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Mittelerde & andere phantastische Welten » Die Gaukler-Stube » Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX

DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: PadogasTook]

Nachdem sie den gestrigen Abend noch schön ausklingen haben lassen, trafen sie sich zum Frühstück am nächsten Morgen. Es gab allerhand elbische Köstlichkeiten, die Cirdan extra für sie zubereiten ließ. Doch so schön es auch war, es lag ein komisches, unausgesprochenes Gefühl in der Luft. Ardagast bemerkte, wie Pado ihn musterte, doch beide schwiegen. Der Tages des Abschieds war gekommen und das wollte wohl keiner von ihnen so recht wahrhaben. Nachdem sie gefrühstückt hatten, machten sich die beiden Hobbits auch schon bereit für ihre Weiterreise. Cirdan stand etwas abseits, während Ardagast und die Hobbits, angestrahlt von der aufgehenden Sonne, an den Toren von Mithlond standen. Auch für Isengar, war es ein schmerzhafter Abschied, aber für den ''kleinen'' Pado umso mehr. Das war ihm anzusehen und falls er es verstecken wollte, war er nicht besonders gut darin. ''Mach dir keine Sorgen, Pado. Dies ist keinesfalls ein Abschied auf ewig. Du glaubst doch wohl nicht, dass ich euch so allein im Auenland lassen werde? Irgendjemand muss schließlich ein wachsames Auge auf euch haben und nach dem Rechten sehen, während Gandalf mit der Weltgeschichte beschäftigt ist...und das meinte ich keinesfalls nur wegen des Pfeifenkrauts...aber allein schon deshalb wird mein nächster Besuch bei euch in nicht allzu ferner Zukunft sein'', erklärte der Zauberer mit einem wehmütigen Lächeln und zwinkerte dabei dem kleinen Hobbit zu.

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PadogasTook

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: DerDunkelgraue]

Pado war froh, dass Ardagast verstand, wie es ihm ging. „Es ist gut zu hören, dass du uns weiterhin besuchst. Wenn man hier an den Gestaden des Meeres ist, hat man das Gefühl, dass jeder plötzlich in den Westen ziehen möchte.“ Pado sah seinen langbeinigen Freund etwas verlegen an, er konnte das Gefühl nicht so recht beschreiben. „Es ist so, als ziehe es einen auf das Meer hinaus...“ Ardagast musterte den Jungen interessiert. Also spürten es die Hobbits auch!
Doch der Junge wandte dem Meer bewusst den Rücken zu. „Nun, Ardagast! Ich danke dir, dass du mich auf diese Reise mitgenommen hast! Ich danke dir für all den Mist, den wir zusammenüberlebt haben und alles Gute und Spannende, was ich gelernt habe!“ Und dann zog sich wieder ein breites Grinsen über sein Gesicht: „Und ich finde es wirklich gut, dass du mich nie verdächtigt hast ein Orkspitzel zu sein!“

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DerDunkelgraue

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Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: PadogasTook]

''Wieso? Bist du etwa EINER?'', knurrte der Zauberer gespielt erbost und plusterte sich groß vor den Hobbits auf. Danach lachte er jedoch herzhaft und umarmte Pado für einen Moment. Als er ihn wieder losließ, wuschelte er ihm noch durch die Haare. ''Ich habe dir zu danken, mein lieber Pado. Du bist mir schließlich über den Weg gelaufen. Und ohne dich wäre ich auf dieser Reise mit diesen Zwergen vermutlich durchgedreht'', scherzte er und erkannte dabei natürlich die Ironie in seiner Wortwahl. ''Mach's gut, mein Junge. Du wirst mir sehr fehlen. Genieße die Zeit mit deinem Vater. Ihr habt immerhin ein paar Jahre aufzuholen und wenn wir uns das nächste Mal sehen, bringe ich sicher ein paar Feuerwerkskörper mit'', fügte er mit einem freundlichen Lächeln hinzu.

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PadogasTook

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Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: DerDunkelgraue]

Bei der Erwähnung der Feuerwerkskörper leuchteten Pados Augen auf, „Oh, ja und ein paar Knallfrösche!“ Er wollte sich schon abwenden, wandte sich aber nochmal um, „wie verrückt ist es, dass wir uns jetzt lange verabschieden, obwohl wir wissen, dass wir uns wiedersehen werden! Ich habe schon einmal deinen Tod beweint, wo ich mich nicht verabschieden konnte!“ Nachdenklich schüttelte er den Kopf. „Wie auch immer, das erste was ich zu Hause mache, ist ein Fässchen Alten Toby die Vorratskammer stellen!“
Isengar war auch hinzu getreten: „Ardagast, auch mein Dank an dich, dass du auf meinen Sohn aufgepasst hast oder ihm die Möglichkeit gegeben hast, selbst auf sich aufpassen zu lernen! Wie Pado schon sagt, steht jederzeit unsere Tür für dich offen. Nur bücken müsstest du dich beim Eintreten!“ Mit einem Zwinkern gab er dem Zauberer die Hand.

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DerDunkelgraue

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Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: PadogasTook]

''Sehr gut! Darauf bestehe ich auch!'', entgegnete Ardagast mit einem gespielt mahnenden Gesichtsausdruck, als der Hobbit das Pfeifenkraut erwähnte und nickte ihm nochmal zu, ehe Isengar zu ihm trat. Ardagast war froh, dass sich die beiden wieder gefunden hatten und das im riesigen Mittelerde. Es war doch eine große, kleine Welt. ''Daran werde ich mich spätestens dann erinnern, wenn ich mir den Kopf anhaue'', antwortete der Zauberer scherzend, zog den Hobbit mit seiner Hand zu sich und schenkte auch ihm eine Umarmung. Dabei beugte er sich zu ihm herunter und flüsterte ihm leise ins Ohr: ''Pado ist ein feiner Kerl und du bist ein guter Vater und kannst stolz sein, dass du so einen Jungen großgezogen hast. Vergiss das niemals!'' Dann ließ er von dem älteren Hobbit ab und sah beide noch einmal an. ''Macht es gut, meine Freunde und grüßt Bilbo von mir, wenn ihr ihn seht!''

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PadogasTook

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: DerDunkelgraue]

Isengar schluckte kurz als der Zauberer Pado lobte und schwor sich von jetzt an der Vater zu sein, den der Junge verdient hatte. Doch als es um Grüße ging, fiel ihm noch etwas ein: „Falls du in der Zwischenzeit einmal in Rosgobel vorbeikommst, sage dem braunen Zauberer herzliche Grüße!“
Dann schulterte er den Rucksack und wandte sich an Pado: „Auf geht‘s, mein Junge!“ Und so kletterten die beiden Hobbits die Treppen hoch, die zum Pfad hin zur großen Oststraße führte. Oben angekommen winkten sie noch einmal in die Tiefe, wo Ardagast ebenfalls noch einmal die Hand hob. Dann war Mithlond bald hinter der nächsten Kuppe verschwunden und Isengar fing an zu singen:
„Die Straße gleitet fort und fort,
weg von der Tür, wo sie begann...“

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DerDunkelgraue

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: PadogasTook]

Musik

Nach der Verabschiedung der Hobbits, verbrachte Ardagast den Rest des Tages mit allerlei Kleinigkeiten, die er sich noch vorgenommen hatte. Der Zauberer setzte sich dann gegen Nachmittag an einen bereits reichlich bedeckten Tisch auf der Veranda in Cirdans Gemächern und bedankte sich mit einem freundlichen Nicken bei seinem Gastgeber, der ihm gegenüber Platz genommen hatte. Er nahm einen Schluck des wundervoll schmeckenden Rotweins und danach einen tiefen Zug des wohltuenden Pfeifenkrauts, ehe sein Blick sich von Cirdan in Richtung des Meeres abwandte, wo die goldfarbene Sonne langsam gen Horizont wanderte und schon bald verschwinden würde. Ihre Strahlen ließen den Hafen goldgelb schimmern. Hier, an den Ufern des Meeres, hatte der Zauberer zum ersten Mal seit langer Zeit einen Moment des Friedens und konnte in sich kehren. Ein Ort der Ruhe, an welchem er alleine war. Langsam und leise, summte er eine Melodie vor sich hin, bevor er anfing ein Gedicht zu sprechen.

''Laurië lantar lassi súrinen!
Yéni únótime ve rámar aldaron,

yéni ve linte yuldar vánier

mi oromardi lisse-miruvóreva 

Andúne pella Vardo tellumar 

nu luini yassen tintilar í eleni 

ómaryo airetári-lírínen. 

Sí rnan i yulna nin enquantuva?

ve fanyar máryat Elentári ortane

ar ilye tier unduláve lumbule,

ar sindanóriello carta mornië 

i falmalinnar imbe met, ar hísië

untúpa Calaciryo míri oiale. 

Sí vanwa na, Rómello vanwa, Valimar! 

Namárië Nai biruvalye Valimar. 

Nai elye hiruwa. Namárië!*


Macht es gut, meine Freunde!’’

--------------

*Wie Gold fallen die Blätter im Wind,
lange Jahre zahllos wie die Schwingen von Bäumen!
Die langen Jahre sind vergangen wie rasche Schlucke des süßen Mets
in hohen Hallen jenseits des Westens
unter den blauen Gewölben von Varda
worin die Sterne erzittern in der Stimme ihres Gesanges,
heilig und königlich.
Wer nun wird mir den Kelch wieder füllen?
Denn nun hat die Entzünderin, Varda, die Sternenkönigin,
vom Berg Immerweiß ihre Hände wie Wolken gehoben
und alle Pfade sind versunken tief im Schatten;
und aus einem grauen Land
liegt Dunkelheit auf den schäumenden Wellen zwischen uns,
und Nebel bedeckt die Juwelen Calaciryas auf ewig.
Verloren nun, verloren für jene aus dem Osten, ist Valimar!
Lebe wohl! Vielleicht wirst Du Valimar finden!
Ja, vielleicht wirst Du es finden! Lebe wohl!

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PadogasTook

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: DerDunkelgraue]

So waren Pado und Isengar das erste Mal seit langen Jahren wieder alleine unterwegs. Es war merkwürdig nicht mehr in einer Gruppe zu sein doch auch sehr angenehm.
Ihre Ponys, die sie oberhalb von Mithlond zurückgelassen hatten, waren gut ausgeruht und so kamen sie zügig voran. Dotterblume hatte sich mit Pados Caraway direkt angefreundet, nachdem der Junge sie in Bruchtal wieder von den Elben in Empfang genommen hatte. Isengar musterte das Pony seines Sohnes aufmerksam, während sie der großen Oststraße an den Turmbergen vorbei folgten. „Pado, hast du auch den Eindruck, dass Caraway anders ist? Oder liegt das nur daran, dass ich sie lange nicht gesehen habe und mich an Dotterblume gewöhnt habe?“
Der Junge schmunzelte: „Ja, ich glaube, der Aufenthalt in Bruchtal hat ihr sehr gut getan! Und ich glaube, sie ist wirklich – anders! Sie versteht mehr als vorher! Ich glaube, wenn sie könnte, würde sie mit mir reden.“
Isengar nickte: „Vielleicht solltest du ein paar Brocken Sindarin lernen. Denn ich vermute, das ist die Sprache, die die Elben ihr beigebracht haben.“ Der Junge sah seinen Vater mit funkelnden Augen an: „Meinst du wirklich?“ Der nickte: „Kannst du davon ausgehen. Elben bringen es nicht über sich den Tieren in ihrer Obhut nicht ein wenig ihrer Weisheit mitzugeben.“

Im Laufe des Nachmittags erlegten sie zwei Kaninchen, die sie abends brieten, als sie ihr Lager in einem Wäldchen schon am Rande des Auenlandes aufschlugen. Es sollte der letzte Abend sein, den sie unterwegs verbrachten. Vermutlich war das der Grund, warum Pado ein wenig schwermütig war. Er durchsuchte seinen Rucksack, der nun am Ende der Reise doch sehr ramponiert aussah, und betrachtete manche Dinge, die er unterwegs zusammengesammelt hatte. So fand er den Knopf aus dem Nebelgebirge, der die Form einer Eichel hatte. Er fragte sich immer noch, wie so etwas in die unterirdischen Gänge unter dem Gebirge gekommen war.
Dann fand er das Geschenk, das ihm Bifur beim Abschied in die Hand gedrückt hatte. Er war noch gar nicht dazu gekommen zu schauen, was genau es war. Vorsichtig wickelte er es aus und dann blieb ihm der Mund vor Staunen offen stehen: „Vater, sieh, was Bifur mir gegeben hat! Ich wusste ja, dass er ein guter Handwerker ist, aber schau nur!“ Er hielt einen feingeschnitzten Drachen in der Hand, rotbemalt und mit scharfen Klauen. Aber das Erstaunliche war, dass der Drache Flügel hatte, die er bewegen, ja sogar ein- und ausklappen konnte. Genauso konnte er auch das Maul aufreißen und auch die Beine waren beweglich angebracht. Alles war so klein gemacht, dass man die Mechanik kaum sah, sondern alles sich wie natürlich bewegte. Auch Isengar war beeindruckt: „Ja, manche Zwerge sind erstaunliche Feinmechaniker. Das ist wirklich ein Meisterstück an Zwergenkunst.“ „Und ich habe mich gar nicht ausreichend bei ihm bedankt, weil er so schnell wieder weg war,“ Pado hatte fast ein schlechtes Gewissen.

Die Nacht verging schnell und am nächsten Morgen waren die beiden Reisenden sehr bald wieder auf den Beinen. Auf einmal hatten sie es eilig nach Hause zu kommen. Während sie so über die Frühlingswiesen trabten, auf denen die ersten Löwenzahnblüten zu sehen waren, hielt Isengar auf einmal mit einem Ruck sein Pony an und atmete schon fast übertrieben tief ein. Pado, der ein paar Schritte vor ihm war, drehte sich irritiert um: „Was ist los, Isengar?“ Der Ältere sah sich um und atmete weiter tief die Frühlingsluft ein: „Es riecht doch nirgendwo so wie im Auenland im Frühling. Ich wusste gar nicht, wie sehr ich es vermisst habe. Bald wird es die ersten Erdbeeren mit Schlagsahne geben.“ Er deutete auf ein Haselgeheck: „Siehst du das Eichhörnchen dort drüben?“ Pado erhaschte gerade noch einen Blick, dann war der buschige Schwanz schon wieder verschwunden. Der Junge grinste, alte Leute waren doch manchmal seltsam sentimental. Aber die Erwähnung von Erdbeeren ließ ihn Caraway wieder antreiben. „Komm, Vater! Du kannst noch ganz lange Frühlingsluft genießen, aber jetzt lass uns nach Hause reiten, dass wir nicht erst im Dunkeln ankommen und nichts zu essen mehr besorgen können.
Doch diese Sorge war unbegründet. Da Bilbo ja schon früher in Hobbingen eingetroffen war, hatte Cousin Carl, die Speisekammer im Isengar’schen Smial reich gefüllt und ordnungsgemäß die Rechnung auf den Küchentisch gelegt. Als die beiden Reisenden am Nachmittag eintrafen, war der junge Straffgürtel gerade dabei, die Betten zu lüften. „Pado! Du bist wirklich wieder da und das zusammen mit Onkel Isengar!“ Freudig schüttelte der Junge seinen weitgereisten Verwandten die Hand.
Sehr schnell war ein kleiner Imbiss auf dem Tisch und die drei Hobbits saßen dort und Carl hing wie gebannt an den Lippen Pados. Er konnte kaum fassen, was dieser alles erzählte. Und als Pado den Kampf gegen Smaug sehr anschaulich mithilfe seines kleinen Modelldrachens darstellte, hätte man seinen Cousin piecksen können, er hätte nicht gezuckt. Es war schon fast Abend als Carl sich schließlich auf den Nachhauseweg machte, um nicht bei seiner Mutter in Ungnade zu fallen.

Pado und Isengar richteten sich häuslich ein. Es blieb einfach ungewohnt, wieder ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Aber die weichen Betten waren sehr willkommen. In dieser Nacht schliefen beide traumlos und tief. Beim Frühstück schwelgten sie in Eiern mit Speck, Käse, eingelegten Tomaten, knusprigem Brot mit Butter und leckerer Quittenmarmelade und noch einigem mehr.
Schließlich packten sie ihre Rucksäcke aus, wobei noch ganz andere längst vergessene Dinge zum Vorschein kamen. „Vater, schau hier, welch eine schöne Pfeife Ardagast mir geschenkt hat. Ich durfte sie mir in seinem Tabakladen aussuchen!“ Pado hielt die Meerschaumpfeife hoch. Isengar bewunderte sie gebührend und betrachtete sie ausgiebig von allen Seiten. „Sie ist wohl aus den Südlanden, Harad oder so ähnlich, nannte es Ardagast,“ erklärte Pado. „Das ist ein ganz besonders feines Stück,“ nickte der Ältere. „Ja, ich glaube, ich rauche sie auch weniger, als dass ich sie hier auf den Kaminsims stelle und anschaue,“ meinte Pado, „irgendwie waren meine Rauchversuche mit Ardagast etwas verstörend.“ Isengar grinste: „Ja, so habe ich vernommen. Ardagasts Gehilfe, Domian, den ich ja noch kurz in Seestadt kennenlernte, hat es mir sehr lebhaft geschildert!“
Doch um seinen Jungen nicht noch weiter in Verlegenheit zu stürzen, er hatte schon knallrote Ohren bekommen, zog er etwas aus seinem eigenen Rucksack, was dort schon lange auf seinen neuen Besitzer wartete. Ein kleines Kästchen, auf dem handgeschrieben „Mein Schatz!“ stand. „Oh, Isengar, was ist das denn?“ Pado trat interessiert näher und öffnete die kleine Schachtel vorsichtig. „Nun, ich erzählte dir doch, dass ich ein verlassenes Hobbitdorf im Tal des Anduin entdeckt habe, das sogar vergleichsweise gut erhalten war. Dieses Kästchen fand ich unter einer losen Bodendiele in einem Smial. Und als ich den Inhalt sah, musste ich an dich denken. Solche Dinge hättest du auch sammeln können.“
Neugierig inspizierte Pado den Inhalt. Mehrere irrisierende Glasmurmeln schimmerten im Licht. Eine armlange Schnur aus feiner Wolle war zu einer Art Nest geflochten worden, in dessen Mitte zwei wunderbar grüngemaserte Vogeleier lagen, wohl versteinert in der Zwischenzeit. Daneben eine Brosche, silbern vermutlich unter ihrer angelaufenen Außenschicht. Und dann noch zwei besondere Sammelstücke: Ein mumifizierter Frosch, graugrün und schrumpelig, aber noch eindeutig zu erkennen und ein sehr sauberes Skelett eines kleinen Fisches.
Pado grinste, ja, dieser Hobbitjunge schien ähnliche Dinge wie er selbst gemocht zu haben. So änderte sich auch über die Jahrhunderte das Interesse junger Hobbits nicht. „Was meinst du, wie alt das alles ist?“, fragte er seinen Vater. „Nun, ich vermute etwa 400 Jahre, aber genau kann man es nicht sagen!“ Isengar musterte die Schachtel noch einmal und nickte. „Aber der Frosch ist schon ein bisschen skurril.“ Pado zuckte mit den Schultern: „Hm, ich hätte ihn auch aufgehoben, wenn ich ihn gefunden hätte.“ Sorgfältig stellte er das Kästchen in seiner Kammer auf ein kleines Bord über seinem Bett. Dies war schon etwas Besonderes. Zu gerne hätte er diesen Hobbitjungen einmal kennengelernt.

In diesem Moment hörte er ein „Hallo!“ aus dem Garten. Als er in das Wohnzimmer zurückkehrte, trat gerade Bilbo ein. „Guten Morgen, Pado!“ Dabei sah er sich gründlich in ihrem Smial um. „Hallo, Bilbo!“ Isengar kam aus der Küche. Doch Bilbo ließ sich schon in den nächsten Sessel fallen. Pado musterte den Cousin, „Was ist denn mit dir los? Du siehst aus, als hättest du den gesamten Erebor alleine aufgeräumt!“
„Du bist näher dran, als du ahnen kannst, Pado!“ Bilbo stöhnte es mehr, als er es sagte. Isengar, der einen Notfall erkannte, wenn er ihn sah, meinte: „Komm erst einmal mit in die Küche, es ist zwar noch nicht ganz 11 Uhr, aber du siehst aus, als könntest du ein weiteres Frühstück brauchen!“ Dies brachte die Lebensgeister Bilbos, die es kaum über die Türschwelle geschafft hatten, wieder etwas auf Vordermann und nach ein paar Scheiben Speck mit Bohnen und Bratkartoffeln, sah sich der Hobbit in der Lage zu erzählen, was los war.
„Ihr werdet es nicht glauben, was mir passiert ist, als ich vor ein paar Tagen in Hobbingen eintraf“, er nahm einen großen Schluck feingebrautes Bier aus seinem Krug. „Ich hatte mich schon gewundert, dass in Hobbingen kaum ein Hobbit auf der Straße war, obwohl es mitten am Tag war. Doch als ich in den Bühl einbog, wurde mir klar, was los war. Das halbe Auenland hatte sich vor Beutelsend versammelt. Viele hatten Leiterwagen dabei und darauf waren Teile meiner Einrichtung!“ „Nein!“ „Wieso das denn?“, seine beiden Verwandten starrten ihn völlig verwirrt an. „Ja, das dachte ich auch. Ich war hin und her gerissen zwischen, diese Leute aufzuhalten und nach vorne zu stürmen um zu schauen, was los war. Ich entschied mich für letzteres und ihr werdet nicht glauben, wer vor Beutelsend stand und meine ganze Habe versteigerte?“
Isengar runzelte die Stirn: „Versteigerte?“ Pado schüttelte nur sprachlos den Kopf. „Ja, versteigerte!“ Bilbo nickte mit Nachdruck, „der alte Friedemann Bolger aus Michelbinge. Und er tat doch tatsächlich so, als kenne er mich nicht!“
„Dieser alte aufgeblasene Puter!“, meinte Pado, „wie konnte er das denn einfach so machen?“
„Weil ich so lange unterwegs war, hat man mich für tot erklärt! Und nun sollte meine Hinterlassenschaft meist bietend versteigert werden! Oh, ich kam den Herrschaften echt ungelegen. Stellt euch vor, diese meine liebenswerte Verwandte von der Beutlinseite, Lobelia Sackheim-Beutlin, war doch so dreist zu fragen, wer ich denn sei, und hatte ganz offensichtlich meine gesamte Sammlung an Silberbesteck in ihrem Korb.“
„Nein!“ „Diese Schnepfe!“ „Und wie ist das ausgegangen?“ Isengar war ernsthaft besorgt. „Nun, ich musste mich doch tatsächlich ausweisen, dass ich wirklich Bilbo Beutlin bin. Mach das mal, wenn du gerade von einer einjährigen Reise zurückkehrst und deine gesamte Habe um dich herum verstreut liegt.“ Isengar nickte mitfühlend. „Aber ich hatte glücklicherweise den Anstellungsvertrag von Thorin dabei!“ „Was, den hast du tatsächlich unbeschadet die ganze Zeit mit dir herumgetragen?“ Pado war beeindruckt, „ich hätte den spätestens bei den Trollen verloren!“
„Nun, er sieht nicht mehr schön aus, aber zumindest war mein Name und Balins und Thorins Unterschrift noch gut zu erkennen!“ Ein weiterer Schluck war nötig. „Und das hat dieser aufgeblasene Sachenverscheuerer endlich akzeptiert. Aber er hatte doch tatsächlich die Frechheit zu fragen, wer denn dieser Thorin Eichenschild sei!“
„Und hast du ihn mit seinem vollen Namen und Titel vorgestellt!“, Pado war empört über diese Behandlung seines Cousins. Bilbo schüttelte den Kopf: „Nein, ich war einfach zu erschöpft und wollte nach dem Tumult nur noch meine Ruhe. Ich habe lediglich gesagt, dass er mein Freund gewesen sei!“ Bilbo schwieg einen Moment und setzte dann leise hinzu: „und das ist auch die ganze Wahrheit!“
Einen Augenblick hingen die drei Hobbits ihren Gedanken nach, die sie alle in der einen oder anderen Weise noch einmal zurück zum Erebor führten. Dann fragte Isengar: „Und hast du deine Sachen wieder zurück bekommen?“
Bilbo seufzte: „Noch nicht alles. Ich habe die letzten Tage, die Ihr für eure Reise zu den Grauen Anfurten gebraucht habt, damit verbracht alles wieder zusammenzusammeln. Manche Leute haben echt keine Skrupel und lügen dir frech ins Gesicht, obwohl das Familienwappen der Beutlins auf vielen Dingen eingeprägt ist. Aber zumindest weiß ich mittlerweile, wo das meiste hingekommen ist. Die Gamdschies aus dem Beutelhaldenweg haben mir wenigstens geholfen.“
Die beiden Tooks versprachen, ihn ebenfalls fleißig zu unterstützen. Zu mehreren sollte es einfacher sein, alle Einrichtungsgegenstände wieder an Ort und Stelle zu bringen. Hierauf sprachen alle drei erst einmal hingebungsvoll dem zweiten Frühstück zu. Doch Pado konnte es immer noch nicht fassen. „Diese unsere scheinheiligen Mitbewohner! Die regen sich darüber auf, wenn man etwas anders ist, über Land wandert, nicht in das Bild von einfältigen Auenlandbewohnern passt. Und dann benehmen gerade diese Leute sich so gar nicht anständig, so gar nicht hobbitmäßig!“ Isengar nickte: „Da geh ich doch lieber wieder auf große Fahrt statt mich mit diesen kleingeistigen Heuchlern abzugeben.“ Bilbo nickte: „Allerdings, solche Falschheit habe ich unter den Zwergen nicht erlebt!“ „Oh, ja!“ Pado war auch dieser Meinung. „Aber dann sagen Leute wie Tante Rubella, zu jemandem wie dir, Vater, dass wäre nicht hobbitmäßig und ein anständiger Hobbit tue so etwas nicht!“

„Perfekt, dann sind wir wohl nicht anständig!“, meinte Isengar. „Ja, so ist es wohl,“ Bilbo sagte es fast etwas resigniert. Doch Pado fand das durchaus akzeptabel. Kichernd hob er seinen Krug: „Auf Tante Rubella. Auf das wir ihrer Engstirnigkeit noch lange trotzen!“ Die beiden anderen hoben ihre Krüge ebenfalls. Mit lautem Scheppern krachten die drei Krüge zusammen und wie ein Hobbit riefen die drei Reisenden: „Ein Hobbit tut sowas nicht! Ha!“

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Ein Hobbit tut sowas nicht, ha!
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Eruanne

Ranger of Ithilien

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: PadogasTook]

„Tragt die großen Steine dahin und die kleineren nach da hinten.“ wies Grimm die Männer an. Zufrieden betrachtete er wie erneut ein Haus in Thal fertig werden würde. Mit Hilfe der Zwerge waren sie in den letzten Wochen schon ein ganzes Stück voran gekommen. Auch die Nachricht die ihn vor ein paar Tagen erreichte lies ihn lächeln. Bald würden seine Kinder hier eintreffen und nicht nur das, auch die beiden Hobbits hatten in ihrem Alter noch einmal den Mut gefasst sich in ein Abenteuer zu stürzen. Wie Ophelia ihm geschrieben hatte, hatten sie Hab und Gut verkaufen wollen um dann nach Thal zu kommen um zusammen mit ihm und den Kindern hier zu leben. Grimm besah sich das trotzdem immer noch vorhandene Chaos an. Er hoffte, dass sich alle hier wohlfühlen würden. Eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

Freundschaft
ist wie eine Spur,
die im Sand verwischt,
wenn man sie nicht beständig erneuert.


Gründungsmitglied des Clubs der "langhaarige, bärtige Männer-Bevorzugerinnen"
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Aidean

Gefährte

Re: Die Straße gleitet fort und fort: Die Reise durch Mittelerde - One Last Time - Kapitel IX [Re: Eruanne]

"Du machst dich gut als Baumeister", sagte Elva mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, "Bringst die Männer richtig auf Zack."
Der bittere Winter ging nun langsam zuende und an diesem Tag schien die Sonne besonders hell und tauchte die ganze Stadt in einen warmen Schimmer. Elva reckte die Nase nach oben und ließ sich von den sanften Sonnenstrahlen das Gesicht wärmen. Ihr langes, blondes Haar glänzte golden im Licht. Sie hatte es zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr lässig über der Schulter hing. Auch ihr bunter Rock wirkte unter der funkelnden Sonne viel prächtiger. Irgendwie war alles an ihr leuchtender und fröhlicher geworden in den letzten Monaten.
Mit einem heiteren Lächeln auf dem Gesicht kam Elva zu Grimm herüber.
"Ich hab dir was mitgebracht", sagte sie und hielt dem Breeländer einen mit einem Tuch abgedeckten Korb hin, den sie mitgebracht hatte, "Ich dachte mir, das käme dir für die Mittagspause gerade recht."
Der Korb enthielt einen halben Laib Brot, ein großes Stück Käse und sogar ein wenig Schinken und eine herrlich duftende Apfelpastete mit Zuckerguss.
"Es hat schon seine Vorteile, an der Verwaltung der Vorräte mitzuarbeiten. Ich dachte mir, wenn ich "Apfelpastete" schon endlich richtig schreiben kann, kann ich mir auch eine gönnen", sagte sie und zwinkerte Grimm zu.

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May the force be with you.
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