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Mittelerde & andere phantastische Welten » Die Gaukler-Stube » Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I

Aerlinn2

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: PadogasTook]

Wumms, schon hatte er ihre wunde Stelle getroffen.
"Dass das kein Witz war, das weiß ich", gab sie ein wenig kleinlauter zurück, als sie gehofft hatte. "Und wirklich Kampferfahrung hab ich ja auch nicht, wie du weißt..."
Ihre Stimme wurde immer leiser. Würde Padogas sie doch nicht mitnehmen wollen? Nein, sie musste ihn überzeugen!
Also setzte sie an, mit kräftigem, selbstbewussten Ton: "Aber mit Pfeil und Bogen oder sogar mit Rosskastanien, da kann ich Äpfel schön präzise von den Bäumen holen," dabei schaute sie Pado vielsagend an, da ja er selbst es gewesen war, der ihr den Umgang mit Pfeil und Bogen gelehrt hatte, "und auch mein Stockkampf sollte nur ein wenig eingerostet sein."
Damit spielte sie darauf an, dass sie früher als Kind immer mit den anderen Hobbits, nachdem sie den Geschichten von Isengar, Pado oder Bilbo gelauscht hatten, immer die Szenen nachgespielt hatten, mit Stöckern statt Schwertern verstand sich und da war sie immer die Beste!
"Und wenn dir das nicht reicht, dann können wir ja ein wenig üben, sagt ja niemand, dass wir gleich morgen, unvorbereitet aufbrechen müssen."




»Und dann hob sich der graue Schleier über der Welt...und alles verwandelte sich in silbernes Glas..... und ein fernes, weiches Licht spiegelte sich auf dunklen Wassern....«

Geändert durch Aerlinn2 (16.11.2019 21:49)

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PadogasTook

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Aerlinn2]

„Das mit den Rosskastanien hat dir unter Garantie unser lieber Bilbo beigebracht. Er hat da in der Tat ein Händchen für. Und wenn du nur halb so gut dabei bist wie er, ist es schon nicht verkehrt!“
Pado nickte anerkennend. „Ja, mit dem Bogen kannst du dich auch sehen lassen, nur Äpfel sind halt unbewegliche Ziele. Wir werden wohl mal auf die Jagd gehen müssen, damit du an beweglichen Zielen sicherer wirst.“
Pado tippte sich nachdenklich an die Nasenspitze: „Stockkampf? Mit Besen und anderen Kindern? Hm, sicher eine nette Übung, aber sicher nicht Orktauglich. Aber daran werden wir arbeiten.“ Er stand auf und reichte der jungen Frau die Hand. „Abgemacht, wir gehen zusammen auf Abenteuerreise, aber erst nach entsprechenden Vorbereitungen. Nicht dass du so unvorbereitet losstürzst wie Bilbo und ich damals!“

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Ein Hobbit tut sowas nicht, ha!
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Aerlinn2

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: PadogasTook]

Wir werden wohl mal auf die Jagd gehen müssen ... daran werden wir arbeiten...
Mirabellas Herz machte einen Sprung, er würde also mit ihr üben, also heißt das... und in diesem Moment sprach Pado das aus, was Mirabella sich seit langem erträumt hatte: zusammen auf Abenteuerreise.
Voller Vorfreude ergriff sie sogleich die Hand des Hobbits, drückte und schüttelte sie, vielleicht mehr als sie sollte, ehe sie sie wieder los ließ.
"Zusammen auf eine Abenteuerreise, großartig!"
Sie strahlte von Ohr zu Ohr.
Mit den Vorbereitungen würde sie gleich morgen anfangen, Listen anfertigen, was sie alles brauchen würden, gucken, was neu besorgt werden musste, so, wie sie Pado bei den Vorbereitungen bei seinen Reisen die letzten Jahre unterstützt hatte, nur würde sie diesmal mitkommen.

Als die Hobbitdame dann später im Bett lag und zu den Sternen aufschaute, vergegenwärtigte sie noch einmal den Tag. Heute morgen noch beim raussuchen ihrer Trauerkleidung und dann der Beerdigung, war es der traurigste Tag in ihrem Leben, war Isengar doch immer mehr ein Großvater für sie gewesen, als es ihre eigenen waren, die sie kaum kennengelernt hatte, und dann heute Abend, bei dem Gespräch mit Pado, verwandelte sich der Tag auf einmal in einen der schönsten.
Zufrieden verlor sich ihr Blick im Sternenzelt, die letzten Gedanken bei Isengar, seinen Reisen und Geschichten, ehe sie einschlief, um selbst eine Reise zu erleben.




»Und dann hob sich der graue Schleier über der Welt...und alles verwandelte sich in silbernes Glas..... und ein fernes, weiches Licht spiegelte sich auf dunklen Wassern....«
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Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Aerlinn2]

„Ich glaube nicht, dass das so eine gute Idee war!“, zischte Rorin mit einem besorgten Blick nach unten.
„Mach dir nicht gleich wieder ins Hemd“, antwortete Bragi mit einem schiefen Grinsen und tauchte den breiten Pinsel in seiner Hand erneut in den Farbeimer. „Und halt das Seil still. Sonst kann ich nicht vernünftig arbeiten!“
Bragi hörte ein helles Kichern und sah nach oben. In der Morgendämmerung konnte er eben dem nervösen Rorin Mimi ausmachen, eine junge, kräftige Zwergendame, die auf dem Kopf der riesigen Statue vor den Toren des Erebor hockten. Zwischen den beiden Zwergen hing ein Seil nach unten, an dem Bragi auf Höhe des großen, steinernen Gesichts angebunden war. Er stützte sich an der massiven Nase ab, um besser nach oben sehen zu können, und winkte Mimi zu. Vor dem schummrig Hintergrund war die junge Zwergin mit ihrer dunklen Haut kaum zu erkennen, doch Bragi konnte ausmachen, dass sie grinste und ihm die Zunge herausstreckte.
„Könntest du dich vielleicht etwas beeilen?“, unterbrach Rorin sie.
Bragi verdrehte die Augen und machte sich wieder an die Arbeit. Diese bestand darin, der großen Statue mit schwarzer Farbe eine Brille aufzumalen.
„Hauptsache, ihr passt auch wirklich auf!“, rief er nach oben, während er sorgfältig einen dicken Kreis um das linke Auge des steinernen Zwergs zog. Mimi und Rorin zogen sich aus seinem Blickfeld zurück. Bragi konnte sich lebhaft vorstellen, wie sich Rorin über ihm nervös umsah und Mimi sich über ihn amüsierte. Ein schiefes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Die Zwerge des Erebor würden Augen machen, wenn sie im Laufe des Morgens sein Kunstwerk zu Gesicht bekamen. Und nicht nur sie, seine Verschönerung würde wahrscheinlich bis nach Thal sichtbar sein.
„Schiebt mal das Seil ein bisschen rüber“, sagte Bragi, während er einen Bogen über die große, graue Nase zog und begann, auch das rechte Auge der Statue zu dekorieren. Mimi und Rorin schienen ihn nicht gehört zu haben, sodass Bragi sich schließlich auf eigene Faust so an der Nase abstützen musste, dass er sein Werk beenden konnte. So gesehen zahlte sich die Arbeit in den Minen, die Bragi die letzten paar Monate über sich hatte ergehen lassen, doch noch aus. So hatte er gelernt, in solchen Situationen die Balance zu halten und präzise arbeiten zu können. Der Gedanke daran, was sein Lehrmeister wohl davon halten würde, wenn er wüsste, wie sein Lehrling seine neuen Fähigkeiten einsetzte, schickte ein spöttisches Schmunzeln auf Bragis Gesicht.
Er beendete den letzten Strich und steckte den Pinsel zurück in den Farbeimer.
„Alles klar Leute, ihr könnt mich jetzt hochziehen!“, rief er nach oben. Eine Weile passierte nichts. Bragi wollte schon erneut rufen, da setzte sich das Seil mit einem Ruck in Bewegung.
„Wurde ja auch langsam Zeit!“, sagte Bragi in genervtem Tonfall, doch er konnte das Kichern darunter kaum verbergen, während er langsam nach oben gezogen wurde. Er konnte noch nicht so ganz glauben, dass er mit dieser Nummer davonkommen würde.
Als er schon fast über die Kante des Helmes gezogen worden war, wurde er ungeduldig und kletterte die letzten paar Meter behände selbst.
„Leute, das wird uns niemand glauben, selbst wenn wir es zugeben würden-“
„Oh, ich kann es schon ganz gut glauben, Bragindur.“
Bragis Augen weiteten sich. Er kannte diese Stimme. Es war so ziemlich die letzte Stimme, die er hier und jetzt hören wollte. Ganz langsam hob er den Blick. Von Mimi und rorin fehlte auf dem Kopf der Statue jede Spur. Stattdessen stand jemand anders vor ihm, das Seil in der Hand. Bragi versuchte sich an einem nervösen Lächeln. „Meister Dwalin. Was für eine herrliche Aussicht dieser Morgen doch bietet...“

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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Aidean]

Seit seinem Aufbruch vom Erebor, war Ardagast nun bereits seit einigen Wochen unterwegs und hielt an einer Anhöhe mitten in der Prärie an. In Sichtweite war eine gewaltige, kreisrunde Aussenmauer, in deren Zentrum sich ein gewaltiger, schwarzer Turm befand, dessen scharfe Spitzen, sich hoch in den Himmel erstreckten. Dahinter waren die südlichen Ausläufer des Nebelgebirges und die westlichen Ausläufer des Fangorns zu sehen. Es war ein einzigartiger Ort, dessen Schönheit wohl nur noch von seiner Rätselhaftigkeit übertrumpft wurde. Auch wenn Sarumans Gärten seines Gleichen suchten, kam Ardagast nicht gerne an diesen Ort. Isengard hatte eine seltsame, unbehagliche Ausstrahlung auf ihn. Der graue Zauberer kam mit seinem Pferd zum stehen, da öffnete sich auch schon die Tür des Turms und der weiße Zauberer ging langsam die Treppe herunter. ''Willkommen, mein alter Freund’', begann er mit einem herzlichen Lächeln. ''Welch Anliegen verschafft mir diesen unerwarteten Besuch?'', fügte er jedoch weniger freundlich hinzu. Ardagast senkte respektvoll sein Haupt. ''Sei gegrüßt Saruman'', begrüßte der dunkelgraue Zauberer ihn. ''Ach, ich war nur in der Gegend und wollte dir mal wieder einen Besuch abstatten. Lange ist es her'', antwortete er, ohne gleich mit der Tür in’s Haus zu fallen. ''Lange in der Tat’', antwortete Saruman mit einer ungläubig gehobenen Augenbraue.

Im Turm bot Saruman seinem Gast ein Glas Rotwein an und beide setzten sich in das Arbeitszimmer des Zauberers. Dieses war in ein absolutes Chaos verfallen. Überall lagen Papiere und aufgeschlagene Bücher herum. In der Mitte des Tischs stand ein großer Kerzenleuchter, der genügend Licht spendete um auch in der Dunkelheit noch vernünftig lesen zu können. ’'Sag, hast du irgendwelche Neuigkeiten zu Sauron zu berichten? Was gibt es neues zur Suche nach ihm?’’, fragte Ardagast neugierig, auch wenn er deshalb gar nicht hier war. Saruman, den die Frage etwas überraschte, tat diese jedoch mit einer Handbewegung ab: ''Keine Sorge, mein Freund, es gibt nichts zu befürchten. Sauron ist irgendwo dort draußen und hält sich versteckt!’’ Ardagast nickte, doch beruhigten ihn die Worte nicht. Er beließ es jedoch auf sich, da er wusste, dass er sich lieber nicht in die Angelegenheiten des weißen Zauberers einmischen sollte. ''Ich schätze nicht, dass du nur wegen dieser Frage hierher gekommen bist, Ardagast. Ebensowenig für den Rotwein. Was kann ich für dich tun?’’, fragte er nun schärfer und sichtlich in Hast.

Ardagast stellte sein Glas zur Seite. Scheinbar wollte ihn Saruman schnell wieder loswerden. Ihm war dies nur Recht. ''Wie man unschwer erkennen kann, hast du eine sehr große Bücher- und Dokumentensammlung. Du hast nicht zufällig irgendwelche Informationen bezüglich Moria, oder?’’, fragte der dunkelgraue Zauberer. Sarumans Augenbraue hob sich erneut interessiert nach oben. ''Moria? Was ist dein Interesse an dem verlorenen Zwergenreich?'' Ardagast schüttelte den Kopf. ''Oh, es gibt keinen besonderen Grund. Es ist ein reines akademisches Interesse und ich wollte zuerst an jenen Orten suchen, die am vielversprechendsten sind’’, führte er weiter aus. Saruman glaubte ihm kein Wort, aber hakte auch nicht weiter nach. Der Hüne stand auf und ging seine Regale durch. Daraufhin holte er einen dicken Wälzer hervor und knallte ihn vor Ardagast, sodass der Tisch wackelte. ''Das ist alles, was ich habe'', sagte der weiße Zauberer und setze sich wieder auf seinen Stuhl. Ardagast nahm das Buch in die Hand und blätterte einige Seiten durch. Während er dies tat, ruhten die Augen Sarumans auf ihm, als läse der weiße Zauberer wiederum Ardagast.




Ardagast verweilte noch einige Stunden im Arbeitszimmer und durchforstete das Buch nach allen wichtigen Informationen. Gegen Abend des gleichen Tages machte er sich wieder auf den Weg. Saruman bot ihm an, über Nacht in Isengard zu verweilen, doch Ardagast wusste, dass es sich dabei nicht um einen Vorschlag aus der Güte des Herzens handelte, und so entschied er sich dankend darauf zu verzichten. Es war eine wolkenlose Nacht und der Mond schien hell und klar, sodass der Orthanc einen weiten Mondschatten warf. Unter den scharfen Augen des weißen Zauberers, der zwischenzeitlich die Spitze des Turms erklommen hatte, ritt Ardagast in Eile Richtung Auenland und war schon bald aus der Sichtweite des Auges verschwunden.



Et Eärello Endorenna utúlien. Sinome maruvan ar Hildinyar tenn' Ambar-metta.

P.S.: Ardagast trägt keinen Hut

R.I.P. Ian Holm
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Hisimir

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

Es war ein kalter, klarer Wintermorgen. Ein gutes Stück hinter ihnen glitzerte der teilweise zugefrorene lange See im Sonnenschein. Naín blieb stehen und stütze sich auf seinen Krähenschnabel. Vor ihm erhob sich der Erebor majestätisch. Der Anblick war wie immer ein Augenöffner. Doch irgendwas war anders. Sein Blick viel auf die eine Zwergenstatue vor dem Haupttor, dem grimmig dreinblickenden Thorin war eine Brille aufs Gesicht gemahlt worden. Naín schüttelte den Kopf, musste aber ein Grinsen unterdrücken und schaute zu Alaric, der neben ihm stand.

Vor drei Wochen war ein Rabe vom einsamen Berg bei ihm in den Eisenbergen angekommen. In einem Brief rief Dain ihn zu sich und wie vor beinahe 50 Jahren, folgte er dessen Ruf ohne zu zögern. Freilich war diesmal mehr abzuklären gewesen. Seine Nachfolger bei den Wachen war schnell gefunden und so dauerten die Vorbereitungen für die Reise nur einige Tage. Dann war dieser andere Zwerg aufgetaucht, Alaric. Ihn kannte Naín nur flüchtig vom Sehen, doch bat er, mit ihm zum Erebor zu reisen. Da reisen zu zweit besser war als alleine, willigte der weißhaarige Zwerg ein und so waren sie zwei Wochen aufgebrochen, hatten sich zeitgelassen und noch einen kleinen Abstecher nach Esgaroth und Thal gemacht.

"Wir sind da.Wollen wir doch mal sehen, was sich hier so alles verändert hat und ob wir wenigstens diesmal mit einer warmen Mahlzeit und einem schönen Bier begrüßt werden."
Er schulterte seinen Krähenschnabel und ging weiter auf das Tor zu, der halbgefrorene Weg knirschte unter seinen Zwergenstiefeln.

Ehre das Gimp!
아미
Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,
Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen;
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
Und lispeln englisch, wenn sie lügen.
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Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Hisimir]

Bragi versuchte unauffällig, sich etwas von der schwarzen Farbe aus seinem dunklen Bart zu wischen, mit dem Ergebnis, dass er sie nur noch mehr verschmierte. Mit einem stillen Seufzer gab er es auf und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Dwalin zu, der mit schweren Schritten vor ihm auf und ab marschierte.
„Was sollen diese ständigen dummen, respektlosen Scherze, Junge?“, murmelte der große Zwerg kopfschüttelnd.
Bragi setzte eine überraschte Miene auf. „Respektlos? Ganz im Gegenteil, Ich wollte nur helfen! Ich dachte mir lediglich, dass der gute alte Thorin schon so lange da draußen steht und in die Gegend starrt, dass seine Augen inzwischen ganz schlecht geworden sein müssen. Ich dachte, er würde sich bestimmt freuen, Thal mal wieder sehen zu können...“
Dwalin hielt in seinem grimmigen Marsch inne, um Bragi einen finsteren Blick zuzuwerfen. Er hatte wohl nicht übel Lust, dem jungen Zwerg eine Backpfeife zu verpassen.
„Und was war letzte Woche, als du mit deinen beiden Freunden in die Schatzkammer eingebrochen bist, um auf den Goldhaufen zu surfen?“, brummte Dwalin säuerlich.
„Lediglich der Versuch, ein für alle mal zu beweisen, dass die Art und Weise, wie die Schatzkammer derzeit bewacht wird, völlig ineffektiv ist. Wenn ich es da schon ungesehen rein schaffe, was könnte dann erst jemand erreichen, der es wirklich auf die Reichtümer abgesehen hat?“, antwortete Bragi sofort.
Dwalin schnaubte ungläubig. „Und wie erklärst du mir die Woche davor, als der Sockel der Statue von Durin I mit den Worten „Er hat den längsten“ beschmiert wurde?“
„Also das könnt Ihr mir nicht übel nehmen, Meister Dwalin!“, rief Bragi in schlecht gespielter Gekränktheit, „Ich habe offensichtlich seinen Bart gemeint!“
Dwalin konnte sich ein kurzes Zucken seiner Mundwinkel nicht verkneifen. Doch sofort setze er wieder seine finstere Miene auf, sogar noch etwas düsterer als zuvor, als wolle er damit seinen kurzen Ausbruch kompensieren. „Ach, dass du das warst streitest du nicht einmal ab...“, sagte er und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust.
Bragi grinste schief und zuckte mit den Schultern. „Ihr würdet es mir ja doch nicht glauben, wenn ich es versuchen würde.“
Dwalin brummte. „Meinst du wirklich, dass dein Vater solches Verhalten gutgeheißen hätte?“
„Nun, das werden wir wohl nie genau erfahren“, antwortete Bragi etwas schnippischer, als er beabsichtigt hatte.
„Was ist mit deiner Mutter, hm? Urtha kann doch nicht glücklich sein mit dem, was du tust?“, hakte Dwalin weiter nach.
Bragi unterdrückte ein Augenrollen. „Ist sie auch nicht“, gab er zu, „Wenn es nach ihr ginge, hätte ich schon längst einen angesehenen Beruf ergriffen, eine gebärfreudige Zwergin geheiratet, am besten auch schon ein Enkelkind für sie produziert und wäre alles in allem ein produktives Mitglied der Gesellschaft.“
Dwalin sah ihn fragend an, als verstünde er nicht, was genau das Problem an diesem Lebensentwurf sein sollte.
„Dafür bin ich einfach noch nicht bereit“, verteidigte Bragi sich, „Wer weiß, ob ich das jemals sein werde... Ich will nicht mein ganzes Leben lang in irgendeiner langweiligen Miene oder Werkstatt versauern!“
Dwalin schnaubte. „Was willst du dann, Junge?“, fragte er in beinahe spöttischem Ton. „Abenteuer in der weiten Welt erleben?“
Bragi sah trotzig zu ihm auf. „Ja, warum nicht? Wäre eine willkommene Abwechslung.“
Dwalins dröhnendes Lachen hallte von den Wänden wider. „Du weißt gar nichts von der Welt da draußen“, sagte er.
Bragi verschränkte zornig die Arme vor der Brust. „Wie könnte ich auch, wo man mich in diesem verdammten Berg ja geradezu gefangen hält? Glaubt mir, wenn sich die Gelegenheit bieten würde, wäre ich sofort auf und davon!“
Dwalins Lachen verstummte. Für einen unangenehm langen Moment musterte er Bragi scharf. „Dafür bist du noch zu jung“, sagte er schließlich bestimmt, mehr zu sich selbst als zu seinem Gegenüber.
Bragi horchte auf. „Wüsstet Ihr etwa von einer solchen Gelegenheit?“, fragte er ahnungsvoll.
„Nein“, sagte Dwalin etwas zu schnell und mit einem finsteren Blick, der Bragi nur allzu genau verriet, dass er den alten Zwerg ertappt hatte. Sollten die Gerüchte, die seit ein paar Wochen im Erebor die Runde machten, etwa stimmen?
„Meister Dwalin, wenn tatsächlich eine Expedition aus dem Berg geplant ist, dann lasst mich daran teilnehmen!“, rief er überstürzt, ohne sich noch zurückhalten zu können, „Ich kann einiges mehr, als Ihr mir vielleicht zutraut. Ich mag keine meiner Ausbildungen beendet haben, aber glaubt mir, die Dinge, die mir nützlich waren, habe ich auch gelernt und kann sie anwenden!“
„Genug!“, brauste Dwalin auf. „Ich weiß nicht, was du für Gerüchte gehört hast, aber sie gehen dich nichts an.“ Sein Ton machte selbst einem Querulanten wie Bragi klar, dass in dieser Sache fürs erste das letzte Wort gesprochen war.
„Du kannst jetzt gehen“, sagte Dwalin grimmig.
Bragi verzog das Gesicht. „Ihr habt meine Strafe vergessen“, sagte er mit trotzigem Stolz.
Dwalin funkelte ihn böse an. „Bis Sonnenuntergang wirst du die Statue eigenmächtig sauber machen“, sagte er, „Und deine Mutter wird natürlich alles erfahren. Uns jetzt geh mir aus den Augen, Nichtsnutz.“
Bragi schnaubte nur zur Antwort und ging mit tief in den Hosentaschen vergrabenen Händen zur Tür, um sich einen Putzeimer zu holen.

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AlaricSkaldorson

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Aidean]

Alaric schwankte zwischen Grinsen über den Streich, den sich offenbar irgendwer mit Thorins Statue gemacht hatte, und einem leichten Anflug von Missbilligung, immerhin war besagter König in der Schlacht um den Berg gefallen, und deutlich erinnerte sich Alaric an dessen Begräbnis.
Damals, nach der furchtbaren Schlacht, an die zurückzudenken er eigentlich nicht geplant hatte.
Noch nicht lange waffenfähig war er gewesen, euphorisch seinem Fürsten Dain folgend, der seinem Verwandten zu Hilfe eilte. Für den Ruhm, die Ehre und das Reich Erebor ein paar schmutzige Orks und arrogante Spitzohren zur Hölle jagen. Die Landung auf dem Boden der Realität war hart gewesen. So hart, dass sie alle seine Pläne auf die Kriegerkarriere zerschmettert hatte, genau wie die dornenbewehrte Keule eines von Tausenden Orks seinen linken Ringfinger.
Zum ersten Mal seit fast einem halben Jahrhundert stand er hier, damals der junge Krieger Alaric in seiner ersten Schlacht, heute der Goldschmied, der Silber ziselierte und Gemmen schnitt und das Waffenhandwerk an den Nagel gehängt hatte. Und die Erinnerungen strömten auf ihn ein, liessen sich nicht verdrängen.
Alaric schüttelte kurz den Kopf, was Nain neben ihm auf die verunstaltete Statue beziehen mochte, dann ging er entschlossenen Schrittes weiter. Der tagsüber tauende Schnee bildete Pfützen auf dem Weg, welche die Kälte der Nacht zu Eis gefrieren ließ, und mehr als einmal rutschte der schwere Stiefel Alarics auf der glatten Schicht ab. Die Sonne stieg höher und gewann zunehmend an Kraft, das hohe Tor des Erebor glänzte hell. Und neben dem Weg, aus den Schneeresten, lugten hier und da schmale grüne Blätter mit noch geschlossenen weissen Blüten. Der Frühling würde bald Einzug halten.
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Svafnir

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: AlaricSkaldorson]

Der gleichmäßige Schlag von Metall auf Stein war Musik in Sváfnirs Ohren. Er spürte, wie seine Arme erzitterten, als der Hammer auf die Wand traf. Nicht weit von ihm kloppte Hvredur mit seiner Spitzhacke auf den Stein ein, dass die Splitter flogen. Aus den Augenwinkeln sah er seinen besten Freund Baldur, der die Gesteinsbrocken fachmännisch untersuchte, immer auf der Suche nach den Schätzen des Berges, nach Gold, Edelsteinen und den noch selteneren Erden. Jeder der Zwerge hoffte natürlich, derjenige zu sein, der eine weitere Mithrilader entdeckte. Der ganz große Schlag gelang aber nur selten. Doch auch die anderen Metalle waren wertvoll und wurden abgebaut. Die Loren rollten kontinuierlich, das Rattern war ein monotones Hintergrundgeräusch, das zusammen mit den Hämmern jedem Zwerg zeigte: der Berg war noch nicht erschöpft.
Es gab Arbeit für jeden, seit der Erebor zurückerobert worden war. Sváfnir hatte nicht lange gezögert, als die Kunde vom Tod Smaugs und der großen Schlacht die Blauen Berge erreicht hatte. Die Trauer um die Gefallenen war groß gewesen, aber Sváfnirs Schwester hatte überlebt, und letztendlich hatte auch ihr Vater sich überwinden können, Kára zu folgen.
Sváfnir hatte seinen Beruf direkt wieder aufgenommen. Sirnir, sein Vater, hatte es zwar lange missbilligt, aber auch er musste einsehen, dass die väterliche Schmiede nie die Begeisterung in Sváfnir ausgelöst hatte, die der Bergbau auf ihn ausübte.
Jetzt schweifte Sváfnirs Blick über die Wände, von denen der Schein der Fackeln reflektiert wurde. Ein Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit, als er das vertraute Glitzern im Stein bemerkte.
„Ich glaube, hier ist etwas!“ rief er und winkte Baldur heran.
Ganz fein zog sich der Ausläufer einer Goldader durch den Stein und verschwand in der Wand vor ihnen.
„Meinst du, wir müssen weiter geradeaus, oder den Gang verbreitern?“
Baldur zog die Nase kraus. Einige andere Zwerge waren auch herangekommen.
„Für mich sieht es so aus, als wäre die Schicht direkt vor uns, nicht neben uns“, sagte Trostann und zwirbelte seinen staubbedeckten Schnurrbart.
„Blödsinn, die Ader läuft hier links rein, wir müssen die Gangrichtung ändern!“ Vakri schien sich ganz sicher, und Sváfnir hatte dasselbe Gefühl.
Der alte Hvrodur, Hvredurs Vater, schüttelte den Kopf.
„Das lohnt sich nicht. Der Gang soll nach Norden gehen, wir sollten nicht abweichen. Der Berg ist stabil, und im Norden liegt eine Diamantmine, so haben es die Seher prophezeit! Mach keinen Blödsinn, Junge!“
Sváfnir rollte die Augen. Er glaubte nicht an Prophezeiungen. Er glaubte an das, was er sehen konnte, und der sah eine Goldader.
„Wir gehen nach Westen“, beschloss er. Er hatte sich in der Vergangenheit den Respekt der anderen Bergarbeiter seiner Truppe verdient – seine Nase lag häufig richtig.
Die Zwerge nickten und nahmen ihre Werkzeuge wieder auf, wenn auch, in Hvrodurs Fall, mit einem Grummeln. Baldur stieß Sváfnir den Ellbogen in die Seite und grinste, so dass seine weißen Zähne sich gegen sein staubiges Gesicht abhoben.
„Der Alte hat schlechte Laune, was? Ich hab gehört, seine Frau hat ihn auf Diät gesetzt und es gibt nur noch Grünzeug für ihn.“
„Sie sollte mal bei sich selbst anfangen, sie hat es gerade nötig.“
Die beiden kicherten wie zwei kleine Zwergenmädchen und verstummten schnell, als Hvredurs Spitzhacke nur ganz knapp an Sváfnir vorbeiflog.
„Tut mir leid, war Absicht!“ rief Hvredur und zeigte warnend mit dem Finger auf die beiden grinsenden Zwerge. „Lasst meine Mutter aus dem Spiel!“
Baldur lachte und schabte vorsichtig ein bisschen Gestein von der Wand ab.
„Ich glaube, die Goldader wird dicker. Im Gegensatz zu Hvredurs Mutter natürlich.“
Sváfnir ließ seinen gewaltigen Hammer auf den Stein herabsausen. Einer der Zwerge stimmte ein Lied an und Sváfnir spürte die Vorfreude auf die Schätze, die noch vor ihnen lagen.

"Wenn der Hammer schlägt" (bis 1:10 min)

Im Berge so tief
Wo der Drache einst schlief
Scheint das Gold in unserem Heim
Dunkel wie die Nacht
Wo der Tag kein Licht gebracht
Wenn der Hammer schlägt
Wenn der Hammer singt
Und die Halle laut erklingt
Wenn der Hammer singt
Und Schätze aus den Wänden bringt
Wenn der Hammer kracht
Und das Königreich erwacht
Wenn der Hammer dröhnt
Donner untertags ertönt
Wenn der Hammer schlägt
Wenn der Hammer schlägtt


Schon nach kurzer Zeit musste Sváfnir einsehen, dass es mal wieder nicht so einfach werden würde wie gedacht. Das Gestein wurde zunehmend unnachgiebiger, und mit jedem Hammerschlag protestierten seine Muskeln mehr. Vakri stöhnte und wischte sich über die schweißbedeckte Stirn.
„Der Berg ist uns nicht gut gesonnen. Schau dir meine Hacke an!“
Tatschlich könnte man deutlich sehen, wie sich die Spitze abgenutzt hatte. Hvrodur grummelte etwas in seinen Bart, was verdächtig nach „Ich hab es doch gesagt“ klang, und sein Sohn war so frustriert, dass er gegen den Stein trat, was natürlich niemandem half und nur dafür sorgte, das Hvredur fluchend auf einem Bein hüpfte und Schimpfworte von sich gab, für die seine Mutter ihm vermutlich selbst das Grünzeug gestrichen hätte, wenn er noch bei ihr wohnen würde.
„Mit normalem Gerät kommen wir nicht weiter“, sagte Baldur und klopfte den Stein ab. Er presste sein rechtes Ohr dagegen und legte gleichzeitig die linke Hand auf die Oberfläche. Kurz war es ganz still. „Ich glaube, die Schicht ist nicht dick.“
„Es wird sich lohnen!“ Sváfnir deutete auf die Goldader, die bereits so dick wie sein Handgelenk war, aber jetzt zu sehr mit dem harten Gestein verschmolzen war, dass sie sich nicht heraushauen ließ. „Ich wette, ein paar Fußbreit vor uns werden wir belohnt!“
Er wechselte einen Blick mit Baldur.
„Mit Wumms?“
„Mit Wumms.“
Manchmal reichten Hämmer einfach nicht aus. Für den Fall war Feuerkraft vonnöten. In jedem Trupp gab es mindestens einen Zwerg, der sich auf Sprengstoffe verstand, und Baldur und Sváfnir hatten schon als Zwergenjungs gerne experimentiert. Besonders Baldur hatte einen siebten Sinn dafür, die Komponenten richtig zusammenzubringen, um die volle Kraft von Feuer und Pulver zu entfalten.
„Ihr wollt hier sprengen?“ Nicht nur Hvrodur war skeptisch. „Die Decke sieht nicht stabil aus, seid ihr sicher? Ihr solltet das vorher mit dem Meister absprechen.“
Sváfnir hasste diese Skeptiker. Er und Baldur wussten, was sie taten.
„Das wird schon klappen. Ich bau den Sprengsatz zusammen, geh in Deckung, zünde die Lunte und bis heute Abend sind wir einen großen Deut reicher.“
„Oder du einen Kopf kürzer.“
„Hvrodur, bitte -“
„Heute bin sowieso ich dran“, unterbrach Baldur die beiden und öffnete bereits seinen Rucksack. Dieser enthielt nicht nur alle Komponenten, sondern auch einen extra verstärkten Stahlhelm und eine zusammenfaltbare Weste aus einer Legierung, die kleine Mengen Mithril enthielt. Sie kostete in etwa so viel, wie Sváfnirs Trupp in einem Jahr verdiente, aber sie war es wert. Baldur zog sie über und musterte die Inhalte der verschiedenen Beutel. Im Kopf schätze er ab wie viel Feuer nötig war. Zu wenig und es wäre Verschwendung, zu viel und alles würde ihnen um die Ohren fliegen.
Sváfnir schaute ihm über die Schulter, hielt sich aber mit Ratschlägen zurück. Er hatte kein Problem damit, die Sprengladung zu setzen und der Explosion nahe zu sein, aber die Rechnerei überließ er dem Jüngeren.
„Alles klar, das sollte passen.“ Baldur nickte den anderen Zwergen zu. „Ihr geht den Gang zurück, so weit wie möglich. Ich werde hier vorne Deckung suchen. Länger möchte ich die Lunte nicht machen, es ist so feucht hier unten, sie könnte ausgehen.“
„Das ist zu riskant, ich sag es euch!“
Bevor er weiter meckern konnte, wurde Hvrodur von seinem Sohn mitgezogen. Sváfnir drückte Baldur kurz die Schulter.
„Mach keine Dummheiten, verstehst du?“
„Wie denn, das ist doch deine Aufgabe. Aber wenn es nicht zu viel verlangt ist, erzähl doch nachher in der Kneipe von meinen Heldentaten. Vorzugsweise wenn Jördis in der Nähe ist.“
Baldur hatte schon lange ein Auge auf die Zwergin geworfen, die hinter der Theke stand. Er, und vermutlich jeder zweite Zwerg im Erebor. Sváfnir selber fiel es schwer, sich nicht in die Reihe ihrer Bewunderer einzureihen. Aber die Freundschaft zu Baldur war ihm wichtiger, und wenn er ehrlich war, war er ohnehin nicht gut genug für sie.
„Du wirst sie so schnell nicht aufgeben, was?“
Baldur schüttelte lachend den Kopf. Dann wurde er ernst.
„Ich geb dir fünf Minuten. Sieh zu, dass du wegkommst.“
Sváfnir nickte und drehte sich um. Schnell lief er den Gang herunter. Innerlich zählte er die Zeit herunter. Er traf auf die restlichen Zwerge und kauerte sich hinter eine Gabelung im Gang. Selbst die Druckwelle sollte so weit nicht kommen. Fünf Minuten. Er merkte, wie er den Atem anhielt.
Ein gewaltiger Krach dröhnte durch den Gang. Die Wände zitterten und Sváfnir glaubte, sein Trommelfell müsste bersten. Kleine Gesteinssplitter rieselten von der Decke und er hob schützend die Hand über seinen Kopf.
Die darauffolgende Stille war unheimlich. Er lauschte nach dem vertrauten Ruf.
„Baldur?“
Er erhob sich aus seiner Kauerstellung und blinzelte den Staub weg.
„Baldur, alles in Ordnung?“
Ein ungutes Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus, als keine Antwort kam. So schnell ihn seine Füße trugen rannte er den Gang entlang. Es erschien ihm endlos weit. Er hörte die Schritte der anderen hinter sich, doch in seinem Kopf hörte er immer nur Hvrodurs Warnung.
Endlich erreichte er die Stelle, wo vor fünfeinhalb Minuten noch eine dicke Wand den Weg versperrt hatte. Der Staub lichtete sich und erlaubte den Blick auf dicke Gesteinsbrocken, von denen einige offenbar aus der Decke gekommen waren, die hier sehr viel höher und zerklüfteter war als noch vor einigen Minuten. Sváfnir erkannte sofort, dass die Sprengung ihren Dienst getan hatte. Im Schein der Grubenlampen schimmerte die gesamte Wand in goldenem Licht. Doch niemand jubelte.
Hinter einem der Gesteinsbrocken lugte ein vertrauter Fuß hervor.
„Verdammt Baldur!“
Sváfnir fiel neben seinem Freund auf die Knie und stieß scharf die Luft aus. Immerhin registrierte er, dass sich Baldurs Brustkorb bewegte. Der Stahlhelm wies eine Delle auf, was erklärte, warum der Jüngere nicht ansprechbar war. Magenziehen bereitete Sváfnir aber der größere Brocken, der Baldurs Bein unter sich begraben hatte.
„Helft mir mal!“
Sofort packten mehrere Hände mit an, um den verletzten Zwerg zu befreien. Als sie den Stein bewegten, fingen Baldurs Augen an zu zucken. Er wimmerte leise und schlug die Augen auf, gerade als die anderen Zwerge es schafften, sein Bein zu befreien.
„Ist alles – ist alles noch dran?“ krächzte er und Sváfnir stieß ein erleichtertes Lachen aus.
„Alles noch dran, was ein Zwerg braucht.“
Er schaute sich lieber nicht an, welchen Schaden Baldurs Bein davongetragen hatte. Das schmerzverzerrte Gesicht seines Freundes und die sorgenvolle Miene von Hvrodur, der ausnahmsweise auf Belehrungen verzichtete, reichten ihm. Er hockte sich so hin, dass er den Blick auf Hvrodur und Trostann versperrte, die anfingen, das Bein zu schienen. Er drückte Baldurs Hand und zwang sich zu einem Lächeln.
„Jordis wird begeistert sein, wenn sie die Geschichte hört.“
„Bestimmt.“
Baldur hob den Kopf ein wenig und schaute über Sváfnirs Schulter hinweg auf die goldene Wand, die freigelegt war.
„Hat sich gelohnt, oder?“ flüsterte er.
„Definitiv.“
Er drehte sich zu Hvrodur um. Der Blick des Älteren war düster und Sváfnir fragte sich, ob er Baldur gerade angelogen hatte. War es das wert gewesen? Sein Magen zog sich gefährlich zusammen bei dem Gedanken, dass sein Freund letztendlich noch Glück gehabt hatte. Hatte er die falsche Entscheidung getroffen? War das Risiko zu hoch gewesen?
„So, wir bringen dich hier erstmal raus. Óin wird sich freuen.“
Gemeinsam stützten Trostann und Sváfnir den Verletzten, als er vorsichtig aufstand. Das Bein war tadellos geschient, dennoch war das schmerzverzerrte Stöhnen nicht zu überhören, als Baldur sich aufrichtete. Es war ein langer Weg nach draußen und Sváfnir atmete erst ein wenig auf, als er seinen Freund in die Hände des Heilers Óin übergab.

Geändert durch Svafnir (17.11.2019 21:36)

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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Svafnir]

Nachdem er Isengard verlassen hatte, war der Zauberer nicht lange durch die Nacht geritten. Diese war zwar auf Grund des klaren Himmels und Vollmondes recht hell, aber dafür sehr kalt. Gerade in den ersten Frühlingsmonaten war es oft nachts und morgens noch so kalt, dass noch Frost gab. Dieser fühlte sich durch den entgegenkommenden Wind wie eisige Klingen auf der Haut an. So entschied er sich an einer geschützten Stelle an den Ausläufern des Nebelgebirges sein Nachtlager aufzuschlagen. Ohne Zweifel hätte er in jener Nacht noch einiges an Weg zurücklegen können, aber sie hatten an diesem Tage schon viele Meilen zurückgelegt und er wusste, dass sein treuer Begleiter sich über eine Rast sicherlich auch nicht beschweren würde. Ardagast hatte vorgehabt die Nord-Süd-Straße direkt bis zum Auenland zu reiten. Dies würde ihn in kurzer Zeit direkt an sein Ziel führen. Er stieg von seinem grauen Pferd ab, sammelte ein paar Holzstücke und baute ein notdürftiges Lagerfeuer zusammen, an welchem sie sich zusammen wärmen konnten. Das Pferd legte sich nach einem üppigen Abendmahl sogleich entspannt neben das prasselnde Feuer und schlief wenig später ein. Der Zauberer setzte sich ebenfalls dazu und lehnte sich an den Oberkörper des Tieres, das ihm eine gemütliche und warme Lehne bot. Dann zündete er sich eine Pfeife an und dachte nach.

Zuerst über Saruman und dessen neuerlich seltsames Verhalten und wie froh er doch war, nicht länger dort geblieben zu sein. Ja, der weiße Zauberer war schon immer ein wenig seltsam und beinahe unfreundlich, oft auch arrogant und manchmal sogar zynisch, aber in den letzten Jahren seit Thorins Rückeroberung des Erebors wurde es eigentlich stetig schlimmer. Man hörte immer weniger von ihm, da sich Saruman immer weiter zurückzog und der Weiße Rat hatte Jahrzehnte nicht mehr getagt.

Dann dachte Ardagast über Moria nach. Alle dies hatte Erinnerungen in ihm ausgelöst, die er eigentlich lange verdrängt geglaubt hatte. Erinnerungen an ein früheres Leben, als er sich noch ''der Dunkelbraune'' nannte. In Gedanken sah er Sauron vor sich, wie er dessen Inkarnation in den Nebelbergen herausforderte. Der lange, tiefe Fall, der Kampf bis zur endlosen Treppe und schließlich das letzte Gefecht auf dem Zirak-Zigil, das beiden Kontrahenten den vermeintlichen Tod brachte. Er hätte nie gedacht, dass er je an diesen Ort zurückkehren würde. An jenen Ort, der sein Ende und gleichzeitig sein Anfang war.*

Zum Schluss blickte er zum Sternenhimmel hinauf. Dort oben sah er einen an jenem Tage besonders hell leuchtenden Stern. Es war ein junger Stern, gerade einmal ein halbes Jahrhundert alt. Ascarion, der ihm über lange Zeit ein treuer Freund gewesen war. Wie oft wünschte er sich noch die Möglichkeit zu haben, den Elben um Rat zu fragen. Was für ein Verlust sein Tod doch gewesen war. Ein Verlust für Mittelerde und ein persönlicher Verlust für Ardagast. Gerade jetzt hätte er seine Hilfe dringend gebrauchen können. Er hoffte wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten, dass er den Weg in den Westen gefunden und dort das Leben führen konnte, welches ihm in Mittelerde verwehrt geblieben war. ''Eines Tages, wenn Sauron besiegt und mein Werk vollbracht ist, werden wir uns wiedersehen, mein Freund. Und dann trinken wir einen feinen Wein und reden über die guten, alten Zeiten. Aber dieser Tag ist leider noch fern. Bis dahin kann ich dir noch nicht folgen. Gute Nacht, Ascarion.'' Pünktlich dazu erlosch auch seine Pfeife. Er steckte sie weg und schlief dann neben seinem Pferd ein.

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*Siehe:
Post 1
Post 2
Post 3
Post 4
Post 5
Post 6
Post 7
Post 8



Et Eärello Endorenna utúlien. Sinome maruvan ar Hildinyar tenn' Ambar-metta.

P.S.: Ardagast trägt keinen Hut

R.I.P. Ian Holm
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