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Mittelerde & andere phantastische Welten » Die Gaukler-Stube » Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I

Ilumiel

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

Ilumiel war sich nicht sicher, ob und wieviel von ihrer Geschichte sie dem Zauberer erzählen sollte, aber eines war ihr klar: Ohne Hilfe würde sie den Erebor niemals wiedersehen. Nun, das war nicht ganz richtig. Immerhin war es ja ein riesengroßer Berg. Man konnte ihn eigentlich nicht nicht sehen, aber ihn betreten? Mit den Zwergen sprechen und vielleicht herausfinden, ob ihr Retter noch am Leben war? Das war eine ganz andere Geschichte. Also begann sie:
"Es war mitten während der Schlacht. Wir hatten gefühlt bereits stundenlang erbittert gekämpft und überall sah ich Tote oder Verletzte liegen und noch immer kam der Ansturm der Orks nicht zum Erstehen. Der Boden bebte. Irgendetwas geschah im Inneren der Erde. Von über mir konnte ich diese riesenhaften Fledermäuse kreischen hören und irgendwo preschte ein Wagen durch die Reihen der Kämpfenden. Irgendwie schien alles gleichzeitig zu passieren. Ich konnte nicht gut sehen, weil ich am Kopf verletzt war und das Blut in den Augen mir die Sicht nahm, aber..."
Sie hielt kurz inne. Es würde sich sicherlich albern anhören. Er würde sie einfach auslachen. Zögerlich sah sie in das Gesicht des Zauberers und holte tief Luft.
"Da war ein Zwerg. Er war... ich weiß nicht, wie alt. Es ist bei ihnen immer so schwer zu erkennen. Er trug eine mächtige Rüstung und schwang eine riesige Waffe. Es war in diesem Moment, dass gleich zwei Orks ihre rostigen, krummen Klingen auf mich hinuntersausen ließen, und ich wusste, dass ich sie nicht beide abwehren können würde. Er... Dieser Zwerg rettete mir das Leben und ich würde mich gern dafür bedanken."
Nun waren Ilumiels Gedanken wieder weit, weit entfernt.
"Es ließen so viele ihr Leben an jenem Tag. Und jeder kämpfte für sich selbst. Jeder Mann, jeder Zwerg und jeder Elb. Aber dieser eine... er handelte selbstlos. Ich weiß nicht einmal, ob er überlebt hat. Ich weiß auch nicht, wer er war. Aber vielleicht habe ich Glück und finde ihn, und kann meine Schuld endlich zurückzahlen. Auch, wenn ich nocht nicht weiß, wie."
Ilumiel schwieg eine Weile. So auch der Zauberer. Fast glaubte die Elbin, er sei über ihre Erzählung eingeschlafen, da bewegte er sich endlich.

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Ilumiel

Geändert durch Ilumiel (15.11.2019 23:37)

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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Ilumiel]

Ardagast hörte sich geduldig die Geschichte der Elbin an, und wäre am Ende dieser auch beinahe eingeschlafen. Er hoffte nur, dass die Elbin es nicht merkte, wie er verzweifelt gegen die Müdigkeit ankämpfte. Der Tag war lang und die Geschichte, obwohl zweifellos schön, nicht unbedingt aufregend gewesen. Am Ende dieser war er zum einen froh, dass sie endlich zu ende war, zum anderen dann aber doch ein wenig erstaunt. Er hatte eigentlich mit allem, aber nicht mit so etwas gerechnet. Während einer Schlacht war man nicht alleine, und doch mutterseelenallein und auf sich alleine gestellt. Wenn ihr also jemand geholfen hatte, dann eher nicht aus der Güte seines Herzens heraus, sondern wohl eher, weil er zur richtigen Zeit, am richtigen Ort war. Ein Jammer, dass Elben so zeitlos waren, denn so konnte Ardagast nicht einschätzen, wie alt sein Gegenüber war. Aber er schätzte, dass sie vermutlich noch nicht viele Schlachten miterlebt hatte. Einerseits wollte er ihr genau das sagen und, dass sie die Dankbarkeit in ihrem Herzen weitertragen, und es auf sich beruhen lassen sollte. Andererseits wollte er ihr Anliegen auch nicht kleinreden, denn es schien ihr ja wirklich eine Herzensangelegenheit zu sein.

''Das ist eine schöne Geschichte, Ilumiel'', sagte er schließlich nach einem Moment der Bedenkzeit und blies den Rauch seiner Pfeife aus. ''Und ich kann verstehen, dass du deinem ''Retter'' gerne deine Dankbarkeit ausdrücken möchtest. Ich will dir jetzt keine Illusionen nehmen, aber ich hoffe dir ist klar, dass jener Zwerg höchstwahrscheinlich tot ist. Vermutlich in der Schlacht gefallen, und wenn nicht, womöglich seither gestorben. Zwerge sind nicht mit mit ewiger Jugend gesegnet und es ist beinahe ein halbes Jahrhundert vergangen. Für dich ist das ein Wimpernschlag. Für Zwerge durchaus ein Viertel Ihres Lebens. Die Wahrscheinlichkeit, dass er ein eher junger Zwerg war, der die Schlacht überlebt hat, ist also nicht unbedingt hoch und genau das wäre deine beste Chance. Und selbst wenn, wie gedenkst du ihn zu finden, bei abertausenden Zwergen im Erebor? Willst du alle Veteranen jener Schlacht in einer Reihe aufstellen lassen, in der Hoffnung, dass der Richtige dabei ist?''



Et Eärello Endorenna utúlien. Sinome maruvan ar Hildinyar tenn' Ambar-metta.

P.S.: Ardagast trägt keinen Hut

R.I.P. Ian Holm
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Ilumiel

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

„Nun. Nein. Ich hatte gehofft, dass, wenn ich erst einmal dort bin, dass ich es einfach wissen würde. Wie ein Gefühl oder ein Zeichen.“
Tatsache war: sie hatte sich noch keine Gedanken darüber gemacht, wie sie jenen Zwerg finden sollte, oder auch, was sie zu ihm sagen würde außer Danke. Aber tief im Herzen spürte sie einfach, dass sie es wenigstens versuchen musste.
„Vermutlich hast du Recht, Thorondil.“ seufzte sie. „Das Leben der Zwerge ist kurz und meistens nicht von Kontakt zu anderen Völkern geprägt. Und in jener Schlacht verloren wir so viele! Dennoch kann ich den Drang meines Herzens nicht ignorieren! Nicht, wenn auch nur eine geringe Chance besteht.“
Sie hob den Kopf und sah den Zauberer an. „Kannst du das verstehen?“

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Ilumiel
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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Ilumiel]

Der Zauberer nickte verständnisvoll. Es war unübersehbar, dass dies der Elbin sehr am Herzen lag. Aber eine Erklärung, wie sie das alles wirklich bewerkstelligen wollte, blieb sie schuldig und es schien auch nicht so, als wüsste sie es selbst so recht. ''Ja, ich denke, ich verstehe'', sagte er. ''Aber...wenn ich erst einmal dort bin. Es ist eine Sache etwas zu wollen. Es ist eine andere Sache etwas auch zu tun. Du sagtest, dass du mich begleiten willst. Ich selbst habe da nichts dagegen, aber kein Zwerg wird dich so einfach in den Erebor lassen und wer weiß, ob du soweit überhaupt kommst. Darfst du überhaupt diesen Ort oder den Wald verlassen? Bist du als Soldatin des Waldlandreichs nicht verpflichtet König und Königreich zu bewachen und verteidigen? Ich möchte nicht in die Ungnade deines Königs fallen, weil ich dir beim Desertieren geholfen habe!''



Et Eärello Endorenna utúlien. Sinome maruvan ar Hildinyar tenn' Ambar-metta.

P.S.: Ardagast trägt keinen Hut

R.I.P. Ian Holm
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Ilumiel

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

Die herunter geschlagenen Augen und das angedeutete Schulterzucken waren Antwort genug. Auch darüber hatte Ilumiel sich noch keine Gedanken gemacht.
„Ich habe schonmal Handelszüge nach Thal begleitet.“ berichtete sie. „Aber wir waren dort nicht sehr willkommen. Nur unsere Waren. Du aber, als großer und mächtiger Zauberer... du könntest den König sicherlich davon überzeugen, dass ich dich begleiten sollte. Und... den König unter dem Berge, dass er mir Einlass gewährt.“
Ilumiel wusste, dass sie den Zauberer zu manipulieren versuchte, aber es war ja nur ein harmloses Spiel mit dessen Stolz. Und immerhin war ihr Anliegen ehrenvoll!

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Ilumiel

Geändert durch Ilumiel (16.11.2019 12:16)

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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Ilumiel]

Ardagast musste bei der Ausführung der Elbin ein wenig in seinen Bart lachen. Das war der große Plan? ''Ach, nur zwei Könige, die beide noch dazu nicht zu den freundlichsten in Mittelerde gehören. Wenn's weiter nichts ist!'', entgegnete er sarkastisch. Es war sicherlich nicht unbedingt nett, aber die Elbin musste doch selbst wissen, wie albern dieser Vorschlag klang. Beide Könige würden ihn womöglich auslachen und er könnte es ihnen noch nicht einmal übel nehmen. ''Ilumiel, du überschätzt meine Einflusskraft auf Könige...und sei mir bitte nicht böse, die Wichtigkeit deiner Angelegenheit. Die Chancen wären höher, wenn ich dich in den Erebor schmuggeln würde!'', entgegnete Ardagast ablehnend. ''Und Letzteres kommt nicht in Frage! Warum gehst du nicht zu deinem Hauptmann und bittest ihn um eine Freistellung?''



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R.I.P. Ian Holm
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Ilumiel

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

„Damit ich dann auf eigene Faust zum Erebor reisen kann?“ Ilumiel lachte humorlos. „Sei mir bitte nicht böse, Thorondil, aber du überschätzt die gesellschaftlichen Künste der Zwerge! Seit Thorin Eichenschild zurück kehrte wurde kein Elb jemals zu einer Audienz eingelassen. Das hat sich auch mit dem neuen König nicht geändert. Wenn ich in den Erebor gelangen möchte, dann benötige ich einen Fürsprecher.“

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Ilumiel

Geändert durch Ilumiel (16.11.2019 13:14)

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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Ilumiel]

''Na, ich wollte dich nicht alleine zum Erebor ziehen lassen, keine Sorge. Wenn du hier die Freigabe erhältst, werde ich am Erebor für dich tun, was ich kann. Darauf hast du mein Wort'', antwortete Ardagast mit einem freundlichen Lächeln. ''Aber sei gewarnt, ich bin zwar Zauberer, aber Wunder kann ich nicht vollbringen!'', fügte er augenzwinkernd hinzu.



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R.I.P. Ian Holm
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Ilumiel

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: DerDunkelgraue]

„Oh.“ Ilumiels Gesicht erhellte sich und beinahe wäre sie in fast kindliche Vorfreude verfallen, aber sie beherrschte sich und nickte dankbar. „Ich werde Firundel gleich danach fragen. Danke!“

Natürlich verweigerte der Hauptmann ihren Wunsch und natürlich musste Ilumiel sich einen eineinhalbstündigen Vortrag über Elben und Zwerge anhören, und darüber, warum die beiden Völker einander keine Höflichkeitsbesuche abstatteten, ganz besonders nicht hier und ganz besonders nicht allein mit einem Zauberer an ihrer Seite, dem Thranduil kaum über den Weg traute. Nicht damals und nicht heute, trotz ihrer zwischenzeitlichen Zusammenarbeit.
Heimlich rollte die Elbin mit den Augen. Sie wusste das alles. Sie wusste, dass die Zwerge ein seltsames und eigenbrötlerisches Volk waren und dass man bei ihnen nie wissen konnte, ob sie harmlose Reisende als Bedrohung oder gar Feinde ansahen, aber Ilumiel war bereit, es herauszufinden. Und die gemeinsam überstandene Schlacht sollte ihr dabei doch zumindest die Vordertüre öffnen können!

Nun, wie es aussah, öffnet sich gar nichts, denn noch am selben Abend berichtete Firundel Thranduil von ihrem Wunsch und damit waren alle Hoffnungen vollständig zerstört.
So begab Ilumiel sich schweren Herzens am nächsten Morgen zu Ardagast, dankte ihm erneut für seine Bereitschaft, ihr zu helfen, aber berichtete, dass sie nicht mitkommen könne.
Der Zauberer versprach, ihre Geschichte nicht zu vergessen, und sich im Einsamen Berg umzuhören, auch wenn er wenig Hoffnung hatte, etwas über den namenlosen Zwerg herauszufinden.

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Ilumiel

Geändert durch Ilumiel (16.11.2019 19:09)

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PadogasTook

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise nach Moria - Return to Middle-Earth - Kapitel I [Re: Ilumiel]

„Danke für Eure Anteilnahme!“ – „Ja, es ist eine schwere Zeit!“- „Vielen Dank, dass Ihr gekommen seid!“….

Padogas Took stand in der Tür seines Smials und schüttelte Lobelia Sackheim-Beutlin die Hand: „Danke, dass ihr da wart. Es ist doch immer schön, wenn man in schweren Situationen auf die Verwandten zählen kann!“ Die feine Ironie in seiner Stimme perlte an der älteren Dame ab, wie ein Regentropfen auf einer Fettschicht. Aber etwas anderes hatte er nicht erwartet. Mit einem kleinen Grinsen sah er ihr nach, wie sie den Gartenpfad entlang stapfte.

Kaum hatte er sich wieder herum gedreht, hatte er die nächste Hand in der Seinen. Diesmal war es sein Cousin Carl: „Pado, ich mach mich los! Mit dem Rest kommst du bestimmt jetzt klar, oder?“ Vorsichtig sah er den etwas Älteren an. Pado nickte: „Danke Carl, dass du bei den ganzen Vorbereitungen zu der Beerdigung so viel geholfen hast! Sag deiner Violetta danke, dass sie so viele süße Brötchen gebacken hat. Und gib den Kleinen einen Kuss!“ Carl, der eine Handbreit kleiner war, nickte und grinste: „Ich geb dann jedem einen Kuss und nicht allen zusammen einen!“ „Na, dann wirst du heute Abend nicht mehr fertig! Nummer wieviel ist die kleine Isabella?“ Pado verlor bei der reichen Kinderschar seines Cousins öfters den Überblick. Gefühlt stolperte nach jeder seiner Reisen mindestens ein kleines Straffgürtelchen mehr durch Carls und Violettas Smial. „Wieso es sind doch nur 12 Küsse? Das schaff ich spielend!“, Carl gab ihm einen Klaps auf die Schulter. „Halt die Ohren steif, mein Lieber!“
„Wird schon!“, nickte Padogas. „Ich komm demnächst mal vorbei, um nach Rubella zu schauen!“ Carl zwinkerte ihm zu und machte sich auf den Weg.

Pado drehte sich um und ging zurück in seinen Smial, den Smial, den er bisher mit seinem Vater Isengar geteilt hatte, wenn sie nicht gerade auf Reisen waren. Nachdenklich schaute er durch den großen Ausstellungsraum. Normalerweise standen hier Vitrinen überall durch den Raum verteilt, die die absonderlichen Dinge beherbergten, die er und Isengar überall gesammelt hatten. Irgendwann war der eigentliche Smial dafür zu klein geworden und sie hatten durch diesen Anbau , der halb aus dem Berg ragte, Platz für Ausstellungsraum, kleines Labor und Bibliothek gewonnen. Ja, Pado war ein bisschen stolz darauf. Denn immerhin hatten es die beiden Wandervögel geschafft, dass ihre bodenständigen Mithobbits sich für die Dinge interessierten, die sie von den doch so verdächtig beäugten Reisen mitgebracht hatten. Nicht dass die Auenländer nun generell die Reiselust gepackt hätte, aber man konnte sich bei einem Schrumpfkopf aus Harad so schön gruseln und eine elbische Weinflasche einfach hübsch finden. Und so war aus diesem Anbau ein kleines Museum geworden, das zumindest ein wenig zum Lebensunterhalt der beiden Reisenden beigetragen hatte. Besonders beliebt war die Sonntagsnachmittags-Erzählstunde bei den jüngsten Hobbits gewesen. Wie gebannt hatten sie an den Lippen Isengars gehangen, wenn er die Wunder der Grauen Anfurten beschrieb. Und wenn Pado vom Erebor erzählte, hatten die Kinderaugen geleuchtet.

Doch heute waren alle Vitrinen an die Wand geschoben, um Platz für Tische und Bänke zu machen. Mittlerweile saß niemand mehr daran. Alle Teilnehmer der Trauerfeier waren nach Hause gegangen. Aufräumen war angesagt. Aber dazu war immer noch Zeit. Pado hatte dafür jetzt keine Laune. So ging er erst in das Wohnzimmer. Auch hier standen überall Dinge, die sie mitgebracht hatten. Vieles davon sah noch fremdländischer aus als im großen Saal. Doch manches hatten Isengar und Padogas ihren auenländischen Freunden nicht zumuten wollen. Diese Dinge hier waren teilweise gruseliger oder auch persönlicher, so dass nur die engsten Freunde, sie zu Gesicht bekamen. Jetzt suchte sein Blick etwas Spezielles, etwas, das ihn mit seinem Vater mehr verband als alles andere. Ah ja, da war es ja. Vorsichtig nahm er die kleine Schachtel aus der Vitrine unter dem runden Fenster. „Mein Schatz“ stand mit verblassten Lettern in ungelenker Kinderschrift darauf. Behutsam öffnete der Hobbit die Schachtel. Mehrere irrisierende Glasmurmeln schimmerten im Licht. Eine armlange Schnur aus feiner Wolle war zu einer Art Nest geflochten worden, in dessen Mitte zwei wunderbar grüngemaserte Vogeleier lagen, wohl versteinert in der Zwischenzeit. Daneben eine Brosche, silbern vermutlich unter ihrer angelaufenen Außenschicht. Und dann noch zwei besondere Sammelstücke: Ein mumifizierter Frosch, graugrün und schrumpelig, aber noch eindeutig zu erkennen und ein sehr sauberes Skelett eines kleinen Fisches.
Dies hatte Isengar ihm von seiner langen Reise mitgebracht. Damals als er so lange unterwegs war, dass Pado sich gezwungen gesehen hatte, ihn suchen zu gehen. Nun, auf dem Weg hatte er sich mit Zwergen verbündet, mit Zauberern Freundschaft geschlossen und einen Drachen besiegt, ein Königreich zurückerobert und Freunde verloren. Aber schließlich auch seinen Vater gefunden.

Vorsichtig strich er über jedes einzelne Teil. Schon damals hätte er seinen Vater verlieren können. Wie oft hatte er in den letzten Tagen darüber nachgedacht, dass er schon ein unverschämtes Glück gehabt hatte, dass ihnen noch so viele Jahre gemeinsam vergönnt gewesen waren. Ja, er war traurig darüber, dass Isengar nun vor fast einer Woche gestorben war. Aber er war 128 Jahre alt geworden, nicht ganz so alt wie sein eigener Vater der Alte Took, doch viel hatte nicht mehr gefehlt. Und er war einfach eingeschlafen – alt und lebenssatt! So hatte der alte Herr es selbst noch kurz vor seinem Tod gesagt.

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Ein Hobbit tut sowas nicht, ha!
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