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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Bibliothek » Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II

Eiliane

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: NaugrimNogrod]

Zu: "Hilf mir, es selbst zu tun", lautet ein Leitspruch.

Warum ist Hermine so hartnäckig?

Hermine ist ein vierzehn jähriges Mädchen das miterlebt hat wie einer Hauselfe, Winky, Unrecht widerfahren ist.
Sie sieht wie Mr. Diggory Winky wie eine Schwerverbrecherin behandelt, obwohl er wusste, dass sie nichts getan haben konnte. Der Meister, Mr. Crouch, wirft sie raus, nur weil Winky aus Angst etwas tat, das ihr verboten wurde.
Bis dahin hat Winky ihrem Meister viele Jahre immer treu gedient.

Hermine ist entsetzt darüber wie mit dieser Elfe umgegangen wurde und dann erfährt sie auch noch, dass in Hogwarts an die hundert Hauselfen unter gleichen Bedingungen arbeiten müssen.

Hermine wäre nicht Hermine wenn sie nicht alles tun würde um für die Rechte der Elfen zu kämpfen.
Sie hat in der Bibliothek nachgeforscht und erfahren, dass schon vor Jahrhunderten die Elfen versklavt wurden.

Sie gründet den Verein B-ELFE-R, Bund für Elfenrechte. Sie will andere Zauberer dafür gewinnen sich für mehr Rechte der Hauselfen einzusetzen. Ziel ihrer Aktion ist es das Zaubereiministerium zu drängen die Elfenrechte zu überarbeiten und faire Arbeitsbedingungen für die Elfen zu schaffen.

Nun erhält sie Zugang zu den Hauselfen in Hogwarts, natürlich wird sie nun alles tun, diese zu überzeugen, sich auch selbst für ihre Rechte ein zusetzten.
Hermine hat erfahren, dass Elfen keine eigenen Wünsche haben dürfen, sie immer nur arbeiten und gehorchen sollen. Unter diesen Bedingungen kann aber niemand glücklich sein.
Dobby ist jetzt glücklich, die anderen Hauselfen könnten es auch sein.

Für Hermine ist Dobby der Beweis, dass auch die Hauselfen von Hogwarts glücklich sein könnten, sie müssten sich nur auch für die Freiheit entscheiden. Hermine will ihnen mit den selbstgestrickten Mützen dabei helfen diesen Schritt zu gehen.
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NaugrimNogrod

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: Eiliane]

Eiliane schrieb:
Zu: "Hilf mir, es selbst zu tun", lautet ein Leitspruch.

Warum ist Hermine so hartnäckig?

Hermine ist ein vierzehn jähriges Mädchen


sie weiß es also noch nicht besser, das entschuldigt es . Eine Erkenntnis, dass man Leuten nicht helfen kann, die keine Hilfe wollen, dauert, das weiß ich aus eigener Erfahrung
In Bezug auf:

Hermine ist entsetzt darüber wie mit dieser Elfe umgegangen wurde und dann erfährt sie auch noch, dass in Hogwarts an die hundert Hauselfen unter gleichen Bedingungen arbeiten müssen.



das ist eben falsch, weil die Hauselfen in Hogwarts nicht unter denselben Bedingungen gehalten werden
In Bezug auf:

Hermine hat erfahren, dass Elfen keine eigenen Wünsche haben dürfen, sie immer nur arbeiten und gehorchen sollen.


Sie haben keine eigenen Wünsche und sie arbeiten gerne
In Bezug auf:

Unter diesen Bedingungen kann aber niemand glücklich sein.


unter den Bedingungen, dass sie diese Wünsche nicht nur nicht haben dürfen sondern schlichtweg auch nicht haben, können sie sehr wohl glücklich sein
In Bezug auf:

Dobby ist jetzt glücklich, die anderen Hauselfen könnten es auch sein.


Dobby ist eine große Ausnahme und für Hauselfen kein bisschen repräsentativ
Du kannst doch auch nicht alle Menschen an Stephen Hawkins ausrichten
In Bezug auf:

Für Hermine ist Dobby der Beweis, dass auch die Hauselfen von Hogwarts glücklich sein könnten, sie müssten sich nur auch für die Freiheit entscheiden. Hermine will ihnen mit den selbstgestrickten Mützen dabei helfen diesen Schritt zu gehen.


Hermine zimmert sich ein Gedankengebäude zusammen, das es eben in Wirklichkeit nicht gibt.
Sie redet sich ein, dass in Wirklichkeit alle Hauselfen wie Dobby sind und nur einen Stips in die richtige Richtung bräuchten. Dabei müsste ihr spätestens bei Winky klarwerden, dass dem nicht so ist

~~**~~**~~**~~
Like gravity, karma is so basic we often don’t even notice it
~~°°~~°°~~°°~~
Und was wir heute nicht gesehn, das ruft uns morgen, fortzugehn
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athameg

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: NaugrimNogrod]

Eiliane hat natürlich Recht: die Hauselfen stehen unter einem Zauber, dagegen kann auch Hermione nichts tun (das könnte vermutlich nicht mal Dumbledore). Sie glauben tatsächlich, es sei ihre natürliche Bestimmung, so zu leben. Und das kann wohl tatsächlich nicht die ursprüngliche Denk- und Lebensweise dieser Wesen sein.

Und eine ganze Art mit einem solchen Zauber zu belegen, der sich dann auch noch weiter vererbt, das ist schon eine heftige Sache. Moralisch vertretbar ist das nicht, selbst dann nicht, wenn die Hauselfen sich dabei ganz wohl zu fühlen schienen. Denn dieses "Wohlgefühl" ist vermutlich in den Zauber mit eingebaut, ebenso wie beim Imperiuszauber. Und zwar sicherlich nicht aus Rücksicht auf die Hauselfen, damit die sich besser fühlen, sondern einfach deshalb, weil sie dann leichter zu handhaben sind.

Wie stark dieser Zauber ist, wird in Dobbys Verhalten sehr deutlich. Der denkt doch wirklich erheblich selbständiger als die anderen Hauselfen, und auf intellektueller Ebene weiß er ganz genau, dass ihm Lohn für seine Arbeit und auch andere Rechte zustehen und dass er durchaus auch schlecht über die Malfoys reden darf. Aber wenn er das zu tun versucht, was er für richtig hält, dann fällt ihm das unglaublich schwer.

Aber ganz praktisch betrachtet kann ich auch Naugrims Sicht der Dinge sehr gut verstehen. Natürlich ist es in gewisser Weise besser, wenn die Hauselfen sich in ihrem Leben, wie es nun mal ist, wenigstens wohl fühlen. Und das tun sie ja augenscheinlich, zumal die Hauselfen in Hogwarts, denen es vermutlich tatsächlich recht gut geht. Und der Hinweis auf das Stockholm-Syndrom, das passt schon wirklich gut. Und, interessanter Vergleich, aber auch der funktioniert: Mönche, die sich absolut freiwillig für eine ja doch auch recht eingeschränkte Lebensform entscheiden.

Was ich auch für eine sehr unglückliche Sache halte, ist Hermiones Sich-Einmischen, obwohl sie die Situation offensichtlich wirklich nicht begreift. Sie besteht darauf, dass die Hauselfen sich befreien und für ihre Rechte kämpfen müssten, obwohl die das erkennbar weder wollen noch können. Jemandem zu helfen, dem Unrecht geschieht, das ist eine gute Sache, zweifellos, aber jemandem gegen seinen ausdrücklichen Willen zu helfen, das funktioniert einfach nicht. Naugrim hat Recht, wenn sie schreibt: "Sie will ihnen einen eigenen Willen geben, indem sie ihnen den eigenen Willen nimmt." Besser kann man's eigentlich nicht sagen.

- Während ich das hier geschrieben habe, haben Eiliane und Naugrim ihre Diskussion weiter geführt, das ist hier natürlich noch nicht mit berücksichtigt. Eilianes Erklärung, wie Hermione dazu kommt, so zu handeln wie sie es tut, finde ich sehr glaubhaft. Und es ehrt Hermione ja auch irgendwie, dass sie sich so für diese zweifellos benachteiligten Wesen einsetzt. Bloß, sie macht das eben schon sehr ungeschickt. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass sie halt doch noch sehr jung ist. Ihre "mit dem Kopf durch die Wand"-Methode funktioniert hier einfach nicht. Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Auch keinen Hauselfen, offenbar.

Früher suchten die Hexen ihre Alraunen unterm Galgen, heute suchen sie sie im Internet. "Die Welt ist im Wandel", in der Tat.

Geändert durch athameg (15.03.2018 21:07)

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mohrchen

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: athameg]

Es ist noch verzwickter: Hermine sieht gleichzeitig nicht, dass Winky dafür bestraft wurde, dass sie auf Crouch Junior nicht so aufgepasst hat, wie sie es sollte. Das mag ungerecht sein, aber aus Sicht von Crouch Senior ist es zumindest nachvollziehbar.

Auf Metaebene ist klar, warum Rowling das macht: Irgendjemand muss ja die ganze Drecksarbeit in einem Haushalt erledigen, erst recht in einer Schule. Und damit eben in Hogwarts niemand ausgebeutet wird, denn das wäre gegen den Charakter von Dumbledore (und auch etlicher anderer Lehrer), werden eben die Hauselfen erfunden: nichtmenschliche Wesen, die gerne Sklavenarbeit tun möchten. Vermutlich bemerkte Rowling erst beim Schreiben, dass Hermine das gegen den Strich gehen muss und sie (also Hermine) sich damit zum Handeln verpflichtet fühlt.

Gruß, Thilo.

Never take your liberty for granted, and be careful whom you vote for because it may be the last election you'll ever have.
-- Garry Kasparov

Terroristen sind NIEMALS Gläubige. Terroristen sind IMMER kranke Arschlöcher!
-- Ralf Ruthe
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athameg

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: mohrchen]

Natürlich kann Hermione gar nicht mitkriegen, wofür Winky eigentlich genau bestraft wird; die Geschichte von Barty Crouch jun. ist ihr ja zu diesem Zeitpunkt genau so unbekannt wie allen anderen Anwesenden. Aber das macht die Dinge, die sie sieht, für sie natürlich nur noch krasser, weil sie das überhaupt nicht einordnen kann.

Und, doch, diese Überlegung gefällt mir: auf Metaebene ist die Erfindung der Hauselfen in dieser Form durchaus sinnvoll. Hogwarts ist ja ein riesiger Haushalt, mit Hunderten von Menschen, die versorgt werden müssen, natürlich fällt da eine Unmenge von Arbeit an. Und irgendwer muss diese Arbeit ja nun mal erledigen, und wenn darüber nie ein Wort gesagt wird, dann tut das der Geschichte nicht gut. Irgendwelche eindeutig ausgebeuteten Leute würden in Hogwarts nicht funktionieren und menschliches Personal halt sowieso nicht, also war die Erfindung der Hauselfen schon eine ziemlich sinnvolle Idee. Und dass Hermione, so wie die Figur nun mal angelegt ist, damit Probleme haben wird, das war absehbar, musste also klugerweise in die Handlung einbezogen werden. Dass Hermiones Hauselfen-Aktion nie irgendwelche praktischen Auswirkungen hat, ist logisch, aber sie in die Handlung einzubeziehen ergibt schon Sinn.

Früher suchten die Hexen ihre Alraunen unterm Galgen, heute suchen sie sie im Internet. "Die Welt ist im Wandel", in der Tat.
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Morion

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: athameg]

Naja. Die Leute können zaubern. Da könnte man das Geschirr und die Bettwäsche und die Flure etc. einfach sauberzaubern. Oder so verzaubern, dass sie das von selbst tun. Wozu man da Hauselfen erfinden muss, sehe ich nicht.

Ist das Satire oder kann das weg?
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Phoenixin

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: athameg]

mohrchen hat schon Recht: Es muss auch in der Zaubererwelt einige Hausarbeit erledigt werden. Allerdings sind den Zauberern auch Haushaltszauber bekannt (siehe Molly und Tonks Versuche in HP 5). Ich könnte mir schon menschliche Köche und Reinigungskräfte in Hogwarts vorstellen. Immerhin gibt es auch einen Hausmeister, einen Wildhüter, eine Bibliothekarin etc. Gerade, als ich diesen Beitrag abschicken wollte, wurde ich auf Morions Post hingewiesen. Genauso sehe ich es auch.

Aber die Hauselfen sind sehr wichtig für die weitere Handlung. Dobby wird Harry bei den Malfoys retten, Kreacher verrät Sirius und kann später die Geschichte von Regulus Tod erzählen. Sie können außerdem an Orte apparieren, an die Zauberer nicht auf diese Weise gelangen können. Sie sind eben nicht nur willenlose Sklaven, sondern besitzen magische Fähigkeiten, die den Zauberern voraus sind. Dadurch haben sie großen Einfluss auf den Verlauf der Romanhandlung. In dieser Buchbesprechung ist mir allgemein aufgefallen, dass gerade Charaktere, die von anderen nicht für voll genommen werden (Wurmschwanz) oder Charaktere, die aufgrund ihrer "Rasse" diskriminiert werden (Lupin, Hagrid) Entscheidendes tun.

Dieser Einfluss auf die Handlung und auch die magischen Fähigkeiten der Elfen ändern natürlich nichts an ihrem Sklavendasein. Rowling zeigt eine sehr ungleiche magische Gesellschaft, in der es verschiedene magische Wesen gibt, die von vielen Zauberern als minderwertig angesehen werden.

"Hilf mir, es selbst zu tun" ist ein Spruch, dem ich zustimme. Man kann niemanden "zu seinem Glück zwingen".

Geändert durch Phoenixin (16.03.2018 19:12)

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athameg

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: Phoenixin]

Was die Erledigung der Hausarbeit betrifft: es gibt das offenbar wirklich Dinge, die magisch erledigt werden können (bei den Weasleys wäscht sich das Geschirr von allein ab), und es gibt Dinge, bei denen das nicht so gut funktioniert (Molly Weasley hätte gern einen Hauselfen, damit er die Wäsche bügelt). Es gibt schon Haushaltszauber, die viele Arbeiten zumindest erleichtern, Fleur und ihre Mutter kennen da eine ganze Menge. Aber offenbar kann man nicht die gesamte Hausarbeit magisch erledigen. Und selbst wenn man es könnte: es würde ja irgendwelches Personal brauchen, das die entsprechenden Zauber ausführt. Und, natürlich hat Phoenixin Recht: es gibt ja auch für andere Bereiche menschliches Personal in Hogwarts, also wäre das natürlich im Bereich Haushalt ebenfalls möglich.

Aber, und auch das stimmt: die Hauselfen haben tatsächlich eine immense Bedeutung für die Handlung, und zwar oft gerade deshalb, weil niemand mit ihrem Eingreifen rechnet oder weil ihre Fähigkeiten mal wieder total unterschätzt werden. Und das ist eine wichtige Beobachtung, die Phoenixin da gemacht hat: erstens ist die Zaubererwelt "eine sehr ungleiche magische Gesellschaft", und zweitens spielen in dieser Geschichte oft gerade diejenigen Charaktere eine große Rolle, die unterschätzt oder diskriminiert werden.

Das Thema der Ungleichheit wird im Laufe der Geschichte immer wichtiger. Schon die menschlichen Hexen und Zauberer sind ja nicht alle gleich, da sind manche durchaus überzeugt, dass sie gleicher sind als die anderen, weil sie "Reinblüter" sind zum Beispiel (was ebenso fatal wie absichtlich an die Nazis mit ihren Ariernachweisen erinnert). Und dann gibt es eben viele Arten, die eine menschenähnliche Intelligenz haben, die sprechen können und teilweise auch über Magie verfügen: Zentauren, Hauselfen, Kobolde, Wassermenschen, und so weiter. Manche dieser Arten können sogar Verbindungen mit Menschen eingehen und Kinder mit ihnen haben: Fleur stammt von einer Veela ab, Hagrid und Madame Maxime sind Halbriesen, Professor Flitwick hat Kobolde unter seinen Vorfahren. Aber als "gleichwertig" gelten diese Arten für die meisten Hexen und Zauberer nicht.

Und es sind tatsächlich oft die aus irgendwelchen Gründen, meist einfach in Folge von Vorurteilen, unterschätzten Charaktere, die die Handlung entscheidend weiter bringen. Peter Pettigrew erschafft Voldemorts neuen Körper. Der Hauself Kreacher entkommt mit dem Medaillon aus der von Voldemort verschlossenen Höhle. Der Hauself Dobby appariert nicht nur nach Hogwarts und wieder heraus, sondern er bringt auch Harry & Co. aus Malfoy Manor fort und zu Bill und Fleur in Sicherheit. Hagrid holt Harry in die magische Welt und verhandelt in Dumbledores Auftrag mit den Riesen - und Umbridge glaubt, er könne nicht einmal bis zehn zählen.

Und die Vorurteile gegen Werwölfe machen es Remus Lupin praktisch unmöglich, ein normales Leben mit Beruf und Familie und sozialen Kontakten zu führen. Ich habe übrigens bei Pottermore einen sehr interessanten Satz dazu gefunden, der bestätigt hat, was ich auch schon mal vermutet hatte. Rowling schreibt da: "Remus Lupin's affliction was a conscious reference to blood-borne diseases such als the HIV infection, with the attendant stigma."

Früher suchten die Hexen ihre Alraunen unterm Galgen, heute suchen sie sie im Internet. "Die Welt ist im Wandel", in der Tat.
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Sorina

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: athameg]

Der Rassismus der Zaubererwelt wird auch sehr schön durch den Brunnen der magischen Geschwister (im Original "Fountain of Magical Brethren") symbolisiert den wir im 5. Band kennenlernen, als Harry zum ersten Mal das Zaubereiministerium besucht. Der Brunnen der magischen Geschwister stellt fünf überlebensgroße magische Wesen dar: einen Zauberer, eine Hexe, einen Zentaur, einen Kobold und einen Hauselfen. Der Zauberer und die Hexe stehen mit erhobenem Zauberstab in der Mitte , während die anderen drei Wesen bewundernd zu ihnen aufblicken. Der Brunnen basiert auf einer Lüge, einer Utopie. Die magische Gesellschaft funktioniert keinesfalls so reibungslos. Bei dem Duell zwischen Dumbledore und Voldemort im Sommer 1996, kurz nach Sirius Tod, wird der Brunnen schwer beschädigt. Dumbledore setzt beispielsweise Bellatrix mithilfe der Hexe außer Gefecht.

Zentauren sind sehr stolz und überaus intelligent. Sie brauchen keine Menschen und auch den Menschen zu helfen, wird innerhalb der Herde als Schande und Verrat angesehen (Beispiel Firenze, der von seiner Herde beinahe getötet wird, als er einwilligt in Hogwarts zu unterrichten).

Die Kobolde sind ähnlich stolz auf ihre Rasse und auf ihre Schmiedekunst. Koboldgeschmiedetes Silber nimmt nur auf, wovon es gestärkt wird. So kommt es, dass das Schwert von Gryffindor mit Basiliskengift imprägniert ist und Horcruxe zerstören kann, seit Harry damit den Basilisken in der Kammer des Schreckens getötet hat. Seit Jahrhunderten kämpfen die Kobolde für ihre Rechte, wie wir in Professor Binns zahlreichen einschläfernden Geschichtsstunden erfahren. Laut Ron haben die führenden Köpfe der Rebellionen allesamt Namen wie "Bodrod the Bearded" oder "Urg the Unclean". Bill Weasley, Rons ältester Bruder lehrt uns im 7. Band auch, vor Kobolden immer auf der Hut zu sein und bei Versprechen große Vorsicht walten zu lassen. Aufgrund seiner jahrelangen Arbeit bei der von Kobolden geleiteten Bank Gringotts, weiß Bill genau wovon er redet. Wir erfahren, dass Kobolde der Ansicht sind, dass ein Objekt immer dem Hersteller und nicht dem Käufer gehört. Somit missbilligen Kobolde es sehr, wenn koboldgeschmiedete Dinge von Zauberer zu Zauberer weitergereicht werden. Unter Kobolden wird ferner gesagt, dass Godric Gryffindor sein legendäres Schwert von dem Koboldkönig Ragnuk I. gestohlen hat.

Weder die Zentauren noch die Kobolde blicken also bewundernd zu den Zauberern auf, wie der Brunnen der magischen Geschwister es suggeriert. Die Rasse der Hauselfen wurde von den Zauberern versklavt und obwohl sie ihre eigene, sehr starke Magie besitzen, ist ihre größte Ambition zu dienen. Wie Hermione feststellen musste, gibt es auch in Hogwarts Hauselfen, eine ganze Legion davon. Von B-ELFE-R (im Original "S.P.E.W.") wollen sie nichts hören. Ihnen geht es gut und sie sind wunschlos glücklich. Die Art und Weise wie Dobby und Winky mit ihrer Freiheit umgehen, ist sehr verschieden. Dobby hat mit den Malfoys so ziemlich das schlechtmöglichste Los gezogen. Er bekommt jeden Tag Todesdrohungen, Tritte und Schläge (zusätzlich zu den Bestrafungen, die er sich selbst angedeihen lässt!). Außerdem hört er Details über die politischen Ansichten seiner Familie, also auch deren Intrigen und Verschwörungen. Als Dobby Harry trifft, wird er von einem Zauberer zum ersten Mal in seinem Leben mit Respekt behandelt. Harry bietet ihm einen Sitzplatz an und siezt ihn zunächst. Das mag Harrys völliger Unwissenheit zuzuschreiben sein, trotzdem ist es für Dobby ein Weckruf. Seine Freiheit genießt er in vollen Zügen, obwohl es etwa 1-1,5 Jahre dauert bis er auf die Idee kommt, in Hogwarts nach einer bezahlten Stelle zu suchen. Keiner der anderen Hauselfen in Hogwarts wird entlohnt, da sie die bloße Idee als Beleidigung empfinden. Winky hingegen vergöttert ihren Meister (und plappert dessen Ansichten nach wie ein Papagei, ähnlich wie Kreacher: "Bagman ist ein böser Zauberer."). Winky genießt auch einen gewissen Respekt von Crouch sr. Er vertraut ihr seinen Sohn an, eine äußerst schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe, die Winky aber tadellos bewältigt (solange bis Crouch jr den Imperiusfluch seines Vaters abschütteln kann und daran kann man Winky nicht die Schuld geben). Winky überredet ihren Meister auch mit Erfolg, seinen Sohn zur Quidditch-Weltmeisterschaft mitzunehmen, ein sehr gefährliches Unterfangen. Als Winky ungerechterweise befreit wird (Crouch sr statuiert an ihr ein Exempel um seinen eigenen Ruf im Ministerium zu retten), beginnt sie zu trinken und vernachlässigt sich und ihre Arbeit.

Die Hauselfen wurden laut J.K. Rowling von Helga Hufflepuff eingestellt. Hufflepuff hat die Küche erbaut, da Zauber, die etwas mit Essen zu tun haben, ihre große Stärke waren. Die gutmütige Helga wollte den Hauselfen einen sicheren Arbeitsplatz verschaffen, wo sie keine Gefahr laufen, misshandelt zu werden. Moralisch ist das für Hermione und für uns nicht mehr nachvollziehbar, wobei man berücksichtigen muss, dass Helga Hufflepuff im 10. Jahrhundert (vor etwa 1000 Jahren!) gelebt hat, also im Mittelalter.

“I solemnly swear that I am up to no good.”
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athameg

Gefährte

Re: Buchbesprechung Harry Potter, Band 4 Thread II [Re: Sorina]

Stimmt, der Brunnen im Zaubereiministerium ist eine Lüge, zumindest was die Darstellung des Zentauren und des Kobolds betrifft. Und zwar halte ich das nicht für die naive Wunschvorstellung/ "Lüge" von jemandem, der gern hätte, dass es so wäre, sondern für eine sehr bewusste Propagandalüge: seht her, die Menschen sind den anderen Arten überlegen, und die anderen Arten wissen das. Ich nehme an, Mr. Fudge liebt diesen Brunnen.

Tatsächlich reicht das Problem sogar noch ein bisschen weiter. Denn nicht nur den Menschen halten sich für die überlegene Art, sondern die Zentauren tun es eindeutig auch, und bei den Kobolden dürfte es nicht viel anders sein. Und jede dieser Arten hat ihre eigene Ethik, die sich von der Ethik der Menschen unterscheidet. Bisher haben wir hier nur von der Ethik der Hauselfen gesprochen: es ist unwürdig, für seine Arbeit Geld anzunehmen und ein strafwürdiges Verbrechen, schlecht über seine Herren zu reden, und es ist die höchste Ehre, die Geheimnisse seiner Herren bewahren zu dürfen. Und diese Denkweise war für uns so fremd, dass wir sie uns wirklich nur mit dem Fluch erklären konnten, der auf dieser Art liegt. Aber die Denkweise der Zentauren und der Kobolde ist für uns genauso fremd. Die Zentauren wollen um keinen Preis den Eindruck aufkommen lassen, dass sie den Menschen "dienen"; als in Band 1 Firenze Harry auf sich reiten lässt, aus dem ganz praktischen Grund, weil das einfach die schnellste Möglichkeit ist, ihn in Sicherheit zu bringen. wird das von den anderen Zentauren heftig kritisiert. Und die Kobolde sind überzeugt davon, dass ein Gegenstand nur demjenigen gehören kann, der ihn hergestellt hat, das Konzept des "Verkaufens" begreifen sie nicht; wenn sie jemandem etwas von ihnen Hergestelltes gegen Geld überlassen, betrachten sie das als Vermieten und erwarten selbstverständlich, dass ihnen dieser Gegenstand spätestens beim Tod des "Mieters" zurückgegeben wird; vererbt dieser Mieter den Gegenstand an einen anderen Menschen weiter, dann betrachten sie das als Diebstahl (siehe das Schwert von Godric Gryffindor!).

Wir haben es hier also mit grundsätzlich verschiedenen Denkweisen zu tun, die naturgemäß zu jeder Menge Missverständnissen führen. Aber es wird noch komplizierter, denn auch Normen ändern sich natürlich. Es gibt jede Menge Dinge, die vor fünfzig Jahren, als ich jung war, als kriminell oder doch wenigstens als unmoralisch galten und die heute als ganz selbstverständlich akzeptiert werden. In diesen Rahmen passt jetzt die Geschichte von Helga Hufflepuff und den Hauselfen. Helga Hufflepuff hat die Hauselfen nach Hogwarts geholt, damit sie einen sicheren Arbeitsplatz haben und vor Misshandlungen geschützt sind, und das war vor tausend Jahren mit Sicherheit die optimale und überhaupt die einzig vorstellbare Art, wie man diesen Wesen helfen konnte. Etwas wie Hermiones Überlegungen, welche Rechte die Elfen eigentlich haben müssten, wäre damals unvorstellbar und grotesk gewesen.

Früher suchten die Hexen ihre Alraunen unterm Galgen, heute suchen sie sie im Internet. "Die Welt ist im Wandel", in der Tat.
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