem König!"

"Mit wem sich König Elessar trifft, entscheidet er selbst!", erwiderte Faramir etwas schroff. "Aber gut, ich werde Lady Melisandre erst einmal nicht aufsuchen." Er braucht ja nicht zu wissen, dass Elphir die Rote Frau besucht. "Machen wir doch lieber weiter mit dem 'siebenzackigen Stern'!"

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Hisimir

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Endlich geht es weiter. Hab ich mich schon sehr drauf gefreut
Wie immer hat mir das Lesen große Freude bereitet. Es wird von Beitrag zu Beitrag spannender und interessanter. Besonders das Glaubensthema find ich sehr faszinierend, im Herrn der Ringe findet man ja keine wirklich starken religiösen Züge. Also Sauron will als Gott verehrt werden und wird das auch teilweise. Aber außer dem einen Ausruf des einen Waldläufers, als er den Mumak sieht, wird dazu ja meines Wissens nicht viel gesagt. Es ergibt aber für mich Sinn, dass du den Gondorern hier einen stärkeren Glauben zuweist, als er in den Büchern beschrieben wird.

Mich hat in der Krege Übersetzung als Kind das "Chef" von Sam an Frodo nie gestört, aber dein "Herrn Cressen" hat mich irgendwie rausgerissen. Ich weiß auch nicht, welches Wort ich da erwartet habe, vermutlich Maester, aber da das für Faramir ungewohnt ist, ist es verständlich, dass er das nicht unbedingt benutzt.

Witzigerweise ermutigt mich deine Fanfiction auch dazu, ASIOAF weiterzulesen (Bin in "A Feast for Crows"). Doch dein Schreibstil, deine Geschichte gefällt mir eigentlich besser. Hut ab dafür.

Ehre das Gimp!
Kugelsicherer Pfadpfinder ~~ 아미
화이팅
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Hisimir]

Vielen, vielen Dank für dein positives Feedback, Hisimir!
Hisimir schrieb:
Besonders das Glaubensthema find ich sehr faszinierend, im Herrn der Ringe findet man ja keine wirklich starken religiösen Züge. Also Sauron will als Gott verehrt werden und wird das auch teilweise. Aber außer dem einen Ausruf des einen Waldläufers, als er den Mumak sieht, wird dazu ja meines Wissens nicht viel gesagt. Es ergibt aber für mich Sinn, dass du den Gondorern hier einen stärkeren Glauben zuweist, als er in den Büchern beschrieben wird.

Ja, Mittelerde wirkt im HdR auf den ersten Blick "religionslos" - es gibt keine Tempel, Priester oder religiöse Zeremonien. Mit Hintergrundwissen aus dem Sil, den "Nachrichten aus Mittelerde" und Tolkiens Briefen kann man hingegen sehr wohl gewisse Spuren von Religion finden. Darüber (und über die Religionen in Westeros) werde ich übrigens einen Vortrag bei der MagicCon halten.
Hisimir schrieb:
Mich hat in der Krege Übersetzung als Kind das "Chef" von Sam an Frodo nie gestört, aber dein "Herrn Cressen" hat mich irgendwie rausgerissen. Ich weiß auch nicht, welches Wort ich da erwartet habe, vermutlich Maester, aber da das für Faramir ungewohnt ist, ist es verständlich, dass er das nicht unbedingt benutzt.

Das kann einen vielleicht herausreissen, weil die Anrede "Herr" in der deutschen ASOIAF-Übersetzung unüblich ist und das englische "Lord" nicht übersetzt wurde. In der Carroux-Übersetzung von HdR ist dagegen "Herr" als Übersetzung für "Mister", "Lord" und häufig auch für "Master" als Anrede sehr häufig (und daher auch passend an dieser Stelle) - so spricht ja auch Sam Frodo mit "Herr" an.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Eddard III

Ned schritt zügig zur Kammer der bemalten Tafel. Mittlerweile war sein Bein so weit geheilt, dass er schon wieder richtig gehen konnte und nicht mehr humpeln musste. Den weißen Stock aus Gondor nahm er sicherheitshalber trotzdem noch mit. Stannis hatte seine Hand zu sich befohlen und Ned befolgte diesen Befehl selbstverständlich, auch wenn er sich nicht gerade auf die Begegnung mit dem König freute, der so anders war als sein älterer Bruder. Robert war zwar manchmal jähzornig gewesen und seine Wutausbrüche hatten sich zuweilen auch gegen Ned gerichtet, dennoch war er Neds Freund gewesen und hatte sich immer wieder freundlich und herzlich gezeigt. Stannis hingegen war stets distanziert und nie herzlich und zeigte deutlich, dass er nicht Neds Freund war, er schien niemandes Freund zu sein.

Ned trat in die Kammer und verneigte sich vor dem König. "Euer Gnaden!" Ein weiterer Mann saß am Tisch und stand auf, als die Hand des Königs in den Raum schritt. Ned erkannte den graubärtigen Mann von einfacher Herkunft, auch wenn er ihn zum ersten Mal seit siebzehn Jahren erblickte. Es war Ser Davos Seewert, der Zwiebelritter, der damals Stannis und seine Leute bei der Belagerung von Sturmkap vor dem Verhungern gerettet hatte. "Lord Stark!", grüßte Davos. "Ser Davos!", erwiderte Ned. Auf ein Zeichen von Stannis setzten sich beide.

"Ser Davos ist heute Morgen zurückgekehrt und hat mir berichtet, dass sich die Sturmlords nicht für mich erheben werden. Sie werden sich wohl eher Renly anschließen." Stannis klang verbittert.

"Alle?", fragte Ned. "Habt Ihr mit allen Sturmlords gesprochen, Ser Davos?"

"Mit allen? Nein. Nur mit denen, die mich empfangen wollten und die sich nicht zu fein waren für den Zwiebelritter. Doch keiner hat sich uns angeschlossen."

"Welche Gründe haben die Lords für ihre Verweigerung vorgebracht?", fragte Ned.

"Einige haben sich herausgeredet, andere waren offen, manche haben sich entschuldigt und ein paar haben schlicht gelogen. Ihre Worte sind nur Wind!"

"Doch ihre Heere nicht!", murrte Stannis. "Wenn sich alle Sturmlords und die Lords der Weite Renly anschließen, verfügt er über zehntausende, vielleicht sogar hunderttausend Männer. Ich habe hier nur fünftausend. Wie viele hat Euer Sohn, Lord Stark?" Er zeigte auf der riesigen Karte auf Schnellwasser.

"Robb hat geschrieben, dass er achttausend Männer bei sich hat. Die Flusslords haben dazu noch zwölftausend. Die Hauptstreitmacht des Nordens besteht aus etwa zwölftausend Mann unter dem Befehl von Roose Bolton." Ned verzog das Gesicht. Was hatte seinen Sohn dazu bewogen, den Großteil seiner Truppen ausgerechnet diesem undurchsichtigen und wenig vertrauenswürdigen Mann anzuvertrauen? Er zeigte auf den Trident und fuhr fort: "Lord Bolton hat sich nach der Niederlage am Grünen Arm zu den Zwillingen zurückgezogen, wo er die Truppen neu formiert."

"Habt Ihr auch Nachrichten von der Schar von Lord Beric Dondarrion, die Ihr noch als Roberts Hand entsandt habt?", fragte Stannis.

"Diese Schar wurde vernichtet", seufzte Ned. "Zwanzig meiner Männer aus Winterfell gehörten zu ihr. Die Lannisters haben sie überfallen, als sie gerade den Roten Arm des Trident bei der Mummersfurt überquerten. Lord Raymun Darry wurde getötet und Lord Beric ist verschwunden."

"Das war mir alles schon bekannt. Aber zumindest Lord Beric und Thoros von Myr haben die Schlacht an der Mummersfurt wohl überlebt. Es gibt Gerüchte, wonach diese beiden mit einigen Männern die Nachschublinien der Lannisters überfallen würden. Wie dem auch sei, wir haben genug Männer, um Tywin Lannister herauszufordern, der mit seinen zwanzigtausend auf dem Weg nach Harrenhal ist. Und wir müssen ihn herausfordern, denn das Heer der Lannisters darf auf gar keinen Fall nach Königsmund gelangen. Bisher hat er nur den Gnom mit wenigen hundert Männern voraus geschickt. Aber was ist mit dem Heer des Grünen Tals? Eure Gemahlin war doch den Berichten zufolge kürzlich auf Hohenehr, Lord Stark. Warum entsendet ihre Schwester keine Truppen gegen die Mörder ihres Gatten?"

"Ich weiß es nicht, Euer Gnaden", antwortete Ned. "Ich werde Robb danach fragen."

"Was ist mit Lady Arryns Sohn?", fragte Davos. "Euer Gnaden, hattet Ihr nicht mit Lord Arryn besprochen, dass der junge Lord Robert als Euer Mündel hierher kommen soll?"

"Der Junge ist schwach und krank", erwiderte Stannis, "und seit diese abscheulichen Lannisters Jon Arryn vergiftet haben, versteckt Lysa Arryn ihren Sohn auf Hohenehr. Sie wird sich nicht von dem Jungen trennen."

"Und wenn Ihr Eure Tochter Sharin nach Hohenehr schickt?", fragte Ned, der selbst als Knabe viele Jahre auf der Ehr als Jon Arryns Mündel verbracht hatte.

Stannis legte nachdenklich seine Stirn in Falten. "Vielleicht ist es den Versuch wert, wenn wir dafür die Ritter des Grünen Tals bekommen."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Muss der rechtmäßige König der Sieben Königslande bei einer Witwe um Hilfe betteln?", fragte die Stimme einer Frau in scharfen Ton. Königin Selyse war eingetreten. Ned und Davos neigten den Kopf vor ihr.

Stannis machte ein mürrisches Gesicht. "Ich bettle nicht! Niemals! Diese Tatsache solltet Ihr nicht vergessen, Weib!" Zumindest das hatte Stannis mit Robert gemeinsam: Er sprach zu seiner eigenen Gemahlin ohne jede Zuneigung und Wärme. Doch Robert hatte sich für andere Frauen interessiert, während sich Stannis in der Gegenwart von Frauen allgemein nicht wohl zu fühlen schien. Renly hatte einmal gegenüber Ned spöttisch angedeutet, dass Stannis nur sehr selten und ungern seinen ehelichen Pflichten nachkäme.

"Das höre ich nur allzu gerne, mein Gebieter", sagte Selyse. "Lady Arryn schuldet Euch ihre Treue, genau wie Euer Bruder Renly und alle anderen. Ihr seid der einzig wahre König von Gottes Gnaden!"

"Euer Gott kann seine Gnade behalten! Ich brauche Schwerter, keinen Segen!", erwiderte Stannis. "Wie viele Schwerter wird mir der Herr des Lichts zur Verfügung stellen?"

"Er hat Euch bereits zehntausend Krieger des Lichts geschickt – Krieger, die Lord Stark vor dem mörderischen Inzest-Bastard gerettet und Euch somit die Treue des Nordens und der Flusslande gesichert haben."

"Ja, das stimmt", räumte Stannis widerwillig ein, "aber noch hat König Elessar nicht erklärt, dass er sich tatsächlich mit mir verbünden wird. Und selbst mit seinen zehntausend und den Heeren des Nordens und der Flusslande hätte ich immer noch nicht genug Männer, um gleichzeitig gegen Joffrey und Renly zu kämpfen."

"Das wird nicht nötig sein", sagte Selyse. "Seht zum Fenster hinaus, mein Gebieter! Dort am Himmel findet Ihr das Zeichen, auf welches Ihr gewartet habt. Rot ist es, rot wie die Flamme, rot wie das lodernde Herz des wahren Gottes. Es will verkünden, dass Eure Zeit gekommen ist. Dessen dürft Ihr Euch sicher sein. So wie die Männer von Winterfell und Schnellwasser werden auch die Männer von Rosengarten und Sturmkap für Euch kämpfen!"

"Ser Davos behauptet das Gegenteil", entgegnete Stannis. "Diese Männer haben Renly die Treue geschworen."

"Ja", antwortete sie, "doch sollte Renly sterben…"

Stannis schaute seine Gemahlin ungläubig an. Davos war bestürzt, sagte aber nichts. "Wovon redet Ihr?", rief Ned.

"Melisandre hat in die Flammen geschaut und seinen Tod gesehen!"

"Redet Ihr von Brudermord?", rief Ned empört. "Wer seine eigenen Verwandten ermordet, ist vor den Göttern verflucht – vor den alten wie vor den neuen!"

"Eure Götter sind machtlos!", erwiderte Selyse. "Nur der Herr des Lichts wird meinen Gemahl zum Sieg führen! Was würdet Ihr raten, Lord Stark? Dass wir uns mit Renly verständigen sollen?"

"Ja, denn die Lannisters sind unsere gemeinsamen Feinde!", entgegnete Ned. "Dass Renly sich zum König ausgerufen hat, war eine Torheit, aber…"

"Torheit?", rief Stannis. "Es ist Hochverrat! Ich werde nicht mit Renly verhandeln! Nicht, solange er sich König nennt!"

Da hatte Ned eine Idee. "Euer Gnaden, Lady Melisandre hat doch behauptet, dass ihr Gott König Elessar und seine Leute in unsere Welt geschickt hat."

"Behauptet? Es ist die Wahrheit!", rief die Königin. "Es sind Krieger des Lichts!"

"Ja, natürlich", stöhnte der König. "Worauf wollt Ihr hinaus, Lord Stark?"

"Sollten wir nicht diese Krieger des Lichts und vor allem ihren König fragen, ob und wie wir gegen Renly vorgehen sollen? Bevor wir irgendetwas unternehmen, müssen wir doch mehr über unsere Freunde aus der anderen Welt wissen. Ich habe bis heute von Lord Faramir nicht den genauen Grund erfahren, warum er mich gerettet hat."

"Es war der Wille des Herrn", sagte Selyse überzeugt.

"Das würde ich gerne von Lord Faramir selbst hören", erwiderte Ned.

"Dann geht!", befahl Stannis. "Sprecht mit Lord Faramir und fragt ihn, ob sein König sich endlich mit mir verbündet! Die Beratung ist beendet. Ich muss alleine nachdenken. Geht jetzt! Auch Ihr, Selyse!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Arya II

Fasziniert schaute Arya auf den roten Kometen, der auch tagsüber am östlichen Himmel zu sehen war. Sie stand auf dem Balkon von Prinzessin Sharins Kammer und blickte zum Himmel.

"Gefällt dir das Ding am Himmel?", fragte Sharin, die aus ihrem Zimmer kam und an Aryas Seite trat.

"Ja, Prinzessin", antwortete Arya. "Es ist sehr schön. Was es wohl zu bedeuten hat?"

"Ich weiß nicht", sagte Sharin, "Dalla und Matricia haben sich am Brunnen darüber unterhalten, und Dalla hat gesagt, sie habe gehört, wie die Rote Frau Mutter erklärte, es sei Drachenatem."

"Die Rote Frau?" Arya verzog das Gesicht. "Ich glaube ihr nicht. Die Drachen sind schon lange tot."

Sharin zuckte mit den Schultern und ging zurück in ihre Kammer. Arya folgte ihr. "Mutter vertraut der Roten Frau", sagte die Prinzessin, "und ich habe schlecht geträumt. Die Drachen sind gekommen und wollten mich fressen. Woher weißt du, dass die Drachen tot sind, Lady Arya?"

"Ich habe sie gesehen, Prinzessin", antwortete Arya, "in den Gewölben des Roten Bergfrieds. Es sind nur noch tote Knochen von ihnen übrig. Also vergiss deine schlechten Träume! Und nenne mich nicht Lady!" Sie zögerte nicht, Sharin von den toten Drachen zu erzählen, denn sie vertraute ihr. Anfangs war sie vor Sharins von Grauschuppen gezeichnetem Gesicht fast zurückgeschreckt und nur widerwillig der Bitte ihres Vaters gefolgt, sich mit der Tochter des Königs anzufreunden, doch im Laufe der Tage hatte sie gemerkt, dass die Prinzessin – im Gegensatz zu ihren Eltern - sehr freundlich und herzlich war. Freilich hatte Arya auf ihren Vater gehört und Sharin nichts von Nadel erzählt. Sie hielt das kleine Schwert in ihrem Gemach versteckt.

"Dann nenne mich nicht Prinzessin!", lachte Sharin. "Nicht, wenn wir alleine sind, Arya. Du hast die toten Drachen gesehen, ja, aber vielleicht gibt es neue Drachen. In der Welt ändert sich gerade viel. Denke nur an die weißen Raben, die von der Zitadelle gekommen sind. Du weißt doch, was sie bedeuten?"

"Was für weiße Raben? Welche Bedeutung haben sie?" Arya war verwirrt.

"Aber du kennst doch die Worte eures Hauses?", fragte Sharin.

"Der Winter naht!", antwortete Arya. "Und was hat das mit weißen Raben zu tun, Pri…Sharin?"

"Der Sommer ist vorbei! Komm, gehen wir zu Maester Cressen! Er kann uns alles erklären und die weißen Raben zeigen!"


Die beiden Mädchen verließen die Kammer und begaben sich zum Meerdrachenturm. Die Prinzessin klopfte an die Tür und öffnete sie. Maester Cressen saß an seinem Schreibtisch, doch er war nicht alleine. Lord Faramir saß an seiner Seite.

"Oh, Verzeihung", sagte Sharin, "wir wollten Euren Unterricht nicht stören." Dass Lord Faramir bei Maester Cressen die Gemeine Zunge lernte, war kein Geheimnis.

"Ihr stört nicht", sagte Faramir freundlich. "Ich freue mich über Eure Gesellschaft. Warum seid Ihr gekommen?"

"Ich wollte Maester Cressen fragen, ob wir den weißen Raben sehen dürfen", antwortete Sharin.

"Ein weißer Rabe? Den würde ich auch gerne sehen!", sagte Faramir.

"Wie Ihr wünscht!", sagte Cressen und stand auf. "Gehen wir!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Sie verließen die Kammer und gingen zu einem anderen Raum im Turm, in dem ein großer Käfig stand. Im Käfig war ein einzelner Rabe. Er war schneeweiß und größer als ein Falke. Seine schwarzen Augen zeigten, dass er kein Albino war.

Sharin jauchzte entzückt beim Anblick des Vogels, der die Menschen mit einem Krächzen begrüßte. Auch Faramir schien vom weißen Raben beeindruckt. Doch Arya fiel vor allem auf, dass er alleine war.

"Wo sind die anderen Raben?", fragte sie. "die schwarzen?"

"In einem anderen Raum", antwortete Cressen. "Weiße und schwarze Raben kommen nicht miteinander aus und müssen getrennt gehalten werden. Die Zitadelle hat zwei große Rabenschläge nur für weiße Raben. Sie verwendet weiße Raben nur für solch wichtige Nachrichten wie den Wechsel der Jahreszeiten."

"Wird es jetzt wirklich kälter werden?", fragte Sharin.

"Ja, Prinzessin", antwortete Cressen. "Die Jahre des Sommers sind vorbei."

"Jahre des Sommers?", rief Faramir verwirrt. "Was meint Ihr damit? Ist es nicht jedes Jahr Sommer und Winter?"

"Jedes Jahr? Nein!" Cressen war verwundert. "Dieser Sommer hat viele Jahre gedauert. Diese beiden jungen Damen haben in ihrem Leben noch keinen Winter erlebt. Ist das in Eurer Welt anders?"

"In unserer Welt gibt es in jedem Jahr vier Jahreszeiten", sagte Faramir.

"Also habt Ihr schon als Kind alle Jahreszeiten erlebt?", fragte Arya.

"Ja, gewiss", antwortete Faramir. "Und Ihr habt noch nie…" Er brach ab, als er Schritte im Turm hörte. Aryas Vater kam herangeschritten. Er blieb vor dem Eingang stehen.

"Vater!", rief Arya erfreut. "Maester Cressen hat uns den weißen Raben gezeigt! Der Winter naht!" Lord Eddard lächelte. "Mylord Hand!", grüßte Cressen. "Die Prinzessin und Eure Tochter wünschten den Raben zu sehen und diesen Wunsch konnte ich ihnen nicht abschlagen."

"Vielen Dank dafür, Maester, aber ich bin hier um, mit Lord Faramir zu sprechen", erklärte Lord Eddard.

"Wie Ihr wünscht!" Faramir nickte und trat hinaus zu Aryas Vater. Die beiden traten hinter die Tür und machten einige Schritte weg vom Raum des Raben.

"Bitte, Maester Cressen, erzählt doch noch mehr über die weißen Raben und den Winter!", bat Sharin. "Sehr wohl, Prinzessin!", sagte der Maester und wandte sich wieder dem Raben zu. Arya hörte freilich nicht zu, sondern schlich vor die Tür um mitzuhören, was ihr Vater und Lord Faramir hinter der Tür besprachen.

"König Stannis wird ungeduldig!", hörte Arya ihren Vater sagen. "Er möchte wissen, ob Euer König Elessar ihm in seinem Kampf beistehen wird. Vor allem möchte er ihn endlich treffen."

"Ich werde es König Elessar ausrichten", erwiderte Faramir, "doch wir müssen noch weiter Eure Sprache lernen und mehr über Westeros erfahren, bevor sich die Könige treffen können. Habt bitte noch ein klein wenig Geduld!"

"Da ist noch etwas", seufzte Lord Eddard, "Lady Melisandre und Königin Selyse behaupten, dass ihr Gott, der Herr des Lichts, Euch geschickt hat. Dieser Gott sei der richtige und alle anderen falsch. Doch andere Leute meinen, es seien die Sieben gewesen, die Euch geschickt hätten. Aber Ihr kamt zu meiner Rettung, als ich zu meinen Göttern des Waldes gebetet hatte. Lord Faramir, welcher Gott oder welche Götter haben Euch geschickt?"

"Lord Eddard, wir müssen mehr über Eure verschiedenen Götter erfahren, ehe wir dies beantworten können. Es waren tatsächlich Götter, wie Ihr sie nennt, die uns in diese Welt gebracht haben. Doch damit will ich nicht gesagt haben, dass die Königin oder Lady Melisandre im Irrtum sind."

"Aber haben Euch diese Götter tatsächlich aufgetragen, mich zu retten?", fragte Aryas Vater eindringlich. "In Königsmund habt Ihr doch genau gewusst, was Ihr zu tun habt? Woher? Warum?"

Faramir seufzte. "Also gut, das zumindest sollt Ihr erfahren. Ich wusste nicht, dass wir Eddard Stark, Lord von Winterfell, retten sollten. Wir haben Euch gerettet, weil Euer Aussehen und Eure Stimme haargenau denen meines toten Bruders Boromir gleichen."

"Ihr habt mich für Euren Bruder gehalten?"

"Ja, ich dachte, Boromir sei wieder am Leben – dabei ist er in unserer Welt schon vor dreizehn Jahren im Kampf gefallen. Außerdem war er nie verheiratet und hatte keine Kinder."

Arya konnte kaum glauben, was sie da hörte. Ihr Vater hatte einen Doppelgänger in der anderen Welt gehabt? Mit der gleichen Stimme? Wie war das möglich? Arya fand dies so verwirrend, dass sie nicht weiter dem Gespräch ihres Vaters mit Lord Faramir lauschen konnte. Sie trat wieder in den Raum zu Cressen und Sharin, die ihre Abwesenheit scheinbar nicht bemerkt hatten. Der Maester hatte den Raben dazu gebracht, "Lady" zu krächzen, was Sharin sehr amüsierte. Arya lächelte dazu, doch in ihren Gedanken war sie abwesend.

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Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Robb II

Robb saß in seinem Gemach in Schnellwasser und schaute angespannt auf die beiden Briefe, die er aus Drachenstein erhalten hatte – vom König und von seinem Hohen Vater. Grauwind lag zu seinen Füßen und döste. Eigentlich hätte Robb zufrieden sein können, denn schließlich hatte Stannis ihn zum Kommandanten der Truppen des Nordens und der Flusslande ernannt. Aber eigentlich war er das schon gewesen, bevor er Stannis die Treue geschworen hatte. Überdies enthielt der Brief keine klare Anweisung, wie er mit seinen Truppen vorgehen sollte – nur den sehr allgemeinen Befehl, "auf jeden Fall zu verhindern, dass Lord Tywin mit seinem Heer nach Königsmund gelangt".

Wie Robb das anstellen sollte, war ihm offenkundig selbst überlassen. Von Lord Tywin wusste Robb, dass er mittlerweile in Harrenhal angekommen war, seine Truppen aber noch in Kämpfe in den Flusslanden verwickelt waren. Edmure hatte den Flusslords die Erlaubnis zum Aufbruch erteilt, damit sie ihre eigenen Lande verteidigen konnten. Ser Marq Peiper und Lord Karyl Vanke waren bereits abgezogen. Nun hatte auch Lord Jonos Bracken seine Abreise angekündigt. Robb hatte wiederum seinen Großonkel Ser Brynden Tully als Kommandanten der Kundschafter und Vorreiter entsandt, um Informationen über den Verlauf des Krieges einzuholen.

Robb dachte auch über das nach, was nicht in Stannis‘ Brief stand. So verriet der König nicht, wie er selbst vorzugehen gedachte. Würde er Königsmund angreifen? "Freilich steht das nicht in dem Brief, du Narr!", tadelte Robb sich selbst. "Der Rabe könnte ja abgeschossen werden und der Brief in die falschen Hände gelangen." Auch stand in dem Brief nicht, wie Robb sich gegenüber Renly verhalten sollte, der sich auch König nannte. Würde Stannis sich mit ihm verbünden oder gegen den eigenen Bruder kämpfen? Doch da Renly weit weg in Rosengarten weilte, wollte sich Robb darüber fürs erste keine weiteren Gedanken machen.

Er legte den Brief des Königs beiseite und richtete seine Aufmerksamkeit auf den Brief seines Vaters, der eine sehr gute Nachricht enthielt: Nicht nur sein Vater, auch Arya war gerettet und in Sicherheit – dank der fremden Krieger, die "die Götter gesandt haben". Doch das war noch nicht alles: Lord Eddard fragte auch an, warum Lysa Arryn keine Truppen zur Unterstützung ihres Vaters geschickt hatte. Das frage ich mich auch. Er musste den Brief seiner Mutter zeigen und sie nach Tante Lysa fragen. Aber wie würde Lady Catelyn reagieren, wenn sie den Rest des Briefes las?

Hüte dich vor dem Königsmörder, aber sorge dafür dass er am Leben bleibt, denn noch haben sie Sansa. Er hat Bran vom Turm gestürzt, weil dein Bruder Jaime und Cersei gesehen hat. Cersei hat das mir gegenüber genauso zugegeben wie den Inzest mit ihrem Bruder.

Noch während er den Brief seines Vaters las, hörte er Schritte im Gang. Kurz darauf klopfte es an der Tür und sein Knappe Olyvar Frey schaute herein: "Mylord, ich habe wie befohlen Eure Mutter verständigt!" Der Junge machte die Tür weit auf und Lady Catelyn trat ein.

"Du hast einen Brief von Ned bekommen?", fragte sie, während der Knappe die Tür von außen wieder schloss. Robb reichte seiner Mutter den Brief.

"Arya!", rief sie erleichtert, während sie auf den Brief schaute. Doch ihr Lächeln schwand, als sie weiterlas.

"Mutter, warum bekommen wir keine Hilfe von Tante Lysa?", fragte Robb. "Ihre Heimat, das Land ihres Vaters, wird angegriffen und sie reagiert nicht auf unsere Raben!"

Seine Mutter seufzte. "Ich fürchte, Lysa denkt nur noch an sich und ihren Sohn. Diese Närrin kümmert sich nicht darum, was mit dem Land ihres Vaters geschieht. Robb, als ich Hohenehr verlassen habe, bin ich nach einem heftigen Streit mit Lysa gegangen. Sie schien mir nicht mehr bei klarem Verstand zu sein! Aber dass solltest du so nicht dem König schreiben."

"Schon gut!", stöhnte Robb. "Aber dass sie selbstsüchtig und treulos ist, werde ich ihm sehr wohl schreiben!"

"Robb, die Sache mit Jamie Lannister und Bran…", begann Lady Catelyn.

"Ach, der verfluchte Königsmörder! Für das, was er Bran angetan hat, würde ich ihn gerne am nächsten Baum aufknüpfen oder Rickard Karstarks Rache überlassen, wenn ich könnte. Aber sie haben Sansa! Deswegen hat Vater befohlen, dass er am Leben bleiben muss. Zumindest werde ich ihm einen Besuch abstatten!" Er stand auf.

"Robb, sei vorsichtig!", bat seine Mutter. "Ned hat dich vor ihm gewarnt! Ich... komme mit."

Das hatte ich befürchtet. "Wie du willst! Aber überlasse mir das Reden! Komm, Grauwind!" Der Schattenwolf erhob sich und folgte seinem Herren.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Robb und seine Mutter verließen die Kammer und stiegen die Treppe hinab. Sie gingen tief hinunter in die Verliese von Schnellwasser. Dort saß in einer Zelle Jaime Lannister, der Königsmörder. Seine Arme und Beine waren festgekettet.

Als Robb mit seiner Mutter und dem Schattenwolf ankam, befahl er der Wache: "Öffnet die Tür und lasst uns alleine!" Der Wächter führte den Befehl aus und trat weg.

Jamie Lannister schaute auf die Besucher und spottete: "Schau an, der junge Wolf beehrt mich! Traut Ihr Euch nicht alleine zu mir, Knabe, dass Ihr Eure Mama und Euer Schoßtier mitgebracht habt?"

Robb spürte den Zorn in sich aufsteigen doch er sagte nichts.

"Oh, stört es Euch, wenn ich Euch Knabe nenne?", fuhr Lannister in hämischen Ton fort. "Habe ich Euch beleidigt, Stark?"

"Ihr beleidigt Euch selbst, Königsmörder!", erwiderte Robb. "Ihr seid von einem Knaben besiegt worden, Ihr werdet von einem Knaben gefangen gehalten. Und vielleicht werdet Ihr von einem Knaben getötet. Wir haben von König Stannis Baratheon die Wahrheit über Euch und Eure Schwester erfahren. König Joffrey Baratheon ist weder ein wahrer König noch ein wahrer Baratheon. Er, das Mädchen Myrcella und der Knabe Tommen sind allesamt Eure Bastarde!"

Der Königsmörder verzog keine Miene. "Stannis behauptet das? Wie praktisch für ihn, denn wenn das stimmte, dann wäre er der rechtmäßige König."

"Stannis ist unser rechtmäßiger König!", stieß Robb hervor. "Ich habe ihm die Treue geschworen! Und Ihr seid nicht nur ein Königsmörder und Blutschänder, nein, Ihr habt auch meinen Bruder aus dem Fenster gestoßen, weil er Euch mit der Königin gesehen hat!"

"Habt Ihr auch Beweise?", fragte Lannister trotzig. "Oder verbreitet Ihr nur Klatsch wie die Fischweiber?"

"Mein Vater hat die Wahrheit herausgefunden. Euer Sohn wollte ihn hinrichten lassen, damit die Welt nicht erfährt, wer ihn gezeugt hat. Aber das konnte verhindert werden, denn die Götter selbst haben ihre Krieger zur Rettung von Eddard Stark geschickt! Mein Hoher Vater lebt und ist die Hand des rechtmäßigen Königs in Drachenstein. Und bald wird es in allen sieben Königslanden bekannt werden, dass Ihr Joffreys Erzeuger seid."

"Ach, und wie hat Ned Stark diese angebliche Wahrheit herausgefunden?" In Lannisters Stimme schwang neben Trotz nun auch Wut mit. "Hat er mich und Cersei etwa beobachtet?"

"Eure Schwester hat es ihm gesagt." Robb sprach ganz ruhig und verspürte eine gewisse Genugtuung, als Lannister auf einmal sprachlos war.

"Ihr leugnet nicht, was Ihr meinem kleinen Jungen angetan habt?", rief Lady Catelyn. "Ihr seid ein Mann ohne Ehre! Ihr seid ein Monster!" Sie schritt an Robb vorbei und wäre auf Lannister losgegangen, wenn Robb sie nicht festgehalten hätte.

"Mutter!", stöhnte Robb. "Lass das! Wir gehen jetzt!"

Lannister fand seine Fassung wieder und spottete: "Lady Stark, Ihr seid ja eine echte Wölfin geworden mit den Jahren, viel von der Forelle habt Ihr nicht mehr."

"Der Spott wird Euch schon noch vergehen, Lannister!", drohte Robb. "Ihr werdet Eure gerechte Strafe erhalten!" Noch während Robb zum Königsmörder sprach, schlich Grauwind auf Lannister zu. Der Schattenwolf knurrte und fletschte seine Zähne, so dass der Gefangene es vorzog, zu schweigen statt noch eine hämische Bemerkung zu machen.

"Zu mir, Grauwind!", befahl Robb und rief die Wache, damit die Zelle aufs Neue zugesperrt wurde, nachdem der Schattenwolf wieder bei seinem Herrn war.

Robb ging mit Lady Catelyn hinaus. "Mutter, was hattest du eben vor?", fragte er nicht ohne Ärger. "Ich nehme mal nicht an, dass du wie Lord Karstark den Königsmörder umbringen willst."

"Ich.. ich weiß es nicht, Robb", antwortete Lady Catelyn verlegen. "Ich war einfach nur wütend auf diesen Unmenschen. Ich weiß doch, dass wir ihn lebend brauchen, wegen Sansa. Was tun wir, um sie frei zu bekommen?"

Robb atmete tief durch. "Das müssen der König und Vater entscheiden. Mutter, möchtest du nicht zu den Zwillingen reisen? Dort wärest du weiter von den Kämpfen entfernt und du könntest die Töchter von Lord Frey kennenlernen und eine für mich als Braut auswählen. Danach könntest du nach Winterfell zurückkehren. Bran und Rickon brauchen dich!"

"Nein, Robb!", sagte sie entschieden. "Du bist mit bald Siebzehn alt genug, um dich selbst für eines von Lord Walders Mädchen zu entscheiden. Außerdem bleibt meinem Hohen Vater nur noch kurze Zeit. Solange dein Großvater lebt, ist mein Platz hier bei ihm in Schnellwasser."

"Schon gut", seufzte Robb. "Ich brauche etwas frische Luft. Guten Tag, Mutter. Grauwind, komm!" Er ließ seine verdutzte Mutter stehen und ging rasch fort. Der Schattenwolf trottete hinter ihm her.

Robb ging in den Götterwald und dachte nach. Würde Mutter auch bei Großvater bleiben wollen, wenn Sansa in Sicherheit wäre? Mir wäre es lieber, sie wäre weit weg vom Krieg. Er blickte zum Himmel und sah den roten Kometen. Ein Zeichen des Krieges. Es wird noch sehr viel Blut vergossen werden.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Tyrion I

Der Empfang durch den Kleinen Rat war genauso ausgefallen, wie Tyrion es erwartet hatte. Varys, Janos Slynt, Petyr Baelish und Maester Pycelle hatten sich höflich gegeben, als er den Brief seines Vaters überreicht hatte. Nur Tyrions ach so entzückende Schwester Cersei hatte ihre Abscheu nicht verhehlt. Sie hatte erwartet, dass Lord Tywin mit seiner Streitmacht anrücken würde. Stattdessen war Tyrion mit ein paar hundert Männern gekommen, um an seines Vaters Stelle das Amt der Hand des Königs auszuüben. Schließlich schickte Tyrion die Berater höflich hinaus, um unter vier Augen mit Cersei zu sprechen.

Kaum waren sie alleine, ließ Cersei ihrem Ärger freien Lauf. "Hat Vater den Verstand verloren? Oder hast du den Brief gefälscht? Warum hat er mich mit dir gestraft? Ich wollte, dass er selbst kommt." Sie zerknüllte Lord Tywins Schreiben. "Ich bin Joffreys Regentin, und ich habe ihm einen königlichen Befehl geschickt."

"Und er hat ihn ignoriert", meinte Tyrion. "Trotz deiner dramatischen Meldung von einer von Stannis angeheuerten ausländischen Flotte in der Schwarzwasserbucht, die angeblich Königsmund jederzeit angreifen könnte. Wie mir scheint, hat sie immer noch nicht angegriffen." Er hatte vernommen, dass sich die fremden Schiffe nach Drachenstein zurückgezogen hätten.

Cersei schnaubte vor Wut. "Ich könnte diesen Brief als Fälschung bezeichnen und dich in den Kerker werfen lassen! Das kann niemand ignorieren!"

"Niemand", stimmte Tyrion zu, "am wenigsten unser Vater mit seinem großen Heer. Aber warum willst du mich in die Verliese bringen lassen, süße Schwester, wo ich doch den ganzen weiten Weg auf mich genommen habe, um dir zu helfen?"

"Ich habe nicht um deine Hilfe gebeten, sondern Vater befohlen, herzukommen."

"Ja", sagte er leise, "aber eigentlich wolltest du Jaime."

Tyrion sah in Cerseis Gesicht neben Zorn auch Angst und Verzweiflung. "Jaime…"

"…ist genauso mein Bruder wie deiner", unterbrach Tyrion sie. "Unterstütze mich und ich verspreche dir, wir werden Jaime befreien."

"Und wie?", verlangte Cersei zu wissen. "Eddard Stark wird wohl kaum vergessen, dass wir versucht haben, ihn zu köpfen. Es heißt, dass er jetzt die Hand von Stannis sei, der sich auch zum König ausgerufen haben soll. Das wird das Verhandeln um Jaime nicht einfacher machen."

"Das ist wohl so", stimmte Tyrion zu, "aber immerhin hast du noch Lord Stark ältere Tochter. Ich habe Sansa draußen bei Joffrey gesehen. Aber wie konnte die jüngere Tochter entkommen?"

"Ich habe Meryn Trant befohlen, sie zu ergreifen, als Robert starb, aber ihr verfluchter Tanzmeister hat sich eingemischt, und sie konnte fliehen. Sie hat sich in der Stadt versteckt und ist gerade dann wieder aufgetaucht, als diese fremden Söldner ihren Vater befreit haben. Sie wurde gesehen, wie sie mit Lord Eddard zusammen weggebracht wurde."

Dass Arya mit ihrem Vater geflohen war, hatte Tyrion noch nicht gewusst, dennoch ging er davon aus, dass ein Mädchen genügen würde. "Was hältst du von unseren Freunden im Rat? Bist du ihrer Loyalität sicher? Vertraust du ihnen?"

"Ich vertraue niemandem", fauchte Cersei. "Ich brauche sie. Warum fragst du?"

"Vater scheint ihnen auch nicht zu vertrauen. Er weiß, dass die kurze Herrschaft deines Sohnes eine einzige Folge von Torheiten und Katastrophen war. Aus diesem Grund nimmt er an, jemand würde Joffrey schlecht beraten."

Cersei blickte ihn forschend an. "Joffrey mangelt es nicht an gutem Rat. Er war schon immer sehr eigenwillig. Jetzt, als König, glaubt er, tun zu können, was er will, und nicht, was man ihm sagt."

"Kronen stellen seltsame Dinge mit den Köpfen darunter an", pflichtete Tyrion ihr bei. "War es seine Idee, Eddard Stark köpfen zu lassen?"

Die Königin verzog das Gesicht. "Man hat ihn angewiesen, Stark zu begnadigen und das Schwarz anlegen zu lassen. Der Mann wäre damit keine Gefahr mehr gewesen und wir hätten uns friedlich mit seinem Sohn einigen können; Joff hingegen wollte dem Pöbel eine bessere Vorstellung bieten. Was hätte ich tun sollen? Er hat vor der halben Stadt Lord Eddards Tod gefordert. Und Janos Slynt und Ser Ilyn schritten sogleich zur Tat und hätten sie auch ausgeführt, wenn nicht auf einmal diese Söldner eingegriffen und Ilyn Payn getötet hätten. Ich bin mir völlig sicher, dass Stannis sie geschickt hat!" Sie ballte die rechte Hand zur Faust.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Das ist wahrscheinlich", stimmte Tyrion zu, "da sie Lord Eddard nach Drachenstein gebracht haben. Und kurze Zeit später haben seine Leute Stannis die Treue geschworen. Doch darauf wäre es wohl auch hinausgelaufen, wenn Ilyn Payn seine Tat vollendet hätte. Und dieser Lord Slynt hat sich also daran beteiligt? Aber andererseits war er unfähig, mit seinen Goldröcken diese Fremden aufzuhalten, die ohne Verluste in die Stadt eindringen und mit Lord Stark entkommen konnten. Das hat uns dieses unsinnige Gerede über von den Göttern geschickte Retter eingebrockt. Wessen Idee war es, diesem Versager Harrenhal zu geben und ihn in den Rat zu berufen?"

"Darum hat sich Kleinfinger gekümmert. Wir brauchten Slynts Goldröcke. Eddard Stark hat einen Komplott mit Roberts Brüdern geschmiedet und Lord Stannis öffentlich als rechtmäßigen König bezeichnet. Wir hätten alles verloren, wenn die Goldröcke sich nicht gegen Starks Männer gewandt und sie getötet hätten. Und wir sind dem Unheil nur knapp entgangen. Wäre Sansa nicht zu mir gekommen und hätte mir die Pläne ihres Vaters offenbart…"

Tyrion war überrascht. "Wirklich? Seine eigene Tochter?"

"Das Mädchen war bis über beide Ohren verliebt. Für Joffrey hätte sie alles getan, allerdings nur, bis er befahl, ihrem Vater den Kopf abzuschlagen und das eine Gnade nannte. Damit hatte ihre Liebe ein Ende."

"Seine Gnaden hat eine unnachahmliche Art, die Herzen seiner Untertanen zu gewinnen", sagte Tyrion und lächelte schief. "Wurde Ser Barristan Selmy auch auf Joffreys Wunsch aus der Königsgarde entlassen?"

Cersei seufzte. "Joff wollte jemandem die Schuld an Roberts Tod geben. Varys hat Ser Barristan vorgeschlagen. Warum auch nicht?"

"Ser Barristan war Lord Kommandant von Roberts Königsgarde", erinnerte Tyrion sie. "Das gemeine Volk spricht über ihn wie über Serwyn vom Spiegelschild und Prinz Aemon den Drachenritter. Was, glaubst du, werden sie erst denken, wenn sie Barristan den Kühnen neben Stannis Baratheon reiten sehen?"

Cersei blickte zur Seite. "Daran habe ich nicht gedacht."

"Vater schon", sagte Tyrion. "Deswegen hat er mich hergeschickt. Um diesen Torheiten ein Ende zu bereiten, damit dein Sohn diesen hässlichen eisernen Stuhl behalten kann."

"Wie willst du das anstellen?", fragte Cersei.

"Zunächst muss ich wissen, wer für welche Dummheit verantwortlich war. Du sagtest, Joffrey wollte Lord Eddard töten, Varys hat Barristan entlassen und Kleinfinger hat uns mit Lord Slynt beschenkt. Wer hat Jon Arryn getötet?"

"Woher sollte ich das wissen?", fauchte Cersei. "Dieser Narr Eddard Stark hat mich verdächtigt. Er deutete an, dass Jon Arryn den Verdacht hegte… oder glaubte…"

"Dass du dich von unserem süßen Jaime stechen ließest?" Sie schlug ihm ins Gesicht.

"Meinst du, ich sei genauso blind wie Vater?" Tyrion rieb sich die Wange. "Mit wem du ins Bett steigst, ist mir gleich, auch wenn es mir ungerecht erscheint, wenn du deine Beine für den einen Bruder breit machst und den anderen nicht." Sie schlug ihm wieder ins Gesicht.

"Gemach, Cersei, ich scherze nur. Mir ist jede anständige Hure lieber als du. Ich habe nie verstanden, was Jaime an dir gefunden hat." Sie schlug ihm zum dritten Mal ins Gesicht.

Seine Wangen schmerzten, trotzdem lächelte er. "Wenn du so fortfährst, werde ich noch wütend."

Sie hielt ein. "Was sollte mich das kümmern?"

"Ich habe ein paar neue Freunde, die dir nicht gefallen werden. Wie hast du Robert umgebracht?"

"Das hat er selbst erledigt. Wir brauchten nur ein wenig nachzuhelfen. Als Lancel sah, dass Robert Keiler jagen wollte, gab er ihm Starkwein. Er verstärkte seinen geliebten herben Roten, bis er dreimal so kräftig war wie gewöhnlich. Dieser stinkende Dummkopf hat ihn genossen. Er hätte jederzeit aufhören können, aber nein, er hat den ersten Schlauch ausgetrunken und ließ sich von Lancel einen zweiten bringen. Der Keiler hat schließlich das Seinige dazu beigetragen. Kein anderes Schwein hat mir je so gemundet. Sein Geschmack war voller Triumph!"

"Wahrlich, Schwester, du bist die geborene Witwe. Nachdem ich jetzt alle mir zustehenden Ohrfeigen erhalten habe, werde ich dich verlassen. Nur eine Bitte habe ich noch: Sorge freundlicherweise dafür, dass der kleinen Sansa Stark kein Leid geschieht. Es wäre nicht gut, wenn wir sie auch noch verlieren. Wir hätten dann niemanden mehr, den wir für Jaime eintauschen könnten."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elphir III

Zögernd klopfte Elphir an die Tür von Melisandres Kammer. "Herein!" rief sie und er trat ein.

Sie war wie immer in Rot gekleidet und stand in der Kammer, die von einigen Kerzen erleuchtet wurde, aber dennoch schummrig war. In der Mitte der Kammer befand sich ein Tisch, auf dem Bücher lagen. "Willkommen, Lord Elphir!", sagte Melisandre.

"Seid gegrüßt, Lady Melisandre!", sagte er langsam, denn noch fühlte er sich nicht ganz sicher in der Gemeinen Zunge von Westeros. Unwillkürlich wanderte sein Blick zum großzügigen Ausschnitt von Melisandres Kleid. Sie war eine sehr schöne, sinnliche Frau.

"Euer Blick sucht, was unter meinem Kleid ist", stellte Melisandre fest. "Vielleicht werdet Ihr es bald sehen."

"Nein danke!", lachte Elphir. "Ich bin ein glücklich verheirateter, treuer Ehemann und Vater von vier Kindern. Jedenfalls bin ich nicht hier, um unter Euer Kleid zu schauen."

"Seid Ihr gekommen, um mir eine gute Nachricht zu bringen?", fragte Melisandre. "Wird sich Euer König endlich mit dem meinen treffen und sich mit ihm verbünden, so dass Stannis sich endlich vor aller Augen zum Herrn des Lichts bekennt?"

"Nein, noch nicht…", antwortete Elphir stockend. "Ich wollte von Euch mehr erfahren über Euren Herrn des Lichts. Ihr sagtet mir bei unserem ersten Treffen, dass er uns in diese Welt geschickt habe. Es ist nur… wir kennen ihn nicht. Jedenfalls nicht unter diesem Namen."

Melisandre blickte ihn prüfend und auch ein wenig enttäuscht an. "Eigentlich hatte ich gehofft, dass Ihr bestätigen würdet, was ich in den Flammen gesehen habe – dass der eine, wahre Gott Euch geschickt hat. Euer Lord Faramir soll zu diesem Greis Cressen etwas von Göttern gesagt haben, die Euch geschickt hätten, aber das kann nicht sein! Es gibt nur einen Gott! Nur der Herr kann Euch das Tor zwischen den Welten geöffnet haben!"

Was ist dir da rausgerutscht, Vetter Faramir? Elphir lief rot an und stammelte: "Vielleicht hat Cressen Faramir falsch verstanden. Wir sind noch nicht so sicher in Eurer Muttersprache…"

"Die Gemeine Zunge ist nicht meine Muttersprache!", unterbrach ihn Melisandre schroff. "Aber ich habe sie schnell gelernt, und Ihr lernt sie ebenso schnell. Lord Elphir, wer hat Euren König in unsere Welt geschickt?"

"Diese Frage kann nur König Elessar beantworten!" Elphir hatte seine Fassung wieder gewonnen. "Und nun erzählt mir vom Herrn des Lichts!"

"Wie Ihr wünscht, Mylord", seufzte sie. "Setzen wir uns!" Sie nahmen am Tisch Platz.

"R’hllor, der Herr des Lichts ist der einzig wahre Gott", begann sie. "All die anderen Götter von Westeros sind nichts weiter als Dämonen; Leibeigene des Großen Anderen."

"Wer ist der Große Andere?", fragte Elphir.

"Der Feind. Der, dessen Name nicht genannt werden darf. So, wie R’hllor für Licht, Wärme und Leben steht, steht der Große Andere für Dunkelheit, Kälte und Tod."

Der, dessen Name nicht genannt werden darf. Das zumindest kam Elphir bekannt vor. In Gondor hatte es vor der Rückkehr des Königs niemand gewagt, den Namen "Sauron" in den Mund zu nehmen. Man hatte stattdessen vom namenlosen Feind gesprochen.

"Seit Anbeginn der Zeit herrscht Krieg zwischen dem Licht und der Finsternis", fuhr Melisandre fort, "und vor tausenden von Jahren lag Dunkelheit über der Welt, bis ein Held, Azor Ahai, das Schwert Lichtbringer schmiedete, mit dem er die Finsternis des Großen Anderen besiegte. Doch die Finsternis kehrt wieder zurück."

Sie hielt inne. Die Finsternis, die vor tausenden von Jahren besiegt wurde, aber dann wiederkehrt. Auch das war Elphir nicht unbekannt. "Habt Ihr davon schon gehört?", fragte sie ihn auf einmal.

"Ja, so etwas Ähnliches, bezogen auf meine Welt", gab Elphir zu. "Aber erzählt bitte weiter!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Wie Ihr wünscht. In den alten Büchern meiner Heimat Asshai steht geschrieben, dass nach einem langen Sommer ein Tag kommen wird, an dem die Sterne bluten und der kalte Odem der Finsternis die Welt umschlingen wird. In dieser Stunde des Schreckens wird ein Krieger ein brennendes Schwert aus dem Feuer ziehen. Und dieses Schwert soll Lichtbringer sein, das Rote Schwert des Helden, und wer es ergreift, ist der wiedergeborene Azor Ahai, und die Dunkelheit wird vor ihm weichen."

"Und wer soll dieser Krieger sein?", fragte Elphir, wobei er ihre Antwort bereits ahnte.

"Stannis Baratheon!", rief Melisandre. "Er ist der Prinz, der verheißen wurde. Ihr werdet bald sehen, wie er das brennende Schwert aus dem Feuer zieht. Um ihm im Kampf gegen die Dunkelheit beizustehen, seid Ihr hier!"

"Das wird wohl so sein…" Elphir wurde nachdenklich.

"Kommt mit, Lord Elphir, wenn die Gläubigen sich heute Abend zum Gebet versammeln!"

"Warum betet Ihr ausgerechnet heute Abend?" Elphir vermutete einen besonderen Anlass für das Gebet, denn in Mittelerde war regelmäßiges Beten unbekannt. Die Menschen Gondors riefen die Valar lediglich in unmittelbarer Gefahr und Bedrängnis um Hilfe an.

"Wir beten bei jedem Sonnenuntergang, damit R’hllor uns beschützt, denn die Nacht ist dunkel und voller Schrecken!"

"Jeden Abend?" Befremdet schüttelte Elphir den Kopf. "Und wo versammelt Ihr Euch?"

"An einem Feuer im Freien", antwortete Melisandre, "noch haben wir hier keinen Roten Tempel."

"Was sind Tempel?", fragte Elphir.

Melisandre griff nach einem der Bücher, die auf dem Tisch lagen und blätterte darin. "Seht, Lord Elphir, das ist der Rote Tempel von Volantis."

Elphir schaute in das Buch – und wurde blass, als er sah, dass in dem Buch ein großes Gebäude abgebildet war. "Ihr….Ihr verehrt Euren Gott in diesen großen Häusern?"

"Ja, gewiss", antwortete Melisandre verwundert. "Gibt es in Eurer Welt keine Tempel?"

"Äh, nein…", stotterte Elphir, "nur heilige Orte ohne Häuser. So etwas wie ein Tempel ist für mich… ungewohnt."

Tatsächlich hatte Elphir vor Jahren schon einmal in einem Buch über die Geschichte Númenórs das Bild eines Tempels gesehen – des großen Tempels, den Sauron zur Verehrung von Morgoth in Armenelos, der Hauptstadt Númenórs, errichtet hatte. In dem Tempel hatte Sauron Nimloth, den Weißen Baum, verbrannt und Morgoth Menschen geopfert. Der Tempel war beim Untergang Númenórs vernichtet worden, doch das Bild eines solchen Hauses war für Gondorianer mit düsteren Erinnerungen verknüpft, da sie diese Bauwerke mit der Verehrung des Bösen in Verbindung brachten. Jetzt dämmerte ihm auch, welchen Zweck jenes große Gebäude in der Hauptstadt hatte, zu dem Faramir mit seinen Männern gegangen war.

"Was macht Ihr in den Tempeln", fragte Elphir vorsichtig nach, "nur beten?"

"In den Tempeln des Herrn entzünden wir große Feuer. In diesen heiligen Feuern opfern wir dem Herren und durch den Blick ins Feuer sehen wir Dinge, die waren, und Dinge, die noch passieren können."

"Ihr bringt in dem Tempel Feueropfer dar?" Elphir fand das entsetzlich. Er fühlte sich in der Gegenwart Melisandres zunehmend unwohl.

"Ja, Mylord. Missfällt Euch das etwa?"

"Bei uns gibt es so etwas nicht!" Eigentlich wollte er gehen, doch er musste noch mehr erfahren. "Aber bitte, erzählt mir doch noch mehr vom Herrn des Lichts!"

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Hisimir

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Uhh jetzt wird es spannend
Bin mal sehr gespannt, wie du den Religionskonflikt löst.
GRRM lässt ja immer ziemlich offen, welche von denen jetzt stimmen, also welche Religionen wahrhaftige Götter anbeten. Die Macht der Wehrholzbäume und der dreiäugigen Krähe legen ja nahe, dass zumindestens die alten Götter, nicht machtlos sind und existieren.
Von den 7 kriegt man nichts wunderliches mit. Und R'hllor kann Menschen wiederbeleben.
Aber was ist jetzt die Wahrheit? Gibt es überhaupt eine?
Sehr spannendes Thema, find ich super, wie du das angehst.
Die Parallen zu Saurons Morgoth Kult in Numenor, sind mir vorher gar nicht aufgefallen.
Du schreibst das Klasse

Ehre das Gimp!
Kugelsicherer Pfadpfinder ~~ 아미
화이팅
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Hisimir]

Vielen herzlichen Dank, Hisimir!
Hisimir schrieb:
GRRM lässt ja immer ziemlich offen, welche von denen jetzt stimmen, also welche Religionen wahrhaftige Götter anbeten. Die Macht der Wehrholzbäume und der dreiäugigen Krähe legen ja nahe, dass zumindestens die alten Götter, nicht machtlos sind und existieren.
Von den 7 kriegt man nichts wunderliches mit. Und R'hllor kann Menschen wiederbeleben.
Aber was ist jetzt die Wahrheit? Gibt es überhaupt eine?

Bei GRRM eher nicht; er hat sich vor einigen Jahren in einem Interview dazu geäußert:
In Bezug auf:
Well, the readers are certainly free to wonder about the validity of these religions, the truth of these religions, and the teachings of these religions. I'm a little leery of the word "true" — whether any of these religions are more true than others. I mean, look at the analogue of our real world. We have many religions too. Are some of them more true than others? I don't think any gods are likely to be showing up in Westeros, any more than they already do. We're not going to have one appearing, deus ex machina, to affect the outcomes of things, no matter how hard anyone prays. So the relation between the religions and the various magics that some people have here is something that the reader can try to puzzle out.

Das unterscheidet Martin sehr deutlich von Tolkien, bei dem es ein ganz wesentlicher Bestandteil seines Werkes ist, dass die Welt von Eru geschaffen und von den Valar geformt wurde und dass Valar und Maiar den Kindern Erus leibhaftig begegnen.

Für Menschen aus Mittelerde sind die konkurrierenden Religionen von Westeros ziemlich verwirrend; wenn dann auch noch Tempel und Brandopfer erwähnt werden, wird das für Elphir, einen Nachfahren der Getreuen Númenórer, aufgrund der bösen Assoziationen zu einem starken "Kulturschock".

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Hisimir

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Okay, das Interview kannte ich nicht, ich hab jetzt nur aus meinem Wissen aus den Büchern interpretiert.
Also danke
Mir gefallen beide Ansätze gut.
Ich freu mich schon wieder auf nächsten Samstagabend

Ehre das Gimp!
Kugelsicherer Pfadpfinder ~~ 아미
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Hisimir]

Hisimir schrieb:
Ich freu mich schon wieder auf nächsten Samstagabend

Heute Abend bin ich beim Stammtisch, daher gibt es das nächste Kapitel (mit einem neuen POV-Charakter) am Sonntag.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Gendry I

Je weiter die vom alten Yoren angeführte Gruppe von etwa dreißig neuen Rekruten für die Nachtwache nach Norden kam, desto öfter gab es Hinweise auf den Krieg zu sehen: Frische Gräber und Menschen, die in großer Anzahl auf dem Königsweg nach Süden flohen und sie vor den Kämpfen in den Flusslanden warnten. Bald gab es auch unter den Rekruten einen Todesfall: Praed, der ständig gehustet hatte, fiel allerdings nicht im Kampf, sondern wurde von seiner Krankheit dahingerafft. Sie begruben ihn am Straßenrand. Gendry erhielt von Yoren Praeds Schwert und fragte sich mit einigem Bangen, ob er auch bald in einem Grab am Straßenrand enden würde.

Eines Abends hielten sie in einem Dorf mit einem alten Gasthaus. Yorens Geld reichte für eine warme Mahlzeit für alle, außerdem durften sie das Badehaus benutzen. Gendry nahm das Angebot eines Bades nur allzu gerne an und war froh, den Schmutz der vergangenen Wochen wegzuwaschen. Nach dem Bad begab er sich in die Gaststube und genoss mit den anderen die warme Pastete mit Schweinefleisch und die Bratäpfel. Der Wirt spendierte ihnen dazu eine Runde Bier, da er einen Bruder bei der Nachtwache hatte.

Während Gendry das Bier trank, lauschte er ein wenig den Gesprächen in der Gaststube. In den meisten ging es um den Krieg. "Ihr werdet bald wieder auf dem Rückweg sein", meinte der Wirt zu Yoren. "Nach Norden gibt es kein Durchkommen. Die Hälfte aller Felder ist abgebrannt, und wer sich dort oben noch herumtreibt, hat sich hinter die Mauern der Burgen verkrochen."

"Uns kann das gleichgültig sein", beharrte Yoren stur. "Tully oder Lannister, welche Rolle spielt das schon? Die Nachtwache ergreift für niemanden Partei."

"Es geht um mehr als nur um Lannister oder Tully", erwiderte der Wirt. "Aus den Mondbergen sind die Wilden heruntergekommen, und denen könnt ihr mal erzählen, dass Ihr keine Partei ergreift. Und die Starks haben sich auch eingemischt und sich mit den Tullys der Rebellion von Stannis Baratheon angeschlossen, nachdem diese geheimnisvollen Fremden Lord Stark im letzten Moment das Leben gerettet und nach Drachenstein gebracht haben. Es heißt, die Götter hätten ihre Krieger geschickt, um Eddard Stark zu retten. Sein Sohn hat überdies Jaime Lannister besiegt und gefangen genommen."

"Ich habe gehört, der Junge reitet auf einem Wolf in die Schlacht", behauptete ein Kerl mit gelblichem Haar.

"Törichtes Gerede." Yoren spuckte aus.

"Der Mann, der es mir erzählt hat, will es mit eigenen Augen gesehen haben. Ein Wolf, so groß wie ein Pferd, hat er geschworen."

"Wegen eines Schwurs muss es noch lange nicht wahr sein, Hod", entgegnete der Wirt. "Du schwörst ständig, deine Schulden bei mir zu begleichen, und ich habe noch kein einziges Kupferstück gesehen." Die anderen Gäste brachen in schallendes Gelächter aus, während dem Kerl die Röte ins Gesicht stieg. Gendry lachte mit, doch die folgenden Gespräche über Schauergeschichten um angeblich menschenfressende Wölfe fand er bald langweilig. Er trank sein Bier aus und verließ die Gaststube.

"Junge!", rief jemand, als er draußen war. Die Stimme kam aus dem Wagen, in dem die drei Gefangenen aus den Schwarzen Zellen eingesperrt waren, die ebenfalls in die Nachtwache aufgenommen werden sollten.

Gendry blieb stehen und schaute vorsichtig zum Wagen. Er fürchtete sich vor den drei Kerlen, denn er hatte gehört, dass nur die schlimmsten Verbrecher in den Schwarzen Zellen eingesperrt wurden.

Der Gefangene hob den leeren Krug. "Ein Mann könnte noch einen Schluck Bier vertragen. Ein Mann bekommt ganz schön Durst, wenn er gefesselt ist." Er war der jüngste der drei, schlank, mit feinen Gesichtszügen und einem Lächeln auf den Lippen. "Und ein Bad könnte ein Mann auch vertragen", fügte er hinzu, als er Gendrys misstrauischen Blick bemerkte. "Und ein Junge könnte einen Freund gewinnen."

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Ich habe bereits Freunde", entgegnete Gendry. Tatsächlich verstand er sich mittlerweile recht gut mit einigen der älteren Rekruten und auch den meisten Waisenjungen, selbst mit Lommy Grünhand und Heiße Pastete, die er anfangs wegen ihrer kindischen Angeberei als ziemlich lästig empfunden hatte.

"Vielleicht, aber ich sehe keine!", rief der zweite Gefangene, ein gedrungener, dicker Kerl ohne Nase. Der dritte Gefangene, ein hässlicher Glatzkopf, zischte durch die Zähne. Erschrocken wich Gendry von dem Wagen zurück.

"In den Schwarzen Zellen kann sich ein Mann seine Gesellschaft nicht aussuchen", sagte der gut aussehende Gefangene. "Diese beiden haben keine Manieren. Ein Mann bitte um Verzeihung. Du heißt Gendry, nicht wahr?"

"Bulle!", warf der Nasenlose ein. "Oder doch eher Ochse?"

"Ein Mann muss sich seiner Gefährten schämen", sagte der gut Aussehende. "Mit Stolz trägt dieser Mann den Namen Jaqen H’ghar. Ein Mann war einst in der freien Stadt Lorath heimisch. Die ungehobelten Gefährten, die mit einem Mann das Schicksal der Gefangenschaft teilen, heißen Rorge" – er deutete mit dem Krug auf den Nasenlosen – "und Beißer. Er kann nicht sprechen und nicht schreiben, aber seine Zähne sind scharf, deshalb nennt ein Mann ihn Beißer." Beißer zischte erneut und fletschte seine Zähne.

"Hol‘ uns Bier, du dummer Ochse!", schrie Rorge.

"Nein, bestimmt nicht!", erwiderte Gendry ängstlich. Rorge warf fluchend seinen Bierkrug nach ihm. Gendry konnte ausweichen und entfernte sich vom Wagen.

Er ging wieder zurück in Richtung des Gasthauses, blieb aber wie angewurzelt stehen, als er sah, dass sechs Soldaten herangeritten kamen. Die schwarzen Kettenhemden und die goldenen Umhänge waren ihm gut bekannt. Goldröcke. Was wollen die hier? Einer von ihnen war ein Offizier; Gendry erkannte dies an der Verzierung des Brustpanzers; hatte er doch selbst so manches Mal solche Panzer geschmiedet. Die Goldröcke ritten auf Yorens Schützlinge zu, die noch vor dem Badehaus anstanden, und hielten an.

"Ihr Männer", rief der Offizier, "Seid ihr die, die das Schwarz anlegen werden?"

"Schon möglich", antwortete jemand vorsichtig. Ein anderer Rekrut ging ins Gasthaus, um Yoren zu verständigen.

Reysen, der Älteste unter den Rekruten, meinte: "Wir würden uns lieber euch anschließen. An der Mauer soll es kalt sein."

Der Offizier stieg ab. "Ich habe hier einen Haftbefehl für einen bestimmten Jungen."

Yoren kam aus dem Gasthaus und trat zu dem Offizier. "Wer will den Jungen haben?"

Die anderen Stadtwachen stiegen ebenfalls ab. "Die Königin will ihn haben, alter Mann, auch wenn es Euch nichts angeht", antwortete der Offizier und zog eine Rolle mit einem Wachssiegel aus dem Gürtel. "Hier, das Siegel Ihrer Gnaden und die Vollmacht."

Yoren befingerte das goldene Siegelwachs auf der Vollmacht. Er schüttelte den Kopf. "Die Sache ist die: Der Junge gehört jetzt zur Nachtwache. Was er in der Stadt angestellt hat, hat keine Bedeutung mehr. So ist das Gesetz."

"Ach ja?", rief der Offizier. "Das sieht die Königin anders. Rückt den Jungen heraus!" Er zog sein Schwert. Yoren zog darauf das seine.

Der Offizier grinste hämisch. "Alter Narr, ich habe fünf Männer bei mir."

"Und ich habe dreißig!", erwiderte Yoren.

Der Goldrock lachte. "Dieser Haufen? Die meisten haben nicht einmal richtige Waffen. Heda, Knabe, steck die Klinge ein!" Er zeigte mit seinem Schwert auf Gendry, der seine Waffe zog.

Doch es erwies sich als Fehler, Yoren für einen Moment aus den Augen zu lassen. Im Nu hatte er dem Goldrock das Schwert an die Kehle gedrückt. "Ihr bekommt niemanden, solange Euch ein unversehrter Hals lieb ist! Lasst Euer Schwert fallen, steigt auf Euer Pferd und galoppiert zurück in Eure Stadt! Sofort!"

Der Offizier ließ das Schwert fallen. "Das werden wir behalten", sagte Yoren. "Guter Stahl wird auf der Mauer immer gebraucht."

"Wie Ihr sagt. Fürs erste jedenfalls. Männer!" Die anderen Goldröcke schoben ihre Waffen in die Scheiden und stiegen auf. Als der Offizier auf seinem Pferd saß rief er noch: "Wir suchen einen Knaben namens Gendry. Sein Helm hat die Form eines Stierkopfs. Wer ihn ausliefert, erhält eine königliche Belohnung. Wir kommen mit mehr Männern wieder. Und dann nehme ich Euren Kopf mit – zusammen mit dem Bastardjungen!" Die Stadtwachen ritten davon.

Gendry blickte ihnen wie vom Donner gerührt und mit zitternden Knien nach. Warum hat es die Königin auf mich abgesehen?

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Robb III

Hoster Tully, Lord von Schnellwasser, lag in seinem Bett und schlief, als seine Tochter, sein Enkel und dessen Schattenwolf eintraten. Sein Haar und sein Bart waren weiß wie das Federbett und seine einst stattliche Gestalt wirkte klein und zerbrechlich. Lady Catelyn und Robb standen schweigend neben dem Bett. Grauwind winselte ab und zu traurig. Robb hatte bei früheren Besuchen schon erlebt, dass sein Großvater wach war und gesprochen hatte, doch seine Worte ergaben wenig Sinn – Lord Hoster hatte zu Menschen gesprochen, die längst tot waren, einmal hatte er Lady Catelyn beim Namen ihrer Mutter genannt.

Nach einer Weile öffnete sich die Tür und Theon Graufreud schaute herein. "Verzeiht die Störung", sagte er. "Robb, Ser Brynden ist zurück und wartet unten. Er bat mich, dich zuerst zu benachrichtigen."

"Gut, führe mich zu ihm, Theon!", bat Robb. "Kommst du mit, Mutter?" Lady Catelyn nickte. Sie verließen Lord Hosters Gemach und schritten den Turm hinab zum Hof. Der Schwarzfisch kam ihnen von den Stallungen entgegen.

"Großonkel!", rief Robb. "Welche Neuigkeiten gibt es?" Sie schritten in den Götterwald: Robb, seine Mutter und sein Großonkel gingen voran, Theon folgte ihnen.

"Die ganzen Flusslande werden mit Blut und Feuer überschwemmt", antwortete der Schwarzfisch düster. "Die Kämpfe haben sich im Süden bis zum Schwarzwasser, im Norden über den Trident bis fast zu den Zwillingen ausgedehnt. Marq Peiper und Karyl Vanke haben ein paar kleine Siege errungen, und dieser Lord aus dem Süden, Beric Dondarrion, jagt die Plünderer, fällt über Lord Tywins Banditen her und zieht sich rasch wieder in die Wälder zurück."

"Einige von Neds Gardisten aus Königsmund sind bei diesem Lord Beric", erinnerte sich Lady Catelyn. "Mögen die Götter sie beschützen."

"Dondarrion und dieser Rote Priester sind schlau genug, sich nicht erwischen zu lassen", fuhr Ser Brynden fort, "aber über die Flusslords hört man traurige Dinge. Edmure hätte sie nie ziehen lassen dürfen. Wie Wachteln haben sie sich verteilt, jeder wollte sein eigenes Land verteidigen, aber das war unglaublich töricht. Jonos Bracken wurde verwundet, sein Neffe Hendry ist gefallen. Tytos Schwarzhain hat die Lannisters aus seinem Land vertrieben, aber sie haben jedes Vieh und sämtliche Getreidevorräte mitgenommen, so dass er nur noch Burg Rabenbaum und ein verbranntes Ödland sein Eigen nennen darf. Die Leute von Darry konnten die Festung ihres Lords zurückerobern, konnten sie jedoch nur zwei Wochen halten, bevor Gregor Clegane über sie hergefallen ist und alle niedergemacht hat, sogar den Lord."

Robbs Mutter war entsetzt. "Darry war doch noch ein Kind!"

"Ja, und der Letzte seines Geschlechts. Der Junge hätte ein hübsches Lösegeld erbracht, aber Gold bedeutet einer solchen Bestie wie Gregor Clegane nichts."

"Clegane ist lediglich Lord Tywins Handlanger", knurrte Robb. "Der Lord von Casterlystein ist der eigentliche Feind."

"Nur allzu wahr", stimmte Ser Brynden zu. "Und Tywin Lannister ist kein Narr. Er sitzt sicher in den Mauern von Harrenhal, lässt sein Heer sich an unserer Ernte gütlich tun und brennt nieder, was er selbst nicht braucht. Gregor Clegane ist nicht der einzige Hund, den er von der Leine gelassen hat. Ser Amory Lorch ist ebenfalls aufs Schlachtfeld gezogen, und irgendein Söldner aus Qohor, der einen Mann lieber verstümmelt als tötet. Ich habe gesehen, was sie zurücklassen. Ganze Dörfer werden niedergebrannt, Frauen vergewaltigt und grausam verstümmelt, ermordete Kinder werden nicht begraben und locken Wölfe und wilde Hunde an."

"Das ist abscheulich!", rief Robb empört.

"Edmure wird toben, wenn er davon erfährt!", seufzte Lady Catelyn.

Der Schwarzfisch nickte. "Genau, das liegt in Lord Tywins Absicht. Er will uns reizen und zur Schlacht herausfordern! Ihm würde es gefallen, den Kampf auf einem Feld auszutragen, das er selbst bestimmt. Er möchte, dass wir nach Harrenhal marschieren."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Und du meinst, das wäre ein Fehler?", fragte Robb seinen Großonkel. "Wir müssen doch etwas unternehmen!"

"Ja, es wäre ein Fehler!", antwortete der Schwarzfisch. "Meine erste Regel im Krieg lautet: Erfülle dem Feind niemals seine Wünsche! Dennoch müssen wir etwas unternehmen. Das Schlimmste habe ich noch nicht erzählt. Unsere Kundschafter im Westen haben berichtet, dass sich bei Casterlystein ein neues Heer versammelt."

Diese Nachricht war für Robb wie ein Schlag in die Magengrube. "Wer wird das Heer befehligen?", stöhnte er.

"Ser Steffert Lannister, ein Bruder von Lord Tywins verstorbener Gemahlin. Er ist ein dummer, alter Mann, doch sein Sohn, Ser Dawen, ist durchaus ernst zu nehmen."

"Mit welchen Männern wollen Vater und Sohn ein neues Heer aufstellen?", fragte Robb.

"Mit Söldnern, freien Rittern und grünen Jungen, die noch nicht reif für eine Schlacht sind und noch gedrillt werden müssen. Es bleibt also noch Zeit, bis wir uns ihnen stellen müssen."

"Nein, wir werden nicht auf sie warten!", entschied Robb. "Wir werden hier nicht untätig herumsitzen, sondern mit den Nordmännern diesem neuen Heer entgegenreiten und in die Westlande einfallen! Dann werden wir sehen, ob Lord Tywin noch in Harrenhal bleibt, wenn wir seine Heimat bedrohen und den Krieg bis vor die Tore von Casterlystein und Lannisport bringen!"

"Du willst mit so wenigen Männern in die Westlande einfallen?", rief seine Mutter erschrocken. "Das ist sehr gefährlich!"

"Viel muss im Krieg gewagt werden!", erwiderte Robb. "Und wenn ich Ser Brynden richtig verstehe, wäre ein Angriff auf die Westlande weniger gefährlich als ein Angriff auf Harrenhal."

"Entschuldigung", meldete sich Theon, der bisher geschwiegen hatte, zu Wort, "aber wenn wir Casterlystein und Lannisport nicht nur angreifen, sondern auch erobern wollen, brauchen wir Schiffe. Mein Vater hat Schiffe und Männer, die sie zu steuern wissen."

"Männer, die meinen Vater bekämpft und gegen König Robert rebelliert haben", sagte Robb. "Warum sollte ausgerechnet dein Vater uns helfen?"

"Ich bin sein einziger lebender Sohn", antwortete Theon. "Er wird auf mich hören, das weiß ich. Schicke mich nach Peik, Robb!"

"Nein, Theon, du gehst nicht nach Peik!", protestierte Lady Catelyn. "Ned würde das nie erlauben! Balon Graufreud ist nicht vertrauenswürdig!"

"Misstraut Ihr mir etwa, Lady Stark?", fragte Theon gekränkt. "Ich bin für Euren Gemahl in die Schlacht gezogen und habe für den Norden gekämpft. Und mein Vater hat nach dem Ende seiner Rebellion den Frieden gewahrt."

"Er hat den Frieden gewahrt, weil du als Geisel in Winterfell warst!", mischte sich der Schwarzfisch ein. "Kehrst du zu ihm zurück, werden er und seine Brüder wieder zu Räubern und Plünderern!"

"Ser Brynden, Ihr beleidigt meine Familie!", schimpfte Theon. "Das lasse ich nicht…"

"RUHE! Ihr Alle!", rief Robb. "Das reicht jetzt! Theon, ich denke nicht, dass ich befugt bin, dich nach Peik zu senden. Das können nur der Lord von Winterfell oder unser König erlauben."

Theon blickte unglücklich drein. "Aber, Robb, ich dachte, wir wären Brüder…"

"Das sind wir!", sagte Robb. "Und ich habe auch noch nicht zu Ende gesprochen. Ich werde König Stannis und Vater über deine Idee informieren und dir ihre Entscheidung mitteilen. Und nun genug davon! Wir haben einen Feldzug vorzubereiten!“

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Die Fanfiction macht jetzt wieder einige Wochen Pause, weil ich noch auf Rückmeldungen meiner Beta-Leser warte. Mit der Veröffentlichung geht es in der zweiten April-Hälfte weiter.

Es wäre schön, wenn in der Zwischenzeit hier einige Kommentare gepostet würden.

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Hisimir

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Im ersten Moment, als deine Fanfiction anfing, dachte ich mir "Jetzt wird alles besser werden. Jetzt wird alles gut." Doch jetzt kommt die Sache mit Theon und den Eiseninseln. Das hatte ich damals völlig verdrängt. Bin sehr gespannt, wie es da weiter geht und was für Konsequenzen diese relativ kleine Änderung der Ereignisse (die Rettung von Ned) haben wird.
Kommt es trotzdem zur roten Hochzeit? Wenn es Robb jetzt in den Westlanden genauso ergeht, wie im Originial, und warum sollte es das nicht, dann gibt es da sicherlich trotzdem Probleme.
Ist natürlich alles nur hätte-wenn-aber, ist ja auch ne fanfiction, aber ich finde es trotzdem spannend, darüber nachzudenken und zu lesen. Also vor allem ein fettes Danke, dass du die hier postest

Ehre das Gimp!
Kugelsicherer Pfadpfinder ~~ 아미
화이팅
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Hisimir]

Danke, Hisimir!
Hisimir schrieb:
Bin sehr gespannt, wie es da weiter geht und was für Konsequenzen diese relativ kleine Änderung der Ereignisse (die Rettung von Ned) haben wird.

Bis jetzt verläuft noch vieles so ähnlich wie im Original - und das wird in einigen Sub-Plots auch noch einige Zeit so bleiben, weshalb ich auch nicht "alles" erzähle und es z.B. bis auf weiteres keine Kapitel mit Daenerys oder Jon geben wird. Doch im Laufe der Zeit wird der Schmetterlings-Effekt sichtbar werden. Neds Rettung hat bereits dazu geführt, dass Robb nicht König des Nordens, sondern ein Gefolgsmann von Stannis wurde - daraus werden sich weitere Konsequenzen ergeben...

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar II

Der König von Arnor und Gondor saß in seiner Kajüte in der Ancalime und wartete auf Faramir und Elphir. Die beiden waren die einzigen Gefolgsleute, die Elessar bislang in die Festung Drachenstein geschickt hatte, auch wenn sich die Soldaten Gondors auf der Insel frei bewegen durften. Auf dem Tisch vor Elessar lag eine Landkarte von Westeros, die Maester Pylos ihm überlassen hatte.

Angespannt blickte er auf die verschlossene Kiste, die an der Wand der Kajüte stand. In ihr befand sich der Palantír von Orthanc. Vor der Abreise hatte Elessar lange überlegt, ob er den letzten brauchbaren sehenden Stein in Mittelerde in die andere Welt mitnehmen sollte. Schließlich entschied er sich dafür. Der Orthanc-Stein hatte sich das eine oder andere Mal als nützlich erwiesen, seit Elessar ihn während des Ringkriegs zum ersten Mal verwendet hatte, um sich Sauron zu offenbaren. Freilich hatte der König im Laufe der Jahre gemerkt, dass die Verwendung des Steins auch ihre Tücken hatte. Der Palantír zeigte als sehender Stein nur Sichtbares und übermittelte keine Geräusche. Das, was der Nutzer des Steins sah, entsprach der Wirklichkeit, doch es konnte zu falschen Schlussfolgerungen verleiten. Daher hatte Elessar den Stein seit der Ankunft in Westeros noch nicht verwendet.

"Soll ich es jetzt wagen?" überlegte er. "Mit Hilfe dieser Landkarte könnte ich den Stein so ausrichten, dass ich nach Königsmund schauen könnte…"

Doch schließlich schüttelte er den Kopf. "Noch ist es viel zu früh. Ich muss noch viel mehr über Westeros erfahren, ehe ich den Stein sinnvoll verwenden kann."

Elessar entspannte sich ein wenig. Kurz darauf trafen sein Truchsess und der Erbe von Dol Amroth ein. Auf ein Zeichen des Königs hin setzten sich die beiden Männer.

"Nun, meine Herren, was habt ihr außer der Gemeinen Zunge in den vergangenen Wochen noch gelernt?", fragte Elessar.

"Ich habe von Maester Cressen so manches über die sieben Götter erfahren", antwortete Faramir, "und von Lord Stark einiges über die alten Götter."

"Mir hat Lady Melisandre vieles über den Herrn des Lichts erzählt", ergänzte Elphir. "Sie meint, es gäbe nur diesen einen Gott und er hätte uns geschickt."

"Genau genommen sind die sieben auch nur einer", erklärte Faramir, "auch wenn sich das ziemlich verwirrend anhört. Ein Gott in sieben Personen: Der Vater, die Mutter, der Schmied, die Jungfrau, der Krieger, das alte Weib und der Fremde."

Elessar zog die Stirn in Falten. "Das ist in der Tat verwirrend. Manwe hat mich freilich schon in meinem Traum darauf hingewiesen, dass die Bewohner dieser Welt die Ainur in anderer Anzahl und auf unterschiedliche Weise verehren würden. Trotzdem, Faramir, konntest du die Valar in den Sieben wiedererkennen?"

"Einige konnte ich ziemlich klar zuordnen, Herr", antwortete Faramir. "Der Schmied ist wohl Aule und der Krieger wohl Tulkas, wobei er auch ein wenig an Orome erinnert. Ansonsten… der Vater ist wohl Manwe. Bei der Mutter bin ich mir nicht sicher, ob sie Varda oder Yavanna ist. Manches an ihr würde auch zu Este passen. Die Jungfrau hat Ähnlichkeit mit Nessa und Vána und das Alte Weib mit Nienna und Vaire. Der Fremde könnte Mandos sein."

"Die Menschen dieser Welt machen sich tatsächlich andere Bilder der Ainur…", meinte der König.

"Sie machen sich im wörtlichen Sinne Bilder!", warf Faramir ein. "Gemalte Bilder und Standbilder! Ich fand das sehr befremdlich. Noch befremdlicher finde ich, dass einige Leute täglich zu den Göttern beten. Geradezu unheimlich war mir, dass sie dies in dafür errichteten Tempeln machen. Sie nennen diese Gebäude Septen. Das große Haus, vor dem Lord Eddard hingerichtet werden sollte, heißt 'Große Septe'. Nur gut, dass ich damals nicht gewusst habe, was das für ein Haus war. Es hätte mich wohl sehr verstört."

"Dann kannst du dir vorstellen, wie ich mich bei Lady Melisandre gefühlt habe", meinte Elphir, "als sie mir das Bild eines Tempels gezeigt hatte. Ich dachte dabei an den bösen Tempel in Númenor und bin ziemlich erschrocken. Noch mehr erschauderte ich, als sie mir von Feueropfern in den Tempeln erzählten."

"Fürwahr, das klingt grauenhaft", stimmte Elessar zu, "und es erinnert an die bösen Riten der götzendienerischen Könige unter Saurons Herrschaft. Wie kommt Lady Melisandre darauf, dass ihr Herr des Lichts uns geschickt hätte?"

"Sie behauptet, es im Feuer gesehen zu haben. Angeblich zeigt ihr Gott in den Feuern Visionen von Dingen, die waren, und Dingen, die passieren können. Und manches von dem, was sie mir erzählte, ergab tatsächlich einen Sinn." Als Elessar dies hörte, dachte er an Frau Galadriel und ihren Spiegel aus Wasser, der auch solche Dinge zeigte. Doch die Herrin hatte auch gewarnt, dass der Spiegel als Führer für Taten gefährlich sei und in die Irre führen könnte. Gilt dies auch für das Feuer von Melisandre?

Elphir berichtete dem König und dem Truchsess, was er von Melisandre über den Großen Anderen, Azor Ahai und das Schwert Lichtbringer gehört hatte. "Ein abscheulicher Feind, dessen Namen nicht genannt wird sowie ein Schwert, mit dem einst die Finsternis besiegt wurde und das wieder erhoben wird, wenn die Finsternis zurückkommt – das kam mir doch sehr bekannt vor!" Elphirs Blick fiel auf Andúril, das Schwert des Königs.

"Das stimmt", räumte Elessar ein. "Aber auch wenn in Gondor Saurons Name nicht genannt wurde, so war er dennoch nur ein Diener und Sendling. Sauron ist nicht der Große Andere, von dem Melisandre spricht. Außerdem frage ich mich, wer der Herr des Lichts tatsächlich ist. Ist es Manwe? Oder etwa der Eine?" Er hielt nachdenklich inne und fragte schließlich: "Elphir, wie steht Melisandre zu den anderen Göttern?"

"Sehr feindselig", seufzte Elphir. "Sie behauptet, alle anderen Götter seien Dämonen im Dienste des Großen Anderen. Sie hat angekündigt, dass sie die Standbilder der Sieben verbrennen möchte, wenn Stannis sich zu ihrem Gott bekennt. Ebenso will sie es später mit den Bäumen der alten Götter machen."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf. "Das wiederum ergibt überhaupt keinen Sinn. Faramir, was hat Lord Stark dir über die alten Götter erzählt?"

"Nur wenig", antwortete Faramir, "er sagte, dass es unzählige Götter in Wald, Fluss und Stein gäbe, deren Namen geheim seien. Sie werden nicht in Tempeln verehrt, sondern in Götterhainen. In diesen Heiligtümern gäbe es weiße Bäume, die Wehrholzbäume genannt werden. Als Lord Stark den Weißen Baum Gondors auf unseren Segeln sah, hielt er ihn für einen solchen Wehrholzbaum. Seine Tochter Arya, die auch die Sieben verehrt, brachte wiederum unsere sieben Sterne mit den sieben Göttern in Verbindung. Sie meint, die alten und die neuen Götter hätten uns geschickt."

"Also haben uns alle zusammen geschickt!", lachte Elphir. "Was erzählen wir den Menschen von Westeros, wenn sie uns danach fragen?"

"Die Wahrheit natürlich", antwortete Elessar. "Und in gewisser Weise haben uns alle zusammen geschickt. Ich denke, allmählich verstehe ich, was Manwe damit gemeint hat, dass die Menschen dieser Welt die Ainur auf unterschiedliche Weise und in anderer Anzahl verehren. Die Verehrung in dieser Welt beruht auf Glauben und nicht auf dem Wissen der Elben wie bei uns. Die Elben sind den Valar tatsächlich begegnet. Doch in den Überlieferungen von Westeros werden nirgends Elben erwähnt, soweit ich weiß."

"Ihr habt Euch schon mit den Überlieferungen befasst?", fragte Faramir.

"Ja, fürwahr. Maester Pylos ist mit mir die Geschichte der Sieben Königslande durchgegangen und hat mir einige Bücher ausgeliehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es fast nur um Menschen geht – Elben, Zwerge und Halblinge werden nirgends genannt. Wobei ich gerade vorhin beim Lesen auf uralte Sagen über menschenähnliche Wesen gestoßen bin. Man nannte sie die Kinder des Waldes."

"Halblinge galten vor nicht allzu langer Zeit in Gondor auch noch als Sagengestalten", warf Faramir ein. "Erst seit dem Ringkrieg wissen wir, dass es sie tatsächlich gibt."

Elessar nickte. "Und möglicherweise werden wir hier ähnliches erleben. Doch zunächst müssen wir uns mit den Menschen und ihrer Geschichte befassen. Ihr solltet diese Bücher auch noch lesen, wobei wir noch mehr über die alten Sagen erfahren müssen, denn diese berichten wohl auch vom wahren Feind, gegen den wir eigentlich kämpfen müssen. Zuvor aber müssen die sieben Königslande unter einer rechtmäßigen Herrschaft vereint werden, was schwer genug werden wird."

Nachdenklich hielt er kurz inne, ehe er fortfuhr. "Ich finde es nicht leicht zu beurteilen, wessen Herrschaft hierzulande rechtmäßig ist. Ein geeintes Königreich gibt es erst seit dreihundert Jahren, als Aegon Targaryen die Länder gewaltsam eroberte – mit Hilfe von fliegenden, feuerspeienden Drachen! Das muss man sich mal vorstellen, dass Menschen solche Ungeheuer für ihre Zwecke verwenden konnten. Während der Herrschaft der Targaryens gab es sowohl Perioden von Frieden und Wohlstand in Zeiten guter und gerechter Könige wie Jaehaerys dem Schlichter oder Aegon dem Unwahrscheinlichen als auch blutige Machtkämpfe. Genauso verstörend wie den Einsatz von Drachen fand ich, dass die Targaryens der Wahnidee folgten, ihr Blut rein zu halten und die Könige deswegen ihre eigenen Schwestern heirateten und mit ihnen Kindern zeugten. Dabei setzten sie sich über jegliches Gesetz hinweg."

"Aber solch blutschänderisches Verhalten muss doch schlimme Folgen haben!", rief Elphir entsetzt. Inzest war in Mittelerde streng verboten und jeder in der Überlieferung gelehrte Gondorianer kannte die tragische Geschichte der Kinder Húrins, die unbewusst gegen dieses Verbot verstoßen und sich deshalb selbst getötet hatten.

"Das hatte es fürwahr", stimmte Elessar zu. "Es gab schreckliche Könige wie Maegor den Grausamen, Aegon den Unwerten und schließlich Aerys, den irren König."

"Derjenige, der von Robert Baratheon gestürzt wurde?", fragte Faramir.

"Ja, wobei die Rebellion von Aerys‘ Sohn Rhaegar ausgelöst wurde, der Lyanna Stark entführte, die Verlobte von Robert Baratheon und Schwester von Eddard Stark. Sein älterer Bruder Brandon Stark wollte Prinz Rhaegar deswegen zum Kampf herausfordern, doch er wurde ebenso wie später sein Vater Rickard Stark vom König verhaftet und auf sehr grausame Weise hingerichtet."

"Wahrhaft ein irrer König", meinte Elphir schaudernd. "Aber mit welchem Recht nahm sich Robert den Thron? Gab es keine Angehörigen der Targaryen-Familie, die nicht an den Verbrechen von Aerys und Rhaegar beteiligt waren?"

Elessar seufzte. "In diesem Krieg wurden fürchterliche Grausamkeiten auf beiden Seiten begangen. An seinem Ende waren nicht nur Aerys und Rhaegar tot, auch Rhaegars Gemahlin Elia und ihre beiden kleinen Kinder waren ermordet worden. Nur zwei jüngere Geschwister Rhaegars, ein Junge und ein Mädchen, überlebten und flohen über das Meer. Und der Junge ist dort, in einem fernen Land im Osten, vor kurzem auch getötet worden.

Robert begründete seinen Anspruch auf den Thron damit, dass die Mutter seines Vaters eine Prinzessin aus dem Hause Targaryen war. Da auch seine Verlobte Lyanna Stark den Krieg nicht überlebt hatte, heiratete Robert Cersei Lannister. Was es mit dieser Frau und ihren Kindern auf sich hat, ist dir bekannt, Faramir?"

"Ja, Herr. Cersei betrog ihren Gemahl mit ihrem eigenen Zwillingsbruder Jaime Lannister, der einst den irren König verriet und ermordete. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass so ein Verräter auch zu Roberts Königsgarde gehören konnte. Eddard Stark kam schließlich dahinter, dass keines der drei Kinder von Cersei von Robert abstammte."

"Demnach wäre Stannis also Roberts legitimer Erbe und damit der rechtmäßige König?", fragte Elphir.

"So sieht es aus", antwortete Elessar langsam. "wenn man Roberts Herrschaft als rechtmäßig betrachtet, ja." So ganz sicher war er dessen nicht, denn er dachte an das noch lebende Targaryen-Mädchen. "Auf jeden Fall hat dieser Kindkönig Joffrey keinen rechtmäßigen Anspruch auf den Thron. Zwar haben die Valar uns eigentlich nicht hierher geschickt, um einen Thronräuber zu stürzen, aber wie es aussieht, müssen wir zunächst dabei mitwirken, bevor wir uns dem wahren Zweck unserer Reise zuwenden können. Außerdem müssen wir schon um unserer eigenen Versorgung willen mit Stannis verhandeln, denn unsere Vorräte reichen auch nicht unbegrenzt."

Elessar wandte sich an seinen Truchsess: "Faramir, sprich zunächst mit Lord Stark, dass ich seinen König zu treffen wünsche, um mit ihm die Bedingungen für ein Bündnis zu verhandeln. Lord Stark ist ja auch eine Art Truchsess oder genauer gesagt das hier." Er hob seine rechte Hand.

"Die Hand des Königs!" Faramir nickte. "Das habe ich auch schon vernommen."

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Eddard IV

Verständnislos schüttelte Ned den Kopf, als er den Brief seines Sohnes las. Balon Graufreud durch seinen Sohn um Hilfe bitten? Was für ein Unsinn, Robb! Ned saß am Tisch in seinem Gemach und griff zur Schreibfeder.

Für Ned bestand kein Zweifel, dass er Theons Ansinnen ablehnen musste. Theon war ein guter Junge, aber seinem Vater war nicht zu trauen, daher durfte der junge Graufreud auf keinen Fall nach Peik zurückkehren. Ned hatte zwar auch schon überlegt, ob man sich mit Lord Balon verbünden könnte, doch dabei hatte er zu keiner Zeit erwogen, Theon zu seinem Vater zu schicken. Er hatte seine Gedanken an ein Bündnis mit Lord Balon schließlich verworfen, da Stannis als Meister der Schiffe wesentlichen Anteil an der Niederschlagung der Graufreud-Rebellion vor zehn Jahren gehabt hatte und er Lord Balon noch mehr misstraute als Ned. Er schrieb eine deutliche Ablehnung, die er später dem König vorlegen würde.

Noch mehr als Theons unsinniger Vorschlag machte Ned Sorgen, was Robb über Lysa Arryn berichtete. Cat war im Streit von ihrer Schwester geschieden. Lady Arryn kümmerte sich nicht darum, dass das Land ihres Vaters von den Lannisters verwüstet wurde. Sie wollte sich scheinbar aus dem Krieg heraushalten und daher Stannis wohl nicht unterstützen. Umso mehr brauchen wir das Bündnis mit König Elessar!

Am meisten bekümmerte Ned Robbs Frage, ob man nicht mit den Lannisters verhandeln und den Königsmörder gegen Sansa tauschen könnte. Sicher kam das nicht alleine von Robb, sondern auch von Cat. Ned hatte dies bereits selbst Stannis vorgeschlagen, doch der König hatte jeglichen Kontakt mit den Lannisters abgelehnt. "Solange wir den Königsmörder haben, wird Eurer Tochter nichts geschehen", hatte Stannis gesagt. "Wir befreien sie, wenn wir Königsmund erobern!" Ned bezweifelte hingegen, dass Sansa nichts geschehen würde, doch der König war unerbittlich geblieben.

Gerade, als Ned überlegte, ob er Stannis aufsuchen sollte, klopfte es an der Tür und Faramir trat ein. "Seid gegrüßt, Lord Stark", sagte er. "Kann ich Euch sprechen?"

"Gewiss, Lord Faramir!", antwortete Ned. "Worum geht es?" Hoffentlich nicht um die Ähnlichkeit zwischen mir und seinem toten Bruder. Ned fand es unheimlich, dass er einen Doppelgänger in einer anderen Welt gehabt hatte, auch wenn Faramir ihn genau deshalb gerettet hatte. Bei weiteren Gesprächen hatte Ned herausgefunden, dass Faramir ein der Hand des Königs entsprechendes Amt in Gondor bekleidete. Ned war daher etwas verwundert, dass Faramir seinen König in eine andere Welt begleitete, statt ihn zu vertreten. Faramir hatte darauf erklärt, dass sein Onkel Imrahil, Fürst von Dol Amroth, das Amt ausüben würde.

"Es ist endlich soweit, Lord Stark!", sagte Faramir freundlich. "König Elessar hat den Wunsch geäußert, an Land zu kommen und König Stannis zu treffen, um mit ihm die Bedingungen für ein Bündnis auszuhandeln. Mein König hat mich zu Euch geschickt, um das Treffen vorzubereiten."

"Das ist gut! Das ist sehr gut!", rief Ned erfreut. "Endlich eine erfreuliche Nachricht an diesem Tage! Bitte, setzt Euch doch, Lord Faramir!"

Faramir nahm am Tisch gegenüber von Ned Platz. "Habt Ihr heute auch unerfreuliche Nachrichten erhalten, Lord Stark?", fragte er.

"Ja, leider", seufzte Ned. "Nachrichten von meinem Sohn: Die Ritter meiner Schwägerin Lysa werden Stannis nicht im Kampfe beistehen – und dass, obwohl die Lannisters ihren Gatten ermordet haben und ihre Heimat verheeren. Das macht die schwierige Lage in den Flusslanden noch schwieriger. Um ehrlich zu sein: wir sind dringend auf das Bündnis mit Eurem König angewiesen." Ned vertraute seinem Lebensretter Faramir, darum scheute er sich nicht, ihm dies zu verraten.

"Ich muss mehr über all das erfahren", sagte Faramir ernst. "König Elessar hat mir aufgetragen, mir einen Überblick zu verschaffen: Wie groß ist Eure Streitmacht, wie stark sind die Lannisters und wie steht es derzeit im Krieg?"

Ned nickte. "Ihr werdet Antworten auf Eure Fragen erhalten!" Er öffnete eine Schublade unter dem Tisch, in der eine Karte von Westeros lag. Er holte sie heraus und entrollte sie auf dem Tisch. Anhand der Karte erläuterte er Faramir die Größe der Heere und den Stand der Kämpfe in den Flusslanden. "Noch gelingt es meinem Sohn, Lord Tywin Lannisters Heer zu binden und von einem Marsch nach Königsmund abzuhalten. Auf gar keinen Fall darf dieses Heer zur Hauptstadt gelangen, denn mit so vielen Verteidigern würde sie nahezu uneinnehmbar."

"Stannis will Königsmund angreifen?", fragte Faramir.

"Sobald wie möglich", antwortete Ned. "Doch dafür hat er hier in Drachenstein zu wenig eigene Soldaten. Ser Davos Seewert hat noch einige lysenische Söldner gewinnen können, da er mit ihrem Anführer befreundet ist. Aber auch mit ihnen sind wir zu wenige. Ohne Eure Streitmacht wäre ein Angriff auf Königsmund aussichtslos."

"Ich verstehe." Faramir wurde nachdenklich. "Die Stadt zu erobern wird sehr schwierig sein. Und sie zu halten, wenn das Heer der Lannisters doch kommt, wird nicht leichter."

"Es könnte statt der Lannisters ein anderes Heer vor der Stadt erscheinen", fuhr Ned fort. "In diesem Krieg gibt es mehr als zwei Parteien." Er berichtete Faramir von Renly und dessen Bündnis mit Rosengarten. Der Mann aus Gondor schüttelte betroffen den Kopf.

"Ein jüngerer Bruder, der sich gegen den älteren auflehnt – das ist eine sehr üble Sache!", meinte er. "Umso mehr, wenn er über eine solch gewaltige Streitmacht verfügt. Gibt es keine Möglichkeit, dass sich die beiden Brüder verständigen?"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Ich wünschte, das wäre möglich!", seufzte Ned. "Aber Stannis ist bei diesem Thema unerbittlich. Er will nicht mit Renly verhandeln, sondern erwartet, dass sein Bruder sich ihm unterwirft. Renly wiederum… Ich kenne ihn vom Hof in Königsmund, wo er Roberts Meister des Rechts war. Er ist im Grunde kein schlechter Mensch, nein, vielmehr ist er ein sehr freundlicher und fröhlicher junger Mann, aber leider ist er auch töricht, leichtsinnig und überheblich. Die Brüder lieben sich nicht."

"Schwierige Voraussetzungen, um einen Bruderkrieg zu vermeiden", bedauerte Faramir. "Doch ich sehe dies genauso wie Ihr. Wir müssen versuchen, ein solches Unglück zu verhindern. Ihr sagtet, Lord Renly war auch am Hof von Königsmund. Warum haben die Lannisters ihn nicht wie Euch in den Kerker geworfen? Und wie konnten sie Euch in den Kerker werfen, obwohl Ihr die Hand des Königs wart?"

"Lord Renly ist rechtzeitig geflohen", antwortete Ned und erzählte Faramir, was nach Roberts Tod in Königsmund passiert war und wie er von Kleinfinger, dem Jugendfreund und abgewiesenen Verehrer seiner Gemahlin, hintergangen worden war.

"Das ist ein ziemlich übler Intrigant, dieser Petyr Baelish", bemerkte Faramir. "Erinnert mich an…"

"Einen ähnlichen Mann am Hofe Eures Königs?", fragte Ned.

"Nein, nicht an jemanden den ich persönlich kannte", antwortete Faramir, "aber am Hofe eines befreundeten Königreiches gab es auch so einen verschlagenen Kerl, der Schlangenzunge genannt wurde. Auch er begehrte eine Jungfrau, die weit über seinem Stande war – die Nichte des Königs. Er wurde zum Verräter, doch seine Ränke wurden aufgedeckt, er wurde fortgejagt und fand fern seiner Heimat ein böses Ende. Mir blieb seine Bekanntschaft erspart, denn ich kenne ihn nur aus den Erzählungen meiner Gemahlin. Sie war jene Jungfrau, der dieser abscheuliche Intrigant nachstellte."

"Ihr seid mit einer ausländischen Prinzessin verheiratet? Eure Heirat diente gewiss dazu, die Freundschaft zwischen Gondor und diesem anderen Reich zu festigen", schlussfolgerte Ned.

Faramir schüttelte den Kopf. "Nein, die unverbrüchliche Freundschaft zwischen Gondor und Rohan wurde durch das Band unserer Ehe zwar gefestigt, aber ich habe Éowyn nicht deswegen geheiratet. Wir haben geheiratet, weil wir uns unsterblich ineinander verliebt hatten." Er lachte. "Habt Ihr etwa aus politischen Gründen geheiratet, Lord Stark?"

"Ja, in der Tat", sagte Ned ernst. "Catelyn Tully war eigentlich meinem älteren Bruder Brandon versprochen gewesen. Aber nachdem er und unser Vater vom irren König ermordet worden waren und ich unversehens der neue Lord von Winterfell geworden war, habe ich Cat unverzüglich geheiratet, auch wenn ich sie am Tage der Hochzeit das erste Mal sah. Die Liebe kam bei uns dann im Laufe der Ehe."

"Ihr habt Eure Gemahlin bei Eurer Hochzeit kennen gelernt?", fragte Faramir befremdet. "Arrangierte Ehen gibt es in unserer Welt zwar auch, aber dass sich die Brautleute nicht kennen, wäre bei uns kaum denkbar."

"Es ist vielleicht nicht wünschenswert", räumte Ned ein, "aber manchmal müssen eben solche Ehen geschlossen werden. Auch mein erstgeborener Sohn Robb wird eine Tochter aus dem Hause Frey ehelichen, die er noch nicht kennt." Dabei erinnerte er sich, dass laut Robbs Brief auch Arya einem Sohn von Walder Frey versprochen war – und davon noch nichts wusste.

"Was ist mit Euch?", fragte Faramir. "Worüber denkt Ihr nach, Lord Stark?"

"Verzeiht", sagte Ned, "mir ist nur gerade eingefallen, dass ich später noch etwas wichtiges mit meiner Tochter zu besprechen habe. Aber zurück zu unserem Gespräch. Habt Ihr noch Fragen, Lord Faramir?"

"Ja, Lord Stark. Was denkt Ihr über Lady Melisandre, die Rote Frau?"

Ned atmete tief durch. "Um ehrlich zu sein, ist mir diese Frau überhaupt nicht geheuer. Ihr fanatisches Gerede von ihrem Gott ist mir unheimlich, ihre Verachtung der alten und neuen Götter ist abscheulich und ihr Einfluss auf die Königin und ihren Onkel erscheint mir sehr unheilvoll. Es heißt, sie wolle die Septe zerstören und die Standbilder der Sieben verbrennen. Das ist blasphemischer Wahnsinn! Stannis darf das nicht zulassen, denn sonst würde er sich bei allen Anhängern der Sieben verhasst machen. Hattet Ihr auch schon mit dieser Frau zu tun?"

"Nein, nicht seit dem ersten Treffen bei Eurem König, bei dem ich kein Wort von ihr verstanden habe. Aber mein Vetter Elphir hat sie einige Male besucht und dem König und mir davon berichtet und einiges davon war auch für uns befremdlich und verstörend. Inwiefern ist Melisandres Einfluss auf die Königin unheilvoll? Unterstützt Königin Selyse diesen 'Wahnsinn', wie Ihr es nennt?"

"Mehr als das. Melisandre hat gegenüber der Königin behauptet, dass sie Lord Renlys Tod in den Flammen gesehen hätte. Königin Selyse hat dann ihrem Gemahl einen Brudermord nahegelegt. Ich habe zwar darauf verwiesen, dass Sippenmörder vor den alten und den neuen Göttern verflucht sei, aber Selyse hat meinen Einwand mit dem Hinweis auf ihren Gott verworfen." Ned hielt kurz inne. "Da hatte ich die Idee, dass Euer König den meinen von einem Brudermord abhalten könnte…"

Faramir zog die Stirn in Falten. "Ich werde König Elessar davon berichten. Sippenmörder sind auch in unserer Welt verflucht. Wir müssen uns freilich auch noch überlegen, wie wir mit Renly umgehen sollen und wie wir dem unheilvollen Wahnsinn Einhalt gebieten können."

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Hisimir

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Uhhh jetzt wird es spannend. Westeros' Intriganz trifft auf Mittelerdes Unschuld. Das werden spannende Kapitel. Ich kann es kaum erwartet.
Liest sich echt gut

Ehre das Gimp!
Kugelsicherer Pfadpfinder ~~ 아미
화이팅
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Hisimir]

Danke, Hisimir!

Intriganz gab es in Mittelerde auch, wie das von Faramir erwähnte Beispiel zeigt. Und nach allem, was Ned widerfahren ist, sind die Herren Gondors keineswegs naiv-unschuldig und werden sich nicht leicht überrumpeln lassen.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Arya III

"Mutter hat WAS?", rief Arya empört. "Sie hat mich für eine verdammte Brücke an die Freys verkauft?"

Ihr Hoher Vater war in ihre Kammer eingetreten und hatte in sehr ernstem Ton gesagt, dass er mit ihr reden müsse. Dann hatte er ihr von der Vereinbarung ihrer Hohen Mutter mit Lord Frey berichtet, nach der Arya den jüngsten Sohn des Lords der Zwillinge heiraten sollte.

"Beruhige dich, Arya!", bat Lord Eddard. "Deine Mutter musste das tun. Robb braucht die Unterstützung der Freys in diesem Krieg. Er wird selbst eine Tochter von Walder Frey ehelichen."

"Das ist was anderes!", erwiderte Arya hitzig. "Robb ist ein Junge und der Erbe von Winterfell, der sowieso irgendeine Lady heiraten und betten und mit ihr Kinder machen muss, aber ich… ich… ich will keinen Frey-Jungen heiraten! Ich will überhaupt nicht heiraten! Ich will nicht, dass mich irgendein Frey bettet und mir Kinder macht!"

"Arya, bitte!", stöhnte ihr Vater. "Du bist eine Tochter des Hauses Stark und du musst eines Tages ohnehin heiraten! Du willst doch nicht Septa oder Schweigende Schwester werden?"

"Nein, ich will nicht!" Arya fing an zu weinen. "Lieber gehe ich zur Nachtwache wie Jon und Onkel Benjen. Die dürfen nicht mal heiraten."

"Ach Kind!" Lord Eddard ging in die Knie und umarmte Arya tröstend. "Du weißt doch, dass Mädchen nicht zur Nachtwache dürfen. Schau, dieser Frey-Junge ist vielleicht ganz nett. Außerdem werden noch einige Jahre vergehen, bis ihr heiratet. Bis dahin denkst du über das Heiraten und Kinderkriegen ganz anders als heute."

"Nein!", schluchzte Arya. "Warum macht Mutter so etwas? Was habe ich ihr getan, dass sie mir das antut? Was ist, wenn dieser Frey-Junge so ein Ekel wie Joffrey ist?"

Ihr Vater atmete tief durch, ehe er sprach. "Erwarte doch nicht gleich das Schlimmste! Du hast deiner Mutter nichts getan. Aber du musst dir vorstellen, in welcher Situation Robb und deine Mutter waren. Sie sind in den Krieg gezogen, um uns zu befreien und um den Flusslanden gegen die Überfälle der Lannisters beizustehen. Sie standen mit ihrem Heer vor den Zwillingen und mussten dort unbedingt den Fluss überqueren, was nur mit der Zustimmung von Walder Frey möglich war, der seine Unterstützung nicht umsonst gewährt. Lord Frey hat zahlreiche Kinder und ist vor allem darauf aus, sie möglichst gut zu verheiraten. Und deine Mutter… sie stammt aus dem Hause Tully. Du kennst doch die Worte der Tullys?"

"Familie, Pflicht, Ehre", sagte Arya freudlos. "Aber ich bin keine Tully! Ich bin eine Stark! Ich bin eine Wölfin und keine Forelle!"

"Arya, bitte höre mir zu. Deine Mutter musste als junges Mädchen genau nach den Worten ihres Hauses handeln: Sie hat mich geheiratet, obwohl sie mich nicht kannte. So erfüllte sie ihre Pflicht und erwies ihrer Familie Ehre."

"Aber Vater, ich bin nicht wie Mutter… ich bin mehr wie du. Bitte sage mir, dass du mich nicht an die Freys verkauft hättest."

Lord Eddard zögerte, dann schüttelte er den Kopf. "Auch ich habe deine Mutter geheiratet, obwohl ich sie gar nicht kannte. Ich weiß nicht, ob ich mit Lord Frey eine solche Vereinbarung getroffen hätte. Es spielt auch keine Rolle. Auch wenn ich nicht von den Tullys abstamme, so sind auch mir Familie, Pflicht und Ehre am wichtigsten."

Da hatte Arya eine Idee. "Kann nicht Sansa die Frau dieses Frey-Jungen werden? Sie möchte doch unbedingt heiraten."

"Ich bezweifle, dass Lord Frey damit einverstanden wäre", erwiderte ihr Vater. "Außerdem ist Sansa immer noch in Gefangenschaft."

"Aber wir werden sie doch sicher bald befreien?", fragte Arya.

Die Miene ihres Vaters verfinsterte sich. "Das hoffe ich, aber es wird nicht einfach, Sansa zu retten. Ich will gar nicht daran denken, was sie gerade erleiden muss und was Joffrey ihr antun könnte. Aber du willst deine Schwester nur befreien, um sie so zu verheiraten, wie deine Mutter dich verheiraten möchte?"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Als Lord Eddard über Sansas Leid sprach, kam sich Arya auf einmal etwas selbstsüchtig vor. "Verzeih, Vater, ich hatte nicht bedacht, dass Sansa…" Sie brach ab und senkte die Augen.

"Schon gut, Arya. Du sagst, du seiest eine Wölfin. Dann sage ich dir nochmal, dass in der Kälte des Winters der einsame Wolf stirbt, aber das Rudel überlebt. Gerade jetzt müssen wir Starks zusammenhalten, denn der Winter naht."

"Ja, Vater!" Sie hatte immer noch die Augen gesenkt.

Noch einmal holte ihr Vater tief Luft. "Ich verspreche dir, bevor du heiratest, werde ich mir diesen Frey-Jungen genau anschauen. Und selbst wenn ich Ärger mit Walder Frey bekommen sollte, werde ich dich nicht an einen Mann verheiraten der deiner nicht würdig ist."

"Danke, Vater!" Sie schaute auf und blickte ihm in die Augen.

Lord Eddard stand auf. "So, und mache dir jetzt nicht zu viele düstere Gedanken über das, was erst in einigen Jahren passieren wird. Kann ich dich alleine lassen?"

Arya nickte und ihr Vater verließ ihre Kammer. Nachdem er gegangen war, warf sich Arya auf ihr Bett. Sie weinte nicht mehr, sondern dachte über das nach, was ihr Vater ihr gesagt hatte. Doch sie fand keine Ruhe, so dass sie schon einige Minuten später aufstand. Auf gar keinen Fall werde ich diesen Frey heiraten!

Sie ging hinaus, um mit Sharin zu sprechen. Sie fand die Prinzessin in ihrem Gemach, mal wieder in ein Buch vertieft. Als Sharin ihre Freundin bemerkte, sagte sie freundlich: "Arya! Schön, dass du kommst! Aber… was machst du denn für ein Gesicht?"

"Ich bin verlobt… worden", antwortete Arya. Dann sprudelte es aus ihr heraus und sie erzählte Sharin von der Vereinbarung ihrer Mutter mit den Freys und von dem Gespräch mit ihrem Vater. "Ich muss diesen Frey-Jungen heiraten, dabei kenne ich ihn nicht und ich will ihn nicht kennen!", klagte sie.

"Oh je, Arya!", seufzte Sharin und umarmte ihre Freundin. "Vielleicht kann mein Vater da etwas machen. Er ist schließlich der König. Soll ich ihn fragen?"

"Nein, lieber nicht!", bat Arya, die keine Hoffnungen auf den wenig herzlichen König setzte. "Nicht, dass du am Ende noch wegen mir Ärger mit deinem Vater bekommst."

"Oder mit meiner Mutter", ergänzte Sharin. "Sie wird für dein Anliegen kein Verständnis haben, denn sie hat mich gelehrt, dass es die natürliche Bestimmung adeliger Töchter sei, mit adeligen Söhnen verheiratet zu werden und es nicht wichtig sei, ob die Brautleute einander lieben. So war es bei meinen Eltern und bis heute gibt es keine Liebe zwischen ihnen."

"Natürliche Bestimmung!", murrte Arya. "Wenn ich das schon höre! Nur weil ich die Tochter eines Lords bin, darf man mich verkaufen wie eine Sklavin? Ich dachte, Sklaverei sei in Westeros verboten!"

"Und wenn du vor der Hochzeit wegläufst?", überlegte Sharin. "Dann könnte ich mich bereit erklären, den Frey-Jungen zu heiraten. Da hätte Lord Frey sicher nichts dagegen, denn ich bin ja sogar Prinzessin."

"Ach Sharin, du bist so lieb!", rief Arya und umarmte sie. Sie fand es sehr erstaunlich, dass zwei so gefühlskalte Menschen wie König Stannis und Königin Selyse eine derart warmherzige und liebenswerte Tochter hatten. "Aber damit werden deine Eltern sicher nicht einverstanden sein, dass du dir deinen Gemahl selbst aussuchst."

"Ja, gewiss", bedauerte Sharin, "sie werden meine Gemahl aussuchen. Ob sie wohl einen Lord finden, den das hier nicht abschreckt?" Sie berührte die Grauschuppen in ihrem Gesicht.

"Also wenn ein Lord dich nur deswegen nicht heiraten will, wäre er ein oberflächlicher Dummkopf!", meinte Arya. "Aber mache dir doch darüber keine Gedanken, bis du heiratest, werden noch Jahre vergehen!"

"Siehst du, dasselbe könnte man dir auch sagen!", erwiderte Sharin mit einem verschmitzten Lächeln.

"Ja, da hast du Recht!", rief Arya. Beide Mädchen lachten und vertrieben damit für den Augenblick ihre Gedanken an noch ferne Hochzeiten.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar III

Der König von Arnor und Gondor schritt am Morgen des vereinbarten Tages mit seinem Gefolge auf der Treppe zur Festung Drachenstein hinauf, um sich endlich mit König Stannis zu treffen. Elessar ging mit Faramir und Elphir voran. Ihnen folgten die weiteren Herren, die bei der Begegnung anwesend sein sollten sowie hundert Krieger aus verschiedenen Einheiten: Wächter der Veste von Minas Tirith, Waldläufer von Ithilien, Männer der Weißen Schar von Emyn Arnen, Schwanenritter aus Dol Amroth, und Waldläufer aus Arnor.

Das Tor zur Festung wurde vor ihnen geöffnet. Im Hof standen mehrere Kompanien von Stannis‘ Kriegern Spalier. Elessar nickte im Vorübergehen den Soldaten zu und schaute in ihre Gesichter. In ihren Augen sah er vor allem Neugier.

Schließlich kamen sie zum Eingang zur großen Halle, der das Maul eines riesigen steinernen Drachen darstellte. Vor dem noch geschlossenen Tor stand Ser Axell Florent, der Kastellan von Drachenstein mit zwei Kriegern. Elessar blieb am Tor stehen und gab das Zeichen zum Anhalten. Zum Zeichen des Friedens nahm er sein Schwert ab und stellte es an die Wand. Zwei seiner Wächter traten hinzu, um Andúril zu bewachen und darauf zu achten, dass niemand das Schwert berührte. Auch die zwölf Männer, die ihn begleiten sollten, legten ihre Waffen ab.

Der Kastellan verneigte sich darauf kurz vor Elessar, dann ließ er das Tor öffnen und ging in die Halle voraus. Elessar folgte ihm mit seinen zwölf Begleitern. Also hinein in den Bauch des Drachen! dachte Elessar. Der Saal erschien ihm freilich nicht besonders groß – er war deutlich kleiner als seine eigene Halle in der Veste von Minas Tirith und als Meduseld, die Halle des Königs von Rohan. Außerdem war es in diesem Saal nicht annähernd so hell wie in seinen Hallen. Durch die östlichen Fenster fielen einige Strahlen der aufgehenden Sonne, außerdem erhielt die Halle Licht durch Feuer in zwei Standleuchtern am hinteren Ende, dennoch wirkte sie düster.

Am Ende der Halle führten mehrere Stufen hinauf zu einem großen, spitzen Fels, der aus dem Boden ragte und in den kunstvoll ein Sitz hineingearbeitet worden war und auf dem König Stannis thronte. Vor dem Fels saßen zur Linken und Rechten des Königs seine Gemahlin, Lady Melisandre, Eddard Stark und weitere Herren aus seinem Gefolge. Auf einer größeren Zwischenstufe war eine Reihe mit leeren Stühlen aufgestellt, die in die Richtung des Thrones blickten. Als Ser Axell die Männer aus Mittelerde hineinführte, erhoben sich Stannis und seine Leute.

Elessar und seine Männer stellten sich vor die für sie bereit gestellten Stühle. Wie zwischen Eddard und Faramir verabredet, sprach Stannis als erster: "Ich grüße Euch und heiße Euch willkommen in Drachenstein, Elessar Telcontar, König des Wiedervereinigten Königreiches von Arnor und Gondor!"

Darauf erwiderte Elessar: "Ich grüße Euch und danke Euch für Euer Willkommen, Stannis Baratheon, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Beschützer des Reichs!"

Stannis blickte einen Augenblick unsicher zu Eddard, der zu seiner Rechten stand und ihm zunickte. "Ihr kennt ja bereits meine Hand", fuhr Stannis fort, "Eddard Stark, Lord von Winterfell und Wächter des Nordens. Er wird Euch nun mein Gefolge vorstellen."

Lord Stark nickte und stellte zunächst die Damen und Herren vor, die zur Linken von Stannis standen: "Ihre Gnaden, Königin Selyse Baratheon, Lady Melisandre aus Asshai, Lord Monford Velaryon von Driftmark, Lord Bar Emmon von Scharfspitze, Lord Ardrian Celtigar von der Klaueninsel und Ser Axell Florent kennt Ihr ja bereits." Der Kastellan hatte sich rasch bei Stannis‘ Gefolgsleuten eingereiht.

Elessar nickte den Vorgestellten zu, ehe sich Lord Stark an die Leute zu seiner Rechten wandte. "Lord Gunter Sonnglas von Süßhafensund, Maester Pylos, Maester Cressen, Ser Davos Seewert und Lord Salladhor Saan aus Lys." Letzterer war ein Mann mittleren Alters von dunkler Hautfarbe, wie sie in Mittelerde bei den Menschen aus Weit-Harad bekannt war. Hat Ähnlichkeit mit einem Corsaren, dachte Elessar, dann ergriff er das Wort:

"Vielen Dank, Lord Stark. Euer Gnaden, Ihr kennt auch meine Hand, Faramir, Denethors Sohn, Fürst von Ithilien und Lord von Emyn Arnen. Er wird Euch nun mein Gefolge vorstellen."

Der Truchsess nickte. Er stand auch zur Rechten seines Königs und stellte zunächst die Männer vor, die sich zur Linken Elessars befanden: "Kommandant Elphir von Dol Amroth, Hauptmann Erchirion von Dol Amroth, Lord Rondir von Lossarnach, Hauptmann Anborn aus Ithilien und Hauptmann Brindor aus Arnor." Er wandte sich nach rechts: "Lord Earnil von Pelargir, Lord Angbor von Lamedon, Lord Hirmor von Pinnath Gelin, Kommandant Dacil aus Minas Tirith, Hauptmann Túrin aus Minas Tirith und Hauptmann Beregond aus Emyn Arnen."

Da die Vorstellung damit abgeschlossen war, sagte Stannis: "Vielen Dank, Fürst Faramir. Setzen wir uns!" Die vierundzwanzig Herren und zwei Damen nahmen Platz. "Euer Gnaden, ich bitte Euch nun, uns zu erklären, wer Euch in unsere Welt geschickt hat und warum."

"Wie Ihr wünscht, Euer Gnaden", begann Elessar. "Mir ist bekannt, dass Eure Leute sich fragen, welche Götter uns geschickt haben: Die alten Götter des Waldes, die Sieben oder der Herr des Lichts. Meine Antwort lautet: Es waren alle zusammen."

Ein Raunen ging durch die Reihe von Stannis‘ Leuten. "Aber das ist doch nicht möglich!", rief Königin Selyse. "Es gibt nur einen wahren Gott, den Herrn des Lichts!"

"Und seinen Feind, den Großen Anderen", ergänzte Melisandre. "Alle anderen sogenannten Götter sind Dämonen in seinem Dienste."

"RUHE!", donnerte Stannis. "Ich bitte um Vergebung, Euer Gnaden. Bitte erläutert, wie Euch alle Götter gleichzeitig schicken konnten."

"Ich erhielt meinen Auftrag vom Herrn der Lüfte", fuhr Elessar fort, "im Namen des Einen, der den Herrn der Lüfte und alle anderen Götter aus seinen Gedanken schuf, ehe die Welt geformt wurde. Ich weiß nicht, ob nun der Eine oder der Herr der Lüfte dem Herrn des Lichts entspricht, aber es besteht kein Zweifel, dass ich im Auftrag des Herren hier bin." Elessar ließ bewusst offen, ob er mit diesem "Herren" Eru oder Manwe meinte. "Der Herr der Lüfte ist einer der vierzehn Mächte, die wir in unserer Welt besonders verehren. Wir haben sie zum Teil in den Sieben wiedererkannt. Doch der Eine schuf aus seinen Gedanken noch viel mehr Götter, wie Ihr sie nennt – unzählige von ihnen, und von den meisten kennen wir nicht einmal die Namen. Zu ihnen gehören gewiss auch die Götter, die Lord Stark und seine Leute im Norden verehren. Sie alle haben uns in Eure Welt geschickt."

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Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Erneut ging ein Raunen durch Stannis‘ Gefolge. Elessar überlegte, ob er seine langjährige Freundschaft mit einem dieser "Götter" erwähnen sollte, der unter verschiedenen Namen als grauer Pilger durch Mittelerde gewandert war. Nein, das würde sie eher noch mehr verwirren. Er vernahm, wie der alte Maester Cressen murmelte: "Es waren die Götter! Diese rote Frau hat nichts als Unsinn erzählt!"

"Ihr irrt Euch, Maester Cressen!", widersprach Elessar. "Lady Melisandre warnt vor einem Feind und sie warnt zu Recht! Der Große Andere ist auch in unserer Welt bekannt – als der Schwarze Feind. Vor Tausenden von Jahren war er sogar in unserer Welt. Er wurde besiegt und aus der Welt verbannt, doch sein Werk besteht fort – in unserer Welt wie in Eurer. Eure Welt ist in großer Gefahr, daher wurden wir hierher geschickt."

"Er war in Eurer Welt?", rief Melisandre erschrocken. Sie blickte Elessar in die Augen, dann in das Feuer eines der Standleuchter. Plötzlich zuckte sie zusammen und schlug die Hände vor ihren Mund. Sie wandte ihren Blick vom Feuer ab und war auf einmal sehr blass geworden.

"Was ist mit Euch?", fragte Selyse besorgt. "Was habt Ihr im Feuer gesehen?"

"Ich sah ein lidloses rotes Auge", keuchte Melisandre, "Ein gefährlicher Feind, der ein mächtiger Leibeigener des Großen Anderen war – ein sehr mächtiger. Doch König Elessar hat ihn besiegt." Die zuvor so selbstbewusste Frau machte plötzlich einen eingeschüchterten Eindruck.

"Nicht ich allein", sagte Elessar ruhig, "doch ich hatte meinen Anteil daran, ja."

Melisandre blickte zu Stannis: "Euer Gnaden, was immer König Elessar als Bedingung stellt – Ihr müsst Euch mit ihm verbünden! Wir brauchen seinen Beistand in der Großen Schlacht gegen die Mächte der Finsternis!"

"Ja, gewiss!" Stannis gab sich unbeeindruckt. "Bevor ich in Eure Große Schlacht ziehen kann, muss ich erst den Eisernen Thron erringen und die Sieben Königslande unter meiner Herrschaft vereinen. Werdet Ihr mir dabei helfen, Euer Gnaden?"

Elessar atmete tief durch, ehe er antwortete: "Der Herr der Lüfte hat mir gesagt, dass die Sieben Länder unter einer rechtmäßigen Herrschaft vereint werden müssen, um gegen den wahren Feind zu bestehen. Ich bin daher bereit, Euch als Euer Verbündeter zu helfen – unter bestimmten Bedingungen!"

"Das hatte ich mir schon gedacht", stöhnte Stannis. "Also, was wollt Ihr? Gold? Reichtümer? Ihr sollt soviel erhalten, wie Ihr wünscht, sobald die Schatzkammern von Königsmund in meiner Hand sind."

"Als ob es mir darum ginge!", lachte Elessar. "Nein, Euer Gnaden, was das betrifft würde es mir fürs Erste ausreichen, dass Ihr mir die Verpflegung meiner Truppen zusichert. Bei meinen Bedingungen geht es nicht um Belohnungen für uns, sondern um etwas anderes. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Ihr Euch zum Herrn des Lichts bekennen werdet, wenn ich mich mit Euch verbünde."

"Ja, das habe ich Lady Melisandre versprochen. Ihr verlangt doch nicht, dass ich dieses Versprechen breche?"

"Keineswegs. Ich bitte Euch nur darum, dass Ihr die Anhänger der alten Götter und der Sieben unbehelligt lasst – und alles, was ihnen heilig ist."

"Was verlangt Ihr?", fauchte Selyse. "Die Standbilder der falschen Götter sollen brennen! Das ist der Wille des…" Sie brach ab, als Melisandre ihre Hand ergriff.

"Lasst es bitte gut sein, Euer Gnaden!", seufzte die Rote Frau. Sie wirkte immer noch eingeschüchtert.

"Ihr werdet jetzt still sein, Selyse!", fuhr Stannis seine Gemahlin an. "Ich nehme die Bedingung an, Euer Gnaden. Und Eure Truppen werden auch verpflegt. Genügt Euch das?"

"Ich habe noch ein Anliegen. Wir werden Euch gegen den falschen König Joffrey unterstützen. Was aber Euren jüngeren Bruder Renly betrifft – nun, wir sind gewiss nicht in diese Welt gesandt worden, um in einem unseligen Bruderkrieg Partei zu ergreifen. Wer das Blut seiner eigenen Sippe vergießt, ist verflucht – in unserer Welt genauso wie in der Euren."

Stannis schnaubte. "Erwartet Ihr etwa, dass ich mit diesem Hochverräter Renly verhandle, nur weil er mein Bruder ist? Das werde ich nicht tun. Nicht, solange er sich König nennt. Für ihn gilt das Gleiche wie für den Thronräuber Joffrey: Sie beugen das Knie oder ich werde sie vernichten!"

"Ihr braucht nicht mit ihm zu verhandeln", erwiderte Elessar. "Es genügt, wenn Ihr ihm schriftlich ein großmütiges Angebot unterbreitet und zumindest einen Waffenstillstand gewährt, so lange es gegen die Lannisters zu kämpfen gilt."

Für einige Augenblickte schaute Stannis dermaßen finster drein, dass Elessar befürchtete, zu weit gegangen zu sein, doch dann wandte Stannis sich an Eddard: "Was haltet Ihr von König Elessars Vorschlag, Lord Stark?"

"Euer Gnaden", antwortete Eddard, "wie Ihr wisst, haben wir heute erfahren, dass Lord Renly mit seinem Heer von Rosengarten in nordöstlicher Richtung aufgebrochen ist. Es ist für uns von entscheidender Bedeutung, dass er seine Streitkräfte gegen die Lannisters einsetzt und nicht gegen uns. Ich befürworte daher König Elessars Vorschlag."

Stannis schaute links und rechts zu seinen Gefolgsleuten, die zustimmend nickten, nicht aber auf seine Gemahlin, der Elessars Bedingungen offenkundig nicht behagten. "Einverstanden", sagte Stannis mürrisch, "ich werde Renly ein entsprechendes Angebot unterbreiten. Seid Ihr damit zufrieden, Euer Gnaden? Sind wir jetzt Verbündete?"

"Das sind wir!", antwortete Elessar erleichtert. Die beiden Könige standen auf und reichten sich die Hände.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Nachdem nun also das Bündnis der Könige geschlossen wurde, gibt es wieder Mal eine Pause, da ich nächstes Wochenende beim Tolkien Tag in Geldern bin. In zwei Wochen geht es weiter.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Faramir IV

In der Abendluft hing der schwarze Rauch großer brennender Holzstapel, die vor den Toren von Drachenstein aufgetürmt war. Hunderte von Menschen hatten sich versammelt, unter ihnen auch König Elessar, der mit fünfzig Männern gekommen war, um dem Bekenntnis von König Stannis zum Herrn des Lichts beizuwohnen. In einem der Stapel steckte ein Schwert, dessen Ledergriff lodernd brannte.

Faramir stand an seines Königs Seite und betrachtete die großen Feuer mit einem gewissen Unbehagen. Auch wenn nur Holzstapel verbrannt wurden, musste er beim ihrem Anblick an den Scheiterhaufen denken, auf dem sein Vater sich selbst verbrannt hatte – auf dem auch er verbrannt worden wäre, wenn nicht Beregond, Mithrandir und der Halbling Peregrin eingegriffen hätten. Faramir hatte zum Glück keine Erinnerung an Denethors Tod, da er die ganze Zeit bewusstlos gewesen war, doch allein das Wissen darum war auch nach mehr als dreizehn Jahren noch belastend.

Ein Tag war seit dem ersten Treffen von Elessar und Stannis vergangen und es war so verlaufen, wie Faramir es sich erhofft hatte. Den formellen Ablauf – von der Zahl der Teilnehmer bis zu den Begrüßungsworten und der gegenseitigen Anrede der Könige - hatten er und Eddard bis ins Detail geplant. Entscheidend war freilich, dass Stannis sich auf Elessars Bedingungen eingelassen hatte, wobei es Elessar überraschenderweise gelungen war, Melisandre vorübergehend einzuschüchtern. Nachdem sich die Könige einig geworden waren, hatte es ein – nicht allzu üppiges – gemeinsames Mahl gegeben, ehe man sich an die Formulierung des Angebotes an Renly gemacht hatte. Schließlich hatte Stannis festgelegt, dass er sich am Abend des nächsten Tages öffentlich zum Herrn des Lichts bekennen würde.

Faramirs Blick fiel auf die Rote Frau, die dreimal ums Feuer schritt und in fremden Sprachen betete. Sie wechselte in die Gemeine Zunge und rief: "R'hllor, komm zu uns in unserer Finsternis! Herr des Lichts, du hast uns Krieger aus einer anderen Welt als Verbündete geschickt. Wir danken dir dafür! Lasse dein Licht über uns leuchten, denn die Nacht ist dunkel und voller Schrecken!" Königin Selyse wiederholte ihre Worte. Neben ihr stand Stannis und schaute unbeteiligt zu. Einige seiner Gefolgsleute schienen sich ähnlich unbehaglich zu fühlen wie Faramir. Lord Starks Miene war finster, Lord Sonnglas wirkte angewidert, Lord Celtigar hustete, der junge Lord Bar Emmon war bleich im Gesicht und Ser Davos war sichtlich unwohl. Maester Cressen war dem Ritual ferngeblieben.

Melisandre sprach einige Worte über die Legende von dem Retter Azor Ahai und sein Schwert Lichtbringer, und sie sprach von der drohenden Gefahr: "Der kalte Odem des Winters lässt die Meere gefrieren und die Toten werden sich im Norden erheben."

Dann wandte sie sich an Stannis: "Azor Ahai, du von R'hllor Gesegneter! Krieger des Lichts, Sohn des Feuers! Tritt vor, dein Schwert erwartet dich! Tritt vor und ergreife es!"

König Stannis schritt heran wie ein Soldat, der in die Schlacht marschiert. Seine beiden Knappen Devan Seewert und Bryn Farring traten hinzu. Devan, ein Knabe von dreizehn Jahren und einer der sieben Söhne von Ser Davos, streifte dem König einen gepolsterten Handschuh über die rechte Hand. Bryn Farring legte dem König einen steifen Lederumhang über die Schultern.

Stannis biss die Zähne zusammen, hielt den ledernen Mantel vor sich und tauchte in das Feuer. Zielstrebig trat er zu dem Schwert, packte es mit der behandschuhten Hand und riss es mit einem einzigen Ruck aus dem brennenden Holz. Sofort zog er sich zurück und hielt die Waffe in die Höhe; grüne Flammen züngelten um den kirschroten Stahl. Wachen eilten herbei und löschten die glimmenden Funken an der Kleidung des Königs.

"Ein Schwert aus Feuer!", rief Selyse. Ser Axell Florent und die anderen Gefolgsleute der Königin stimmten ein: "Ein Schwert aus Feuer! Es brennt! Es brennt! Ein Schwert aus Feuer!"

Ich wäre auf ein solches Schwert nicht erpicht!, dachte Faramir. Die Leute sollten lieber achtgeben, dass sie nach einem brennenden Schwert nicht auch noch einen brennenden König haben.

Melisandre hob die Hände hoch über den Kopf: "Sehet! Ein Zeichen wurde euch versprochen, ein Zeichen durftet ihr schauen! Sehet Lichtbringer! Azor Ahai ist auferstanden! Preiset den Krieger des Lichts! Preiset den Sohn des Feuers!"

Stannis‘ Handschuh begann zu schwelen. Fluchend stieß er das Schwert in die feuchte Erde und schlug die Flammen an seinem Bein aus.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Herr, lasse dein Licht über uns leuchten!", rief Melisandre.

"Denn die Nacht ist dunkel und voller Schrecken", antworteten Selyse und ihre Getreuen. "Denn die Nacht ist dunkel und voller Schrecken!", wiederholte Stannis. Er zog den Handschuh aus und ließ ihn fallen. Lichtbringer glühte immer noch rötlich, aber die Flammen, die das Schwert eingehüllt hatten, schwanden langsam und erstarben.

Stannis nickte Elessar zu, dann nahm er den Arm der Königin, geleitete sie in das Innere von Drachenstein und ließ Lichtbringer in der Erde stecken. Die Rote Frau verweilte noch einen Augenblick und sah den beiden Knappen zu, die das Schwert des Königs in dessen Ledermantel wickelten. Das Schwert des Helden sieht ziemlich mitgenommen aus, dachte Faramir. Er zweifelte, dass dies tatsächlich eine Waffe mit besonderen Fähigkeiten war. Kurz darauf gingen auch Melisandre und die beiden Knappen mit dem Schwert zurück in die Festung.

Faramir blickte zur Seite in die Gesichter von Elessar und Elphir und sah, dass sie ähnlich unbeeindruckt waren wie er. "Aus dem brennenden ist wohl ein verbranntes Schwert geworden", murmelte Elphir spöttisch.

"Sieht so aus", meinte Elessar. "Ich frage mich, was man damit ausrichten kann gegen den wahren Feind. Und doch… Faramir, geh zu Lord Stark und sag ihm, dass ich Stannis morgen sprechen möchte – in einer etwas kleineren Runde: Wir drei mit König Stannis, Lord Stark und Lady Melisandre."

"Sehr wohl!" Faramir fragte sich zwar, warum Elessar die Rote Frau bei der Besprechung dabei haben wollte, aber er tat, wie ihn sein König geheißen und eilte zu Eddard, der sich leise mit Ser Davos unterhielt.

"Verzeiht die Störung, Lord Stark, aber mein König hat ein Anliegen an den Euren." Er teilte ihm Elessars Wunsch mit. Eddard nickte. "Ich werde es Seiner Gnaden mitteilen. Gute Nacht, Fürst Faramir!"

"Gute Nacht, Lord Stark!" Faramir ging wieder zu Elessar und Elphir. Die Männer Gondors machten sich auf den Weg zurück zu den Schiffen.

"Welchen Eindruck hast du von König Stannis, Faramir?", fragte Elessar unterwegs.

"Er ist stolz und stark, scheint mir", antwortete Faramir, "aber auch stur und grimmig. Er erinnert mich ein wenig an…" Faramir hielt kurz inne, dann fuhrt er fort: "Er erinnert mich mehr als nur ein wenig an meinen Vater. Allerdings hat selbst Herr Denethor öfter gelächelt als Stannis."

"Ja, fürwahr!", stimmte Elessar zu. "Immerhin, Herr Denethor war ein guter Herrscher, bevor…" Er brach ab.

"Bevor er am Ende seines Lebens in Wahnsinn verfiel!", beendete Faramir den Satz. "Möge Stannis ein solches Schicksal erspart bleiben. Er eignet sich gewiss zum Herrscher in diesen gefährlichen Zeiten. Sicher mehr als Renly, den Lord Stark als töricht, leichtsinnig und überheblich beschreibt und der gerade mal dreiundzwanzig Jahre zählt. Ich frage mich allerdings, wie sich der Einfluss dieser seltsamen Roten Frau auf Stannis auswirken wird."

"Das frage ich mich auch", sagte Elessar, "doch was immer man von Frau Melisandre und ihren befremdlichen Ritualen halten mag, so weiß sie doch von der Gefahr, die Westeros droht. Darüber müssen wir morgen sprechen. Und über einen Teil meines verzauberten Traumes, den ich bislang noch niemandem enthüllt habe."

Sie gingen schweigend weiter. Als sie bereits im Hafen waren, fragte Elessar: "Faramir, Stannis hat doch eine Tochter? Er hat sie uns weder vorgestellt noch war sie heute bei der Zeremonie zugegen."

"Ja, Prinzessin Sharin", antwortete Faramir. "Sie ist ein gutes und freundliches Kind, obwohl sie von ihrer Mutter wenig Liebe erfährt. Königin Selyse leidet darunter, dass sie Stannis keinen Sohn schenken konnte. Sie scheint sich ihrer Tochter zu schämen und versucht, sie verborgen zu halten. Doch ich habe sie das eine oder andere Mal bei Maester Cressen getroffen. Sie und Arya Stark sind gute Freundinnen geworden."

"Aber warum schämt sich die Königin ihrer Tochter, wenn sie doch ein gutes Kind ist?", fragte Elessar.

"Sharin hatte eine Krankheit namens Grauschuppen, die ein Teil ihres Gesichts entstellt hat."

"Etwa ihre linke Gesichtshälfte?", rief Elessar.

Faramir war verblüfft. "Ja, richtig. Woher…"

"Ich habe sie auch in meinem verzauberten Traum gesehen!", sagte Elessar. "Aber ich möchte jetzt nicht darüber sprechen. Auf jeden Fall muss dieses Kind beschützt werden! Gute Nacht, Faramir!" Er bestieg mit seinen Wachen ein Boot, das ihn zum Flaggschiff brachte.

"Gute Nacht, Herr", sagte Faramir und fragte sich, was der König in seinem Traum gesehen hatte.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Ich mache aus mehreren Gründen wieder Pause:

Zum einen werde ich einige noch nicht veröffentliche Kapitel aufgrund des Feedbacks meiner Beta-Leser überarbeiten. Außerdem werde ich die Veröffentlichung der Geschichte auf anderen Seiten vorbereiten, denn angesichts des Desinteresses im Forum muss ich mir auch überlegen, ob ich hier weiter poste.

Und schließlich ist bald Fußball-WM, da habe ich sowieso weniger Zeit. Ende Juli geht es hier eventuell weiter.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Gendry II

Die Mehrzahl der Rekruten hielt sich am Flussufer auf, während Yoren mit Koss die Gegend erkundete und nach einer Furt suchte. Gendry saß etwas abseits.

Heftig polierte er seinen Stierhelm, um sich von den düsteren Gedanken abzulenken, die ihn seit jenem Abend quälten, als er erfahren hatte, dass die Königin seinen Kopf wollte. Was habe ich ihr denn getan? Ich kenne sie nicht einmal! Ich habe immer nur meine Arbeit gemacht und gelernt, um Waffenschmied zu werden. Doch eines Tages hatte Meister Mott ihm gesagt, dass er das Schwarz anlegen müsste. Warum nur hat er das getan? Er war doch mit meiner Arbeit immer zufrieden gewesen! Ach, hätte ich doch bei ihm bleiben können! Aber dann fiel ihm ein, dass ihn die Goldröcke in Königsmund womöglich schon umgebracht hätten.

Er hörte auf, den mittlerweile glänzenden Helm zu polieren und schaute zu den anderen Rekruten. Lommy und Heiße Pastete tollten gerade im Wasser herum, Kurtz fing Fische. Rorge fluchte im Wagen und forderte, dass man ihn freiließe, doch die anderen achteten seiner nicht. Auch zu Gendry schaute niemand. Wenigstens habe ich jetzt meine Ruhe. Seit der Begegnung mit den Goldröcken behandelten die Jungs ihn als jemand besonderen, obwohl ihm das überhaupt nicht passte. Besonders störten ihn ihre Fragen, warum die Königin es auf ihn abgesehen hatte. Das würde ich ja auch gerne wissen!

Als Gendry sah, dass Yoren zurückkam, stand er auf und ging zu den anderen zurück, um zu hören, wie es weitergehen sollte. Nach dem Vorfall mit den Goldröcken hatten sie den Königsweg verlassen und waren weiter nach Westen weitergereist, bis sie zu dem Fluss kamen. Yoren hatte ihn überqueren wollen, aber da sie nirgends eine intakte Brücke oder eine Furt entdecken konnten, hatte er beschlossen, dass sie den Fluss entlang nach Norden weitergehen würden. Yorens Worten zufolge mündete der Fluss in einen See, dem Götterauge. An der Mündung gebe es eine Stadt, wo sie ein Boot mieten könnten, um den See zu überqueren.

In den nächsten Stunden zogen sie auf dem Weg am Flussufer nach Norden. Anders als an den vergangenen Tagen begegneten sie niemandem. Als der Nachmittag schon weit fortgeschritten war, kamen sie an einigen verlassenen Häusern vorbei und erreichten schließlich die Stadt, ein Gewirr von Häusern, das sich um die Mauern einer Festung ausbreitete. Die Stadt war zu Yorens Missfallen ebenfalls verlassen. Noch mehr missfiel ihm, dass sie kein einziges brauchbares Boot fanden. Gendry schlug ihm darauf vor, ein Floß zu bauen. Yoren schien von dieser Idee angetan, erklärte aber, darüber schlafen zu müssen.

Sie begaben sich zum Übernachten in die verlassene Festung. Nach dem Abendessen suchten sich die Rekruten Strohmatratzen und legten sich in der Halle des Bergfrieds hin. Auch Gendry versuchte einzuschlafen. Wieder quälten ihn die Gedanken an die Soldaten, die ihn töten sollten, doch nach einiger Zeit schlummerte er dennoch ein.

Mitten in der Nacht schreckte er aus dem Schlaf hoch, als er durch den Klang eines Horns und Alarmrufe geweckt wurde. Um ihn herum sprangen alle auf, fuhren in ihre Kleider und ergriffen, was sie an Waffen besaßen. Gendry nahm sein Schwert und rannte mit den anderen aus der Halle. An der Mauer der Festung stiegen sie zum Wehrgang hinauf, wo sie durch die Zinnen blickten. Gendry sah, dass in der Stadt viele Männer mit Fackeln waren, die Häuser in Brand setzten. Bald brannte es überall lichterloh.

Eine Kolonne von Reitern kam zwischen den brennenden Gebäuden hervor und sprengte auf den Bergfried zu. Sie hielten vor dem Tor an. "Ihr da in der Festung!", brüllte ein Ritter. "Öffnet im Namen des Königs!"

Yoren, der ebenfalls auf der Mauer stand, rief zu den Reitern: "Ihr dort unten! Die Bewohner der Stadt sind geflohen!"

"Und wer seid Ihr, alter Mann? Einer von Lord Berics Feiglingen?", antwortete der Ritter. "Falls dieser Narr Thoros bei euch ist, fragt ihn, wie ihm dieses Feuerchen gefällt."

"Bei uns befindet sich niemand dieses Namens!", rief Yoren zurück. "Nur ein paar Männer und Jungen, die für die Mauer bestimmt sind. Wir ergreifen in Eurem Krieg keine Partei."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Ach, Ihr seid das?", brüllte der Ritter. "Wir wurden von Männern der Stadtwache verständigt, dass zu Eurer Gruppe ein Bastard namens Gendry gehört. Liefert ihn uns aus oder wir erklären Euch für Gesetzlose, die mit Feinden des Königs im Bunde stehen."

Yoren spuckte aus. "Welchen König meint Ihr denn? Und wer seid Ihr?"

"Das ist Eure letzte Gelegenheit!", drohte der Ritter. "Ich bin Ser Amory Lorch, Gefolgsmann des Lords Tywin Lannister von Casterlystein, der Hand des Königs. Im Namen König Joffreys: Öffnet das Tor!"

"Das werden wir nicht tun!", erwiderte Yoren trotzig.

"Wie Ihr wollt." Ser Amory hob träge die Faust und einer der Reiter hinter ihm schleuderte einen Speer. Yoren musste das Ziel gewesen sein, doch Woth, der neben ihm stand, wurde tödlich getroffen. Gendry duckte sich erschrocken und ihm fiel ein, dass er seinen Helm in der Halle vergessen hatte.

"Stürmt die Mauern und holt sie euch!", befahl Ser Amory gelangweilt. Weitere Speere flogen durch die Luft. Eine Fackel flog in hohem Bogen über sie in den Hof.

"Zieht die Schwerter!", brüllte Yoren. "Verteilt euch und verteidigt die Mauer! Koss, Urreg, haltet das Tor."

Gendry zog hastig sein Schwert aus der Scheide und sah, dass auf einmal eine Hand den Rand der Zinne packte. Dann tauchte ein Helm auf. Panisch schlug Gendry auf den Helm und der Lannister-Mann verlor den Halt und fiel hinunter. Kurz darauf tauchte ein zweiter Mann auf, den Gendry ebenfalls mit einem heftigen Schwertstreich zurückschlagen konnte. Doch an anderen Stellen erklommen Ser Amorys Männer die Mauer und erschlugen ihre Gegner. Andere durchbrachen mit Äxten das Tor. Die ersten Männer, die durch das Tor in den Hof stürmten, wurden von Koss mit Pfeilen getötet, doch bald folgten noch mehr. Einige von ihnen warfen Fackeln in die Richtung der Scheune. Gendry sprang von der Mauer in den Hof, um dort weiterzukämpfen.

Plötzlich war Yoren da und schrie ihm ins Gesicht: "Junge, verschwinde, wir haben verloren. Flieh durch die Falltür der Scheune!" Damit war er fort, um sich wieder in den Kampf zu stürzen. Gendry rief darauf Heiße Pastete, der noch auf der Mauer war, zu sich und steckte sein Schwert in die Scheide. Sie eilten zur Scheune, die aber lichterloh brannte. Aus dem Gebäude waren die Schreie der dort gefangenen Tiere zu hören. Vor der Scheune lag Lommy Grünhand auf dem Boden; in seinem Oberschenkel steckte ein Pfeil. Gendry wollte ihm hochhelfen, doch Lommy stöhnte nur: "Lass mich liegen! Ich werde mich ergeben."

Ehe Gendry darauf etwas erwidern konnte, hörte er weitere Schreie aus der Scheune – doch diese kamen nicht von Tieren, sondern von Menschen. Der Wagen mit den Gefangenen! Gendry und Heiße Pastete eilten in die Scheune.

Es war, als ob sie einen Ofen betraten. Überall wirbelte der Rauch und die Rückseite war eine einzige Feuerwand. Die Pferde und der Esel traten panisch um sich und versuchten vergeblich, sich loszureißen. Der Wagen stand in Flammen, auch Rorge und Beißer brannten bereits, wanden sich und schrien vor Schmerz, während Jaqen H’ghar vor den Flammen an die Gitterstäbe zurückgewichen war und verzweifelt rief: "Jungen! Liebe Jungen!"

Gendry beachtete ihn zunächst nicht, sondern schaute zur Falltür. Auch sie brannte und der Weg zu ihr war durch die Flammen versperrt. "Es ist zu spät!", stöhnte Heiße Pastete und floh aus der Scheune. Gendry folgte ihm. Draußen lagen zahlreiche Männer im Sterben, aber da überall Rauch war, konnte er nicht viel sehen. Doch sein Blick fiel auf die Axt, mit der er am Abend noch Holz gehackt hatte. Ohne zu überlegen nahm er das Beil und kehrte in die Scheune zurück.

Mittlerweile war es dort noch heißer und der Rauch noch dichter. Gendry hielt sich die freie Hand vor Mund und Nase. Inmitten des Qualms sah er den Wagen zuerst nicht, doch dann hörte er die Schreie von Beißer. Geduckt lief er in die Richtung der Schreie, bis er den Wagen sah. Er warf die Axt in den Wagen und sah noch, wie Jaquen sie auffing. Dann wandte Gendry sich um und floh aus der Scheune.

Hustend sank er draußen in die Knie und atmete erleichtert die kühle Nachtluft ein. Doch dann wurde er plötzlich von zwei Händen in eisernen Handschuhen grob gepackt und festgehalten. Ein weiterer von Ser Amorys Männern trat hinzu und riss das Schwert von Gendrys Gürtel. Gendry wehrte sich nicht und hörte, wie Heiße Pastete einige Schritte entfernt wimmerte: "Ich ergebe mich, ich ergebe mich!"

Vorsichtig hob Gendry den Kopf und schaute sich um. Überall lagen Tote beider Seiten auf dem Hof, unter ihnen auch Yoren, dessen Schädel gespalten war. Nur wenige aus seiner Gruppe hatten überlebt. Sie wurden von den Lannister-Männern festgehalten.

Neben Gendry kam auf einmal Jaqen keuchend und röchelnd herangekrochen. Hinter ihm stürzte die brennende Scheune ein. Als der Mann aus Lorath sich auf den Knien aufrichtete, wurde er sogleich von zwei Soldaten gepackt.

"Sind das jetzt alle?", fragte Ser Amory, der mit seinem Schwert in der Hand über den Hof stolzierte. "Wir nehmen diese Kerle mit nach Harrenhal. Was ist mit dir, Bursche? Kannst du nicht aufstehen?" Er ging auf Lommy zu, der immer noch mit dem Pfeil im Oberschenkel auf dem Rücken lag.

"Mein Bein ist verletzt", stöhnte Lommy. "Ich kann nicht gehen. Ihr müsst mich tragen."

"Ach, müssen wir das?", höhnte Ser Amory und stieß die Spitze seines Schwertes in den Hals des Jungen. Lommy zuckte kurz und starb. Ungerührt zog der Ritter sein Schwert aus dem Körper des Toten.

Da kam ein Soldat aus der Halle des Bergfrieds mit Gendrys Helm in der Hand herangeschritten und zeigte ihn Ser Amory. "Wer von euch ist Gendry?", fragte der Ritter.

"Der Ritter will Gendry?", meldete sich Jaqen zu Wort. "Da habt Ihr ihn." Er wies mit einer Kopfbewegung auf den toten Lommy.

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Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Es geht also weiter - ab jetzt gibt es alle zwei Wochen ein neues Kapitel.

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elphir IV

Das zweite Treffen der Könige fand nicht in der Großen Halle, sondern in der Kammer der bemalten Tafel statt. Elphir blickte verwundert auf die riesige Karte von Westeros, als er mit Elessar und Faramir eintrat. König Stannis erwartete sie bereits, Lord Eddard stand zur seiner Rechten und Lady Melisandre zu seiner Linken. Auf ein Zeichen von Stannis nahmen sie Platz an der Tafel, wobei sich Elessar genau gegenüber von Stannis setzte. Faramir setzte sich rechts neben Elessar und Elphir nahm links von seinem König Platz.

"Euer Gnaden, wollt Ihr mit uns den Angriff auf Königsmund besprechen?", fragte Stannis. "Können wir in den nächsten Tagen die Segel setzen?"

"Nein, Euer Gnaden", antwortete Elessar, "meine Truppen sind noch nicht bereit für diesen Angriff. Meine Lords und Hauptleute beherrschen die Gemeine Zunge mittlerweile einigermaßen, aber die Mehrzahl meiner Soldaten hat noch viel zu lernen. Bei einem so schwierigen Vorhaben wie dem von Euch beabsichtigten Angriff müssen sich Eure und meine Truppen mühelos miteinander verständigen können. Außerdem müssen meine Leute und ich noch mehr über Königsmund wissen, um den Angriff sorgfältig planen zu können. Aber wir sind heute nicht zur Besprechung des Kampfes um den Eisernen Thron zu Euch gekommen."

Stannis machte ein mürrisches Gesicht. "Je länger wir mit dem Angriff auf Königsmund warten, desto schwieriger wird es. Der gerissene und schlaue Gnom Tyrion Lannister befehligt jetzt in der Stadt und wird ihre Verteidigung vorbereiten. Er hat bereits diesen korrupten Schwachkopf Janos Slynt als Kommandanten der Stadtwache abgesetzt und durch den viel fähigeren Ser Jaslyn Amwasser ersetzt. Aber wir waren auch nicht untätig: Wir haben den Brief, den die Lords des Nordens und der Flusslande bereits erhalten haben, mit einigen Ergänzungen in viele Richtungen abgeschickt. In Kürze werden also auch die Menschen in Königsmund und den Ländern im Westen, Osten und Süden die Wahrheit über den falschen König Joffrey erfahren. Aber bitte, wenn Ihr das nicht besprechen wollt, warum seid Ihr dann gekommen?"

"Euer Gnaden, wir werden Euch zwar im Kampf gegen den kindlichen Thronräuber Joffrey helfen, aber wir sind für eine viel wichtigere Aufgabe in Eure Welt geschickt worden."

"Die Große Schlacht!", rief Melisandre. "Ja, König Elessar, deshalb hat Euch der Herr in unsere Welt gesandt."

Stannis stöhnte auf. "Das soll wichtiger sein als der Kampf um den Eisernen Thron?"

"Ja, das ist viel wichtiger, Euer Gnaden!", sagte Melisandre entschieden. "Diese kleinen Kriege sind lediglich Streitereien unter Kindern, verglichen mit dem, was uns bevorsteht. Derjenige, dessen Name nicht ausgesprochen werden darf, sammelt seine Kräfte, Euer Gnaden, Kräfte, die vernichtend und böse und über alle Maßen stark sind. Bald kommen die Kälte und die Nacht, die niemals endet – wenn nicht aufrechte Männer den Mut finden, dagegen anzukämpfen. Männer mit Herzen aus Feuer!"

"Wir müssen mehr darüber erfahren", sagte Elphir. "Lady Melisandre, in unseren Gesprächen habt Ihr erwähnt, dass vor Tausenden von Jahren Finsternis über der Welt lag, die der erste Azor Ahai besiegt hat. Wer waren die Kräfte des Bösen, gegen die der Azor Ahai kämpfte? Was habt Ihr gestern damit gemeint, als Ihr sagtet, dass sich im Norden die Toten erheben?"

"Es waren Dämonen der Finsternis, die Kälte und Tod brachten", antwortete Melisandre. "In einem Winter, der sehr viele Jahre dauerte. Sie brachten die Toten dazu, für sie zu kämpfen. Bald werden sie es wieder tun."

"Sprecht Ihr von der Langen Nacht?", fragte Eddard. "Die gab es zwar wirklich, doch sie liegt achttausend Jahre zurück."

Ehe Melisandre etwas darauf erwidern konnte, ergriff Elessar das Wort: "Lord Stark, was wisst Ihr darüber? In einem der Bücher, die ich von Maester Pylos erhalten habe, wird die Lange Nacht zwar erwähnt, aber allzu viel erfährt man nicht. Es heißt, dass es vor Tausenden von Jahren vor den Menschen noch andere sprechende Wesen gegeben habe: Riesen und kleinwüchsige Kinder des Waldes. Außerdem die Anderen, die in der Langen Nacht aus dem Norden gekommen und die Menschen angegriffen hätten. Der Verfasser des Buches schreibt aber dazu, dass er dies für Ammenmärchen hält."

"So sehen es viele Maester im Süden", antwortete Eddard, "und tatsächlich hat meine Amme, die Alte Nan, mir viele Geschichten über die Lange Nacht und die Anderen erzählt, als ich ein Knabe war. Jetzt erzählt sie diese Geschichten meinen Kindern."

"Bitte erzählt uns davon, Lord Stark!", bat Elessar. "Ein kluger Herr sagte mir einmal, dass alte Frauen noch Berichte von Dingen im Gedächtnis haben, die einstmals für die Weisen wissenswert waren. Was wisst Ihr über die Lange Nacht und die Anderen?"

Eddard blickte etwas unsicher zu Stannis, der ihm mürrisch zunickte.

"Wie Ihr wünscht, Euer Gnaden", sagte Eddard darauf. "Die Lange Nacht war ein Winter, der kälter und härter war als alles, was es seit Menschengedenken gegeben hat und in der die Sonne über Jahre ihr Gesicht verbarg. Kinder wurden in der Finsternis geboren, lebten und starben, ohne je die Sonne gesehen zu haben. Könige erfroren genauso wie das gemeine Volk. Doch es wurde noch viel schlimmer, als aus dem Norden die Anderen kamen."

"Wer waren die Anderen?", fragte Faramir.

"Sie werden manchmal auch Weiße Wanderer genannt", antwortete Eddard. "Die Alte Nan sagte, sie waren kalte und tote Dinger, die Eisen, Feuer und die Sonne hassten – und jedes Wesen mit warmen Blut in den Adern. Sie fielen über Burgen, Städte und Herrscher her, erschlugen zahllose Menschen und machten aus ihren Leichen untote Sklaven… Euer Gnaden?"

Elphir wurde gewahr, dass Elessar die Hände vor dem Mund zusammengeschlagen hatte, um einen Ausruf des Entsetzens zu unterdrücken. "Was ist, Euer Gnaden?", fragte Elphir besorgt, als er sah, dass sein König ganz blass geworden war.

"Alles in Ordnung", sagte Elessar, "bitte erzählt weiter, Lord Stark! Wie konnten die Anderen besiegt werden?"

"Es heißt, dass ein letzter Held sich aufmachte, die Kinder des Waldes zu suchen, da er hoffte, ihre Zauberkräfte könnten gegen die Anderen helfen. Nach langen und gefährlichen Abenteuern fand er die Kinder des Waldes und schloss ein Bündnis mit ihnen. In der Schlacht um die Dämmerung gelang den Menschen und den Kindern des Waldes der entscheidende Sieg gegen die Anderen und ihre Heerscharen der Erschlagenen."

Verblüffend, wie ähnlich die Geschichten von Eddard und Melisandre sind, dachte Elphir. Doch welche Überlieferung ist näher an der Wahrheit? Die aus dem Norden oder die aus Asshai?

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Wie konnten sie den Sieg gegen einen solch entsetzlichen Feind erringen?", fragte Faramir.

"Azor Ahai, den Lord Stark als letzten Helden bezeichnet, hatte das Schwert Lichtbringer!", mischte sich Melisandre ein.

"Ein Schwert vermag viel auszurichten, doch um ganze Heerscharen zu besiegen, bedarf es mehr!", widersprach Faramir.

"Ich weiß nicht, wie die Schlacht entschieden wurde", räumte Eddard ein, "doch gewiss gibt es in der Bibliothek von Winterfell Aufzeichnungen, die mehr darüber berichten. Sofern von der Bibliothek noch etwas übrig ist, denn sie wurde vor kurzem durch einen Brand zerstört."

"Aber es gibt wahrscheinlich Aufzeichnungen in den Archiven der Zitadelle", warf Stannis ein. "und wohl auch in den Archiven von Königsmund. Lord Stark, glaubt Ihr etwa, dass die Geschichten, die Eure Amme erzählt hat, wahr sind?"

"Vielleicht nicht in allen Einzelheiten", meinte Eddard, "aber ich denke schon, dass es die Lange Nacht, die Kinder des Waldes, den Krieg gegen die Anderen und die Schlacht um die Dämmerung wirklich gegeben hat. Aber das ist Jahrtausende her. Die Anderen wurden besiegt und vernichtet."

"Sie kommen wieder!", raunte Melisandre düster.

"Nach achttausend Jahren?", fragte Eddard zweifelnd.

"Ja, und genau deshalb sind wir in Eure Welt geschickt worden", sagte Elphir. "Auch in unserer Welt gab es einen Feind, der vor langer Zeit besiegt wurde, doch nach dreitausend Jahren wiederkam. Wir haben große Schlachten gegen abscheuliche Monster geschlagen und sie besiegt und nun werden wir eben gegen die Heerscharen von Erschlagenen…"

"Ich habe diese Heere der Erschlagenen gesehen!", unterbrach ihn Elessar.

"Wo und wann habt Ihr sie gesehen, Euer Gnaden?", fragte Stannis.

Elessar atmete tief durch. "In einem Traum, Euer Gnaden. Wir alle, meine Männer und ich, erfuhren in ein und derselben Nacht durch Träume, dass wir in Eure Welt müssen. In meinem Traum erhielt ich den Auftrag vom Herrn der Lüfte. Er zeigte mir Visionen von Geschehnissen in Eurer Welt, die nie Wirklichkeit werden dürfen. Die erste Vision zeigte die Enthauptung von Lord Stark in Königsmund, die Fürst Faramir bereits verhindert hat. Dann sah ich weitere abscheuliche Morde…"

Er hielt kurz inne und holte noch einmal tief Luft. "Doch weitaus entsetzlicher war, was mir danach gezeigt wurde. Ich sah, wie Eure Welt nach einem Sieg der Mächte des Bösen aussehen würde. Unter einem grauen Himmel war ein ödes Land zu sehen, in dem nichts mehr lebte: Die Wälder bestanden aus toten, kahlen Bäumen, die Wiesen aus braunem, verfaultem Gras. Durch diese leblose Landschaft bewegten sich Menschen und Tiere, die weder lebendig noch tot zu sein schienen: Wie verwesende Leichen und Kadaver sahen sie aus, deren Knochen noch teilweise vom zerfallenden Fleisch bedeckt waren. Die unnatürlich blau leuchtenden Augen dieser untoten Wesen starrten geradeaus, während sich ihre Körper wie von einem fremden Willen gelenkte Puppen bewegten."

Elphir schauderte, während er den Worten seines Königs lauschte, die niemandem unbeeindruckt ließen. Ein bedrücktes Schweigen trat ein. Schließlich sagte Melisandre zu Stannis: "Das darf niemals Wirklichkeit werden, Euer Gnaden. Ihr müsst es verhindern!" Stannis nickte ernst und fragte Elessar: "Habt Ihr im Traum noch mehr von dieser Zukunft nach dem Sieg der Anderen gesehen, Euer Gnaden?"

Elessar nickte. "Das habe ich. Doch ich möchte jetzt nicht davon sprechen. Noch nicht. Zuvor muss ich mehr über die Lange Nacht und die Anderen erfahren."

"Pylos und Cressen werden Euch entsprechende Schriften heraussuchen!", versprach Stannis. "Sobald ich den Eisernen Thron errungen habe, werde ich mich mit aller Kraft der Verteidigung des Reiches gegen die Anderen widmen. Aber zuerst muss ich den Thron erringen!"

"Ja, das stimmt", pflichtete Elessar ihm bei, "daher müssen wir auch den Angriff auf Königsmund vorbereiten. Bitte sorgt dafür, dass Fürst Faramir und Kommandant Elphir alle verfügbaren Einzelheiten über die Stadt und ihre Verteidigungsanlagen erhalten."

"Auch das sollt Ihr bekommen!", sagte Stannis. "Wollt Ihr sonst noch etwas wissen, Euer Gnaden?"

"Ja, Euer Gnaden. Ich habe gelesen, dass nach der Langen Nacht im Norden von Westeros die Mauer errichtet und der Orden der Nachtwache gegründet wurde und dass die Nachtwache bis heute die Mauer bewacht und Angriffe der Wildlinge abwehrt." Er wandte sich an Eddard: "Lord Stark, Ihr seid der Wächter des Nordens. Gab es in letzter Zeit an der Mauer irgendwelche ungewöhnlichen Vorkommnisse?"

Eddard überlegte kurz. "Es ist schon eine Weile her, dass ich im Norden war", antwortete er, "doch auch hier im Süden habe ich vernommen, dass mehrere Grenzer von Patrouillen jenseits der Mauer nicht zurückgekehrt sind. Einer von ihnen war mein Bruder Benjen." Ein Schatten des Kummers zog über sein Gesicht.

"Wahrscheinlich haben Wildlinge die Grenzer getötet oder gefangen genommen", meinte Stannis.

"Das ist möglich", räumte Elessar ein, "aber vielleicht lebt Euer Bruder noch, Lord Stark."

"Vielleicht, vielleicht auch nicht", seufzte Eddard. "Vor meiner Abreise von Winterfell vor einem Jahr sind innerhalb weniger Monate vier Männer der Nachtwache desertiert. Irgendetwas hat sie so sehr in Angst und Schrecken versetzt, dass sie kopflos nach Süden flohen, ehe sie von unseren Truppen gefangengenommen wurden."

"Wurden diese Fahnenflüchtigen verhört?", fragte Elphir. "Was ist mit ihnen geschehen?"

"Gewiss wurden sie verhört, Kommandant Elphir", antwortete Eddard, "aber es war kein vernünftiges Wort aus ihnen herauszubringen. Sie schienen den Verstand verloren zu haben und waren mit Worten nicht mehr zu erreichen. Ich habe sie dann gemäß dem Gesetz zum Tode verurteilt und eigenhändig enthauptet, wie es im Norden Sitte ist. Kommt Euch das seltsam vor, Mylord?" Offensichtlich hatte Eddard gesehen, wie Elphir das Gesicht verzogen hatte.

"Fahnenflucht wird auch bei uns mit dem Tode bestraft", sagte Elphir, "doch bei uns wird der Richter nicht zum Henker."

"Dies ist eine Sitte des Nordens", erklärte Stannis. "Die Lords in den anderen Teilen von Westeros betätigen sich üblicherweise nicht als Henker. War es das, meine Herren? Können wir die Besprechung beenden?"

"Das können wir, Euer Gnaden", sagte Elessar. "Ich habe nur noch eine letzte Frage an Lord Stark: Diese Kinder des Waldes – habt Ihr jemals etwas davon gehört oder gelesen, dass sie behaarte Füße hatten?" Elphir schmunzelte, als er diese Frage seines Königs vernahm.

"Behaarte Füße?", wiederholte Eddard befremdet. "Nein, nicht dass ich wüsste. Warum fragt Ihr?"

Jetzt schmunzelte auch Elessar. "Auch in unserer Welt gibt es kleinwüchsige Wesen, die einen entscheidenden Beitrag zum Sieg gegen den Feind geleistet haben. Sie sind uns Menschen sehr ähnlich, wenn man davon absieht, dass ihre Füße sehr stark behaart sind. Ich hatte mich nur gefragt, ob die Kinder des Waldes ihnen ähnlich waren."

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EikeWeber

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Hi!
Die zwei Wochen sind vorbei. :-)

Würde mich über die Fortsetzung freuen.

Schöne Grüße
Eike
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: EikeWeber]

EikeWeber schrieb:
Würde mich über die Fortsetzung freuen.

Und ich würde mich über Feedback freuen, dass mehr enthält als den Wunsch nach der Fortsetzung.

Am Samstag kommt das nächste Kapitel.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Cersei II

Fassungslos und wütend schaute Cersei auf die beiden wortgleichen Briefe, die vor ihr lagen. Nochmals las sie die verhassten Worte:

Wie allgemein bekannt, bin ich der rechtmäßige Sohn von Steffon Baratheon, Lord von Sturmkap, und seiner Hohen Gemahlin Cassana aus dem Haus Estermont. Ich erkläre hiermit bei der Ehre meines Hauses, dass mein Bruder Robert, unser verstorbener König, keine rechtmäßigen Erben hinterließ und dass der Knabe Joffrey, der Knabe Tommen und das Mädchen Myrcella aus dem verabscheuungswürdigen Inzest zwischen Cersei Lannister und ihrem Bruder Ser Jaime dem Königsmörder hervorgegangen sind. Bezeugen kann dies der ehrenwerte Eddard Stark, Lord von Winterfell, Wächter des Nordens und Hand des Königs.

Gemäß dem Recht von Gesetz und Blut erhebe ich daher Anspruch auf den Eisernen Thron der Sieben Königslande von Westeros. Alle aufrechten Männer mögen mir die Treue schwören, so wie es bereits die Lords des Nordens und der Flusslande getan haben. Im Kampf um den Eisernen Thron wird mir außerdem Seine Gnaden, Elessar, der Erste seines Namens, aus dem Hause Telcontar, Hoher König von Arnor und Gondor, mit seinen Streitkräften Beistand leisten.

Erlassen im Lichte des Herren, gezeichnet mit Wappen und Siegel von Stannis aus dem Hause Baratheon, dem Ersten Seines Namens, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Beschützer des Reiches.


Bis auf Varys hatte sich der Kleine Rat zur Sitzung eingefunden. Tyrion nahm die beiden Schreiben und verglich sie miteinander.

"Maester Frenken hat das erste Schreiben auf Burg Schurwerth erhalten", erläuterte Großmaester Pycelle. "Die zweite Abschrift erreichte uns über Lord Gil."

Kleinfinger strich sich durch den Bart. "Wenn Stannis sich mit denen abgibt, hat jeder andere Lord der Sieben Königslande diesen Brief mit Sicherheit ebenfalls erhalten."

"Ich wünsche, dass diese Schreiben verbrannt werden, jedes einzelne", verlangte Cersei aufgebracht. "Meinem Sohn oder meinem Vater darf kein Wort davon zu Ohren gelangen."

"Ich könnte mir vorstellen, dass Vater davon bereits alles vernommen hat", sagte Tyrion trocken. "Zweifellos hat Stannis auch Vögel nach Casterlystein und Harrenhal geschickt. Wozu soll es also gut sein, die Briefe zu verbrennen? Mir wäre es auch lieber, dass Joffrey nichts davon erfährt, aber ich bezweifle, dass sich das verhindern lässt. Das Lied ist gesungen, der Wein ist vergossen, das Weib schwanger. Und so furchtbar ist es nun auch wieder nicht." Tyrion sprach gelassen, als ob er Stannis' Behauptungen nicht für unerhörte Lügen hielt.

"Bist du völlig von Sinnen?", fuhr Cersei ihren Bruder an. "Hast du nicht gelesen, was darin steht? Er nennt den König einen Knaben und wagt es, mich des Inzests, des Ehebruchs und des Hochverrats zu bezichtigen." Dass Stannis' Beschuldigungen der Wahrheit entsprachen, machte Cersei nur noch wütender. Vollends zur Weißglut trieb sie Tyrions Gelassenheit. Der Gnom hatte sich als Hand des Königs für Cerseis Zwecke als völlig unbrauchbar erwiesen und entgegen seinem Versprechen rein gar nichts unternommen, um Jaime zu befreien.

Tyrion zuckte mit den Schultern. "Stannis braucht einen Vorwand, um seine Rebellion zu rechtfertigen. Natürlich schreibt er nicht 'Joffrey ist meines Bruders rechtmäßiger Erbe, aber ich habe trotzdem vor, ihn seines Thrones zu berauben'."

"Und er nennt diesen verlogenen Verräter Eddard Stark als Zeugen!", schimpfte Cersei. "Ich wollte ihn leben lassen, doch jetzt bedaure ich es umso mehr, dass Ilyn Payn ihn nicht geköpft hat." Innerlich schalt Cersei sich selbst dafür, dass sie Stark bei jenem Gespräch kurz vor Roberts Tod alles gestanden hatte.

"Na und wenn schon", meinte Kleinfinger schulterzuckend. "Stannis' Söldner haben Lord Stark gerettet, daher verwundert es nicht, dass er nun alles erzählt, was Stannis von ihm verlangt."

"Stannis' Söldner, fürwahr", pflichtete Tyrion ihm bei. "Sie scheinen ihm sehr viel zu bedeuten, dass er in seinem Brief ihren Anführer sogar König nennt. Großmaester, wisst Ihr, wo jene Reiche Arnor und Gondor liegen, über die dieser Elessar Telcontar angeblich herrscht?"

"Tut mir leid, Mylord Hand", entschuldigte sich Pycelle, "aber Reiche mit diesen Namen sind mir nicht bekannt. Ich werde in den Schriften nachsehen…"

"Ja, tut das!", befahl Cersei ungeduldig. "Vielleicht weiß Varys mehr darüber. Wo ist er eigentlich?"

"Die Spinne webt ihre geheimen Netze Tag und Nacht", sagte Pycelle bedeutungsvoll. "Ich misstraue ihm."

"Und dabei spricht er so herzlich von Euch." Tyrion hatte ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt, was Cersei nicht behagte. Der Gnom schaute nochmals in die Briefe. "Erlassen im Lichte des Herren", las er vor. „Eine merkwürdige Wortwahl."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Pycelle räusperte sich. "Diese Worte stehen oft in Briefen und Dokumenten aus den Freien Städten. Sie meinen meist nicht viel mehr als, sagen wir, 'verfasst vor Gott'. Vor dem Gott der Roten Priester."

"Varys hat uns schon vor einigen Jahren erzählt, dass Lady Selyse sich mit einer Roten Priesterin eingelassen hätte", erinnerte Kleinfinger sie.

Tyrion tippte auf den Brief. "Und nun scheint ihr Hoher Gemahl ihrem Beispiel gefolgt zu sein. Das könnten wir gegen ihn verwenden. Ebenso, dass er sich mit einem ausländischen König verbündet hat. Drängt den Hohen Septon zu verkünden, Stannis habe sich gleichermaßen gegen die Götter und gegen seinen rechtmäßigen König erhoben und will unsere Lande an einen fremden Herrscher verkaufen…"

"Ja, ja", erwiderte Cersei ungeduldig. "Aber zuerst müssen wir verhindern, dass sich dieser Schmutz weiter verbreitet. Der Rat muss folgenden Erlass herausgeben: Jeder Mann, der es wagt, von Inzest zu sprechen oder Joffrey einen Bastard zu nennen, soll dafür seine Zunge einbüßen."

"Eine besonnene Maßnahme", meinte Pycelle zustimmend.

"Eine Torheit", seufzte Tyrion. "Wenn man einem Mann die Zunge herausreißt, straft man seine Worte nicht Lügen, sondern lässt alle Welt wissen, dass man sie fürchtet."

"Was sollten wir sonst machen?", fragte Cersei ärgerlich.

"Sehr wenig. Lasst sie flüstern, bald werden sie der Geschichte müde werden. Jeder Mensch mit ein wenig Verstand wird darin sowieso nur einen plumpen Versuch sehen, den Raub der Krone zu rechtfertigen. Hat Stannis irgendwelche Beweise vorgelegt? Nein, er nennt nur Ned Stark als Zeugen…"

"So ist es!", stimmte Kleinfinger ihm zu. "Jener Ned Stark, der vor dem versammelten Volk vor der Großen Septe von Baelor seinen schändlichen Verrat gestanden und Joffrey als rechtmäßigen König anerkannt hat, doch danach wieder sein wahres Gesicht gezeigt und erneut Verrat begangen hat. Lord Tyrion hat Recht: Wenn wir versuchen, das Gerede über Stannis' Behauptungen zum Verstummen zu bringen, verleihen wir ihm nur Glaubwürdigkeit. Strafen wir diese jämmerlichen Lüge besser mit Verachtung und entlarven in der Zwischenzeit den Lügner Ned Stark!"

"Wie wollt Ihr das anstellen?", fragte Cersei.

"Mit einigen viel interessanteren Geschichten über Ned Stark und seine Leute. Es kann schon hilfreich sein, wenn wir das Volk an Ned Starks Worte vor der Großen Septe erinnern. Darüber hinaus kursieren jetzt schon abenteuerliche Geschichten über seinen Sohn und seine Männer, die in den Flusslanden Krieg führen. Es heißt, Robb Stark würde auf einem riesigen Wolf in die Schlacht reiten, der feindliche Soldaten bei lebendigem Leibe frisst. Lasst uns das doch etwas ausschmücken behaupten, dass auch Ned Starks Sohn, der junge Wolf und seine Männer sich an Menschenfleisch gütlich tun."

Tyrion schüttelte den Kopf. "Das sind allzu abenteuerliche Schauermärchen. Wer sollte einen solchen Unsinn glauben? Und was hat das mit Ned Starks Verrat zu tun?"

"Die Leute glauben viel mehr, als man sich vorstellen kann", lachte Kleinfinger. "Aber Ihr habt Recht, wir sollten wegen Ned Stark noch mehr unternehmen: Nicht nur Stannis hat sich gegen die Sieben erhoben, sondern auch Lord Stark, der bekanntlich die alten Götter verehrt. Alle Gläubigen sollen aufgefordert werden, den rechtmäßigen König Joffrey als Verteidiger des Glaubens zu dienen – gegen den Usurpator und seine Hand; gegen den Roten Gott und die heidnischen Götter des Nordens!"

"Lord Petyr, Ihr seid wahrlich niederträchtig!", bemerkte Cersei nicht ohne Respekt. Auf dem Gebiet von Hinterlist und Verschlagenheit konnte sich Kleinfinger wahrlich mit ihr messen! Gut, dass dieser Mann nicht auf der Seite von Stannis und Ned Stark war.

"Vielen Dank, Euer Gnaden."

"Und ein vollendeter Lügner", fügte Tyrion weniger herzlich hinzu. "Zur Verteidigung des Glaubens gegen den Roten Gott aufzurufen ist richtig, aber mir behagt es nicht, die Menschen gegen die alten Götter aufzuhetzen. Die Anhänger der alten und neuen Götter leben seit Jahrhunderten in Frieden und das sollte besser so bleiben – dieser Ansicht dürfte auch der Hohe Septon sein. Und wenn wir irgendwelche Schauermärchen über menschenfressende Nordländer verbreiten, werden diese rasch als Lügen entlarvt."

"Richtig, Mylord", sagte Kleinfinger. "Natürlich wird die Krone keine Schauermärchen verbreiten oder ein böses Wort gegen die alten Götter äußern. Huren hingegen erzählen gerne Geschichten und mir gehört zufällig das eine oder andere Bordell. Und auch wenn es kaum zu glauben ist, lassen sich dort selbst Septone blicken."

"Weil auch sie Männer sind!", sagte Cersei verächtlich. "Ja, Lord Petyr, Eure Huren sollen diese frommen Männern – und auch anderen Gläubigen - die richtigen Worte einflüstern!"

Cersei gefiel Kleinfingers Plan. Dass er Tyrion einiges Unbehagen bereitete, gefiel ihr noch mehr.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Margaery I

Wie eine riesige Schlange kroch der Heereszug über den Rosenweg. Das größte Heer, das die Sieben Königslande je gesehen hat, so hatte Renly getönt und seine Gemahlin war geneigt, ihm das zu glauben. Aber waren es tatsächlich achtzigtausend Männer? Margaery wusste es nicht und sie zerbrach sich auch nicht weiter den Kopf darüber, während sie an der Seite ihres Gemahl weiterritt, sondern blickte etwas verträumt nach rechts, wo der Mander träge dahinfloss. Die tief im Westen stehende Sonne spiegelte sich im Wasser. Kommen wir nicht bald zu einer Stadt, die über den Fluss führt?

"Ist Euch langweilig, meine Königin?", fragte Renly.

"Wie? Nein, Euer Gnaden. Ich fragte mich nur, ob wir nicht bald die Stadt Bitterbrück erreichen."

"Eher ein Städtchen." Der König lachte. "Ein paar Häuser, die eine kleine Burg umgeben. Wir werden wohl morgen ankommen. Ich beabsichtige, dort ein großes Turnier zu veranstalten."

Margaery schaute nach vorne, wo zwei Kompanien aus Rosengarten als Vorhut marschierten und sah, dass diese zum Stehen kamen. Renly hob die Hand, um dem Heer das Zeichen zum Halten zu geben. Von der Spitze der Vorhut kam Margaerys Bruder Loras herangeritten. Er hielt vor dem König und der Königin an, lächelte Renly an und überreichte ihm einen Brief.

"Euer Gnaden, das hat mir soeben ein berittener Bote von Lord Caswell überreicht. Der Rabe ist seinen Worten zufolge heute Morgen aus Drachenstein eingetroffen."

"Ach schau, von meinem lieben Bruder Stannis", spottete Renly. "Haben ihm die Götter noch mehr Krieger geschickt? Oder möchte er noch weitere Abscheulichkeiten über die Lannisters verbreiten?" Es war nicht der erste Brief von Stannis, der nach Renlys Krönung in der Weite eingetroffen war. Tatsächlich hatte die ungeheuerliche Behauptung, dass Cerseis Kinder Früchte des Inzests mit ihrem Bruder seien, für einiges Aufsehen gesorgt, zumal Eddard Stark als Zeuge genannt wurde. Deshalb meinten nicht wenige unter den Lords, dass die Geschichte wohl wahr sei. Renly hatte es erstmal die Sprache verschlagen, doch dann hatte er gesagt, dass es gleichgültig sei, ob Stannis‘ Behauptungen wahr seien oder nicht, entscheidend sei, wer über das größte Heer verfüge und den Krieg gewinne.

Renly brach das Siegel und entrollte den Brief. Noch während er las, brach er in lautes Gelächter aus. "Das ist ja köstlich!" prustete er. "Lest, meine Königin, und gebt den Brief dann Eurem Bruder zurück."

Margaery nahm den Brief entgegen und las:


An Renly aus dem Hause Baratheon, Lord von Sturmkap

Mein Bruder,

gemäß dem Recht von Gesetz und Blut steht der Eiserne Thron der Sieben Königslande von Westeros alleine mir zu. Du schuldest mir deine Treue und deinen Gehorsam. Dass du dich König nennst, ist ein Akt des Hochverrats. Doch um der Mutter Willen, die uns beide geboren hat, bin ich bereit, dir zu verzeihen, wenn du vor mir das Knie beugst und mir die Treue schwörst. Dafür ernenne ich dich zu meinem Erben, solange ich keinen Sohn habe.

Als Zeichen meiner Großzügigkeit werde ich dich nicht angreifen, so lange unsere gemeinsamen Feinde, die Lannisters, nicht besiegt sind und so lange du deinerseits meine Heere nicht angreifst. Solltest du jedoch das Schwert auch nur gegen einen mir ergebenen Lord oder gegen meine Verbündeten erheben, werde ich dich vernichten.

Erlassen im Lichte des Herrn, gezeichnet mit Wappen und Siegel von Stannis aus dem Hause Baratheon, dem Ersten Seines Namens, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Beschützer des Reiches



Margaery war befremdet von dem widersprüchlichen Brief, in dem Stannis einerseits drohte und sich andererseits großzügig gab. "Eine seltsame Botschaft", meinte sie und gab das Schreiben Loras zurück.

"So ist es, meine Königin", stimmte Renly zu. "Wie dem auch sei, der Tag geht zu Ende und daher werden wir hier unser Lager aufschlagen. Loras, sorge dafür, dass die Lords den Brief zu lesen bekommen. Wir werden uns nach dem Abendessen beraten."

"Sehr wohl, Euer Gnaden."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Bald darauf war das Lager errichtet und König Renly nahm das Abendessen in seinem großen Zelt zusammen mit seiner Königin, ihrem Bruder und den Lords Randyll Tarly, Mathis Esch, Alester Florent, Eldon Estermont sowie Lady Arwyn Eichenherz und Ser Baelor Hohenturm ein. Nachdem das Mahl beendet war und alle den Brief von Stannis gelesen hatten, eröffnete Renly die Beratung:

"Lords und Ladies, Ihr alle habt gelesen, dass mein lieber Bruder, der Lord von Drachenstein mich gleichzeitig als Hochverräter beschimpft, mir droht, mich zu seinem Erben ernennt und mir einen Waffenstillstand anbietet. Was haltet Ihr davon? Und wie sollen wir darauf reagieren?"

"Euer Gnaden, diesen Brief hat Lord Stannis sicher nicht alleine verfasst", meinte der alte Eldon Estermont. "Aus den Beleidigungen und Drohungen spricht der stolze und sture Stannis, doch dieser Vorschlag eines indirekten Bündnisses gegen die Lannisters haben ihm gewiss andere eingeredet."

"So ist es wohl, Onkel", stimmte Renly seinem Verwandten zu. "Vielleicht kam das von Ned Stark. Das ist ein guter, ehrenwerter Mann. Bedauerlich, dass er nach Roberts Tod nicht mein Angebot angenommen hat – es hätte ihm Kerker und Todesangst erspart."

"Vielleicht kam es auch von einem der Söldner", gab Mathis Esch zu bedenken. "Es heißt, dieser sogenannte ‚König von Gondor‘ hätte mehr Männer als Stannis."

"Zumindest hat er wohl geschickte Männer", meinte Margaery. "Sie haben Ned Stark aus Königsmund gerettet, ohne auch nur einen Mann zu verlieren."

"Dann wäre es zweifellos von Vorteil, nicht gegen sie zu kämpfen", befand Alester Florent, der alte Lord von Klarwasser. "Wir sollten uns in der Tat auf den Krieg gegen die Lannisters konzentrieren."

"Damit Ihr nicht gegen Eure eigene Sippe kämpfen müsst, Lord Florent?", fragte Loras kritisch und spielte darauf an, dass Lord Alesters Bruder der Kastellan von Drachenstein und seine Nichte Stannis‘ Gemahlin war.

"Zweifelt Ihr etwa an meiner Treue zum König, Ser Loras?", erwiderte der Lord von Klarwasser pikiert. "Ich habe Eurem Hause treu gedient, junger Ser, da wart Ihr noch gar nicht geboren."

"Das wissen wir und mein Bruder wollte Euch sicher nicht beleidigen, Mylord", beschwichtigte Margaery, wobei sie einen tadelnden Blick auf Loras warf. "Wir sollten uns jetzt lieber mit der Frage befassen, ob wir auf Lord Stannis‘ Angebot eingehen."

"Ich wäre grundsätzlich dafür", meinte Baelor Hohenturm, "doch diese Beleidigungen und Anmaßungen sollten wir ihm nicht durchgehen lassen."

"Das lasst meine Sorge sein", lachte Renly. "Ich weiß schon, wie ich das Stannis mit gleicher Münze heimzahlen werde. Ser Baelor, Ihr seid also dafür, dass wir Stannis‘ Angebot annehmen, und Lord Florent ebenfalls. Was meint Ihr?" Er sah die anderen an.

"Mir gefällt dieser Brief nicht!", erklärte Randyll Tarly. "Ich meine, Stannis stellt eine Gefahr für Euch dar, Euer Gnaden. Wenn Ihr sein Angebot annehmt, wird er nur stärker werden. Die Lannisters können nicht an einem Tag besiegt werden. Bis wir mit ihnen fertig sind, ist Stannis vielleicht so stark geworden wie wir… oder stärker. Vielleicht schließen sich ihm die Ritter des Grünen Tals an. Oder die Dornischen. Oder er holt noch mehr ausländische Söldner ins Land."

"Verzeiht, das sehe ich anders, Lord Tarly", widersprach Arwyn Eichenherz. "Dieser Brief von Lord Stannis ist doch eher ein Eingeständnis seiner Schwäche. Er hat es bisher nicht gewagt, Königsmund anzugreifen und die ihm ergebenen Lords des Nordens und der Flusslande sind durch die Lannisters schwer bedrängt und werden wahrscheinlich noch mehr in Bedrängnis geraten, da in Casterlystein ein neues Heer aufgestellt wird."

"So ist es fürwahr", stimmte Mathis Esch zu, "es ist sehr wohl möglich, dass Tywin Lannister Robb Stark besiegt und anschließend sein Heer nach Königsmund führt. Dann wird es auch für ein so großes Heer wie das unsere viel schwieriger, die Hauptstadt zu erobern."

"Ja, Tywin Lannister wird leichtes Spiel haben, wenn wir uns gegen Stannis wenden!", gab Eldon Estermont zu bedenken. "In diesem Falle werden die Lannisters den Krieg gewinnen."

"Ihr missversteht mich", verteidigte sich Randyll Tarly. "Ich plädiere keineswegs dafür, jetzt gegen Stannis zu kämpfen. Auch sollten wir sein Angebot nicht ablehnen. Es wäre besser, ihm gar nicht zu antworten, damit er sich nicht sicher sein kann, wie wir mit ihm umgehen."

"Ja, das sehe ich genauso", pflichtete Loras bei. "Wenn wir Stannis‘ Angebot annehmen, könnte er sich ermutigt fühlen, Königsmund anzugreifen - vor uns!"

"Und was wäre daran so schlimm?", fragte Renly. "Soll er doch Königsmund angreifen und sich eine blutige Nase holen! Mit Verlaub, Lord Tarly, aber diesen Brief werde ich gewiss nicht unbeantwortet lassen. Nein, diesen Spaß lasse ich mir nicht entgehen! Nur schade, dass ich Stannis‘ Gesicht nicht sehen kann, wenn er liest, dass ich ihn großzügigerweise zu meinem Erben erhebe."

Margaery erstarrte vor Schreck. "Natürlich nur, solange wir keine Kinder haben!", fügte Renly lachend hinzu, als er den Blick seiner Gemahlin bemerkte.

"Aber was ist, wenn Stannis Königsmund erobert?", fragte Margaery. "Könnte er das?"

Renly zuckte mit den Schultern. "Vielleicht. Allerdings würde er dabei sicher einige Verluste erleiden."

"Dann sollten wir ihn umso mehr zum Losschlagen ermuntern!", warf Baelor Hohenturm ein. "Lord Tarly meinte eben, Stannis könnte stärker werden, wenn nur wir gegen die Lannisters kämpfen. Bringen wir Stannis doch dazu, dass er die Lannisters angreift oder zumindest Robb Stark wieder in Marsch setzt! Der junge Wolf wartet auch schon zu lange in Schnellwasser ab. Wir könnten dies als Bedingung für die Annahme seines Angebots fordern."

"Ja, das ist ein guter Vorschlag!", stimmte Arwyn Eichenherz zu. "Aber wird er sich darauf einlassen oder weiter abwarten?"

"Das werden wir sehen", sagte Renly gelassen. "Wir bleiben bei der Strategie, dass wir nichts überstürzen. Morgen kommen wir nach Bitterbrück, da bleiben wir fürs erste und ich werde dort die Antwort an meinen Bruder schreiben. Sie wird ihn nicht erfreuen, auch wenn ich seine Angebot annehme."

"Wollt Ihr es wirklich annehmen, Euer Gnaden?", fragte Mathis Esch. "Ich wäre auch dafür."

"Das sind hier wohl die meisten, oder?" Renly blickte in die Runde. Margaery, Lord Florent und Lord Estermont nickten. Randyll Tarly und Loras verzogen keine Miene.

"Gut, dann ist es entschieden", sagte Renly. "Mein Bruder wird von mir bald einen netten Brief erhalten."

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Da ich übernächste Woche im Urlaub bin, gibt es das nächste Kapitel erst in drei Wochen.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Tyrion II

Seine List hatte genau so funktioniert, wie Tyrion es geplant hatte. Er hatte Kleinfinger, Pycelle und Varys jeweils einen möglichen Verlobten für Prinzessin Myrcella genannt und so herausgefunden, wer von den dreien für Cersei spionierte. Natürlich hatte sich die Königin furchtbar aufgeregt, dass ihre Tochter ausgerechnet nach Dorne sollte, um mit Trystan Martell verlobt zu werden. Aber Cersei hatte ihren Widerstand aufgegeben, nachdem Tyrion sie überzeugt hatte, dass Myrcella in Dorne sicherer war als in Königsmund.

Tyrion saß in seinem Solar und trank einen Becher Wein und plante den Besuch, den er Pycelle in dieser Nacht abstatten würde. Er wurde aus seinen Gedanken herausgerissen, als es an der Tür klopfte und Kleinfinger eintrat.

"Lord Baelish, wie kann ich Euch…", begann Tyrion.

"Ich schätze es nicht, zum Narren gehalten zu werden, Zwerg!", unterbrach ihn Kleinfinger aufgebracht. "Wenn Myrcella den Martell-Jungen heiratet, könnt Ihr sie wohl kaum auch noch mit Robert Arryn vermählen, oder?"

"Nicht ohne einen großen Skandal zu verursachen", stimmte Tyrion zu. "Ich bedaure meine kleine List, Lord Petyr, aber als wir uns darüber unterhalten haben, konnte ich noch nicht wissen, ob man in Dorne mein Angebot annehmen würde."

Kleinfinger war keineswegs besänftigt. "Ich mag es nicht, wenn man mich belügt, Mylord. Haltet mich bitte aus Eurem nächsten Täuschungsmanöver heraus! Ich nehme an, dass ich Harrenhal bekomme, ist ebenfalls vom Tisch."

"Nicht unbedingt", sagte Tyrion halb im Scherz. "Ihr könnt Harrenhal bekommen, wenn Ihr es schafft, Lady Lysa auch ohne eine Braut für ihren Sohn auf unsere Seite zu bringen." Er nahm an, dass Kleinfinger dies nicht ernst nehmen würde.

"Wie Ihr meint, Lannister", erwiderte Kleinfinger. "Dann habe ich mir doch nicht umsonst ein Schiff nach Möwenstadt gesucht. Ich breche gleich morgen auf. Wünscht mir eine gute Reise!"

Damit wandte er sich um und verließ das Solar, ehe der verblüffte Tyrion etwas erwidern konnte. Er überlegte kurz, ob er Kleinfinger nacheilen sollte, um ihm zu erklären, dass er es nicht ernst gemeint hatte. Doch er unterließ es, weil er sich so entweder völlig lächerlich gemacht oder Kleinfinger noch mehr verärgert hätte. Und er muss ja nicht unbedingt mein Feind werden. Schließlich war nicht er Cerseis Spitzel. Tyrion vertraute Kleinfinger nicht und wollte den Mann lieber nicht aus den Augen verlieren, daher missfiel es ihm, dass er sich nach Hohenehr begab. Immerhin, er kann nicht zu unseren Feinden überlaufen – nicht, nach allem, was er getan hat.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Um Mitternacht kamen wie verabredet Bronn und Timett in Tyrions Solar. Zu dritt begaben sie sich zu Pycelles Schlafzimmer. Zweifellos hatten einige Goldröcke gesehen, wie sie den Turm der Hand verließen, doch niemand hatte sie angesprochen. Tyrion war die Hand des Königs, und wohin er ging, war alleine seine Sache.

Die dünne Holztür splitterte unter Timetts kräftigem Fußtritt. Die Trümmer flogen nach innen und Tyrion hörte den Angstschrei einer Frau. Timett räumte den Rest der Tür mit drei Axthieben aus dem Weg und trat hindurch. Bronn und Tyrion folgten ihm.

Timett und Bronn traten ans Bett, in dem Pycelle mit einem nackten Dienstmädchen lag. Die junge Frau sprang aus dem Bett und wich an die Wand zurück, wo sie kauernd versuchte, ihre Reize zu bedecken "Bitte Mylords, tut mir nichts!", flehte sie.

"W-was hat das zu bedeuten? Ich bin ein alter Mann…", stammelte Pycelle und schrie auf, als Bronn ihn packte und hochzog.

"Ihr enttäuscht mich, Großmaester!", sagte Tyrion vorwurfsvoll. "Nicht allein, weil Ihr rein gar nichts über diesen Söldnerkönig Elessar und sein Reich Gondor herausgefunden habt. Vielmehr habt Ihr mich auch noch hintergangen und verraten."

"Wegen den Söldnern habe ich an die Zitadelle geschrieben", wimmerte Pycelle. "Nie habe ich Euch verraten! Ich bin Euer ergebener Diener!"

Tyrion setzte sich auf einen Stuhl, der vor dem Bett stand. "So ergeben, dass Ihr meiner Schwester von meinem Plan erzählt habt, Myrcella nach Dorne zu schicken?"

"N-nein, niemals", kreischte Pycelle. "Nein, das ist die Unwahrheit, ich schwöre, ich war es nicht. Varys, es war Varys, die Spinne, ich habe Euch vor ihm gewarnt…"

Tyrion verzog keine Miene. "Lügen alle Maester so erbärmlich schlecht? Varys habe ich gesagt, ich würde die Prinzessin den Graufreuds geben. Ich habe Kleinfinger gesagt, dass ich sie mit Robert Arryn zu vermählen gedenke. Doch ich habe keinem gesagt, dass ich sie nach Dorne schicken will – keinem außer Euch."

"Der Eunuch hat seine Spione überall", jammerte Pycelle.

"Timett, schneide seine Männlichkeit ab und verfüttere sie an die Ziegen!", befahl Tyrion. Timett packte den entsetzt schreienden alten Mann und erwiderte: "Halbmann, hier gibt’s keine Ziegen."

"Lass dir was einfallen!"

"Fangen wir doch damit an", meinte Bronn lachend, packte mit seiner linken Hand Pycelles Bart und zog mit seiner Rechten sein Messer. Mit einem raschen Schnitt entfernte er dreiviertel des Bartes, während Pycelle heulte und um Gnade flehte.

"Wie lange spioniert Ihr schon für meine Schwester?", fragte Tyrion.

Pycelle keuchte. "Was ich getan habe, geschah nur zum Wohle des Hauses Lannister. Immer… schon seit Jahren … fragt Euren Hohen Vater, ich war stets sein treuer Diener … seit den Tagen des irren Königs..."

"Wie viele Könige und ihre Hände habt Ihr verraten, frage ich mich. Aerys, Eddard Stark, mich… Etwa auch König Robert und Jon Arryn?"

"Ihr wart nicht hier", stöhnte Pycelle, "Robert… seine Wunden… Ihr hättet keinen Zweifel gehabt."

"Oh, ich weiß, dass Euch der Keiler die Arbeit abgenommen hat. Hätte er sie nicht erledigt, hättet Ihr zweifellos nachgeholfen."

"Er war ein miserabler König … eitel, trunksüchtig, lüstern … er hätte Eure Schwester verstoßen, wenn Renly die Jungfrau von Rosengarten an den Hof gebracht hätte…"

"Und was plante Lord Arryn?", fragte Tyrion.

"Er kannte die Wahrheit", antwortete Pycelle, "über… über…"

"Ich weiß, was er wusste", fauchte Tyrion, der nicht erpicht darauf war, dass Bronn und Timett ebenfalls die Wahrheit über Cerseis Kinder erfuhren.

"Er wollte handeln und es König Robert sagen!", rief Pycelle.

"Deshalb habt Ihr ihn zuerst vergiftet!"

"Nein, niemals", kreischte Pycelle. "Ich habe ihm nicht das Gift verabreicht, das schwöre ich!"

"Aber Ihr habt ihn verrecken lassen!", fuhr Tyrion den Maester an. "Ihr habt dafür gesorgt, dass er stirbt!"

Tyrion wandte sich angewidert ab. "Fesselt ihn und bringt ihn fort!", befahl er. "Werft ihn in eine der schwarzen Zellen!"

Bronn und Timett zerrten ihn durch die zerbrochene Tür hinaus. "Lannister", jammerte der Maester, "es geschah doch alles im Namen des Hauses Lannister."

Tyrion sah, dass das Dienstmädchen immer noch nackt an der Wand kauerte. Er gab der jungen Frau zwei Münzen. "Für die Unannehmlichkeiten!"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Margaery II

Die Große Halle der Burg von Bitterbrück konnte man nur aus Höflichkeit so bezeichnen. Eng gedrängt saßen die Lords, Ladys und vornehmsten Ritter aus der Weite und den Sturmlanden auf den Bänken bei dem abendlichen Festmahl zusammen. Doch trotz der Enge herrschte eine fröhliche Stimmung: Sänger trugen ihre Lieder vor und Akrobaten zeigten ihre Kunststücke, während Lord Caswell, der junge Gastgeber, seine Diener die köstlichsten Speisen servieren ließ.

König Renly saß zwischen Margaery und Loras. Gelegentlich steckte Renly Margaery mit der Dolchspitze einen besonders erlesenen Bissen in den Mund, oder er beugte sich zu ihr hinüber und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. Gleichwohl bemerkte Margaery, dass ihr Gemahl sich hauptsächlich mit ihrem Bruder unterhielt.

Wird Renly mich heute Nacht endlich so anschauen, wie er Loras anschaut? Werden wir endlich… Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als ein Diener mit einer Karaffe höflich fragte, ob Ihre Gnaden noch Wein wollte. Margaery bedankte sich mit einem strahlenden Lächeln und ließ den Diener nachschenken. Wie ihr Gemahl sprach Margaery gleichermaßen liebenswürdig zu hochgeborenen Lords und einfachen Dienern.

Sie probierte den klaren Wein und blickte sich in der Halle um. Alle Anwesenden schienen fröhlich zu sein - alle bis auf eine: Brienne von Tarth unterhielt sich nicht und wandte ihren Blick kaum vom Teller. Sollte sie nicht auch fröhlich sein, da sich heute ihr Wunsch erfüllt hat und sie in Renlys Regenbogengarde aufgenommen wurde? Sie ist eine seltsame Frau.

Lady Brienne war nicht wie eine Lady gekleidet, sondern trug das Festgewand eines Ritters. Sie hat mehr von einem Ritter als einer Lady. So gut, wie sie mit dem Schwert umgehen kann, passt sie gewiss in die Regenbogengarde. Wenn sie sogar Loras besiegen kann…

Margaerys Blick wanderte zurück zu ihrem Bruder, der einen Leinenverband um die Stirn trug, aber ansonsten das Turnier trotz seiner Niederlage gegen Brienne gut überstanden hatte. Wiederum konnte Margaery nicht übersehen, wie Renly und Loras sich ansahen. Üblicherweise nimmt ein König Männer in seine Garde auf und geht mit einer Frau ins Bett. Mein König aber nimmt eine Frau in seine Garde auf und…

Je weiter der Abend fortschritt, desto trunkener und törichter wurden die Gäste. So mancher Ritter schäkerte mit der einen oder anderen hübschen Magd und berührte sie gar unschicklich. Und die jungen Mädchen ließen dies auch noch zu. Wenn mich ein Ritter so berührt hätte, als ich ein junges Mädchen war, hätte er gewaltigen Ärger mit meinem Vater und meinen drei Brüdern bekommen, dachte Margaery. Und wenn ich es zugelassen hätte, hätte ich gewaltigen Ärger mit meiner Mutter und den Septas bekommen. In dieser Hinsicht konnten sich junge Mädchen aus dem gemeinen Volk mehr Freiheiten herausnehmen als Töchter aus dem Hochadel, bei denen strikt darauf geachtet wurde, dass sie jungfräulich in die Ehe gingen.

Doch Margaery war kein Mädchen mehr, sondern eine erwachsene Frau von siebzehn Jahren. Und sie war verheiratet. Vor ihrer Hochzeit war sie von ihrer Mutter belehrt worden, dass eine verheiratete Frau sich ihrem Gatten hingeben müsste, wann immer er es verlangte, auf dass sie viele Kinder zeugten. Und in der Tat war Margaery auch bereit dafür, ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen, doch Renly hatte dies seit ihrer Hochzeit kein einziges Mal verlangt. Das muss sich ändern…

"Meine Königin", sprach Renly sie auf einmal an, "ich würde gern ein wenig frische Luft schnappen. Möchtet Ihr mich auf den Turm begleiten?"

"Aber sicher, mein König", antwortete Margaery erleichtert. Sie war froh, dem nun allzu lauten und mehr als unschicklichen Treiben in der Halle zu entkommen. Ihr Gemahl führte sie aus der Halle durch eine niedrige Tür ins Treppenhaus. Lord Caswells Bergfried war kaum hoch genug, um ihn als Turm zu bezeichnen, so dass König und Königin bald die Spitze erreichten. Renly schob eine Holztür auf und sie traten hinaus aufs Dach.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

"Was für ein Anblick!", freute sich Renly. Wohin man auch blickte, überall waren Lagerfeuer des großen Heeres zu sehen. "Dieses Heer wird bald in die Schlacht ziehen und die Lannisters besiegen – und wenn es sich nicht vermeiden lässt, auch meinen Bruder und seine nördlichen Vasallen, auch wenn ich noch hoffe, dass wir nicht gegen sie kämpfen müssen."

"Das hoffe ich auch", stimmte Margaery zu. "Wir kämpfen gegen gemeinsame Feinde, daher sollte doch eine friedliche Einigung mit Lord Stannis möglich sein. Ihr habt ihm ja auch eine sehr großzügige Antwort geschrieben, aber…." Sie hielt kurz inne. "Ihr wollt doch nicht wirklich, dass Stannis Euch beerbt?" Renly hatte am Morgen öffentlich verkündet, dass er Stannis als Erben einsetzte, so lange er kein Kind hatte.

"Wie? Gewiss nicht!" Renly lachte. "Das war heute Morgen nur ein Spaß, um meine Leute zu erheitern. Stannis würde einen entsetzlichen König abgeben und er wird es auch nicht werden, da er dreizehn Jahre älter ist als ich. Die Menschen respektieren Stannis, sie fürchten ihn gar, aber nur sehr wenige haben ihn je geliebt."

"Ja, daher braucht Ihr einen richtigen Erben!", sagte Margaery und rückte nahe an Renly heran. "Wir sollten ihn noch heute Nacht zeugen!" Sie umarmte und küsste ihren überraschten Gemahl auf den Mund.

Renly löste sich aus ihrer Umarmung und stammelte: "Verzeiht, aber ich fürchte, ich habe schon zu viel Wein getrunken, um… Ihr wisst schon… wir werden es ein andermal bestimmt tun…"

"Wenn Ihr wollt, kann Loras dabei helfen", sagte Margaery unbekümmert. "Er könnte Euch anregen. Ich weiß, dass es ihm nichts ausmacht."

Renly wurde blass. "Was? Ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht!", brachte er verblüfft heraus.

"Oh, bitte!", seufzte Margaery. "Es ist nicht nötig, dass wir uns etwas vorspielen. Spart Euch die Lügen für den Hof auf, dort werdet Ihr noch viele davon brauchen. Ich weiß über Euch und meinen Bruder Bescheid. Es macht mir nichts aus, wenn Ihr nur Eure ehelichen Pflichten erfüllt. Eure Feinde sind nicht erfreut über unsere Ehe. Sie wollen uns wieder auseinander bringen. Um das zu verhindern gibt es nur einen Weg: Ihr macht mir ein Kind!"

"Das werde ich, das verspreche ich!", sagte Renly hastig.

"Wir können es später versuchen", beruhigte Margaery. "Ihr entscheidet, wie Ihr es haben wollt. Mit mir alleine, mit mir und Loras – wie immer es Euch gefällt."

Von der Treppe waren Schritte zu hören. Renly atmete auf und trat einen Schritt von seiner Gemahlin weg, als Brienne von Tarth auftauchte.

"Verzeiht die Störung, Euer Gnaden", sagte sie, "aber es ist eine Nachricht aus den Flusslanden eingetroffen und Lord Tarly meinte, Ihr solltet es sofort erfahren: Robb Stark ist mit seinem Heer aufgebrochen!"

"Sehr gut!", rief Renly. "Hat Stannis dem Knaben endlich Beine gemacht, nachdem ich ihm geschrieben habe… Aber Moment, der Rabe ging erst heute Morgen nach Drachenstein. Der junge Wolf ist nicht wegen meines Briefes aufgebrochen. Doch darauf kommt es ja auch nicht an. Hauptsache, er greift endlich Harrenhal an."

"Es tut mir leid, Euer Gnaden", entschuldigte sich Brienne, "aber es heißt, dass Robb Stark nach Westen zieht."

"Was?", rief Renly erstaunt. "Muss man diesem Knaben beibringen, wie man Landkarten liest? Er sollte doch wissen, dass Harrenhal östlich von Schnellwasser liegt. Oder befolgt er nur einen unsinnigen Befehl von Stannis?"

"Mein Gemahl, was könnte Robb Stark beabsichtigen, wenn er nach Westen zieht?", fragte Margaery.

"Das würde ich selbst gerne wissen", schnaubte Renly. "Vielleicht will er die Lannisters in ihrem eigenen Land angreifen, um Lord Tywin damit aus Harrenhal herauszulocken. Ein sehr gewagtes Vorgehen. Das könnte gelingen, aber auch völlig scheitern. Wenn der junge Wolf in den Westlanden unterliegt, könnte Tywin Lannister ungehindert nach Königsmund ziehen."

"Können wir ihn nicht daran hindern und ihm den Weg verstellen?", fragte Margaery.

"Nicht auf dem Rosenweg", antwortete Renly, "aber ich habe schon eine Idee, was wir machen könnten. Aber das will ich erst mit meinen Lords besprechen – zumindest mit denen, die noch nicht zu betrunken sind. Lady Brienne, sagt Lord Tarly, dass ich gleich komme." Die große Frau nickte und stieg wieder die Treppe hinunter.

Renly bot Margaery seinen Arm an. "Gehen wir, meine Gemahlin!"

Margaery hakte sich bei ihm ein und ahnte, dass nun wieder eine lange Besprechung bis tief in die Nacht bevorstand. Jetzt werden wir wieder nicht die ehelichen Pflichten erfüllen, dachte sie enttäuscht.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Eddard V

Wütend schleuderte Stannis den Brief von Renly zu Boden. "Dieser unverschämte Verräter will mein Bruder sein?" Der König hatte Ned zu sich gerufen, nachdem die Antwort seines jüngeren Bruders eingetroffen war. Aufgebracht schritt er in der Kammer hin und her.

Ned bückte sich nach dem Brief, hob ihn auf und las:

An Stannis aus dem Hause Baratheon, Lord von Drachenstein

Mein innig geliebter Bruder,

du magst dich auf das Recht von Gesetz und Blut berufen, doch das ändert nichts daran, dass der Eiserne Thron gemäß dem Recht des Stärkeren und des besser Geeigneten mir zusteht. Dass du mir drohst und mich des Hochverrats bezichtigst, könnte ich zwar zum Anlass nehmen, dich zu bekriegen, doch zu deinem Glück bin ich ein kluger, gütiger und großzügiger König. Ich bin bereit, dir zu verzeihen und ernenne ich dich zu meinem Erben, solange ich kein Kind habe.

Weil ich dich so innig liebe, bin ich sogar so großzügig, und entspreche deiner Bitte, dich nicht anzugreifen, so lange unsere gemeinsamen Feinde, die Lannisters, nicht besiegt sind, wenn du sie deinerseits unverzüglich angreifst.

Gezeichnet mit Wappen und Siegel von Renly aus dem Hause Baratheon, dem Ersten Seines Namens, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Herr der Sieben Königslande und Beschützer des Reiches.


"War es das, was Ihr wolltet, Lord Stark?", fragte Stannis erregt. "Seid Ihr damit zufrieden, dass mein kleiner Bruder mich verhöhnt und aus meinem Angebot eine Bitte macht?"

Tatsächlich war Ned zufrieden, auch wenn ihm der anmaßende Tonfall des Briefes missfiel. "Euer Gnaden, ich verstehe Euren Zorn", sagte er beschwichtigend. "Renly ist respektlos, überheblich und unverschämt. Aber immerhin besitzt er genug Verstand, Euer Angebot anzunehmen. Wir können nun mit aller Kraft gegen die Lannisters kämpfen."

"Ihr meint, sobald König Elessar dazu bereit ist", schränkte Stannis mürrisch ein. "Wir müssen Königsmund vor Renly angreifen und vor allem müssen wir die Stadt erobern, bevor Tywin Lannister sein Heer dorthin bringt. Das sollte eigentlich Euer Sohn verhindern, Lord Stark. Weiß der Junge, was er macht?" Auch in Drachenstein war vernommen worden, dass Robb mit seinem Heer nach Westen zog.

"Bestimmt weiß er das!", meinte Ned. "Robb ist bewusst, dass ein Angriff auf Harrenhal aussichtslos wäre, so lange die Burg mit einem solch großen Heer bemannt ist."

"Ein Angriff auf Casterlystein wäre wohl kaum aussichtsreicher!", schnaubte Stannis. "Aber bitte, ich ahne, was Euer Sohn vorhat. Wenn es gelingt, kann es entscheidend zum Sieg gegen die Lannisters beitragen. Danach werde ich mich um Renly kümmern."

"Euer Gnaden, er ist immer noch Euer…"

"Ich weiß, dass er mein Bruder ist!", fauchte Stannis. "Aber solche Anmaßungen werde ich mir nicht mehr gefallen lassen. Ich werde ihm noch eine Gelegenheit geben, vor mir das Knie zu beugen, ansonsten… Melisandre hat mir gesagt, dass es Mittel und Wege gibt, mit Renly fertig zu werden – trotz seiner großen Streitmacht."

"Was denn für Mittel, Euer Gnaden?", fragte Ned beunruhigt.

"Das braucht Ihr nicht wissen, Lord Stark!", antwortete Stannis barsch. "Und kein Wort davon zu unseren Verbündeten aus Gondor! Die brauchen nur zu wissen, dass sie nicht gegen Renly kämpfen müssen. Sprecht mit Fürst Faramir und gebt ihm den Brief – und fragt, ob sein König endlich bereit ist, mit mir nach Königsmund zu ziehen!"

"Wie Ihr befehlt!" Ned verneigte sich und verließ die Kammer. Er ging aus der Festung hinab in Richtung Hafen und dachte über Stannis‘ Worte nach. Einerseits war erfreulich, dass Stannis und Renly zunächst nicht gegeneinander kämpfen würden. Doch die Gefahr eines Bruderkrieges war damit nicht gebannt, sondern nur aufgeschoben. Dabei müssen Brüder gerade jetzt zusammenhalten, denn der Winter naht. Ein langer, harter Winter. Und mit dem Winter kommen die Anderen.

Seine Gedanken wanderten zu dem erschreckenden Traum, von dem König Elessar berichtet hatte. Kann das wahr sein? Kommen die Anderen wirklich wieder? Nach achttausend Jahren? Für Ned waren die Anderen eine Legende aus uralten Zeiten gewesen und es fiel ihm nicht leicht, an ihre Wiederkehr zu glauben. Aber warum sonst haben die Götter die Männer aus der anderen Welt zu uns geschickt? Gewiss nicht nur, um meinen Kopf zu retten. Nein, so wichtig bist du nicht, Ned Stark!

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Ned freute sich auf den Besuch bei Faramir. Das Verhältnis zu König Elessars Hand war mittlerweile geradezu freundschaftlich. Überdies waren die Männer aus Gondor nicht nur Stannis‘ Verbündete gegen Joffrey; in gewisser Weise waren sie auch Neds Verbündete am Hof von Drachenstein, an dem eine deutliche Spaltung in zwei Parteien bemerkbar war: Auf der einen Seite waren die Anhänger der alten und neuen Götter wie Ned, Maester Cressen, Lord Sonnglas und Ser Davos; auf der anderen Seite die Anhänger des Herrn des Lichts, die von Lady Melisandre, Königin Selyse und ihrem Onkel Ser Axell Florent angeführt wurden. Die Spaltung ging manchmal sogar durch Familien: So waren die beiden ältesten Söhne von Ser Davos, Dael und Allard, gleichen Sinnes wie ihr Vater, doch zwei ihrer jüngeren Brüder, Matthos und Devan, waren fasziniert von der Roten Frau und ihrem Gott.

Schließlich gelangte Ned zum Hafen und begab sich zu Faramirs Schiff, das an einem der Kais ankerte. Die Wachen ließen ihn ungefragt passieren und einer der Soldaten meldete Faramir sein Kommen. Ned fragte sich, wie viele von ihnen schon seinen Doppelgänger, Faramirs toten Bruder Boromir gekannt hatten. Zu Neds Unbehagen schien es sich auch unter Stannis‘ Leuten herumzusprechen, warum Faramir ihn gerettet hatte.

Der Fürst von Ithilien empfing den Lord von Winterfell in seiner Kajüte. "Willkommen, Lord Stark", begrüßte Faramir seinen Gast. "Nehmt doch bitte Platz!" Sie setzten sich.

"Wir haben eine Antwort von Lord Renly bekommen", berichtete Ned und reichte Faramir den Brief. Faramir las ihn durch und gab ihn Ned zurück.

"Ein erfreulicher Inhalt, in unverschämte Worte gepackt", meinte er. "Ich möchte mir nicht ausmalen, wie Euer König dies aufgenommen hat."

"Stannis war verständlicherweise zornig", seufzte Ned. "Aber das wichtigste ist, dass Lord Renly das Angebot angenommen hat. Wir kämpfen getrennt, aber gegen denselben Feind. König Stannis meint, wir sollten bald Königsmund angreifen. Seid Ihr bereit dafür?"

"Nun ja…" Faramir antwortete zögernd. "Unsere Männer machen große Fortschritte beim Erlernen Eurer Sprache, ja. Wir werden in dieser Hinsicht sicher bald bereit sein. Aber…"

"Aber?" Ned blickte den Fürsten fragend an.

"Wir haben uns die Pläne der Stadt angeschaut und uns einen Überblick verschafft. König Elessar ist zu dem Schluss gekommen, dass es besser wäre, die Stadt gemeinsam mit den Truppen von Lord Renly anzugreifen."

Ned schüttelte den Kopf. "Darauf wird sich König Stannis niemals einlassen. Außerdem kommt Lord Renly nur sehr langsam voran. Er wartet ab, wie wir und die Lannisters uns bekämpfen. Nein, wir werden Königsmund alleine angreifen müssen. Haltet Ihr das etwa für aussichtslos?"

"Das nicht", räumte Faramir ein. "Wir haben zusammen insgesamt siebzehntausend Männer. Sofern die Stadt nicht von mehr als sechs- oder siebentausend Männern verteidigt wird, können wir sie mit Glück und Geschick erobern. Allerdings kann das ein sehr blutiger und verlustreicher Angriff werden. Außerdem ist es mit der Eroberung der Stadt allein nicht getan. Wir müssen sie danach auch halten können. Spätestens wenn das Heer von Tywin Lannister anrückt, werden wir Verstärkung brauchen. Wenn sie nicht von Lord Renly kommt… Was macht Euer Sohn jetzt, Lord Stark?"

"Robb ist nach Westen aufgebrochen", berichtete Ned. "Er greift die Lannisters in ihrem eigenen Land an und versucht damit wohl, Lord Tywin aus Harrenhal herauszulocken. Ein sehr wagemutiges Vorhaben."

"In der Tat", stimmte Faramir zu, "und ich würde dazu raten, abzuwarten, ob er damit Erfolg hat, ehe wir selbst angreifen. Aber selbst in diesem Falle müssen wir über die Eroberung hinaus an die Verteidigung der Stadt denken: Was ist, wenn Renly mit seinem riesigen Heer nach Königsmund marschiert? Wird er Stannis auch nach einem Sieg über die Lannisters nicht angreifen oder kommt es dann zum Bruderkrieg?"

"Ich weiß es nicht", antwortete Ned, "doch König Stannis verspricht Euch, dass Ihr nicht gegen Lord Renly zu kämpfen braucht."

"Ach, tatsächlich?" Faramir war überrascht. "Will er sich nun doch mit seinem Bruder verständigen?"

"Ich…" Ned stockte. Er wollte Faramir nicht belügen, doch andererseits hatte Stannis ihm einen eindeutigen Befehl erteilt. "Ich weiß nicht, was der König vorhat." Das entspricht zumindest teilweise der Wahrheit. "Er hat mir nur aufgetragen, Euch sein Versprechen mitzuteilen."

Faramir blickte Ned prüfend an. Er merkt, dass ich ihm nicht die ganze Wahrheit sage. Doch der Fürst von Ithilien verzog keine Miene.

"Also gut", sagte er, "ich werde König Elessar die Nachrichten überbringen. Nach der Durchsicht der Pläne der Stadt möchte er Euch ein Treffen in größerer Runde vorschlagen, um gemeinsam einen Schlachtplan auszuarbeiten."

"Ein ausgezeichneter Vorschlag", stimmte Ned zu. "König Stannis wird sicher erfreut sein."

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Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Robb IV

"Hältst du das wirklich für eine gute Idee?", fragte Theon skeptisch. "Du willst, dass dein ganzes Heer einem Tier folgt? Mitten in der Nacht?"

"Ja", antwortete Robb. "Wir folgen Grauwind. Alle!"

Mehrere Tage waren seit dem Aufbruch des berittenen Heeres in die Westlande vergangen. Vor der Abreise hatte Robb noch seinem Onkel Edmure befohlen, Schnellwasser gegen einen möglichen Angriff von Lord Tywin zu verteidigen und ihm eingeschärft, die Bewachung des Königsmörders zu verdoppeln. Auch Robbs Mutter durfte Jaime Lannister kein zweites Mal aufsuchen.

Bei ihrem Ritt in die Richtung der Berge der Westlande waren die Nordmänner auf keinerlei Widerstand gestoßen. Doch Robb wusste, dass der Pass über das Gebirge von einer stark bemannten Festung bewacht wurde – dem Goldzahn, Sitz des Hauses Leffert, Gefolgsleute der Lannisters.

Robb hatte sich schon auf einen Angriff auf den Goldzahn eingestellt, doch es kam anders. Grauwind war in die Berge gelaufen und heulte und hechelte nach seiner Rückkehr Robb aufgeregt an. Robb war darauf auf seinem Pferd dem Schattenwolf gefolgt, der ihm einen bis dahin unbekannten, engen Pfad in die Berge gezeigt hatte.

Auf diesem Weg ritt das Heer des Nordens, denn Robb wollte den Goldzahn umgehen, um das neu aufgestellte Heer der Lannisters zu überraschen. Es war ein enger Pfad, der sich durch einen Hohlweg und über einen Bergkamm schlängelte.

"Das bringt doch nichts", murrte Theon. "Wir werden uns mitten im Gebirge verirren."

"Sei still, Graufreud!", gebot Robb gereizt. "Ich vertraue Grauwind und wenn du es nicht tust, behalte es für dich!" Robb war Theons Schwarzmalerei leid. Auf den Brief aus Drachenstein, in dem König Stannis und Robbs Vater Theons Rückkehr nach Peik ausdrücklich verboten hatten, hatte Theon ziemlich wütend reagiert und er war seither ständig schlecht gelaunt.

Es war mitten in der Nacht, als sie merkten, dass der Pfad bergab führte. Als der östliche Himmel hinter ihnen allmählich hell wurde, sahen sie vor sich die Straße nach Casterlystein, die sie vor dem Goldzahn verlassen hatten.

"Siehst du", sagte Robb zu Theon. "Wir haben es geschafft und sind vom Feind unbemerkt in die Westlande gelangt." Theon erwiderte nichts.

Robb schickte Späher unter dem Befehl von Ser Brynden Tully voraus und das Heer folgte ihnen vorsichtig. Doch weder an diesem noch am nächsten Tag stießen sie auf Truppen der Lannisters. Am Nachmittag des dritten Tages kamen die Späher aufgeregt zurück und meldeten, dass sie das feindliche Heer in der Nähe eines Dorfes entdeckt hätten. "Der Größe des Lagers nach würde ich ihre Stärke auf etwa zehntausend Mann schätzen", sagte der Schwarzfisch zu Robb. "Doch sie scheinen sich allzu sicher zu fühlen, denn sie haben keine Wachen aufgestellt. Du weißt ja, was ich von ihrem Kommandanten halte.“

Ein dummer, alter Mann. Robb erinnerte sich der verächtlichen Worte seines Großonkels über Ser Steffert Lannister. "Wir greifen sie heute Nacht an!", beschloss er.


Angespannt saß Robb auf seinem Pferd und schaute auf das feindliche Heerlager vor ihm. Noch war alles ruhig. Er hatte einige Männer unter dem Befehl des Schwarzfischs vorausgeschickt, die sich ins Lager schleichen und die Leinen der Pferde durchschneiden sollten. Großjon Umber ritt einige Schritte voraus, dann drehte er sich um und nickte Robb zu. "Lauf, Grauwind!", sagte Robb darauf zu seinem Schattenwolf.

Grauwind rannte in die Richtung des Lagers. Bald war sein wütendes Knurren und Bellen zu vernehmen, gleichzeitig hörte man das panische Wiehern der Pferde, die von dem Schattenwolf gejagt wurden.

"Zum Angriff!", rief Robb. "Für König Stannis! Für Winterfell!"

"STANNIS! WINTERFELL! SCHNELLWASSER!", riefen die Männer und griffen das Lager an, in dem das Chaos ausgebrochen war. Die von Grauwind in Panik versetzten Pferde trampelten etliche Ritter in ihren Zelten zu Tode. Von den Rittern, die ihren panischen Rössern entkamen, wurden mehrere in kurzer Zeit von den angreifenden Nordmännern getötet.

Fast unangefochten ritt Robb in das Lager hinein. Ein tollkühner Krieger der Lannisters versuchte, ihn zu Fuß anzugreifen, doch Robb stieß im seine Lanze ins Gesicht. Die Schlacht war eher ein Gemetzel denn ein Kampf, denn viele der überraschten Lannister-Männer wurden niedergemacht, ehe sie auch nur zu den Waffen greifen konnten.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Da die Nordmänner gezielt die Ritter töteten, waren die Fußsoldaten aus dem gemeinen Volk ohne Führung. Einige wehrten sich, doch die meisten warfen ihre Waffen weg und rannten fort, doch auch von den Fliehenden wurden viele erschlagen.

"Lasst sie nicht entkommen! Tötet sie alle!", hörte Robb den rachsüchtigen Rickard Karstark brüllen. "Wo seid ihr, Lannisters?"

"Ja, tötet sie!", schrie Theon, der seine Lanze in den Rücken eines fliehenden Mannes bohrte.

Robb schaute sich um. Um ihn herum lagen zahllose tote Lannister-Männer. Unter ihnen waren Ritter ebenso wie Männer und Jünglinge aus dem gemeinen Volk. Nur aus wenigen Stellen im Lager war noch Kampfeslärm zu vernehmen.

"Robb!" Der Schwarzfisch kam heran geschritten.

"Großonkel, hast du die feindlichen Heerführer gesehen?", fragte Robb.

"Dawen Lannister ist entkommen", antwortete Ser Brynden. "Ich habe gesehen, wie er nach Südosten fortgeritten ist. Seinen Vater habe ich nicht…"

"FÜR MEINE SÖHNE!", Lord Karstarks Stimme war im abflauenden Kampfeslärm nicht zu überhören. "Stirb, Lannister!"

Robb lenkte sein Pferd an mehreren zerstörten Zelten vorbei in die Richtung von Rickard Karstarks Stimme. Der Schwarzfisch folgte ihm. Schließlich sah Robb, wie der Lord von Karholt seine Lanze aus der Brust eines alten Mannes zog, der einen Wappenrock mit dem Abzeichen des goldenen Löwen der Lannisters trug.

"Großonkel, ist das…?"

Der Schwarzfisch nickte. "Das ist… das war Ser Steffert Lannister."

"Dieser Feigling ist seinem Pferd hinterher gerannt", geiferte Lord Karstark. "Ich habe ihm den Weg abgeschnitten und ihn erledigt! Für meine Söhne!"

Robb seufzte. Er hätte den Vetter von Tywin Lannister lieber als lebendige Geisel gehabt und schließlich war es nicht Ser Steffert gewesen, sondern der Königsmörder, der Lord Karstarks Söhne erschlagen hatte. Andererseits konnte er dem Lord von Karholt kaum übel nehmen, dass er nach Rache dürstete. Wie hätte ich reagiert, wenn Vater nicht wie durch ein Wunder gerettet worden wäre? Hätte ich nicht auch den Wunsch verspürt, alle Lannisters umzubringen?

Mittlerweile war die Schlacht zu Ende. Die etwa fünfzig gefangenen Lannister-Männer wurden nach ihren Namen gefragt. Unter ihnen waren mit Roland Rallenhall und Antario Jast zwei Lords, doch als wertvollsten Gefangenen erachtete Robb Martyn Lannister, einen Knaben von vierzehn Jahren und Sohn von Kevan Lannister. Martyns Zwillingsbruder Willem Lannister war bereits in der Schlacht vom Wisperwald gefangen genommen worden und saß im Kerker von Schnellwasser.

Robb begab sich mit seinen Lords und Hauptleuten in das Dorf Ochsenfurt, um mit ihnen das weitere Vorgehen zu beraten. Die meisten von ihnen waren entweder unverletzt geblieben oder hatten nur leichte Schrammen davon getragen. Nur Stevron Frey war sehr schwer verwundet worden.

Der Ort war verlassen, da die Bewohner vor der Schlacht geflohen waren. Robb und seine Leute gingen in eines der leeren Häuser und setzten sich an einen Tisch, auf dem Robb eine Karte der Westlande aufschlug.

"Was machen wir als nächstes?", fragte Großjon Umber. "Greifen wir Casterlystein an? Das wäre mal eine richtige Herausforderung. Dieses Scharmützel hier war ja ein Kinderspiel."

"Davon würde ich abraten!" Brynden Tully schüttelte den Kopf. "Der Stein ist gut befestigt und kann nicht so überraschend angegriffen werden wie das Lager hier. Für einen Angriff auf Casterlystein bräuchten wir viel mehr Männer und Belagerungsmaschinen, die wir nicht haben."

"Und Schiffe, die wir auch nicht haben!", warf Theon Graufreud mürrisch ein. "Ihr wisst schon, warum!"

"Ich habe ohnehin nicht vor, Casterlystein anzugreifen", sagte Robb ruhig. "Für einen aussichtlosen Angriff auf eine starke Festung hätten wir genauso gut nach Harrenhal ziehen können. Nein, wir gehen nicht nach Südwesten, sondern nach Norden! Hierhin!" Er zeigte auf der Karte auf Aschmark.

"Das ist der Sitzes des Hauses Marbrand", stellte der Schwarzfisch fest. "Was sollen wir dort?"

"Von dort aus werden wir die Westlande heimsuchen", erklärte Robb. "Von Aschmark ist es nicht weit bis zu weiteren Festungen und den Dörfern an der Küste. Und wir gelangen in die Nähe der Goldminen der Lannisters. Wir dürfen gespannt sein, wie es Tywin Lannister gefällt, wenn wir die Quellen seines Reichtums erobern."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Der alte Löwe

Es war wieder ein Tag, der schlechte Nachrichten nach Harrenhal gebracht hatte. Lord Tywin mochte sie schon gar nicht mehr hören: Robb Stark hatte erneut für eine Überraschung gesorgt. Nach seinem Sieg in der Schlacht von Ochsenfurt hatte er nicht wie erwartet Casterlystein oder Lannisport angegriffen, sondern Aschmark. Er hatte den schwach bemannten Stammsitz der Marbrands ohne große Mühe erobert. Ser Addam Marbrand war blass geworden, als er gehört hatte, dass sein Vater nur knapp der Gefangennahme entkommen war. Bei ihrem Vorgehen in den Westlanden hatten die Angreifer kaum Verluste erlitten, wenn man davon absah, dass Stevron Frey, der Erbe der Zwillinge, seinen schweren Verletzungen erlegen war.

"Ein Knabe von siebzehn Jahren macht uns alle lächerlich!", dachte Tywin. "Ich verstehe immer noch nicht, wie er am Goldzahn vorbei kommen konnte."

Der Lord von Casterlystein und Wächter des Westens schritt nachdenklich über den Hof von Harrenhal und achtete nicht der Soldaten, die ihn respektvoll grüßten. Er wusste, dass viele unter ihnen zurück in ihre Heimat wollten, die nun vom jungen Wolf heimgesucht wurde. Auch Tywins Bruder Kevan verhehlte nicht, dass man seiner Ansicht nach Robb Stark dringend Einhalt gebieten musste. Und so sahen es etliche Lords und Ritter in Tywins Heer.

"Allzu lange kann ich mich ihrem Drängen nicht mehr widersetzen. Ich muss nach Westen ziehen – und mache den Weg nach Königsmund frei für Stannis und Renly."

Tywin unterbrach sein Nachsinnen, als er sah, dass das Tor geöffnet wurde und Ser Amory Lorch mit seinen Männern und mehreren Gefangenen in die Festung kam. Ser Gregor Clegane ging zu Ser Amory und sprach mit ihm. Der Berg zeigte dabei auf die Gefangenen, die ängstlich und eingeschüchtert wirkten. Tywin sah, dass es hauptsächlich junge Burschen waren.

Er trat zu den beiden Rittern. Ser Amory verneigte sich sogleich unterwürfig. "Lord Lannister, ich melde mich zurück. Ich habe mehrere Gefangene gemacht. Sie…"

"Das sehe ich, Lorch!", unterbrach Tywin grußlos. "Aber erzählt mir nicht, diese Knaben gehörten zur Bruderschaft ohne Banner. Sind das Dorfbewohner?"

"Nein, Mylord. Sie waren Rekruten der Nachtwache, hauptsächlich aus Königsmund…"

"Rekruten der Nachtwache?", rief Tywin verärgert. "Anstatt die Bruderschaft zu jagen, verschwendet Ihr die Zeit mit solchen Burschen? Warum nehmt Ihr sie gefangen anstatt sie zur Mauer ziehen zu lassen? Und wo ist die zuständige Wanderkrähe?"

"Tot, Mylord. Bitte lasst es mich erklären: Unter den Rekruten war ein Bastard aus Flohloch, auf dessen Kopf eine Belohnung ausgesetzt war. Wir haben von Kameraden aus der Stadtwache erfahren, dass der Rekrutierer sich geweigert hat, ihn an sie auszuliefern. Also haben wir die Rekruten aufgespürt, die Wanderkrähe und mehrere der Kerle getötet, auch den Bastard. Das hier ist der Rest."

"Welcher Idiot setzt eine Belohnung auf den Kopf eines Bastards aus Flohloch aus?", fragte Tywin befremdet.

"Es war ein Befehl der Königin", antwortete Ser Amory strahlend. "Und da ich den Bastard selbst getötet habe, steht die Belohnung mir zu." Der Ritter blickte seinen Lehnsherren erwartungsvoll an.

"Dann bittet Cersei um die Belohnung, wenn Ihr das nächste Mal nach Königsmund kommt, Lorch!", schnaubte Tywin, der sich darüber ärgerte, dass seine törichte Tochter sinnlos Geld dafür verschwendete, irgendeinen Burschen aus dem gemeinen Volk töten zu lassen – wahrscheinlich wegen einer Nichtigkeit.

"Was machen wir mit dem Rest?", fragte der Berg. "Vielleicht wissen sie ja doch etwas über die Bruderschaft? Meine Männer könnten es aus ihnen rauskitzeln, bis sie quieken – oder für immer schweigen." Ser Gregor grinste die Burschen bedrohlich an. Offenkundig freute er sich darauf, sie zu Tode zu foltern.

"Nichts dergleichen, Clegane!", fuhr Tywin den Berg an. "Haben wir so viele Männer, dass wir es uns leisten können, nützliche Burschen sinnlos zu töten?" Er wandte sich an einen der Jungen, einen dicken, untersetzten Knaben: "Wie heißt du, Bursche?"

"Ich… ich, weiß nicht, M‘lord", stammelte der Junge. "Ich werde Heiße Pastete genannt." Ser Amory und Ser Gregor brachen ob dieses Namens in schallendes Gelächter aus, doch Tywin verzog keine Miene.

"Beherrschst du irgendein Handwerk, Junge?", fragte er.

"Ja, M’lord", antwortete Heiße Pastete. "Ich bin Bäcker. Und ich kann auch kochen."

"Gut, du arbeitest ab sofort in der Küche!", beschloss Tywin und wandte sich an den nächsten Burschen. "Was ist mit dir? Was sind dein Name und dein Beruf?"

Der Angesprochene, ein kräftig gebauter, muskulöser Junge von etwa sechzehn Jahren mit schwarzem Haar, erwiderte: "Ich bin Schmied, M’lord. Mein Name ist…äh… Lommy."

"Ihr Burschen habt wohl Probleme mit euren Namen", spottete Tywin. "Aber gut, Schmiede können wir immer gebrauchen. Du meldest dich bei Meister Lucan!" Dieser Junge erinnert mich an jemanden. An wen nur?

Er schaute noch einen der Gefangenen an. "Was kannst du?", fragte er den drahtigen, gut aussehenden Mann. Nach dem Namen frage ich diesmal nicht.

"Ein Mann kann kämpfen und töten, wenn ein Lord es befiehlt", antwortete der Gefangene mit einem fremdländischen Akzent. "Ein Mann kann sowohl mit dem Schwert als auch mit dem Speer kämpfen."

"Ein Lord?", fuhr Ser Amory den Kerl an. "Das ist nicht irgendein Lord, Ausländer! Dies hier ist Tywin Lannister, Lord von Casterlystein, Wächter des Westens und Hand des rechtmäßigen Königs Joffrey Baratheon!"

"Schon gut, Lorch!", beschwichtigte Tywin. "Der Mann soll bei einigen Übungen mitmachen. Wenn er tatsächlich mit Waffen umgehen kann, nehmt ihn in Eure Truppe auf!"

"Den da?", fragte Ser Amory bestürzt. "Das ist ein Verbrecher aus den Schwarzen Zellen!"

"Dann passt er gut zu Euch, Lorch", erwiderte Tywin trocken. "Ich werde Harrenhal bald mit dem Heer verlassen. Ihr seid dann für die Festung verantwortlich und werdet um jeden Mann froh sein, den Ihr habt. Gebt auch dem Rest der Gefangenen Aufgaben nach ihren Fähigkeiten!"

Mit diesen Worten ließ Tywin Ser Amory stehen, wandte sich ab und ging zurück in seine Gemächer.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Am Nachmittag saß Tywin allein am Tisch in seinem Gemach im Königsbrandturm und trank Wein. Eine Landkarte war vor ihm entrollt.

Der Lord von Casterlystein dachte über die Neuigkeiten nach, die eben eingetroffen waren. Gerüchten zufolge gab Ärger im Norden. Der Bastard von Bolton hatte Lady Hornwald entführt. Mittlerweile soll er sie zur Heirat gezwungen und eingesperrt haben. Lord Manderly hatte Truppen nach Hornwald geschickt, um die Ländereien vor dem Bastard zu schützen.

Tywin fragte sich, ob der Bastard auf eigene Faust oder auf Befehl seines Vaters handelte. Das ist schwer zu erraten und wir werden sehen, ob es unter den Nordländern größere Uneinigkeiten gibt, die wir für unsere Zwecke ausnutzen können. Vielleicht kann man da etwas nachhelfen.

Er blickte auf die Karte und stellte fest, dass er von Feinden umzingelt war: Robb Stark zog durch Tywins Heimat, Beric Dondarrion überfiel immer wieder Tywins Männer in den Flusslanden, Roose Bolton lagerte mit seinen Truppen an der Rubinfurt, Lord Stannis, der gefährlichste Feind, lauerte mit einer geheimnisvollen Flotte fremder Söldner auf Drachenstein und Lord Renly marschierte weiter Richtung Königsmund, nachdem er sein Heer geteilt hatte: Alester Florent war mit zehntausend Männern weiter auf dem Rosenweg unterwegs während Lord Renly sich mit dem Großteil seines Heeres nach Nordosten gewandt hatte. Zweifellos, um uns den Weg nach Königsmund abzuschneiden und die Stadt von zwei Seiten anzugreifen. Immerhin war Renly immer noch sehr langsam unterwegs. Er schien weiterhin abzuwarten, wie sich die Lannisters und Stannis‘ Vasallen gegenseitig bekämpften.

Es sind zu viele Feinde, als dass wir sie alle mit Waffengewalt besiegen könnten, dachte Tywin, können wir sie entzweien und einige auf unsere Seite ziehen? Welche unter ihnen könnten wankelmütig sein? Tywin schaute auf die Landkarte. Sein Blick blieb an den Zwillingen haften. Der Späte Lord Frey. Immer hängt er sein Fähnchen in den Wind. Und vor allem anderen ist er darauf bedacht, seine zahlreiche Brut vorteilhaft zu verheiraten. Robb Stark hat geschworen, eine von Lord Freys Töchtern zu ehelichen…

Tywins Blick wanderte auf der Landkarte nach Westen, wo Robb Stark gerade auf dem Weg zur Burg Hochklipp war, dem Sitz des Hauses Westerling. Die verfallene und schwach bemannte Burg würde dem Heer der Starks nicht lange standhalten können, zumal Lord Gawen Westerling schon in der Schlacht vom Wisperwald in die Gefangenschaft der Nordmänner geraten war. Lord Gawens ältere Tochter Jeyne ist ein hübsches Mädchen und so alt wie Robb Stark. Tywin hatte nun eine Idee, wie er einen Keil zwischen die Starks und Freys treiben konnte. Er wusste auch, wie er Lord Gawens Gemahlin für seinen Plan gewinnen konnte: Lady Sybelle würde alles dafür geben, ihre Kinder gut zu verheiraten. Wohl auch die Ehre ihrer älteren Tochter.

Sogleich machte er sich daran, einen Brief an Lady Sybelle zu schreiben. Haben sich die Freys erstmal von den Starks und von Stannis losgesagt, kann ich gewiss auch die Boltons gewinnen, da Lord Roose eine Enkelin von Lord Walder geheiratet hat. Die Boltons könnten die neuen Wächter des Nordens und die Freys die neuen Lords der Flusslande werden, wenn die Starks und Tullys erstmal vernichtet sind. Tywin war nicht gewillt, den Starks und Tullys die Demütigungen und Niederlagen zu verzeihen, die sie den Lannisters bereitet hatten. Er war fest entschlossen, diese beiden Häuser zu vernichten - wie einstmals die Tarbecks und die Regns von Castamaer. Wenn die Front von Stannis‘ nördlichen Vasallen zerbricht, werden dann seine ausländischen Söldner noch zu ihm halten?

Nachdem Tywin den Brief fertig geschrieben hatte, schaute er wieder auf die Landkarte. Stannis und seine Vasallen war nicht seine einzige Sorge, denn das größte feindliche Heer hatte Renly Baratheon, dessen Macht sich zu einem beträchtlichen Teil auf das Haus Tyrell stützte. Lord Maes Tyrell war zwar ähnlich opportunistisch wie Walder Frey, aber dummerweise war seine Tochter bereits mit Renly verheiratet. Auch wenn in Wirklichkeit Loras Tyrell Renlys Weib ist. Oder umgekehrt. Wie sollte es unter diesen Umständen möglich sein, einen Keil zwischen Renly und die Tyrells zu treiben?

Das wird nicht gehen, dachte Tywin. Wir brauchen Verbündete, die Renly und die Tyrells angreifen. Neue Verbündete, die noch nicht in den Krieg eingegriffen haben. Sein Blick fiel auf Dorne, den südlichsten Teil von Westeros. Das dornische Fürstenhaus Martell war zwar schon seit langer Zeit mit den Tyrells verfeindet, doch dass die Martells auf Seiten der Lannisters in den Krieg eingriffen, hielt Tywin für ausgeschlossen. Im Gegenteil, die Dornischen dürsten immer noch nach Rache für die Ermordung von Elia Martell und ihrer Kinder durch Ser Gregor und Ser Amory. Erstaunlich, dass sie sich noch nicht auf die Seite unserer Feinde geschlagen haben.

Nein, die Martells kamen als Verbündete kaum in Frage. Tywins Blick auf der Landkarte wanderte von Dorne über die Weite und seine Heimat nach Nordwesten bis zu den Eiseninseln. Balon Graufreud, der ehrlose und hinterhältige Seeräuber. Tywin nahm einen tiefen Schluck Wein aus seinem Kelch. Es wäre gewagt, sich an ihn zu wenden. Doch sollte er darauf eingehen und die Küsten der Weite heimsuchen, mag den Tyrells die Lust auf einen Feldzug nach Königsmund vergehen.

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Erton

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

So, jetzt muss ich hier wohl doch einmal einen Beitrag verfassen und meinen Kommentar abgeben.

Ich habe Der Herr der Ringe selbstverständlich mehr als einmal gelesen, sowie auch die anderen Mittelerdewerke von Tolkien, von Das Lied von Eis und Feuer jedoch nur den ersten deutschen Band, wenn ich mich recht erinnere, wobei ich aber ein großer Anhänger der Serie bin.

Ich werde einfach schreiben, was mir beim Lesen durch den Kopf gegangen ist.
Im Großen und Ganzen gefällt es mir gut, es ist mir nur etwas zu westeroslastig. Es wäre doch schön, wenn Aragorn Legolas und Gimli mitgenommen hätte und so etwas mehr der Vielfalt Mittelerdes eingebracht hätte. Aber da die Geschichte (bislang?) in Westeros spielt ist ein vollkommenes Gleichgewicht wohl ohnehin kaum möglich.
Die Portale zum Übertritt in die andere Welt gefallen mir nicht besonders gut. An der Stelle hätte ich es passender gefunden, wenn sie einfach beispielsweise nach Süden gesegelt wären und nach einigen Wochen einen neuen Kontinent entdeckt hätten, Mittelerde und Westeros sich also tatsächlich in der selben Welt befänden.
Dass fast alle Männer in Gondor einen prophetischen Traum hatten, erscheint mir etwas übertrieben. Das hätte ich Aragorn und vielleicht noch Faramir und einigen wenigen Anderen vorbehalten.
Die verschiedenen Sprachen in Mittelerde und Westeros sind auf jeden Fall notwendig. Alles andere wäre unlogisch.
Dass Ned und Boromir sich in Stimme und Erscheinung so ähnlich sind, dass man ihn für diesen hält gefällt mir ausgesprochen gut. Eine sehr schöne Anspielung auf die jeweiligen Verfilmungen der Vorlagen, die jedoch auch ohne Kenntnis dieser nicht unschlüssig ist.
Als Ilyn Payn am Arm getroffen wurde habe ich mich zunächst etwas gewundert, dass Faramir als doch recht guter Bogenschütze sein Ziel verfehlt, dachte mir dann aber, dass es nur plausibel ist, dass er den Henker nicht töten will, da dieser schließlich lediglich einen Befehl ausführt, bis er in den Kopf getroffen wurde und ich erneut erstaunt war. Aber möglicherweise, kam der zweite Pfeil auch von einem der Männer Faramirs, der dessen Werk vollenden wollte.
Die Eigenschaften der Charaktere Mittelerdes kommen mir etwas vernachlässigt vor. Aragorn wird doch, wenn ich mich recht erinne, als von beeindruckender Erscheinung beschrieben. Da hätte beispielsweise Melisandre durchaus kurz zweifeln können, ob er nicht der erhoffte Azor Ahai ist. Aber vielleicht hällt sich Aragorn auch noch wie in Bree und beim ersten Einzug in Minas Tirith bedeckt. Als Ned Faramir auf seinem Schiff besucht, hätte es mich jedenfalls gefreut, wenn die Wache, ein Waldläufer, eine Vogelstimme nachgepfiffen hätte, woraufhin Faramir sofort gewusst hätte, wer kommt.
Dass Jaqen H'ghar nun von Gedry gerettet wird ist ebenfalls sehr erfreulich. Wäre er gestorben nur weil Arya nicht zur Stelle war, wäre doch sehr viel verloren gegangen.

Mehr fällt mir im Moment nicht ein, aber vielleicht schreibe ich ja später noch einen weiteren Kommentar.

Ich hoffe auf jeden Fall auf baldige und zahlreiche weitere Kapitel!
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Erton]

Vielen Dank für deinen Kommentar!
Meine Geschichte ist ganz bewusst westeroslastig angelegt, worauf ich bereits im Vorwort hingewiesen habe:
In Bezug auf:
Die Geschichte spielt fast ausschließlich in Westeros.

Ein Gleichgewicht war von Anfang an nicht beabsichtigt. Ich habe auch zur Vermeidung weiterer Komplikationen ganz bewusst nur Männer aus Gondor (und eine Kompanie Waldläufer des Nordens) und keine Elben, Zwerge oder Hobbits nach Westeros geschickt. Die Geschichte heißt ja auch "Gondor hilft Westeros" und nicht "Mittelerde hilft Westeros".

Dass Mittelerde und Westeros sich auf demselben Planeten befinden erscheint mir aus verschiedenen Gründen unplausibel:
- In Arda gibt es normale Jahreszeiten, in der "Bekannten Welt" können Jahreszeiten mehrere Jahre dauern
- In Arda sind vom Beginn des Ersten Zeitalters der Sonne bis zum Vierten Zeitalter nur etwas mehr als 7.000 Jahre vergangen, während in Westeros sich die Ersten Menschen im Zeitalter der Dämmerung schon 12.000 Jahre vor Aegons Eroberung angesiedelt haben

Es hatten zwar viele Männer in Gondor prophetische Träume, aber keineswegs "fast alle".

König Elessar ist eine beeindruckende Erscheinung und er hat im Kapitel Elessar III auch Melisandre und Stannis sehr beeindruckt – so sehr, dass Melisandre Stannis dazu drängt, sich mit Elessar zu verbünden und dass Stannis zustimmt, Renly ein Angebot zu machen. Doch andererseits ist Melisandre dennoch völlig sicher, dass Stannis Azor Ahai ist, denn ansonsten müsste sie sich ja eingestehen, dass sie sich geirrt hätte.

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Treir1989

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

damit Faramir gewusst hätte, wer kommen würde.
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Erton

Gefährte

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Treir1989]

Ich glaube als ich den Titel gelesen habe hatte ich einfach schon viel zu viele Erwartungen.

Zeit ist relativ. Dass auf dem einen Kontinent die Jahre schneller verrgehen als auf dem anderen durchaus nicht unlogisch.

Mit der Religion hat Martin es dir wahrlich nicht leicht gemacht. Ich glaube er weiß selbst nicht so richtig, was Wirklichkeit ist und was nicht. Damit das alles unter einen Hut zu bringen hast du dir ganz schön was vorgenommen.

Faramirs Unterricht bei Maester Cressen ist eine interessante Parallele zu seinem Studium bei Gandalf. Da hätte mir ein Vergleich Faramirs auch gut gefallen. Und da stellt sich mir die Frage, ob die Gondorer den Maester nicht auch für einen Zauberer halten würden.
Auf jeden Fall denke ich, dass sie bei der Erwähnung der Kinder des Waldes denken müssten, dass es sich bei diesen um Hobbits handelt.
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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Erton]

Erton schrieb:
Zeit ist relativ. Dass auf dem einen Kontinent die Jahre schneller verrgehen als auf dem anderen durchaus nicht unlogisch.

Dass die Zeit in verschiedenen Welten unterschiedlich vergeht (wie z.B. in den "Chroniken von Narnia") mag plausibel sein, aber doch nicht auf ein und demselben Planeten!

Erton schrieb:
Mit der Religion hat Martin es dir wahrlich nicht leicht gemacht. Ich glaube er weiß selbst nicht so richtig, was Wirklichkeit ist und was nicht. Damit das alles unter einen Hut zu bringen hast du dir ganz schön was vorgenommen.

Wie bereits erwähnt hat GRRM bewusst offen gelassen, ob es überhaupt eine "wahre" Religion gibt. Über das Aufeinandertreffen seiner verschiedenen Religionen mit der "natürlichen Theologie" aus Tolkiens Welt zu schreiben, ist in der Tat schwierig, aber auch reizvoll.

Erton schrieb:
Faramirs Unterricht bei Maester Cressen ist eine interessante Parallele zu seinem Studium bei Gandalf. Da hätte mir ein Vergleich Faramirs auch gut gefallen. Und da stellt sich mir die Frage, ob die Gondorer den Maester nicht auch für einen Zauberer halten würden.

Darauf wäre ich nie gekommen. Warum sollte Faramir Cressen für einen Zauberer halten? Nur weil er ein gelehrter alter Mann ist? Solche Menschen gab es auch in Gondor (z.B. ein gewisser Kräutermeister in den Häusern der Heilung).

Damit zum nächsten Kapitel, dass ich wegen seiner Länge in drei Teilen veröffentliche.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Elessar IV

"Habt Ihr die neuesten Nachrichten aus den Flusslanden schon vernommen, Euer Gnaden?", fragte Stannis.

Elessar nickte. "Mir wurde eben berichtet, dass Tywin Lannister mit seinem Heer nach Westen aufgebrochen ist."

Tatsächlich hatte er es nicht nur gehört, sondern auch gesehen. Nach langem Zögern und Überlegen hatte er es endlich gewagt, den Palantír zum ersten Mal außerhalb von Mittelerde zu verwenden. Mit Hilfe einer Landkarte hatte er den sehenden Stein auf Harrenhal gerichtet und den Abmarsch des Heeres gesehen. Da waren lange Reihen von Reitern und Fußsoldaten, die die düstere, verfallene Festung verließen und in westlicher Richtung unterwegs waren. Auffällig waren besonders vier Standartenträger, die riesige purpurrote Banner mit dem Wappen des goldenen Löwen trugen.

Hinter ihnen ritten zwei prächtig gekleidete alte Männer. Der bärtige Herr im Hermelinmantel ist gewiss Lord Tywin. Es folgten weitere vornehm gekleidete Lords mit unterschiedlichen Wappen. Der letzte von ihnen war ein riesiger Kerl, auf dessen gelbes Banner drei schwarze Hunde zu sehen war. Das ist dann wohl Gregor Clegane, der der Berg genannt wird. Elessar beobachtete noch eine Weile, wie das Heer weiter nach Westen marschierte. Danach hatte er den Stein auf Königsmund gerichtet und sich die Tore und die Mauer der Hauptstadt angeschaut. Besonders interessiert hatte ihn dabei, dass die Verteidiger der Stadt an einer Eisenkette an der Flussmündung arbeiteten. Noch interessanter waren freilich die unterirdischen Gänge in den Gewölben des Roten Bergfrieds, die teilweise unter die Stadt und sogar aus der Stadt hinaus führten.

Seither waren einige Tage vergangen und Elessar hatte sich nun erneut nach Drachenstein für eine Besprechung mit König Stannis begeben. Diesmal trafen sie sich in einem größeren Kreis mit mehreren Lords und hohen Offizieren in der Großen Halle. Auch Lady Melisandre war anwesend. Sie saßen an einem breiten Tisch, auf dem eine Karte von Königsmund entrollt war.

"Ja, so heißt es", bestätigte Ser Davos Seewert die Meldung vom Aufbruch des Lannister-Heeres. "Der Lord von Casterlystein eilt in seine Heimat, die von den Nordmännern angegriffen wird. Das ist die Gelegenheit für uns, sofort nach Königsmund zu ziehen!"

"Und dass wir diese Gelegenheit bekommen, verdanken wir Eurem Sohn, Lord Stark!", sagte Faramir mit einen Lächeln. Lord Eddard nickte, aber erwiderte das Lächeln nicht. Er machte einen besorgten Eindruck.

"Sind Eure Männer bereit, die Gelegenheit zu ergreifen, Euer Gnaden?", fragte Stannis ungeduldig.

"Wir sind bereit, Euer Gnaden", antwortete Elessar, "doch ich warne vor einem überstürzten Aufbruch nach Königsmund. Wenn wir angreifen, sollten wir wissen, auf was wir uns einlassen. Ist uns bekannt, wie stark die Verteidiger der Stadt sind? Und werden wir die einzigen Angreifer sein? Was macht Lord Renly mit seinem großen Heer? Wir hörten zuletzt, dass er seine Truppen aufgeteilt hat."

"Tyrion Lannister hat die Stadtwache deutlich vergrößert", erläuterte Lord Eddard, "außerdem verfügt er über mehrere Hundert Söldner und einige Ritter aus den Kronlanden. Wir müssen damit rechnen, dass die Stadt deutlich über sechstausend Verteidiger hat. Lord Renly ist mit dem Großteil seines Heeres nach Nordosten unterwegs, wobei er immer noch sehr langsam vorankommt. Lord Alester Florent marschiert weiter auf dem Rosenweg in Richtung Königsmund."

"Offensichtlich will Lord Renly die Stadt von zwei Seiten angreifen", schlussfolgerte Elphir, "sollten wir nicht abwarten, bis seine Streitkräfte dort eintreffen? Mit seiner Hilfe könnten wir Königsmund weitaus einfacher erobern als ohne ihn."

"Auf gar keinen Fall, Lord Elphir!", widersprach Stannis. "Ich muss den Eisernen Thron errungen haben, ehe Renly die Stadt erreicht. Auch wenn wir ihn nicht bekriegen, so ist Renly immer noch ein Usurpator und nicht unser Verbündeter!"

"Immerhin erweist er sich in einer Hinsicht hilfreich", meinte Ser Davos, "Lord Renly unterbindet jegliche Lieferung von Nahrungsmitteln aus der Weite nach Königsmund. Der Hunger schwächt die Verteidiger der Stadt."

"Ganz gewiss", pflichtete Elessar bei, "doch das spricht meines Erachtens auch dafür, noch etwas mit unserem Angriff zu warten, denn je länger die Verteidiger von Königsmund hungern, desto schwächer werden sie." Und wir müssen uns nach der Eroberung unbedingt mit Renly verständigen, sonst hungern wir bald!

Stannis schnaubte. "Wie lange sollen wir Eurer Meinung nach warten?", fragte er. "Ich bin diese Untätigkeit leid."

"Nicht allzu lange", beschwichtigte Elessar. "Wir sollten nur sicher gehen, dass Tywin tatsächlich weit weg in den Westlanden ist und die Stadt nicht vor uns erreichen kann. Ich rate auch nicht zur Untätigkeit. Renly und seine Leute blockieren die Landwege nach Königsmund. Warum blockieren wir nicht die Seewege? Wir haben genug Schiffe dafür. Mir ist aufgefallen, dass immer noch Schiffe von und nach Königsmund unterwegs sind."

"Von den Leuten auf den Schiffen erfahren wir, was in der Stadt passiert und worüber die Leute reden", wandte Lord Eddard ein.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Stannis entschied nach kurzem Nachsinnen. "Wir werden nicht jeglichen Verkehr blockieren, aber jedes Schiff, das von oder nach Königsmund fährt, wird überprüft. Lieferungen von Waffen oder Nahrungsmitteln in die Stadt werden unterbunden. Aber kommen wir nun zum eigentlichen Zweck des Treffens, dem Ausarbeiten eines Schlachtplanes. Lord Stark, erläutert bitte unseren Verbündeten, wie wir vorzugehen gedenken."

Lord Eddard stand auf und zeigte auf die Karte: "Wir planen, die Stadt von zwei Seiten anzugreifen: Zum einen im Norden am Eisentor, durch die Streitkräfte Gondors unter Führung von König Elessar, zum anderen im Südosten, wo unsere Streitmacht in die Mündung des Schwarzwasser eindringt, Joffreys Schiffe vernichtet, am Hafen landet und unter Führung von König Stannis durch das Flusstor und das Königstor in die Stadt gelangt."

"So hatten wir uns das in etwa auch vorgestellt", sagte Faramir, "allerdings dürfte der Feind damit rechnen, dass wir genau an diesen Toren angreifen, da unser Angriff vom Meer aus erfolgt. Unserem Angriff fehlt die Überraschung."

"Und wie sollen wir den Feind überraschen?", fragte Ser Davos.

"Indem wir an noch mehr Toren angreifen", antwortete Elessar. "Ich werde mich um den Angriff auf das Eisentor kümmern, doch Fürst Faramir wird mit einer großen Heerschar weiter nördlich an Land gehen, um von dort kommend anzugreifen."

"Das ist gewagt", meinte Stannis, "und Ihr müsst darauf achten, dass Ihr Eure Streitkräfte nicht zersplittert. Aber Ihr habt Recht, wir sollten es dem Feind nicht zu leicht machen und ihn nicht nur dort angreifen, wo er damit rechnet. Gleichwohl soll der Hauptangriff im Süden erfolgen. Besteht Ihr darauf, dass Eure gesamte Streitmacht für den Angriff im Norden eingesetzt wird, Euer Gnaden?"

"Nein, das nicht", antwortete Elessar, "wenn Ihr es wünscht, wird Kommandant Elphir mit seinen acht Schiffen aus Dol Amroth Euren Angriff auf die feindliche Flotte unterstützen." Damit wäre dann auch jemand dabei, der vor der Eisenkette an der Mündung weiß. Elessar hatte Faramir und Elphir bereits von seinem Blick in den Palantír berichtet, Ihnen aber auch geboten, dies vor den Westerosi geheim zu halten.

"Diese Schiffe verfügen über Geschütze, nicht wahr?", fragte Lady Melisandre. "Geschütze für feurige Geschosse?"

"Ja, gewiss", bestätigte Elphir. "Wir können mit unseren Ballisten auch große Brandpfeile abschießen. Warum fragt Ihr?"

"Ich habe etwas in den Flammen gesehen", raunte Melisandre, "unsere Feinde wollen uns mit Feuer bekämpfen. Doch wir werden siegen, wenn wir Feuer mit Feuer erwidern."

"Gut, dann werden sich Eure Schiffe an meinem Angriff beteiligen, Lord Elphir", entschied Stannis. "Viele meiner Schiffe haben auch Geschütze. Wenn es so kommt, wie Lady Melisandre sagt, werden wir Feuer mit Feuer erwidern und in die Stadt gelangen. Sobald wir in Königsmund sind, greifen wir mit allen verfügbaren Kräften den Roten Bergfried an. Wenn der Usurpator Joffrey und der Rest der Lannister-Brut in unserer Hand sind, wird uns niemand mehr Widerstand leisten."

"Was soll nach der Eroberung der Stadt mit den gefangenen Lannisters geschehen?", fragte Faramir.

"Sie sollten unsere Geiseln sein, auf dass Lord Tywin eher geneigt sein wird, sich zu ergeben!", antwortete Lord Eddard.

"Nein, wir haben bereits den Königsmörder und drei von Lord Tywins Neffen", bemerkte Stannis verächtlich. "Der Usurpator Joffrey, seine verkommene Mutter, seine Geschwister und der Gnom werden sterben und ich werde dem Volk ihre aufgespießten Köpfe zeigen!"

"Aber ich brauche Tyrion Lannister lebend, um den Anschlag auf meinen Sohn Bran aufzuklären!", protestierte Eddard. "Myrcella und Tommen sind unschuldige Kinder; gerade mal zehn und neun Jahre alt! Und wenn man es genau bedenkt, ist auch Joffrey mit vierzehn Jahren fast noch ein Kind."

"Ein Kind!", rief Stannis. "Habt Ihr schon vergessen, dass dieses Kind Euch töten wollte, Lord Stark? Denkt nur an all die Gerüchte, denen zufolge Joffrey Eure Tochter Sansa grausam misshandelt! Nein, Cerseis Kinder sind allesamt dem Inzest entsprungene Abscheulichkeiten."

Das könnte man auch von den Targaryen-Königen sagen, dachte Elessar, doch er unterbrach Stannis nicht, der fortfuhr:

"Abgesehen davon können alle Kinder von Cersei von meinen Feinden dazu benutzt werden, meinen rechtmäßigen Anspruch auf den Eisernen Thron zu bestreiten – so lange sie leben."

"Aber Euer Gnaden, wir können doch beweisen…", begann Eddard.

"…dass sie nicht Roberts Kinder sind?", beendete Stannis seinen Satz. "Sicher, wenn wir Roberts Bastarde vorzeigen könnten. Aber Edric Sturm ist in Sturmkap und der Schmiedejunge Gendry irgendwo auf dem Königsweg."

"Varys hat erwähnt, es gäbe acht Bastarde", warf Eddard ein.

Stannis schüttelte den Kopf. "Selbst wenn wir ein Dutzend dunkelhaariger Bastarde von Robert finden und vorzeigen, wird es neben Lord Tywin auch noch andere geben, die mich und Euch Lügner nennen und behaupten, Cerseis Kinder seien von Robert. Also gut, Lord Stark, ihr könnt den Gnom haben, solange Ihr ihn lebend braucht, aber Cersei und ihre Brut werden nicht geschont!"

"Euer Gnaden!", rief Elessar. "Es mag sein, dass Joffrey und Cersei den Tod verdient haben. Aber entspricht es Eurer Vorstellung von Gerechtigkeit, zwei unschuldige Kinder allein ihrer Abstammung wegen zu töten?"

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Stannis blickte Elessar finster an. "Wenn wir sie nicht töten, verlängert das den Krieg und dann sterben noch viel mehr Unschuldige. Es ist besser, dass zwei Kinder sterben als Hunderte oder gar Tausende. Viel Blutvergießen hätte vermieden werden können, wenn Lord Stark König Robert rechtzeitig verständigt und ihm die Wahrheit über Cerseis Kinder gesagt hätte, so dass mein Bruder seine verräterischen Gemahlin und ihre Bastarde beseitigt hätte. Ich werde mich jedenfalls nicht der Torheit des Erbarmens schuldig machen!"

"Wir sollten Joffrey und seine Geschwister lebendig verbrennen", schlug Melisandre vor. "Der Herr des Lichts wird erfreut sein und Euch belohnen, Euer Gnaden, wenn Ihr ihm königliches Blut opfert."

Elessar stockte der Atem, als er die Worte der Roten Frau vernahm. Er sah, wie Faramir vor Entsetzen blass wurde. Doch es war Lord Stark, der aufsprang und schrie: "Ihr wollt KINDER lebendig verbrennen, Priesterin? Seid Ihr des Wahnsinns, dass ihr sie so grausam ermorden wollt wie einst der Irre König meinen Vater? Euer Gnaden, das dürft Ihr nicht zulassen!"

"RUHE!", donnerte Stannis. "Was der König zulässt oder nicht, entscheidet der König und nicht seine Hand! Mäßigt Euch, Lord Stark, ich weise Lady Melisandres Vorschlag zurück! Priesterin, Euer Gerede von königlichem Blut bei Cerseis Kindern ist Unsinn! Habt Ihr vergessen, dass sie allesamt Bastarde des Königsmörders sind?"

Lord Stark setzte sich wieder. Aber trotz der deutlichen Rüge des Königs gab Melisandre nicht klein bei. "Euer Gnaden, Ihr müsst dem Herrn des Lichts trotzdem Opfer bringen. Roberts Bastarde haben doch königliches Blut! Wenn Ihr sie opfert…"

Nun sprang Elessar auf und wurde laut: "Lady Melisandre, dient Ihr dem Herrn des Lichts oder dem Großen Anderen? In unserer Welt gab es einst Menschen, die dem Dunkel und dem Schwarzen Feind huldigten. Götzendienerische Könige unter der Herrschaft der Dunklen Macht verbrannten Menschen lebendig, in Stolz und Verzweiflung ermordeten sie sogar sich selbst und ihre eigene Sippe! Wenn Ihr den König dazu bringt, die Kinder seines Bruders zu verbrennen, vollzieht Ihr den Willen dessen, den Ihr den Großen Anderen nennt."

Melisandre war angesichts des ungeheuerlichen Vorwurfs, den Elessar ihr machte, bestürzt und verwirrt. Ehe sie etwas erwidern konnte, wandte sich Elessar an Stannis und fragte: "Euer Gnaden, was würdet Ihr machen, wenn jemand Eure Tochter Sharin töten wollte?"

Stannis‘ Augen weiteten sich. "Wer es auch nur versucht, meiner Tochter etwas anzutun, wird sterben!", rief er grimmig. "Warum bringt Ihr Sharin ins Spiel, Euer Gnaden? Ihr wollt sie doch nicht etwa auf eine Stufe mit Roberts Bastarden stellen?"

"Gewiss nicht, Euer Gnaden", antwortete Elessar. "Aber Roberts Bastarde sind ebenfalls von Eurem Blute, daher müsst Ihr sie beschützen. Einem König, der nicht einmal für seine eigene Sippe sorgt, wird man weder vertrauen noch gehorchen."

"Also gut!", schnaubte Stannis. "Ich schwöre beim Herrn des Lichts, dass ich meines Bruders Kinder genauso beschützen werde wie meine eigene Tochter! Das sollte Euch genügen, Euer Gnaden. Was aber Cerseis Bastarde betrifft, so sind sie nicht von meinem Blute. Sie sollen nicht verbrannt werden, aber sie müssen sterben! Das ist mein letztes Wort!"

Elessar setzte sich wieder. Er war betroffen, dass Stannis so entschlossen war, neben Joffrey auch Myrcella und Tommen zu töten, doch erhob er keine weiteren Einwände, denn er spürte, dass Stannis sich jetzt nicht umstimmen ließe. Er hatte sich schon soweit mit der blutigen Geschichte der Sieben Königslande befasst, um zu wissen, dass die Ermordung adeliger Kinder in Westeros nichts Außergewöhnliches war. Er beschloss daher, ein anderes Thema anzusprechen:

"Euer Gnaden, was habt Ihr vor, wenn nach einer erfolgreichen Eroberung Königsmunds Lord Renly mit seinem großen Heer vor der Stadt erscheint und Anspruch auf den Eisernen Thron erhebt?"

"Es gilt, was ich Euch bereits zugesagt habe", antwortete Stannis. "Ihr werdet nicht gegen sein Heer kämpfen müssen. Ich werde mit Renly sprechen und dafür sorgen, dass sein Hochverrat ein Ende nimmt."

Elessar zog die Stirn in Falten. "Ihr wollt, dass er sein Knie vor Euch beugt. Aber was macht Ihr, wenn er sich weigert?"

"Das lasst meine Sorge sein, Euer Gnaden!", erwiderte Stannis. "Dieser große Hochverrat wird bald beendet sein – wie auch diese andere Verräterei im Norden!"

"Welche andere Verräterei?", fragte Elessar.

"Ach, Ihr wisst noch nicht davon", sagte Stannis, "Lord Stark, berichtet von diesem elenden Bastard, der Euch Sorgen bereitet!"

Eddard seufzte. "Ramsay Schnee, der Bastard von Bolton, hat Lady Donella Hornwald entführt und sie gezwungen, ihn zu heiraten. Lady Hornwalds Gemahl und ihr Sohn sind beide im Krieg gefallen und der Bastard will wohl durch die erzwungene Heirat ihre Ländereien an sich bringen. Mein Waffenmeister Ser Rodrik Cassel ist mit seinen Männern von Winterfell aufgebrochen, um sich um die Angelegenheit zu kümmern."

"Möge er den Verbrecher zur Strecke bringen und die Lady befreien!", rief Elphir. "Aber warum sollte uns dies Sorgen bereiten?"

"Der Vater von Ramsay Schnee ist Roose Bolton, der Lord von Grauenstein", erklärte Eddard. "Lord Bolton ist ein undurchschaubarer, kühl berechnender Mann, dem ich nicht so recht vertraue. Ich weiß nicht, ob sein Sohn auf eigene Faust oder in Absprache mit seinem Vater vorgegangen ist. Derzeit ist Lord Bolton mit zehntausend Männern in den Flusslanden. Ich weiß nicht, wie er reagieren wird, wenn sein Sohn von uns bestraft wird."

"Lord Bolton muss seine Treue beweisen!", entschied Stannis. "Ich werde ihm befehlen, dass er Harrenhal angreift. Diese Festung sollte zu erobern sein, da Lord Tywins Heer nach Westen abgezogen ist. Außerdem müssen seine eigenen Männer dabei helfen, seinen Bastard zur Strecke zu bringen. Je nachdem, wie er auf diese Befehle reagiert, werden wir ja sehen, ob er treu oder ein Verräter ist."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Theon I

In dieser Nacht war es endlich so weit. Theon würde zeigen, dass auch er ein großer Feldherr und Eroberer war.

Nach dem Sieg in der Schlacht von Ochsenfurt hatte Theon Robb bedrängt, ihm eine solche Gelegenheit zu geben. "Ich hätte mit meines Vaters Flotte Lannisport und Casterlystein angegriffen, wenn der König und dein Vater es mir erlaubt hätten!" So hatte er sich beklagt und schließlich hatte Robb ihm den Befehl über zweitausend Männer übertragen. Theon sollte zusammen mit Kleinjon Umber und dem Schwarzen Walder die Burg Hochklipp, den Sitz des Hauses Westerling erobern.

Es war Nachmittag, als sie in die Nähe der Burg kamen. Theon schickte einige Späher voraus, die nach ihrer Rückkehr berichteten, dass sie auf den verfallenen Mauern nur wenige Wachen gesehen hatten. Nachdem die Sonne über dem Meer der Abenddämmerung untergegangen war, marschierte die Heerschar in die Nähe von Hochklipp. Theon, der mit Schwert und Schild bewaffnet war, gab den Befehl zum Angriff, sobald er die verfallene Festung erblickte. "Vorwärts!" rief er. "Für König Stannis!"

Schreiend stürmten die Soldaten zur Burg. Kleinjon Umber und der Schwarze Walder ließen ihre Männer die Mauer mit hohen Leitern stürmen, während Theon den Angriff auf das Tor befehligte. Mehrere Männer schwangen einen Rammbock, während ihre Kameraden ihnen mit ihren Schilden Deckung vor den heranfliegenden Pfeilen gaben. "Zerstört das Tor!", rief Theon den Männern zu.

Zunächst widerstand das Tor dem Rammbock, doch nach dem vierten Schlag begann es zu splittern. Nach einigen weiteren Schlägen zerbarst das Tor. Triumphierend hob Theon sein Schwert. "Zum Angriff! Hinein! AAAAAH!"

Sein Triumphgeheul verwandelte sich in einen Schmerzensschrei, als ein Pfeil seinen rechten Oberarm traf. Er ließ sein Schwert fallen. Die Nordmänner hielten inne, doch Theon schrie: "In die Festung! Greift an!"

Die Soldaten stürmten darauf durch das zerstörte Tor in den Burghof. Theon biss die Zähne zusammen und brach den Pfeil ab. Er war zu seinem Glück nicht tief in den Arm eingedrungen, doch Theon zog ihn nicht heraus, denn er wusste, dass er dadurch sehr stark bluten könnte. Er hob sein Schwert auf und folgte seinen Männern in den Hof, der von einigen Fackeln an den Mauern beleuchtet wurde. Die Angreifer sahen vor sich nur eine kleine Schar von Verteidigern, die zum Bergfried in der Mitte des Hofes zurückwichen. Die Mauer war bereits gestürmt worden.

"Widerstand ist zwecklos!", schrie Theon. "Ergebt euch, oder wir machen euch alle nieder!"

"Gnade, wir ergeben uns!", rief ein breitschultriger, graubärtiger Offizier unter den Westerling-Männern. Er ließ seine Waffen fallen und die anderen Verteidiger taten es ihm nach.

Theon schritt zu dem Graubart. Die meisten Verteidiger der Burg hatten Waffenröcke und Schilde mit dem Zeichen der sechs Muscheln der Westerlings, doch dieser ältere Mann trug ein anderes Wappen, das Theon nicht kannte. Was soll das sein? Drei Pfefferstreuer?

"Im Namen von König Stannis Baratheon nehme ich Burg Hochklipp in Besitz", rief Theon. "Und wer seid Ihr, Ser?"

"Ser Rolph Spezer, Kastellan von Hochklipp", antwortete der ältere Mann. "Wir vertrauen uns Eurer Gnade an, Lord Robb. Aber wollt Ihr Euch… äh nicht erst um Eure Verwundung kümmern?"

Er hält mich für Robb! Das gefällt mir! Theon dachte gar nicht daran, das Missverständnis aufzuklären.

"Ja, gleich!", erwiderte Theon "Sind die Angehörigen des Hauses Westerling in der Burg, Ser Rolph?"

"Lady Sybelle Westerling, und ihre Kinder sind hier im Bergfried", antwortete Ser Rolph. "Ich bitte um Gnade, denn sie sind meine Schwester, meine Neffen und Nichten."

"Es wird ihnen kein Leid geschehen", versprach Theon. "Ich werde ihnen meine Aufwartung machen, sobald meine Verletzung verbunden ist."

Theon gab den Befehl, die entwaffneten Westerling-Männer einzusperren. Er ließ den Pfeil von einem Feldscher der Umbers herausziehen und die Wunde waschen und verbinden. "Ser Rolph hält Euch für Robb Stark", wisperte Kleinjon ihm unterdessen zu. "Wollt Ihr das nicht richtigstellen?"

"Gewiss, aber nicht sofort!" Theon grinste, auch wenn Kleinjon ihn finster und missbilligend anschaute.

Nachdem der Feldscher den Verband angelegt hatte, ließ Theon sich von Ser Rolph in den Bergfried zu Lady Sybelle Westerling führen. Die Lady, eine stattliche ältere Frau begrüßte Theon als "Lord Robb Stark" und stellte ihm ihre Kinder vor: Die Mädchen hießen Jeyne und Eleyna, die Knaben Raynald und Rollam. Theons Blick ruhte vor allem auf der hübschen Jeyne, die er auf etwa siebzehn Jahre schätzte. Lady Sybelle erkundigte sich nach ihrem Gemahl und Theon berichtete ihr, dass Lord Gawen Westerling wohlauf sei und als Gefangener der Mallisters in Seegart befand. Schließlich verabschiedete sich Theon mit einigen höflichen Worten, wobei er immer noch verschwieg, dass er nicht Robb Stark war.

Am nächsten Tag stellte er zu seinem Missvergnügen fest, dass sich seine Verletzung entzündet hatte. Er erwähnte dies gegenüber Lady Sybelle, die ihm darauf zu seiner Überraschung anbot, dass er im Zimmer ihrer Tochter Jeyne wohnen könnte, diese würde unterdessen bei ihrer Schwester bleiben. Theon nahm das Angebot dankend an. Später schickte er einen Boten zu Robb, damit dieser von der erfolgreichen Eroberung erfuhr.

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Abends ging Theon in Jeynes Zimmer. Sogleich legte er sich ins Bett. Nach all den Mühen der vergangenen Tage freute sich Theon auf eine erholsame Nacht, als er einen brennenden Schmerz an seinem verletzten Arm spürte. Verdammt, ich habe den Verband nicht wechseln lassen! Jetzt muss ich wieder hinaus zum Feldscher.

Er setzte sich auf, als es an der Tür klopfte. Jeyne Westerling trat mit einer Schüssel voll warmen Wasser in der Hand und einem Bündel unter dem Arm ein. "Guten Abend, Mylord!", grüßte sie schüchtern.

"Guten Abend, Lady Jeyne!", erwiderte Theon ihren Gruß. "Womit kann ich Euch dienen? Falls Ihr doch lieber in Eurem eigenen Bett schlafen wollt, hätte ich nichts dagegen. Hier ist genug Platz für zwei!" Er grinste frech, aber Lady Jeyne errötete und senkte ihren Blick.

"Ich sollte mich eigentlich um Eure Wunde kümmern", sagte sie leise. "Darum habe ich Verbandszeug und eine Salbe dabei."

"Das ist gut!", rief Theon erfreut. "Verzeiht mir meinen dummen Scherz! Ich wollte Euch nicht in Verlegenheit bringen. Kommt bitte, denn ich brauche unbedingt einen neuen Verband."

Lady Jeyne legte Schüssel und Bündel ab und trat ans Bett, auf dem Theon immer noch saß. "Würdet Ihr bitte Euren Arm freimachen?", fragte sie.

"Aber gerne", antwortete er. Er zog das Hemd aus, so dass sie seinen nackten Oberkörper zu sehen bekam. Lady Jeyne machte zunächst große Augen und schaute ihn mit einer Mischung aus Neugier und Scheu an, doch dann setzte sie sich zu Theon. Sie entfernte seinen alten Verband, wusch seine Wunde und holte aus ihrem Bündel eine Dose mit einer weißen Salbe, die sie vorsichtig auf seine Wunde auftrug.

Die Salbe kühlte seine Verletzung. "Ja, das tut gut, sehr gut!", brummte Theon zufrieden. Lady Jeyne lächelte schüchtern, während sie einen neuen Verband anlegte. Als sie damit fertig war, wollte sie aufstehen, doch Theon hielt sie an ihrem Handgelenk fest.

"Nicht so schnell, Mylady", sagte er. "Euch gefällt doch, was Ihr seht? Ihr dürft auch meinen gesunden Arm anfassen, wenn Ihr wollt!" Lady Jeyne errötete erneut. "Ja, Ihr seid ein gut aussehender Mann, Mylord", brachte sie heraus und berührte scheu Theons linken Oberarm.

"Ihr könnt noch mehr von mir sehen und berühren, wenn Ihr wollt", sagte Theon keck, "aber dafür will ich auch Euch berühren und sehen!" Er fasste ihre Schultern, um sie an sich zu ziehen und zu küssen. Doch sie riss sich plötzlich los und sprang auf.

"Mylord!" rief sie. "Ihr vergesst Euch! Ich bin eine Jungfrau aus einem stolzen, altehrwürdigen Geschlecht und keine gemeine Magd, mit der Ihr einfach so Euren Spaß haben könnt!"

Theon verdrehte enttäuscht die Augen. "Ihr Westerlings seid vielleicht ein altes Geschlecht, aber mittlerweile auch ein ziemlich unbedeutendes. Wir Graufreuds hingegen…"

"Graufreud!?!", rief Lady Jeyne entsetzt. "Ihr seid gar nicht Robb Stark, sondern einer dieser abscheulichen Seeräuber? Lügner! Betrüger!"

"Was? Ich, nein, äh…" Theon geriet ins Stottern. Oh, verflucht! Theon, du Dummkopf!

"Hinaus aus meinem Bett! Hinaus aus meinem Zimmer!", schrie sie ihn empört an.

Nun war es Theon, der rot anlief. "Ich bitte um Vergebung, Mylady!", sagte er kleinlaut, "ja, ich bin Theon Graufreud, Erbe der Eiseninseln. Dass ich mich als Robb Stark ausgegeben habe, war… äh… eine Kriegslist. Die Gefolgsleute der Lannisters sollten glauben, Robb Stark könnte gleichzeitig an mehreren Orten sein." Was für eine dämliche Ausrede. Das glaubt sie mir nie!

"Euer dummer Krieg interessiert mich nicht!", rief Lady Jeyne. "Verschwindet endlich!"

"Aber Eure Hohe Mutter hat mir doch zugesagt…"

"Meine Hohe Mutter hat mir befohlen, mein Zimmer Robb Stark zu überlassen!", unterbrach sie ihn. "Aber er ist nicht hier! Und Euch will ich nie wieder sehen! Hinaus mit Euch, oder ich hole meine Mutter!"

Theon murmelte weitere Entschuldigungen, nahm seine Sachen und verließ frustriert Lady Jeynes Zimmer, um bei seinen Männern zu übernachten.

Am nächsten Morgen schlich er unschlüssig um den Bergfried herum und überlegte, ob und wie er sich bei Lady Sybelle entschuldigen sollte. Die kleine Jeyne hat mich sicher schon bei ihrer Mutter verpetzt. Aber nein, sie sind meine Gefangenen! Bei denen entschuldige ich mich nicht!

Er ballte seine rechte Hand zur Faust und macht eine schwungvolle Armbewegung, doch gleich darauf verzog er schmerzverzerrt sein Gesicht. "Verdammte Wunde!", fluchte er.

"Einen verletzten Arm sollte man schonen, Mylord", sagte hinter ihm eine Frauenstimme mit einem fremdländischen Akzent.

Theon wandte sich um und erblickte eine junge Frau in einfacher Kleidung. Sie war eine atemberaubende Schönheit mit schwarze Haaren und braunen Augen.

"Wer seid Ihr, Mylady?", fragte Theon. "Ihr seid gewiss nicht von hier?"

"Ihr habt Recht, ich bin nicht aus Westeros", antwortete sie, "Die Freie Stadt Volantis ist meine Heimat. Ich habe mich hierher begeben, denn wo ihr kriegslüsternen Helden Eure Schlachten schlagt und Menschen sinnlos getötet und verstümmelt werden, gibt es viel zu tun für wandernde Heiler wie mich."

Theon missfiel, wie die junge Frau über den Krieg sprach, doch andererseits beeindruckte ihn ihr Selbstbewusstsein. "Wir kämpfen für eine gerechte Sache!", stellte er fest. "Und wenn Ihr eine Heilerin seid: Würdet Ihr Euch auch um die Verletzung eines kriegslüsternen Helden – oder wie ich hier auch schon genannt wurde – eines abscheulichen Seeräubers kümmern? Habt Ihr eine Heilsalbe?"

"Selbstverständlich habe ich Salben", antwortete die Heilerin, "und ich werde mir Eure Verletzung anschauen. Doch warum sollte man Euch Seeräuber nennen, Mylord?"

"Ich bin Theon Graufreud, Erbe der Eiseninseln, wenn Euch das etwas sagt. Wie ist Euer Name?"

"Talisa Maegyr, Mylord."

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Die Tochter des Kraken

Es war Mittag, als Asha von Groß Wiek heimkehrte, doch wie an so vielen Tagen bedeckten Wolken den Himmel über den Eiseninseln und kein Sonnenstrahl fiel auf die düstere und trostlose Festung Peik. Als sie das Tor erreichte, sagten ihr die Wachen, sie solle sich unverzüglich zum Seeturm begeben. Ihr Vater erwarte sie zu einer Besprechung mit seinen Brüdern Victarion und Aeron.

Asha nickte und schritt zum Bergfried. Sie ahnte, was ihr Vater mit ihr und ihren Onkeln besprechen wollte. Es würde gewiss darum gehen, wie die Eiseninseln in den Krieg eingreifen sollten, der nach dem Tod König Roberts ausgebrochen war. Vielerlei Berichte von den Kämpfen in den Grünen Landen waren auf den Eiseninseln vernommen worden. Dabei war Asha auch zu Ohren gekommen, dass ihr Bruder Theon an der Seite von Robb Stark für Stannis Baratheon kämpfte. "Ausgerechnet für Stannis", dachte Asha, als sie den Seeturm erreichte und die Wendeltreppe hinaufstieg. Sie erinnerte sich daran, welchen entscheidenden Anteil König Roberts Bruder bei der Niederschlagung der Graufreud-Rebellion vor zehn Jahren gespielt hatte.

Schließlich betrat Asha das Solar ihres Vaters. Balon Graufreud saß am Besprechungstisch, ebenso Victarion, Lord Kapitän der Eisernen Flotte und der Priester Aeron, der auch Feuchthaar genannt wurde. "Vater", sagte Asha, worauf der Lord der Eiseninseln kurz aufblickte.

"Setze dich zu uns, Tochter!", gebot Lord Balon, worauf sie Platz nahm. "Hast du die neuesten Berichte von den Kämpfen in den Westlanden gehört?"

"Gewiss, Vater", antwortete Asha. "Der junge Wolf hat den Lannisters eine schwere Niederlage zugefügt. Es heißt, er würde demnächst Casterlystein angreifen und er könnte es wohl auch einnehmen."

Lord Balon schüttelte den Kopf. "Casterlystein ist noch nie eingenommen worden."

"Bis jetzt, ja", räumte Asha ein, "aber was passiert, wenn die Festung vom Land und von der See aus angegriffen wird? Wenn wir an der Seite der Starks in den Krieg eingreifen…"

"Nein!", rief ihr Vater. "Du erwartest doch nicht, dass wir für Stannis Baratheon und Ned Stark kämpfen? Für jene Männer, die vor zehn Jahren unsere Rebellion niederschlugen und deine Brüder Rodrik und Maron töteten?"

"Wofür sonst sammeln wir unsere Langschiffe?", fragte Asha. "Wie wollt Ihr Euch zum König von Salz und Fels ausrufen, wenn Ihr nicht den Eisernen Preis bezahlt, wie es der Alte Weg gebietet?"

Lord Balon blickte seine Tochter finster an. "Ich werde mir ein Königreich mit Feuer und Schwert holen, aber wohl eher nicht im Westen. Casterlystein ist zu mächtig und Lord Tywin zu hinterlistig. Lies das hier, Mädchen!" Er reichte ihr einen Brief.

Asha nahm ihn und las:

An Balon aus dem Hause Graufreud, Lord der Eiseninseln

Höchst ehrenwerter Lord Balon,

im Namen des rechtmäßigen Königs Joffrey ersuche ich Euch um Euren Beistand im Kampf gegen die Verräter Stannis und Renly und zum Angriff auf die Weite. Die meisten Streitkräfte der Tyrells und ihrer Gefolgsleute sind mit Lord Renly in den Krieg gezogen. Die Küste der Weite von Alteich bis Sonnheim ist nur noch schwach bemannt. Was immer Ihr in der Weite erbeutet und erobert, soll rechtmäßig Euch gehören. Außerdem erhaltet Ihr nach einem erfolgreichen Angriff als Dank für Eure Verdienste eine Million Golddrachen. Durch einen Angriff auf Renly Baratheon würdet Ihr mir die Gelegenheit geben, Stannis Baratheon und Eddard Stark zu vernichten – jene Männer, die für den Tod Eurer beiden älteren Söhne verantwortlich sind.

Gezeichnet mit Wappen und Siegel von Tywin aus dem Hause Lannister,
Hand des Königs, Lord von Casterlystein und Wächter des Westens


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Nun war es Asha, die den Kopf schüttelte. "Hinterlistig ist Lord Tywin zweifellos. Aber dies ist ein vergiftetes Angebot. Wenn wir jetzt die Küste der Weite überfallen, legen wir uns mit Renly an – dem mächtigsten unter den Lords, die sich König nennen. Und wenn wir für Lord Tywins Gold in den Krieg ziehen, sind wir nichts weiter als seine Söldner."

"Das weiß ich längst!", bellte Lord Balon, "Ich habe auch nicht vor, so zu handeln, wie es Lord Tywin von mir erwartet. Dieser Brief sollte dir nur zeigen, wie hinterhältig er ist. Nein, meine Pläne gehen in eine andere Richtung. Victarion, erkläre dem Mädchen, was wir vorhaben."

"Nicht nur die Küsten der Weite sind ungeschützt", sagte Victarion. "Der junge Wolf hat fast alle Krieger des Nordens in den Krieg geführt."

"Den Norden angreifen?", rief Asha überrascht. "Was geschieht dann mit Theon? Werden die Starks ihn nicht töten? Vater, er ist Euer einzig verbliebener Sohn."

"Mein Sohn!", schnaubte Lord Balon. "Ist er das noch? Ich weiß nicht, ob ich ihn wiedererkennen würde. Haben die zehn Jahre in Winterfell ihn nicht längst zum Wolf gemacht?"

"Er ist von Eurem Blute!", erwiderte Asha. "Wenn wir die Starks angreifen und sie ihn deswegen töten, wäre es, als ob wir ihn selbst ermordet hätten. Was würden unsere Leute davon halten, wenn Ihr Euren letzten Sohn dem Tode preisgebt? Würde der Ertrunkene Gott uns dafür nicht hassen?"

"Das ist gewiss!", räumte Aeron Feuchthaar ein. "Niemand ist so verflucht wie der Sippenmörder."

"Ja, in der Tat", stimmte Victarion zu. "Ich erinnere mich da an ein Versprechen, dass ich vor zwei Jahren geben musste…"

"Darüber brauchen wir nicht zu reden!", unterbrach ihn Lord Balon. Dennoch ahnte Asha, worum es ging: Lord Balon hatte Victarion das Versprechen abgerungen, dass er niemals seinen Bruder Euron töten würde, obwohl dieser Victarions Salzweib vergewaltigt hatte.

"Falls Theon stirbt, dann durch die Hand der Nordmänner", fuhr Lord Balon fort. "So wie vor ihm seine Brüder. Was tot ist, kann niemals sterben!"

"Doch erhebt es sich von Neuem, stärker und härter!", ergänzte Feuchthaar. "So bist du trotz der Gefahr für deinen Sohn entschlossen, den Norden anzugreifen, Balon?"

"Ich werde den Eisernen Preis bezahlen!", knurrte Lord Balon, doch Asha meinte eine leichte Unsicherheit in der Stimme ihres Vaters zu hören.

"Wenn wir wegen Theon nicht den Norden angreifen, dann eben doch die Weite!", sagte Victarion grimmig. "Wir könnten mit den Schildinseln anfangen. Sind diese erobert, könnte ich die Eiserne Flotte den Mander hinauf bis nach Rosengarten führen, während die Tyrells noch für den jungen Hirsch gegen die Lannisters Krieg führen!"

"Torheit!", rief Asha. "Es wäre eine Torheit, genau das zu tun, was Tywin Lannister von uns wünscht. Der alte Löwe mag listig und schlau sein, doch sein Brief zeigt auch, wie verzweifelt er ist. Warum bittet er ausgerechnet jene um Hilfe, die vor zehn Jahren sein Land überfielen? Weil er diesen Krieg gerade verliert! Zwei mächtige Hirsche und der junge Wolf haben den Löwen in die Enge getrieben und für ihn gibt es kein Entkommen. Wir wären töricht, wenn wir auf Seiten des Verlierers in den Krieg ziehen."

"Wenn wir in den Krieg ziehen, dann auf niemandes Seite!", sagte Feuchthaar. "Wir kämpfen für uns selbst, nicht für irgendwelche Lords aus den Grünen Landen. So verlangt es der Alte Weg!"

"Wir sollten nicht alleine kämpfen, Onkel!", widersprach Asha. "Die Eiseninseln können nicht gleichzeitig gegen alle Könige und Lords der Grünen Lande bestehen. Wenn diese Rebellion mehr Erfolg haben soll als jene vor zehn Jahren, brauchen wir Verbündete."

"Und wer sollen diese Verbündeten sein?", fragte Lord Balon. "Ich bleibe dabei, dass ich mich auf keinen Fall mit Stannis Baratheon verbünden werde. Du wiederum willst kein Bündnis mit den Lannisters."

"So ist es!", sagte Asha. "Aber auch ich will kein Bündnis mit Stannis. Nein, ich rate, dass wir uns mit Renly Baratheon verbünden. Der junge Hirsch war vor zehn Jahren noch ein Knabe und daher nicht an der Niederschlagung unserer Rebellion beteiligt, daher gibt es keinen Grund, einen Groll gegen ihn zu hegen. Jetzt ist er dank seines Bündnisses mit den Tyrells der mächtigste König in den Grünen Landen. Er wird den Krieg gewinnen!"

"Kannst du neuerdings in die Zukunft sehen, Mädchen?", fragte Lord Balon mürrisch. "Renly mag das größte Heer haben, aber das bedeutet noch lange nicht, dass er den Krieg gewinnt."

"Wir könnten natürlich noch abwarten, wer den Krieg gewinnt." Asha zuckte mit den Schultern. "Oder wir greifen die Lannisters an und bieten Renly ein Bündnis."

Lord Balon schaute seine Tochter finster und nachdenklich an, doch er widersprach ihr nicht.

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Erchirion I

Das sind keine Handelsschiffe!

Argwöhnisch beobachtete Erchirion die fünf Schiffe, die von Königsmund kommend in nordöstlicher Richtung fuhren. Seit mehreren Tagen waren die acht Schiffe aus Dol Amroth nördlich von Drachenstein im Einsatz, um die von Stannis angeordneten Überprüfungen durchzuführen. Doch abgesehen von Stannis' und Elessars Flotten waren nur wenige Handelsschiffe unterwegs, die sich widerstandslos anhalten und überprüfen ließen. Die Händler berichteten, dass es in Königsmund nur noch wenig zu essen gebe, das gemeine Volk hungerte und die Lannisters verfluchte.

An diesem Tag war Erchirion nicht an Elphirs Seite auf der Mithrellas, sondern an Bord der Schwanenkraft, um in seiner Eigenschaft als stellvertretender Kommandant das Schiff und seine Besatzung zu inspizieren. Während dieser Inspektion wurden die Schiffe gemeldet, die aus Königsmund kamen.

Mittlerweile konnte Erchirion sie deutlich erkennen. "Das sind Kriegsgaleeren!" meinte Ardil, der Kapitän der Schwanenkraft. "Ja, fürwahr", stimmte Erchirion zu. "Und es sind keine uns bekannten aus Stannis' Flotte. Diese Schiffe gehören zur Streitmacht des falschen Königs Joffrey."

Natürlich waren die feindlichen Galeeren auch auf den anderen Schiffen aus Dol Amroth bemerkt worden. Ein Hornsignal ertönte von der Mithrellas und befahl Kampfbereitschaft. Sofort brach auf der Schwanenkraft und den anderen Schiffen hektische Betriebsamkeit aus: Befehle wurden gerufen, Männer griffen zu ihren Waffen und die Geschütze wurden geladen.

Erchirion schaute auf die näher kommenden Galeeren. Vier von ihnen hatten gelbe Segel mit dem Wappen des schwarzen Hirsches das Hauses Baratheon, eine ein rotes Segel mit dem goldenen Löwen des Hauses Lannister. "Was haben sie vor?", fragte der Kapitän. "Wollen die uns mit nur fünf Galeeren angreifen?"

"Wir werden es gleich erfahren", meinte Erchirion. "Vielleicht ist das auch nur das vorderste Geschwader von Joffreys Flotte und es kommt noch mehr."

Der Verband aus Dol Amroth erwartete den Angriff der feindlichen Galeeren. Doch diese hielten nicht weiter auf die Schiffe aus Gondor zu, sondern wendeten nach Norden und näherten sich der Küste. Das ist kein Angriff. Eher eine Flucht.

Elphir schien zu der gleichen Schlussfolgerung gekommen zu sein, denn die Mithrellas setzte sich in Bewegung und fuhr in Richtung der feindlichen Schiffe. Erneut ertönte das Horn vom Flaggschiff von Dol Amroth und gab den Befehl, ihm zu folgen. Das Geschwader nahm daraufhin Fahrt auf.

Rasch näherten sie sich den fünf Galeeren, denn die Schiffe aus Gondor waren schneller. Erchirion erinnerte sich, dass er die größte Galeere mit dem Baratheon-Wappen schon einmal gesehen hatte: "So sieht man sich wieder! Das große Schiff dort hat uns nach der Befreiung von Eddard Stark in die Schwarzwasserbucht verfolgt."

"Kommandant Elphir scheint sich auch zu erinnern!", meinte Ardil. Von der Mithrellas flog ein feuriges Geschoss in Richtung der großen Galeere. Es landete mit deutlichen Abstand im Wasser. Erchirion fragte sich, ob diese Warnung verstanden wurde. Doch die feindlichen Schiffe fuhren zunächst mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Ein weiteres Geschoss wurde von der Mithrellas abgefeuert. Es landete wieder im Meer, allerdings diesmal deutlich näher an der großen Galeere.

Sie wurde langsamer und wendete. Werden sie sich jetzt ergeben? Erchirion hoffte noch, dass sich ein Kampf vermeiden ließ. Doch seine Hoffnung zerschlug sich, als von der Galeere ein Fass mit brennendem Pech in Richtung der Mithrellas abgeschossen wurde. Es landete allerdings weit vor dem Flaggschiff im Wasser. Eine weitere Galeere mit dem Baratheon-Wappen und das Lannister-Schiff verlangsamten ebenfalls ihre Fahrt.

Von der Mithrellas ertönte das Signal zum Angriff. "Auf in den Kampf!" rief Erchirion. Das Geschwader aus Dol Amroth formierte sich und fuhr mit höherer Geschwindigkeit in Richtung der feindlichen Schiffe. Auch von der Schwanenkraft und den anderen Schiffen aus Gondor wurden Geschosse abgefeuert. Eines davon traf mehrere Ruder der großen Galeere, die darauf zerbrachen. Einige Seeleute aus Dol Amroth jubelten.

Erchirion jubelte freilich nicht, denn ihm fiel auf, dass zwei der feindlichen Galeeren sich nicht dem Kampf stellten, sondern schnell weiter fuhren. "Die zwei wollen fliehen!", rief er dem Kapitän zu. "Wir verfolgen sie!"

Die Schwanenkraft scherte aus der Angriffsformation aus und wendete in die Richtung der fliehenden Galeeren. Das blieb jedoch auf der großen Galeere nicht unbemerkt. Plötzlich flog ein Geschoss über die Schwanenkraft und streifte das Segel, ehe es im Meer versank. Es hatte niemanden verletzt und nur geringen Schaden angerichtet, doch Erchirion hatte sich erschrocken geduckt. Er zuckte noch einmal zusammen, als er einen großen Knall aus der Richtung der großen Galeere hörte. Als die Seeleute um ihn herum jubelten, blickte er vorsichtig über die Reling und sah, dass das Deck des feindlichen Schiffs brannte. Wahrscheinlich ein Schuss von der Mithrellas. Danke, Elphir!

So konnte die Schwanenkraft die Verfolgung der beiden fliehenden Schiffe fortsetzen. Dies erwies sich freilich als schwierig, da die beiden Galeeren sehr schnell unterwegs waren. Die Ruderer aus Dol Amroth mussten sich mächtig ins Zeug legen, um den Abstand zu verringern. Doch schließlich war die langsamere der beiden Galeeren fast in Schussweite.

"Gebt einen Warnschuss ab!", befahl Erchirion.

Gondor hilft Westeros

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Buchfaramir

Fürst von Ithilien

Re: Gondor hilft Westeros (Fanfiction), Band I: Ein anderer Krieg der fünf Könige [Re: Buchfaramir]

Ein großer Stein wurde in die Richtung der Galeere abgeschossen und versank im Meer. Die Galeere floh weiter, doch die Schwanenkraft kam immer näher. Erchirion ließ noch einen Warnschuss abgeben, aber das Schiff floh weiter.

"Nicht einmal kämpfen wollen sie!", schimpfte Erchirion. "Feuert mit Brandgeschossen!" Mittlerweile war die feindliche Galeere in Schussweite. Erchirions Befehl wurde ausgeführt und das brennende Geschoss traf das Deck der Galeere, die in Brand geriet. Laute Schmerzens- und Todesschreie waren zu vernehmen. Doch Erchirion ließ unbarmherzig noch einmal schießen. Das Schiff wurde erneut getroffen und brannte nun lichterloh. Einige Männer sprangen von Bord und schwammen in Richtung der Schwanenkraft, die ihre Geschwindigkeit drosselte.

Plötzlich hörte Erchirion hinter sich ein Hornsignal. Er sah, dass ihnen ein weiteres Schiff aus Dol Amroth gefolgt war. "Die Pracht von Belfalas kommt gerade recht!", rief Ardil. "Die Kameraden könnten diese Überlebenden aus dem Meer fischen, während wir die letzte flüchtige Galeere verfolgen."

"Ja, das… nein, wir holen die Kerle aus dem Meer!", erwiderte Erchirion, als er sah, wie die überlebenden Feinde flehentlich die Arme zu ihm empor reckten. Er verspürte einen Anflug von Mitleid. "Die Pracht von Belfalas soll die Verfolgung übernehmen."

"Das kann schwierig werden", wandte Ardil ein. "Die Pracht von Belfalas ist noch hinter uns und das fliehende Schiff verschwindet schon bald am Horizont. Es ist verdammt schnell."

"Trotzdem!", wies Erchirion den Einwand des Kapitäns ab. "Gebt der Pracht von Belfalas das Signal zur Verfolgung und lasst Strickleitern zu diesen armen Kerlen hinunter. Aber haltet auch eure Waffen bereit, damit sie nicht auf dumme Ideen kommen." Das brennende Schiff begann unterdessen zu sinken.

Die Schwanenkraft wurde noch langsamer. Erchirions Befehl entsprechend wurden Strickleitern hinuntergelassen und einige der Schiffbrüchigen kletterten hoch. Als sie das Deck erreichten, sanken sie erschöpft zusammen. Die meisten von ihnen hatten ihre Waffen im Meer gelassen und leisteten keinen Widerstand gegen die Männer, die sie packten.

"Fesselt sie und bringt sie unter Deck!" befahl Erchirion. "Wartet, bringt den Kerl da zu mir. Ja, den mit dem roten Ochsen auf der Brust". Er zeigte auf einen braunhaarigen Mann mittleren Alters, den er für einen adeligen Offizier hielt.

Zwei Soldaten zogen den Mann hoch, auf den Erchirion gezeigt hatte und führten ihn zum Hauptmann. "Wer seid Ihr, Ser?", fragte Erchirion in der Gemeinen Zunge.

"Was kümmert Euch das, Söldner?", antwortete der Angesprochene trotzig.

"Söldner?", wiederholte Erchirion verärgert. Er packte den Mann mit seiner linken Hand an der Kehle.

"Ihr werdet jetzt meine Fragen beantworten, Ser, oder wir werfen Euch zurück ins Meer, um Euch an die Fische zu verfüttern! Und kommt nicht noch einmal auf die Idee, Erchirion, Imrahils Sohn, stellvertretender Kommandant der Streitkräfte von Dol Amroth und Hauptmann der Schwanenritter, einen Söldner zu nennen! Raus mit der Sprache, wie ist Euer Name und warum habt Ihr Königsmund verlassen?"

"Gnade…Ser…Mylord!", erwiderte der Mann. "Ich bin Ser Jason Prester, Erster Offizier der Wagewind… des Schiffes, das Ihr versenkt habt. Wir hatten Befehl, Euch auszweich… äh… anzugreifen, und haben uns für die Flucht entschieden…"

"Flucht? Warum seid Ihr nicht nach Königsmund umgekehrt?"

"Wir äh, wir mussten… durften nicht…", stotterte Ser Jason. "Es gab da Befehle… ich…"

Erchirion hatte den Eindruck, dass der Mann ihn hinhalten wollte. So ergriff er auch mit der rechten Hand Ser Jasons Kehle. "Wenn Ihr mir nichts Nützliches verraten wollt, kann ich Euch ja erwürgen, bevor wir Eure Überreste ins Wasser schmeißen!" Er schloss seinen Griff um den Hals des Ritters.

"Gnade!", keuchte Ser Jason. "Ich sage alles!"

Erchirion lockerte seinen Griff. "Ich höre!"

"Auf der Seeschwalbe, dem fliehenden Schiff, ist Prinzessin Myrcella, die Schwester des Königs. Wir sollten sie nach Braavos bringen. Im Falle eines Angriffs durch Stannis' Leute sollten die anderen drei Schiffe die Angreifer in ein Gefecht verwickeln und die Seeschwalbe und die Wagewind die Flucht ergreifen." Die Worte sprudelten geradezu aus dem Ritter heraus.

"Prinzessin Myrcella!" Erchirion ließ Ser Jason los, der darauf erleichtert keuchte und nach Luft schnappte.

Der Fürstensohn blickte zum Meer. Mittlerweile war die Pracht von Belfalas an der Schwanenkraft vorbei gefahren und hatte die Verfolgung der Seeschwalbe aufgenommen, die freilich schon sehr weit weg war. Erchirion erinnerte sich daran, was Stannis bei der Besprechung vor einigen Tagen über die beiden jüngeren Geschwister von Joffrey gesagt hatte.

"Bringt den Kerl weg!", befahl er seinen Männern. Nachdem Ser Jason weggeführt worden war, wandte sich Erchirion an Ardil: "Ruft die Pracht von Belfalas zurück! Sie soll die aussichtslose Verfolgung abbrechen! Wir kehren zurück in die Schlacht!"

"Was?", rief der Kapitän überrascht. "Bei allem Respekt, aber die Verfolgung ist nicht aussichtlos. Und in der Schlacht kämpften sechs unserer Schiffe gegen drei von denen! Sie werden auch ohne uns gewinnen."

"Gebt das Signal zur Rückkehr! JETZT!", gebot Erchirion in einem scharfen Ton, der keinen Widerspruch duldete.

Grummelnd ließ Ardil das Hornsignal geben. "Auf Eure Verantwortung!", ließ er Erchirion wissen. "Natürlich!", erwiderte Erchirion. "Ich werde meinem Bruder alles berichten und die volle Verantwortung übernehmen." Wahrscheinlich nicht nur vor meinem Bruder, sondern auch vor dem Truchsess und dem König, fügte er in Gedanken hinzu.

Die Pracht von Belfalas machte kehrt, ebenso die Schwanenkraft. Sie fuhren nach Süden in die Richtung einer Rauchsäule, die am Horizont zum Himmel stieg. Erchirion fragte sich, ob Elphir doch Hilfe im Kampf gegen die übrigen feindlichen Schiffe benötigte. Doch als die Schwanenkraft ihrem Ziel näherkam, sah er, dass das Gefecht vorbei war.

"Ihr hattet Recht", sagte Erchirion zum Kapitän. "Elphir hat auch ohne uns gewonnen."

Gondor hilft Westeros

"Ich würde dieses Ding nicht nehmen, und wenn ich es auf der Straße fände."


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