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Mittelerde & andere phantastische Welten » Tolkiens Werke » "Neues" Buch - Beren & Luthien

Inken

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Aratirion]

Ich denke immer so:

a. Wir befinden uns im Jahr 2017.
b. Die heutigen Leser Tolkiens befinden sich auch im Jahr 2017.
c. Welchen Stil entwickelten die künstlerischen Maler von, sagen wir mal, Anfang des 20. Jahrhunderts bis 2017?

Wikipedia gibt zu c. eine gewisse Auskunft. ->

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts z.B.:

Fauvismus
Kubismus
Dadaismus
Surrealismus

Zweite Hälfte des 20. Jahrunderts bis heute z.B. ->

ab Fünfziger Jahre:

Informel
Tachismus
Abstrakter Expressionismus
Konkrete Kunst
Minimal Art
Konzeptkunst
Pop Art
Neue Wilde
Neue Leipziger Schule (Gründer Neo Rauch)

Ich müsste jetzt zu jeder Stilrichtung ein Beispiel verlinken, tue ich vielleicht auch noch, aber wenn, dann nach und nach.


Grundsätzlich:

1. Ich möchte Tolkien nicht altmodisch illustriert sehen - also in einer Stirichtung, die Tolkien in die altmodische Vergangenheit einsenkt.
Tolkiens Werk weist für mich in eine Zukunft, die 2017 weit übersteigt.

2. Die aktuelle Malerei - Leipiziger Schule zum Beispiel - ist allerdings neo-realistisch. Sie versucht das Mythische in der aktuellen Gegenwart mitzumalen.

Über Neo Rauch, den Begründer der Leipziger Schuler, gibt es sogar einen Film, der Anfang März 2017 gestartet ist.

Ich greife mal irgend eine Malerei von Neo Rauch heraus, die für mich durchaus eine Illustration tolkiensischer Ideen sein könnte:

http://eigen-art.com/files/nrauch_der_landgang_013_4913_m.jpg
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Der FlammiferArdapedia-Admin

Gefahr

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Inken]

Inken schrieb:
Ich möchte Tolkien nicht altmodisch illustriert sehen - also in einer Stirichtung, die Tolkien in die altmodische Vergangenheit einsenkt.


Ich möchte Tolkien mal illustriert und gesetzt sehen auf Grundlage seiner Vorbilder, Einflüsse und Vorlieben. Mir am bekanntesten ist da Morris und die Kelmscott Press. Im Sinne einer tiefgehenden Einarbeitung. So dass der Stil wirklich nachvollzogen wird, und nicht als oberflächliche Referenz auf irgendeine aktuelle Strömung aufgepinselt wird.

Und nur zur Sicherheit: Das ist, wofür ich mich interessiere, und nicht, was ich grundsätzlich für alle als den richtigen Zugang ansehe.

Aiya Ëarendil elenïon ancalima, or Endórë leltana Quendin ar Atanin!
Aiya Ëarendil calë nó Anar Iþilyëo colindo! Elen mornïessë, mírë andúnessë, silmarillëa auressë!
Aiya Morinehtar, Eruhínïon alcarë!

· ~ • ~ · ~ • ~ · ~ × ~ · ~ • ~ · ~ • ~ ·
Träger des Falkenaugen-Ordens
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Inken

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Der Flammifer]

Der Flammifer schrieb:
So dass der Stil wirklich nachvollzogen wird, und nicht als oberflächliche Referenz auf irgendeine aktuelle Strömung aufgepinselt wird.



Genau! Das eben darf es nicht - in keinem der erwähnten Fälle, egal, ob man Vergangenes, Gegenwärtiges oder Zukünftiges im Stilistischen verkörpert.

Stil ist die Seele des Werkes, die sichtbare Umsetzung der innersten Wahrnehmung dessen, was anders nicht formulierbar ist.

Sowohl modernistischer als auch antiquierter Stil macht das Werk fragwürdig.
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Susie

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Aratirion]

Aratirion schrieb:
Was mich aber wirklich reizen würde, wäre ein etwas abstrakterer Ansatz. Etwa Tove Jansson (Tolkien Calendar 2016).


Wie SUPERschön!

Ich wusste gar nicht, dass Tove Jansson auch Tolkien illustriert hat. Den Kalender habe ich mir gleich mal bestellt, ich habe ihren Stil schon in den Muminbüchern als Kind sehr gemocht (davon abgesehen, dass die Muminbücher einfach wunderschön sind, allesamt).

Vielen Dank für den Tipp!!

"You didn't think it was going to be THAT easy, did you?"
"Well... for a second there... - yeah, I kinda did!"
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Riana

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Susie]

So, jetzt habe ich das gute Stück auch, allerdings die deutsche Übersetzung. Erstkontakt auf einer Zugfahrt, was wahrscheinlich nicht die besten Vorraussetzung für ungetrübten Lesegenuss ist

Ich finde die Prämisse des Buches total spannend und freue mich das Buch in Ruhe zu studieren, aber es ist eigentlich nichts, was man mal so eben nebenbei lesen kann (anders als die zB. Kinder Hurins).

Habt ihr auch das Gefühl, dass der Text am Anfang sperriger ist als in der Silmarillion-Version? Ich frage mich ob das a, an Tolkiens sich entwickelnden Schreibkünsten liegt, b, eine Sache der Übersetzung ist oder c, einfach aus meinem Mangel an Konzentration herrührt )

Sind in der englischen Version die Bilder auch so winzig? Natürlich ist es schick dass die Illus bündig zum Textblock auch der anderen Seite abschliessen, aber ich finde sie so arg klein (oder brauch eine Lesebrille).


--------
Ich würde ja gerne mehr über das Buch schwadronieren aber die Tolkien-Illustrations-Diskussion ist gerade so spannend : Jemima Catlin hat ja mit ihrer Hobbit-Illustrationen doch etwas frischen Wind in die Szene gebracht. Wie gefällt euch so eine Art der Illu? Ich war erst etwas etwas überrascht, habe dann aber im Feldversuch festgestellt, dass die Bilder beim Lesen mit Kindern fantastisch funktionieren.

Ich wünsche mir von Illustrationen, dass sie das einfangen, was der Illustrator im entsprechenden Text sieht. Den Hobbit, Leaf bei Niggle und das Silmarillion etc. sollten unterschiedlich illustriert werden, weil die Texte eben so unterschiedlich sind. Und da kommen wir an den Witz der Sache: es gibt vielleicht EINEN Ring, aber nicht EINE Version von Tolkien.

Wahrscheinlich kann ein sehr guter Illustrator das Silmarillion auch mit Photos von Plastiken aus gekautem Brot illustrieren - wenn er es hinbekommt dass der Betrachter einen Bezug zum Text herstellen kann. Das ist nämlich imho die eigentliche Leistung eines guten Illustrators, die aber hinter der technischen Umsetzung oft ein bisschen untergeht.



ABER ich möchte auch nochmal eine Lanze für "altmodische" Illustrationen brechen:
Gerade bei Tolkiens Texten, bei denen er so viel Aufwand betreibt "Vergangenheit zu rekonstruieren" (Gudrun, Beowulf, z. T. auch HdR) hat ein Rückgriff auf alte Vorbilder imho tatsächlich eine große Berechtigung. Mir haben z. B. die Vignetten in Sigurd und Gudrun total gut gefallen, obwohl die ja extrem nah an den Motiven der Stabkirche von Hylestadt sind. Tolkien bastelt einen Text, der im Stil des 13. Jh. ist, der Illustrator zeichnet im gleichzeitigen Urnesstil, d.h. Text und Illu greifen von der Idee her perfekt inenander.

Wenn Tolkien schon ganz am Anfang des HDR betont, dass wir hier eine Übersetzung des Roten Buches der Westmark haben, passt es dann nicht auch, wenn die Illustrationen alt wirken?
Bei der Krege-Übersetzung stören sich viele Leser an der moderneren Sprache, da frage ich mich, ob diese Leute dann auch die modernen Illus nicht so mögen.

---
Wozu braucht Legolas Gimlis Helm so dringend, und was sagt der Zwerg zum Treppensurfen? ;-)
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Inken

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Riana]

Riana schrieb:

Ich würde ja gerne mehr über das Buch schwadronieren aber die Tolkien-Illustrations-Diskussion ist gerade so spannend :




Riana schrieb:
ABER ich möchte auch nochmal eine Lanze für "altmodische" Illustrationen brechen:
[...]
Wenn Tolkien schon ganz am Anfang des HDR betont, dass wir hier eine Übersetzung des Roten Buches der Westmark haben, passt es dann nicht auch, wenn die Illustrationen alt wirken?



Nicht Tolkien hat betont, dass er einen alten Text übersetzt hat.
Er war doch nicht meschugge, ihm war doch klar, dass es kein Rotes Buch gibt und dass er es nie gelesen hat. Er hat eins erfunden.
Der, dem das Rote Buch vorlag, war ebenfalls eine erfundene Figur.

Es ist wie mit den Märchen, die mit "Es war einmal" beginnen.
Wir alle wissen, dass es nie "einmal war". Hier liegen keine historischen Berichte vor. Die Märchen bilden die Zeit ab, in der sie erzählt wurden.

Darum hat Tolkien ja auch gewünscht, dass man Übersetzungen des LotR dem jeweils aktuellen Sprachstil anpasst.

Ich weiß im Moment nicht, wo das steht, aber falls der User Beren_Fox oder jemand anders das weiß: dann bitte ich um Info, ich vergess solche Sachen immer.

Ich erwähne in diesem Zusammenhang meist Ernst Bloch, der im Mythos nicht die Vergangenheit beschrieben sah, sondern die Beschreibung einer Utopie.

Alles, was im literarischen Bereich erfunden wird, wird "ins Sein gesetzt". Vorher war es nicht da - jetzt aber gibt es Hobbits, seit Tolkien.
Die Ainur in der Ainulindale setzen auch die Welt "ins Sein".
Die Dichter tun das auch. Bei den vonTolkien erfundenen Ainur wird das ins Sein gesungen, aber er als Dichter htat das ins Sein gedichtet.

Und ein Illustrator könnte nach meiner Vorstellung durchaus das mal mitillustrieren.

Bei Franz Kafka gibt es das ja auch: man bebildert nicht nur die vordergründige Geschichte, sondern drückt auch den Horror mit aus, der in den Erzählungen mitschwingt.

Geändert durch Inken (13.06.2017 00:03)

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Riana

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Inken]

Also eine Geisteskrankheit wollte ich Tolkien jetzt auch nicht unterstellen, aber beim "Tun als Ob" gibt er sich ja aussergewöhnlich viel Mühe und erfindet allerhand Quellen um seine Texte in einer erfundenen Historie zu verorten und garniert das Ganze dann auch noch mit X Anspielungen und Querverbindungen zur tatsächlichen (irdischen) Quellen. Nicht umsonst nennt er seine Primärquelle "Das ROTE Buch der Westmark" (Anspielung auf das Rotes Buch von Hergist). Ich würde ja noch ins Detail gehen und etwas präziser argumentieren, aber dann haben wir das zweite Offtopic

Und deswegen ist es imho, um nochmal den Bogen zum ersten Offtopic zu schlagen, gerade bei Tolkien berechtigt, wenn nicht sogar werkgerechter, in den Illustrationen zumindest etwas altes aufzugreifen um den Bildern ein gewisses "Unterfutter" zu geben.

---
Wozu braucht Legolas Gimlis Helm so dringend, und was sagt der Zwerg zum Treppensurfen? ;-)
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Inken

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Riana]

Riana schrieb:
wenn nicht sogar werkgerechter



Es hängt eben davon ab, was man unter "Werk" versteht.

Du verstehst darunter möglicherweise ganz etwas anderes als ich, und wir beide haben nun unsere Position erläutert.
Mehr kann man nicht tun.


Nachtrag:
Man könnte höchstens noch darüber debattieren, ob Künstler grundsätzlich in ihren Illustrationen werkgerecht sein wollen oder interpretieren wollen, an die eigene Zeit anpassen wollen etc.

Es gibt da alle Facetten.

Geändert durch Inken (15.06.2017 14:24)

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Rog

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Inken]

Ich bin nun mit der deutschen Version durch und ich finde das C. Tolkien mit diesem Werk kein neues Werk geschweige denn Meisterwerk vorgelegt hat. Ich halte es trotz der doch anders beschwörende Einleitung von C. Tolkien nur für eine redaktionell überarbeitete Fassung der THoMe-Texte. Neue Aspekte außer einer Zusammenfassung besagter Texte und deren mehr oder minder sinnvolle Abfolge in einem Buch ohne die ganzen Kommentierungen und Querverweise aus der THoMe sehe ich dabei nicht.

Chaos is a ladder - Petyr Littlefinger Baelish (ASOIAF)
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Beren_fox

Gefährte

Re: ›Neues‹ Buch: Beren & Lúthien [Re: Rog]

Es ist ja auch kein _neues_ Werk. Im Vorwort sagt Christopher deutlich, dass er keine neuen Texte verwendet hat, nur die bereits bekannten. Einen anderen Anspruch hat er also gar nicht gesetzt. Ob neben den alten auch neue Texte veröffentlicht werden war reine Spekulation der Fans (inklusive mir selbst).
Das wirklich spektakuläre an dem Buch ist, dass hier eine einzelne Geschichte in ihrer Evolution gezeigt und gewürdigt wird. Die HoMe hat den Gesamtcorpus des Mittelerde-Legendariums im Blick gehabt, jetzt wird zum ersten Man an einer einzelnen Sektion daraus gezeigt, wie so eine Entwicklung stattfindet. Klar könnte man sich all die Texte aus der HoMe zusammenwurschteln. Dass sämtlichen Texten aber Raum in einem einzelnen Buch gegeben wurde halte ich für bemerkenswert. Für Menschen, die sich mit Tolkiens Werk tiefer auseinandersetzen ist das pures Gold, und ich bin dankbar, dass Christopher nicht den gleichen Weg wie bei den "Children of Húrin" gegangen ist.

Gruß
BEREN

Elen Rusco caluva tiëlyanna!
Elbenstammbaum
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